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Jüdisches Leben > Aktuell>
Der erste seiner Art

Eine der Gegenden aus der man bisher nicht viel jüdisches gehört hat ist aus ihrem Schlaf längst schon erwacht. Im Ruhrgebiet gibt es jüdische Gemeinden schon seit Jahrhunderten und auch nach der Schoah wurden dort direkt die Gemeinden neu gegründet. Nun gibt es dort auch einen Egalitären Minjan für die gesamte Region.
von Chajm Guski

Den ersten großen G-ttesdienst zu Rosch haSchanah nach der Schoah gab es bereits 1945 in Dortmund und im gleichen Jahr nahmen auch die Gemeinden Gelsenkirchen und Herne regelmässige G-ttesdienst wieder auf. Einige Jahre später wurden im Ruhrgebiet auch wieder Synagogen gebaut: Dortmund konnte seine Syangoge 1956 einweihen, Gelsenkirchen 1958, Essen 1959 und Hagen 1960. Recklinghausen hatte bereits 1952 einen Betsaal eingerichtet.
Seit diesen Jahren dümpelte das jüdische Leben im Ruhrgebiet wenig ereignisreich vor sich hin, bis 1989 die ersten Einwanderer aus der GUS eintrafen. Allerortens setzte Aufbruchstimmung und auch eine spürbare Angst der Alteingesessenen Mitglieder ein. Einige Gemeinden haben die Ankunft der neuen Mitglieder als konstruktive Aufgabe verstanden, die es zu lösen galt. Es wurden Jugendarbeit, Erwachsenenunterricht und Sprachkurse angeboten. Für einige dieser Gemeinden wird sich diese Arbeit in Zukunft wohl auch "bezahlt" machen.
Euphorisch ging man daran neue Synagogen zu bauen. In Recklinghausen wurde 1997 unter großer Beachtung der Medien eine Synagoge eingeweiht. Wenig später folgte Duisburg und in Zukunft soll auch Gelsenkirchen folgen, obwohl ein Großteil der Gemeindemitglieder bei diesem Vorhaben kein Stimmrecht hatte.

Das Ruhrgebiet sieht sich schon längst als "Großstadt", denn Stadtgrenzen sind nur noch anhand von Straßenschildern erkennbar. Wie in vielen anderen Großstädten gibt es in den jüdischen Gemeinden auch Mitglieder, die einen nicht-orthodoxen G-ttesdienst wünschen, oder an einem solchen teilnehmen möchten. Für viele war der Weg nach Köln aber zu weit und so entschloß man sich im Jahr 2000 kurzerhand dazu, einen solchen G-ttesdienst selber zu organisieren.
Die Organisation dieser Veranstaltung könnte für viele andere Projekte mit ähnlichen Zielen Vorbildcharakter haben, wenn Einheitsgemeinden und nicht-orthodoxe Beter fair miteindander umgehen:
Nachdem verschiedene Teilnehmer ihren Willen zu Mitarbeit erklärt hatten, wurden einige Grundsätze formuliert, die das Selbstverständnis der Gruppe formulieren sollte. Einer der Punkte lautete:

Es soll keine neue Gemeinde formiert werden, dazu sind die Gemeinden nämlich zu klein, sondern es soll eine Umgebung geschaffen werden, altes auf anderem Wege kennenzulernen und zu erkunden um es dann in die eigene Gemeinde einbringen zu können.

Schnell wurde eine Landsynagoge unweit des Ruhrgebietes in Augenschein genommen und durch Hilfe des zuständigen Landesrabbinats wurde es möglich, das die Synagoge durch den neu entstandenen "Egalitären Minjan Ruhrgbiet" benutzt werden konnte. Der Minjan beansprucht keine Synagoge einer Einheitsgemeinde und bietet dennoch eine regelmässige Alternative, die nun auch, wenngleich zögerlich, angenommen wird.
Heute treffen sich knapp zwanzig Jüdinnen und Juden um einmal monatlich einen G-ttesdienst zu machen, bei dem auch Frauen zur Torah gerufen werden und bei dem eine Frau auch vorbetet. So wird das Ruhrgebiet einer Großstadt immer ähnlicher und bietet auch dem jüdischen Leben einen Raum für Zukunft.

Homepage des Egalitären Minjans Ruhrgebiet: http://www.minjan.de oder http://ruhrminjan.talmud.de

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