Kaschrut

Kaschrut: Das Mischen von Fleisch und Fisch

Dass man Fleisch und Milch nicht mischen darf und ansonsten beide strikt voneinander trennt, gehört eigentlich zum Grundlagenwissen über das Judentum.
Diese Mitzwah ist, leicht nachvollziehbar, direkt aus dem Satz »Du sollst das Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen«01 abgeleitet worden. Daraus wurde die Halachah, generell Fleisch und Milch nicht zusammen zu kochen oder gar zu verzehren. Dies umfasst natürlich auch alle Produkte, die aus Fleisch und Milch hergestellt werden. Übrigens wird Geflügel auch als »Fleisch« betrachtet. Wer sich also um eine gewisse »Observanz« bemüht, der verzichtet auf diese Mischung und hält Wartezeiten zwischen den Mahlzeiten ein.
Diese, leicht nachzuvollziehende, Mitzwah ist jedoch nicht die einzige, die verbietet, ein Nahrungsmittel mit Milch zu vermischen.

Ein wenig schwerer abzuleiten, ist der Brauch, Fisch und Milch nicht gemeinsam zu verzehren. In der Praxis würde dies bedeuten, Challah mit Lachs und Käse oder Butter wäre nicht erlaubt!

Tatsächlich wird dieser Brauch beachtet, wenngleich nicht von allen Juden oder im vollen Umfang.
Die Suche nach den Quellen dieses Brauches ist eine kleine Detektivarbeit, leitet sich dieser doch nicht direkt aus der Torah ab, sondern begegnet uns erst in der halachischen Literatur.

Im Talmud heißt es zunächst noch, dass man Fisch und Milch zusammen essen dürfe02:

»Jegliches Fleisch darf nicht mit Milch zusammen gekocht werden. Außer dem Fleisch des Fisches […].«

Wie kommen wir also auf den Brauch, es doch nicht zu tun?
Dies geht offenbar auf Rabbiner Josef Karo zurück (1488 – 1575), den Verfasser des Schulchan Aruch.
In seinem früheren Werk »Bejt Josef« kommentiert er Ja’akow ben Aschers (1269 – 1343) »Arba’ah Turim«, kurz »Tur« und stellt fest, dass es generell wohl erlaubt sei, beide zu mischen.
Überraschenderweise kommt er aber zu dem Schluss, dass es wohl nicht in Ordnung sei03: »Fisch sollte nicht mit Milch gegessen werden, wegen der Gefahr, wie sie in Orach Chajim 173 beschrieben wird.« Die halachischen Werke haben viele Elemente des Internets, mit Querverweisen und Diskussionen an anderer Stelle praktisch schon vorweggenommen und arbeiten ähnlich. Man müsste also nur dem »Link« zu Orach Chajim, also einem Teil des Schulchan Aruch, folgen, um den Grund zu erfahren. An dieser Stelle geht es jedoch nicht um Fisch und Milch, sondern um Fisch und Fleisch.
Schon Rabbiner Mosche Isserles (1525-1572) geht in Darchej Mosche, seinem Kommentar zum Schulchan Aruch davon aus, dies sei wohl im besten Falle ein Rechtschreibfehler. Tatsächlich gibt es nämlich die Ansicht, Fisch und Fleisch seien zu trennen. Schon im Talmud wird darauf hingewiesen, dass es sein könnte, dass der Verzehr dieser Mischung zu Tza’arat (schwerer Ausschlag der nach der Torah Menschen und Häuser befallen kann) führt04. Es sei also eine Gefährdung der Gesundheit. Doch von Milch ist dort nicht die Rede.

Im sefardischen Judentum, bei dem Rabbiner Karo eine höhere Wertschätzung genießt, wird die Trennung eher beachtet, als im aschkenasischen Judentum. Einige schränken auch nur ein und verzichten auf »Milch«, aber nicht auf Milchprodukte wie Butter oder Käse. Vor allem dort, wo diese Mischung bereits eine gewisse Tradition hat. Wir erkennen also, dass ein lang gelebter Brauch lokal oder innerhalb eines Zweigs des Judentums zu Halachah werden kann, auch wenn seine Ursprünge unklar sind.

  1. 2. Buch Mosche 23,19 []
  2. Chullin 103b []
  3. Jore Deah 87 []
  4. Pessachim 76b []