|
"Gießet
Wasser vor Mir aus, damit ihr mit Wasser gesegnet werdet."
(bTalmud,Traktat Rosch haSchanah 16a)
Sosehr ein verregneter Sommer die Ernte gefährden kann, sosehr
bringt ein regenloser Winter den Ertrag des kommenden Jahres in
Gefahr. Wenn es aber im Winter ausreichend Niederschläge gegeben
hat und die Wasserspeicher gut geffillt wurden, dann darf der Sommer
warm und trocken sein, aufdass die Früchte gut reifen, und
wir mit Freude die Ernte einbringen. Diese Vorgänge sind sehr
sensibel und nicht selbstverständlich. Wir Städter hier
haben uns abgewöhnt uns Gedanken zu machen, woher unsere Getränke
und unsere Nahrung kommen. Der Überfluss erscheint uns normal.
Wasser kommt unbegrenzt aus dem Wasserhahn. Für viele ist es
unvorstellbar geworden einfach nur Wasser zu trinken. Es erscheint
uns zu gewöhnlich und billig. Im Urlaub fahren wir in den warmen
Süden. Dort soll die Sonne scheinen, es soll nicht regnen.
Am Hotel aber soll ein Swimming Pool sein. Es interessiert uns nicht,
dass außerhalb der Hotelzone durch die sengende Sonne die
Wiesen schon längst verdorrt sind, das Wasser so knapp geworden
ist, dass es zum Waschen schon nicht mehr zur Verfligung steht und
zum Trinken ffir teures Geld becherweise gekauft werden muss. Dass
durch Absenkung des Grundwasserspiegels immer größere
Gebiete vertrocknen, große Seen versanden und versalzen, und
die Dürre den Menschen die Lebensgrundlage raubt. Wo aber Wasser
entbehrt wird, wochen- und monatelang, da sehnt man sich nach dem
Regen, weiß die Wohltat und die Iebensspendende Wirkung des
Regens zu schätzen, versteht das vom Himmel kommende Wasser
als großes Heilsgeschenk.
Zur Zeit als
in Jerusalem der Tempel noch stand, beging man am Übergang
der regenarmen zur hoffentlich regenreichen Jahreshälfle im
Rahmen des Laubhüttenfestes die Feier des Wassergießens.
Von der Schiloach-Quelle wurde Wasser zum Tempel hochgetragen und
als Wassergussopfer auf den Altar ausgegossen. Der Anblick dieses
Wassergießens löste bei den von der sommerlichen Trockenheit
ermatteten Menschen unbeschreibliche Freude aus. Sie jubelten, sangen
und tanzten. - Lassen Sie uns diese Freude nachempfinden, die Köstlichkeit
des Wassers neu spüren und gemeinsam flur alle Menschen um
Regen bitten, denn: "Wenn die ganze Welt mit Wasser gesegnet
ist, sind alle Bewohner der Erde in diesem Segen mit eingeschlossen."
(Eliahu Kitov, 1968)
Bitte
lesen Sie die Hinweise zur Weiterverwendung der Texte (Zum Urheberrecht)
Bei halachischen Unsicherheiten seitens der Leser bezüglich der
hier veröffentlichen Texte, ist der örtliche Rabbiner anzusprechen.
©2001
Jüdisches Leben / talmud.de
|
|