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<Im Herbst wird die Obst- und Weinernte eingebracht.
Viel Mühe muß bis dahin einsetzt werden , und ein Ertrag ist nicht selbstverständlich.
Dies gilt auch für die Früchte des Lebens, die erst am Ende der Schaffensperiode
des Menschen geerntet werden können. War die Mühe gesegnet, lief alles
wie es sein sollte, dann ist der Ertrag reich, man bringt die Ernte mit
großer Freude ein.
An diesem Zeitpunkt steht das dritte der drei Wallfahrtsfeste, Sukkoth,
das Laubhüttenfest, das Fest des Früchtesammelns, zu dem Israel zur Zeit
des Tempels nach Jerusalem pilgerte um dort den Opferanteil der Ernte
darzubringen. Wenn die Ernte eingebracht ist, kann man getrost alle Sorgen,
die man bis dahin hatte, vergessen und sich ganz der Freude über das Erreichte
hingeben.
So soll es auch sein: In der Thorah wird es uns ans Herz gelegt dieses
Fest voller Freude zu begehen, sieben Tage lang.
Aber über dieser Freude sollen wir nicht bequem
und träge werden, wir sollen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen.
Wir sollen nicht denken, daß die festen Häuser, die wir uns im Laufe unseres
Lebens gebaut haben, für uns eine Burg sind, die uns vor allem schützt
und in der wir mit dem von uns erreichten uns nun zur Ruhe setzen und
darin verharren dürften. Wir dürfen nie vergessen, daß es nur Einen gibt,
der uns wahrhaft schützen kann, daß wir auf unserem Weg zu Ihm nie aufhören
dürfen voranzuschreiten.
Darum gebietet uns Gtt gerade in diesem Augenblick, an dem wir denken
nun alles erreicht zu haben, all dieses wieder zu verlassen, aus unseren
Häusern heraus zu gehen, uns erneut wieder in den Zustand des Wandernden
zu versetzen, der nur in einem zerbrechlichen, instabilen Unterschlupf
seine Behausung findet, letztlich nur behütet von der Hand Gttes,
die sich schützend über ihm ausbreitet.
Diese Haltung des stets Wandernden, der nicht auf seinem Weg ruht, nicht
im Verweilen erstarrt, und der gerade auf seinem Weg sich beschützt und
geführt weiß, ist Israels vornehmste Daseinsform: Der ewig wandernde
Jude als freiwillig akzeptierte Aufgabe,- nicht als durch Fluch
uns aufgezwungene Lebensform. Nur in dieser Haltung kann Israel zum Segen
für die Menschheit werden. Wir verlassen unsere Häuser, bauen uns Hütten,
Sukkoth, die uns Schatten und Windschutz gewähren, uns aber
nicht von den Einflüssen der Natur abschneiden.
In diesen Hütten wohnen wir und feiern das Fest sieben Tage lang. In unsere
Freude schließen wir die ganze Menschheit mit ein. So wurden zur Zeit
des Tempels in diesen Tagen insgesamt 70 Stiere geopfert als Sühneopfer
Israels für alle Völker der Erde, begleitet von Gebeten für ihr Wohlergehen.
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| Alte Darstellung einer Sukkah |
Wir laden die großen Hirten Israels ein mit
uns in der Sukkah zu sitzen: Avraham, Yitzchak, Yaakov, Yosef, Mosche,
Aharon und David.- jeden Tag einen anderen. Zugleich aber laden wir auch
Bedürftige ein, denen wir die gleiche Ehre wie hohen Gästen zuteil werden
lassen, aufdaß sie mit uns Freude erleben. Und am Ende des Festes hoffen
wir, so wie wir jetzt im Schutze Gttes in der Sukkah saßen, auch
am Ende der Tage, wenn Frieden herrschen wird, gemeinsam in der Sukkah
sitzen zu dürfen, die der Ewige aus der Haut des Leviathan uns gebaut
haben wird, des dann endgültig besiegten Ungeheuers der Urwelt.
Eine Besonderheit Sukkoths, die unsere Freude vermehren soll, sind die
vier Pflanzenarten, die wir zu einem Feststrauß zusammenbinden: Den prächtig
aussehenden und gut duftenden Etrog (eine Zitrusfruchtart), den schön
aussehenden, aber duftlosen Lulav (Dattelpalmzweig), die im Aussehen bescheidene,
aber gut duftende Myrte, die weder prächtig aussehende noch gut duftende
Bachweide. Manche sagen, gemeinsam seien sie ein Symbol für ganz Israel,
das aus Menschen besteht, die sowohl thorahkundig sind als auch gute Taten
begehen, sowie solchen die nur das eine oder das andere kennzeichnet,
aund auch aus solchen, die weder das eine noch das andere ziert. An jedem
der sieben Tage nehmen wir diesen Feststrauß in die Hand,
sprechen den dazugehörigen Segensspruch und schütteln den Strauß je 3-mal
in die 6 Richtungen des Raumes, womit wir die Stellung des Menschen im
Universum verdeutlichen.
Die vier Pflanzenarten geben auch den Bezug zu einem weiteren wichtigen
Aspekt von Sukkoth:
So wie diese in ihrem Gedeihen
auf Wasser angewiesen sind, das Fließende, das lebensspendende Urelement,
so auch der Mensch und die ganze Welt. Wasser zu haben ist keine Selbstverständlichkeit.
In ernstzunehmender Weise gewinnt dieser Aspekt in unserer Zeit und besonders
auch in Israel zunehmend Bedeutung. Sukkoth ist das Fest des Wassers.
An ihm hält der Ewige Gericht über den
Segen des Wassers in der Welt im kommenden Jahr, das allen Menschen zugute
kommt. An Sukkoth wurde zur Zeit des Tempels neben dem täglichen Weingußopfer
zusätzlich ein Wassergußopfer dargebracht. Das Wasser hierfür wurde aus
der Schiloachquelle unterhalb Jerusalems geschöpft und zum Tempel hochgetragen.
Dies geschah im Rahmen einer vielstündigen Zeremonie, jeden Tag, die die
von der sommerlichen Trockenheit ermatteten Menschen mit unbeschreiblicher
Freude erfüllte, begleitet von Gesängen, Musik, Tänzen und Darbietungen.
So wurde Gttes Gebot erfüllt Gießet Wasser vor Mir aus, damit
ihr mit Wasser gesegnet werdet. Wir haben heute die Möglichkeit
des Wassergußopfers nicht mehr, doch schließen wir jedes Jahr ab Sukkoth
in unser tägliches Gebet, im Achtzehngebet, die Bitte um Regen mit ein.
Wenn die ganze Welt mit Wasser gesegnet ist, sind alle Bewohner
der erde in diesen Segen mit eingeschlossen, so formulierte es Rav
Eliahu Kitov.
Während wir an Pessach den Aufbruch des
Menschen aus der tödlichen Erstarrung zu neuem Leben erinnern und feiern,
an Schavuoth die Heranführung des Menschen an seine Bestimmung und an
Schemini Atzereth schließlich das Erreichen der verhießenen Vollendung,
so stellt Sukkoth das Feiern und Gedenken des Weges, der Wanderung selbst
dar. So versteht man, warum wir an Sukkoth auch das Buch Kohelet lesen,
in dem sein Verfasser auf sein Leben zurückblickt und zu dem Schluß kommt,
daß alles sich rastlos abmüht ohne Anfang und Ende zu sehen, daß zugleich
alles Bemühen letztlich Windhauch ist wenn es sich nicht in den Plan Gttes
einfügt. Lernen bringe zwar Vorteil, aber wirklichen Gewinn aus seinem
Dasein ziehe nur der, der im Stande ist Bescheidenheit und Demut den Augenblick
voll zu genießen, der ihm gegeben ist, um sich daran zu freuen.
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