{"id":10776,"date":"2026-10-21T23:23:07","date_gmt":"2026-10-21T21:23:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=10776"},"modified":"2026-10-21T23:23:10","modified_gmt":"2026-10-21T21:23:10","slug":"kitzur-schulchan-aruch-kapitel-29-bis-33-die-lebensfuehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/kitzur-schulchan-aruch-kapitel-29-bis-33-die-lebensfuehrung\/","title":{"rendered":"Kitzur Schulchan Aruch \u2013 Kapitel 29 bis 33 \u2013 Die Lebensf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"140\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Shlomo_Ganzfried.jpg?resize=100%2C140&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3056\"\/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><em>Die \u00dcbersetzung des Kitzur Schulchan Aruch von Schlomoh Ganzfried auf talmud.de<\/em> <br><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"25\" height=\"15\" class=\"wp-image-3543\" style=\"width: 25px;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/hand_talmudde_klein.png?resize=25%2C15&#038;ssl=1\" alt=\"\"><strong> <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/der-kitzur-schulchan-aruch\/\">Inhaltsverzeichnis<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-jetpack-markdown\"><h2>Kapitel 29. Die Tugenden, an die sich ein Mensch gew\u00f6hne<\/h2>\n<p>Enth\u00e4lt 21 Paragraphen<\/p>\n<h3>\u00a71<\/h3>\n<p>Die Menschen sind verschieden in ihrem Charakter (d. h. in ihrer Naturanlage); es gibt Menschen, die schnell zornig werden und immer grollen, und Menschen, die immer ruhig bleiben und \u00fcberhaupt nicht z\u00fcrnen oder nur einmal in vielen Jahren zornig werden. Es gibt sehr hochm\u00fctige und sehr bescheidene; es gibt Genu\u00dfs\u00fcchtige, deren Gier nie satt wird, Gen\u00fcssen nachzugehn, und es gibt solche sehr reinen Herzens, da\u00df sie nicht einmal nach den wenigen Dingen verlangen, die der K\u00f6rper n\u00f6tig hat. Es gibt Habs\u00fcchtige, deren Seele an allem Geld der Welt nicht satt wird, wie es hei\u00dft (Koh. 5, 9), wer das Geld liebt, wird nicht satt vom Gelde. Mancher verk\u00fcrzt sich und begn\u00fcgt sich auch mit Wenigem, was nicht f\u00fcr ihn hinreicht, und gibt sich keine M\u00fche, soviel zu erwerben, als er braucht. Mancher peinigt sich durch Hunger und legt immer zur\u00fcck, und was er von dem Seinigen essen mu\u00df, genie\u00dft er mit Kummer; und mancher vergeudet sein ganzes Verm\u00f6gen. Und so verh\u00e4lt es sich mit allen Eigenschaften und Charakteranlagen, wie Ausgelassenheit und Traurigkeit, Geiz und Edelmut, Grausamkeit und Barmherzigkeit, weichem und starkem Herzen und dergleichen.<\/p>\n<h3>\u00a72<\/h3>\n<p>Der gute und gerade Weg ist, da\u00df sich der Mensch gew\u00f6hne, den Mittelweg zu gehn; er verlange nur die Dinge, die der K\u00f6rper braucht und ohne die man nicht leben kann; so wie es hei\u00dft (Spr. 13, 25), der Gerechte i\u00dft, um satt zu werden; ebenso widme man sich seinen Gesch\u00e4ften nur so weit, um das zu erreichen, was man f\u00fcr sein irdisches Dasein braucht, wie es hei\u00dft (Ps. 37, 16), besser das Wenige f\u00fcr den Gerechten. Man verschlie\u00dfe seine H\u00e4nde nicht zu sehr, auch vergeude man sein Verm\u00f6gen nicht, sondern gebe Almosen seinem Verm\u00f6gen entsprechend und leihe geb\u00fchrend dem, der es n\u00f6tig hat. Man sei nicht ausgelassen lustig und auch nicht betr\u00fcbt und traurig, sondern freue sich alle seine Tage mit Ruhe und freundlichem Angesicht. Und so bei den meisten \u00fcbrigen Eigenschaften: wer den Mittelweg geht, wird ein Weiser genannt.<\/p>\n<h3>\u00a73<\/h3>\n<p>Der Hochmut aber ist eine sehr schlechte Eigenschaft, und von ihm darf man selbst wenig auch nicht anwenden, sondern man gew\u00f6hne sich, dem\u00fctigen Sinnes zu sein, wie unsere Weisen sel. And. befohlen haben (Abot IV, 4), gar sehr sei dem\u00fctigen Sinnes. Und wie kannst du dich daran gew\u00f6hnen, bescheiden und dem\u00fctigen Sinnes zu sein? Alle deine Worte seien sanft, dein Haupt gesenkt, deine Augen m\u00f6gen zur Erde schauen und dein Herz zum Himmel; jeder Mensch sei in deinen Augen angesehen, da\u00df er gr\u00f6\u00dfer als du; wenn er ein gr\u00f6\u00dferer Thoragelehrter als du, bist du verpflichtet, ihn zu ehren; ebenso wenn er reicher ist als du, bist du ebenfalls verpflichtet, ihn zu ehren, wie wir finden (Erub. 86a), Rabbi Jehuda hanassi ehrte die Reichen; und denke, da der Ewige, gepriesen sei Er, ihm Reichtum gegeben, hat er ihn wohl verdient. Wenn er kleiner als du an Weisheit oder Reichtum, so denke, da\u00df er vielleicht gerechter ist als du; denn wenn er eine S\u00fcnde begeht, wird es ihm als Versehen oder Notfall angerechnet; wenn du aber eine S\u00fcnde begehst, bist du ein Frevler. Wenn du immer so denkst, kannst du nicht hochm\u00fctig werden und wird es gut f\u00fcr dich sein.<\/p>\n<h3>\u00a74<\/h3>\n<p>Ebenso ist der Zorn eine sehr schlechte Eigenschaft; darum soll sich der Mensch sehr weit von ihm entfernen und sich gew\u00f6hnen, selbst wegen einer Sache, die des Zornes wert w\u00e4re, nicht zu z\u00fcrnen. Wenn man n\u00f6tig hat, seinen Kindern oder seinen Hausgenossen Furcht einzufl\u00f6\u00dfen, stelle man sich vor ihnen so, als ob man z\u00fcrne, um sie zurechtzuweisen, aber in seinem Innern bleibe der Sinn ganz ruhig. Elijahu sagte zu Raw Jehuda, dem Bruder von R. Sala, dem Frommen: Z\u00fcrne nicht, so wirst du nicht s\u00fcndigen (z\u00fcrne nicht; denn durch den Zorn kommst du zur S\u00fcnde); betrinke dich nicht, so wirst du nicht s\u00fcndigen (trinke nicht zu viel Wein) (Berachot 29b). \u2013 Ferner haben unsere Lehrer sel. And. gesagt: Wer z\u00fcrnt, ist einem G\u00f6tzendiener gleich und alle Arten von Gehinnom herrschen \u00fcber ihn, so hei\u00dft es (Koh. 11, 10), entferne den Zorn aus deinem Herzen, so h\u00e4ltst du B\u00f6ses fern von deinem Fleisch; und unter dem B\u00f6sen ist das Gehinnom zu verstehen, so steht (Spr. 16, 4), auch den B\u00f6sewicht f\u00fcr den Tag des Ungl\u00fccks. Der Zornigen Leben ist kein Leben, darum haben unsere Weisen befohlen, da\u00df man sich vom Zorn so weit entferne, bis man sich gew\u00f6hnt hat, selbst zornerregende Dinge nicht mehr zu f\u00fchlen. Das ist der gute Weg und der Weg der Frommen, die sich kr\u00e4nken lassen und selbst nicht kr\u00e4nken, ihre L\u00e4sterung anh\u00f6ren und selbst nicht l\u00e4stern, aus Liebe Gutes tun und sich mit den Schmerzen freuen; von ihnen sagt die Schrift (Richt. 5, 31), die Ihn lieben, sind gleich einem Sonnenaufgang in seiner St\u00e4rke.<\/p>\n<h3>\u00a75<\/h3>\n<p>Jederzeit \u00fcbe der Mensch das Schweigen und rede nur entweder Worte der Thora oder Worte, die er zur Erhaltung seines K\u00f6rpers braucht, und selbst bei dem, was er f\u00fcr die Notwendigkeiten seines K\u00f6rpers braucht, mehre er nicht die Worte. Unsere Lehrer sel. And. haben bereits gesagt (Abot I, 17), wer viel redet, f\u00fchrt die S\u00fcnde herbei; ferner sagten sie (dort), ich habe f\u00fcr den Menschen nichts Besseres als das Schweigen gefunden. Und Rawa sagte (Erech. 15b): was lehrt der Vers (Spr. 18, 21), Tod und Leben ist in der Gewalt der Zunge? Wer das Leben w\u00fcnscht, hat es in der Zunge, und wer den Tod w\u00fcnscht, hat ihn in der Zunge.<\/p>\n<h3>\u00a76<\/h3>\n<p>Der Mensch gebe sich nicht mit Lachen und Spott ab, sei auch nicht betr\u00fcbt und traurig, sondern freudig; so haben unsere Weisen sel. And. gesagt (Abot III, 17): Lachen und Leichtfertigkeit verf\u00fchren den Menschen zur Unmoral; er sei auch nicht habs\u00fcchtig und geldgierig; auch nicht tr\u00fcbselig und m\u00fc\u00dfig, sondern wohlwollend, beschr\u00e4nke seine T\u00e4tigkeit, um sich mit der Thora zu besch\u00e4ftigen, und mit dem Wenigen, das sein Anteil ist, freue er sich, wie unsere Lehrer sel. And. gesprochen (Abot IV, 28): der Neid, die Begierde und die Ehrsucht bringen den Menschen aus der Welt; darum soll man sich von ihnen fernhalten.<\/p>\n<h3>\u00a77<\/h3>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnte einer sagen: weil der Neid, die Begierde und die Ehrsucht und \u00e4hnliche Eigenschaften ein schlechter Weg sind, da sie den Menschen aus der Welt bringen, so will ich mich ganz besonders von ihnen trennen und mich bis zum entgegengesetzten Ende von ihnen entfernen; so da\u00df er kein Fleisch mehr i\u00dft, keinen Wein trinkt, nicht heiratet, in einer sch\u00f6nen Wohnung nicht wohnt, ein sch\u00f6nes Gewand nicht anzieht, sondern sich in h\u00e4rene Kleider und dergl. h\u00fcllt; auch das w\u00e4re ein schlechter Weg, auf dem man nicht gehn darf. Wer diesen Weg geht, wird ein S\u00fcnder genannt, denn es hei\u00dft beim Enthaltsamen (Num. 6, 11), er s\u00fchne f\u00fcr ihn, weil er sich an seiner Seele vers\u00fcndigt hat; und dazu sagen unsre Weisen sel. And.: wenn schon der Enthaltsame, der sich nur vom Wein abgesondert hat, einer S\u00fchne bedarf, um wieviel mehr erst derjenige, der sich von allem absondert. Darum haben unsere Lehrer sel. And. befohlen, da\u00df sich der Mensch nur der Dinge enthalte, welche die Thora uns verboten hat, und sich nicht durch Gel\u00fcbde und Schw\u00fcre die erlaubten Dinge verbiete. So haben die Weisen sel. And. gesprochen: Ist dir nicht genug, was die Thora untersagt hat, da\u00df du dir noch das Erlaubte verbietest! Ferner haben unsere Weisen sel. And. verboten, sich durch Fasten \u00fcber Geb\u00fchr zu peinigen; \u00fcber alle diese Dinge und \u00e4hnliche hat der K\u00f6nig Schelomo, Friede sei mit ihm, gesprochen (Koh. 7, 16): wolle nicht mehr als gerecht sein und sei nicht all zu klug; warum willst du in die Irre gehen! Ferner (Spr. 4, 26): Pr\u00fcfe den Pfad deines Fu\u00dfes, und all deine Wege werden wohl gegr\u00fcndet sein!<\/p>\n<h3>\u00a78<\/h3>\n<p>Wir haben bereits (Kap. 1 \u00a7 3) den Ausspruch von Jehuda b. Tema \u201esei dreist wie ein Leopard. . .\u201c gebracht, da\u00df man sich nicht vor Menschen sch\u00e4me, die einen beim Dienst des Sch\u00f6pfers, gepriesen sei sein Name, verspotten; dennoch aber erwidere man ihnen nicht mit dreisten Worten, damit man seine Seele nicht daran gew\u00f6hne, dreisten Angesichts zu sein, auch wenn es sich nicht um den Dienst des Ewigen, gepriesen sei sein Name, handelt.<\/p>\n<h3>\u00a79<\/h3>\n<p>Ebenso soll man wegen irgendeiner Mizwa nicht streiten, zum Beispiel um vor der heiligen Lade vorzubeten oder zur Thora aufgerufen zu werden und dergl.; wie wir bei den Schaubroten finden; obschon es eine Pflicht war, sie zu essen, lernen wir doch (Joma 39a), die Frommen zogen ihre H\u00e4nde (bei der Verteilung) davon zur\u00fcck, und nur die Gierigen griffen schnell zu und a\u00dfen.<\/p>\n<h3>\u00a710<\/h3>\n<p>Es liegt in der Natur des Menschen, sich in seinen Handlungen nach seinen Freunden und Gef\u00e4hrten und nach den Leuten seines Ortes zu richten; darum soll sich der Mensch den Frommen zugesellen und sich immer bei den Weisen aufhalten, um von ihren Werken zu lernen, und den Schlechten, die im Finstern wandeln, fernbleiben, um nicht von ihren Werken zu lernen. Der K\u00f6nig Schelomo, Friede sei mit ihm, hat gesagt (Spr. 13,20): wer mit den Weisen geht, wird weise; wer sich aber den Toren zugesellt, verdirbt. Ferner hei\u00dft es (Ps. 1,1): Heil dem Manne. . . Wenn man in einer Stadt wohnt, deren F\u00fchrer schlecht sind und deren Einwohner nicht den geraden Weg gehen, ziehe man von dort weg, um in einer Stadt zu wohnen, deren Einwohner fromm sind und den Lebenswandel der Frommen f\u00fchren.<\/p>\n<h3>\u00a711<\/h3>\n<p>Es ist ein Gebot, sich den Thoragelehrten anzuschlie\u00dfen, um von ihren Werken zu lernen, so wie es hei\u00dft (Deut. 10,20): Ihm sollst du anhangen! Ist aber dem Menschen m\u00f6glich, der Schechina anzuhangen? Nur, so haben unsere Lehrer sel. And. erkl\u00e4rt: schlie\u00dfe dich den Thoragelehrten an. Darum mu\u00df sich der Mensch bem\u00fchen, die Tochter eines Thoragelehrten zu heiraten und seine Tochter einem Thoragelehrten zu geben, mit Thoragelehrten zusammen zu essen und zu trinken, f\u00fcr Thoragelehrte Gesch\u00e4fte zu machen und sich ihnen auf jede m\u00f6gliche Weise anzuschlie\u00dfen; so steht (Deut. 11,22), und sich Ihm anzuschlie\u00dfen. Und so haben auch unsere Lehrer sel. And. befohlen, indem sie sprachen (Abot 1,4): bestaube dich mit dem Staub ihrer F\u00fc\u00dfe und trinke mit Durst ihre Worte.<\/p>\n<h3>\u00a712<\/h3>\n<p>Es ist ein Gebot f\u00fcr jedermann, jeden einzelnen von Jisrael wie sich selbst zu lieben; so hei\u00dft es (Lev. 19,18): Liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst! Darum soll man Gutes von ihm sagen und sein Verm\u00f6gen sch\u00fctzen, wie man sein eigenes Verm\u00f6gen bewahrt und selbst w\u00fcnscht, geehrt zu werden. Wer durch Herabsetzung eines Anderen Ehre f\u00fcr sich zu erlangen sucht, wenn auch der Andere nicht zugegen ist und eine Besch\u00e4mung ihn nicht erreichte, und selbst wenn er ihn nicht schm\u00e4hte, sondern nur seine eigenen guten Handlungen und seine eigene Weisheit den Handlungen seines N\u00e4chsten oder dessen Weisheit gegen\u00fcberhielt, damit dadurch erkannt werde, da\u00df er selbst zu ehren und sein N\u00e4chster zu verachten sei, so hat er keinen Anteil an der zuk\u00fcnftigen Welt, wenn er sich nicht aufrichtig bessert.<\/p>\n<h3>\u00a713<\/h3>\n<p>Wer einen von Jisrael im Herzen ha\u00dft, \u00fcbertritt ein Verbot; so hei\u00dft es (Lev. 19,17): Hasse nicht deinen Bruder in deinem Herzen! (Siehe weiter Kap. 189 \u00a7 5). Und wenn sich jemand gegen ihn vergangen hat, trage er ihm nicht schweigend den Ha\u00df nach, wie von den B\u00f6sen gesagt wird (II Sam. 13,22): Abschalom sprach mit Amnon kein Wort, weder ein b\u00f6ses noch ein gutes; denn Abschalom ha\u00dfte Amnon; sondern es ist seine Pflicht, es ihm mitzuteilen und zu sagen: warum hast du mir das und das getan, und warum hast du dich in dieser Sache gegen mich vergangen? So hei\u00dft es (Lev. 19,17): zurechtweisen sollst du deinen N\u00e4chsten! Und wenn der Andere abl\u00e4\u00dft und bittet, ihm zu verzeihen, mu\u00df man ihm verzeihen und sei nicht grausam; so steht (Gen. 20,17), und Abraham betete zu Gott. Abot von R. Natan (Ende Kap. 16): Was versteht man unter Menschenha\u00df? Das lehrt, da\u00df der Mensch nicht mit Absicht sage: liebe die Weisen und hasse die Sch\u00fcler, oder liebe die Sch\u00fcler und hasse die Unkundigen; sondern liebe alle und hasse nur die Abtr\u00fcnnigen und die Verf\u00fchrer und zum Abfall Verleitenden und ebenso die Verr\u00e4ter. So sagt auch David (Ps. 139,21), die Dich hassen, Ewiger, hasse ich, und mit Deinen Widersachern hadre ich, mit \u00e4u\u00dferstem Ha\u00df hasse ich sie, sie sind mir zu Feinden geworden. Siehe, es hei\u00dft (Lev. 19,18): liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst; ich bin der Ewige! Das ist die Begr\u00fcndung: weil ich ihn erschaffen habe; und wenn er die Pflichten deines Volkes erf\u00fcllt, liebe ihn, und wenn nicht, liebe ihn nicht!<\/p>\n<h3>\u00a714<\/h3>\n<p>Man darf sich nicht gegen seinen N\u00e4chsten, der einem B\u00f6ses getan hat, an das Gericht im Himmel wenden; aber nur dann nicht, wenn man einen Richter auf Erden hat. Wer \u00fcber seinen N\u00e4chsten zum Himmel schreit, wird zuerst gestraft. Manche sagen, auch wenn man keinen Richter auf Erden hat, darf man nicht das Gericht im Himmel gegen den N\u00e4chsten anrufen, wenn man es diesem nicht zuerst mitgeteilt hat.<\/p>\n<h3>\u00a715<\/h3>\n<p>Wenn man den N\u00e4chsten s\u00fcndigen oder einen Weg gehen sieht, der nicht gut, ist es eine Pflicht, ihn zur Besserung zur\u00fcckzuf\u00fchren und ihm zu sagen, da\u00df er durch seine b\u00f6sen Handlungen sich vers\u00fcndige, so hei\u00dft es (Lev. 19,17): zurechtweisen sollst du deinen N\u00e4chsten! Wer seinen N\u00e4chsten zurechtweist, sei es betreffs Dinge zwischen ihm und seinem N\u00e4chsten, sei es betreffs Dinge zwischen seinem N\u00e4chsten und dem Ewigen, mu\u00df er ihn unter vier Augen zurechtweisen und spreche sanft und mit milden Worten mit ihm und teile ihm mit, da\u00df er nur zu seinem Wohle mit ihm rede, um ihn zum Leben der zuk\u00fcnftigen Welt zu f\u00fchren. Wer in seiner Macht hat zu wehren und nicht wehrt, wird selbst f\u00fcr die betreffende S\u00fcnde verantwortlich gemacht, weil es ihm m\u00f6glich gewesen, zu wehren.<\/p>\n<h3>\u00a716<\/h3>\n<p>Wann ist das gesagt? Wenn man annehmen kann, da\u00df der Andere auf einen h\u00f6rt. Wenn man aber von ihm wei\u00df, da\u00df er nicht auf einen h\u00f6ren wird, darf man ihn nicht zurechtweisen. Denn es sagt (Jeb. 65b) R. Ilaa im Namen von R. Elaser b. R. Schimon: Wie der Mensch verpflichtet ist, ein Wort zu sprechen, das befolgt wird, ebenso ist der Mensch verpflichtet, ein Wort, das nicht befolgt wird, nicht zu sprechen. R. Aba sagt: Es ist eine Schuldigkeit (noch mehr als \u05de\u05e6\u05d5\u05d4); denn so hei\u00dft es (Spr. 9,8): Weise den Sp\u00f6tter nicht zurecht, da\u00df er dich nicht hasse; weise den Einsichtigen zurecht, und er wird dich lieben!<\/p>\n<h3>\u00a717<\/h3>\n<p>Es ist verboten, seinen Nebenmenschen zu besch\u00e4men, sei es durch ein Wort, sei es durch eine Handlung, und umsomehr \u00f6ffentlich; unsere Lehrer sel. And. haben gesagt (Bab. m. 58b): Wer das Angesicht seines N\u00e4chsten \u00f6ffentlich besch\u00e4mt, hat keinen Anteil an der zuk\u00fcnftigen Welt. Ferner haben unsere Weisen sel. And. gesagt (dort 59a): Es w\u00e4re f\u00fcr den Menschen besser, in einen gl\u00fchenden Ofen zu st\u00fcrzen, als das Angesicht seines N\u00e4chsten \u00f6ffentlich zu besch\u00e4men; so hei\u00dft es (Gen. 38,25), sie ward hinausgef\u00fchrt, da lie\u00df sie ihrem Schwiegervater sagen: Durch den Mann, dem diese Pf\u00e4nder geh\u00f6ren, werde ich Mutter; und sie sagte es nicht deutlich, sondern deutete es nur an; w\u00fcrde er eingestehen, so sollte er es eingestehen; wenn aber nicht, wollte sie ihn nicht \u00f6ffentlich nennen. Darum mu\u00df sich der Mensch sehr in acht nehmen, da\u00df er seinen N\u00e4chsten nicht \u00f6ffentlich besch\u00e4me, weder einen kleinen noch einen gro\u00dfen; er rufe ihn nicht mit einem Namen, durch den er sich sch\u00e4mt, und erz\u00e4hle nichts vor ihm, wor\u00fcber er sich sch\u00e4mt, und wenn der andere sich gegen ihn vergangen hat, da\u00df er ihn zurechtweisen mu\u00df, besch\u00e4me er ihn nicht; so hei\u00dft es (Lev. 19,17): lade dir durch ihn keine Schuld auf. Wann ist das gesagt? Bei Dingen zwischen einem Menschen und seinem Nebenmenschen; aber bei Dingen dem Ewigen gegen\u00fcber, wenn sich einer nicht bessert, nachdem man ihn im Geheimen zurechtgewiesen, besch\u00e4me man ihn \u00f6ffentlich und mache seine S\u00fcnde bekannt und schm\u00e4he ihn ins Angesicht und gebe ihn der Verachtung und der Verw\u00fcnschung preis, bis er zur Besserung zur\u00fcckkehrt, wie alle Propheten in Jisrael getan haben. Dabei geht nicht das Verbot der Kr\u00e4nkung durch Worte an; denn es hei\u00dft (Lev. 25,17): Kr\u00e4nket nicht einer seinen N\u00e4chsten, und das haben unsere Lehrer sel. And. so erkl\u00e4rt \u05e2\u05de\u05d9\u05ea\u05d5 \u05be den Volksgenossen, der gleich dir die Lehre und die Gebote beobachtet, hat die Thora verboten zu kr\u00e4nken, aber nicht denjenigen, der sie \u00fcbertritt und sich nicht bessert, nachdem man ihn im Geheimen und mit sanften Worten zurechtgewiesen.<\/p>\n<h3>\u00a718<\/h3>\n<p>Wenn sich jemand gegen seinen N\u00e4chsten vers\u00fcndigt hat, und dieser will ihn nicht zurechtweisen und ihm nichts dar\u00fcber sagen und verzeiht ihm in seinem Herzen, er ha\u00dft ihn nicht und stellt ihn nicht zur Rede, so ist das die Eigenschaft besonderer Fr\u00f6mmigkeit. Die Thora verbietet nur, Ha\u00df nachzutragen.<\/p>\n<h3>\u00a719<\/h3>\n<p>Man mu\u00df sich Waisen und Witwen gegen\u00fcber besonders in acht nehmen, da\u00df man mit ihnen nur milde Worte spreche; man behandle sie ehrend und bereite ihnen selbst durch Worte keinen Schmerz, weil ihre Seele sehr gebeugt und ihr Gem\u00fct bedr\u00fcckt ist; auch wenn sie beg\u00fctert sind; selbst der Witwe des K\u00f6nigs und seinen Waisen gegen\u00fcber sind wir dazu verpflichtet; denn es hei\u00dft (Exod. 22,21): Jede Witwe und Waise sollt ihr nicht kr\u00e4nken! Einen Bund hat mit ihnen geschlossen Er, der durch Sein Wort die Welt ins Dasein rief, da\u00df sie jederzeit, wenn sie \u00fcber ihnen angetanes Unrecht klagen, erh\u00f6rt werden; so hei\u00dft es (Exod. 22,22): Denn wenn sie zu mir rufen, h\u00f6re ich ihre Klage! Wann ist das gesagt? Wenn man sie in seinem eigenen Interesse bedr\u00fcckt; wenn sie aber der Lehrer z\u00fcchtigt, um sie Thora oder ein Handwerk zu lehren oder sie den rechten Weg zu f\u00fchren, dann ist es erlaubt; dennoch achte man darauf, sie sanft und mit gro\u00dfem Erbarmen zu leiten; da es hei\u00dft (Spr. 22,23): Der Ewige nimmt sich ihrer Sache an. Es ist kein Unterschied zwischen Waisen v\u00e4terlicher- oder m\u00fctterlicherseits. Wie lange werden sie in dieser Hinsicht Waisen genannt? Bis sie alles, was sie n\u00f6tig haben, wie alle anderen Erwachsenen selbst besorgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>\u00a720<\/h3>\n<p>Der Mensch soll sich davor h\u00fcten, irgend etwas zu tun, wodurch man ihn in Verdacht bekommen k\u00f6nnte, er habe eine S\u00fcnde begangen, (obschon er eine solche nicht begeht); so finden wir, da\u00df der Kohen, der das Geld f\u00fcr die Opfer aus dem dazu bestimmten Tempelgemach holte, nicht in einem Gewand hineinging, das so verfertigt war, da\u00df man etwas darin verbergen konnte; weil der Mensch auch vor seinen Mitmenschen so bestehen soll, wie er vor dem Ewigen, gelobt sei Er, zu bestehen hat; so hei\u00dft es (Num. 32,22): seid rein vor dem Ewigen und vor Jisrael; und ferner (Spr. 3,4): da\u00df du Gunst und Wohlwollen findest in den Augen Gottes und der Menschen.<\/p>\n<h3>\u00a721<\/h3>\n<p>Eine Eigenschaft der Fr\u00f6mmigkeit ist, keine Gabe anzunehmen, sondern auf den Ewigen zu vertrauen, da\u00df Er einem jeden gibt, was er n\u00f6tig hat; so hei\u00dft es (Spr. 15,27): wer Gaben ha\u00dft, wird leben!<\/p>\n<h2>Kapitel 30. Das Verbot der Verleumdung und der b\u00f6sen Rede, der Rache und des Hasses<\/h2>\n<p>Enth\u00e4lt 9 Paragraphen<\/p>\n<h3>\u00a71<\/h3>\n<p>Gehe nicht, um zu verleumden, in deinem Volke umher (Lev. 19,16). Was versteht man unter Verleumdung? Wenn jemand Worte umhertr\u00e4gt, indem er von einem zum anderen geht und sagt: So hat der und der gesprochen; so und so habe ich \u00fcber den und den geh\u00f6rt. Wenn es auch die Wahrheit ist und keine Ehrenkr\u00e4nkung enth\u00e4lt, so \u00fcbertritt er doch damit ein Verbot und begeht eine schwere S\u00fcnde, indem er zur T\u00f6tung von Seelen in Jisrael beitragen k\u00f6nnte. Darum steht daneben: bleibe nicht m\u00fc\u00dfig bei der Lebensgefahr deines N\u00e4chsten! Geh\u2019 und lerne, was Doeg Haedomi widerfuhr, als er zu Schaul sprach, Achimelech habe David Wegzehrung und ein Schwert gegeben (siehe I. Sam. 22,10). Obschon die Sache auf Wahrheit beruhte und auch keine Kr\u00e4nkung f\u00fcr Achimelech enthielt; denn er hatte ja damit nichts B\u00f6ses getan, und selbst wenn Schaul selbst Achimelech gefragt h\u00e4tte, so h\u00e4tte er ihm erz\u00e4hlt, was er getan hatte, da er nicht die Absicht gehabt, damit gegen Schaul zu s\u00fcndigen; trotz alledem verursachte die Verleumdung Doegs, da\u00df so viele Kohanim umkamen.<\/p>\n<h3>\u00a72<\/h3>\n<p>Es gibt noch eine viel gr\u00f6\u00dfere S\u00fcnde als diese, die auch in diesem Verbot enthalten ist, n\u00e4mlich: die b\u00f6se Rede. Wenn n\u00e4mlich jemand etwas erz\u00e4hlt, was f\u00fcr einen anderen eine Schande ist, auch wenn er die Wahrheit spricht. Wer aber eine L\u00fcge ausspricht, wird ein solcher genannt, der \u00fcber seinen N\u00e4chsten einen b\u00f6sen Namen ausbringt. Ein Verbreiter von b\u00f6ser Rede jedoch ist derjenige, der beim Zusammensitzen erz\u00e4hlt, so und so habe der und der getan, so und so waren seine Ahnen, so und so habe ich \u00fcber ihn geh\u00f6rt; und er spricht beleidigende Worte aus; darauf sagt der Schriftvers (Ps. 12,4): Ausrotten wird der Ewige alle glatten Lippen, die Zunge, die Prahlerisches spricht. \u2014 Wer die b\u00f6se Rede annimmt, ist noch schlechter als derjenige, der sie spricht; und das Urteil \u00fcber unsere V\u00e4ter in der W\u00fcste (dort sterben zu m\u00fcssen) wurde nur um der b\u00f6sen Rede willen allein besiegelt.<\/p>\n<h3>\u00a73<\/h3>\n<p>Wie weit geht der Begriff \u201eb\u00f6se Rede\u201c? Fragt einer den anderen: wo kann ich Feuer finden? Und er antwortet ihm: Wo findet sich Feuer? Im Haus von dem und dem, der hat viel Fleisch und Fische, und da wird immer gekocht.<\/p>\n<h3>\u00a74<\/h3>\n<p>Es gibt Dinge, die Staub der b\u00f6sen Rede sind. Was zum Beispiel? Wenn einer sagt: Schweigt von dem und dem; ich will nicht erz\u00e4hlen, was sich zugetragen hat und was gewesen ist, und dergl. \u2014 Ebenso ist es Staub der b\u00f6sen Rede, wenn jemand von den guten Eigenschaften eines anderen in Gegenwart von dessen Feinden erz\u00e4hlt; denn das veranla\u00dft diese, Herabsetzendes von ihm auszusprechen; von einer solchen Sache sagte Schelomo (Spr. 27,14): Wenn einer seinen N\u00e4chsten mit lauter Stimme schon fr\u00fch am Morgen lobt, so wird ihm das als Verw\u00fcnschung angerechnet werden. Denn durch seine Lobpreisung kommt man zu seiner Herabsetzung. Ebenso wenn jemand b\u00f6se Rede als Scherz oder aus Leichtfertigkeit erz\u00e4hlt, als ob er gar nicht aus Ha\u00df spreche, so ist es das, was Schelomo in seiner Weisheit gesprochen (Spr. 26,18): Wie ein Scherztreibender, der Br\u00e4nde, Pfeile und Tod schleudert, so der Mann, der seinen N\u00e4chsten betr\u00fcgt und sagt: Ich scherze ja nur! Ebenso, wenn einer b\u00f6se Rede hinterlistig ausspricht, indem er sich stellt, als erz\u00e4hle er ganz ohne Nebenabsicht und wisse nicht, da\u00df es b\u00f6se Rede ist. Und wenn man ihn dann schilt, sagt er, er wisse nicht, da\u00df dies b\u00f6se Rede sei oder da\u00df der und der so gehandelt habe.<\/p>\n<h3>\u00a75<\/h3>\n<p>Es ist gleich, ob einer b\u00f6se Rede in Gegenwart seines N\u00e4chsten oder in seiner Abwesenheit erz\u00e4hlt; wenn jemand Worte ausspricht, die, wenn sie durch Weitererz\u00e4hlen dem anderen zu Ohren kommen, ihm an seiner Gesundheit oder seinem Verm\u00f6gen Schaden verursachen oder ihm auch nur Qual oder Furcht bereiten, so ist dies b\u00f6se Rede. Sind die Worte bereits in Gegenwart von drei Leuten erz\u00e4hlt worden, so ist anzunehmen, da\u00df die Sache schon allgemein bekannt ist, und wenn dann einer von den dreien es noch einmal erz\u00e4hlt, ist dies keine b\u00f6se Rede, nur beabsichtige er nicht, das Ger\u00fccht weiter zu verbreiten und es noch bekannter zu machen. Welches Mittel gibt es f\u00fcr den Menschen, um nicht zu b\u00f6ser Rede zu kommen? Ein Thoragelehrter besch\u00e4ftige sich mit der Lehre, ein Unkundiger erniedrige seinen Sinn.<\/p>\n<h3>\u00a76<\/h3>\n<p>Es sagte R. Jirmeja b. Aba (Sota 42a): Vier Arten von Menschen d\u00fcrfen nicht vor dem Angesicht der Schechina erscheinen, die Art der Sp\u00f6tter, die der Heuchler, die der L\u00fcgner und die der Erz\u00e4hler von b\u00f6ser Rede. Die Art der Sp\u00f6tter, denn es hei\u00dft (Hosch 7,5): Er entzieht Seine Hand den Sp\u00f6ttern (erkl\u00e4rt Raschi: der Heilige, gelobt sei Er, entzieht Seine Hand, um nicht mit den Sp\u00f6ttern zu sein). Die Art der Heuchler, denn es hei\u00dft (Job. 13, 16): Denn vor Sein Angesicht kommt kein Heuchler. Die Art der L\u00fcgner, denn es hei\u00dft (Ps. 101, 7): Wer L\u00fcgen redet, kann vor meinen Augen nicht bestehen. Die Art der Erz\u00e4hler von b\u00f6ser Rede; denn es hei\u00dft (Ps. 5, 5): Denn Du, o Gott, hast kein Wohlgefallen an Bosheit, ein B\u00f6ser darf nicht bei Dir verweilen (erkl\u00e4rt Raschi: \u05d9\u05d2\u05d5\u05e8\u05da \u2013 bei Dir verweilt kein B\u00f6ser; und das bezieht sich auf die Erz\u00e4hler von b\u00f6ser Rede, so hei\u00dft es in jenem Abschnitt (Vers 10): in seinem Munde ist keine Gradheit. . .); gerecht bist Du, Ewiger, in Deiner N\u00e4he darf sich kein B\u00f6ser aufhalten. Ferner haben unsre Lehrer sel. And. gesagt (Sanh. 63b): Jede Verspottung ist verboten, au\u00dfer der Verspottung des G\u00f6tzendienstes, wie es hei\u00dft (I. K\u00f6n. 18, 27): es war um die Mittagszeit, da verspottete sie Elijahu. . .<\/p>\n<h3>\u00a77<\/h3>\n<p>Wer sich an seinem N\u00e4chsten r\u00e4cht, \u00fcbertritt ein Verbot; so hei\u00dft es (Lev. 19, 18): R\u00e4che Dich nicht! Worin besteht Rache? Wenn einer zum andern spricht: Leihe mir Deine Axt! Und er sagt: Ich leihe sie Dir nicht! Am anderen Tag hat jener n\u00f6tig, sie zu leihen, und sagt zum ersten: Leihe mir Deine Axt! Und der erwidert: Ich leihe sie Dir nicht, wie Du mir auch nicht geliehen hast, als ich Dich darum bat; so hei\u00dft dies: sich r\u00e4chen. Und er \u00fcbertritt ein Verbot. Sondern, wenn er zu ihm kommt, von ihm zu leihen, gebe er ihm mit vollem Herzen und vergelte ihm nicht, wie er ihm getan; vielmehr soll der Mensch in allen Dingen der Welt, die alle dem Einsichtigen nichtig und eitel und nicht wert erscheinen, sich ihretwegen zu r\u00e4chen, auf seine Rechte verzichten. So hat auch der K\u00f6nig David, Friede sei mit ihm, gesagt (Ps. 7, 5): wenn ich B\u00f6ses vergolten meinem Freund; vielmehr rettete ich. . . (\u00dcber das Verbot der Verw\u00fcnschung haben wir Kap. 6 \u00a7 3 geschrieben.)<\/p>\n<h3>\u00a78<\/h3>\n<p>Wenn Du Dich an Deinen Feinden r\u00e4chen willst, mehre Deine Tugenden und gehe die Wege der Graden; damit wirst Du Dich von selbst an Deinem Hasser r\u00e4chen; denn er wird sich \u00fcber Deine Tugenden gr\u00e4men und traurig sein, wenn er von Deinem guten Ruf h\u00f6rt. Wenn Du aber h\u00e4\u00dfliche Handlungen begehst, dann freut sich Dein Hasser \u00fcber Deine Schmach und Deine Schande, und siehe, er ist es, der sich an Dir r\u00e4cht.<\/p>\n<h3>\u00a79<\/h3>\n<p>Wer einem von Jisrael Ha\u00df nachtr\u00e4gt, \u00fcbertritt ein Verbot; so hei\u00dft es (Lev. 19, 18): und trage den Kindern Deines Volkes keinen Ha\u00df nach. Was bedeutet Ha\u00df nachtragen? Wenn Ruben zu Schimeon sagt: Leihe mir den und den Gegenstand. Und Schimeon will nicht. Nach einiger Zeit kommt Schimeon, irgend etwas von Ruben zu leihen, und Ruben spricht zu ihm: Hier hast Du es; siehe, ich leihe es Dir und bin nicht wie Du; ich vergelte Dir nicht gleich Deinen Werken. Wer so tut, \u00fcbertritt: Du sollst keinen Ha\u00df nachtragen! Vielmehr tilge man die Sache aus seinem Herzen und denke gar nicht mehr daran. Das ist die richtige Gesinnung, durch die das Zusammenwohnen der Menschen auf Erden erhalten werden kann und der Verkehr des einen mit dem anderen.<\/p>\n<h2>Kapitel 31. Alle Absichten des Menschen seien, dem Ewigen zu dienen<\/h2>\n<p>Enth\u00e4lt 7 Paragraphen<\/p>\n<h3>\u00a71<\/h3>\n<p>Unsre Lehrer sel. And. haben gesprochen (Berach. 63a): Welches ist ein kleiner Abschnitt, von dem alle Vorschriften der Lehre abh\u00e4ngig sind? Auf allen Deinen Wegen erkenne Ihn (Spr. 3, 6); das hei\u00dft, selbst auf Deinen Wegen, die Du f\u00fcr Dich selbst zu besorgen hast, erkenne den Ewigen und tue die Dinge um Seines Namens willen, gepriesen sei Er; wie essen und trinken, gehen, sitzen, liegen und aufstehn, ehelich verkehren, sprechen, alles, was Dein K\u00f6rper braucht, sei nur, um Deinem Sch\u00f6pfer zu dienen oder einem Zweck, der Seinen Dienst herbeif\u00fchrt.<\/p>\n<h3>\u00a72<\/h3>\n<p>Wie durch essen und trinken? Man braucht nicht zu sagen, da\u00df man, was der Ewige verh\u00fcten m\u00f6ge, keine verbotenen Dinge esse oder trinke; sondern auch bei erlaubten Dingen, wenn man durstig und hungrig war und man h\u00e4tte nur zu seiner eigenen Lust gegessen, ist man nicht lobenswert, sondern man beabsichtige durch sein Essen und Trinken, zum Dienst des Sch\u00f6pfers Kraft zu haben. Darum esse man nicht alles, wonach der Gaumen verlangt, wie ein Hund und ein Esel, sondern esse Dinge, die f\u00fcr die Gesundheit des K\u00f6rpers f\u00f6rderlich und gut sind. Es gibt fromme M\u00e4nner, die vor dem Essen sprechen: Siehe, ich will essen und trinken, damit ich zum Dienst des Sch\u00f6pfers, gepriesen sei Sein Namen, gesund und stark sein werde.<\/p>\n<h3>\u00a73<\/h3>\n<p>Wie durch sitzen, aufstehen und gehen? Man braucht nicht zu sagen, da\u00df man sich nicht im Sitz von Sp\u00f6ttern aufhalte und auf dem Weg der S\u00fcnde nicht verweile und nicht gehe in den Rat der B\u00f6sen; sondern sage in der Geraden Kreis zu sitzen und an der Frommen Ort zu stehn und in der Aufrichtigen Versammlung zu gehen, wenn man dies tut, nur um sich selbst zu n\u00fctzen, sein eigenes Gel\u00fcste und Verlangen nur zu stillen, so ist dies nicht lobenswert, sondern man tue es, um dem Ewigen zu dienen. Dennoch, auch wenn einem nicht m\u00f6glich ist, nur die eine Absicht zu haben, dem Ewigen damit zu dienen, halte man sich von diesen Dingen doch nicht zur\u00fcck; denn von der nicht ganz lauteren kommt man zur lauteren Absicht.<\/p>\n<h3>\u00a74<\/h3>\n<p>Wie durch liegen? Man braucht nicht zu sagen, da\u00df zu einer Zeit, in der man sich mit der Lehre und den Geboten besch\u00e4ftigen kann, sich dem Schlaf zu ergeben, nur um sich ein Vergn\u00fcgen zu bereiten, ein Unrecht ist, so zu tun, sondern sogar, wenn man m\u00fcde ist und schlafen mu\u00df, um sich von seiner M\u00fcdigkeit auszuruhen, wenn man dies nur zur Erquickung seines K\u00f6rpers tut, ist man nicht lobenswert; sondern man beabsichtige, den Augen Schlaf und dem K\u00f6rper Ruhe zu g\u00f6nnen, weil dies zur Gesundheit des K\u00f6rpers n\u00f6tig ist und damit nicht das Forschen in der Lehre durch die Entziehung des Schlafes gest\u00f6rt werde.<\/p>\n<h3>\u00a75<\/h3>\n<p>Wie durch den ehelichen Verkehr? Man braucht nicht zu sagen, da\u00df man keine S\u00fcnde, der Ewige verh\u00fcte es, begehen darf, sondern sogar, wenn man die von der Thora vorgeschriebene Ehepflicht nur zur Erquickung seines K\u00f6rpers oder zur Befriedigung seines Gel\u00fcstes erf\u00fcllt, ist man tadelnswert; auch wenn man die Absicht hat, Kinder zu bekommen, die einen nur bedienen und vertreten sollen, ist es nicht lobenswert; sondern man beabsichtige, Kinder zu bekommen, die seinem Sch\u00f6pfer dienen, oder habe im Sinn, den K\u00f6rper gesund zu erhalten und das Gebot der Ehepflicht zu erf\u00fcllen, wie ein Mensch, der seiner Verpflichtung nachkommt.<\/p>\n<h3>\u00a76<\/h3>\n<p>Wie durch sprechen? Man braucht nicht zu sagen, da\u00df man nicht, was der Ewige verh\u00fcten m\u00f6ge, b\u00f6se Rede oder Verleumdung und Spott und Entweihung des Mundes ausspreche, sondern selbst, wenn man Worte der Weisen erz\u00e4hlt, sei seine Absicht der Dienst des Sch\u00f6pfers oder eine Sache, die zu Seinem Dienste f\u00fchrt.<\/p>\n<h3>\u00a77<\/h3>\n<p>Ebenso, wenn man sich mit seinem Gesch\u00e4ft oder seiner Arbeit abgibt, um dadurch Gewinn zu erlangen, sei das Herz nicht allein darauf gerichtet, nur Verm\u00f6gen zu h\u00e4ufen, sondern man tue es darum, um damit seine Familie ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen, Wohlt\u00e4tigkeit zu \u00fcben und seine Kinder zum Studium der Thora zu erziehen. Die Regel ist die: der Mensch hat die Pflicht, seine Augen und sein Herz auf seine Wege zu richten und alle seine Handlungen auf der Wage seines Verstandes abzuwiegen, und wenn er eine Sache sieht, durch die er dazu kommt, dem Sch\u00f6pfer, gepriesen sei Er, zu dienen, tue er sie, und wenn nicht, tue er sie nicht. Wenn sich einer so f\u00fchrt, findet sich, da\u00df er seinem Sch\u00f6pfer alle seine Tage dient, selbst bei seinem Sitzen und seinem Aufstehen und seinem Gehen, bei seinem Gesch\u00e4ft und sogar beim Essen und Trinken, auch bei seinem ehelichen Verkehr und allem, was er braucht. Dieses ganze Kapitel haben unsere Lehrer sel. And. geboten, sprechend: Alle Deine Handlungen seien, um dem Ewigen zu dienen (Abot II,17). Und in diesem Sinne erhob unser heiliger Lehrer (R. Juda hanasi) in seiner Sterbestunde seine Finger gen Himmel und sprach: Offenbar und bekannt ist es vor Dir, da\u00df ich sie nur gebrauchte, um Dir zu dienen! (Ketub. 104a).<\/p>\n<h2>Kapitel 32. Schutz des K\u00f6rpers auf Grund der Natur<\/h2>\n<p>Enth\u00e4lt 27 Paragraphen<\/p>\n<h3>\u00a71<\/h3>\n<p>Weil, da\u00df der K\u00f6rper gesund und heil sei, zu den g\u00f6ttlichen Einrichtungen geh\u00f6rt, kann er, wenn er krank ist, in die Erkenntnis Gottes nicht eindringen und sie nicht erschauen. Darum mu\u00df sich der Mensch von den Dingen fernhalten, die den K\u00f6rper zerst\u00f6ren, und sich an die Dinge gew\u00f6hnen, die den K\u00f6rper gesund machen und ihn kr\u00e4ftigen; so hei\u00dft es auch (Deut. 4, 15), h\u00fctet euer Leben sehr!<\/p>\n<h3>\u00a72<\/h3>\n<p>Der Sch\u00f6pfer, gelobt sei Er und gelobt Sein Name, hat den Menschen (und ebenso jedes Gesch\u00f6pf) erschaffen und die nat\u00fcrliche W\u00e4rme in ihn gelegt, sie ist das Leben des Menschen; denn, wenn das nat\u00fcrliche Feuer erlischt, h\u00f6rt sein Leben auf. Die Erhaltung dieser W\u00e4rme geschieht durch die Speise, die der Mensch zu sich nimmt; wie ein brennendes Feuer vollkommen erlischt, wenn man nicht immer Holz nachlegt, so auch erlischt das Feuer im Menschen, wenn er nicht i\u00dft, und er stirbt. Die Speise wird von den Z\u00e4hnen gemahlen, mit Fl\u00fcssigkeit und Speichel gemischt und aufgel\u00f6st. Dann rinnt sie in den Magen hinab und wird auch dort gemahlen und mit Fl\u00fcssigkeiten gemischt, dem Magensaft und dem Saft aus der Galle, aufgel\u00f6st und durch die W\u00e4rme und die S\u00e4fte aufgeweicht und verdaut. Von dem aus ihr Ausgesuchten werden alle Glieder gespeist, es erh\u00e4lt das Leben des Menschen, und das Unbrauchbare, das ist das \u00dcbersch\u00fcssige, wird ausgesto\u00dfen. Darum sagen wir in der Beracha \u05d0\u05e9\u05e8 \u05d9\u05e6\u05e8 (nach einer Erkl\u00e4rung): Er vollbringt Wunder; der Heilige, gelobt sei Er, hat in den Menschen die Natur gelegt, das Gute der Speise auszusuchen, und jedes Glied zieht dann die ihm geb\u00fchrende Nahrung an sich, w\u00e4hrend das Unbrauchbare ausgesto\u00dfen wird. Denn w\u00fcrde das Unbrauchbare im Menschen bleiben, w\u00fcrde es faulen, und er w\u00fcrde, der Ewige bewahre uns davor, in Krankheiten verfallen. Darum ist der gr\u00f6\u00dfte Teil der Gesundheit des Menschen und seiner Schw\u00e4che von der Verdauung der Speise abh\u00e4ngig; wenn diese auf leichte und gute Weise verdaut wird, dann ist der Mensch gesund; wenn aber die Verdauung gest\u00f6rt ist, wird der Mensch schwach und kann in Gefahr kommen, der Ewige sch\u00fctze uns davor.<\/p>\n<h3>\u00a73<\/h3>\n<p>Gute Verdauung ist da, wenn die Speise nicht viel und leicht zu verdauen ist; denn wenn ein Mensch viel i\u00dft, und der Magen voll ist, dann ist die Verdauung schwer, weil sich dann der Magen nicht, wie es seiner Natur entspricht, ausdehnen und zusammenziehen und die Speise gen\u00fcgend zermahlen kann. Wie Feuer, auf das man zuviel Holz h\u00e4uft, nicht gut brennt, so verh\u00e4lt es sich auch mit der Speise im Magen. Darum mu\u00df sich der Mensch, der die Gesundheit seines K\u00f6rpers erhalten will, in Acht nehmen, um ein im Verh\u00e4ltnis zur Beschaffenheit seines K\u00f6rpers mittelm\u00e4\u00dfiges Quantum zu essen, nicht zu wenig und auch nicht bis zur v\u00f6lligen S\u00e4ttigung. Die meisten Krankheiten, die Menschen heimgesucht haben, kommen nur von schlechten Speisen oder davon her, da\u00df sie, wenn auch mit guten Speisen, ihren Leib f\u00fcllten und \u00fcberm\u00e4\u00dfig a\u00dfen. Das ist, was Schelomo in seiner Weisheit gesagt (Spr. 21,23): wer seinen Mund und seine Zunge h\u00fctet, bewahrt vor Leiden seine Seele. Das hei\u00dft: wer seinen Mund davor bewahrt, schlechte Speisen zu genie\u00dfen oder zu viel zu essen, und seine Zunge, mehr zu reden, als er braucht. Ein Weiser sagt: Wenn einer von sch\u00e4dlichen Dingen wenig gegessen, schadet es ihm nicht so viel, als wenn er von guten Dingen zu viel gegessen.<\/p>\n<h3>\u00a74<\/h3>\n<p>In der Jugend ist die Kraft des Verdauens beim Menschen st\u00e4rker; darum mu\u00df er h\u00e4ufiger essen als ein Mann in den mittleren Jahren. Ein Greis braucht wegen der Schw\u00e4che seiner Kraft leichte Speise, gering an Menge, aber bedeutend an Wirkung, um seine Kraft zu heben.<\/p>\n<h3>\u00a75<\/h3>\n<p>In der hei\u00dfen Jahreszeit werden die Verdauungsorgane durch die Hitze geschw\u00e4cht; darum ist angebracht, da\u00df das Quantum von Speise im Sommer geringer sei als im Winter. Bedeutende \u00c4rzte haben berechnet, da\u00df man im Sommer nur zwei Drittel von dem essen solle, was man im Winter i\u00dft.<\/p>\n<h3>\u00a76<\/h3>\n<p>Eine wichtige medizinische Regel ist, da\u00df man sich vor dem Essen durch Gehen oder durch Arbeit erm\u00fcde, da\u00df der K\u00f6rper warm werde, und dann esse man. Und das bedeutet der Vers (Gen. 3,19): im Schwei\u00dfe deines Angesichtes sollst du Brot essen! Und der Vers (Spr. 31, 27): Brot der Tr\u00e4gheit genie\u00dft sie nicht. Vor dem Essen binde man seinen Gurt auf (als Zeichen merke dir den Vers Gen. 18,5 \u05d5\u05d0\u05e7\u05d7\u05d4 \u05e4\u05ea \u05dc\u05d7\u05dd und zwar \u05d0\u05e7\u05d7\u05d4 die Buchstaben von hinten nach vorn gelesen sind die Anfangsbuchstaben der Worte: binde den Gurt auf vor dem Essen;\u05e4\u05ea \u05dc\u05d7\u05db sind die Anfangsbuchstaben von: da\u00df du nicht zu einer Erkrankung der Eingeweide kommst). W\u00e4hrend des Essens sitze man an seiner Stelle oder lehne sich links an. Nach dem Essen bewege man sich nicht stark, weil dadurch die Speise aus dem Magen weiter hinabgeht, bevor sie verdaut ist, und das ist sch\u00e4dlich, sondern man gehe etwas und ruhe aus, mache aber nach dem Essen keinen Spaziergang und strenge sich nicht an. Man lege sich erst zwei Stunden nach dem Essen schlafen, da\u00df die D\u00fcnste nicht in den Kopf steigen und ihm schaden. Auch ein Bad, Aderla\u00df und Eheverkehr sind nicht gut nach dem Essen.<\/p>\n<h3>\u00a77<\/h3>\n<p>Die Menschen sind nicht gleich in ihrer Natur, mancher hat eine hei\u00dfe Natur, mancher eine kalte, mancher eine mittelm\u00e4\u00dfige. Die Speisen sind auch verschieden. Wer eine mittelm\u00e4\u00dfige Natur hat, genie\u00dfe Speisen, die ebenfalls mittelm\u00e4\u00dfig sind. Wessen Natur aber nicht mittelm\u00e4\u00dfig ist, der mu\u00df Speisen genie\u00dfen, die seiner Natur etwas entgegengesetzt sind. Wer eine hei\u00dfe Natur hat, esse keine hitzigen Speisen wie Gew\u00fcrze und Wohlger\u00fcche, sondern esse Speisen, die etwas abk\u00fchlen und s\u00e4uerlich sind. Wer eine kalte Natur hat, esse Speisen, die etwas hitzig sind. Ebenso \u00e4ndere sich die Ern\u00e4hrung nach der Zeit und nach dem Ort. Im Sommer esse man k\u00fchlende Speisen wie Fleisch von zarten L\u00e4mmern und B\u00f6ckchen und jungen H\u00fchnern, auch etwas s\u00e4uerliche Speisen und im Winter erw\u00e4rmende Speisen. Ebenso in einer kalten Gegend erw\u00e4rmende und in einer hei\u00dfen Gegend k\u00fchlende Speisen.<\/p>\n<h3>\u00a78<\/h3>\n<p>Mittelm\u00e4\u00dfige Kost besteht aus Weizenbrot, nicht aus ganz reinem Mehl; denn ganz feines Mehl braucht lange zur Verdauung; sondern es sei auch etwas Kleie darin; es werde mittelm\u00e4\u00dfig ges\u00e4uert, enthalte Salz und werde im Ofen gebacken. Andere Speisen, die aus Weizen hergestellt werden, sind nicht gut. Von Fleischsorten ist das beste Lamm im ersten Jahr und ebenso noch saugende junge Ziegen. Alle Arten von Eingeweiden jedoch und auch Kopf sind nicht gut. Ziegen, alte Kuh, alter K\u00e4se sind schlechte und grobe Speisen. Alles Fleisch von Gefl\u00fcgel ist leichter zu verdauen als Fleisch von Vieh. Das beste Gefl\u00fcgel ist Huhn. Die \u00c4rzte sagen, da\u00df eine Speise, an die der Mensch gew\u00f6hnt ist, ihm nicht schade, wenn es auch eine schlechte Speise ist; denn die Gewohnheit wird zur Natur; nur f\u00fclle man seinen Magen nicht damit an.<\/p>\n<h3>\u00a79<\/h3>\n<p>Man esse nicht Herz von einem Vieh oder einem Gefl\u00fcgel, weil es dem Ged\u00e4chtnis schadet. Ebenso esse man nicht von einer Stelle, wo eine Maus oder eine Katze abgebissen hat, das schadet auch dem Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n<h3>\u00a710<\/h3>\n<p>Zeit zum Essen ist, wenn man wahres Verlangen nach Speise hat, nicht falsches. Der Unterschied zwischen wahrem Verlangen und falschem ist der: das erste wird Hunger genannt, wenn der Magen leer ist. Das zweite ist, wenn man nach einer bestimmten Speise gel\u00fcstet, man nennt das ein Gel\u00fcste. Als Regel gelte: Ein gesunder, starker Mensch esse zweimal am Tag; Schwache und Alte sollen nur wenig auf einmal essen, und so sollen sie \u00f6fters am Tag essen, denn viel Speise schw\u00e4cht den Magen. Wer seine Gesundheit h\u00fcten will, esse nicht, bis der Magen von der vorangegangenen Mahlzeit leer ist. Gew\u00f6hnlich dauert die Verdauung bei gesunden Menschen, die mittelm\u00e4\u00dfig essen und sich mittelm\u00e4\u00dfig anstrengen, sechs Stunden. Es ist gut, w\u00f6chentlich eine Mahlzeit ausfallen zu lassen, damit der Magen von seiner Arbeit feiert und die Kraft der Verdauung sich st\u00e4rke. Es scheint gut, diese Unterbrechung am Erew Schabbat zu machen.<\/p>\n<h3>\u00a711<\/h3>\n<p>Es ist gut, sich zu gew\u00f6hnen, morgens einen Imbi\u00df zu sich zu nehmen (siehe Bab. mez. 107b).<\/p>\n<h3>\u00a712<\/h3>\n<p>Wer mehrere Arten von Speisen genie\u00dfen will, ziehe vor, das, was abf\u00fchrt, zuerst zu essen und vermische es nicht mit der Mahlzeit, sondern warte etwas dazwischen; und ebenso lasse er eine leichte Speise, die gut zu verdauen ist, wie Fleisch von Gefl\u00fcgel, dem Fleisch von Vieh vorangehen, Fleisch von Kleinvieh vor Fleisch von Gro\u00dfvieh. Aber Dinge, die die Eingeweide verschlie\u00dfen, esse man gleich nach der Mahlzeit und esse nicht viel davon.<\/p>\n<h3>\u00a713<\/h3>\n<p>Da der Anfang der Verdauung schon im Mund stattfindet, durch das Kauen mit den Z\u00e4hnen und Mischen der Speise mit dem Saft des Speichels, darum schlucke man keine Speise herunter, ohne sie gekaut zu haben, weil sonst die Verdauung den Magen allein belastet.<\/p>\n<h3>\u00a714<\/h3>\n<p>Wir sagten bereits (\u00a7 7), da\u00df die Menschen nicht gleich in ihrer Natur und jeder Mensch nach dem Rat der \u00c4rzte die Speisen nehmen solle, die f\u00fcr seine Natur, seinen Ort und sein Alter gut sind. Als allgemeine Regel, wisse, haben die fr\u00fcheren \u00c4rzte die Speisen nach verschiedenen Graden eingeteilt. Es gibt Speisen, die ganz besonders schlecht sind, da\u00df sie ein Mensch niemals essen sollte, wie gro\u00dfe, gesalzene, alte Fische, gesalzenen, alten K\u00e4se, Pilze und Schw\u00e4mme, gesalzenes, altes Fleisch, Wein von der Kelter, eine Speise, die schon so lang gestanden, da\u00df ihr ein Geruch entstr\u00f6mt, und so jede Speise, die einen schlechten Geruch hat oder sehr bitter ist, so ist sie f\u00fcr den K\u00f6rper gef\u00e4hrlich wie Gift. Dann gibt es Speisen, die zwar schlecht sind, aber nicht so schlecht wie die ersten; darum soll man davon nur wenig und nur selten essen und gew\u00f6hne sich nicht, sich damit zu ern\u00e4hren oder sie regelm\u00e4\u00dfig mit seiner Speise zusammen zu genie\u00dfen, wie gro\u00dfe Fische, K\u00e4se, Milch, die bereits vierundzwanzig Stunden steht, seitdem sie gemolken, Fleisch von gro\u00dfen Ochsen und gro\u00dfen Ziegenb\u00f6cken; Gerstenbrot, unges\u00e4uertes Brot, Kohl, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, Senf und Rettich; alle diese sind schlechte Speisen. Von diesen soll man nur sehr wenig essen, und zwar im Winter, aber im Sommer esse man gar nicht davon.<\/p>\n<h3>\u00a715<\/h3>\n<p>Manche Speisen sind ebenfalls schlecht, sie sind es aber nicht wie diese; n\u00e4mlich Wassergefl\u00fcgel (G\u00e4nse und Enten), kleine junge Tauben (junge Tauben als Bezeichnung f\u00fcr die Art), Datteln, Brot, das mit \u00d6l geknetet ist, feines Mehl, das man gen\u00fcgend gesiebt hat, da\u00df keine Spur von Kleie mehr darin ist; von diesen Speisen soll man nicht viel essen.<\/p>\n<h3>\u00a716<\/h3>\n<p>Man halte sich auch jederzeit von Baumfr\u00fcchten zur\u00fcck und esse nicht viel davon, selbst von getrockneten und um so mehr von frischen; bevor sie aber am Baum gen\u00fcgend gereift sind, sind sie wie Schwerter f\u00fcr den K\u00f6rper. Ebenso ist Johannisbrot niemals gut; saure Fr\u00fcchte sind sch\u00e4dlich und man esse nur wenig davon, und zwar im Sommer und in hei\u00dfen Gegenden. Feigen, Trauben und Granat\u00e4pfel sind immer gut, sowohl frisch als auch trocken; an ihnen kann man sich satt essen; doch esse man nicht regelm\u00e4\u00dfig davon, obschon sie besser sind als alle anderen Baumfr\u00fcchte.<\/p>\n<h3>\u00a717<\/h3>\n<p>Was das Trinken anlangt, so ist das Wasser das nat\u00fcrliche Getr\u00e4nk f\u00fcr den Menschen und das Zutr\u00e4glichste f\u00fcr den K\u00f6rper. Wenn es rein und klar ist, ist es brauchbar; denn es erh\u00e4lt die Feuchtigkeit im K\u00f6rper und entfernt rasch das Unbrauchbare. Wenn man Wasser trinkt, w\u00e4hle man kaltes, weil es den Durst stillt und die Verdauung besser f\u00f6rdert, als wenn es nicht kalt ist. Aber es sei nicht sehr kalt, weil es sonst die nat\u00fcrliche W\u00e4rme herabsetzt; und um so mehr, wenn der Mensch m\u00fcde und matt ist, nehme er sich sehr in acht, da\u00df er kein kaltes Wasser trinke, weil da die Umgebung des Herzens erhitzt und durch die M\u00fcdigkeit und Ermattung schlaff geworden ist, da w\u00fcrde ihm das kalte Wasser schaden, da\u00df er in Gefahr kommen k\u00f6nnte, der Ewige verh\u00fcte es. Wenn aber auch das Wasser der Gesundheit des K\u00f6rpers zutr\u00e4glich ist, trinke man doch nicht viel davon. Vor dem Essen trinke man kein Wasser, weil dadurch der Magen abgek\u00fchlt wird und die Speise nicht ordentlich verdaut; auch w\u00e4hrend der Mahlzeit trinke man nur wenig Wasser, mit Wein gemischt; und erst, wenn die Speise anf\u00e4ngt, verdaut zu werden, dann trinke man ein mittelm\u00e4\u00dfiges Quantum. Ebenso trinke man kein Wasser, wenn man vom Bade kommt, da\u00df die Leber nicht erk\u00e4ltet werde; und um so mehr trinke man im Bad selbst kein Wasser; ebenso trinke man solches nicht gleich nach dem ehelichen Verkehr, weil da die nat\u00fcrliche W\u00e4rme abgeschw\u00e4cht ist; und das k\u00f6nnte verursachen, da\u00df die Glieder sich erk\u00e4lten.<\/p>\n<h3>\u00a718<\/h3>\n<p>Der Wein st\u00e4rkt die nat\u00fcrliche W\u00e4rme, f\u00f6rdert die Verdauung und entfernt die \u00fcberfl\u00fcssigen Teile. Er tr\u00e4gt zur Gesundheit des K\u00f6rpers bei, wenn man ein mittelm\u00e4\u00dfiges Quantum davon trinkt. Wer einen schwachen Kopf hat, nehme sich vor dem Wein in acht, weil er seine Schw\u00e4che vermehrt und den Kopf mit D\u00fcnsten f\u00fcllt. Wein ist gut f\u00fcr Alte und schadet den Jungen, weil er die nat\u00fcrliche W\u00e4rme erregt; und das w\u00e4re, als w\u00fcrde man Feuer zum Feuer hinzuf\u00fcgen. Man trinke keinen Wein vor einundzwanzig Jahren. Vor der Mahlzeit soll man nur ein bi\u00dfchen Wein trinken, um die Eingeweide anzuregen; und nicht in einer Zeit der Hungersnot; nicht nach dem Bad oder Schwitzbad und nicht nach einer Anstrengung und Erm\u00fcdung; w\u00e4hrend der Mahlzeit trinke man auch nur ein bi\u00dfchen.<\/p>\n<h3>\u00a719<\/h3>\n<p>Ein Mensch esse immer nur, wenn er hungrig ist, und trinke nur, wenn es ihn durstet; er halte seine Bed\u00fcrfnisse nicht einmal einen Augenblick zur\u00fcck und esse nicht, bis er sich wohl gepr\u00fcft, ob er nicht seine Bed\u00fcrfnisse verrichten m\u00fcsse.<\/p>\n<h3>\u00a720<\/h3>\n<p>Der Mensch sorge stets daf\u00fcr, da\u00df seine Eingeweide t\u00e4glich entleert werden in einer Weise, die sich etwas dem Durchfall n\u00e4hert; das ist eine wichtige medizinische Regel. Wenn die Verdauung zur\u00fcckbleibt oder sich nur schwer entfernt, stellen sich b\u00f6se Krankheiten ein. Wenn darum ein Mensch sieht, da\u00df seine Eingeweide schwach sind und nicht die aussto\u00dfende Kraft besitzen, frage er \u00c4rzte, da\u00df sie ihm sagen, womit er die Entleerung f\u00f6rdere; das richtet sich bei jedem nach seiner Natur und seinem Alter.<\/p>\n<h3>\u00a721<\/h3>\n<p>Mittelm\u00e4\u00dfige Anstrengung ist der Gesundheit des K\u00f6rpers zutr\u00e4glich (siehe oben \u00a7 6); aber gro\u00dfe Anstrengung und zuviel Ruhe schaden dem K\u00f6rper. Wenn es hei\u00df ist, strenge man sich nur wenig an, wenn es kalt ist, hat man mehr n\u00f6tig. Ein fetter Mensch mu\u00df sich mehr anstrengen als ein magerer.<\/p>\n<h3>\u00a722<\/h3>\n<p>Wer die Gesundheit bewahren will, mu\u00df auch die Erregungen der Seele kennen und sich vor ihnen h\u00fcten; diese sind z. B. die Freude und die Sorge, Zorn und Angst; das sind Vorg\u00e4nge in der Seele. Der Einsichtige soll sich mit seinem Anteil freuen alle Tage seiner Verg\u00e4nglichkeit und sich nicht wegen einer Welt, die ihm nicht geh\u00f6rt, Sorgen machen, er soll nichts \u00dcberfl\u00fcssiges verlangen und soll frohen Herzens sein, erf\u00fcllt von einer Freude, die sich in der Mitte h\u00e4lt; das ist das Mittel, die nat\u00fcrliche W\u00e4rme zu f\u00f6rdern, die Speise zu verdauen, das \u00dcberfl\u00fcssige auszusto\u00dfen, das Licht der Augen und alle Sinne zu st\u00e4rken; auch wird dadurch die Kraft des Verstandes erh\u00f6ht. Jedoch vermehre man die Freude nicht durch Speise und Trank, wie es die T\u00f6richten tun; denn durch die F\u00fclle der Freude tritt die W\u00e4rme an die Oberfl\u00e4che des K\u00f6rpers heraus, die nat\u00fcrliche W\u00e4rme schwindet, das Herz erkaltet pl\u00f6tzlich, und der Betreffende stirbt j\u00e4h vor seiner Zeit. Besonders kommt dies bei Menschen mit fettem K\u00f6rper vor; denn die nat\u00fcrliche W\u00e4rme in ihrem K\u00f6rper ist gering, weil ihre Adern eng und der Kreislauf des Blutes, die Quelle der W\u00e4rme, verlangsamt ist. Die Sorge ist das Gegenteil der Freude; auch sie ist sch\u00e4dlich, weil sie den K\u00f6rper abk\u00fchlt, da\u00df sich die nat\u00fcrliche W\u00e4rme im Herzen sammelt und dem Betreffenden den Tod bringt. Der Zorn erregt die Hitze des K\u00f6rpers, da\u00df er eine von den Arten der Fieber hervorbringt. Die Angst erzeugt K\u00e4lte im K\u00f6rper; darum kommt bei einem \u00c4ngstlichen Zittern vor; wenn die K\u00e4lte immer gr\u00f6\u00dfer wird, kann er daran sterben. Um so mehr mu\u00df man sich in acht nehmen, nicht im Zorn oder in Angst oder in Sorge zu essen, sondern, wenn man von Freude, die sich in der Mitte h\u00e4lt, erf\u00fcllt ist.<\/p>\n<h3>\u00a723<\/h3>\n<p>Mittelm\u00e4\u00dfiger Schlaf f\u00f6rdert die Gesundheit des K\u00f6rpers, weil in dieser Zeit die Speise verdaut wird und die Sinne ruhen. Wenn es vorkommt, da\u00df jemand infolge einer Krankheit nicht schlafen kann, mu\u00df er Dinge genie\u00dfen, die den Schlaf herbeif\u00fchren. Zuviel Schlaf aber ist sch\u00e4dlich, weil sich dadurch der Kopf mit Nebeln f\u00fcllt, da der Dunst, der vom Magen ins Gehirn steigt, sich mehrt, den Kopf benebelt und dem K\u00f6rper gro\u00dfen Schaden zuf\u00fcgt. \u2014 Wie man sich in acht nehmen soll, nicht gleich nach dem Essen zu schlafen, so soll man sich auch h\u00fcten, nicht zu schlafen, wenn man hungrig ist. Denn, wenn keine Speise im K\u00f6rper ist, wird die W\u00e4rme von dem Unbrauchbaren beeinflu\u00dft, und davon entsteht ein verdorbener Dunst, der ins Gehirn steigt. Beim Schlafen sei das Kopfende des Lagers erh\u00f6ht; das tr\u00e4gt dazu bei, da\u00df die Speise von der M\u00fcndung des Magens hinunter geht und die D\u00fcnste, die zum Gehirn hinaufsteigen, sich vermindern. Der nat\u00fcrliche Schlaf ist in der Nacht; der Schlaf am Tag schadet und ist nur solchen zutr\u00e4glich, die daran gew\u00f6hnt sind. (Siehe ferner \u00fcber die Ordnung des Schlafes in Kap. 71.)<\/p>\n<h3>\u00a724<\/h3>\n<p>Die Anwendung des Bades besteht darin, da\u00df der Mensch w\u00f6chentlich einmal ins Bad gehe. Man begebe sich nicht ins Bad, wenn man hungrig ist und auch nicht, wen man satt ist, sondern wenn die Speise anf\u00e4ngt verdaut zu werden; man wasche den K\u00f6rper erst warm ab, dann mit lauem Wasser, dann mit noch weniger lauem, und zuletzt wasche man sich kalt ab. Wie man aus dem Bade kommt, ziehe man (nach dem Abtrocknen) seine Kleider an und bedecke gut den Kopf, da\u00df keine kalte Luft \u00fcber ihn komme, und selbst im Sommer mu\u00df man darauf achten. Man verweile, wenn man herausgekommen, bis man sich erholt hat, der K\u00f6rper ausgeruht ist und die Hitze gewichen; und dann esse man; wenn man etwas schl\u00e4ft, nachdem man aus dem Bade gekommen, bevor man i\u00dft, so ist es sehr sch\u00f6n.<\/p>\n<h3>\u00a725<\/h3>\n<p>Stets bem\u00fche man sich, an einem Orte zu wohnen, wo die Luft klar und rein ist, an hochgelegenen Stellen und in einem ger\u00e4umigen Geb\u00e4ude. Wenn m\u00f6glich, wohne man im Sommer nicht in einem Raum, der nach Norden oder nach Osten offen ist; auch befinde sich dort keine verfaulte Sache; es ist sehr gut, wenn man die Luft des Hauses stets durch gute Ger\u00fcche und heilsames R\u00e4ucherwerk reinigt.<\/p>\n<h3>\u00a726<\/h3>\n<p>Die Luft, die der Gesundheit am zutr\u00e4glichsten ist, mu\u00df gleichm\u00e4\u00dfig sein, zwischen K\u00e4lte und Hitze die Mitte halten; darum achte jeder Mensch darauf, an Wintertagen die Stube nicht zu sehr zu erw\u00e4rmen, wie es unvern\u00fcnftige Menschen tun; denn durch die allzugro\u00dfe Hitze kommen viele Krankheiten, der Ewige beh\u00fcte uns; sondern man erw\u00e4rme in einer Weise, da\u00df man weder die K\u00e4lte f\u00fchlt, noch da\u00df einem zu warm wird.<\/p>\n<h3>\u00a727<\/h3>\n<p>Um das Sehverm\u00f6gen zu sch\u00fctzen, nehme man sich vor folgenden Dingen in acht: Man trete nicht pl\u00f6tzlich auf einmal aus einem dunklen Raum in helles Licht. Wenn man sich aus einem dunkeln Ort an einen hellen begeben mu\u00df, \u00f6ffne man die T\u00fcr etwas und schaue einige Augenblicke in jenes noch geringe Licht; dann \u00f6ffne man weiter und schaue wieder einige Augenblicke in das betreffende Licht, und dann mache man ganz auf. \u2014 So tue man auch, wenn man von einer hellen Stelle in eine dunkle eintritt; denn ein unvermittelter Wechsel von Licht zu Finsternis oder von Finsternis zu Licht schadet dem Sehverm\u00f6gen. Darum hat der Ewige, gepriesen sei Sein Name, in Seiner Liebe die Welt so erschaffen, da\u00df die Sonne nur allm\u00e4hlich und nicht auf einmal \u00fcber die Erde emporstrahlt; und ebenso geht sie langsam unter; und darum sagen wir in der Beracha: Er erleuchtet in Liebe die Erde und ihre Bewohner; Er schickt uns das Licht voll Erbarmen nur langsam und nicht pl\u00f6tzlich auf einmal. \u2014 Zur\u00fcckgeworfenes Sonnenlicht, das hei\u00dft, das die Sonne auf einen Ort strahlte, und von dort kommt das Licht, dieses Licht schadet den Augen; darum achte man darauf, nicht in einem Hause zu wohnen, dessen s\u00e4mtliche Fenster nur auf der Nordseite liegen, da die Sonne nicht nach der Nordseite kommt und alles Licht auf jener Seite nur zur\u00fcckgeworfenes Licht ist; und ebenso, selbst wenn sich die Fenster an der Ost- oder S\u00fcd- oder Westseite befinden, aber der Himmel kann von den Fenstern aus nicht gesehen werden, wenn zum Beispiel ihnen gegen\u00fcber hohe Mauern sind, so ist das einfallende Licht ebenfalls nur zur\u00fcckgeworfenes Licht. Man achte darauf, sich nicht im D\u00e4mmerlicht mit Schreiben zu besch\u00e4ftigen oder in einem Buche zu lesen oder irgendeine feine Arbeit zu verrichten, auch nicht im grellen Tageslicht, wenn die Sonne hoch steht. Auch schreibe oder lese man nicht \u00f6fters in einem Buche mit kleinen Buchstaben und verrichte auch nicht eine feine Arbeit beim Licht einer Lampe in der Nacht. L\u00e4ngeres Betrachten wei\u00dfer Farbe schadet ebenfalls den Augen; darum ist die Farbe des Himmels dem Purpurblau \u00e4hnlich und nicht wei\u00df, damit sie nicht den Augen schade; ebenso l\u00e4ngeres Betrachten grell roter Farbe; auch das Betrachten des Feuers schadet. Ferner sind Rauch und Schwefeldampf sch\u00e4dlich; auch feiner Staub oder Wind, die den Augen entgegenkommen, auch viel Gehen und gro\u00dfe Schritte; viel Weinen, wie der Schriftvers sagt (Echa 2,11): Durch die Tr\u00e4nen sind mir die Augen zergangen. Das Sch\u00e4dlichste von allem aber ist h\u00e4ufiger Eheverkehr. Die Lehre des Ewigen aber ist lauter und erhellt die Augen!<\/p>\n<h2>Kapitel 33. Dinge, die wegen Gefahr verboten sind<\/h2>\n<p>Enth\u00e4lt 14 Paragraphen<\/p>\n<h3>\u00a71<\/h3>\n<p>Es ist verboten, Fisch mit Fleisch zusammen zu essen, selbst mit Fett von Gefl\u00fcgel, weil es eine Gefahr ist. Man brate nicht Fleisch und Fisch in demselben Ofen, wenn es ein kleiner Ofen ist, au\u00dfer wenn das eine von ihnen zugedeckt ist, aber bei unseren \u00d6fen, die gro\u00df sind, ist nichts zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<h3>\u00a72<\/h3>\n<p>Wenn man Fische und dann Fleisch i\u00dft, oder umgekehrt, esse man etwas Brot und trinke etwas Getr\u00e4nk dazwischen; das gilt als Reinigung und Sp\u00fclung.<\/p>\n<h3>\u00a73<\/h3>\n<p>Man mu\u00df sich vor Schwei\u00df eines Menschen in acht nehmen; denn aller Schwei\u00df eines Menschen au\u00dfer dem Schwei\u00df des Angesichtes ist giftig. Darum achte man darauf, eine Speise wegen des Schwei\u00dfes nicht zwischen seine Kleider und seinen K\u00f6rper zu legen; ebenso nehme man M\u00fcnzen nicht in den Mund, es k\u00f6nnte etwas Schwei\u00df daran sein, und au\u00dferdem fa\u00dft sie jedermanns Hand an, und manche Menschen sind krank.<\/p>\n<h3>\u00a74<\/h3>\n<p>Es soll ein jeder immer darauf achten, da\u00df er, wenn er den Duft irgendeiner Speise riecht, den ganzen Speichel in seinem Munde ausspeie und ihn nicht herunterschlucke; denn, wenn er ihn verschluckt, kann er in Gefahr kommen, was der Ewige verh\u00fcte.<\/p>\n<h3>\u00a75<\/h3>\n<p>Man nehme sich in acht, von Getr\u00e4nken zu trinken, die aufgedeckt standen.<\/p>\n<h3>\u00a76<\/h3>\n<p>Man darf keine Speisen oder Getr\u00e4nke unter das Bett stellen, selbst, wenn sie zugedeckt sind, weil dann ein b\u00f6ser Geist auf ihnen ruht. In D\u00f6rfern bewahren manche Kartoffeln und andere Speisen unter den Betten auf; man soll sie davor warnen.<\/p>\n<h3>\u00a77<\/h3>\n<p>Und ebenso h\u00fcte man sich vor allen Dingen, die in Gefahr bringen; denn Gefahr ist schwerer als ein Verbot, und man hat mehr auf den Zweifel einer Gefahr als auf den Zweifel eines Verbotes R\u00fccksicht zu nehmen. Darum ist verboten, sich an einen Ort der Gefahr zu begeben, wie unter eine \u00fcberh\u00e4ngende Mauer oder auf eine bauf\u00e4llige Br\u00fccke. Man gehe nicht allein bei Nacht aus, man schlafe nicht bei Nacht in einem Raum allein; ebenso haben unsere Lehrer sel. And. verboten, bei Nacht aus Fl\u00fcssen Wasser zu trinken oder seinen Mund auf ein Brunnenrohr zu legen, um zu trinken, damit man nicht etwas Sch\u00e4dliches verschlucke.<\/p>\n<h3>\u00a78<\/h3>\n<p>Man hat den Gebrauch, zur Zeit der Sonnenwende ein St\u00fcckchen Eisen auf alle Getr\u00e4nke und Speisen zu legen, auf gekochte oder eingemachte oder gesalzene braucht man es nicht zu tun.<\/p>\n<h3>\u00a79<\/h3>\n<p>Man darf nicht Speisen oder Getr\u00e4nke genie\u00dfen, vor denen sich die Seele des Menschen ekelt, oder aus widerlichen Ger\u00e4ten, vor denen man sich ekelt; ebenso esse man nicht mit schmutzigen H\u00e4nden; denn all dieses geh\u00f6rt zum Verbot (Lev. 11,43): Machet eure Seelen nicht zum Abscheu. Selbst, wenn einer sagt, er ekle sich nicht davor, ist seine Meinung ung\u00fcltig gegen\u00fcber der aller Menschen.<\/p>\n<h3>\u00a710<\/h3>\n<p>Ein Vieh oder ein Gefl\u00fcgel, welches totkrank war und gesch\u00e4chtet wurde, obschon es durch die Schlachtung zum Essen erlaubt wurde, so erschweren doch solche, die es f\u00fcr sich genau nehmen, es nicht zu essen.<\/p>\n<h3>\u00a711<\/h3>\n<p>Man darf einen Fruchtbaum, der noch Fr\u00fcchte hervorbringt, nicht f\u00e4llen (einen \u00d6lbaum, der noch \u00b9\/\u2084 Kab Oliven hervorbringt, und eine Palme, die noch ein Kab Datteln hervorbringt); das w\u00e4re eine Gefahr; wenn der Baum aber in der N\u00e4he anderer B\u00e4ume steht, die wertvoller als er sind, und sie schw\u00e4cht, ebenso wenn man den Ort braucht und ebenso wenn sein Wert als Bauholz h\u00f6her ist wie als Fruchtbaum, darf man ihn f\u00e4llen.<\/p>\n<h3>\u00a712<\/h3>\n<p>Wenn jemand Leibschmerzen hat, wenden manche als Heilmittel an, da\u00df sie ein Gef\u00e4\u00df mit hei\u00dfem Wasser auf seinen Leib stellen; das darf man wegen Gefahr nicht tun.<\/p>\n<h3>\u00a713<\/h3>\n<p>Man darf nicht durch einen Bach gehn, dessen Wasser rei\u00dfend ist, wenn das Wasser bis \u00fcber die H\u00fcften reicht, wegen der Gefahr, das Wasser k\u00f6nnte ihn wegschwemmen.<\/p>\n<h3>\u00a714<\/h3>\n<p>Man darf kein Wort der Strafe \u00fcber einen von Jisrael aussprechen; selbst nur zu sagen: W\u00fcrde der Betreffende noch leben, so w\u00e4re er hierher gekommen; denn ein Bund ist mit den Lippen geschlossen; man soll nicht ein Kind mit einem unreinen Tier einsch\u00fcchtern, zum Beispiel zu sagen, eine Katze oder ein Hund werde es holen; und so mu\u00df man bei allem \u00c4hnlichen auf die Gew\u00f6hnung seiner Zunge sehr achten. (Siehe Kapitel 207, Paragraph 3)<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":22,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[313],"tags":[],"class_list":["post-10776","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unkategorisiert-de"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10776","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10776"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10776\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10777,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10776\/revisions\/10777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10776"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10776"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10776"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}