{"id":17,"date":"2013-09-15T00:01:51","date_gmt":"2013-09-14T22:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=17"},"modified":"2021-09-06T14:27:21","modified_gmt":"2021-09-06T12:27:21","slug":"die-zeit-der-besinnung-der-tag-des-gerichts-und-der-versoehnungstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-zeit-der-besinnung-der-tag-des-gerichts-und-der-versoehnungstag\/","title":{"rendered":"Die Zeit der Besinnung, der Tag des Gerichts und der Vers\u00f6hnungstag"},"content":{"rendered":"\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Wenn der Sommer des Lebens sich dem Herbst zuneigt, wenn der H\u00f6hepunkt der Kraft \u00fcberschritten ist, an dem einem alles noch als selbstverst\u00e4ndlich vorgekommen war, wenn erste Widerspr\u00fcche zwischen Wollen und K\u00f6nnen auftreten, dann f\u00e4ngt man an unsicher zu werden, an seiner bisherigen Situation zu zweifeln, eine Krise des Selbstverst\u00e4ndnisses ist m\u00f6glich. <br>Es wird notwendig sich zu besinnen, wie man den Weg weiter gehen will, denn die Lebensernte ist noch lang nicht eingebracht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Monat Elul<\/h2>\n\n\n\n<p>An diesem Zeitpunkt sind wir angekommen, wenn der j\u00fcdische <strong>Monat Elul<\/strong> begonnen hat, der sechste Monat des im Fr\u00fchjahr beginnenden Monatskreises, der nicht nur den Entwicklungsgang der Natur, zugleich den Weg Israels, sondern auch jedes Menschen wiedergibt.<br>Nachdem Israel in der W\u00fcste den Irrweg des goldenen Kalbes gegangen war und sich dadurch an den Abgrund der Vernichtung gebracht hatte, war es von Mosche zur Besinnung gebracht worden.<br>Eine 40-t\u00e4gige Neuorientierung setzte ein, eine innere Umkehr, in der das Volk zu seiner Bestimmung zur\u00fcckkehrte. Dies war die Grundlage, mit der Israel im Gericht G&#8217;ttes vor Ihm bestehen konnte, die Voraussetzung f\u00fcr die Vers\u00f6hnung mit G&#8217;tt.<br>In seiner Vers\u00f6hnung begr\u00fcndete G&#8217;tt Seinen Bund mit Israel.<br>Diese 40 Tage bis hin zum Tag der Vers\u00f6hnung werden seither als Tage der Bu\u00dfe und Umkehr angesehen. In vielen Gegenden stehen die Menschen in diesen Tagen in den fr\u00fchen Morgenstunden auf und versammeln sich zu Bu\u00dfgebeten, den <em><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/slichot-erste-nacht\/\" data-type=\"post\" data-id=\"7635\">Slichot<\/a><\/em>, deren Kern das S\u00fcndengebet (<em>Widduj<\/em>) und das gemeinsame Aussprechen der 13 Eigenschaften G&#8217;ttes (<em>Schlosch essre Middot<\/em>) ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rosch haSchanah<\/h2>\n\n\n\n<p>Die letzten 10 Tage dieser Zeit beginnen mit dem Tag des Schofartones, dem Tag des Erinnerns und Gedenken, dem Tag des Gerichtes G&#8217;ttes, an dem Er zu Gericht sitzt \u00fcber die taten des Menschen. Es ist der erst der ehrfurchtgebietenden Tage, der<em> Jamim Noraim<\/em>, der Hohen Feiertage, an denen sich das weitere Schicksal des Menschen bestimmt. Mit den durchdringenden T\u00f6nen des Schofars, des Widderhorns, wird wiederholt zur Besinnung und Umkehr aufgerufen,- noch ist nicht alles verloren und verscherzt. G&#8217;tt will lieber verzeihen und den Zur\u00fcckkehrenden bei sich aufnehmen als ihn zu verwerfen.<br>Dieser Tag wird ernst gegangen, angemessen dem Tag des Gerichts. Aber wir sind voll Zuversicht auf G&#8217;ttes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, deshalb nicht traurig. Man kleidet sich festlich.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Feiertagsfarbe am Tag des Gerichts<\/strong> , auch am Vers\u00f6hnungstag ist wei\u00df: Wei\u00df sind der Thorahschreinvorhang, die Thorarollenm\u00e4ntel, die Vorbeterpultdecke, der Sterbekittel, -zumindest des Vorbeters. Ja, man tr\u00e4gt seinen Sterbekittel, denn bis zu diesem Tag sollte man sein Leben in&#8217;s Reine gebracht haben. Man sollte sich all dessen erinnert haben, was im vergangenen Jahr geschehen war, man sollte sich Rechenschaft abgelegt haben, eine Berichtigung des Lebensweges eingeleitet haben.So treten wir am Tag des Gerichts vor G&#8217;tt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit besonderen Segensspr\u00fcchen anerkennen wir Seine K\u00f6nigsherrschaft \u00fcber uns (<em>Malchujot<\/em>); wir vergegenw\u00e4rtigen uns, dass Er all seiner Gesch\u00f6pfe gedenkt und ihre Taten kennt, aus denen Folgen entstehen (<em>Sichronot<\/em>); wir sind bereit zu unserer Bestimmung zur\u00fcckzukehren und sie auf uns zu nehmen, wie am Sinai, als G&#8217;tt in Licht und Schall sich uns offenbarte und hoffen auch den Schofarton der Erl\u00f6sung erleben zu d\u00fcrfen (<em>Schofarot<\/em>). Nach dem Nachmittagsgebet gehen wir an ein flie\u00dfendes Wasser \u00fcbergeben diesem all das, was uns noch verunreinigt (<em>Taschlich<\/em>) um rein wieder vor unseren Sch\u00f6pfer treten zu k\u00f6nnen, in dem Zustand, in dem wir erschaffen worden sind. Der Tag des Gerichts ist nach der \u00dcberlieferung n\u00e4mlich der Tag, an dem die Welt erschaffen worden war. Er f\u00e4llt auf den 1.Tag des Monats Tischri und ist zugleich der Neujahrstag f\u00fcr die Jahresz\u00e4hlung, Rosch haSchanah.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Tag beginnt jeweils auch das Schabbatjahr, jedes 7.Jahr, an dem die Erde in ihren urspr\u00fcnglichen Zustand zur\u00fcckkehren und ruhen d\u00fcrfen soll, und das Jowel-Jahr, jedes 50.Jahr, an dem aller Besitz an seinen urspr\u00fcnglichen Besitzer zur\u00fcckkehren soll; es ist der Tag, an dem alles, auch der Mensch, zu seiner urspr\u00fcnglichen Bestimmung zur\u00fcckkehren soll.<br>Wenn dieser Tag sich vollendet wird das Urteil gesprochen. Wir hoffen und w\u00fcnschen, dass alles zum Guten wird, so essen wir nach dem <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/rosch-haschanah-seder-simanim\/\"><strong><em>Kiddusch<\/em> <\/strong><\/a>an diesem Tag das Festtagsbrot und einen Apfel in Honig getaucht, ein s\u00fc\u00dfes neues Jahr w\u00fcnschend (<em>Schanah towah<\/em>!).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die zehn Tage der Umkehr<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Tage, die noch bis zum Vers\u00f6hnungstag, dem zweiten der Hohen Feiertage verbleiben, werden als 10-Tage-der-Umkehr bezeichnet, die Zeit der letzten Chance f\u00fcr die Umkehr. Denn das Urteil ist bislang noch nicht besiegelt. Und so kommt der Tag der Vers\u00f6hnung, der h\u00f6chste der Feiertage, der <em>Schabbat der Schabbatot<\/em>&#8211; <em>Jom Kippur<\/em>.<br>Vers\u00f6hnung hei\u00dft nicht Vergessen, hei\u00df nicht Ungeschehen-machen. Die Folgen der taten sind zwangsl\u00e4ufig und sind zu tragen. Nach jeder Wunde bleibt eine Narbe. Vers\u00f6hnung hei\u00dft auf Rache verzichten und den Willen bekunden, trotz allem, was geschehen ist, dennoch den weiteren Weg gemeinsam in die Partnerschaft gehen zu wollen. Voraussetzung ist Eingest\u00e4ndnis der Tat, Bereuung und Verhaltens\u00e4nderung und, soweit als m\u00f6glich, Wiedergutmachung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Jom Kippur<\/h2>\n\n\n\n<p>Bevor wir uns mit der Bitte um Vergebung an G&#8217;tt wenden, ist es erforderlich erst unsere zwischenmenschlichen Beziehungen wieder in Ordnung zu bringen, uns miteinander auszus\u00f6hnen, wieder Frieden unter uns herzustellen. Erst wenn wir das geschafft haben, k\u00f6nnen wir Ents\u00fchnung, das ist die Reinigung von unseren Befleckungen, erhoffen, erbitten, nicht erwarten oder gar fordern. nicht G&#8217;tt, sondern wir haben unz\u00e4hlige Male den Bund, den wir mit Ihm geschlossen haben, verletzt. Und so ist Zerknirschung und Bescheidenheit die richtige Haltung um vor G&#8217;tt hinzutreten, wenigstens an diesem Tag. Wir lassen uns auf diesem Weg nicht von irgendwelchen Bed\u00fcrfnissen ableiten. Wir fasten und enthalten uns, trinken nicht, essen nicht, pflegen und verw\u00f6hnen uns nicht, 25 Stunden lang.<br>Wir alle haben unter den Zw\u00e4ngen \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde oder, schlimmer noch, freiwillig, unsere Bestimmung mehr oder weniger vergessen, verleugnet, haben Kompromisse gemacht, uns den Interessen anderer unterworfen. Die spanischen Juden, die ihre \u00dcberzeugung unter Todesdrohung hatten abschw\u00f6ren und sich hatten verleugnen m\u00fcssen, baten in dem Gebet &#8218;<em><strong><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/das-kol-nidrej-gebet\/\" data-type=\"post\" data-id=\"248\">Kol Nidrej<\/a><\/strong><\/em>&#8218; dieses ungeschehen, r\u00fcckg\u00e4ngig machen zu d\u00fcrfen. Und damit beginnen wir bis heute den G&#8217;ttesdienst an Jom Kippur. Denn ein Mensch, der seiner Bestimmung untreu geworden ist, hat der nicht sein Leben sinnlos und umsonst gelebt ? Und hat nicht G&#8217;tt in der Geschichte vom <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/das-buch-jonah\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2470\">Propheten Jonah<\/a>, die wir an Jom Kippur lesen, dessen Leben erneuert als dieser, nach zun\u00e4chst Flucht, schlie\u00dflich doch noch bereit war seine Aufgabe auf sich zu nehmen?!<br>Wieder und wieder machen wir uns unser Verhalten und unsere Taten klar, \u2013 dies wird unser weiteres Leben beeinflussen-, und wir bitten um Vergebung, schlie\u00dfen darin auch unsere Verstorbenen mit ein.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend wir normalerweise vor G&#8217;tt, unserem K\u00f6nig, im Gebet stehen, werfen wir uns an Jom Kippur, im <em><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/gebete-von-jom-kippur\/#Mussaf\">Mussafgebet<\/a><\/em>, viermal vor Ihm zu Boden,- dann, wenn der Hohepriester zur Zeit des Tempels den Namen G&#8217;ttes voll aussprach, was nur an diesem Tag, uns zur S\u00fchne geschah, die intimste Begegnung mit G&#8217;tt. Und wenn der Tag schlie\u00dflich seinem Ende entgegen geht, wenn wir hoffen d\u00fcrfen, G&#8217;ttes und zu seiner eigenen Bestimmung bekannt hat, dann k\u00fcndet ein Schofarton den Zeitpunkt an, an dem die Tore des Tempels geschlossen wurden, zugleich die Tore des g&#8217;ttlichen Gerichts geschlossen werden und das gef\u00e4llte Urteil besiegelt wird.<br>Dann f\u00e4llt die ungeheure innere Anspannung von unseren Schultern, wir umarmen uns und w\u00fcnschen uns, dass Heil beschlossen und besiegelt worden ist.<br>Den Schabbat der Schabbatot beendet man mit der Hawdalah-Feier, in der G&#8217;tt f\u00fcr die Unterscheidung zwischen Heiligem und Allt\u00e4glichem gepriesen wird. Erst danach essen wir wieder etwas.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Zeit, die mit dem Monat Elul beginnt und bis Jom Kippur andauert und alle Feiertage dieser Zeit im \u00dcberblck.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4867,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[6,5],"tags":[154,153],"class_list":["post-17","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-jom-kippur","category-rosch-haschanah","tag-jom-kippur","tag-rosch-haschanah"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/jom_kippur_talmudde.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7815,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17\/revisions\/7815"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4867"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}