{"id":10011,"date":"2024-07-11T08:18:15","date_gmt":"2024-07-11T06:18:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=10011"},"modified":"2024-08-01T00:12:44","modified_gmt":"2024-07-31T22:12:44","slug":"die-hebraeischen-inkunabeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-hebraeischen-inkunabeln\/","title":{"rendered":"Die hebr\u00e4ischen Inkunabeln"},"content":{"rendered":"\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was sind Inkunabeln?<\/h2>\n\n\n\n<p>INKUNABELN (Wiegendrucke) nennt man B\u00fccher, die bis zum Jahre 1500 gedruckt worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den bis heute bekannten, nahezu 40.000 Inkunabeln sind ca. 170 hebr\u00e4isch, zweifelhafte Bruchst\u00fccke eingerechnet. Diese verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig niedrige Anzahl ist auf die zur Zeit ihrer Entstehung ung\u00fcnstige Lage der Juden in den in Betracht kommenden L\u00e4ndern und auf den starken Verbrauch dieser Druckwerke zur\u00fcckzuf\u00fchren. In Deutschland, der Wiege der Buchdruckkunst, wurden vor 1500 keine hebr\u00e4ischen B\u00fccher gedruckt, doch wurden die ersten hebr\u00e4ischen Drucke in Italien gr\u00f6\u00dftenteils von deutschen Juden hergestellt. Wann und wo die Juden den Buchdruck begonnen haben, l\u00e4sst sich nicht mehr feststellen; neben dem \u00e4ltesten bekannten Druckdatum gibt es eine Reihe von undatierten Drucken und Fragmenten, die Anspruch auf mindestens das gleiche Alter, wenn nicht gar ein h\u00f6heres, haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo sie gedruckt wurden<\/h2>\n\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Anzahl der hebr\u00e4ischen Inkunabeln ist in Italien entstanden, u. zw. in den St\u00e4dten Reggio di Calabria, Pieve di Sacco, Mantua, Ferrara, Rom (?), Bologna, Soncino, Casal Maggiore, Neapel, Brescia, Barco.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Italien<\/h3>\n\n\n\n<p>Der erste datierte hebr\u00e4ische Druck ist der Kommentar Raschis zum Pentateuch, vollendet in Reggio di Calabria am 18. Februar 1475 durch Abraham ben Isaak ben Garton, wohl einen eingewanderten Spanier. Um die gleiche Zeit, am 3. Juli 1475, erschienen die \u00bbTurim \u00bb des Jakob ben Ascher, von Meschullam Cusi begonnen und nach seinem Tode von seinen Angeh\u00f6rigen vollendet. Ihnen folgen mit datierten und undatierten Drucken Abraham Conat in Mantua und Abraham ben Chajim in Ferrara, dessen Beziehungen zu Conat noch nicht gekl\u00e4rt sind. Ein ebenfalls ungekl\u00e4rtes Kapitel sind eine Reihe von undatierten Inkunabeln, die seit de Rossi von den Bibliographen als in Rom hergestellt bezeichnet werden. Es sind mehrere Serien, in einander \u00e4hnlichen Typen gedruckt, von denen die anscheinend j\u00fcngste in einem Drucke die Unterschrift \u00bbObadja, Manasse und Benjamin aus Rom\u00ab tr\u00e4gt. Die erste Gewissheit, wenigstens \u00fcber eine der Serien, brachte D. Simonsen (in der Festschrift f\u00fcr M. Steinschneider), der nachwies, dass die Ausgabe der Responsen des Ibn Adret in einem Buche des Jahres 1566 als \u00bbAusgabe Rom\u00ab zitiert wurde. Diese Drucke, im Allgemeinen \u00bbvor 1480\u00ab angenommen, d\u00fcrften wohl sp\u00e4testens gleichzeitig mit den vorhergehenden, wenn nicht fr\u00fcher anzusetzen sein. Den gr\u00f6\u00dften Anteil am hebr\u00e4ischen Buchdruck in Italien nahmen die Mitglieder der aus Deutschland eingewanderten Familie Soncino, Josua Salomo und sein Neffe Gerson, doch scheinen auch andere Familienmitglieder mitgearbeitet zu haben, da sie zuweilen ihre Drucke als, \u00bbS\u00f6hneSoncinos\u00ab unterzeichneten. Josua Salomo Soncino ist der erste Talmuddrucker Italiens; er lie\u00df im Dezember 1483 den ersten Traktat, Berachot, erscheinen, dem eine gro\u00dfe Reihe anderer folgte, und gab 1492 in Neapel die erste Mischna mit dem Kommentar des Maimonides heraus; er war es auch, der, nachdem alle Teile der Bibel einzeln, mit Kommentaren versehen, erschienen waren, die erste Gesamtausgabe des Bibeltextes druckte (April 1488 in Soncino). Sein Neffe Gerson wandelte in den gleichen Bahnen; er druckte noch nach 1500 an verschiedenen Pl\u00e4tzen Oberitaliens, in Saloniki und Konstantinopel, bis er ca. 1534 starb. Von Bedeutung sind ferner Vater und Sohn Gunzenh\u00e4user-Aschkenasi, die in Neapel druckten, teilweise in starkem Konkurrenzkampf mit dem \u00e4lteren Soncino.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Spanien, Portugal<\/h3>\n\n\n\n<p>In Spanien sind uns nur drei Orte bekannt, in denen der hebr\u00e4ische Buchdruck eine St\u00e4tte fand: Guadalajara, durch Salomo ibn Alkabez, von dem nur ein Druck vom Jahre 1481 erhalten ist; Hijar (Ixar), wo Elieser Alantansi 1485\u201490 bereits eine hohe Stufe in der k\u00fcnstlerischen Entwicklung des Buchdrucks erreichte, und Zamora, wo Samuel ben Musa und Imanuel druckten. 4. Im Jahre 1487 druckte Don Samuel Gacon in Faro (Portugal) einen hebr\u00e4ischen Pentateuch, das erste \u00fcberhaupt in Portugal gedruckte Buch, und im Juli 1489 vollendete Elieser Toledano das erste in Lissabon gedruckte Buch, den Kommentar des Moses Nachmanides zum Pentateuch. Toledanos Drucke sind wohl die sch\u00f6nsten der im 15. Jhdt. hergestellten hebr\u00e4ischen B\u00fccher, insbesondere sein Pentateuch mit Raschi und Targum, dessen auf Pergament gedruckte Exemplare sich mit den sch\u00f6nsten nicht vergleichen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er benutzte Holzschnitt Ornamente, die bereits von Alantansi in Hijar angewandt waren, und die sp\u00e4ter in Konstantinopeler Drucken wieder anzutreffen sind. Sein Faktor Jehuda Leon ibn Gedalja, der wohl gro\u00dfen Anteil an der sch\u00f6nen Ausstattung der B\u00fccher hatte, war sp\u00e4ter ein angesehener Buchdrucker in Saloniki. Aus der Druckerei des Samuel d&#8217;Ortas und seiner S\u00f6hne in Leiria sind nur zwei hebr\u00e4ische Drucke erhalten. Auch an den Druck von Talmudtraktaten haben sich die spanisch-portugiesischen Juden, trotz der schweren Zeit vor ihrer Vertreibung und der Verfolgungen durch die Inquisition, herangewagt; diese Drucke sind aber fast vollst\u00e4ndig verschwunden, bis auf einzelne Bl\u00e4tter, die in den Schriften von Menachem Lonzano, Isaak Lampronti u. a. erw\u00e4hnt werden. Solche Fragmente sind erst seit der Entdeckung der Genisa in Kairo bekannt; in Leiden fand man in einem Einb\u00e4nde das Schlussblatt des Traktates Gittin mit dem Kommentar Raschis, gedruckt im Dezember 1494 oder 1496 in Faro durch Don Samuel Porteiro.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/inku_detail_schoftim.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"686\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/inku_detail_schoftim.jpg?resize=686%2C1024&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-10021\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/inku_detail_schoftim.jpg?resize=686%2C1024&amp;ssl=1 686w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/inku_detail_schoftim.jpg?resize=201%2C300&amp;ssl=1 201w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/inku_detail_schoftim.jpg?resize=768%2C1147&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/inku_detail_schoftim.jpg?w=1000&amp;ssl=1 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 686px) 100vw, 686px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ansicht aus der Ausgabe der Propheten  &#8211;  Soncino 1485<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die meisten erhalten gebliebenen Traktate sind reine Text ausgaben ohne jeden Kommentar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Osmanisches Reich \u2013 T\u00fcrkei<\/h3>\n\n\n\n<p>Die einzige in Konstantinopel gedruckte Inkunabel, die \u00bbTurini\u00ab des Jacob ben Ascher aus dem Jahre 1494, wurde von dem ersten Bibliographen der hebr\u00e4ischen Inkunabeln, de Rossi, ohne ausreichende Gr\u00fcnde f\u00fcr zehn Jahre j\u00fcnger erkl\u00e4rt, was Steinschneider ebenfalls ohne gen\u00fcgende Begr\u00fcndung annahm; erst vor wenigen Jahren erfolgte die Richtigstellung durch Alexander Marx und die Anerkennung der Richtigkeit durch Aron Freimann in seinem \u00bbThesaurus Typographiae Hebraicae Saeculi XV.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist das erste und einzige in der T\u00fcrkei und im Osten \u00fcberhaupt vor 1500 hergestellte Buch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Schriftarten<\/h2>\n\n\n\n<p>Die fr\u00fchesten hebr\u00e4ischen Drucke wurden ebenso wie alle folgenden in <strong>Quadratschrift<\/strong> und rabbinischer, der sogenannten <strong>Raschischrift<\/strong>, gedruckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Quadratschriften gibt es den italienischen Typ, den als erster Josua Salomo Soncino brachte, und aus dem sich fast alle sp\u00e4teren Quadratschriften entwickelten; ferner den spanischen, der in den ersten Drucken in Konstantinopel und Saloniki bis ca. 1525 wiederkehrt, um dann nur noch einmal in den Drucken von Abraham Usque in Ferrara, um 1555, aufzutauchen. Einen mehr deutschen Charakter haben die Typen der sogenannten r\u00f6mischen Drucke und, noch ausgesprochener, die der Drucke aus Pieve di Sacco, Bologna, Ferrara und vor allem Mantua, welch letztere man nach ihrem Hersteller als Conatschrift bezeichnet; sie alle werden sp\u00e4ter nicht angewandt, wohl weil sie trotz ihres sehr ornamentalen Charakters dem Auge zu gro\u00dfe Schwierigkeiten bereiteten. Die Raschischrift Soncinos ist im Gro\u00dfen und Ganzen ziemlich unver\u00e4ndert im Charakter der heutigen Raschischrift erhalten geblieben. Anders die spanische Raschischrift, in der sowohl der erste datierte italienische wie der erste spanische Fr\u00fchdruck erschienen: der Raschi-Kommentar zum Pentateuch, 1475 in Reggio di Calabria, und der Kommentar David Kimchis zu den sp\u00e4teren Propheten, Dezember 1481 in Guadalajara; ihr Typus ist nur noch in Fez, um 1515, wieder benutzt worden. Eine Mittellinie zwischen spanischem und italienischem Duktus zeigen einige neapolitanische Drucke Josua Salomo Soncinos, insbesondere seine Prachtausgabe der Mischna mit dem Kommentar von Maimonides. Das erste mit Vokalen gedruckte Buch ist der im Jahre 1485 begonnene und im folgenden Jahre fertiggestellte Machsor, Soncino-Casal Maggiore; in Spanien und Portugal erschienen Vokalzeichen zuerst im Pentateuch, Faro 1487.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Detail_view_Book_of_Judges_from_the_Soncino_press_(1488).jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/1\/1a\/Detail_view_Book_of_Judges_from_the_Soncino_press_%281488%29.jpg\/256px-Detail_view_Book_of_Judges_from_the_Soncino_press_%281488%29.jpg?20240709091827\" alt=\"Detail view Book of Judges from the Soncino press (1488)\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Detailansicht eines Druckes aus dem Buch Schoftim, Soncino, 1488<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Form<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Inkunabeln haben keine Titelbl\u00e4tter, doch blieb meist das erste Blatt oder die erste Seite unbedruckt. Typographische und sonstige Angaben finden sich, nach der Gewohnheit der Handschriftenhersteller, soweit sie nicht ganz fehlen, am Ende des Buches, in dem sogenannten Kolophon. Viele Inkunabeln haben in Holz geschnittene Bord\u00fcren und Initialen, in Spanien und Portugal zuweilen von gro\u00dfer Feinheit; bei manchen B\u00fcchern wurde der Textbeginn nicht gedruckt, sondern mit der Hand, in Zierschrift, ausgef\u00fcllt. \u2014 Die Auflage der Inkunabeln pflegte ebenso wie bei nichtj\u00fcdischen B\u00fcchern der Zeit keine hohe zu sein; exakte Angaben hier\u00fcber gibt es f\u00fcr die \u00bbTurim\u00ab , Mantua 1476 (250 Exemplare), f\u00fcr den Erstdruck der Psalmen mit David Kimchis Kommentar, (Bologna?) 1477 (300 Exemplare), und den Raschi-Kommentar, Zamora 1487 (400 Exemplare).<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Format<\/strong> der hebr\u00e4ischen Inkunabeln war das gleiche wie das der nichthebr\u00e4ischen, vom gr\u00f6\u00dften Folio bis zum kleinsten Oktav; im allgemeinen wurde ein kleines Folioformat bevorzugt. \u2014 Die Blattzahl (Paginierung) ist in den Inkunabeln nicht angegeben, Kustoden (das am Schluss der Seite unten angef\u00fchrte Anfangswort der folgenden Seite) sind selten, dagegen sind meist die Lagen nummeriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Inhalte nach waren die Drucke des 15. Jhdts. im Allgemeinen auf den Tagesgebrauch der Frommen zugeschnitten: gedruckt wurden vor allem Bibel und Talmud mit Kommentaren, Gebetb\u00fccher, Gesetzeskodices, religionsphilosophische Werke, Grammatiken, W\u00f6rterb\u00fccher.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter diesen ist der ,\u00bb<em>Makre Dardeke<\/em>\u00ab bemerkenswert, das erste gedruckte mehrsprachige W\u00f6rterbuch, f\u00fcr Schulzwecke hergestellt; es enth\u00e4lt au\u00dfer den hebr\u00e4ischen Erkl\u00e4rungen die W\u00f6rter auch in arabischer und italienischer Sprache, ebenfalls in hebr\u00e4ischen Typen. Abseits stehen einige Drucke des Mantuaners Conat, der den Reisebericht des Eldad Hadani, das Geschichtsbuch des Josippon und das erste im Geiste der Renaissance geborene Buch eines Juden, Juda ben Jechiel Rofes (Messer Leon) \u00bbNofet zufim\u00ab, druckte, sowie die Ausgaben der <em>Machberot<\/em> des Immanuel Romi, des Fabelbuches Isaak Sahulas und des <em>Meschal hakadmoni<\/em>, der einzigen illustrierten Inkunabeln durch Gerson Soncino. \u2014 Bibel und Bibelteile wurden etwa 40-mal gedruckt; vom Talmud mehr als 20 Traktate.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Pentateuchkommentar Raschis erschien in 10 Ausgaben, mit und ohne Bibeltext, von Maimonides&#8216; Gesetzbuch <em>Mischne tora<\/em> kennen wir 5 Ausgaben, von den \u00bbTurim\u00ab des Jakob ben Ascher vier, au\u00dfer 5 weiteren Drucken einzelner Teile, vom Pentateuch-Kommentar des Moses Nachmanides und des W\u00f6rterbuchs von David Kimchi gibt es 3 Ausgaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der oben erw\u00e4hnte \u00bb<em>Nofet zufim\u00ab<\/em> und der \u00bbAgur\u00ab des Jacob Landau waren die einzigen hebr\u00e4ischen Inkubaeln, die zu Lebzeiten ihrer Verfasser gedruckt wurden. \u2014 Infolge der Nachstellungen, die die j\u00fcdischen Besitzer von hebr\u00e4ischen Inkunabeln sowie diese selbst zu erdulden hatten, auch infolge starken Verbrauchs haben sich viele Inkunabeln nur in geringer Zahl, ja oft in nur je einem Exemplar erhalten, und sehr viele Drucke sind sicherlich v\u00f6llig verloren gegangen, was aus den zahlreichen Funden von Bl\u00e4ttern und Blattresten in den letzten Jahrzehnten wahrscheinlich wird. Auch ist die geringe Anzahl erhaltener Gebetb\u00fccher nicht anders zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nichthebr\u00e4ische Werke<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt Inkunabeln, die zwar nicht in hebr\u00e4ischer Sprache gedruckt sind, deren Inhalt aber Beziehungen zum Judentum hat. Meist sind sie polemischen Inhalts. So erschien: \u00bbTractatus contra perfidos Judaeos\u00ab und \u00bbDer Stern Meschiah\u00ab von Peter Schwarz, Esslingen 1475 und 1477; ferner die bekannte \u00bbEpistola\u00ab des Samuel Maroccanus. Noch fr\u00fcher erschienen zwei B\u00fccher, die die Legende des Simon von Trient behandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch gibt es mehrere Inkunabeln, die \u00dcbersetzungen aus dem Hebr\u00e4ischen enthalten. So erschien das Buch von Abraham Zacuto, \u00bbAlmanach Perpetuum\u00ab, von Joseph Vicinus ins Lateinische \u00fcbertragen, bei Abraham d&#8217;Ortas 1496 in Leiria, in spanischer \u00dcbersetzung bei demselben im Jahre 1496, in sp\u00e4teren Bearbeitungen von Alphonsus di Cordow und von Johannes Michael in Venedig. Ebenso sind von Abraham ibn Esra einige Werke, \u00bb<em>Sefer Hameorot<\/em>\u00ab (Padua 1482) und \u00bbLiber de nativitatibus\u00ab (Venedig 1484\/1485), in lateinischer \u00dcbersetzung erschienen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Eine \u00dcbersicht mit den bekannten Ausgaben folgt.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>De Rossi, Annales Hebraeo-Typographici, section XV, Parma 1795<\/li>\n\n\n\n<li>S. Cassel und Steinschneider, J\u00fcdische Typographie (in Ersch-Gruber II, 28, S. 33\u201437<\/li>\n\n\n\n<li>F. Sacchi, I tipografii ebrei, Cremona 1877: M. Soave, Dei Soncino celebri tipografi etc., Venedig 1878<\/li>\n\n\n\n<li>G. Manzoni, Amiali Tipografici dei Soncino, Bologna 1886<\/li>\n\n\n\n<li>M Schwab, Les Incunables orientaux, Paris 1883<\/li>\n\n\n\n<li>D. Chwolson, Jewrejskija staropetschatnyja knigi (Petersburg 1896)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>A. Berliner, Uber den Einflu\u00df usw., Frankfurt a. M. 1897<\/li>\n\n\n\n<li>ders., Aus meiner Bibliothek, 1898<\/li>\n\n\n\n<li>D. Simonsen, Hebraisk Bogtryk, Kopenhagen 1901<\/li>\n\n\n\n<li>A. Freimann, \u00dcber hebr\u00e4ische Inkunabeln (im Zentralblatt f\u00fcr Bibliothekwesen, Bd. 19, Heft 3, Leipzig 1902)<\/li>\n\n\n\n<li>ders., Die hebr\u00e4ischen Inkunabeln der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M. (in Festschrift f\u00fcr F. C. Ebrard, Frankfurt a. M. 1920)<\/li>\n\n\n\n<li>ders., Die hebr\u00e4ischen Inkunabeln der Druckereien in Spanien und Portugal (in der Gutenberg-Festschrift, Mainz 1925)<\/li>\n\n\n\n<li>U. Cassuto, Incunaboli ebraici a Firenze, Florenz 1912<\/li>\n\n\n\n<li>A. Marx, Hebrew Incunabula, in JQR 1920\/21, S. 98\u2014119<\/li>\n\n\n\n<li>ders., Literatur \u00fcber hebr\u00e4ische Inkunabeln, in Soncino-Bl\u00e4tter 1926, Heft 1; L. Goldschmidt, Die \u00e4ltesten hebr\u00e4ischen Bibeldrucke (in \u00bbDer Sammler\u00ab, Berlin 1920, Nr. 40, 41);<\/li>\n\n\n\n<li>E. N. Adler, Talmud Printing before Bomberg (in \u00bbSimonsen-Festschrift\u00ab, Kopenhagen 1923)<\/li>\n\n\n\n<li>D. W. Amram, The Makers of Hebrew Books in Italy, Philadelphia 1909; Hebr\u00e4ische Inkunabeln 1475\u20141496, mit 33 Faksimiles (Katalog 151 von Ludwig Bosenthals Antiquariat, M\u00fcnchen)<\/li>\n\n\n\n<li>Gesamtkatalog der Wiegendrucke, Leipzig, seit 1925; A. Freimann, Thesaurus Typographiae Hebraicae, I\u2014VII, Berlin 1924\u20141925.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Anf\u00e4nge des j\u00fcdischen Buchdrucks, der das j\u00fcdische Leben ma\u00dfgeblich beeinflusst hat.<\/p>\n","protected":false},"author":56,"featured_media":10019,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[42,19],"tags":[],"class_list":["post-10011","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","category-schriften"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/inkunabeln_artikel.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10011","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/56"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10011"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10011\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10025,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10011\/revisions\/10025"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10011"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10011"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10011"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}