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Titel

 

 

Heute ist der

Ekew



Diese Woche in der Tora (Dt. 7,12-11,25):

Die Segnungen des Gehorsams, Heranziehung der Geschichte als Motivation zur Erfüllung der fundamentalen Pflicht, G~tt zu lieben und seine Gesetze zu halten, persönliches Erleben der Wunder zu Gunsten Israels sollen zu Liebe und Gehorsam führen, Belohnung und Strafe im Judentum (Mittelteil des Schma-Gebetes).



Am Schabbes-Tisch...

Aus gutem Hause

Rav Jakov Halevi Filber

(Rabbiner an der "Merkas-Harav" Jeschiwa, Jerusalem)


In unserem Wochenabschnitt schildert uns die Tora nicht nur die materiellen Vorzüge des Landes, wie es heißt: "Denn der Ewige dein G~tt bringt dich in ein schönes Land, ein Land der Wasserbäche, Quellen und Seen, die in der Ebene und im Gebirge entspringen... ein Land, dessen Steine Eisen, und aus seinen Gebirgen wirst du Kupfer hauen" (Dt. 8,7/9), sondern auch die spirituellen: "Ein Land, für das der Ewige, dein G~tt sorgt; beständig sind die Augen des Ewigen deines G~ttes darauf, vom Anfang des Jahres bis zum Ende des Jahres" (Dt. 11,12). Der Eintritt ins Land ist jedoch auch mit Gefahren verbunden, vor denen uns die Tora warnt: "Daß nicht, - wenn du issest und satt wirst, und gute Häuser bauest und bewohnest; und deine Rinder und deine Schafe sich mehren und Silber und Gold sich dir mehrt, und alles, was dein, sich mehrt: dein Herz sich erhebe und du vergessest den Ewigen deinen G~tt" (Dt. 8,12-14). Auf den ersten Blick fragt man sich doch, welche Gefahr "gute Häuser" bedeuten? Im Gegenteil, normalerweise wird es einem Menschen positiv angerechnet, wenn er aus "gutem Hause" stammt! Wie sollte also plötzlich die Herkunft aus gutem Hause zu einem Nachlassen des Glaubens führen? Damit lehrt uns die Tora ein wichtiges Prinzip: Ein "gutes Haus" für sich allein bedeutet noch lange keine Garantie für die spirituelle Zukunft des Menschen. Wir kennen Siedlungen, deren neu aufgenommene Bewohner den "Annahme-Ausschuß" passierten und trotz der damit verbundenen Prüfungen Erscheinungen von Abwerfen des Jochs und Hinwenden einer kalten Schulter zum Wege der Väter seitens der folgenden Generation nicht verhindert werden konnten. Manchmal führen gerade ein gutes Haus und gute Nachbarschaft zu einer gewissen Selbstgefälligkeit der Eltern, die sich von persönlicher Verantwortung für die Aufsicht über die Qualität der Kindererziehung befreit fühlen, weil sie auf die örtliche Gesellschaft der Kinder und die gute Umgebung vertrauen, in der sie leben. Sagte mir neulich ein kluger Bekannter, das Versagen der Erziehung in der toratreuen Ortschaft, in der er lebt, rühre von der Meinung her, daß alles, was sich innerhalb des Dorfzauns abspielt, bewahrt und sicher sei. Und genau zu diesem Punkt warnt und ermahnt uns die Tora: auch wenn du ein gutes Haus in guter Umgebung gebaut hast, mußt du den Augenmerk auf die Gestaltung des Hauses mit Inhalten und Grundwerten richten in ständiger Aufmerksamkeit für den Zustand der Kinder, mit hautnaher Überwachung ihrer Entwicklung, sie nicht mit ihren Überlegungen und Nöten alleine lassen und sich über ihren seelischen und geistigen Zustand auf dem laufenden halten - und vor allem, ihnen mit gutem persönlichen Beispiel voranzugehen und ihnen Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn die Eltern all dies verabsäumen und sich zudem in materiellen Genüssen ergehen ("wenn du issest und satt wirst"), sich von morgens bis abends der Mehrung des Eigentums widmen ("deine Rinder und deine Schafe") und des Geldvermögens ("Silber und Gold"), wenn so eine Kultur im Hause herrscht, dann werden dessen Bewohner, auch wenn es sich um ein gutes Haus handelt, im "Vergessen des Ewigen deines G~ttes" enden. Einen weiteren Makel trägt die Beschäftigung mit dem Bau eines "guten Hauses", wie im Talmud Jeruschalmi erzählt wird: Einige der Weisen kamen an einer Synagoge in der Stadt Lod vorbei, wo sich einer der dortigen Anwohner damit brüstete, wieviel Geld seine Vorfahren in den Bau dieser prachtvollen Synagoge investiert hatten. Darauf sagten sie zu ihm: Wieviel Seelen haben deine Vorfahren darin investiert! - Gab es hier denn keine Leute, die sich mit der Tora befaßten und dieses Geld vielleicht nötiger gebraucht hätten?! (Ende des Traktates Pe'a). Wenn sich die Gesellschaft mit dem äußerlichen Aufbau beschäftigt, wenn sie ihre Finanz- und anderen Mittel im wesentlichen in prachtvolle Gebäude steckt und dabei die Aufmerksamkeit für die Förderung der spirituellen Entwicklung und ethischer Grundwerte vernachlässigt, dann läuft sie selber Gefahr des Niedergangs und der Entfremdung.


© Machon Meir

MACHON MEIR

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