{"id":115,"date":"2013-11-19T16:17:07","date_gmt":"2013-11-19T14:17:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=115"},"modified":"2022-05-16T14:23:23","modified_gmt":"2022-05-16T12:23:23","slug":"siddur-sefat-emet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/siddur-sefat-emet\/","title":{"rendered":"Siddur Sefat Emet"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Das einflussreichste Gebetbuch in Deutschland war und ist <em>Siddur Sefat Emet<\/em>, welches einen genuin deutschen Minhag abbildet. Es ist nicht nur in den deutschsprachigen L\u00e4ndern sehr verbreitet, sondern auch in L\u00e4ndern in denen Anh\u00e4nger von religi\u00f6sen Str\u00f6mungen leben, die in Deutschland ihren Ursprung haben. Dort kennt man ihn entweder als <em>Sfas Emes<\/em> oder als <em>R\u00f6delheim Siddur<\/em>, denn der Siddur wurde dort im Jahr 1799 zum ersten Mal gedruckt. Editiert wurde die Ausgabe von Wolf Heidenheim und hie\u00df in der Erstausgabe aber noch <em>Safah Berurah<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image size-full wp-image-1247\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"240\" height=\"160\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/sfatemet.jpg?resize=240%2C160&#038;ssl=1\" alt=\"Siddur Sefat Emet\" class=\"wp-image-1247\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/sfatemet.jpg?w=240&amp;ssl=1 240w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/sfatemet.jpg?resize=120%2C80&amp;ssl=1 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><figcaption>Siddur Sefat Emet<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Seine Ausgaben von <em>Siddur<\/em> und <em>Machsor<\/em> verzichten unter anderem auf die Gebete der lurianischen Mystik. Ismar ELBOGEN schreibt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Mit der Lossagung von allem kabbalistischen Beiwerk zu den Gebeten war ein entscheidender Schritt getan, hiermit war eine Trennung von den in der vorangegangenen Epoche allgemein geltenden Anschauungen und \u00dcberlieferungen ohne weiteres gegeben. Es war eine jener stillen Umw\u00e4lzungen, die, ohne viel Aufsehen zu erregen, Epoche gemacht haben.<br>Elbogen &#8211; Der j\u00fcdische G-ttesdienst Seite 396<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bei der Zusammenstellung der Texte waren au\u00dferdem Dr. B\u00e4r Bibrich und ein weiterer Gelehrter beteiligt. Sie bildeten zum gro\u00dfen Teil, wie schon erw\u00e4hnt, den <em>Minhag <\/em>der damaligen Zeit im deutschsprachigen Raum ab. In einem bekannten Fall griffen die Editoren aber auch in den Originaltext ein und \u00e4nderten das <em>Schelo asani goj<\/em> in den <em>Birkot haSchachar<\/em> in ein <em>schelo asani nochri<\/em>; <em>Nochri <\/em>kann aber Fremder oder \u00bbentfremdete Person\u00ab bedeuten. Es meint aber nicht explizit Nichtjude wie <em>Goj<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sidur Sefat Emet<\/em> enth\u00e4lt viele Hinweise auf den <em>Minhag <\/em>der Frankfurter j\u00fcdischen Gemeinde, was aber wohl eher an der geographischen N\u00e4he von R\u00f6delheim zu Frankfurt lag, als an der Wichtigkeit dieses <em>Minhag<\/em>. In Deutschland gab es eine Vielzahl von <em>Minhagim<\/em>.<br>Heute ist der <em>Sefat Emet<\/em> der <em>Minhag <\/em>der Neo-Orthodoxie, die sich auf Samson Raphael Hirsch beruft. Dieser Siddur war im Nachkriegsdeutschland DER Standardsiddur der j\u00fcdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer war Wolf Heidenheim?<\/h2>\n\n\n\n<p>Heidenheim, Wolf Benjamin ben Samson: Exeget und Grammatiker; geboren 1757 in Heidenheim; gestorben in R\u00f6delheim am 23. Februar 1832. Bereits in fr\u00fchem Alter wurde Heidenheim nach F\u00fcrth geschickt, wo er Talmud unter Joseph Steinhardt studierte, Steinhard war der Autor von of \u00bbZikron Josef\u00ab von 1777 an studierte er unter Hirsch Janow. Neben dem Talmud studierte Heidenheim au\u00dferdem die hebr\u00e4ische Grammatik, und ganz speziell die <em>Mesorah<\/em>. 1782 verlie\u00df er F\u00fcrth, vermutlich weil Janow Gegner von Mendelssohns Pentateuch\u00fcbersetzung war, den jedoch Heidenheim sehr verehrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ging nach Frankfurt am Main, wo er die Bekanntschaft der f\u00fchrenden Gelehrten seiner Zeit machte, unter ihnen Wolf Breidenbach und Solomon Dubno.<br>Dort begann er auch seine literarische T\u00e4tigkeit, die 50 Jahre lang anhielt. Heidenheim, ermutigt von Dubno hatte die Idee seine eigene kritische Pentateuchausgabe zu publizieren, mit samt eigenem Kommentar. Sein erstes Werk war eine Ausgabe von Ibn Ezras \u00bbMoznajim\u00ab, welcher er einen kritischen Kommentar hinzuf\u00fcgte (Offenbach, 1791).<br>Sieben Jahre spatter begann Heidenheim seine kritische Ausgabe des Pentateuch, welche er \u00bb<em>Sefer Torat Elohim<\/em>\u00ab nannte. Es enthielt einen <em>Targum<\/em>, die Kommentare von Raschi und dem Raschbam, den Kommentar \u00bb<em>Minchat Schai<\/em>\u00ab von Solomon Norzi, seine eigenen Glossen und masoretische Referenzen, au\u00dferdem seinen \u00bbSuperkommentar\u00ab auf Raschi genannt \u00bbHabanat ha-Mikra\u00ab.<br>Sein Kommentar bezieht sich haupts\u00e4chlich auf die Akzente und erg\u00e4nzte zahlreiche grammatische Anmerkungen. Sein Vorhaben war jedoch f\u00fcr ihn allein wirtschaftlich kaum tragbar und so war er gezwungen mit Genesis 43:16 aufzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit Baruch Baschwitz (einem Gesch\u00e4ftsmann) und mit der Hilfe Breidenbachs beschaffte er sich von Graf von Solms-R\u00f6delheim eine Erlaubnis um in R\u00f6delheim eine Druckerei zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Heidenheim begann umgehend mit der Herausgabe eines <em>Machzor<\/em>, mit seinem hebr\u00e4ischen Kommentar und deutscher \u00dcbersetzung von ihm und Breidenbach (1800). Um einen m\u00f6glichst akkuraten Text wiederzugeben, sicherte Heidenheim alte Manuskripte, unter anderem eines von 1258, au\u00dferdem die fr\u00fchesten italienischen und deutschen Ausgaben. Am Ende seines <em>Machzors <\/em>f\u00fcr <em>Schemini Atzeret<\/em> wurde Heidenheims \u00bb<em>Ha-Pijutim weha-Pajetanim<\/em>\u00ab abgedruckt, ein Essay \u00fcber die Sch\u00f6pfer der Liturgie.<\/p>\n\n\n\n<p>1806 wurde Heidenheim Alleineigent\u00fcmer, Baschwitz hatte sich zur\u00fcckgezogen. In diesem Jahr ver\u00f6ffentlichte er \u00bbMebo ha-Laschon\u00ab eine Abhandlung \u00fcber hebr\u00e4ische Grammatik, 1808 \u00bbMischpete ha-Te&#8217;amim\u00ab eine Abhandlung \u00fcber die Kantillationszeichen basierend auf antiken Grammatikern.<br>Zehn Jahre sp\u00e4ter widmete sich Heidenheim wieder seiner Pentateuchausgabe, dieses Mal mit gr\u00f6\u00dferem Spielraum. Sie wurde in vier B\u00e4nden 1818-21 ver\u00f6ffentlicht; ein Band \u00bbMe&#8217;or &#8218;Enajim\u00ab enthielt den Text, der Kommentar \u00bbEn ha-Kore\u00ab und den Kommentar Heidenheims (\u00bbEn ha-Sofer\u00ab); ein anderer Band \u00bbModa&#8216; la-Binah\u00ab enthielt den Text, den Raschi-Kommentar sowie Heidenheims Kommentar auf Raschi, der dritte Band \u00bbTikkun Sofer\u00ab enthielt den unvokalisierten Text f\u00fcr die Schreiber einer Torah-Rolle; der vierte Band enthielt den Text mit deutscher \u00dcbersetzung au\u00dferdem einen Kommentar von ihm namens \u00bbMinchah Chadaschah\u00ab.<br>Heidenheim ver\u00f6ffentlichte au\u00dferdem:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Pessach-Haggadah (mit deutscher \u00dcbersetzung, 1822)<\/li><li>die <em>Pirkej Awot <\/em>(mit deutscher \u00dcbersetzung, 1823)<\/li><li>\u00bb<em>Siddur Safah Berura<\/em>\u00ab (die t\u00e4glichen Gebete mit deutscher \u00dcbersetzung, 1823)<\/li><li>\u00bb<em>Ma&#8217;aseh Ta&#8217;tu&#8217;im<\/em>\u00ab eine Polemik gegen den Kabbalisten Nathan Adler (anonym erschienen);<\/li><li>\u00bb<em>Seder Tisch&#8217;ah be-Av<\/em>\u00ab (mit deutscher \u00dcbersetzung und Anmerkungen, 1826);<\/li><li><em>Selichot<\/em> (mit deutscher \u00dcbersetzung und hebr\u00e4ischem Kommentar, 1834).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Er hinterlie\u00df zahlreiche unver\u00f6ffentlichte Werke und Aufs\u00e4tze, darunter viel grammatische Abhandlungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Siddur Sefat Emet &#8211; das einflussreichste Gebetbuch (Siddur) im deutschsprachigen Raum.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8947,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-115","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-siddur-gebetbuch"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/sfat_emet_chanukka1.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=115"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8948,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115\/revisions\/8948"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8947"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=115"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=115"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=115"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}