{"id":181,"date":"2013-11-22T10:42:20","date_gmt":"2013-11-22T08:42:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=181"},"modified":"2020-02-28T10:28:44","modified_gmt":"2020-02-28T08:28:44","slug":"tezawe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/tezawe\/","title":{"rendered":"Tezawe"},"content":{"rendered":"<h2>Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 &#8211; 30,10):<\/h2>\n<p>Die Priester &#8211; Ahron und seine S\u00f6hne; Priesterkleidung und -ausstattung; besondere Opfer und Amtseinf\u00fchrung; das t\u00e4gliche Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der R\u00e4ucheraltar und der Dienst des R\u00e4ucherwerkes im Heiligtum.<!--more--><\/p>\n<h2>Lauteres Oliven\u00f6l<\/h2>\n<p><em>Rav Jakov Halevi Filber<\/em><br \/>\n(Rabbiner an der \u00bbMerkas-Harav\u00ab Jeschiwa, Jerusalem)<\/p>\n<p>An vielen Stellen in seinen Schriften betonte Rabbiner Awraham Jizchak Kuk [erster Oberrabbiner Israels], niemals einen Menschen von vornherein zu disqualifizieren, dessen religi\u00f6se Welt zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst. Im Gegensatz dazu m\u00fcssen wir beim Tempeldienst sehr wohl darauf achten, dass die Handlungen in vollkommener Weise ablaufen, wie z.B. das Anz\u00fcnden der Lichter des siebenarmigen Leuchters (Menora), \u00fcber den es in der Tora hei\u00dft: &#8222;\u2026dass sie dir bringen Oliven\u00f6l, lauteres, ausgepresstes, zur Beleuchtung, um die Lampen best\u00e4ndig anzustecken&#8220; (Ex. 27,20). Bez\u00fcglich der Schabbatlichter jedoch, die jeder Einzelne in seinem Hause anz\u00fcndet, besteht ein Streit zwischen Rabbi Tarfon und Rabbi Jochanan ben Nuri (Schabbat 26a): Nach Rabbi Tarfon darf man daf\u00fcr nur Oliven\u00f6l verwenden. Dagegen hei\u00dft es im Talmud weiter: &#8222;Da stellte sich Rabbi Jochanan ben Nuri auf seine F\u00fc\u00dfe und sprach: Was sollen die Leute in Babylonien machen, die kein anderes als Sesam\u00f6l haben!? Was sollen die Leute in Medien machen, die kein anderes als Nuss\u00f6l haben!? Was sollen die Leute in Alexandria machen, die kein anderes als Rettich\u00f6l haben!? Was sollen die Leute in Kappadokien machen, die weder dieses noch jenes, sondern nur Petroleum haben!? Halte dich vielmehr an die, von denen die Weisen gesagt haben, da\u00df man sie nicht brennen d\u00fcrfe&#8220;. Die Halacha lautet, da\u00df man alle genannten \u00d6le verwenden darf, vorzugsweise aber Oliven\u00f6l (Schulchan Aruch O.C. \u00a7264,6). Mit diesem Streit \u00fcber das Z\u00fcnden der Schabbatlichter besch\u00e4ftigte sich Rabbiner Kuk n\u00e4her in seinem Buch Ejn Aja (Schabbat 2.Kap. \u00a777): Er bestehe nicht nur in Bezug auf das Anz\u00fcnden der Schabbatlichter, sondern auch bez\u00fcglich der Erleuchtung durch den menschlichen Verstand, und die im Talmud erw\u00e4hnten Brennstoffe deuten auf Lerninhalte, mit denen der Mensch im Hinblick auf Himmelsfurcht und Gebotserf\u00fcllung seinen Verstand erleuchten kann. Rabbi Tarfon behauptet, so wie das Oliven\u00f6l das reinste der \u00d6le ist und das von ihm ausgehende Feuer das reinste und hellste, entsprechend hat sich der Mensch mit den diversen Teilen der Tora auf h\u00f6chster Verstandesebene zu besch\u00e4ftigen, eben so wie das Oliven\u00f6l am klarsten leuchtet, und ein \u00d6l, das diesen hohen Standard nicht erreicht, darf nicht zur Erleuchtung der Heiligkeit des Schabbats verwendet werden. Dagegen wendet Rabbi Jochanan ben Nuri ein, da\u00df nicht jedem Juden solch eine hohe spirituelle Stufe verg\u00f6nnt ist, die ihm die Besch\u00e4ftigung mit dem innersten, h\u00f6chsten Licht der Tora erlaubt, das den Menschen in weitem Ma\u00dfe durchflutet. Vielmehr gibt es Menschen, denen die Toraweisheit in kleinen Portionen zuflie\u00dft, die sich mit dem Sesam\u00f6l vergleichen l\u00e4\u00dft, das aus vielen kleinen Sesamk\u00f6rnern gewonnen wird. Alle zusammengenommen ergeben zwar ein etwas minderes \u00d6l, das uns aber dennoch Licht in die Finsternis zu bringen vermag. So bauen auch diese Menschen selbst mit einfachem Verst\u00e4ndnis aus jeder kleinen Lerneinheit der Tora eine Welt voller Tora, die die Seele erleuchtet. Wer also auf seine bescheidene Weise dem einfachen Sinn der Tora folgt, der vielleicht etwas trocken erscheinen mag, begegnet in Wirklichkeit einer welterleuchtenden Heiligkeit und wird von G~tt mit Wohlgefallen angenommen.<\/p>\n<p>Auf der n\u00e4chstniedrigeren Stufe gibt es Leute, die wegen ihrer geistigen Armut Schwierigkeiten haben, selbst die offenbaren Lehren der Tora zu verstehen, und jene gilt es, mit einfachen Worten und aus dem Leben gegriffenen Gleichnissen aufzukl\u00e4ren und der Tora n\u00e4herzubringen. Diese einfachen Beispiele gleichen einer Schale um das ernsthafte Torastudium, um die eigentliche Frucht herum, so wie die Schale der Nu\u00df, deren \u00d6l man erst gewinnen kann, wenn man die Schale aufgebrochen hat. So verhielt es sich mit den Leuten in Medien, einfachen und ungebildeten Leuten, die man nur mit \u00e4u\u00dferlichen und an die primitive Vorstellungskraft appellierenden Gleichnissen der Heiligkeit der Tora ann\u00e4hern konnte. Immerhin brachten sie diese Gleichnisse zu einer gewissen Besch\u00e4ftigung mit der Tora.<\/p>\n<p>Darunter gibt es noch eine weitere Stufe, n\u00e4mlich Menschen, die sich noch nicht einmal mit den kleinen und simplen Lehren der Tora besch\u00e4ftigen, sondern sich an den Umgang mit weltlichen Lehren gew\u00f6hnt haben. Denen bieten die Lehren der Tora keinerlei Anreiz au\u00dfer durch menschlichen Weisheiten entnomme Beispiele, die mit wissenschaftlichen Theorien vermischt sind, die nicht dem Geiste G~ttes auf Die-ihn-f\u00fcrchten entstammen, sondern auf menschlichen Annahmen beruhen, die durchaus falsch sein k\u00f6nnen. Diese Art des Lernens verglich Rabbiner Kuk mit dem Rettich, der einerseits Bitterkeit abgibt, dem man aber andererseits lichtspendendes \u00d6l abgewinnen kann. So kann man auch durch diese Art Lernen zu einer gewissen Erleuchtung gelangen, und so verhielt es sich mit den Leuten von Alexandria, die sich so weit von der Tora entfernt hatten, da\u00df sie nur noch \u00fcber &#8222;Rettich\u00f6l&#8220; verf\u00fcgten. Doch selbst unter diesem Licht gingen am Ende tatkr\u00e4ftige und g~ttesf\u00fcrchtige Menschen hervor, die sich durch Anh\u00e4nglichkeit an und Liebe zur Tora auszeichneten. Darum geh\u00f6rt auch dieses \u00d6l zu den erlaubten Leuchtstoffen.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch eine Kategorie, Menschen, die auf eine noch tiefere Stufe herabsanken, deren geistige Erleuchtung nur von Naturwissenschaften und Politik herr\u00fchrt, so wie das Petroleum, das wir keiner Pflanze mehr zuordnen k\u00f6nnen, aus der es gewonnen wird. Und dennoch &#8211; solange sie mit ihrer Allgemeinbildung geradlinig den Wegen der Tora folgen m\u00f6chten und ihrer Vertiefung in die Naturwissenschaften, wo das menschliche Vorstellungsverm\u00f6gen herrscht, moralische Werte, G~ttesfurcht und die Anerkennung des Sch\u00f6pfers aus seinen Taten und Kreaturen entnehmen, dann geh\u00f6ren auch sie zu den &#8222;erlaubten \u00d6len&#8220;, wenn sie ihre Studien dem Glauben an die Tora und der G~ttesfurcht n\u00e4herbringen, und man darf sie nicht abweisen.<\/p>\n<p>Da nun die Halacha nach Rabbi Jochanan ben Nuri entschieden wurde, folgerte Rabbiner Kuk, da\u00df sich andererseits jede Ansicht oder Idee, die den Menschen vom Licht der Tora entfernt, disqualifiziert und nicht zur Erleuchtung des menschlichen Verstandes verwendet werden kann. Sie \u00e4hnelt damit den f\u00fcr das Schabbatlicht nicht verwendbaren \u00d6len, weil sie nicht im Docht aufsteigen. Jedes Studium oder verstandesm\u00e4\u00dfige Wissen aber, mit deren Hilfe sich der Mensch in Tat oder Gedanken mit den Wurzeln der Tora verbindet, wenn auch nicht in vollkommener Weise, hat es dabei dennoch mit einem erlaubten &#8222;\u00d6l&#8220; zu tun, dem die gesellschaftliche Legitimation nicht abgesprochen werden darf. Wer aber die F\u00e4higkeit hat, sich nicht auf auf das Minimum beschr\u00e4nken zu m\u00fcssen, sondern zu h\u00f6heren Stufen der Heiligkeit aufsteigen und seinen Verstand mit dem h\u00f6chsten Toralicht erleuchten kann, der hat dazu die Pflicht, und es steht ihm auch gut an, wie es hei\u00dft: &#8222;vorzugsweise aber Oliven\u00f6l&#8220; (s.o.). Doch auch die vom reinen Licht weiter Entfernten sind nicht zu verachten, denn auch sie beleuchten mit etwas geringerem Lichte ihr Leben mit g\u00f6ttlicher Heiligkeit, in ihrer Verbindung zur Allgemeinheit des Sch\u00f6pferglaubens und dem Joch seiner K\u00f6nigsherrschaft, gesegnet sei er.<\/p>\n<p>\u00a9 Machon Meir<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 &#8211; 30,10): Die Priester &#8211; Ahron und seine S\u00f6hne; Priesterkleidung und -ausstattung; besondere Opfer und Amtseinf\u00fchrung; das t\u00e4gliche Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der R\u00e4ucheraltar und der Dienst des R\u00e4ucherwerkes im Heiligtum.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[36],"tags":[],"class_list":["post-181","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tezawe"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/181","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=181"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5237,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/181\/revisions\/5237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=181"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}