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Am 09.
und 10. Dezember 2002 lud die "Bundeszentrale
für politische Bildung" zu einer Tagung mit dem Titel
"Lernt den Bildern zu misstrauen
" Die Fernsehberichterstattung
über den Nahost-Konflikt . Im Rahmen der Tagung (diese wandte
sich vor allem auch an die so genannten "Multiplikatoren"
wie Menschen aus Medienberufen, Lehrern etc.) wurde eine Studie
des Instituts für empirische Medienforschung GmbH mit dem Titel
"Die Nahostberichterstattung in den Hauptnachrichten des deutschen
Fernsehens" vorgestellt. Die bpb-Studie zur Nahostberichterstattung
sollte das Bild vom Nahen Osten in den Hauptnachrichten der vier
größten deutschen Fernsehsender ARD/Das Erste, ZDF, RTL
und SAT.1 betrachten. Sie sollte eine systematische Inhaltsanalyse
leisten, um die langfristige Entwicklung der aktuellen Fernsehberichterstattung
über den Nahen Osten quantitativ, strukturell und inhaltlich
zu beschreiben.
Den Anstoß dazu beschrieb Thomas Krüger, der Präsident
der Bundeszentrale:
"Kurz nach dem 11. September des
vergangenen Jahres sprach uns die Israelische Botschaft in der
Bundesrepublik auf das - ihrer Ansicht nach - ungünstige
Bild Israels an, das deutsche Fernsehsender in ihrer Berichterstattung
über den Nahostkonflikt zeichnen würden.
Wir haben die Sorgen der israelischen
Seite durchaus verstanden und sie ernst genommen. Die Frage nach
dem Charakter der Fernsehberichterstattung über den Nahost-Konflikt,
und generell über Kriegs- und Krisenregionen in der Welt,
ist in unserer von medialen Wirklichkeiten geprägten Welt
von großer Bedeutung. Gleichwohl konnten und wollten wir
uns der pauschalen Einschätzung der deutschen Berichterstattung
durch unsere israelischen Partner nicht umstandslos anschließen,
sondern der Frage einmal empirisch und diskursiv nachgehen."
Die Einschätzung der deutschen Berichterstattung
sollte also widerlegt werden. Entsprechende Daten liefert vorliegende
Studie jedoch nicht, genauso genommen wertet sie lediglich
aus, welche Bilder wann, wie oft, in welcher Länge gezeigt
wurden. Die wirklich meinungsbildenden Kommentare vor den Bildern
und nach den Bildern wurden nicht ausgewertet. So erscheinen in
der Studie die gezeigten Bilder ausgewogen zu sein, der textuelle
Kontext wurde jedoch ausgeblendet und so kommt die Studie zu keinem
wirklich verwertbaren Ergebnis. In der Kurzfassung der Ergebnisse
heißt es auf der letzten Seite jedoch:
"In Abwägung der Einzelbefunde,
insbesondere aber der Bedeutung sichtbarer Gewalt- und Machtausübung,
kann man zu dem Schluss kommen, dass ein wesentlicher Medieneffekt
des Terrors darin liegt, Israel als Militärmacht in eine
Aggressorrolle zu bringen."
Der Kern der Sache wurde in keiner der Diskussionen
rund um die Studie thematisiert und sollte auch nicht thematisiert
werden: Welches Bild vermitteln die deutschen Medien tatsächlich
von "dem Israeli" - der unbestritten im deutschen
Antisemitismus den Juden abgelöst hat? Ein Teil der
deutschen Öffentlichkeit und nicht unerhebliche Teile der deutschen
Bevölkerung sehen die Israelis heute als neue Nazis. Henryk
Broder charakterisierte dieses alte Phänomen 1986 (in "Der
Ewige Antisemit") mit folgenden Worten:
"Es ist das Problem des Täters,
der sich selbst zum Bewährungshelfer ernannt hat, damit das
Opfer nicht rückfällig werde, und es ist die Problematik
einer Umschuldungsmoral, die ständig nach Belegen dafür
sucht, dass andere noch schlechter sind."
Diesen Fragestellungen wollten die Vertreter
der Bundeszentrale jedoch nicht so gerne nachgehen.
Ein Vertreter der israelischen Botschaft in Berlin frug beispielsweise,
ob die Journlisten vor Ort sich ihrer Verantwortung bewusst seien,
angesichts der Tatsache, dass 20 Prozent der Deutschen die Behandlung
der Palästinenser mit der Behandlung der Juden im so genannten
"Dritten Reich" gleichsetzt. Der verantwortliche Moderator
der Bundeszentrale, Heino Gröf, wollte die Frage jedoch nicht
verstehen und veränderte einfach den Sinn der Frage und warf
dem Vertreter Israels vor, er würde falsche Bilder streuen,
wenn er behaupten würde, die Journalisten vor Ort seien dafür
verantwortlich, dass Israelis mit Nazis gleichgesetzt würden.
Eine Beantwortung der ursprünglichen Frage wurde nicht angestrebt
und dann schließlich wurde die Richtigkeit des zitierten Prozentsatzes
angezweifelt. Die Zahlen sind jedoch kein Geheimnis: Im Mai 2002
veröffentlichte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel"
eine Umfrage von NFO-Infratest in deren Zusammenhang unter anderem
gefragt wurde:
"Stimmen
Sie der Aussage zu: Was der Staat Israel mit den Palästinensern
macht, ist im Prinzip nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten
Reich mit den Juden gemacht haben?" 25 Prozent der Befragten
antworteten mit "Ja, dem würde ich zustimmen".
Darauf wurde Bezug genommen - allerdings war das unerwünschte
Kritik, was klar zum Ausdruck gebracht wurde durch Herrn Gröf.
In ein ähnliches Horn wie Herr Gröf blies dann der ZDF-Korrespondent
Alexander von Sobeck. Er adressierte vom Podium aus den Vertreter
der israelischen Botschaft und sagte, dass er Schwierigkeiten habe,
einzusehen, dass Israel der einzige demokratische Rechtsstaat im
Nahen Osten sei, wenn der Staat gegen die Menschenrechte verstoße.
In diesem Zusammenhang nannte er "Internierungslager",
"Kollektivstrafen", "gezielte Tötungen"
etc. Derlei Meinungen gab es viele und sie wurden auch artikuliert.
Stimmen mit anderer Klangfarbe wurden durch Gröf schon im Plenum
abqualifiziert. Einer kritischen Meinung durch eine Person die angab,
sie sei von "Honestly
Concerned" wurde durch Gröf hinzugefügt, dass
"Honestly Concerned" eine Gruppe sei, die kritische Israelberichterstattung
diskreditiere. Tatsache ist es allerdings, dass "Honestly Concerned"
geradezu eine Reaktion auf die "seltsame" Berichterstattung
aus Israel ist und das dort zu aktuellen Themen Hintergrundinformationen
angeboten werden. Mit dem Blick auf die jüdischen Teilnehmer
fügte er dann im persönlichen Gespräch hinzu, dass
er diese Art der "Unterdrückung der freien Meinung"
nicht besonders schätze.
Schon der geschichtliche Abriss zu Beginn der Veranstaltung lies
ahnen, was die Teilnehmer erwarten würde. Es sprach Dr. Werner
Stüber von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
zu dem Thema "The never-ending story: Der Nahost-Konflikt,
Anfänge, Entwicklungen, Stand heute." Stüber verbrachte
einige Jahre in Ostjerusalem und lehrte auch an der palästinensischen
Birzeit-Universität. Sachlich und objektiv sollte der Vortrag
sein, zeigte jedoch schon von Beginn an eine gewisse Tendenz. So
bemühte sich Stüber schon in den ersten fünf Minuten
darzustellen, dass Israel eigentlich nur zweite Wahl für die
europäischen Juden gewesen ist, ja führte sogar Statistiken
über die jüdische Bevölkerungsdichte Amerikas an.
"Erst als dort eine Quotenregelung für osteuropäische
Einwanderer festgelegt wurde, wichen die jüdischen Emigranten
vermehrt nach Palästina aus." Das Ziel seiner Argumentation
wurde soeben genannt: Israel sollte als zweite Wahl erscheinen.
Sollte so der Eindruck einer Illegitimität der Existenz Israels
an genau dieser historischen geographischen Stelle noch etwas vergrößert
werden? Am Ende seines Vortrages vermied es Stüber nicht, darauf
hinzuweisen, dass es in den USA "eine große jüdische
Lobby gibt" und vermerkte dazu: "was das bedeutet können
Sie sich selber denken". Auf die Frage, warum der Terror in
seiner Darstellung nicht vorgekommen sei, antwortete Stüber
unter anderem "weil es eine Selbstverständlichkeit ist
- über Selbstverständlichkeiten müssen wir nicht
reden." aber auch: "in Israel ist jetzt ein Buch erschienen,
in dem über eine jüdische Gruppierung berichtet wird die
den Wiederaufbau des dritten Tempels unmittelbar beginnen möchte".
Waltraud
Arenz, eine der Moderatorinnen schnitt eine aufkommende Diskussion
über die Hinnehmbarkeit mit dem Argument ab, diese Sicht sei
die der Bundeszentrale für politische Bildung, womit die Diskussion
beendet sei.
Wofür hat nun also die Bundeszentrale
für politische Bildung die Studie vorgestellt? Einfach weil
es sie gibt? Weil man nicht mit leeren Händen dastehen wollte?
Nach dem Motto: eine Studie war gefordert - eine Studie wurde erstellt?
Sicher ist nur eines: die Studie gibt wenig her.
Eine weitaus interessante Studie wurde
vom "Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung"
im Auftrag des American Jewish Committee (AJC)
erstellt. Sie trägt den Titel "Die Nahost-Berichterstattung
zur Zweiten Intifada in deutschen Printmedien, unter besonderer
Berücksichtigung des Israel-Bildes". Hier sind die Ergebnisse
eindeutiger, greifbarer und nennt sprachliche Entgleisungen beim
Namen. Solcherlei Eindeutigkeiten kamen in Bonn nicht zur Sprache,
dabei sind es diese sprachlichen Markierungen, die das Klima in
Deutschland nachhaltig vergiften. Darum sollte es gehen, wenn man
über Israel in den Medien spricht. Der Israeli ist für
viele Deutsche nicht nur der Bewohner irgendeines Landes wie der
Grieche oder der Peruaner - in antisemitischen Vorstellungswelten
hat der Israeli den Juden um eine Facette ergänzt. Alexander
von Sobeck schätzt sich glücklich, wenn er erzählt,
welchen Fortschritt er gemacht habe, wenn er seit einiger Zeit statt
"Juden" nun "Israelis" sagt. Mazal Tov

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