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Unter
einem Dach? Unter einem Dach! von Chajm Guski |
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Auch die essentiellen Probleme werden geteilt, etwa wie der Umgang mit den Speisegesetzen (das Problem der Schächtung sollte hier gemeinsam geklärt werden oder den Bekleidungsvorschriften, denn auch orthodoxe jüdische Frauen tragen das Kopftuch (siehe den Artikel von Dr. Michael Rosenkranz). Überall dort, wo der jüdische observante (ganz gleich ob orthodox, konservativ oder liberal) Mensch auf Reibungen mit der Majoritätsgesellschaft stößt, steht er in der Regel nicht allein (Speisegesetze, das Begehen von Feiertagen, die Mitwirkung an „Weihnachtsfeiern“ etc.). Zu einem großen Teil stoßen Muslime auf die gleichen Probleme, auch wenn die Bevölkerung den beiden Gruppen mit anderen „Vorzeichen“ begegnet. Das gemeinsame Angehen von konkreten Projekten könnte ein Spalt sein, der die Tür für eine tiefergehende Beziehung öffnet, später dann auch im Austausch religiöser Gedanken. Das Zusammentreffen von Rosch haSchanah und des Beginns
des muslimischen Fastenmonats Ramadan (das Jahr 5766 (2006) fällt
erneut mit Ramadan zusammen) wäre eine gute Gelegenheit gewesen,
sich mit der religiösen Wurzel eines vermeintlichen Konflikts zu
befassen, denn anders als man denken würde, haben unsere Weisen den
Streit zwischen Abraham, Sarah, Hagar und Jischmael als beendet erklärt
(der ja als Beginn einer „schlechten" Beziehung schlechthin
gilt): Nicht unbedingt! Jischmael geht nach Mizrajim (Ägypten)
aber wenig später heißt es in der Torah, dass er zur Beisetzung
seines Vaters Abraham zur Höhle von Machpela kommt, um diese mit
seinem (Halb-) Bruder durchzuführen. Ein gemeinsamer Verlust führt
die beiden Brüder zusammen- sie haben die gleiche Herkunft. Der erste Hinweis: Der Ort von dem Jitzchak kommt, wenn Rebekka ihn erblickt: Beer lachaj Roi. Die Torah nennt diesen Ort nur ein einziges Mal zuvor (1. Mose 16:14). Es ist der Ort, an dem Hagar den Engel trifft und ihr aufträgt, ihren Sohn Jischmael zu nennen. Der Ort wird also mit Jischmael assoziiert. Warum ist Jitzchak dorthin gegangen? Um sich mit seinem Bruder zu versöhnen. Der zweite Hinweis: Abrahams Wiederheirat! Wer könnte wohl Keturah sein? Die Weisen sagten, es sei Hagar, denn es ist ja nicht unüblich, dass Personen in der Torah mehr als einen Namen hätten. Jitro hatte sogar sieben Namen. Abraham selber wollte Jischmael und Hagar auch nicht wegschicken (1.Mose 21:11). Nach dem Tode Sarahs kehrte Hagar in Ehren zurück zu Abraham. In einem Midrasch (Pirkej deRabbi Eliezer; 30) wird sogar erzählt, dass Abraham Ischmael zu zwei Gelegenheiten besuchen wollte, ihn aber nicht antraf. Beim ersten Mal schickte Jischmaels Frau ihn weg und verweigert ihm Brot und Wasser (weil sie nicht wusste, wer der Besucher war). Jischmael trennte sich daraufhin von ihr und heiratete eine Frau namens Fatimah. Bei Abrahams zweitem Besuch ist wieder nur Jischmaels Frau zuhause, diesmal Fatimah. Obwohl sie die Identität des Fremden nicht kennt, gibt sie ihm Speisen und Getränke. Im Midrasch heisst es: „Abraham stand auf und betete zu HaKadosch Baruch Hu, und Jschmaels Haus wurde mit guten Dingen gefüllt. Als Jischmael zurückkehrte, erzählte seine Frau ihm davon und Jischmael wusste, dass sein Vater ihn noch liebte". Trotz des anfänglichen
Konfliktes fanden beide Seiten zueinander. So kann es auch zwischen Judentum
und Islam Freundschaft, Verständnis und beiderseitigen Respekt geben.
Die Preisverleihung könnte ein erstes Signal sein, um eine Verständigung
zu beginnen (einige kleinere lokale Initiativen gibt es schon), nicht
nur wegen der gemeinsamen Schwierigkeiten, sondern auch, um Hass den Boden
zu entziehen und Antisemitismus einzudämmen, ohne das sogenannte
goldene Zeitalter des Judentums unter dem Islam zu romantisieren
(ein stets gut gemeinter Verweis), denn wir leben heute in einer Gesellschaft,
in der, zumindest theoretisch, alle gleichberechtigt sind und an deren
Aufbau sich alle monotheistischen Religionen beteiligen müssen. © talmud.de 2005 |
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