{"id":1417,"date":"2015-04-08T11:46:15","date_gmt":"2015-04-08T09:46:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=1417"},"modified":"2015-04-08T11:46:15","modified_gmt":"2015-04-08T09:46:15","slug":"esehu-mekoman-betrachtung-ueber-die-opfer-anstatt-einer-uebersetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/esehu-mekoman-betrachtung-ueber-die-opfer-anstatt-einer-uebersetzung\/","title":{"rendered":"Esehu Mekoman \u2013 Betrachtung \u00fcber die Opfer, anstatt einer \u00dcbersetzung"},"content":{"rendered":"<h2>Esehu Mekoman<\/h2>\n<p><em> Betrachtung \u00fcber die Opfer, anstatt einer \u00dcbersetzung<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\nMeine Gedanken, o Herr, weilen bei den Opfergesetzen, welche du unsern V\u00e4tern gabst, und mein Herz wird voll des Dankes, indem ich deine Gnade erkenne, da\u00df du durch diese deine Gebote hast Israel fest an dich kn\u00fcpfen wollen; m\u00f6gen sie deshalb mir auch zur Richtschnur dienen bei der Anbetung deines heiligen Namens. Wenn nun gleichwohl auch bei mir der tiefere Sinn verborgen ist, und ich die g\u00f6ttlichen Geheimnisse nicht zu erforschen vermag, die mit den Opfern, welche du befahlst, verbunden sind, und nicht ergr\u00fcnden kann, weshalb du sie mit so vielen Vorschriften anordnetest, und wie sie dazu dienen sollen, den Sohn des Staubes mit dir, dem Unendlichen, zu vereinen, ihn deiner Gnade gewi\u00df zu machen, denn \u00bbdir geh\u00f6rt das Verborgene, o Ewiger, aber was du offenbart hast, ist f\u00fcr uns\u00ab, (5. Mos. 29, 28.) und wie herrlich ist nicht das, was uns offenbart worden ist! Wenn ich all der Scheu\u00dflichkeit gedenke, die mit der Opfermahlzeit der Heiden verbunden war, durch welche sie ihre Schuld s\u00fchnen wollten, wie sie von dem Blute des Opfers tranken und sich zu Wollust und Blutdurst reizten, wie sie Menschenleben opferten, w\u00e4hrend sie das Tier als heilig betrachteten, o, wie k\u00f6nnte ich da wohl anders, als erkennen, da\u00df bei Israels Opfer alles nur dazu dienen sollte, die Reinheit des Glaubes zu besch\u00fctzen, Sittlichkeit und Gerechtigkeit zu wahren und alles fern zu halten, was Sinnenlust und t\u00f6richten Aberglauben f\u00f6rdern k\u00f6nnte. Deshalb verbotest du in deiner Weisheit jeden Gebrauch des Blutes, verbotest jedem, der unrein war, zu opfern, deshalb konnte eine absichtlich begangene S\u00fcnde nicht durch ein Opfer ges\u00fchnt werden, deshalb mu\u00dften die Vergehen wider den N\u00e4chsten erst gut gemacht werden, bevor das Opfer gebracht werden konnte. Ja, du lehrtest uns, da\u00df ein Opfer f\u00fcr sich allein nichts n\u00fctzt, wenn es nicht in Wahrheit von einem innern frommen Sinne zeugt, und du und deine Propheten straften die, welche da meinten, da\u00df sie durch Darbringung eines Opfers allein geheiligt werden k\u00f6nnten. Du lie\u00dfest deine Propheten verk\u00fcndigen,\u00bbda\u00df Gehorsam besser als Opfer ist\u00ab, (1. Sam. 15, 22. Ps. 40, 7. Spr. Sal. 21, 3.) da\u00df \u00bbOpfer bei einem s\u00fcndigen Wandel dir zuwider sind\u00ab, (Spr. Sal. 15, 8. Es. 11-17 Jer 6, 21. Amos 5, 22.) da\u00df du Wohlgefallen an der Liebe findest, und nicht am Opfer, und \u00bbda\u00df die Erkenntnis deiner mehr ist, als Brandopfer.\u00ab (Hos. 6, 6)<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Aber besonders sind es die t\u00e4glichen Opfer, welche den M\u00e4nnern der gro\u00dfen Synode zum Muster dienten bei der Anordnung des \u00bbMorgen-und Abendgottesdienstes\u00ab, deren ich gedenken soll, und w\u00e4hrend ich mich an ihr Wesen und an ihre Bedeutung erinnere, erwecke ich in meinem Innern eine wahrhafte Erbauung und die Sehnsucht darnach, dich best\u00e4ndig und richtig durch meine Gebete zu verehren. Da tritt mir denn zuerst der Gedanke entgegen, da\u00df es\u2014ein Opfer war, und da\u00df mein Gebet deshalb auch ein Opfer sein soll. Ja, ich will im Gebet mich selbst zum Opfer darbringen, will mich mit all meinen W\u00fcnschen, meinen Gel\u00fcsten und Sehnen, mit all meiner Furcht und all meinem Hoffen ganz und ohne R\u00fcckhalt dir hingeben, und wie das t\u00e4gliche Opfer ganz dargebracht wurde, so will ich jeden Morgen und jeden Abend, wenn ich zu dir bete, mich dir auch ganz hingeben und mich v\u00f6llig deinem Willen unterordnen (Taanith 27. Sanhedrin 43).<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Jenes Opfer konnte von keinem dargebracht werden, der nicht vollst\u00e4ndig rein war, der nicht durch seinen Willen alle st\u00f6renden Gedanken zu beherrschen und unangefochten von der \u00e4u\u00dferen Welt, ganz mit seiner vollen Seele sich der heiligen Handlung hinzugeben vermochte; denn das Opfer wurde verworfen, wenn nicht sein eigentlicher Zweck, die rechte Andacht, den Opfernden erf\u00fcllte. So will denn auch ich mich zuvor pr\u00fcfen, ob ich rein bin, ob ich w\u00fcrdig bin, vor dich, den Allheiligen hinzutreten, will deshalb zuvor Bu\u00dfe tun, will mich von allen weltlichen Gedanken losrei\u00dfen, will die tierischen Triebe in mir t\u00f6ten und den irdischen Sinn abwerfen, jedesmal da ich vor dich hintrete, da ich vor deinem Angesicht in meinem, wie in der ganzen Gemeinde Namen erscheine.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Denn das t\u00e4gliche Opfer wurde ja im Namen der ganzen israelitischen Gemeinde gebracht und sollte dazu dienen, was man so oft vergi\u00dft, f\u00fcr all das Gute zu danken, das best\u00e4ndig in so reicher F\u00fclle dem Menschen zuteil wird; dir daf\u00fcr zu danken, da\u00df du \u00fcber ihn in der Nacht wachtest und ihm neues Leben schenktest, wenn des Morgens Licht ihn auf seinem Lager weckte, und da\u00df du ihn den ganzen Tag alles finden l\u00e4\u00dft, dessen er bedarf. Dieses Opfer sollte in Israels Heiligtum ein Lamm sein, das dir als Dankopfer dargebracht wurde, der du durch den Schlummer der Nacht alle gest\u00e4rkt, und wiederum am Abend, wenn es dunkelt als Dankopfer f\u00fcr den gl\u00fccklich verlebten Tag. <\/p>\n<p><\/p>\n<p>Und es war begleitet von einem Speiseopfer, wohl um f\u00fcr das Brot zu danken, welches der Mensch wiederum gefunden hatte, f\u00fcr Kraft und Sch\u00f6nheit des K\u00f6rpers, was durch das \u00d6l bezeichnet wurde, f\u00fcr die Gabe und den Vorzug des Geistes, was bildlich der Wein andeutete. So will auch ich, o Herr, jeden Morgen und jeden Abend deiner Wundertaten eingedenk sein und dir danken, weil du meinen Geist und meinen K\u00f6rper erh\u00e4ltst, so will auch ich dir f\u00fcr alle zeitlichen G\u00fcter, die du mir verleihst, f\u00fcr die Sonne, welche ihre Strahlen auf meinen Weg sendet, f\u00fcr den erquickenden Schatten der Nacht, wie f\u00fcr das himmlische Licht, das Wort des Lebens, welches du mir gegeben hast, das Dankopfer meines Gebets darbringen.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Aber das t\u00e4gliche Opfer war ja auch ein S\u00fchnopfer, welches t\u00e4glich f\u00fcr die Gesamtheit Israels, wie f\u00fcr den Einzelnen, dargebracht werden sollte, nicht offenbare Vergehungen, sondern f\u00fcr diejenigen, deren der Mensch sich schuldig macht, ohne da\u00df er sie sich zur S\u00fcnde anrechnet, und so sollte t\u00e4glich das Bewu\u00dftsein der S\u00fcnde in der Brust des Israeliten geweckt werden. Dein, o Herr! ist der Tag und dein, o Herr! ist die Nacht, und best\u00e4ndig sollen wir dich vor Augen haben; unsere Arbeit wie unsere Ruhe soll von dem Gedanken an dich begleitet sein. Aber, wenn der Schlummer der Nacht uns in seine Arme schlie\u00dfen will, bevor der Schlaf unsere Sinne und Gedanken gebunden h\u00e4lt, da denken wir nicht an dich, da benutzen wir die ruhigen Augenblicke nicht dazu, dich zu erkennen und zu suchen; und in des Tages gesch\u00e4ftigem Treiben richten sich nicht die Gedanken auf dich, und wir vergessen es, deiner zu gedenken. Deshalb soll am Morgen ein Opfer gebracht werden f\u00fcr die S\u00fcnde der Nacht und am Abend f\u00fcr des Tages S\u00fcnde. Aber au\u00dferdem kann die ganze Gemeinde auch dem nicht entgehen, da\u00df sie best\u00e4ndig s\u00fcndigt, und jede einzelne Seele ist mitschuldig der S\u00fcndenschuld der gro\u00dfen Gesamtheit, und wer sich f\u00fcr unschuldig h\u00e4lt wie ein Lamm, ist s\u00fcndig. Aber was ehemals das t\u00e4gliche Opfer f\u00fcr mich wirkte, das soll jetzt durch mein t\u00e4gliches Gebet erreicht werden, da\u00df ich nicht in Leichtsinn wandeln m\u00f6ge, sondern das Bewu\u00dftsein der S\u00fcnde in mir wecke, die Erkenntnis dessen, wie weit meine Gedanken und Handlungen, meine Arbeit und meine Ruhe, im Gro\u00dfen wie im Kleinen von der Pflicht Israels abweichen, soda\u00df ich jeden Morgen und jeden Abend aufs neue geheiligt werde und den Vorsatz fasse, deinem Dienste zu leben, o Herr! ob ich nun meinen Erwerb mir suche, oder danach trachte, meines Hauses oder meines Namens Ansehen zu erweitern, oder ob ich in Freude und Frohsinn weile, wo der Wein des Menschen Herz erfreut.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>Und endlich sollte das t\u00e4gliche Opfer von Best\u00e4ndigkeit im Glauben und in Gottergebenheit ein Zeugnis sein, und jeden Morgen und jeden Abend sollten Israels Kinder die Lebendigkeit dieses Glaubens zu erkennen geben, ob nun das Gl\u00fcck ihnen zul\u00e4chelte oder ob Ungl\u00fcck sie in das Dunkel der Nacht h\u00fcllte. Ebenso will auch ich es fr\u00fch und sp\u00e4t an den Tag legen, da\u00df, welches Schicksal du mir auch sendest, ich stets mit Vertrauen mich dir n\u00e4hern will und es soll stets nach Vorschrift am Morgen und am Abend geschehen; und indem ich mich an die heilige Ordnung binde, will ich den Geist des Gebetes in mir wecken und bewahren. Denn wenn auch die Pflicht zu beten, das Opfer des Herzens darzubringen, nicht an Ort oder Zeit gebunden ist, sondern wir stets und \u00fcberall beten sollen, so oft wir uns dazu gedrungen f\u00fchlen, so sollen wir doch zu den festgesetzten Zeiten beten, wenn auch unser Herz uns nicht dazu dr\u00e4ngt, weil wir sonst in dem Gewirre der Welt vielleicht niemals dazu veranla\u00dft w\u00fcrden. Aber gerade durch das t\u00e4gliche Gebet, dadurch, da\u00df wir mit aller Kraft unseres Willens darnach streben, von dem Geiste des Gebetes durchdrungen zu werden, sollen wir die Unlust zum Gebete \u00fcberwinden, die Hindernisse besiegen, welche sich zwischen dich und uns stellen, o Gott, und den Geist der Welt ert\u00f6ten, der uns den h\u00f6chsten Schatz unserer Seele rauben will, \u2014die Anbetung deines Wesens.<\/p>\n<p><\/p>\n<p>So will ich denn dir mein t\u00e4gliches Opfer darbringen, mein Gott, will meinen Willen dir ergeben, will jeden Morgen meinen Dank zu dir aufsteigen lassen und mich deiner Leitung anvertrauen und mich jeden Abend sorglos deiner F\u00fchrung hingeben. Ich will Kr\u00e4nkungen ertragen, will das Schlechte nicht vergelten, das mir zugef\u00fcgt wird, will um deinen Schutz bitten f\u00fcr alle, die auf Erden wandeln, will darnach streben von jeder s\u00fcndigen Lust mich zu reinigen, will fest in meinem Glauben verharren, und will, wenn auch die Menge der Versuchungen mich umringt, wie manchen Kampf ich auch zu bestehen habe, meine Standhaftigkeit als Israelit zeigen, der nicht nach dem Lohne und der Ehre der Welt trachtet, sondern allein darnach strebt, dir wohlzugefallen und der gewiss ist, dass du den errettest, der dir best\u00e4ndig dient (Dan. 6, 27).<\/p>\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Esehu Mekoman Betrachtung \u00fcber die Opfer, anstatt einer \u00dcbersetzung<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[125],"tags":[],"class_list":["post-1417","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebete-fuer-israeliten"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1417","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1417"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1417\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1418,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1417\/revisions\/1418"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}