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Über den
Egalitären Minjan Ruhrgebiet und
dessen Einsatz und Beitrag zu einem lebendigen, pluralistischen
jüdischen Leben in der Region, wurde auf talmud.de schon ausführlich
berichtet. Ohne Zweifel gehört dieser Verbund jüdischer
Beterinnen und Beter zu den kleinen Erfolgsgeschichten des neuerwachenden
Judentums, denn die Anziehungskraft hält weiter an und inzwischen
kommen auch einige Menschen zum Gebet, die bisher am Gemeindeleben
kaum teilgenommen haben.
Um den Kreis weiter zu öffnen und auch diejenigen ansprechen
zu können, denen der Weg zur Synagoge in Selm-Bork zu weit
ist, war der Minjan bemüht auch alternative Veranstaltungsorte
zu nutzen. Sicherlich hätten sich einige Kirchengemeinden bereiterklärt,
ihre Räume dem Minjan zur Verfügung zu stellen, jedoch
ist man bemüht kein falsches Bild zu vermitteln und meidet
daher solche Räume.
Im Zuge dessen, sprach der Organisator den stellvertretenden Leiter
Dr. Peter Schwiderowski an und bat um die Möglichkeit, das
Projekt "Egalitärer Minjan Ruhrgebiet" vorstellen
zu können. Telefonisch wurde gebeten, es in Betracht zu ziehen,
dass die Teilnehmer/innen des Minjans unregelmäßig auch
die große Synagoge im Herzen des Essener Innenstadt nutzen.
Man versprach,
dies im Kollegium zu besprechen und erteilte dem Minjan eine Absage
aus folgenden Gründen:
- die Synagoge sei heute eine Gedenkstätte mit Mahnmalscharakter
und die Nutzung der Synagoge durch Beter widerspreche dieser Gedenkintention.
- der Publikumsverkehr in der Synagoge würde durch die Beter
beeinträchtigt werden.
- die Alte Synagoge sei bemüht, nicht für jüdisches
Leben in Essen zu stehen.
Als sei es nicht
genug, dass die "Mahnung" die Entfaltung aktiven jüdischen
Lebens verhindert, stoßen wir auf einige Ungereimtheiten in
diesem Zusammenhang:
Was hat eine
Weinprobe in einem Mahnmal zu suchen? Aus dem Programm der "Alten
Synagoge":
"21. April 2002 17.00 Uhr: Seminar: Israel und seine Weine
- Die Besonderen Historie - Kultus - Gegenwart Seminargebühr
20,00 € incl. Weinprobe, Käsebuffet und Seminarskript
Dozent ist Andreas Schroer-Erichson. Er ist seit über 20 Jahren
im Weinbusiness tätig. Nach Tätigkeiten im Weinhandel
und Betrieb eines oenologischen Labors für Weinanalyse betreibt
er heute sein Privatunternehmen 'Vinécole Wein & Wissen'
für Beratung und Wissensvermittlung rund um den Wein. Darüber
hinaus ist er Spezialist für Weine aus Israel und hält
für Interessenten ein kleines Weinsortiment vorrätig."
Halten wir fest:
Weinprobe Ja - G-ttesdienst Nein
Am 23. April
darf man dann dem "Konzert mit dem Sinfonischen Blasorchester
der
Folkwang Musikschule der Stadt Essen" lauschen und sich "erinnern".
Dann gibt es
da noch das "Jüdische Lehrhaus", dessen Name vermittelt,
dass hier über das Judentum gelehrt wird und über jüdische
Inhalte diskutiert wird. Schon der Name impliziert ein Stück
jüdisches Leben, auch wenn die Initiatoren dies anders sehen:
"Gleichwohl
ist die ALTE SYNAGOGE ein Lernort: für Geschichte - die eigene
und die jüdische -, aber auch für ein Umgehen miteinander
und für ein intensiveres Lernen über Judentum überhaupt.
Dazu gehört das Lernen der Lernmethode ebenso wie das Lernen
der Inhalte." (Selbdarstellung auf der Homepage der "Alten
Synagoge": http://www.essen.de/kultur/synagoge/)
Aber was wird gelehrt? Totes Judentum - Judentum fern jeder Praxis,
denn wo für lebendiges Judentum kein Platz ist, dort kann man
auch nichts über lebendiges Judentum lernen.
Eine Synagoge ist dann ein "Bejt Knesset" ein Haus der
Versammlung, wenn es dazu gemacht wird, durch jüdische Beter
- nicht durch Weihrituale. Schade, dass man auf diese Weise jüdisches
Leben in der Vergangenheit höher schätzt als ein wieder
erwachendes und wachsendes Judentum.
Wie wird es weitergehen? Hoffen wir, dass sich die Leiter der Einrichtung
und vor allem die Leiterin Dr. Edna Brocke eines Besseren besinnen
und dem jüdischen Leben eine Chance geben.
Aber genau das
hat man nicht getan und das Anliegen des Egalitären Minjan
schnell vom Tisch gewischt. Der Briefwechsel ist hier dokumentiert.
Die "Antwort" der "Alten Synagoge" befindet
sich unkommentiert unter dem Anschreiben an die Synagoge:
Sehr geehrte Frau
Dr. Brocke,
mit Unverständnis musste ich die Mitteilung Ihres Mitarbeiters
Dr. Schwiderowski bezüglich Ihrer Entscheidung über die
Nutzung der ALTEN SYNAGOGE Essen durch jüdische Beter und Beterinnen,
hinnehmen.
Es ist bedauerlich,
dass Sie dem EGALITÄREN MINJAN RUHRGEBIET und insbesondere
mir, auch keinen Termin für eine Präsentation unseres
Projektes einräumen wollten.
Mit diesem Schreiben
möchte ich Sie bitten, Ihre Entscheidung nochmals zu bedenken
und dem EGALITÄREN MINJAN die Gelegenheit geben über das
Projekt eingehend mit kompetenten Gesprächspartnern beiderseits
zu besprechen. Eventuell ergäbe sich ja doch eine Möglichkeit,
wie Sie und Ihre Einrichtung ein lebendiges jüdisches Leben
in unserer Region möglich machen.
Dr. Schwiderowski
nannte mir folgende Gründe, die eine Nutzung der Synagoge für
jüdische Beterinnen und Beter unmöglichen machen (Ihrer
Ansicht nach):
- die Synagoge sei
heute eine Gedenkstätte mit Mahnmalscharakter und die Nutzung
der Synagoge durch Beter widerspreche dieser Gedenkintention.
- der Publikumsverkehr in der Synagoge würde durch die Beter
beeinträchtigt werden.
- die Alte Synagoge sei bemüht, nicht für jüdisches
Leben in Essen zu stehen.
Ich persönlich
bin nicht der Auffassung, dass eine Nutzung durch den Egalitären
Minjan dem Charakter einer Gedenkstätte widerspricht, übrigens
genauso wenig wie eine Weinprobe! Allerdings gehe ich bei der Ankündigung
der Weinprobe von einer Satire aus, anders kann ich mir diese Veranstaltung
in den Räumen der ALTEN SYNAGOGE nicht erklären. Darf
ich das so verstehen: Weinprobe Ja - G-ttesdienst Nein?
Auch der Einwand Herrn
Dr. Schwiderowskis, die Synagoge sei keine richtige' Synagoge
mehr, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen: Eine Synagoge ist
dann ein "Bejt Knesset" ein Haus der Versammlung, wenn
es dazu gemacht wird, durch jüdische Beter - nicht durch Weihrituale.
Schade, dass man auf diese Weise jüdisches Leben in der Vergangenheit
höher schätzt als ein wieder erwachendes und wachsendes
Judentum.
Ich hätte Ihnen
und mir die Abfassung dieses Briefes gern erspart, jedoch bin ich
mir sicher, dass Sie gern bereit sind, Ihre Entscheidung noch einmal
zu überdenken und dem pluralistischem jüdischen Leben
in unserer Region eine Chance zu geben.
Mit freundlichen Grüßen...
Die
Antwort:
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