{"id":195,"date":"2013-11-22T10:51:52","date_gmt":"2013-11-22T08:51:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=195"},"modified":"2022-02-15T10:41:41","modified_gmt":"2022-02-15T08:41:41","slug":"aharaon-ki-tisa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/aharaon-ki-tisa\/","title":{"rendered":"Zum Wochenabschnitt Ki Tisa &#8211; die Rolle von Aharon"},"content":{"rendered":"\n<p><span class=\"dropcap\">I<\/span>nmitten von Anweisungen, Beschreibungen und technischen Einzelheiten ist <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-torah-eine-deutsche-uebersetzung\/die-torah-ki-tissa\/\">unsere Paraschah<\/a> wie eine Unterbrechung und fordert dem Leser und H\u00f6rer der w\u00f6chentlichen Torahlesung noch ein wenig Aufmerksamkeit mehr ab, als wir ihr ohnehin schon widmen. Diese Aufmerksamkeit ben\u00f6tigen wir auch, denn die Paraschah enth\u00e4lt einige Stolperfallen, die auch die gro\u00dfen Kommentatoren der Torah herausforderten. So stellten sich ihnen und uns einige interessante Fragen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Welche Rolle spielt Aharon bei der Episode mit dem goldenen Kalb?<\/li><li>Fielen die Kinder Israels in gro\u00dfem Ma\u00dfe in genau den G\u00f6tzendienst zur\u00fcck, dessen Zeugen sie im Lande \u00c4gypten waren?<\/li><li>Fertigte Aharon ihnen ein Abbild eben derjenigen G\u00f6tzen an?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die oberfl\u00e4chliche Lesung des Textes l\u00e4sst diesen Schluss zu und so kamen einige Kommentatoren in wahrhaftige Schwierigkeiten, denn wie war zu erkl\u00e4ren, dass Aharon, der Bruder von Moses und ernannter <em>Kohen Gadol<\/em> (Hohepriester) einen solch fatalen Fehlschritt machte?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Midrasch Rabba erkl\u00e4rt, Aharon habe nur sein Leben retten wollen, denn zu Vers 1 von Kapitel 32 erz\u00e4hlt der Midrasch, ein Mann namens Chur habe versucht, die \u00bbMeute\u00ab am G\u00f6tzendienst zu hindern und stellte sich ihr entgegen. Chur war \u00fcbrigens der Gro\u00dfvater von Bezalel, der Ger\u00e4tschaften f\u00fcr das Stiftszelt herstellen sollte, und Sohn von Mirjam. Er wollte die Meute daran erinnern, welche Wunder Gott getan habe, um sein Volk aus der Knechtschaft zu befreien. Die Meute habe ihn daraufhin get\u00f6tet. Dann wandten sie sich an Aharon, wie es in Vers 1 hei\u00dft \u00bbda versammelte sich das Volk um Aharon\u00ab.<br>Laut Midrasch f\u00fcrchtete sich Aharon davor und um diese These zu untermauern, wird eine Technik namens <em>Al Tikra <\/em>verwendet. In Vers 5 (von Kapitel 32) steht n\u00e4mlich geschrieben \u00bbUnd Aharon sah (<em>Wa\u2019jare<\/em>) dies, baute er einen Altar\u2026\u00ab. Das <em>Al Tikra<\/em> Verfahren erlaubt eine neue Vokalisierung des Textes zu Auslegungszwecken und so macht der Midrasch aus<em> Wa\u2019jare<\/em> \u00bber sah\u00ab <em>Wajira<\/em> \u2013 \u00bber f\u00fcrchtete sich\u00ab, denn er hatte ja zuvor den Mord an Chur beobachtet. Der Talmud scheint das zu st\u00fctzen, denn dort hei\u00dft es, der Teil des gleichen Satzes \u00bber baute einen Altar \u2013 <em>wa\u2019jiven mizbeach<\/em>\u00ab k\u00f6nnte auch \u00bb<em>wa\u2019javen mizawu\u2019ach<\/em>\u00ab gelesen werden: \u00bber verstand wegen des Get\u00f6teten.\u00ab (Sanhedrin 7a). Ein gutes Argument, dass der Midrasch uns pr\u00e4sentiert, aber wirft das nicht ein schlechtes Licht auf Aharon?<br>Kann die Tradition dies zugunsten Aharons annehmen? Eines der unumst\u00f6\u00dflichsten Prinzipien des Judentums besagt doch, dass wir in Lebensgefahr jedes Gebot \u00fcbertreten d\u00fcrfen, aber unter keinen Umst\u00e4nden d\u00fcrfen wir uns zum G\u00f6tzendienst, zum Mord oder Ehebruch zwingen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Kommentatoren schrieben, Aharon habe versucht, die Fertigstellung des goldenen Kalbes zu verz\u00f6gern bis zum dem Zeitpunkt an dem Moses zur\u00fcckkehrt und die Ereignisse wieder in die richtigen Bahnen lenken w\u00fcrde. Deshalb w\u00fcrde es in Vers 5 hei\u00dfen \u00bbMorgen ist ein Festtag\u00ab. Aber dennoch w\u00e4re Aharon immer noch beteiligt an der Anbetung des G\u00f6tzen. V\u00f6llig absurd ist die Annahme, bei dem hier genannten, w\u00fcrde es sich um einen v\u00f6llig anderen Aharon handeln! Ibn Ezra, einer der gro\u00dfen Ausleger des Mittelalters greift beispielsweise dieses Argument auf und weist es weit von sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist aber, trotz allem, anzunehmen, dass Aharon keinerlei Schuld am G\u00f6tzendienst Israels hatte, denn er wird sp\u00e4ter auch nicht bestraft! Stattdessen wird er w\u00e4hrend der Wanderung durch die W\u00fcste im Stiftszelt dienen und mit Moses weiterhin die Kinder Israels f\u00fchren. Aharons einziges Vergehen wird im vierten Buch Mose genannt, in Kapitel 20, Vers 24 sagt die Torah: \u00bbAharon soll zu seinem Volk eingehen, denn er soll in das Land, das ich den Kindern Israels gebe, nicht kommen, weil ihr meinem Befehl nicht nachgekommen seid bei den Wassern von Meribah.\u00ab Dieses wichtige Ereignis des goldenen Kalbes wird hier nicht erw\u00e4hnt und Aharon wird auch nicht bestraft, wenn Moses den Leviten befiehlt, alle diejenigen zu t\u00f6ten, die am G\u00f6tzendienst beteiligt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist eine der Fragen, die eingangs gestellt wurden, nahezu beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"pull-left\">Aharon hat wohl nicht an der Durchf\u00fchrung des G\u00f6tzendienstes mitgewirkt<\/p>\n\n\n\n<p>Aharon hat, wenn man die Sachlage \u00fcberblickt, wohl nicht an der Durchf\u00fchrung des G\u00f6tzendienstes mitgewirkt. Wenn wir betrachten, was Aharon tats\u00e4chlich tat und was die Torah tats\u00e4chlich erz\u00e4hlt, dann k\u00f6nnen wir Aharon entlasten und einen Gro\u00dfteil der Kinder Israels gleich mit. Der erste Vers des 32. Kapitels liest sich so: \u00bbSteh auf, mache uns einen\u201aGott\u2019, der vor uns hergeht, denn dieser Mann Moses, der uns aus \u00c4gypten gef\u00fchrt hat \u2013 wir wissen nicht, was mit ihm ist.\u00ab. Diejenigen, die hier zu Aharon sagen \u00bbSteh auf!\u00ab verlangen nicht nach einem G\u00f6tzen, den sie anbeten k\u00f6nnen und vor dem sie sich niederwerfen k\u00f6nnen. Sie verlangen nach einem Ersatz f\u00fcr Moses, von dem sie nicht wissen, was ihm zugesto\u00dfen ist. Sie verlangen nach einem physischen Ersatz f\u00fcr denjenigen, der bisher mit Gott in Verbindung gestanden hatte. Sie nahmen f\u00e4lschlicherweise an, man ben\u00f6tige einen Mittler zwischen ihnen und Gott, denn bisher stand ihnen Moses stets zur Seite. Daraufhin fertigte Aharon ein goldenes Kalb an, sehr leichtfertig zugegeben, aber nur ein kleiner Teil der Beteiligten treibt G\u00f6tzendienst. In Vers 4 des 32 Kapitels rufen einige der Menge zu: \u00bbDies sind eure G\u00f6tter, die euch aus \u00c4gypten herausgef\u00fchrt haben.\u00ab In der Torah steht tats\u00e4chlich die Pluralform, eine Anspielung auf die G\u00f6tzen \u00c4gyptens. Zudem hei\u00dft es in dem Vers \u00bbeure\u00ab und nicht \u00bbunsere\u00ab. Was f\u00fcr den Midrasch Tanchuma ein klarer Hinweis darauf ist, dass die \u00bbVerf\u00fchrer\u00ab \u00c4gypter waren, die mit den Kindern Israels das Land verlassen hatten.<br>Letztendlich folgten 3000 M\u00e4nner dem Aufruf. Vers 28 beziffert so die Anzahl der get\u00f6teten G\u00f6tzendiener.<br>Die Z\u00e4hlung der M\u00e4nner im ersten Kapitel des vierten Buch Mose ergibt dagegen ein Gesamtergebnis von 603.550.<br>Also weniger als ein Prozent der M\u00e4nner folgte dem Aufruf zum G\u00f6tzendienst.<br>Von einem massenhaften R\u00fcckfall in den G\u00f6tzendienst kann also keine Rede sein. Aharon versucht den Kurs dennoch zu korrigieren, denn dem Aufruf, \u00bbdies sind eure G\u00f6tter!\u00ab antwortet er in Vers 5 mit dem Bau eines Altars f\u00fcr Gott und hier verwendet die Torah tats\u00e4chlich den Namen Gottes und meint nicht das goldene Kalb, wenn er dann sagt \u00bbMorgen ist ein Festtag f\u00fcr Gott.\u00ab Aharon macht eindeutig einen Fehler, wenn er dem Dr\u00e4ngen des Volkes nachgibt, Moses durch ein Bildnis zu ersetzen, jedoch war es ganz offensichtlich nicht seine Absicht, einen G\u00f6tzendienst zu beg\u00fcnstigen oder zu f\u00f6rdern. So kann man verstehen, warum Aharon f\u00fcr das \u00bbVergehen\u00ab nicht verurteilt wird, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass in der gro\u00dfen Menge der Kinder Israels immer noch welche gab, die sich zum G\u00f6tzendienst haben \u00fcberreden lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inmitten von Anweisungen, Beschreibungen und technischen Einzelheiten wirkt diese Paraschah wie eine Unterbrechung\u2026<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[41,145],"tags":[],"class_list":["post-195","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ki-tisa","category-wochenabschnitt"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=195"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8238,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/195\/revisions\/8238"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}