{"id":1930,"date":"2016-02-04T17:19:48","date_gmt":"2016-02-04T15:19:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=1930"},"modified":"2022-04-25T10:41:32","modified_gmt":"2022-04-25T08:41:32","slug":"raschi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/raschi\/","title":{"rendered":"Raschi"},"content":{"rendered":"\n\n\n\n<p>Schlomo Jizchaki, auch Schlomo ben Jizchak, Schelomo ben Isaak oder Salomo ben Isaak, (hebr\u00e4isch \u05e8\u05d1\u05d9 \u05e9\u05dc\u05de\u05d4 \u05d9\u05e6\u05d7\u05e7\u05d9), meist jedoch Raschi (hebr\u00e4isch \u05e8\u05e9\u05f4\u05d9) genannt, ein Akronym f\u00fcr Rabbi Schlomo ben Jizchak (geboren 1040 in Troyes; gestorben am 5. August 1105 ebenda) war ein franz\u00f6sischer Rabbiner und ma\u00dfgeblicher Kommentator des Tanach und <a href=\"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/was-ist-der-talmud\/\">Talmuds<\/a>.<br>Er ist einer der bedeutendsten j\u00fcdischen Gelehrten des Mittelalters und der bekannteste j\u00fcdische Bibelausleger \u00fcberhaupt. Sein Bibelkommentar wird bis heute studiert und in den meisten j\u00fcdischen Bibelausgaben abgedruckt, sein Kommentar des babylonischen Talmuds gilt ebenfalls als einer der wichtigsten und ist in allen gedruckten Ausgaben dessen Text beigef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leben und Wirken<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00dcber Raschis Leben ist wenig bekannt und einiges ist Legende.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wuchs in Troyes, der Hauptstadt der Champagne auf, wo seine Familie einen Weinberg besa\u00df, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestritt. Sein Vater war ein Gelehrter und der erste Lehrer seines Sohnes. 1055 ging Raschi zun\u00e4chst nach Mainz und dann nach Worms, um dort an den j\u00fcdischen Lehrh\u00e4usern, die zu den bedeutendsten in Europa geh\u00f6rten, zu studieren. In Mainz waren seine wichtigsten Lehrer Jakob ben Jakar und Isaac ben Judah, in Worms Isaak ben Eleasar ha-Levi. Circa 1065 kehrte Raschi nach Troyes zur\u00fcck, wo er, so die verbreitete Meinung, als Winzer und Weinh\u00e4ndler t\u00e4tig gewesen sein soll. Er pflegte den Kontakt mit den Gelehrten an den rheinischen Schulen weiter und gr\u00fcndete um 1070 sein eigenes Lehrhaus in Troyes, das dank herausragenden Sch\u00fclern wie Simcha ben Samuel Vitry, Juda ben Abraham und Jacob ben Samson bald diejenigen am Rhein \u00fcberfl\u00fcgeln sollte. Raschi hatte keine S\u00f6hne, aber, so wird angenommen, drei T\u00f6chter, Jochebed, Miriam und Rachel, die als gelehrt galten und bedeutende Gelehrte heirateten. <\/p>\n\n\n\n<p>Raschis Enkel, die S\u00f6hne seiner Tochter Jochebed, Samuel, genannt <em>Raschbam<\/em>, Isaak, genannt <em>Ribam<\/em>, Jacob, bekannt als <em>Rabbenu Tam<\/em>, Solomon und der Sohn Miriams Jom Tov studierten in Troyes und wurden ebenfalls bedeutende franz\u00f6sische Bibel- und Talmudkommentatoren, die die Schule der <em>Tosafot <\/em>gr\u00fcndeten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die unter dem Titel Raschi-Kommentare zusammengefassten umfangreichen Kommentare zu Bibel und Talmud werden heute noch hoch gesch\u00e4tzt. Zu seinem Bibelkommentar existieren \u00fcber 200 Superkommentare (Kommentare zum Kommentar).<br>Die hebr\u00e4ische Schrift, in welcher der Raschi-Kommentar in den meisten geduckten Ausgaben abgedruckt ist, wird gemeinhin auch als <em>Raschi-Schrift<\/em> bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image size-full wp-image-1937\"><figure class=\"aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"341\" height=\"87\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Rashiscript1.png?resize=341%2C87\" alt=\"Raschi-Schrift\" class=\"wp-image-1937\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Rashiscript1.png?w=341&amp;ssl=1 341w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Rashiscript1.png?resize=300%2C77&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/><figcaption>Raschi-Schrift<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Raschis letzte Jahre wurden durch die an den Juden ver\u00fcbten Massaker des Ersten Kreuzzuges getr\u00fcbt, bei denen er Freunde und Verwandte verlor. Raschi soll mitten in der Arbeit am Kommentar zum Traktat Makkot, w\u00e4hrend er das Wort \u201erein\u201c schrieb, gestorben sein. Seine letzte Ruhest\u00e4tte ist nicht bekannt, am vermuteten Ort des j\u00fcdischen Friedhofs von Troyes wurde ein Erinnerungsdenkmal zu seinen Ehren errichtet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Raschis Kommentare<\/h2>\n\n\n\n<p>Raschis Kommentare wurden ins Lateinische (Johann Friedrich Breithaupt, R. Salomonis Jarchi, Commentarius Hebraicus in Pentateuchum Mosis, Gotha 1714) und Deutsche \u00fcbertragen. Der M\u00f6nch Nikolaus von Lyra (etwa 1270\u20131349) zitierte Raschi so h\u00e4ufig, dass er von zeitgen\u00f6ssischen Kritikern \u00bbRaschis Affe\u00ab genannt wurde. Heute ist bekannt, dass Martin Luther h\u00e4ufig Gebrauch von den Werken des Nikolaus von Lyra machte. Dementsprechend wirkte der Kommentar auch in Luthers \u00dcbersetzung. <\/p>\n\n\n\n<p>Durch Raschis Kommentar sind einige altfranz\u00f6sische W\u00f6rter (etwa 3.000) in hebr\u00e4ischer Umschrift \u00fcberliefert. Nur etwa zw\u00f6lf deutsche Worte sind in seinen Kommentare enthalten. Da Raschi diese Umschrift rein lautlich durchf\u00fchrte, kann daraus die Aussprache des damaligen Franz\u00f6sisch besser rekonstruiert werden als aus lateinschriftlichen Texten, in denen die \u00fcberlieferte lateinische Rechtschreibung die tats\u00e4chliche m\u00fcndliche Sprachgestalt \u00fcberlagert. Bemerkenswert ist, dass Raschi der erste Autor ist, der eine \u00bbPizza\u00ab erw\u00e4hnt und auch so bezeichnet (\u05e4\u05d9\u05e6&#8220;\u05d0). In seinem Kommentar zu Jechezkel 4,16: \u00bbPizza dePan in Franz\u00f6sisch\u00ab (\u05e4\u05d9\u05e6&#8220;\u05d0 \u05d3\u05d9\u05e4\u05d0&#8220;\u05df \u05d1\u05dc\u05e2&#8220;\u05d6). In nichtj\u00fcdischen Quellen wird dieses Wort erstmals im 16. Jahrhundert erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Legenden<\/h2>\n\n\n\n<p>Zur Geburt Raschis gibt es folgende Geschichte:<br>Raschis Vater besa\u00df einen seltenen Edelstein. M\u00f6nche wollten diesen kaufen, um daraus das Auge eines Madonnenbildes herzustellen. Doch aus religi\u00f6ser Gewissenhaftigkeit wollte der fromme Mann ihn auch nicht f\u00fcr sehr viel Geld f\u00fcr diesen Zweck verkaufen. Da lockten ihn die K\u00e4ufer auf ein Schiff und wollten ihn unter der Androhung des Todes zur Hergabe des Steins zwingen. Da warf ihn der Rabbi in die Fluten. Zur selben Zeit habe sich im Lehrhaus von Troyes eine Stimme h\u00f6ren lassen: Dir, Jitzchak, wird ein Sohn geboren werden, der wie ein heller Edelstein leuchten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Legende f\u00fchrt eine Einbuchtung in der Mauer der Wormser Synagoge darauf zur\u00fcck, dass Raschis Mutter w\u00e4hrend ihrer Schwangerschaft mit dem sp\u00e4teren Gelehrten vor einem heranpreschenden Fuhrwerk an der Mauer Schutz gesucht habe, die hinter ihr nachgab. Aus Furcht, der Hexerei verd\u00e4chtigt zu werden, h\u00e4tten Raschis Eltern Worms verlassen und sich in Troyes niedergelassen, wo ihr Sohn geboren wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer anderen Legende zufolge lie\u00df Gottfried von Bouillon Raschi rufen, um sich von ihm den Ausgang des Ersten Kreuzzuges vorhersagen zu lassen. Als Raschi nicht bei dem F\u00fcrsten erschien, suchte dieser ihn im Lehrhaus in Begleitung eines bedrohlichen Heeres auf. Raschi soll ihm einen ungl\u00fccklichen Ausgang des Kreuzzuges prophezeit haben, wie er sp\u00e4ter tats\u00e4chlich eintraf.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer verbreiteten Meinung nach soll Raschi seine Schule zur Zeit des Kreuzzuges von Troyes nach Worms verlegt haben. Das als sein Bet-haMidrasch bezeichnete Haus in einem Anbau der Synagoge in Worms stammt jedoch aus dem 16. Jahrhundert, ebenso der Lehrstuhl, der als derjenige Raschis gezeigt wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Texte von Raschi auf talmud.de<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/bereschit-mit-raschi\/\"><strong>Raschis Kommentar zu Bereschit in deutscher \u00dcbersetzung<\/strong><\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<div class=\"yellow-box\">\n<p>Dieser Artikel basiert auf dem Artikel <a class=\"\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Raschi\" rel=\"nofollow\"> Raschi<\/a> aus der freien Enzyklop\u00e4die <a class=\"\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wikipedia:Hauptseite\" rel=\"nofollow\">Wikipedia<\/a> und steht unter der Doppellizenz <a class=\"external text\" href=\"http:\/\/www.gnu.org\/copyleft\/fdl.html\" rel=\"nofollow\">GNU-Lizenz f\u00fcr freie Dokumentation<\/a> und <a class=\"\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/\" rel=\"nofollow\">Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported<\/a> (<a class=\"\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/legalcode\" rel=\"nofollow\">Kurzfassung<\/a>).<br>In der Wikipedia ist eine <a class=\"\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Raschi&amp;action=history\" rel=\"nofollow\"> Liste der Autoren<\/a> verf\u00fcgbar.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/geschichte-des-judentums-themen\/#Personen\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"25\" height=\"15\" class=\"wp-image-3543\" style=\"width: 25px;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/hand_talmudde_klein.png?resize=25%2C15&#038;ssl=1\" alt=\"\"> <strong>J\u00fcdische Pers\u00f6nlichkeiten<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das Leben und  Werk von Schlomo Jizchaki, (oder Schlomo ben Jizchak), genannt Raschi<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[221,43],"tags":[186,162],"class_list":["post-1930","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lexikohn","category-personen","tag-biographie","tag-raschi"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1930","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1930"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1930\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8716,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1930\/revisions\/8716"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1930"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1930"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1930"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}