{"id":177,"date":"2013-11-22T10:31:18","date_gmt":"2013-11-22T08:31:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=177"},"modified":"2013-11-22T10:41:02","modified_gmt":"2013-11-22T08:41:02","slug":"wajetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wajetze\/","title":{"rendered":"Wa&#8217;jetze"},"content":{"rendered":"<p><strong>Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10 &#8211; 32,3):<\/strong><\/p>\n<p>G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil zu sch\u00fctzen, Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan bei Lawan, Leah, die vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel, Geburt der St\u00e4mme, Lawans Betr\u00fcgereien und g\u00f6ttliche Wende zu Jakovs Vorteil, beschleunigte Abreise nach Kana&#8217;an und Showdown mit Lawan auf dem Wege.<!--more--><\/p>\n<p><em>Rav Asri&#8217;el Ari&#8217;el<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Und Jakov zog aus Be&#8217;er Scheva&#8220; (Gen. 28,10). Jakov verl\u00e4\u00dft sein Land, seine Heimat und sein Vaterhaus und fl\u00fcchtet voller Bef\u00fcrchtungen ins Ungewisse. Wie wird er sich vor E\u00dfaw, seinem Bruder, retten k\u00f6nnen? Wie wird er sich gegen\u00fcber den Betr\u00fcgereien seines Onkels Lavan behaupten k\u00f6nnen? Eine St\u00fctze jedoch verbleibt ihm: Der Herr der Welt. In seiner Not wendet sich unser Vorvater Jakov an G~tt mit einem detaillierten Gel\u00fcbde: &#8222;Wenn G~tt mit mir sein wird, und mich beh\u00fctet&#8230; und gibt mir Brot&#8230; und ich kehre zur\u00fcck in Frieden&#8230;&#8220; (Gen. 28,20-21) &#8211; dann wird dieser Ort ein G~tteshaus werden. Dem f\u00fcgt Jakov eine weitere Verpflichtung hinzu: &#8222;..und alles, was du mir gibst, will ich dir verzehnten&#8220; (V.22).<\/p>\n<p>Zwischen diesen wenigen Zeilen verbirgt sich ein gro\u00dfer Gedankenreichtum, von dem wir hier ein wenig betrachten wollen. Die Absonderung der Priesterhebe und des Zehnts erfolgt vom Bodenertrag, und dabei nur von f\u00fcr den menschlichen Genu\u00df geeigneten Pflanzen. Ein weiteres Gebot betrifft die Absonderung eines Tier-Zehnts von den reinen (koscheren) Tieren. Jakov nimmt all dies auf sich. &#8222;alles, was du mir gibst&#8220;. Daraus lernten die talmudischen Weisen, da\u00df auch jemand, der weder Bauer noch Tierz\u00fcchter ist, den Zehnt absondern mu\u00df. Wenn er schon keinen Getreide- oder Tier-Zehnt absondern kann, dann wenigstens Zehnt von seinem Einkommen. Von unserem Vorvater Jakov sagte man, er habe sogar seine S\u00f6hne verzehntet, indem er den Levi [von dem auch die Kohanim, die Priester abstammen] dem Dienst an G~tt weihte.<\/p>\n<p>Es liegt in der Natur der Dinge, da\u00df sich jemand, der von seinem Einkommen f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke oder andere erhabene Ziele spendet, in seinen eigenen Augen wie ein Baron Rothschild vorkommt. Er h\u00e4lt sich f\u00fcr was Besseres und erwartet von seiner Umgebung, seine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit zu sch\u00e4tzen und zu w\u00fcrdigen. Nicht so unser Vorvater Jakov. Er sieht sich nicht einmal als Herr \u00fcber sein Verm\u00f6gen, obwohl er es unter \u00e4rgsten M\u00fchen und gro\u00dfer Anstrengung erwarb. Er sieht sein Verm\u00f6gen als ein Geschenk G~ttes. &#8222;was du mir gibst&#8220;, und nicht: &#8222;was ich haben werde&#8220;. Er sieht darin eine Gabe an G~tt, im Sinne von &#8222;Gib ihm (dem Ewigen) von dem, was ihm geh\u00f6rt, denn du und was du hast, geh\u00f6ren ihm, wie es hei\u00dft&#8230; Denn von dir kommt alles, und aus deiner Hand haben wir dir gegeben&#8220; (Mischna &#8222;Spr\u00fcche der V\u00e4ter&#8220; 3.Kap.,8 nach Chronik I, 29,14).<\/p>\n<p>Jakovs Zehnt z\u00e4hlt doppelt. &#8222;[Zehnt] will ich verzehnten&#8220;; Zehnt und noch ein Zehnt. Diese Worte Jakovs werden von den talmudischen Weisen in zweifacher Hinsicht ausgelegt: Einmal als Quelle f\u00fcr die Definition der Obergrenze des Gebotes \u00fcber die mildt\u00e4tigen Gaben, n\u00e4mlich ein F\u00fcnftel seines Verm\u00f6gens &#8211; ein Zehntel und noch ein Zehntel. Der Zehnte ist G~tt geheiligt. Der zehnte Buchstabe im Alefbet &#8211; jud &#8211; besteht nur aus einem kleinen Punkt. Er symbolisiert mit seiner \u00e4u\u00dferlichen Form den verborgenen und versteckten Kernpunkt der Dinge, das g\u00f6ttliche Innenleben, das durch die Zehntabgabe ans Tageslicht kommt. Unser Vorvater Jakov begn\u00fcgt sich nicht mit der regul\u00e4ren Zehntpflicht. Er &#8222;versch\u00f6nert&#8220; seine Gebotspflicht und verpflichtet sich zur Abgabe eines F\u00fcnftels. Jakovs Erg\u00e4nzung bedeutet nicht nur eine mengenm\u00e4\u00dfige Erweiterung, sondern auch eine qualitative. Nicht nur der &#8222;erste Zehnt&#8220;, der dem Levi oder dem Kohen gegeben wird, sondern auch der &#8222;zweite Zehnt&#8220;, mit dessen Hilfe jeder Israelit seine eigene, tief in seinem Inneren verborgene Priestereigenschaft zutagef\u00f6rdert. Der &#8222;erste Zehnt&#8220; gilt als profan. Er geh\u00f6rt zum Eigentum des Leviten, und jeder Jude darf davon essen, selbst im Zustand spiritueller Unreinheit (Tum&#8217;a). Der &#8222;zweite Zehnt&#8220; hingegen gilt als Heiliges, &#8222;Verm\u00f6gen des Hohen&#8220;. Er wird nur in Jerusalem verzehrt, und nur im Zustand der Reinheit (Tahara). Hiezu pa\u00dft der Midrasch, der im Buche Menorat Hameor erw\u00e4hnt wird:<\/p>\n<p>&#8222;Awraham teilte die &#8218;gro\u00dfe Hebe&#8216; ab, wie geschrieben steht: aufgehoben habe ich meine Hand zum Ewigen (Gen. 14,22), und aufgehoben bedeutet nichts anderes als Hebe&#8230; Jizchak teilte den &#8218;ersten Zehnt&#8216; ab, wie geschrieben steht: Und Jizchak s\u00e4te in diesem Lande und gewann in diesem Jahre das Hundertf\u00e4ltige (Gen. 26,12)&#8230; und warum ma\u00df er sie? Um sie zu verzehnten&#8230; Jakov teilte den &#8218;zweiten Zehnt&#8216; ab, wie geschrieben steht: alles, was du mir gibst, will ich dir verzehnten (s.o.)&#8220;.<\/p>\n<p>Die Dinge gehen bereits genau aus dem Wortlaut des Verses hervor. Den Zehnt, den Awraham an Malchi-Zedek, &#8222;Priester des h\u00f6chsten G~ttes&#8220; (Gen. 14,18) gab, ging in dessen (profanes) Eigentum \u00fcber. &#8222;Und er gab ihm den Zehnten von Allem&#8220; (14,20). Demgegen\u00fcber gilt der Zehnt von Jakov als G~ttes Eigentum, als &#8222;Verm\u00f6gen des Hohen&#8220;. &#8222;Alles, was du mir gibst, will ich dir verzehnten&#8220;; von hier lernte der &#8222;Chafetz Chajim&#8220;, da\u00df man den Zehnt von seinem Verm\u00f6gen (oder das F\u00fcnftel) aufteilen soll: ein Teil an die Armen, die das Geld f\u00fcr sich verbrauchen, und ein Teil an jene, die ihr Leben der Tora und dem heiligen Dienst widmen. Damit werden Jakovs Gel\u00fcbde zu einer heiligen Einheit verschmolzen. Dieser Ort &#8222;soll sein ein G~tteshaus&#8220; (28,22) &#8211; &#8222;ein fester Ort f\u00fcr mein Gebet, und um dort den Zehnt herauszugeben&#8230; Geld zu geben demjenigen, der w\u00fcrdig ist, es zur Ehre G~ttes zu nehmen&#8220;(Ewen-Esra Kommentar).<\/p>\n<p>Bekanntlich f\u00e4llt der &#8222;zweite Zehnt&#8220; an vier Jahren des siebenj\u00e4hrigen Schmitta-Zyklus an, und zwei Jahre geben wir den &#8222;Armenzehnt&#8220;. Beide Zehnte geh\u00f6ren in den Bereich des Gebens &#8222;zur W\u00fcrde G~ttes&#8220;. Der Armenzehnt bringt den Menschen zur Anh\u00e4nglichkeit an G~tt, der sich damit als &#8222;guter G~tt&#8220; erweist, und ersetzt in jenen Jahren den &#8222;zweiten Zehnt&#8220;, der den Menschen zur Anh\u00e4nglichkeit an G~tt bringt, der sich als &#8222;heiliger G~tt&#8220; offenbart. Der Tisch des Menschen, an den er seine G\u00e4ste, die Armen, einl\u00e4dt, wird zum Altar.<\/p>\n<p>In seinem Gel\u00fcbde \u00fcber die Verzehntung verk\u00fcndet unser Vorvater Jakov, da\u00df er niemals alleine \u00fcbrigbleiben werde. Der Heilige, gelobt sei er, befindet sich bei ihm an jedem Orte. &#8222;Bei all ihrer Bedr\u00e4ngnis war ihm leid&#8220; (Jeschajahu 63,9). G~tt ist anwesend und nimmt Anteil an jeder M\u00fche und jeder Werkt\u00e4tigkeit, und alles Einkommen und Gewinn &#8211; kommen zu ihm aus der Hand G~ttes. In der Gesamtheit der Zehntabgaben &#8211; erster Zehnt, zweiter Zehnt, Armenzehnt &#8211; kommt die Erkenntnis des Menschen zum Ausdruck: &#8222;denn von dir kommt alles, und aus deiner Hand haben wir dir gegeben&#8220; (s.o.), &#8222;..und alles, was du mir gibst, will ich dir verzehnten&#8220;.<\/p>\n<p>\u00a9 Machon Meir<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche in der Tora (Gen. 28,10 &#8211; 32,3): G~ttes Versprechen an Jakov, ihn im Exil zu sch\u00fctzen, Begegnung mit Rachel, Jakov in Charan bei Lawan, Leah, die vertauschte Braut, Hochzeit mit Rachel, Geburt der St\u00e4mme, Lawans Betr\u00fcgereien und g\u00f6ttliche Wende zu Jakovs Vorteil, beschleunigte Abreise nach Kana&#8217;an und Showdown mit Lawan auf dem Wege.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[38],"tags":[],"class_list":["post-177","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wajetze"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=177"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/177\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":189,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/177\/revisions\/189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}