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Jahrestagung der Union Progressiver Gemeinden in Halberstadt

Erstmalig findet die Jahrestagung progressiver Gemeinden im deutschsprachigen Raum in Halberstadt statt. Ist die Tagung Chance für die Bildung aktiven jüdischen Lebens oder Aufbruch in die Isolation der nicht-orthodoxen Gemeinden?

von Chajm Guski

Vom 28.Juni 2001 bis zum 1.Juli 2001 wird die Jahrstagung der progressiven jüdischen Gemeinden von Deutschland, Österreich und der Schweiz in Halberstadt stattfinden.

1995 lud die Frankfurter Kehilla Chadascha nach Arnoldshain ein, um neue Formen bzw. Anpassungen des Gebets zu diskutieren. Grundsätzlicher Anlass dazu war der Wegzug US-amerikanischer Truppen und ihrer Militärrabbiner, die bis dahin nicht-orthodoxe G-ttesdienste in einigen Städten Süddeutschlands anbieten konnten. Im gleichen Jahr veranstaltete die liberale Wiener Gemeinde Or Chadasch eine Konferenz in der eine Annäherung an die WUPJ (World Union for Progressive Judaism) beschlossen wurde.
Die anschliessende Entwicklung lässt sich mit dem Wort "rasant" recht gut beschreiben. Im Jahr 1996 wurde in Arnoldhain von der WUPJ dann Unterstützung bei der Bildung einer Union Progressiver Juden zugesagt.

Im Jahr 1997 kam es dann tatsächlich auch zur Gründung einer solchen Union. Micha Brumlik aus Frankfurt wurde Vorsitzender der Union und noch während dieser Veranstaltung wurde die wohl umstrittenste Figur der Union, Dr. Walter Homolka, in ihr Rabbinat eingeführt.
Der nachfolgende Richtungsstreit in der Union zwischen Brumlik und Homolka waren sehr fatal für die Bewertung der Union durch die Einheitsgemeinden. Während Brumlik für die Integration in die Einheitsgemeinden eintrat und das Ziel der Union auch darin sah, dafür einzutreten, war der Kurs Homolkas ein anderer. Homolka sah als Ziel die Anbindung an die WUPJ. Brumlik legte im weiteren Verlauf des Streites sein Amt nieder und der Egalitäre Minjan Frankfurt war nicht mehr Mitglied in der Union. Der Egalitäre Minjan Frankfurt ist jetzt voll in die Einheitsgemeinde integriert. Die diesjährige Jahrestagung im Ende Juni steht in der "Tradition" der Veranstaltungen in Arnoldahain und gerade deshalb sollte man dieser Veranstaltung Aufmerksamkeit widmen, auch wenn man der progressiven Bewegung nicht angehört, denn die weitere Entwicklung der progressiven Gemeinden könnte entscheidend für die Entwicklung des gesamten Judentums im deutschsprachigen Raum sein.

Während bisher die Union eine vorrangig religiöse Funktion hatte, könnte es sein, dass sich im Zuge der Grabenkämpfe zwischen Zentralrat und progressiven Gemeinden (vgl. Artikel Neues im deutschen Judentum) die Union und die ihr angehörigen Gemeinden weitgehend parallel zu den Einheitsgemeinden und dem Zentralrat entwickeln. Dies ist für beide Gruppen gefährlich, denn ein blühendes jüdischen Leben kann nur in einer pluralistischen Umgebung gedeihen. Eine Vielzahl unterschiedlichster und kleiner Gruppen könnte entstehen, die alle im Schatten der schon bestehenden Gemeinden operieren. Dies trifft nicht nur auf progressive Gemeinden zu, sondern auch auf orthodoxe. Die Gemeinde Adass Jisroel musste sich über Jahre mit dem Zentralrat auseinandersetzen. Das diese Gruppen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keinen Zugang zur Einheitsgemeinde haben ist bedauerlich denn sowohl das neo-orthodoxe Judentum, wie das von Adass Jisroel als auch das Reformjudentum, haben ihren Ursprung in Deutschland.

Ob auf der Tagung von den Teilnehmern Optionen für die Eingliederung in das Netz der etablierten Gemeinden diskutiert werden, wird jedoch nicht allein entscheidend für die Eingliederung in das Netz der etablierten Gemeinden sein. Auch die etablierten Gemeinden sollten ihre Position zu verschiedenen religiösen Strömungen überdenken, denn immerhin ist in den meisten Satzungen der Gemeinden verankert, dass alle Strömungen des Judentums akzeptiert werden würden.
Wenn diese entscheidende Schwelle überschritten ist, können die Gemeinden endlich gemeinsam der Förderung jüdischen Lebens widmen und vorhandene Kräfte gemeinsam nutzen, denn religiöse Erziehung kann nur durch religiöse Erzieher durchgeführt werden.

Die Tagung in Halberstadt immerhin unter dem Motto Erneuerung jüdischen Lebens durchgeführt und dort werden sich, wie schon bei den sieben Malen zuvor, engagierte und aktive Menschen treffen.- Die Chance muss nun nur noch ergriffen werden.


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