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Jom Kippur Katan gehört zu den Festen, denen
auch in der orthodoxen Welt recht wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Der spezielle Ritus und der eigene Charakter des Tages vor Rosch Chodesch
geraten langsam in Vergessenheit. Der kleine Versöhnungstag wurde
erst im 16. Jahrhundert von den Kabbalisten in Safed eingeführt (die
übrigens auch Kabbalat Schabbat einführten). Dies fusste auf
den Sündenopfern, die an Rosch Chodesch im Tempel dargebracht wurden:
Und an euren Neumondstagen sollt ihr HaSchem Ganzopfer
darbringen:
zwei junge Stiere, einen Widder und sieben im ersten Jahre stehende
Schafe ohne Fehler. Und als Speiseopfer für jeden Stier drei Zehntel
feinstes mit Öl gemengtes Mehl und als Speiseopfer für jeden
Widder zwei Zehntel feinstes mit Öl gemengtes Mehl. Als Speiseopfer
für jedes Schaf ein Zehntel feinstes mit Öl gemengtes Mehl
- ein Ganzopfer von lieblichem Geruch, ein Feueropfer für HaSchem.
Und die dazu gehörigen Gussopfer sind: ein halbes Hin Wein für
den Stier, ein drittel Hin für den Widder und ein Viertel Hin für
das Schaf; dies ist das Neumonds-Ganzopfer, das an jedem Neumondstage
für die Monate des Jahres darzubringen ist, dazu ein Ziegenbock
als Sündopfer für HaSchem...
Viertes Buch Mosche 28:11-15
Sie fasteten an diesem Tag und fügten ein spezielles
Gebet vor das Minchah-Gebet ein. Anders als Kabbalat Schabbat wurde Jom
Kippur Katan jedoch zu keinem Zeitpunkt von einem Großteil der Gemeinden
beachtet.
Selbst der Kitzur Schulchan Aruch bringt nur einen
knappen Verweis auf Jom Kippur Katan:
Manche pflegen an Erew-Rosch-Chodesch zu fasten
und die Ordnung von Jom Kippur Katan zu beten, weil an ihm alle Sünden
de ganzen Monats gesühnt werden, ähnlich wir durch den Ziegenbock
am Rosch-Chodesch, und wie wir im Mussafgebet sprechen: "eine Zeit
der Sühne für alle ihre Geschlechter." Jeder Ort richte
sich nach seinem Gebrauch. - Kitzur Schulchan Aruch 97:1
Der Brauch
Jom Kippur Katan wird am 29. Tag der meisten Monate begangen, mit Ausnahme
des 29. Nissan und des 29. Tischri. Am 29. Nissan deshalb nicht, weil
fasten während des gesamten Monats Nissan nicht erlaubt ist und am
29. Tischri nicht, weil er direkt auf Jom Kippur selbst folgt und an anderen
Tagen des Monats außer Jom Kippur nicht gefastet wird. Auch während
Chanukkah (also am 29. Kislev) darf nicht gefastet werden, weshalb auch
an diesem Tag Jom Kippur Katan nicht beachtet wird. Auch wenn die meisten
Gemeinden Jom Kippur Katan während des gesamten Jahres nicht begehen,
so tun dies doch einige zu Rosch Chodesch Elul, um sich auf Rosch haSchanah
und Jom Kippur einzustimmen.
Fällt Rosch Chodesch auf Schabbat oder den ersten Tag der Woche (Sonntag),
dann wir Jom Kippur Katan am vorhergehenden Donnerstag begangen.
Die speziellen Gebete für diese Gelegenheit bestehen aus Teilen der
Gebete für Jom Kippur, sowie einer Torahlesung (2.B. Mosche 32:11-14;
34:1-10) und einer Haftarah-Lesung (Jeschijahu 55:6 -13; 56:1-8). Zur
Torahlesung werden 3 Olim aufgerufen, wobei der Dritte auch die Haftarah
liest. Dreimal macht derjenige, der aus der Torah liest, eine kurze Pause
in der die Gemeinden den kommenden Vers gemeinsam sagt, erst dann setzt
der "Torah-Leser" wieder ein.
Im Siddur Sefat Emet finden sich die Gebete für Jom Kippur Katan
auf den Seiten 319 bis 334.
Möge an diesem Tag die Last all meiner
Sünden dem Bild des Mondes gleich dahinschwinden, doch meiner frommen
Werke Zahl möge sich mehren, aufblühen und wachsen.
Wirklich, meines Herzens Frevel ist mir bewußt, meiner Sünden
Fäden, meiner Bosheit Gewebe, ich kenne mein Urteil, das dem Feuer
mich hingibt, weil ich Schlechtigkeit häufte auf meine Schuld,
täglich nur nachging dem Erdengewinn, doch wie ein Kind vor der
Schule der Lehre entfloh.
Möge an diesem Tag die Last all meiner Sünden dem Bild
des Mondes gleich dahinschwinden, doch meiner frommen Werke Zahl möge
sich mehren, aufblühen und wachsen.
Wirklich, mit der Eitelkeit Banden zog ich die Sünde herbei, wich
rücklings, mein G-tt, der ich heute vor dich hintrete, Heiliung
erflehend für der beißenden Schlange bitteres Gift, klagend
voll Schmerz und Kummer, kasteiend den der Erde entstammenden Leib,
Hand, Mund und Augen versagen, Begründung und Anmut.
Möge an diesem Tag die Last all meiner Sünden dem Bild
des Mondes gleich dahinschwinden, doch meiner frommen Werke Zahl möge
sich mehren, aufblühen und wachsen.
Der Monate Anfang gabst Du Deinem Volke, eine Zeit der Sühne für
alle ihre Nachkommen, von deinen Geliebten scheuchst du den Kläger,
darum nahe ich mit ihrem Flehen schon am Vortage, dass ich mich läutere,
zur Ruhe einkehre und nicht mehr irre.
Möge an diesem Tag die Last all meiner Sünden dem Bild
des Mondes gleich dahinschwinden, doch meiner frommen Werke Zahl möge
sich mehren, aufblühen und wachsen.
In der Fülle deiner Gnade du, oh König, erhebe dich, dich
Zions zu erbarmen, unseres Heiligtums, Ehre verleihe deiner Ruhestätte,
dass in ihr wir darbringen unser Neumondstage Ganzopfer, oh G-tt, schicke
ihn, der unseres Hauptes Krone trägt, dass unser sehnsuchtsvolles
Herz erstrahle.
Möge an diesem Tag die Last all meiner Sünden dem Bild
des Mondes gleich dahinschwinden, doch meiner frommen Werke Zahl möge
sich mehren, aufblühen und wachsen.
-- Jom Zeh... aus dem Gebet für "Jom Kippur Katan". Dieser
Pijut wurde von Rabbi Jehudah Arjeh ben Jitzchak de Modena (16. oder
17. Jahrhundert in Venedig) gedichtet.
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