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Unsere Beziehung zu G-tt, dem uns in
Seiner Dimension unbegreiflichen Schöpfer der Welt, ist durch
dreierlei Besonderheiten gekennzeichnet:
Erstens sind wir Ihm, als Seine Geschöpfe, untergeordnet, sind
Teil der Gesamtschöpfung, können nur innerhalb dieser
Welt und ihrer Ordnung existieren.
Zweitens ist Er an uns interessiert, wir sind Ihm nicht gleichgültig.
So wie Er uns erschaffen hat, will Er auch unser Leben und unser
Wohlergehen. Aber darüber hinaus sucht Er uns, als Partner
Seiner Schöpfung. Er hat in einem weit angelegten Plan einen
Bund mit uns geschlossen, an dessen Einhaltung nicht nur uns gelegen
sein sollte, an dessen Einhaltung G-tt größtes Interesse
hat, uns zum Wohl.
Drittens ist G-tt uns nicht wesensfremd,
- Er schuf uns in Seinem Bilde, Seine Gesetzmäßigkeit
ist auch unsere. Seine Ordnung auch die unsrige. Seine Dimension
ist nicht die unsrige, aber G-tt spricht zu uns mit unseren Worten
in einer Weise, die wir verstehen können. Das bedeutet nicht,
dass Er ist wie wir, aber wir können uns in Ihm wiedererkennen,
da wir Sein Abbild sind.
G-tt hatte mit unseren Urahnen einen
Bund geschlossen, auf Ewigkeit angelegt, und hatte ihnen unsere
Entstehung, unseren Weg und unser Ziel geweissagt. Er hatte uns
aus den Lehmgruben Ägyptens herausgeführt und zu freien
Menschen gemacht, denen Er die Lehre Seiner Ordnung anvertrauen
wollte. Da erwiesen wir uns nicht nur als unwürdig, wir verleugneten
sogar unsere Lebensgrundlage, verleugneten die uns zugrunde liegende
Ordnung, durch die wir existieren, - wir machten uns ein selbstgefertigtes,
goldenes Kalb zu unserem G-tt und gaben uns diesem hin. Das hätte
unser endgültiges Ende sein können. Aber G-tt gab nicht
auf. Ihm liegt an uns. Er verdeutlichte uns Seinen Zorn und Seine
Enttäuschung, - solche Worte können wir verstehen. Wir
sahen unseren Fehler ein, wir bereuten, taten Buße, kehrten
um zu Ihm, unserem wahren Schöpfer und Erhalter. Und G-tt verzieh
uns, - nicht widerstrebend, sondern gern und in Freude bereit dazu.
Und als Zeichen dessen erneuerte er Seinen Bund, den Er mit unseren
Uhrahnen geschlossen hatte, nun auch mit uns. Nur so konnte es mit
uns weitergehen, das heißt mit uns selber, aber auch mit uns
und G-tt. Nur so konnten wir unseren von G-tt gewollten Weg fortsetzen.
Dieser Tag der Versöhnung ist Yom Kippur. Was zwischen uns
und G-tt wichtig ist, die Versöhnung, ist auch zwischen uns
Menschen wichtig. Auseinandersetzungen und Streitigkeiten lassen
sich nicht vermeiden, sind für eine Veränderung der Verhältnisse
oft auch notwendig, dürfen aber niemals Selbstzweck werden,
müssen in eine Versöhnung, eine Harmonie auf neuer Ebene
einmünden. Sonst sind sie nicht fruchtbar, werden vielmehr
zerstörerisch. Streitigkeiten binden Kräfte, kosten Energien,
greifen die Reserven an, verhindern Lebenserhaltendes, Lebensaufbauendes
zu tun und wirken so auf Dauer zerstörend. Streitende haben
drei Wahlmöglichkeiten: Tod beider , - das ist die furchtbarste.
Tod des einen und Sieg des anderen, - mit dieser Lösung ist
eine Partnerschaft nicht mehr möglich. Schließlich als
dritte Möglichkeit: die Versöhnung der beiden, - das ist
die fruchtbarste. Wenn man nicht sterben will, ist diese letztere
die einzig gute Lösung. Sie erfordert die Anerkennung des anderen,
die Auseinandersetzung mit dessen Position, schließlich die
Anerkennung seiner berechtigten Forderungen, das Einsehen, Zugeben
und Bereuen der eigenen Fehler, Buße durch bereitwilliges
Aufsichnehmen der entstandenen Schäden, die wieder gutzumachen
sind. Hierdurch kann verlorenes Vertrauen wieder aufgebaut werden,
Hass in Liebe zurückverwandelt werden, die Grundlage für
die Versöhnung. Dann kann man sich wieder in die Augen schauen,
eine neue Partnerschaft kann beginnen. Yom Kippur kann und sollte
für uns Anlass sein verfahrene Beziehungen in dieser Weise
zu lösen.
Wie wir unseren Körper regelmäßig
von Schmutz säubern, sollten wir im eigenen Interesse auch
eine Art Seelenhygiene betreiben, unsere Seele von Belastendem und
Hässlichem, das sie verunstaltet, befreien, da sonst unsere
Schönheit darunter leidet, und wir unseren Weg sonst verfehlen.
Manche meinen, an Yom Kippur sich die Hand zu reichen und um Versöhnung
zu bitten sei einfach ein gesellschaftlich üblicher religiöser
Brauch dieses Tages, und man könne im Grunde genommen so weiter
machen wie bisher. Bräuche solcher Art, die zu Floskeln verkommen
und hohl geworden sind, braucht kein Mensch, keine Gesellschaft.
Unser Leben verbessern können wir nur, wenn wir G-ttes Forderungen
an uns ernst nehmen, - und dazu gehört die Versöhnung,
die auch Er uns anbietet.
andere Artikel zu Jom Kippur: Die
Jamim Noraim und Jom Kippur
& Der Tag der
Versöhnung &
Das Kol Nidrej-Gebet & Avinu
Malkenu (ein Gebet aus der Liturgie von Jom Kippur)
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