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200
Teilnehmer hatten den Weg nach Halberstadt gefunden, dem geschichtsträchtigen
Tagungsort und Sitz der Moses Mendelssohn Akademie, um an dem grossen
Treffen des progessiven Judentums im deutschsprachigen Raum teilzunehmen.
Unter dem Motto "200 Jahre Reformjudentum" wurden Workshops, Schiurim
und Vorträge angeboten. Diese widmeten sich jedoch nicht nur geschichtlichen
Betrachtungen wie das Motto vielleicht vermuten lässt, sondern vor
allem dem erfolgreichen Aufbau von Gemeinden und ihre Erhaltung.
So gab es Kurse zum Bnej Mitzvah-Unterricht, zur Er - und Einrichtung
neuer Gemeinden, zur Einübung liturgischer Lieder, aber auch Workshops
die zeigten, wie Torah-Rollen ausgebessert werden können und Diskussionen
über die Integration der russischsprachigen Zuwanderer.
Insgesamt gab es mehr als 30 Angebote an denen reges Interesse bestand
und davon Zeugnis abgaben, wie sehr die Reform/Progressiven Gemeinden
vor allem in Deutschland wachsen und das sie grösstenteils die ersten
Schritte hinter sich gelassen haben. Die Probleme liegen meist nicht
in der Organisation der Gemeinden, sondern vielerorts in der Beschaffung
geeigneter Räume für Gemeindeleben, denn die Gemeinden haben einen
recht grossen Zulauf und können sich - im Gegensatz zu den meisten
Einheitsgemeinden - über Mitgliedermangel nicht beklagen, die einen
haben die Räume, die anderen die Mitglieder und Beter.
Einer der Höhepunkte der Veranstaltung war ohne Zweifel die Drascha
zum Wochenabschnitt von Rabbiner Dr. Gunther Plaut, die alle gleichermassen
berührte und beschäftigte. Er verwies neben seiner Auslegung noch
in besorgniserregender Weise auf die Stellung alter Menschen in
der amerikanischen Gesellschaft und warnte nachdrücklich vor einer
solchen Entwicklung in Europa.
Ein anderer war die Predigt am Schabbatmorgen von Rabbiner Rothschild.
Er schilderte in sehr lebendiger Weise seine Eindrücke einer nicht-intakten
Gemeinde. Der vermeintliche Höhepunkt der Tagung, nämlich die Verleihung
des Israel Jacobson Preises an Dr. Dr. Walter Homolka, wurde von
nicht sehr vielen Tagungsteilnehmern begleitet. Ob es an seinen
verbalen Entgleisungen in seiner Predigt zu Kabbalat Schabbat lag,
lässt sich nicht genau sagen, denn zu behaupten, die meisten Rabbiner
würden in der Hesped auf den Verstorbenen "rumschmalzen" brüskierte
viele Teilnehmer. Kavanah kam dennoch auf, spätestens nämlich
während des Mincha-Gebetes zu Schabbat, das sachkundig und mit Hingabe
von Michael Lawton geführt wurde.
Abschliessend lässt sich sagen, das die Union sich entwickelt hat
und sich in vielen Fällen der Zukunft stellt. Viele Gemeindemitglieder
bauen aus eigener Kraft Gemeinden auf und versuchen diese so gut
wie möglich zu konsolidieren. Wie die Zukunft des Judentums als
Klal Jisrael in Deutschland aussieht hängt jedoch nicht nur von
diesen fleißigen Händen ab.
[siehe
auch den Artikel: Jahrestagung der Union
progressiver Juden...]
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