{"id":1390,"date":"2015-04-08T11:49:17","date_gmt":"2015-04-08T09:49:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=1390"},"modified":"2015-04-08T11:49:17","modified_gmt":"2015-04-08T09:49:17","slug":"im-haus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/im-haus\/","title":{"rendered":"Im Haus"},"content":{"rendered":"<h3>Zu Hause, ehe man ins Gotteshaus geht<\/h3>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es d\u00fcrstet meine Seele nach dir, o Gott, nach dir, dem lebendigen Gott, und ich will eilen nach deinem Heiligtume, wo dein Name angebetet wird, wo deine Gemeinde sich versammelt, um dich anzurufen, dir zu danken, dich zu loben und dich zu preisen. O! bereits auf dem Wege dahin l\u00e4utere du meinen Sinn, heilige du meinen Geist, und z\u00fcnde du in meiner Brust die Andachtsflamme an, die mich und meine Br\u00fcder an der heiligen, dir geweihten St\u00e4tte durchgl\u00fchen soll. Denn wohl wei\u00df ich, da\u00df du, den die Himmel und aller Himmel Himmel nicht umfassen, nicht in dem Hause wohnest, das von Menschenh\u00e4nden erbaut worden, da\u00df du, dessen Herrlichkeit Himmel und Erde erf\u00fcllt, mir \u00fcberall nahe bist, wo ich auch sein mag; wohl wei\u00df ich, da\u00df das fromme Gebet, welches meine Seele in meiner Einsamkeit stillen Kammer zu dir empor sendet, auch Gnade und Erh\u00f6rung vor dir findet, aber auch dies wei\u00df ich, da\u00df der Geist des wahren Gebets, der nicht pers\u00f6nliches Wohl, sondern das Wohl und Heil aller sucht, der nicht blo\u00df das Gl\u00fcck und die Wohlfahrt der Erde, sondern auch das Nahen des himmlischen Reiches erfleht, der nichts begehrt, nichts fordert, sondern nur im Glauben und in der Erkenntnis sein H\u00f6chstes findet und sein treues Bekenntnis dieses Glaubens vor aller Welt ablegen m\u00f6chte;\u2014ich wei\u00df, da\u00df dieser Geist des wahren Gebets mir fehlen w\u00fcrde, so dessen Flamme, die zuerst in der Mitte der Gottesgemeinde angefacht wurde, nicht auch in ihr stets Nahrung f\u00e4nde. Was ich glaube, und um was ich bete, und wonach mein Herz sich sehnt, soll ja nicht in meinem Innern verborgen bleiben, es soll ja auch als ein freudiges Zeugnis auf meinen Lippen hervortreten und vor der Welt, so wie vor anderen Glaubensbr\u00fcdern von mir als meines Lebens Schild und als ein k\u00f6stlicher Schatz gepriesen werden. Ach, sind ja leider so viele, welche in Leichtsinn hinleben, so da\u00df sie die Bande l\u00f6sen, die sie mit der Gemeinde innigst verbinden sollten, und welche jedes Kennzeichen ausl\u00f6schen, das sie an ihren v\u00e4terlichen Glauben erinnern k\u00f6nnte; aber desto mehr will ich die St\u00e4tte aufsuchen, wo Israeliten sich sammeln, um dich in j\u00fcdischer Weise zu verehren. Schon dies, da\u00df mein Gang nach dem Bethause gerichtet ist, schon dies soll ein Zeugnis sein, das ich vor der Welt ablege, da\u00df ich zu dieser heiligen Gemeinschaft geh\u00f6re, und da\u00df ich \u00fcber den Spott und Hohn erhaben bin, womit jene, die sich die Weisen der Welt nennen, auf diejenigen sehen, die dich, o Ewiger, nach ihrer V\u00e4ter Weise verehren.<br \/> Und wie sehr wird nicht meine Andacht, meine fromme Sehnsucht durch den Gedanken erh\u00f6ht: Ich stehe nicht allein mit meinem Gebet vor dir, stehe nicht allein mit der Glaubensschar, die sich da versammelt, sondern stehe mit dieser als ein Glied der ganzen Gemeinde Israels da; denn wunderbar hast du, o Herr, es so gef\u00fcgt, da\u00df meine Glaubensgenossen fast \u00fcberall, in hei\u00dfer wie in kalter Zone, da, wo ihnen die Sonne der Freiheit zul\u00e4chelt, wie dort, wo sie unter Druck seufzen, da\u00df sie fast \u00fcberall sich doch vor dir zur selbigen Zeit und Stunde sammeln und dieselben bedeutungsvollen, Vertrauen und Demut atmenden Worte ihren Lippen entstr\u00f6men lassen, so da\u00df ein Laut in gemeinsamer Andacht und Seelenerhebung zu deinem Thron von dem ganzen j\u00fcdischen Volke emporsteigt. Nein, nicht allein stehe ich da; denn unz\u00e4hlige der hingeschwundenen Geschlechter erheben sich gleichsam vor meinem and\u00e4chtigen Blick von ihren Ruhest\u00e4tten, sowohl die, welche in unterirdischen H\u00f6hlen, als die, welche unter klarem Himmelszelte auf ihren Wanderungen dieselben Gebete gebetet, ja mit diesen auf den Lippen ihr Leben aushauchten, indem sie den M\u00e4rtyrertod erlitten;\u2014mit allen diesen f\u00fchle ich mich vereint, indem ich die Worte ausspreche, die prophetische Zungen verk\u00fcndigt, die heilige, von deinem Geist beseelte S\u00e4nger gesungen, und die so viele Zeitalter hindurch uns unter so mannigfaltigen Versuchungen und Pr\u00fcfungen die Reinheit unserer heiligen Lehre, sowie die Einfalt und Eintracht im Glauben in unsrer Mitte bewahrt haben.\u2014O, so leite du denn meine Schritte, wenn ich in dein Haus wandere, so st\u00e4rke du meinen Geist, da\u00df er dort von solchen Vors\u00e4tzen erf\u00fcllt werde, solche Eindr\u00fccke empfange und bewahre, da\u00df nie das innige Verlangen, dein Haus aufzusuchen, von mir weiche, und auch nicht die \u00dcberzeugung und Gewi\u00dfheit mir verloren gehe, da\u00df du an solch gemeinsamer Anbetung Wohlgefallen habest. St\u00e4rke du mich, o Gott, auf da\u00df mein Glaube dem gleiche, der den Vater der Gl\u00e4ubigen beseelte, als er sein Opfer dir brachte, und gib mir Kraft, da\u00df ich, wie er die Raubv\u00f6gel, die tr\u00fcben Zweifel, die verkehrten Einwendungen verscheuche, wenn sie meine Andacht mir rauben wollen; la\u00df darum mein Auge dort in deinem Hause nur auf das achten, was mich erheben und zur Andacht stimmen kann. La\u00df mich erkennen, da\u00df du uns nach unserm Herzen und unsern Gesinnungen richtest, auf da\u00df Fr\u00f6mmigkeit mich leite, Andacht mich entflamme, und meine Schritte dir wohlgefallen, wenn ich in zahlreicher Versammlung dich anbete;(Ps. 26, 12) ja sende mir, Vater im Himmel, dein Licht und deine Wahrheit, da\u00df sie mich f\u00fchren und leiten nach deinem heiligen Berge und zu deiner Wohnung (Ps. 43).<\/p>\n<h3>Nach dem Eintritt ins Gotteshaus<\/h3>\n<p>Wie \u00fcberw\u00e4ltigt werde ich von Gef\u00fchlen des Dankes und der Ehrfurcht, indem ich an dieser St\u00e4tte weile, Gef\u00fchle des Dankes, da\u00df du, o Gott, es dem Sohne des Staubes gestattest, sich zu dir zu erheben, da\u00df du in deiner Liebe ihn selbst dazu aufgefordert \u00bbdein Antlitz zu suchen\u00ab, da\u00df du uns eine St\u00e4tte gegeben hast, wo du deine Herrlichkeit unter uns thronen lassen willst. Oh Unendlicher, welche Ehrfurcht durchbebet mich, da\u00df ich, ein Kind des Staubes, Zutritt zu deinem Hause habe und mich dir, dem Allheiligen, n\u00e4hern kann, da\u00df ich vor dich alles bringen darf, was mein Herz beschwert, zu dir f\u00fcr mein Wohl und das Wohl der Meinen, f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen und mit ihnen, ja f\u00fcr die ganze Menschheit beten kann! So hast du in deiner G\u00fcte uns gesegnet und uns erhoben. O, la\u00df mich dieser deiner Gnade nimmer vergessen und la\u00df mich w\u00e4hrend meines Betens stets eingedenk sein, vor wem ich stehe, auf da\u00df du mich w\u00fcrdig findest, ein Tr\u00e4ger deines Geistes zu sein. Entferne du von mir jeden fremden und unseligen Gedanken, da\u00df weder die Lust der Welt noch ihr Schmerz den reinen Aufschwung der Seele hindere. O, da\u00df alle, die mit mir hier versammelt sind, voll Demut dich in einem Geiste anbeten, und wir so eine echt israelitische, heilige Brudergemeinde bilden m\u00f6chten, \u00fcber welche du selbst \u00bbden Geist des Gebetes und der Gnade\u00ab ausgegossen!<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Amen!<\/p>\n<h3>Ein anderes Gebet<\/h3>\n<p>So hast du, mein Gott, mich gest\u00e4rkt und gew\u00fcrdigt, dein Haus zu betreten, wo alles mir verk\u00fcndigt:\u00bbHier ist die Pforte des Herrn, Gerechte treten da ein (Ps. 118, 20.)\u00ab o, da\u00df ich zu diesen mich z\u00e4hlen d\u00fcrfte! Ach, da\u00df dein Himmel mir offen st\u00fcnde, wenn ich aus ganzer Seele dich im Gebete suche! O, gew\u00e4hre mir Verzeihung, da\u00df ich rein werde, erschaffe in mir ein reines Herz, verj\u00fcnge ein festes Gem\u00fct in meinem Innern, auf da\u00df jedes Wort, das \u00fcber meine Lippen geht, mich in heilige Gemeinschaft mit dir bringe! Erhebe mich \u00fcber die Lust und den Schmerz der Welt, befreie mich von jeder Sorge und jedem Kummer, auf da\u00df ich mich in dir und mit dir f\u00fchle, gl\u00fcckselig wie die Geister des Himmels in deiner Anbetung, und auf da\u00df ich es mit ganzer Seele empfinde,\u00bbwie k\u00f6stlich deine Huld den Menschenkindern ist, die im Schatten deiner Fittige sich bergen, auf da\u00df ich an deines Hauses Segen mich labe und an dem Strome deiner Gnade mich erquicke\u00ab. (Ps. 36, 8. 9.) La\u00df mich auch diesen Segen mit hinaus aus diesem Hause nehmen, da\u00df ich \u00fcberall deine heilige N\u00e4he f\u00fchle und \u00fcberall dir zum Wohlgefallen lebe!<\/p>\n<p>Amen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Hause, ehe man ins Gotteshaus geht<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[125],"tags":[],"class_list":["post-1390","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebete-fuer-israeliten"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1390"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1390\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1428,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1390\/revisions\/1428"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}