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Vom
2.-4. November fand in Hannover das erste bundesweite Treffen junger
jüdischer Erwachsener statt. Die Veranstaltungen fanden in
den Räumen der
dortigen Liberalen Gemeinde statt, die mit etwa dreihundert Mitgliedern
eine
der größten in Deutschland ist. Die sechs Organisatorinnen
und Organisatoren
aus Hannover, Köln und Bonn sahen sich dennoch vor logistische
Probleme
gestellt - durch den Ansturm von Interessenten. Das erste "Jung
& Jüdisch" -
Treffen war ursprünglich für 25 Teilnehmer ausgelegt worden.
Neben den rund
vierzig festen Anmeldungen gab es noch viele spontane Anfragen vor
Ort.
Neben der Mundpropaganda in den Gemeinden hatten auch viele Interessenten
über das Internet von der Veranstaltung erfahren.
Der Bedarf für
ein solches Treffen war also offenbar groß. Der Kostenbeitrag
war mit 25,- DM billig; "kein Schicki-Micki-Treffen" meint
eine
Teilnehmerin, die schon öfter am Programm der Einheitsgemeinden
teilgenommen
hat. Das Programm in Hannover war von jungen Juden selbst organisiert
und
die Übernachtung erfolgte bei Familien. Ohne deren Unterstützung
und ohne
die Hilfe der Liberalen Gemeinde Hannover wäre das Treffen
nicht möglich
gewesen. Der wesentliche Vorteil wurde aber nicht im finanziellen
Bereich,
sondern im Programmatischen gesehen: Das Treffen hatte den Anspruch,
allen
jungen Juden ein Forum zu bieten, ohne ihnen gewisse Ansichten aufzuzwingen.
Bei der Begrüßung am Schabateingang betonte Rabbinatsassessor
Andreas Hinz
(Leo Baeck College, London), dass ganz im Sinne traditioneller jüdischer
Gastfreundschaft alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer willkommen
seien -
unabhängig von Herkunft und religiöser oder säkularer
Ausrichtung.
Und dies war
ein wichtiger Punkt: Viele Teilnehmer wollten nicht mehr einen
religiösen Überbau in Kauf nehmen müssen, um anderen
Juden zu begegnen;
gleichzeitig bestand aber das Bedürfnis, andere in Deutschland
lebende junge
Juden kennen zu lernen. Institutionen dafür seien aber orthodox
dominiert.
Yael aus Köln zeigte sich nach dem Treffen zufrieden: Sie habe
das Gefühl,
endlich Juden getroffen zu haben, mit denen sie "auf einer
Wellenlänge" läge
und fügte hinzu: "Das wurde auch Zeit". Bei einigen
Treffen der
Einheitsgemeinde sei irgendwann ein Rabbiner dazugestoßen,
woraufhin die
Teilnehmer nach Geschlechtern getrennt tanzen mussten. Dieser Zwang
stimmt
mit der Lebensrealität der meisten jungen Juden in Deutschland
nicht
überein. In Hannover wurde denn auch nach Schabat-Ausgang bis
weit in den
Morgen hinein unter anderem tanzend gefeiert, und das nicht nur
mit
Billigung, sondern mit aktiver Beteiligung von rabbinischen Autoritäten.
Dem Anspruch
gemäß, niemandem eine bestimmte Form von Religiosität
aufzwingen zu wollen, gab es auch ein paralleles Angebot von politischer
Debatte und religiösem Lernen. Doch war das ehrliche Interesse
an den
religiösen Elementen groß. Es gab neben zwei gut besuchten
Schabat-G'
ttesdiensten auch eine Hawdalah -Zeremonie im Freien - am Mahnmal
für die
deportierten Jüdinnen und Juden Hannovers. Der liberale G'ttesdienst
stieß
auf reges Interesse. Vera war früher Mitglied der traditionalistischen
Einheitsgemeinde in Moskau. Eine geöffnete Torah-Rolle hat
sie das erste Mal
in Berlin gesehen - als Museumsstück. In Hannover hat sie das
erste Mal
einen gleichberechtigten G'ttesdienst erlebt. Sie möchte jetzt
öfter an
einem egalitären Gebet teilnehmen. Positiv wurde auch aufgenommen,
dass der
Wochenabschnitt erklärt wurde.
Nach dem Schabat-Morgeng'ttesdienst
begann der Workshop zur "Gegenwart und
Zukunft des deutschen Judentums". Neben den Klassikern der
Debatte wie
Mischehen und Heimatlosigkeit wurde auch über die Nahost-Berichterstattung
in den Medien diskutiert. Diese wurde von mehreren Teilnehmern angesichts
der häufigen Terroranschläge in Eretz Israel als zu einseitig
empfunden.
Parallel zu
diesen Diskussionen legte rund ein Viertel der Teilnehmer die
Akedah (Bindung Isaacs) im Rahmen eines Schiurs von Rabbinatsassessor
Andreas Hinz aus. Später stieß zur bereits sehr hitzigen
Debatte noch Daniel
Alter (Abraham-Geiger-Kolleg, Berlin) hinzu. Mehrere TeilnehmerInnen
stellten zum ersten Mal begeistert fest, dass religiöses Judentum
gerade von
Kritik und Kontroverse lebt.
Nach einem Mittagessen,
dessen Geschmack in Intensität und Qualität mit den
Workshops nicht ganz mitzuhalten vermochte, gab es eine sehr emotionale
Gesprächsrunde, in der die Teilnehmer ihren persönlichen
Bezug zum Judentum
beschrieben. Das Vertrauen war inzwischen da - trotz der Unterschiede
in
Herkunft und Erziehung, religiösen Vorstellungen und Muttersprachen.
Ein
wichtiges Ziel haben die Organisatoren damit erreicht: Juden aus
ganz
unterschiedlichen Lebenswelten anzusprechen und zusammenzubringen.
Es wurden
auch solche junge Juden erreicht, die schon lange nicht mehr aktiv
am
Gemeindeleben teilnehmen: Mehrere Teilnehmer waren seit Jahren nicht
mehr in
den Einheitsgemeinden, in denen sie formell Mitglied sind. Auch
Michelle ist
überglücklich, endlich wieder ein jüdisches Umfeld
erlebt zu haben: In ihrem
Studienort Lüneburg gibt es gar keine Gemeinde.
Einer der Organisatoren
betonte während der Abschlussdebatte, am wichtigsten
sei gewesen, dass sich die Leute zu hause gefühlt hätten.
Dies war
offensichtlich der Fall: Die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
stimmte dafür, die Veranstaltung zweimal jährlich zu Semesteranfang
zu
wiederholen. Die Strukturdebatte wurde auf das nächste Treffen
verschoben.
Es könnte zu der Gründung eines Vereins kommen. Doch noch
ist nichts
entschieden. Denn durch eine Vereinsgründung mit Mitgliedern
und
satzungsmäßigen Zielen würde ein wesentlicher Pluspunkt
des bisherigen
Ansatzes zurückgedrängt werden: Zugang und Offenheit.
Das nächste "Jung & Jüdisch" Treffen wird
voraussichtlich im Frühjahr
stattfinden. Interessenten zwischen 18-35 Jahren sind herzlich willkommen.
Nähere Informationen enthält die website www.jungundjuedisch.de

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Bei halachischen Unsicherheiten seitens der Leser bezüglich der
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