{"id":2529,"date":"2017-10-02T11:21:20","date_gmt":"2017-10-02T09:21:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=2529"},"modified":"2024-12-16T22:55:57","modified_gmt":"2024-12-16T20:55:57","slug":"uschpisin-gaeste-in-der-sukkah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/uschpisin-gaeste-in-der-sukkah\/","title":{"rendered":"Uschpisin &#8211; G\u00e4ste in der Sukkah"},"content":{"rendered":"\n<p>An jedem Tag von Sukkot laden wir im Idealfall zwei Gruppen von G\u00e4sten in die Sukkah ein.<br>In der ersten Gruppe w\u00e4ren die \u00bbechten\u00ab G\u00e4ste, von denen wir wollen, dass sie sich wohlf\u00fchlen und den Feiertag mit uns teilen. Denn, so h\u00e4lt Maimonides, der Rambam (1135\u20131204), in seinen <em>Hilchot Schewitat Jom Tow <\/em>(6,18) fest, man soll sich an den Feiertagen so verhalten, wie es im 5. Buch Moses (16,14) geboten wird: \u00bb\u2026 und du sollst dich an deinem Fest erfreuen \u2013 du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht und deine Magd, der Levit, der Fremde und die Waise und die Witwe, die in deinen Toren sind\u00ab. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/leben-und-werk-des-mosche-ben-maimon-maimonides\/\">Maimonides<\/a> schreibt dazu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbWenn jemand isst und trinkt, dann muss er auch dem Fremden, der Witwe und anderen ungl\u00fccklichen Armen zu essen geben. Aber jemand, der die T\u00fcren seines Vorhofs abschlie\u00dft und mit seinen Kindern und seiner Frau isst, aber die Armen nicht s\u00e4ttigt und ihnen zu trinken gibt, der hat keine Freude an der Mizwa, sondern eine Freude f\u00fcr seinen Bauch.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ganz konkret bedeutet das also, dass man Bed\u00fcrftige an seiner Freude teilhaben lassen sollte. Im Talmud (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/talmud-uebersetzung\/schabbat\/schabbat-kapitel-18\/#blatt-127a\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Schabbat 127a<\/a>) hei\u00dft es, dass es ein gr\u00f6\u00dferer Verdienst ist, G\u00e4ste zu empfangen als die <em>Schechinah<\/em>, die Gegenwart G-ttes.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es neben den \u00bbechten\u00ab, die man anfassen kann, noch eine andere Gruppe von G\u00e4sten. Wir nennen sie \u00bbUschpisin\u00ab. Das Wort kommt aus dem Aram\u00e4ischen und bedeutet \u00bbG\u00e4ste\u00ab. Gemeint sind damit traditionell die Vorv\u00e4ter Awraham, Jitzchak, Jakow, Mosche, Aharon, Josef und David. Alle werden an jedem der sieben Sukkot-Abende eingeladen, aber jeweils einer f\u00fchrt die Gruppe an. Am ersten Abend l\u00e4dt man also Awraham ein, der alle anderen anf\u00fchrt. Am zweiten Abend Jitzchak und so weiter. Die Reihenfolge der G\u00e4ste variiert je nach Tradition. Im Siddur, dem Gebetbuch, gibt es f\u00fcr jeden Abend eine Einladung f\u00fcr einen anderen Vater:<\/p>\n\n\n\n<p>Die (aschkenasische) Reihenfolge lautet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Awraham<\/li>\n\n\n\n<li>Jitzchak<\/li>\n\n\n\n<li>Ja&#8217;akow<\/li>\n\n\n\n<li>Josef<\/li>\n\n\n\n<li>Mosche<\/li>\n\n\n\n<li>Aharon<\/li>\n\n\n\n<li>David<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>An allen Abenden spricht man:<\/p>\n\n\n\n<p>\u05d0\u05b2\u05d6\u05b7\u05de\u05b4\u05d9\u05df \u05dc\u05b4\u05e1\u05b0\u05e2\u05d5\u05bc\u05d3\u05b8\u05ea\u05b4\u05d9 \u05d0\u05d5\u05bc\u05e9\u05c1\u05b0\u05e4\u05bc\u05b4\u05d9\u05d6\u05b4\u05d9\u05df \u05e2\u05b4\u05d9\u05dc\u05b8\u05d0\u05b4\u05d9\u05df \u05d0\u05b7\u05d1\u05b0\u05e8\u05b8\u05d4\u05b8\u05dd \u05d9\u05b4\u05e6\u05b0\u05d7\u05b8\u05e7 \u05d9\u05b7\u05e2\u05b2\u05e7\u05b9\u05d1 \u05d9\u05d5\u05b9\u05e1\u05b5\u05e3 \u05de\u05b9\u05e9\u05c1\u05b6\u05d4 \u05d0\u05b7\u05d4\u05b2\u05e8\u05b9\u05df \u05d5\u05b0\u05d3\u05bc\u05b8\u05d5\u05b4\u05d3:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich bin geehrt, in meiner Sukkah die folgenden besonderen G\u00e4ste zu begr\u00fc\u00dfen: Awraham, Jitzchak, Ja&#8217;akow, Josef, Mosche, Aharaon und Dawid.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>und l\u00e4dt dann am ersten Abend Awraham <em>besonders<\/em> ein:<\/p>\n\n\n\n<p>\u05d1\u05bc\u05b0\u05de\u05b8\u05d8\u05b5\u05d9 \u05de\u05b4\u05d9\u05e0\u05b8\u05da\u05b0 \u05d0\u05b7\u05d1\u05b0\u05e8\u05b8\u05d4\u05b8\u05dd \u05d0\u05d5\u05bc\u05e9\u05c1\u05b0\u05e4\u05bc\u05b4\u05d9\u05d6\u05b4\u05d9 \u05e2\u05b4\u05d9\u05dc\u05b8\u05d0\u05b4\u05d9 \u05d3\u05b0\u05d9\u05b7\u05ea\u05b0\u05d1\u05b5\u05d9 \u05e2\u05b4\u05de\u05bc\u05b4\u05d9 \u05d5\u05b0\u05e2\u05b4\u05de\u05bc\u05b8\u05da\u05b0 \u05db\u05bc\u05b8\u05dc \u05d0\u05d5\u05bc\u05e9\u05c1\u05b0\u05e4\u05bc\u05b4\u05d9\u05d6\u05b5\u05d9 \u05e2\u05b4\u05d9\u05dc\u05b8\u05d0\u05b4\u05d9 \u05d9\u05b4\u05e6\u05b0\u05d7\u05b8\u05e7 \u05d9\u05b7\u05e2\u05b2\u05e7\u05b9\u05d1 \u05d9\u05d5\u05b9\u05e1\u05b5\u05e3 \u05de\u05b9\u05e9\u05c1\u05b6\u05d4 \u05d0\u05b7\u05d4\u05b2\u05e8\u05b9\u05df \u05d5\u05b0\u05d3\u05bc\u05b8\u05d5\u05b4\u05d3:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Ich lade die geehrten G\u00e4ste zu meinem Festessen ein. Heute ehre ich besonders Awraham, zusammen mit Jitzchak, Ja&#8217;akow, Josef, Mosche, Aharon und Dawid<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>am zweiten Abend l\u00e4dt man dann Jitzchak gemeinsam mit Awraham, Ja&#8217;akow und so weiter ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ursprung dieser Einladung, die heute vielfach als Erinnerung an die Wichtigkeit \u00bbechter\u00ab G\u00e4ste verstanden wird, liegt in den mystischen Str\u00f6mungen des Judentums. Hier entsprechen die sieben G\u00e4ste den sieben <em>Sefirot<\/em>, den Aspekten von G-ttes Wesen, von denen es insgesamt zehn gibt. Im Sohar, dem Hauptwerk der Kabbala, wird die Einladung der Uschpizin eingef\u00fchrt. Wir lesen dort:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbRabbi Abba sprach: Es hei\u00dft doch \u203aDu sollst sieben Tage in der Sukka sitzen\u2039, und dann \u203aSie sollen sitzen\u2039. Am Anfang sollst du sitzen und dann sie? Das Erste bezieht sich auf die Uschpisin und das Zweite auf die Menschen dieser Welt. Wenn Rabbi Hemnuna der \u00c4ltere die Sukka betrat, erfreute er sich, stand am Eingang und sprach: \u203aLasst uns die Uschpisin einladen\u2039\u00ab (Emor 103b-104a).<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter schreibt Rabbiner Issachar ben Pethahiah ben Mosche Baer (der zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Kremnitz bei Bratislava lebte) in einem mystischen Werk namens<em> Jesch Sachar<\/em> (Prag 1609):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u00bbBeim Betreten der Sukka musst du die g-ttlichen Heiligen zu dir einladen, denn sie sind deine Herrlichkeit. Sie kommen in geistiger Form, um sich dir von allen Seiten anzuschlie\u00dfen\u00ab (39b).<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Uschpisin &#8211; den Brauch die Vorv\u00e4ter Awraham, Jitzchak, Jakow, Mosche, Aharon, Josef und David in die Sukkah einzuladen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2538,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[46],"tags":[126,235],"class_list":["post-2529","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sukkot","tag-sukkot","tag-uschpisin"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/sukkot_titel.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2529"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2529\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10098,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2529\/revisions\/10098"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}