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Wasser - das Geschenk durch das wir leben


von Dr.Michael Rosenkranz

"Gießet Wasser vor Mir aus, damit ihr mit Wasser gesegnet werdet." (bTalmud,Traktat Rosch haSchanah 16a)

Sosehr ein verregneter Sommer die Ernte gefährden kann, sosehr bringt ein regenloser Winter den Ertrag des kommenden Jahres in Gefahr. Wenn es aber im Winter ausreichend Niederschläge gegeben hat und die Wasserspeicher gut geffillt wurden, dann darf der Sommer warm und trocken sein, aufdass die Früchte gut reifen, und wir mit Freude die Ernte einbringen. Diese Vorgänge sind sehr sensibel und nicht selbstverständlich. Wir Städter hier haben uns abgewöhnt uns Gedanken zu machen, woher unsere Getränke und unsere Nahrung kommen. Der Überfluss erscheint uns normal. Wasser kommt unbegrenzt aus dem Wasserhahn. Für viele ist es unvorstellbar geworden einfach nur Wasser zu trinken. Es erscheint uns zu gewöhnlich und billig. Im Urlaub fahren wir in den warmen Süden. Dort soll die Sonne scheinen, es soll nicht regnen. Am Hotel aber soll ein Swimming Pool sein. Es interessiert uns nicht, dass außerhalb der Hotelzone durch die sengende Sonne die Wiesen schon längst verdorrt sind, das Wasser so knapp geworden ist, dass es zum Waschen schon nicht mehr zur Verfligung steht und zum Trinken ffir teures Geld becherweise gekauft werden muss. Dass durch Absenkung des Grundwasserspiegels immer größere Gebiete vertrocknen, große Seen versanden und versalzen, und die Dürre den Menschen die Lebensgrundlage raubt. Wo aber Wasser entbehrt wird, wochen- und monatelang, da sehnt man sich nach dem Regen, weiß die Wohltat und die Iebensspendende Wirkung des Regens zu schätzen, versteht das vom Himmel kommende Wasser als großes Heilsgeschenk.

Zur Zeit als in Jerusalem der Tempel noch stand, beging man am Übergang der regenarmen zur hoffentlich regenreichen Jahreshälfle im Rahmen des Laubhüttenfestes die Feier des Wassergießens. Von der Schiloach-Quelle wurde Wasser zum Tempel hochgetragen und als Wassergussopfer auf den Altar ausgegossen. Der Anblick dieses Wassergießens löste bei den von der sommerlichen Trockenheit ermatteten Menschen unbeschreibliche Freude aus. Sie jubelten, sangen und tanzten. - Lassen Sie uns diese Freude nachempfinden, die Köstlichkeit des Wassers neu spüren und gemeinsam flur alle Menschen um Regen bitten, denn: "Wenn die ganze Welt mit Wasser gesegnet ist, sind alle Bewohner der Erde in diesem Segen mit eingeschlossen." (Eliahu Kitov, 1968)

 

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