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Der Talmud

Texte aus dem Talmud auf talmud.de: Ordnung Seraim

Der Talmud ist eine der wichtigsten Werke des Judentums, man kann sogar sagen, er sei eine der Säulen des Judentums, wenngleich seine Bedeutung für das orthodoxe und liberale Judentum unterschiedlich groß ist.

Was ist der Talmud?

Der Talmud ist die Diskussion der Mischna. Doch was ist die Mischna ?

Die Mischna: G'tt gab Mosche am Sinai nicht nur die geschriebene Thora, sondern auch die 'mündliche Lehre'.
Dieses Lehre wurde mündlich weitergegeben. Diese Lehre bestand aus Religionsgesetzen für alle Bereiche(Halachah) und aus ergänzendem Material bestehend aus Geschichten, Gleichnissen und Begebenheiten ethischen Charakters(Agadah).

Jehuda ha Nasi ordnete die mündliche Lehre und hielt sie schriftlich fest, was eigentlich für halachisch bedenklich gehalten wurde, um jedoch die mündliche Lehre nicht zu verlieren oder zu verändern schuf man also die Mischna(Wiederholung)-die Sammlung der mündlichen Lehre.

Man teilte die Mischna Ordnungen auf:
                                                            Seraim    Saaten
                                                            Moed    Festzeiten
                                                            Naschim Ehe und Famileinrecht
                                                            Nesikin   Beschädigungen;Zivil und Strafrecht
                                                            Kodaschim Heilige Dinge - Tempel und Opferriten
                                                            Toharot    Reinheitsgebote

 

Der Talmud besteht aus dieser Mischna und ihrer Diskussion, der Gemara.

Beide gemeinsam sind der Talmud.Sie sind der Grundtext des Talmuds. Im Laufe der Geschichte wurden aber auch diese Texte kommentiert und beprochen. In jeder Ausgabe des Talmuds ist deshalb auch der Raschi-Kommentar zu finden.

Raschi ist ein Akronym für Rabbi Schlomo ben Jitzchak (ausführlicher Artikel zu Raschi), der 1040 in Troyes geboren wurde und 1105 nach reger Tätigkeit starb. Ohne Raschis Kommentar, wäre der Talmud ein versiegeltes Buch für uns, schrieb Rabbi Jitzchak bar Schesches (Rivasch). Tatsächlich sind die Arbeiten Raschis zum Talmud und zur Thora unvergleichlich. Alle weiteren Kommentare zum Talmud wurden von den Schülern Raschis hinzugefügt. Am unteren Rand gibt es noch Kommentare und Hinweise zahlreicher anderer Verfasser.  In der Mitte des Bildes steht die Mischna mit der Gemara in Quadratbuchstaben. Rechts davon befindet sich der Kommentar Raschis, sowie auf der linken Seite, der seiner Schüler. Unten finden wir die 'kleinen Kommentare'. Die Abbildung zeigt das erste Blatt des Traktates Berachot "Segenssprüche". Den Talmud kann man nicht einfach nur lesen, den Talmud muß man lernen um einen Einblick in dieses faszinierende Feld zu bekommen.

Je mehr man vom Talmud weiß, desto mehr Fragen stellen sich noch. Wir beschäftigen uns heute fast ausschließlich mit dem Talmud Bavli der in den Lehrstätten Babyloniens entstanden ist, während es noch den Talmud Yerushalmi gibt, der in den Lehrhäusern Israels entstanden ist.

Talmud-Blatt

Was steht im Talmud? Wie ist er geschrieben?

Wie Eingangs bereits erwähnt wurde, besteht der Talmud aus Mischnah und Gemarah, der Talmud ist also von seiner Struktur her "dialogisch". Während die Mischnah eine Sammlung von Gebräuchen und Einrichtungen ist, diskutiert die Gemarah darüber und bringt auch Gegenmeinungen vor, die gleichfalls wieder diskutiert werden. Im Talmud kommen so viele verschiedene Sprecher zu Worte und nicht nur gelegentlich schweift die Diskussion ab in kleinere oder größere Diskurse über neue Stichwörter. So werden nicht nur religiöse Gesetze besprochen (Halachah), sondern auch Geschichten, Auslegungen, Sinnsprüche oder Gleichnisse erzählt (Aggadah).

Organisiert ist der Talmud nach den sechs Ordnungen der Mischnah. Diesen folgend ist er in 63 Traktate eingeteilt:

Ordnung Traktat deutscher Name enthält:
Seraim (Saaten) Berachot Segenssprüche  
  Pea Ackerecke  
  Demai Zweifelhaftes  
  Kilajim Mischungen  
  Schewiit Das siebente Jahr Bodenbesitz und Schabbatjahr
  Terumot Heben
Abgaben an Priester (Kohanim) und Leviten
  Maasrot Zehnte Steuerabgaben an die Leviten ohne Land
  Maaser Scheni Zweiter Zehnter Abgabe des zweiten Zehnten
  Challah Teig Abgabe von allem Teig an die Priester
  Orla Unbeschnittenes Verbot von Baumfrüchten bis zum vierten Jahr.
  Bikkurim Erstlingsfrüchte Darbringung der Erstlingsfrüchte an Schawuot
Moed (Festzeiten) Schabbat Schabbat Die Schabbatgebote
  Eruwin Vereinigungen Verbindung verschiedener Bereiche eines Hauses und von Höfen (zur Erleichterung des Schabbat)
  Pessachim Pessachlämmer Gebote für das Pessach-Fest
  Jom Tow Feiertag Gesetze der Festtage
  Ta'anit Fasten Genaues zu den Festtagen
  Rosch ha Schanah Das Neujahrsfest Bestimmung der Monate und der Jahre (Neumondsbekundungen) sowie das Blasen des Schofar.
  Joma Der Versöhnungstag Genaues zu Jom Kippur.
  Sukkah Laubhütte Aufbauen und Schmücken der Sukkah und Details zu den Opfern an Sukkot.
  Schekalim Steuern Tempelsteuern. Dieses Traktat enthält nur im Talmud Jeruschalmi eine Gemarah.
  Megillah Esther-Rolle Details zum Purim-Fest und zur Auslegung der Megillah.
  Moed Katan Halbfeiertage Gesetze für diese Zeit.
  Chagiga Festopfer  
Naschim (Frauen) Jewamot Schwagerehe Schwagerehe und Eheverbote
  Ketubot Heiratsverträge Der Ehevertrag
  Gittin Scheidebriefe Der Scheidebrief und die Scheidung der Ehe.
  Kidduschin Die Heirat Fragen zur Verlobung und zur Heirat aber auch Gesetze für Mann und Frau.
  Nedarim Gelübde Genaues zu Gelübden.
  Nasir Asketentum Details zum Nasirat, zum Asketentum zur Zeit des Tempels.
  Sota Ehebruch Gesetze über den Ehebruch.
Nesikin Bawa Kamma Erstes Tor Über direkt oder indirekt verursachte Schäden.
  Bawa Metzia Mittleres Tor Funde, Darlehen, Verträge
  Bawa batra Letztes Tor Gesetze über das Nutzen, Verkaufen und Messen von Grundstücken. Auch Erbschaftsrecht und Teilung des Vermögens.
  Sanhedrin Gerichtshof Gerichtshöfe, Strafrecht, Grundsätze des Glaubens.
  Makkot Schläge Regelungen zur Prügelstrafe
  Schewuot Schwüre Wichtigkeit des Eides und seine Diskussion.
  Edujot Bekundungen Zeugnisse und Bekundungen.
  Awodah Sara Götzendienst Fernhalten des Götzendienstes und der Umgang mit Götzendienern.
  Awot Die Sprüche der Väter Enthält keine Gemarah.
  Horajot Entscheidungen Besprechungen von Irrtümern der Gerichtshöfe und Korrekturen der Urteile.
Kodaschim (Heiliges) Sevachim Schlachtopfer Gesetze zu Tieropfern.
  Menachot Speiseopfer Darbringung von Speiseopfern.
  Chullin Profane Schlachtung Details zur Schächtung und den Speisevorschriften
  Bechorot Erstgeburten Männliche Erstgeburten bei Tier und Mensch.
  Arachin Schätzungen Wie man Dinge schätzt, die dem Tempel geweiht sind.
  Temura Ersatz Austausch von Opfern.
  Keritot Abtrennungen Über die 26 Übertretungsfälle, die man "Ausrottung" geahndet werden.
  Me'ila Veruntreuung Veruntreuung von Tempeleigentum.
  Middot Maße Der Tempelbezirk und seine Maße. Keine Gemarah.
  Kinnim Vogelnester Vogelopfer.
Taharot (Reinheit) Niddah Menstruation Details zur Menstruation
  Kelim Geräte Geräte und ihre Tauglichkeit
  Ohalot Zelte Durch Leichen verursachte Unreinheit an Personen und Dingen die sich mit der Leiche unter einem Dach befinden.
  Negaim Aussatz Aussatz bei Menschen, Kleidern und Häusern.
  Parah Rote Kuh Über die rote Kuh.
  Taharot Reinheit Über die rituelle Unreinheit
  Mikwaot Tauchbäder Über die Mikveh und ihre Vorschriften.
  Machschirin Empfindlichkeit Welche Gegenstände Unreinheit übertragen können.
  Sawim Flußbehaftete Männer und Frauen die an Ausfluß leiden.
  Tewul Jom Der Untergetauchte Über Personen die sich einem Tauchbad unterzogen haben.
  Jadajim Hände Unreinheit der Hände.
  Ukzin Stiele Stiele, Schalen und Kerne die Unreinheit übertragen können.

 

Ein Beispiel aus der Aggadah

Die Geschichte geschah wiederum an einem Nichtjuden, der zu Schammaj kam und sprach "Bekehre mich, indem du mich die ganze Torah lehren willst, solange ich auf einem Bein stehen kann."
Da stieß Schammaj ihn fort mit einem Maßstecken, wie sie die Zimmerleute gebrauchen. Da ging der Heide von Schammaj weg und kam zu Hillel und fragte auch ihn, ob er ihn die ganze Torah lehren wollte, solange er auf einem Bein stehen könne. Da bekehrte ihn Hillel auf seine Worte hin und sprach: "Ich will dich die ganze Torah lehren, solange du auf einem Bein stehen kannst." Und sprach zu dem Heiden: "Halte dich an den Schriftvers: 'Du sollst deinem Nächsten nichts Ärgeres tun, als du dir gern getan haben willst.' Das ist der Urgrund der ganzen Torah. Der Rest ist Auslegung. Geh hin und lerne weiter." So lehrte Hillel ihn die ganze Torah, während er auf einem Bein stand. - Schabbat 31a (Zitiert aus dem bei dtv erschienenen Buch "Das Ma'assebuch", das zahlreiche Geschichten aus dem Talmud nacherzählt.)

Chajm Guski

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