{"id":222,"date":"2013-11-26T00:25:00","date_gmt":"2013-11-25T22:25:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=222"},"modified":"2013-12-15T01:52:38","modified_gmt":"2013-12-14T23:52:38","slug":"die-torah-und-das-juedische-volk-die-entstehung-des-juedischen-volkes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-torah-und-das-juedische-volk-die-entstehung-des-juedischen-volkes\/","title":{"rendered":"Die Torah und das j\u00fcdische Volk &#8211; die Entstehung des j\u00fcdischen Volkes"},"content":{"rendered":"<p>Um etwas &uuml;ber die Entstehung des j&uuml;dischen Volkes und seiner Religion zu erfahren, ist ein Blick in die <I>Tora<\/I> (hebr., Lehre; griech. <I>Pentateuch<\/I>) lohnenswert. Sie kann als Gr&uuml;ndungsdokument des Judentums verstanden werden. Laut j&uuml;discher &Uuml;berlieferung wurde die <I>Tora<\/I> von <I>Mosche<\/I> (Mose) in hebr&auml;ischer Sprache niedergeschrieben. Da sie aus f&uuml;nf B&uuml;chern besteht, wird sie auch die <I>F&uuml;nf B&uuml;cher Mose <\/I>genannt. Die Namen der f&uuml;nf B&uuml;cher sind <I>Bereschit<\/I> (Genesis), <I>Schmot<\/I> (Exodus), <I>WaJikra<\/I> (Levitikus), <I>BeMidbar<\/I> (Numeri) und <I>Dwarim<\/I> (Deuteronomium). <!--more--><br \/>\nHeute gibt es &Uuml;bersetzungen von ihr in allen wichtigen Sprachen der Erde. Die <I>Tora<\/I> ist Bestandteil des <I>Tanach<\/I>, der <I>Hebr&auml;ischen Bibel<\/I>. Er setzt sich aus den drei Teilen <I>Tora<\/I>, <I>Newi`im<\/I> (Propheten) und <I>Ketuwim<\/I> (Schriften) zusammen. Das Christentum bezeichnet den <I>Tanach<\/I> als <I>Altes Testament<\/I>.   F&uuml;r die j&uuml;dische Religion ist die <I>Tora<\/I> die<I> <\/I>zentrale Bezugsquelle. Sie wird mehrmals die Woche feierlich in der <I>Synagoge<\/I> verlesen und bildet das Herzst&uuml;ck des G-ttesdienstes. In religi&ouml;sen Lehranstalten auf der gesamten Welt, den <I>Jeschiwot<\/I> und j&uuml;dischen Hochschulen, besch&auml;ftigen sich Gelehrte seit Generationen mit dem Studium und der Auslegung des biblischen Worts.<br \/>\nEs wird gleicherma&szlig;en als Quelle geistiger Inspiration wie auch als praktische Lebensanweisung betrachtet.   <\/p>\n<p>Das Hauptanliegen der <I>Tora<\/I> besteht darin, dem j&uuml;dischen Volk die eigene Entwicklungsgeschichte nahe zu bringen. Bevor der Fokus allerdings darauf gerichtet wird, beginnt das erste Buch Mosche mit einer kurzen &bdquo;Einf&uuml;hrung&ldquo; in die Urgeschichte: Es kl&auml;rt den Leser &uuml;ber die Erschaffung der Welt und die nicht ganz gegl&uuml;ckten Anf&auml;nge menschlicher Existenz auf Erden auf.   Dass sich die Menschheitsgeschichte doch noch zum Positiven &auml;ndert, h&auml;ngt vor allem mit dem Wirken der Stammeltern <I>Awraham <\/I>und<I> Sara, Jizchak <\/I>und<I> Riwka, Ja`akow, Rachel <\/I>und<I> Lea<\/I> zusammen. Die <I>Tora<\/I> pr&auml;sentiert stets deren <I>ganze <\/I>Pers&ouml;nlichkeit: Sie treten der Leserin und dem Leser mit allen charakterlichen Vorz&uuml;gen und Schw&auml;chen entgegen. Von dieser Offenheit und Ehrlichkeit lebt die <I>Tora<\/I>, lassen sich Lehren aus ihr ziehen, die bis in die heutige Zeit hinein bedeutsam sind.    <\/p>\n<p>Am Anfang des Berichts &uuml;ber <I>Awrams <\/I>Leben steht die schlichte g&ouml;ttliche Aufforderung: &bdquo;Zieh Du aus Deinem Land, von Deiner Verwandtschaft und vom Haus Deines Vaters nach dem Land, das ich Dir zeigen werde&ldquo;. Bereitwillig leistet er mit seiner Frau <I>Sarai<\/I> diesem Aufruf Folge, verl&auml;sst seine Familie und siedelt sich im Land Kanaan an. Damit wird er zum <I>Iwri <\/I>(Hebr&auml;er), zu einem Hin&uuml;bergehenden. G-tt schlie&szlig;t mit <I>Awram <\/I>einen Bund und verspricht ihm zahlreiche Nachkommen. Das Land Kanaan wird ihm und seinen Nachfahren als &bdquo;ewige Heimst&auml;tte&ldquo; zugesprochen. Als Zeichen dieses Bundes dient die Beschneidung der Vorhaut <I>Awrams<\/I> und seiner m&auml;nnlichen Abk&ouml;mmlinge, auf Hebr&auml;isch <I>Brit Mila<\/I>. Hinzu kommt die Namens&auml;nderung <I>Awrams<\/I> in <I>Awraham<\/I> und von <I>Sarai<\/I> zu <I>Sara<\/I>.   Zu einer dramatischen Zuspitzung kommt es, als <I>Sara<\/I> aufgrund von Unfruchtbarkeit keine Kinder geb&auml;ren und sich das Versprechen G-ttes (zun&auml;chst) nicht bewahrheiten kann. Auf <I>Saras<\/I> Gehei&szlig; geht <I>Awraham<\/I> zu deren &auml;gyptischen Magd <I>Hagar<\/I>, durch die sie sich Nachwuchs erhofft. Aufgrund von Differenzen wird <I>Hagar<\/I> fortgeschickt, zun&auml;chst w&auml;hrend <I>Hagars<\/I> Schwangerschaft mit ihrem Sohn <I>Jischmael <\/I>(Ismael), dann (endg&uuml;ltig) nach der Geburt von <I>Saras<\/I> lang ersehntem eigenen Sohn <I>Jizchak<\/I> (Isaak). Durch die von ihr vorangetriebene Verbannung der Magd bestimmt <I>Sara<\/I> aktiv mit, auf welchen Sohn <I>Awrahams<\/I> die g&ouml;ttlichen Verhei&szlig;ungen zuk&uuml;nftig &uuml;bergehen. Trotz <I>Saras<\/I> Eingriff droht der Geschichte ein j&auml;hes Ende, als <I>Awraham<\/I> den g&ouml;ttlichen Befehl erh&auml;lt, seinen Sohn <I>Jizchak<\/I> eigenh&auml;ndig zu t&ouml;ten. Bereits der hebr&auml;ische Name dieser Begebenheit &ndash; <I>Akedat Jizchak<\/I>, die <I>Bindung<\/I> (und nicht <I>T&ouml;tung<\/I>) <I>Isaaks<\/I> &ndash; weist darauf hin, dass <I>Awrahams <\/I>Stammhalter augenscheinlich nicht sterben soll, sondern es sich vielmehr um eine g&ouml;ttliche Pr&uuml;fung handelt: G-tt versucht herauszufinden, ob sein &bdquo;Bundespartner&ldquo; bereit ist, sein Liebstes f&uuml;r ihn hinzugeben. <I>Awraham<\/I> meistert die Pr&uuml;fung ohne ersichtliches Z&ouml;gern. <I>Jizchak <\/I>bleibt am Leben und gr&uuml;ndet mit <I>Rivka<\/I> (Rebekka) eine eigene Familie. In <I>Jizchak<\/I> finden sich die Versprechen G-ttes an seinen Vater erstmalig erf&uuml;llt: Er lebt im verhei&szlig;enen Land, seine Frau schenkt ihm Zwillinge, den Erstgeborenen <I>Esaw<\/I> (Esau) und <I>Ja`akow <\/I>(Jakob). Der j&uuml;dischen Tradition zufolge entwickeln sich die beiden Br&uuml;der auf je eigene Weise. <I>Esaw<\/I> reift zu einem J&auml;ger heran, der G&ouml;tzen huldigt und ansonsten M&uuml;&szlig;iggang treibt. <I>Ja`akow<\/I> hingegen wird als Frommer beschrieben, der sein Leben g&auml;nzlich dem religi&ouml;sen Studium widmet. Damit verk&ouml;rpern die beiden Zwillingsbr&uuml;der Menschentypen, die kaum unterschiedlicher sein k&ouml;nnen. Die Spannung der biblischen Erz&auml;hlung ergibt sich nun aus der Frage, welcher von beiden S&ouml;hnen in die Fu&szlig;stapfen des Vaters tritt und in den Genuss der g&ouml;ttlichen Verhei&szlig;ungen kommt. Folgt man konsequent dem Geburtsrecht, so m&uuml;sste dem Erstgeborenen der Vorzug gegeben werden.   <\/p>\n<p>Nach Art ihrer Schwiegermutter <I>Sara<\/I> &uuml;berl&auml;sst auch <I>Rivka<\/I> nichts der &uuml;blichen Rechtsfolge, sondern greift beherzt und mit nicht ganz legitimen Mitteln in die Geschicke ihrer Spr&ouml;sslinge ein. Durch eine bewusste T&auml;uschung tr&auml;gt sie entscheidend dazu bei, dass der von ihr bevorzugte j&uuml;ngere Sohn <I>Ja`akow<\/I> den Erstgeburtssegen ihres Mannes statt <I>Esaws<\/I> erh&auml;lt. Damit zeigt sich hier, wie zuvor bei dem Bericht &uuml;ber <I>Jischmaels<\/I> und <I>Jizchaks<\/I> Lebensweg, eine Beg&uuml;nstigung des j&uuml;ngeren anstelle des &auml;lteren Sohnes. <I>Esaw<\/I> ist bereits zu einem fr&uuml;heren Zeitpunkt von seinem Bruder um das Erstgeburtsrecht gebracht worden.   Ungestraft bleibt <I>Ja`akows<\/I> trickreiches Verhalten allerdings nicht. So wie er seinen Vater bel&uuml;gt und seinen Bruder hintergeht, wird er sp&auml;ter vom eigenen Schwiegervater &ndash; zumindest zun&auml;chst &ndash; um die eigene Wunschgattin gebracht. Letzten Endes verwirklicht sich in seinem Fall dennoch das g&ouml;ttliche Versprechen von zahlreicher Nachkommenschaft: Seine beiden Frauen <I>Rachel<\/I> und <I>Lea<\/I> schenken ihm, gemeinsam mit ihren beiden M&auml;gden, zw&ouml;lf S&ouml;hne und eine Tochter. <I>Ja`akows<\/I> besondere Stellung innerhalb der <I>Tora <\/I>verdeutlicht sich ferner dadurch, dass er bei einem Kampf mit einem Engel den Sieg davontr&auml;gt und fortan den Beinamen <I>Jisrael<\/I> (G-tt k&auml;mpft) tr&auml;gt. Bis in die heutige Zeit ist der Name <I>Bne Jisrael<\/I>, Kinder Israels, die Bezeichnung f&uuml;r <I>Ja`akows<\/I> Nachfahren. Gegen Ende des Buches Genesis wird <I>Ja`akows <\/I>Lieblingssohn <I>Josef <\/I>infolge einer Intrige seiner eifers&uuml;chtigen Br&uuml;der nach &Auml;gypten verschleppt. Die Darstellung dieses ersten Buches findet ein Happy End in der Vers&ouml;hnung <I>Josefs <\/I>und seiner Br&uuml;der. Sein alter Vater <I>Ja`akow<\/I> zieht mit der gesamten Familie nach &Auml;gypten, wo <I>Josef <\/I>inzwischen einen hohen Ministerposten bei dem Pharao innehat.    Das zweite Buch Mosche greift diesen Erz&auml;hlfaden unmittelbar auf. Die <I>Kinder Israel <\/I>leben mittlerweile seit Generationen im Land &Auml;gypten. Aus den zw&ouml;lf S&ouml;hnen <I>Ja`akows <\/I>sind zwischenzeitlich zw&ouml;lf zahlenm&auml;&szlig;ig gro&szlig;e St&auml;mme erwachsen. Unter einem neuen Landesherrn haben sie Sklavenarbeiten zu leisten und m&uuml;ssen Erniedrigungen erdulden. Ihre missliche Lage &auml;ndert sich erst mit dem Auftritt <I>Mosches<\/I> auf der  B&uuml;hne der Zeitgeschichte. Aufgrund eines Erlasses des Pharao des Lebens bedroht, demzufolge alle m&auml;nnlichen Neugeborenen der Hebr&auml;er zu t&ouml;ten sind, wird <I>Mosche <\/I>durch eine gl&uuml;ckliche F&uuml;gung von der Pharaonentochter gerettet und w&auml;chst am Herrscherhof als deren Ziehsohn auf. Trotz dieser Umst&auml;nde bewahrt er sich ein j&uuml;disches Bewusstsein, mitgepr&auml;gt durch seine leibliche Mutter, die zu seiner Amme wird. Daher betrachtet er die hebr&auml;ischen Fronknechte seines Ziehgro&szlig;vaters, des Pharao, als Br&uuml;der. In einer Kurzschlusshandlung erschl&auml;gt er einen &auml;gyptischen Aufseher, als dieser gerade einen hebr&auml;ischen Sklaven misshandelt. Mit dem Bekanntwerden der Tat flieht <I>Mosche <\/I>vor der drohenden Bestrafung nach Midian. Nach der Hochzeit mit der Tochter des dortigen Priesters wird er Schafhirte. In der W&uuml;ste am Berg Horeb erh&auml;lt er von G-tt, der aus einem brennenden, aber nicht <I>ver<\/I>brennenden Dornbusch zu ihm spricht, den Auftrag zur F&uuml;hrung der <I>Kinder Israel <\/I>von &Auml;gypten nach Kanaan. Ihm zur Seite gestellt wird sein Bruder <I>Aharon <\/I>(Aaron).<I> Mirjam<\/I>, seine Schwester, tritt ebenfalls in Erscheinung. Da sich der Pharao als besonders hartn&auml;ckig erweist und seine hebr&auml;ischen Sklaven partout nicht in die Freiheit zu entlassen gedenkt, schickt G-tt durch <I>Mosche<\/I> zehn Plagen &uuml;ber das Land. Selbst nachdem die <I>Kinder Israel <\/I>nach der zehnten Plage, der T&ouml;tung der Erstgeborenen &Auml;gyptens, das Land endlich verlassen d&uuml;rfen, &auml;ndert der Pharao erneut seine Meinung und setzt den befreiten Sklaven mitsamt seinem Kampfesheer nach. Die Hebr&auml;er werden schlie&szlig;lich zu Zeugen des v&ouml;lligen Untergangs der &auml;gyptischen Streitmacht. Der Auszug aus &Auml;gypten schenkt den Kindern Israel den Grad an Freiheit, der notwendig f&uuml;r die Verwirklichung ihrer Aufgaben ist. Das <I>Pessach<\/I>fest (Passa) erinnert die Juden bis auf den heutigen Tag an dieses Ereignis.    Die W&uuml;ste ist ein Ort, an dem sich Leben nur unter &auml;u&szlig;erst widrigen Bedingungen entfaltet und bestehen kann. Hier dominieren Hitze, Wassermangel und Kargheit, allesamt Faktoren, die diesen Ort zu einem unliebsamen Lebensraum f&uuml;r Menschen werden lassen. Umgeben von dieser W&uuml;stenlandschaft, von diesem &bdquo;Nichts&ldquo;, reifen die zw&ouml;lf St&auml;mme Israels w&auml;hrend einer 40-j&auml;hrigen Wanderschaft zu <I>Am Jisrael<\/I>, dem Volk Israel heran.    In der W&uuml;ste gehen die ehemaligen Sklaven durch einen Bundesschluss eine gefestigte Beziehung mit G-tt ein, in deren Rahmen sie Gehorsam gegen&uuml;ber seinen <I>Mizwot <\/I>geloben. Sie zielen darauf ab, innerhalb des Volkes eine soziale Ordnung herzustellen und es auf ein Leben im heiligen Land gem&auml;&szlig; dem Willen G-ttes vorzubereiten. G-tt bekundet, <I>Israel<\/I> als sein Volk anzunehmen und das verhei&szlig;ene Land zu geben. In diesem Kontext geht <I>Mosches<\/I> Rolle weit &uuml;ber die eines reinen Volksanf&uuml;hrers hinaus. Er ist der &Uuml;berbringer der zehn Gebote am Berg Sinai und Mittler zwischen Volk und G-tt. Ein Prophet, der dadurch, dass er als einzig Lebender G-ttes Pr&auml;senz gewahr werden darf, zum gr&ouml;&szlig;ten Propheten der j&uuml;dischen Geschichte wird. Das j&uuml;dische Volk ehrt ihn bis heute mit dem Titel <I>Mosche Rabbenu <\/I>(unser Lehrer Mosche).    Die biblische Erz&auml;hlung berichtet bis zum Ende des Buches Numeri von der weiteren Wanderung des <I>Volkes Israel<\/I> vom Berg Sinai bis an die Grenze des verhei&szlig;enen Landes. Das daran anschlie&szlig;ende letzte Buch der <I>Tora <\/I>enth&auml;lt eine lange Rede von <I>Mosche<\/I>. In ihr finden sich neben einem R&uuml;ckblick &uuml;ber die lange W&uuml;stenwanderung Gesetze, die teilweise an denen der vorangehenden <I>Tora<\/I>-B&uuml;cher ankn&uuml;pfen. Der gro&szlig;e Prophet darf wegen einem Vergehen das heilige Land nicht selbst betreten. Er begibt sich auf den Berg Nebo, von dessen Gipfel aus G-tt ihm einen &Uuml;berblick &uuml;ber das Land Kanaan gew&auml;hrt. <I>Mosche<\/I> verstirbt dort und wird in einem unbekannten Grab im Land Moab beigesetzt.   <BR>  &bdquo;<\/p>\n<p><I><B>Ein Land, das von Milch und Honig flie&szlig;t&ldquo; &ndash; Leben im heiligen Land<\/B><\/I> <\/p>\n<p>Die Aufgabe, das Volk Israel in das verhei&szlig;ene Land zu f&uuml;hren, &uuml;bernimmt nun <I>Jehoschua Bin Nun <\/I>(Josua). Das Buch Josua beschreibt die Eroberung Kanaans und die Verteilung des Landes unter den zw&ouml;lf St&auml;mmen. Nach dem Tod <I>Jehoschuas <\/I>sind es <I>Schoftim <\/I>(Richter), die dem Volk bis zur Einf&uuml;hrung der Monarchie als milit&auml;rische Heerf&uuml;hrer vorstehen. Gegen Ende der Richterzeit werden zun&auml;chst <I>Schaul<\/I> (Saul), dann <I>David<\/I> durch den Priester <I>Schmuel <\/I>(Samuel) zu ersten K&ouml;nigen in der Geschichte Israels gesalbt. Unter K&ouml;nig <I>David<\/I> entsteht ein territorial gesichertes Gro&szlig;reich Israel, zu dessen Hauptstadt Jeruschalajim (Jerusalem) ausgerufen wird. Durch die Hinauff&uuml;hrung des <I>Aron HaKodesch <\/I>(Bundeslade) mit den zehn Geboten wird die Stadt dar&uuml;ber hinaus zum religi&ouml;sen Zentrum des Reiches.   Dank seiner besonderen Pers&ouml;nlichkeit und einzigartigen Wirkungskraft wird <I>David<\/I> in der j&uuml;dischen Tradition als idealer K&ouml;nig gesehen. Die messianischen Hoffnungen im Judentum richten sich auf die zuk&uuml;nftige Regentschaft eines Herrschers aus seinem Hause.   W&auml;hrend <I>Davids<\/I> Sohn <I>Schlomo<\/I> (Salomo) das israelitische K&ouml;nigreich zun&auml;chst noch als ein Ganzes regieren und in Jeruschalajim sogar einen zentralen Tempel errichten darf, zerf&auml;llt das Reich im Jahr 928 v.d.Z. unter der Herrschaft seines Sohnes in zwei H&auml;lften: Im n&ouml;rdlichen Teil entsteht das so genannte Nordreich Israel, im S&uuml;den Juda. Nach der Reichsteilung ist das gebietsm&auml;&szlig;ig gr&ouml;&szlig;ere Nordreich f&uuml;r gut 200 Jahre Heimat f&uuml;r zehn der zw&ouml;lf St&auml;mme Israels. Nach mehrj&auml;hrigen kriegerischen Auseinandersetzungen nehmen es die Assyrer ein. Damit endet die Geschichte des israelitischen Nordreichs. Ein Gro&szlig;teil seiner Bev&ouml;lkerung wird im Rahmen einer assyrischen Umsiedlungspolitik verschleppt. Ihr Verbleib ist ungekl&auml;rt.   Das S&uuml;dreich Juda behauptet sich unter Regentschaft der Nachfahren K&ouml;nig <I>Davids<\/I> nach der Reichstrennung fast 350 Jahre. Im Gegensatz zum Nordreich bleibt es mittels Tributzahlungen von einer kriegerischen Konfrontation mit Assyrien verschont. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts v.d.Z. kann <I>Jeruschalajim<\/I> den wiederholten Belagerungen durch die Babylonier zun&auml;chst noch standhalten. 586 v.d.Z. wird schlie&szlig;lich der vorerst letzte K&ouml;nig Judas mit seinem Hof und der Oberschicht nach Babylonien verbracht. Der von <I>Schlomo<\/I> errichtete Tempel wird in Schutt und Asche gelegt, die Stadtmauer <I>Jeruschalajims<\/I> geschleift. <BR>  &bdquo;<I><\/p>\n<p><B>An den Str&ouml;men Babylons sa&szlig;en wir und weinten&ldquo;: Das babylonische Exil<\/B><\/I> Damit beginnt f&uuml;r die meisten Jud&auml;er nun eine Exilszeit in Babylonien, der erst 50 Jahre darauf, mit dem Edikt des Perserk&ouml;nigs Kyros, ein Ende gesetzt wird. Der geistigen Elite der deportierten Jud&auml;er kommt im Exil die schwierige Aufgabe zu, das Vakuum, das durch den Verlust von Heimat und Tempel entsteht, zu f&uuml;llen. So werden in der Fremde altbekannte Traditionen bewahrt und der Ein-G-tt-Glaube gepflegt. Zum Zentrum des religi&ouml;sen Lebens werden Tora-Gelehrsamkeit und Gebete. An die Stelle des einstigen (Tier-)Opferdienstes im Tempel r&uuml;ckt nun das Gebet, <I>Awoda ScheBaLew <\/I>(der Dienst mit dem Herzen). G-ttesdienste werden in eigenen Gebetsr&auml;umen abgehalten, die zu Vorl&auml;ufern der Synagoge werden. Durch die Pflege j&uuml;discher Traditionen und den Zusammenhalt als Gruppe gelingt es den Jud&auml;ern, das Exil zu &uuml;berdauern. Als ihnen im Jahr 539 v.d.Z. unter der Herrschaft der Perser die R&uuml;ckkehr in die einstige Heimat und der Wiederaufbau des Tempels erm&ouml;glicht wird, entschlie&szlig;en sich viele f&uuml;r diese Option. Etliche aber haben sich so weit am Ort etabliert, dass sie einen Verbleib im Land vorziehen.     <\/p>\n<p><I><B>Die Zeit des Zweiten Tempels<\/B><\/I>  <\/p>\n<p>Den jud&auml;ischen R&uuml;ckkehrern gelingen &uuml;ber einen langen Zeitraum Aufbau und Erhalt eines politischen und geistigen Zentrums in <I>Jeruschalajim<\/I>, das durch rechtzeitiges Beugen gegen&uuml;ber den Forderungen fremder Gro&szlig;m&auml;chte weitgehend autonom bleibt. Dass die Bewohner Judas sich gegen religi&ouml;se Fremdbestimmung zur Wehr setzen, l&auml;sst sich am Beispiel des Makkab&auml;er-Aufstands verdeutlichen. Als der seleukidische Herrscher Antiochos Statuen von Fremdg&ouml;ttern im Jerusalemer Tempel aufstellt und die Juden mit Androhung der Todesstrafe von ihrer Religion abbringen will, organisiert sich 167 v.d.Z. eine Gegenwehr. An der Spitze der Jud&auml;er steht die Familie des Priesters Matitjahu, dessen S&ouml;hne, allen voran Jehuda Makkabi &ndash; daher der Name &bdquo;Makkab&auml;er&ldquo; &ndash;, <I>Jeruschalajim<\/I> und den Tempel wieder einnehmen k&ouml;nnen. An dieses Ereignis, vor allem an die Reinigung des Tempels und die Wiederaufnahme des regul&auml;ren Opferdienstes, erinnert seither <I>Chanukka<\/I>, das Lichterfest.    Die Stadt <I>Jeruschalajim<\/I> bleibt im weiteren Verlauf der Geschichte Schauplatz bedeutsamer Ereignisse. Um 20 v.d.Z. l&auml;sst der von Rom abh&auml;ngige K&ouml;nig <I>Hordos<\/I> (Herodes) den Tempelbezirk aufwendig erneuern und um das Areal eine stattliche Mauer errichten. Ein Teil dieser Mauer, der <I>Kotel HaMaarawi<\/I>, wird heute von vielen als <I>der<\/I> heilige Ort des Judentums betrachtet. Als im Jahr 66 n.d.Z. eine Revolte gegen die r&ouml;mische Vorherrschaft ausbricht, kommt es zu mehrj&auml;hrigen kriegerischen Auseinandersetzungen. An ihrem Ende wird der Aufstand niedergeschlagen, <I>Jeruschalajim<\/I> eingenommen und der Tempel in Flammen gesetzt. Mit der Zerst&ouml;rung des Tempels im Jahre 70 n.d.Z. verlieren die Juden ihren religi&ouml;sen Mittelpunkt, verbunden mit der endg&uuml;ltigen Einbu&szlig;e staatlicher Souver&auml;nit&auml;t.    Der Kampf gegen Rom ist zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht f&uuml;r alle Juden beendet: Gut 1<FONT SIZE=2>000 <\/FONT>Freiheitsk&auml;mpfer verschanzen sich mehrere Jahre auf <I>Mezada<\/I> (Massada), einer schwer einnehmbaren Bergfestung am Toten Meer. Bedroht durch eine bevorstehende Einnahme, ziehen die j&uuml;dischen Widerst&auml;ndler den gemeinsamen Selbstmord der Kapitulation vor. Aufgrund seiner historischen Bedeutung vereidigt der Staat Israel heute seine Rekruten auf <I>Mezada<\/I>. Zu einem letztmaligen Aufstand der Juden gegen Rom kommt es im Jahr 132 n.d.Z. Nach seiner Zerschlagung kommt es zum Ausbau <I>Jeruschalajims<\/I> als r&ouml;mische Stadt Aelia Capitolina, benannt nach Kaiser Aelius Adrianus und dem Schutzgott Roms. F&uuml;r lange Zeit ist den Juden das Betreten der Stadt nur am 9. <I>Aw<\/I>, dem Trauertag f&uuml;r die Tempelzerst&ouml;rung, gestattet.    Die Trauer um den Tempel, gemischt mit der Sehnsucht nach dem Land Israel wird zum Bestandteil j&uuml;dischen Denkens und F&uuml;hlens. Trotz ihrer Zerstreuung in alle Himmelsrichtungen bleiben die Juden aufgrund des Glaubens an den einen Gott, ihrer gemeinsamen Geschichte und Herkunft, sowie der Hoffnung auf R&uuml;ckkehr in die einstige Heimat <I>ein<\/I> Volk. Parallel zu den gravierenden historischen Ver&auml;nderungen kristallisiert sich innerhalb des j&uuml;dischen Gelehrtenstands ein Bestreben heraus, Lehre und Leben des Volkes Israel durch die Zusammenstellung eines umfangreichen Schriftwerks zu sichern: Der <I>Talmud<\/I> nimmt Gestalt an.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um etwas &uuml;ber die Entstehung des j&uuml;dischen Volkes und seiner Religion zu erfahren, ist ein Blick in die Tora (hebr., Lehre; griech. Pentateuch) lohnenswert. Sie kann als Gr&uuml;ndungsdokument des Judentums verstanden werden. Laut j&uuml;discher &Uuml;berlieferung wurde die Tora von Mosche (Mose) in hebr&auml;ischer Sprache niedergeschrieben. Da sie aus f&uuml;nf B&uuml;chern besteht, wird sie auch die F&uuml;nf B&uuml;cher Mose genannt. Die Namen der f&uuml;nf B&uuml;cher sind Bereschit (Genesis), Schmot (Exodus), WaJikra (Levitikus), BeMidbar (Numeri) und Dwarim (Deuteronomium).<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[44,21],"tags":[],"class_list":["post-222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-themen","category-torah"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=222"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":228,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions\/228"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}