Bar/Bat Mitzwah

Eine bedeutungsvolle Bat-Mitzvah-Feier

Was kommt heraus, wenn zwei orthodoxe Rabbiner, eine Lifestyle-Redakteurin und ein renommierter Fotograf gemeinsam eine Anleitung für Bat Mitzwa Feiern herausgeben? Ein wundervolles, anspruchsvoll gestaltetes Booklet für junge, modern orthodoxe Mädchen und ihre Familie!

„While the pace may be different, and while the processes of interpretation are different
from one denomination to another, Judaism is open to change across the board.“

Blu Greenberg

„Yesterday’s heresy is today’s orthodoxy. When Sarah Schnirer founded the Bais Yakov school movement in Europe in the early part of the twentieth century, the first to give Jewish women a formal education, there were calls for her excommunication. In time, not only was her vision tolerated by the very orthodox, but it has become de rigueur for girls, even within sub-sects of the haredi system, to receive a thorough education.“

Aryeh Rubin

„Finally, I would rule that the splendor and dignity of the Torah which is revealed when a Bat Mitzvah (or other women) sings prayer or Torah passages so beautifully is a mitzvah to experience. The joy we taste reminds us of Miriam and the women of Israel singing the very same song of liberation and redemption that Moses sang after the crossing of the Red
Sea. By the merit of the women who study and chant Torah for their bat mitzvah and at other times – a special contribution of this generation to the cumulative mesorah (chain of tradition) – may we be worthy to bring an equal event of redemption to the Jewish people in our time.“

Rabbi Itz Greenberg

Eher durch Zufall stieß ich auf dieses Buch, als ich auf Edah, einer modern orthodoxen Seite nach Texten zu Frauenthemen suchte. Chajm Guski hatte mir ein Exemplar des Edah-Journals, das einmal jährlich erscheint, zukommen lassen, in dem sich einige sehr interessante Artikel zum Thema Frauen und Tora befanden. Mein Bild von Orthodoxie war bisher von der in den deutschen Einheitsgemeinden praktizierten nicht-observanten Form von Religiosität geprägt und mich überraschte die Offenheit, mit der alternative, halachisch fundierte G’ttesdienstformen bei Edah diskutiert wurden.

Auf der Titelseite von Edah wurde dann auch das obengenannte Booklet angeboten. Leider war es bei meinem letzten Besuch auf der Seite nicht mehr zu finden, aber Rabbiner Bob Carroll von Edah war so freundlich, mich auf den Verleger zu verweisen. Es ist die Organisation Targum Shlishi in Miami, die viele modern orthodoxe Projekte in den USA unterstützt, unter anderem auch die Organisation JOFA (Jewish Orthodox Feminist Alliance) von Blu Greenberg. Aryeh Rubin und Andrea Gollin von Targum Shlishi freuten sich, dass auch in Deutschland Interesse an dem Booklet besteht und gaben Talmud.de die Freigabe für den Download auf unserer Seite.

Schon das Layout und die ansprechenden Bilder fallen ins Auge, aber vor allem die Texte sind einfach aufregend und spannend zu lesen. In „Towards a meaningful Bat Mitzwa“ von Nancy Wolfson-Moche werden die Vorbereitungen und die eigentliche Feier geschildert, aus Sicht des Mädchens selbst, aus der Sicht ihrer Eltern und aus der halachischen Perspektive der Rabbiner Saul Berman und Itz Greenberg. Auch die orthodoxe Feministin Blu Greenberg kommt selbst zu Wort.

Felissa Rubin ist mitten in den Vorbereitungen für ihre Bat Mitzwa, als sie ihren Eltern eröffnet, dass sie nicht nur eine Familienfeier haben und in der Gemeinde eine Ansprache halten will, sondern dass sie plant, selbst aktiv ihren G’ttesdienst zu leiten. Trotz einiger heftig vorgebrachter Bedenken lässt sie sich nicht von ihrer Idee abbringen. Zwar gibt es in den USA schon einige aktive orthodoxe Frauengebetsgruppen, die einen solchen G’ttesdienst ermöglichen würden, aber Felissa will alles, kein reduziertes „Frauengebet“ ohne die einem männlichen Minjan vorbehaltenen Gebete wie das Kaddisch oder die Kedduscha in der Amida. Nach Rücksprache mit der Religionslehrerin, die Felissas Idee gutheißt und sie in ihrem Eifer unterstützt, macht sich die Familie an die Planung des großen Ereignisses.

Das Booklet gibt an dieser Stelle Hilfestellung für Familien, die eine ähnliche Bat Mitzwa Feier planen, denn es waren einige Dinge bei der Umsetzung zu bedenken. Welche Gemeinde stellt ihre Räume zur Verfügung? Dürfen die Männer der Familie anwesend sein? Wo bekommt man eine Sefer Tora für die Lesung des Wochenabschnitts her (Tipp des Booklets: Einen konservativen Rabbiner fragen!)? Es werden gleichzeitig auch einige halachische Fragen geklärt, denn auch für die Familie war es etwas Neues, dass ein Mädchen die Toralesung und den G’ttesdienst leiten sollte. Außerdem gibt es organisatorische Hilfe, wie z.B. eine Vorbereitungscheckliste für Frauenminjanim.

Der G’ttesdienst in Miami wird dann schließlich zu einem aufregenden Erlebnis für alle Beteiligten – die 20 anwesenden Männer werden das erste Mal in ihrem Leben hinter (!) der Mechitza, der in der Orthodoxie geforderten Trennwand zwischen Männern und Frauen sitzen, sie kommen sich vor wie in einem anderen Leben. An diesem Tag sind die Frauen die aktiven Beter und vielen ist diese Rolle noch sehr ungewohnt. Nicht alle sind dann auch mit der Neuerung einverstanden, einige Frauen reagieren verstört, aber die meisten machen begeistert mit. Mich persönlich erinnerte das an eine Schilderung von Rabbiner Bea Wyler, die diesen Effekt in ihren G’ttesdiensten manchmal bewusst einsetzte – sie ließ große Teile des Gebetes auf Russisch lesen, damit die deutschsprachigen Gemeindemitglieder das Gefühl der Passivität durch ein Ausgeschlossensein von der Teilnahme kennen lernen sollten. Felissa hatte keine derartigen Absichten, sie wollte einfach einen schönen, stimmungsvollen G’ttesdienst gestalten, aber es wäre interessant zu sehen, was geschähe, tauschten auch hier einmal Männer und Frauen während eines G’ttesdienstes in einer Einheitsgemeinde die Plätze und die Frauen wären plötzlich in der Verantwortung, den Fortgang des Gebetes zu gestalten.

Aber auch für diejenigen Mädchen und Frauen, die nicht gleich „aufs Ganze“ gehen wollen, bietet das Buch einige Alternativen für eigene Frauenrituale. Es fordert auch dazu auf, das Geschehen in die eigene Hand zu nehmen, auch wenn die Gemeinde anfangs nicht mit den Plänen einverstanden wäre. Wenn ein Frauenminjan in der eigenen Gemeinde nicht möglich ist, warum dann nicht einen eigenen Raum suchen?

Heute in Deutschland finden wir häufig eine extreme Polarisierung vor, liberale Gemeinden, die das Thema der Rollengleichheit in der Gemeinde gar nicht mehr diskutieren würden und auf der anderen Seite sogenannte traditionelle Gemeinden, an deren Strukturen nicht im geringsten gerüttelt werden darf. Früher hätte ich mich zur ersten Gruppe gezählt, aber in der Zwischenzeit lernte ich viele Frauen kennen, denen der Sprung von der einen auf die andere Seite nicht leicht fällt, vielleicht weil sie nie die Gelegenheit hatten, andere Frauenrollen kennenzulernen oder diese von vorneherein als Häresie dargestellt wurden. Dies ließ sie wohl fürchten, sich abseits des „Mainstreams“ zustellen, falls sie für sich eine aktivere Rolle fordern würden. Wie ich schon häufig erwähnte, denke ich auch, dass einige Frauen sich in der passiven Rolle sehr wohl fühlen, als Zuschauerinnen, die zwar gerne das Geschehen kommentieren, aber keinesfalls daran teilhaben oder Verantwortung dabei tragen möchten. Vielleicht bietet die moderne Orthodoxie uns hier Ideen für einen gangbaren Mittelweg an, bei dem Frauen erst einmal ihre Fähigkeiten ohne Angst austesten und die Freude am aktiven Gebet lernen können…

Download hier – Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung durch Targum Shlishi.