{"id":140,"date":"2013-11-21T18:27:40","date_gmt":"2013-11-21T16:27:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=140"},"modified":"2013-11-21T18:28:34","modified_gmt":"2013-11-21T16:28:34","slug":"der-juedische-kalender-und-der-jahreszyklus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/der-juedische-kalender-und-der-jahreszyklus\/","title":{"rendered":"Der j\u00fcdische Kalender und der Jahreszyklus"},"content":{"rendered":"<h2>\u00dcber den Kalender<\/h2>\n<p>Der Monatsbeginn war in fr\u00fcherer Zeit mit dem Sichtbarwerden des Neumonds (hebr. <a href=\"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/rosch-chodesch-neumond-und-monatsbeginn\/\" title=\"Rosch Chodesch \u2013 Neumond und Monatsbeginn\">Rosch Chodesch<\/a>) verbunden. <!--more--> Das Erscheinen dieses neuen Monds wurde von mindestens zwei M\u00e4nnern vor dem Jerusalemer Gericht bezeugt, das daraufhin den neuen Monat \u00f6ffentlich ausrufen lie\u00df. Die Schwierigkeiten dieser kalendarischen Bestimmung waren offensichtlich. Deshalb richtete Hillel der Patriarch um 330 n.d.Z. einen j\u00fcdischen Kalender ein, der seither g\u00fcltig ist. Durch Berechnungen konnten der Neumond und damit der Monatsbeginn exakt bestimmt werden. Jeder j\u00fcdische Monat hat entweder 29 oder 30 Tage. Mit 354 Tagen ist das j\u00fcdische Jahr um elf Tage k\u00fcrzer als das Sonnenjahr. Damit die j\u00fcdischen Feste im jahreszeitlichen Verlauf nicht \u201ewandern\u201c, wurde mit dem Adar II ein Schaltjahr eingef\u00fchrt, das in einem Zyklus von 19 Jahren sieben Mal auftaucht, n\u00e4mlich im 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19. Jahr.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend im gregorianischen System das (fiktive) Geburtsjahr von Jesus der Ausgangspunkt aller Berechnung ist, z\u00e4hlt der j\u00fcdische Kalender die Jahre ab der Erschaffung der Welt. Als Grundlage dienen hier die Angaben der Hebr\u00e4ischen Bibel. Mit diesem Vorgehen ehrt das Judentum g\u00f6ttliches Handeln in der Welt. Die universelle Jahresz\u00e4hlung kann aus dieser Sicht nicht an eine irdische Pers\u00f6nlichkeit gebunden werden. Die j\u00fcdische Datierung \u2013 das j\u00fcdische Jahr 5767 entspricht dem b\u00fcrgerlichen Jahr 2007 \u2013 erscheint auf allen religi\u00f6s relevanten Dokumenten neben dem des gregorianischen Kalenders. Um den Ausdruck vor oder nach Christus in Schriften zu vermeiden, verwendet man vor bzw. nach der Zeit.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Diagramm_dasjahr.jpg?resize=499%2C498\" alt=\"\" width=\"499\" height=\"498\" class=\"aligncenter size-full wp-image-141\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Diagramm_dasjahr.jpg?w=499&amp;ssl=1 499w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Diagramm_dasjahr.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Diagramm_dasjahr.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 499px) 100vw, 499px\" \/><\/p>\n<h2>Rosch HaSchana<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/category\/feiertage-und-feste\/rosch-haschanah\/\">Rosch HaSchana<\/a>, das j\u00fcdische Neujahrsfest, bildet im Herbst den Auftakt zu den \u201eehrfurchtvollen Tagen\u201c, die im h\u00f6chsten j\u00fcdischen Feiertag, dem Vers\u00f6hnungstag Jom Kippur, gipfeln.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Tradition kennt zwei Daten f\u00fcr Neujahr. Der Tora zufolge liegt der Jahresbeginn im Monat des Auszugs aus \u00c4gypten. Da die Weltensch\u00f6pfung nach der j\u00fcdischen \u00dcberlieferung jedoch im Monat Tischri begann, verlegten die j\u00fcdischen Gelehrten den Jahresbeginn auf diesen Monat.<\/p>\n<p>Rosch HaSchana ist also die Schwelle zu einem neuen Jahr, an dem sowohl die Erschaffung der Welt gefeiert als auch der Gerichtsbarkeit G-ttes \u00fcber die in ihr lebenden Menschen gedacht wird. Der Mensch l\u00e4sst das zur\u00fcckliegende Jahr Revue passieren und geht in sich. Die Herausforderung dieser Zeit liegt im Lernen aus den Verfehlungen des vergangenen Jahres, darin, das kommende Jahr positiver zu gestalten. Der j\u00fcdischen Vorstellung zufolge sitzt G-tt w\u00e4hrend der \u201eehrfurchtvollen Tage\u201c als Richter \u00fcber die Menschen zu Gericht und entscheidet mit Blick auf das anstehende Jahr \u00fcber Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit. Herausragendes Symbol dieser Zeitperiode ist der Schofar, das Widderhorn, fordern seine T\u00f6ne den Menschen doch zur Umkehr zu G-tt auf.<\/p>\n<h2>Jom Kippur<\/h2>\n<p>Der Vers\u00f6hnungstag <a href=\"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/category\/feiertage-und-feste\/jom-kippur\/\">Jom Kippur<\/a> schlie\u00dft die mit Neujahr begonnen so genannten \u201eehrfurchtvollen Tage\u201c ab.<\/p>\n<p>Als h\u00f6chster j\u00fcdischer Feiertag verzichtet man an ihm 25 Stunden auf Essen und Trinken, und konzentriert sich v\u00f6llig auf das Gebet in der Synagoge.<\/p>\n<h2>Sukkot<\/h2>\n<p>Sukkot ist das Laubh\u00fcttenfest. Die H\u00fctten erinnern an die behelfsm\u00e4\u00dfigen Behausungen, in denen die Kinder Israel w\u00e4hrend ihrer Wanderung von \u00c4gypten nach Kanaan wohnten. Nach Sukkot begeht man Schmini Azeret, den \u201eAchten Tag der Versammlung\u201c.<br \/>\nSimchat Tora<\/p>\n<p>Simchat Tora ist das \u201eTora-Freudenfest\u201c. An diesem Tag wird der j\u00e4hrliche Zyklus der Tora-Lesungen beendet und die Lesung eines neuen Zyklus begonnen.<\/p>\n<h2>Chanukka<\/h2>\n<p>Das achtt\u00e4gige Chanukkafest erinnert an den historischen Sieg der j\u00fcdischen Makkab\u00e4er \u00fcber das syrisch-griechische Regime mit seinem Hellenismus im zweiten Jahrhundert vor der Zeitrechnung. Die Hellenisten hatten sich zum Ziel gesetzt, die j\u00fcdische Religion, ihre Br\u00e4uche und Werte einzuschr\u00e4nken. Dazu nahmen sie den Jerusalemer Tempel ein und entweihten ihn. Dieser heilige Ort wurde 165 vor der Zeit durch die Makkab\u00e4er zur\u00fcckerobert und mit dem Anz\u00fcnden des sechsarmigen Leuchters, der \u201eMenora\u201c, f\u00fcr den traditionellen Tempelritus geweiht. \u201eChanukka\u201c bezeichnet diese Wiedereinweihung des Tempels. Sinnbild dessen wurde die \u201eChanukkija\u201c, der achtarmige Leuchter: Das f\u00fcr das Entz\u00fcnden der Menora ben\u00f6tigte koschere \u00d6l reichte auf wundersame Weise anstelle von einem einzigen ganze acht Tage und gab damit ausreichend Zeit, um neues koscheres \u00d6l herzustellen. In Erinnerung daran entz\u00fcnden Juden zu Chanukka an jedem Abend ein weiteres Licht der Chanukkija, bis am achten Festtag alle acht Kerzen des Leuchters entz\u00fcndet sind.<\/p>\n<h2>Tu BiSchwat<\/h2>\n<p>In der Antike galten f\u00fcr den Verzehr von Baumfr\u00fcchten besondere Regeln, die vom Tag ihrer Pflanzung abh\u00e4ngig waren. So blieben die Fr\u00fcchte eines Baumes in den ersten drei Jahren unangetastet, im vierten Jahr wurden sie zum Jerusalemer Tempel gebracht und erst ab dem darauf folgenden Jahr durften sie verzehrt werden. Da man nicht das \u201eGeburtsdatum\u201c aller B\u00e4ume kannte, wurde der 15. Schwat, auf Hebr\u00e4isch Tu BiSchwat, zum \u201eNeujahrstag der B\u00e4ume\u201c.<\/p>\n<p>Heute ist es Brauch, von den so genannten \u201esieben Arten\u201c, mit denen das Land Israel gesegnet war, zu essen. Sie umfassen Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granat\u00e4pfel, Oliven und Datteln. In Israel selbst ist es an Tu BiSchat Tradition, Setzlinge zu pflanzen. Tu BiSchwat steht auch f\u00fcr das Erwachen der Natur im Fr\u00fchling und ein Engagement f\u00fcr die Umwelt.<\/p>\n<h2>Purim<\/h2>\n<p>Das Purimfest l\u00e4sst sich auf eine Geschichte zur\u00fcckf\u00fchren, die im biblischen Buch Ester \u00fcberliefert ist. Nach der Verbannung der K\u00f6nigin nimmt die j\u00fcdische Waise Ester als deren Nachfolgerin neben K\u00f6nig Achaschwerosch Platz auf dem persischen Thron. Die Lage der persischen Juden wird bedrohlich, als der k\u00f6nigliche Minister Haman eine gegen sie gewandte Verschw\u00f6rung initiiert: An einem durch Loswerfen (akkadisch Pur, daher der Name \u201ePurim\u201c) festgesetzten Tag sollen alle Juden des persischen Reiches ausgerottet werden. Durch ihren Ziehvater Mordechai von diesem Plan in Kenntnis gesetzt, kann K\u00f6nigin Ester das B\u00f6se verhindern und die Juden retten.<\/p>\n<p>In Anlehnung an die Ester-Erz\u00e4hlung ist heute geboten, am Tag vor Purim zu fasten. W\u00e4hrend des Verlesens der Esterrolle in der Synagoge schlagen Alt und vor allem Jung Krach beim Erklingen des Namens Hamans. Zu den Festbr\u00e4uchen geh\u00f6rt neben einem Festmahl das Versenden von Geschenken an Bekannte und Mittellose.<\/p>\n<h2>Pessach<\/h2>\n<p>Pessach, w\u00f6rtlich das \u201e\u00dcberschreitungsfest\u201c, erinnert an die Knechtschaft der Juden in \u00c4gypten, das \u201e\u00dcberschreiten\u201c j\u00fcdischer H\u00e4user durch den Todesengel w\u00e4hrend der zehnten Plage und den Auszug unter Mosche. F\u00fcr Juden ist dieses Fest bedeutsam, weil mit ihm nicht nur ihre physische Freiheit verbunden ist, sondern dar\u00fcber hinaus ihre geistige Selbst-st\u00e4ndigkeit: Die freiwillige Orientierung an den Geboten G-ttes und der Wandel zu einem Volk mit eigenem Land. Erst dadurch erhielten die Juden Unabh\u00e4ngigkeit und konnten somit ihrer Bestimmung folgen.<\/p>\n<p>Die Br\u00e4uche und Traditionen des Pessachfestes sind heute mannigfaltig. Eingeleitet wird das Fest durch zwei an den beiden ersten Feiertagen abgehaltenen Sederabenden. Der Ablauf dieser Abende orientiert sich an einer vorgegebenen Ordnung (hebr\u00e4isch Seder), ihr Herzst\u00fcck ist ein rituelles Mahl, das von der Haggada, der Erz\u00e4hlung vom Auszug aus \u00c4gypten, und vielen Liedern umrahmt wird. W\u00e4hrend der achtt\u00e4gigen Festzeit vermeidet man den Verzehr von jeglichem Ges\u00e4uerten. Besonderen Bekanntheitsgrad erlangte dadurch die Mazza, das unges\u00e4uerte Brot.<\/p>\n<h2>Jom HaAzma`ut<\/h2>\n<p>An Jom HaAzma`ut gedenkt man des Tages, an dem im Jahr 1948 durch David Ben Gurion die Unabh\u00e4ngigkeit des modernen Staates Israel verk\u00fcndet wurde. Mit der Staatsgr\u00fcndung schlie\u00dft sich f\u00fcr Juden ein historischer Kreis, dem eigentlich nur der Begriff der R\u00fcckkehr gerecht wird, kehren sie doch auf dem f\u00fcr ihre Ursprungsgeschichte wesentlichen Territorium zur Eigenstaatlichkeit zur\u00fcck, einer Staatsform, die ihnen in 2000j\u00e4hriger Diaspora verwehrt blieb. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Kalender Der Monatsbeginn war in fr\u00fcherer Zeit mit dem Sichtbarwerden des Neumonds (hebr. 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