
Kaschrut Adjektiv koscher = "geeignet"
Auch bekannt als mosaische Trennkost oder "Moses-Diät". Wegen ihrer kaum nachgewiesenen Wirksamkeit auf saisonal bedingtes Übergewicht oder Adipositas wurde diese Diät von den einschlägigen Frauenzeitschriften wie BRIGITTE und FREUNDIN bisher kaum beachtet. Kashrut setzt im Gegensatz zur nur zeitweisen Anwendung anderer Ernährungskonzepte daher auch auf eine lebenslange Anwendung.
Der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel ist Pflicht, wobei sich der Kashrut praktizierende Esser an einigen leicht zu merkenden Faustregeln orientieren kann, was koscher ist und was nicht. Ein Fisch der nicht aussieht wie ein Fisch ist nicht koscher. Außerdem ist grundsätzlich alles nicht koscher, was auf dem kostenlosen Büffet gut geführter Oberklassehotels bei Seminaren angeboten wird, auch wenn dem observanten Geschäftsreisenden das Herz beim Anblick von Austern, Kaviar und Hummer blutet. Hierbei kommen wir zu einem weiteren Aspekt von Kashrut, der mehr ein psychologischer als ein ernährungswissenschaftlicher ist - es soll den Anwender Selbstbeherrschung lehren, nicht alles ungefragt alles zu essen, was ihm in den Weg kommt und den Einkaufswagen mit eiskaltem Blick an den Regalen mit gelatinehaltigen Gummibärchen vorbeizulenken.
Kashrut ist auch eine Herausforderung an die jüdische Identität. Zu Gast bei nichtjüdischen Verwandten oder anderen Gastgebern treten nämlich unverzüglich Erklärungsnöte auf. Während die Ablehnung eines Krabbensalates noch relativ leicht zu bewerkstelligen ist (Eiweißallergie!) wird es bei pürierten Suppen unklaren Inhalts schon schwieriger und man wird nicht umhinkommen, die religiöse Zugehörigkeit zu offenbaren. Was folgt, sind meist Diskussionen um mangelnde Toleranz, nicht etwa auf Seiten des Gastgebers, sondern des jüdischen Gastes, der die Bemühungen bei der Herstellung der Speisen nicht zu würdigen weiß - hat sich doch die Hausfrau schon wieder die Finger am schwergängigen Dosenöffner geklemmt. Schnell wird das Gespräch auf den palästinensisch-israelischen Konflikt kommen, der nicht gelöst werden könne, bis "die Juden" endlich ihre Sturköpfigkeit auch in Essensdingen aufgeben würden. Sind Tierschützer anwesend, wird es richtig spannend, da diese ihnen niemals abnehmen werden, dass ein deutsches Schwein ebenso ungern für den Schinken auf dem Frühstücksbrot geschlachtet wird wie ein Kalb für koschere Pastrami. Eine Gelegenheit, sich für diese erlittene Schmach am Gastgeber zu rächen, gibt es hoffentlich, wenn dieser nach dem Essen einen Campari zur Verdauung reicht. Dann ist es Zeit, sich ausführlich über die Herkunft des roten Farbstoffes zu äußern, über die vielen kleinen bedauernswerten Läuse, die ihr Leben für die Herstellung des Magenbitters lassen mussten. Ich frage Sie, ist das ethisch?
Nicht zu verwechseln ist Kashrut mit folkloristischen Essgewohnheiten, die in einschlägigen Kochkursen angeboten werden. Zwar sind gefilte Fisch, Zimmes und Kugel durchaus traditionelle jüdische Speisen, zumindest wenn man kein jemenitischer oder japanischer Jude ist, aber auf die Zutatenliste kommt es an. Ägyptische Fischpfanne, argentinisches Hühnchen und indisches Curry können ebenso koscher zubereitet werden, wenn man es richtig macht. Und schmecken auch lecker, ganz ohne Selbstbeherrschung...
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