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Judentum mit Zukunft

Am 1.Juli 2001 ging die Jahrestagung der Union progressiver Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Ende.

von Chajm Guski

200 Teilnehmer hatten den Weg nach Halberstadt gefunden, dem geschichtsträchtigen Tagungsort und Sitz der Moses Mendelssohn Akademie, um an dem grossen Treffen des progessiven Judentums im deutschsprachigen Raum teilzunehmen. Unter dem Motto "200 Jahre Reformjudentum" wurden Workshops, Schiurim und Vorträge angeboten. Diese widmeten sich jedoch nicht nur geschichtlichen Betrachtungen wie das Motto vielleicht vermuten lässt, sondern vor allem dem erfolgreichen Aufbau von Gemeinden und ihre Erhaltung. So gab es Kurse zum Bnej Mitzvah-Unterricht, zur Er - und Einrichtung neuer Gemeinden, zur Einübung liturgischer Lieder, aber auch Workshops die zeigten, wie Torah-Rollen ausgebessert werden können und Diskussionen über die Integration der russischsprachigen Zuwanderer.
Insgesamt gab es mehr als 30 Angebote an denen reges Interesse bestand und davon Zeugnis abgaben, wie sehr die Reform/Progressiven Gemeinden vor allem in Deutschland wachsen und das sie grösstenteils die ersten Schritte hinter sich gelassen haben. Die Probleme liegen meist nicht in der Organisation der Gemeinden, sondern vielerorts in der Beschaffung geeigneter Räume für Gemeindeleben, denn die Gemeinden haben einen recht grossen Zulauf und können sich - im Gegensatz zu den meisten Einheitsgemeinden - über Mitgliedermangel nicht beklagen, die einen haben die Räume, die anderen die Mitglieder und Beter.

Einer der Höhepunkte der Veranstaltung war ohne Zweifel die Drascha zum Wochenabschnitt von Rabbiner Dr. Gunther Plaut, die alle gleichermassen berührte und beschäftigte. Er verwies neben seiner Auslegung noch in besorgniserregender Weise auf die Stellung alter Menschen in der amerikanischen Gesellschaft und warnte nachdrücklich vor einer solchen Entwicklung in Europa.
Ein anderer war die Predigt am Schabbatmorgen von Rabbiner Rothschild. Er schilderte in sehr lebendiger Weise seine Eindrücke einer nicht-intakten Gemeinde. Der vermeintliche Höhepunkt der Tagung, nämlich die Verleihung des Israel Jacobson Preises an Dr. Dr. Walter Homolka, wurde von nicht sehr vielen Tagungsteilnehmern begleitet. Ob es an seinen verbalen Entgleisungen in seiner Predigt zu Kabbalat Schabbat lag, lässt sich nicht genau sagen, denn zu behaupten, die meisten Rabbiner würden in der Hesped auf den Verstorbenen "rumschmalzen" brüskierte viele Teilnehmer. Kavanah kam dennoch auf, spätestens nämlich während des Mincha-Gebetes zu Schabbat, das sachkundig und mit Hingabe von Michael Lawton geführt wurde.

Abschliessend lässt sich sagen, das die Union sich entwickelt hat und sich in vielen Fällen der Zukunft stellt. Viele Gemeindemitglieder bauen aus eigener Kraft Gemeinden auf und versuchen diese so gut wie möglich zu konsolidieren. Wie die Zukunft des Judentums als Klal Jisrael in Deutschland aussieht hängt jedoch nicht nur von diesen fleißigen Händen ab.

[siehe auch den Artikel: Jahrestagung der Union progressiver Juden...]


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