{"id":162,"date":"2013-11-22T00:45:19","date_gmt":"2013-11-21T22:45:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=162"},"modified":"2021-01-04T17:39:35","modified_gmt":"2021-01-04T15:39:35","slug":"der-uebertritt-zur-juedischen-religion-der-gijur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/der-uebertritt-zur-juedischen-religion-der-gijur\/","title":{"rendered":"Der \u00dcbertritt zur j\u00fcdischen Religion &#8211; Der Gijur"},"content":{"rendered":"\n<p>J\u00fcdisch ist jeder, der von einer j\u00fcdischen Mutter geboren wurde sagt die Halachah, sie sagt aber auch, da\u00df man auch durch einen \u00dcbertritt, einen Gijur, j\u00fcdisch werden beziehungsweise in die j\u00fcdische Religionsgemeinschaft aufgenommen werden kann. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was im Altertum scheinbar eine einfache Sache war und wohl nicht selten, gestaltet sich in der heutigen Zeit langwieriger und komplizierter, wenn auch die Beschneidung der M\u00e4nner zur Zeit des Talmuds eine Voraussetzung f\u00fcr den \u00dcbertritt war:<\/p>\n\n\n\n<p>Jewamot 47a: &#8230; wenn er einwilligt [in die Gebote], dann beschneide man ihn sofort. Wenn Hautteile \u00fcbrig bleiben, die seine Beschneidung ung\u00fcltig machen, dann soll die Beschneidung wiederholt werden.Sobald er wieder gesund ist, tauchen sie ihn unter [in die Mikve oder anderes &#8218;lebendiges Wasser&#8216;].<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zeit des Talmuds wurden auch bestimmte Regeln f\u00fcr die Aufnahme von Konvertiten festgelegt, etwa da\u00df die Konvertiten zun\u00e4chst befragt werden nach ihren Gr\u00fcnden oder das Konvertiten schon vor dem \u00dcbertritt &#8218;observant&#8216; sein m\u00fcssen, da\u00df hei\u00dft, das sie die Religionsgesetze beachten und j\u00fcdisch leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch zweischneidig wie heute sieht auch der Talmud den \u00dcbertritt. Im Traktat Jewamot (47b) hei\u00dft es zum Beispiel: \u201eRabbi Chelbo sprach n\u00e4mlich: Die Proselyten sind f\u00fcr Israel schwer wie ein Ausschlag&#8230;&#8220; Dem Gegen\u00fcber steht<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/talmud-uebersetzung\/pessachim\/pessachim-kapitel-8\/#blatt-87b\"> Pessachim 87b<\/a>: \u00bbRabbi Elasar sprach: Der Heilige, gelobt sei er, hat Israel nur darum unter die V\u00f6lker verbannt, damit ihnen Proselyten hinzugef\u00fcgt werden, denn es steht geschrieben Ich will sie mir in die Erde eins\u00e4en (Hosea 2,25a)\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich hielt sich die talmudische Praxis auch bis Kaiser Konstantin im Jahre 315 d.Z. die Todesstrafe \u00fcber die Konversion zum Judentum verh\u00e4ngte. Seit dem Mittelalter waren die Juden dann den Bestimmungen der christlichen und islamischen Machthaber unterworfen, welche meist keine \u00dcbertritte zum Judentum duldeten und den \u00dcbertretenden sowie die gesamte j\u00fcdische Gemeinde hart bestraften. Mit der zunehmenden Distanzierung von der nicht-j\u00fcdischen Welt entstand auch eine zunehmend kritische Einstellung zur Aufnahme von Konvertiten. Missionarisch t\u00e4tig war das Judentum zu keiner Zeit, denn das Judentum ist der \u00dcberzeugung, da\u00df die \u201eGerechten aller V\u00f6lker einen Platz in der kommenden Welt haben werden&#8220;. F\u00fcr einen Nichtjuden reicht es nach j\u00fcdischer Ansicht aus, wenn er ein moralisch gut handelnder Mensch ist, der aktiv Gutes tut.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute gibt es Gruppen, die dem \u00dcbertritt noch aus den oben genannten Gr\u00fcnden kritisch gegen\u00fcberstehen, einige orthodoxe Kreise stehen dem \u00dcbertritt sogar grunds\u00e4tzlich verneinend gegen\u00fcber. Im Gegensatz dazu gibt es auch Gruppierungen, die den \u00dcbertritt positiv betrachten und den \u00dcbertritts-Willigen nach einf\u00fchrenden Gespr\u00e4chen anbieten, am Leben der Gemeinde teilzuhaben und zu den \u00f6ffentlichen Gebeten zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im orthodoxen Judentum wird es in der Regel keinen Grund f\u00fcr einen Gijur sein, wenn man einen j\u00fcdischen Partner hat, den man heiraten m\u00f6chte. Der \u00dcbertretende mu\u00df aus eigenem Wunsch und aus innerer Motivation zum Judentum \u00fcbertreten wollen. Bei anderen Gruppen wie einigen Reform-Gemeinden steht dem nichts entgegen, wenn der Kandidat nicht &#8218;f\u00fcr&#8216; den Partner \u00fcbertritt, sondern weil es sein eigener Wunsch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Person die von einem Konservativem-, Reform- oder Progressiven Bejt Din (rabbinisches Gericht mit drei Mitgliedern) in das Judentum aufgenommen worden ist, wird von einer orthodoxen Gemeinde oder einem orthodoxen Rabbiner nicht anerkannt. Auch die Kinder einer konvertierten Frau werden nicht als j\u00fcdisch betrachtet, was sp\u00e4ter zu Problemen f\u00fchren kann. Jedoch auch ein orthodoxer \u00dcbertritt kann unter bestimmten Umst\u00e4nden von anderen orthodoxen Gemeinden nicht anerkannt werden, die meisten \u00dcbertretenden werden dar\u00fcber bei ihrem ersten Gespr\u00e4ch mit dem Rabbiner aufgekl\u00e4rt. Vor allem in Deutschland, wo es nicht in jeder Stadt eine Gemeinde der verschiedenen Gruppierungen gibt, ist diese Tatsache ein Problem. Nach einem Umzug in eine andere Stadt, kann man unter Umst\u00e4nden in dieser kein Mitglied der j\u00fcdischen Gemeinde werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Gro\u00dfzahl der F\u00e4lle sind die konvertierten Gemeindemitglieder nach ihrem \u00dcbertritt sehr aktiv in der Gemeinde, ganz gleich in welcher Ausrichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbertritte sind in den Vereinigten Staaten eine etwas h\u00e4ufigere Angelegenheit, dort treten etwa 10.000 bis 12.000 Menschen j\u00e4hrlich zum Judentum \u00fcber (Zahlen aus:Leo Trepp; Die Juden Volk,Geschichte,Religion,Reinbeck bei Hamburg 1998). Diejenigen die gegen \u00dcbertritte sind, sollten sich klarmachen, da\u00df der \u00dcbertritt oft die einzige M\u00f6glichkeit ist, eine Mischehe zu vermeiden und die Mischehe ist in Deutschland sehr h\u00e4ufig der Fall.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/4f6674a4b1ec4c4cab67140c82db70f6\" alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00fcdisch ist jeder, der von einer j\u00fcdischen Mutter geboren wurde sagt die Halachah, sie sagt aber auch, da\u00df man auch durch einen \u00dcbertritt, einen Gijur, j\u00fcdisch werden beziehungsweise in die j\u00fcdische Religionsgemeinschaft aufgenommen werden kann.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-162","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gijurkonversion"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=162"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6719,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/162\/revisions\/6719"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}