{"id":2570,"date":"2017-12-10T18:59:59","date_gmt":"2017-12-10T16:59:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=2570"},"modified":"2018-03-12T12:26:41","modified_gmt":"2018-03-12T10:26:41","slug":"schnee-und-judentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/schnee-und-judentum\/","title":{"rendered":"Schnee und Judentum"},"content":{"rendered":"<p>Schnee ist f\u00fcr Kinder faszinierend, f\u00fcr Pendler meist extrem \u00e4rgerlich, f\u00fcr Wintersportler eine traumhafte Kulisse. Sollte das Judentum auch irgendeine Haltung zum Schnee haben? <!--more--><\/p>\n<p>Auch in Tanach und Talmud begegnet uns der Stoff, aus dem man hierzulande h\u00e4ufig Schneem\u00e4nner oder Schneeb\u00e4lle baut. Er begegnet uns als Material, das \u00bbwei\u00df\u00ab ist, was ja naheliegend ist.<br \/>\nSo befiehlt G-tt dem Mosche (2. Buch Mose 4,6) bei seiner Begegnung am Dornbusch, er solle seine Hand ins Gewand stecken.<br \/>\nAls Mosche sie wieder herauszieht, \u00bbwar sie voller Aussatz, wei\u00df wie Schnee\u00ab, und in den Tehillim, den Psalmen (147,16), wird gesagt, G\u2019tt g\u00e4be \u00bbSchnee wie Wolle\u00ab. <\/p>\n<p>Legend\u00e4r ist auch die Geschichte von Hillel, der sich als Sch\u00fcler den Eintritt ins Lehrhaus nicht leisten konnte und dem Unterricht vom Dach aus folgte \u2013 und dort eingeschneit wurde.<\/p>\n<p>Doch Schnee liegt nicht nur herum und sieht sehr, sehr wei\u00df aus, sondern er ver\u00e4ndert die Umwelt in einer Art und Weise, die aus <em>halachischer<\/em> &#8211; also religionsgesetzlicher &#8211; Sicht nicht uninteressant ist: Wer sich im Schnee bewegt, hinterl\u00e4sst Spuren. Das klingt unspektakul\u00e4r, k\u00f6nnte aber am Schabbat eine Rolle spielen.<\/p>\n<p>Darf man am Schabbat seine Fu\u00dfabdr\u00fccke in den Schnee dr\u00fccken? Den Rabbiner von Chelm hat man getragen, damit er im Schnee keine Fu\u00dfspuren hinterl\u00e4sst und sich dieser Frage nicht stellen muss. <\/p>\n<p>In der Realit\u00e4t jedoch ist das Laufen auf Schnee, auch wenn man dabei Fu\u00dfspuren hinterl\u00e4sst, am Schabbat nicht verboten. Sogar dann, wenn auf den Schuhsohlen etwas geschrieben steht und dieser Text sich im Schnee einpr\u00e4gt. Damit haben sich schon der Schulchan Aruch ((320,13)) und die Mischna Brura besch\u00e4ftigt. <\/p>\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich, wenn es ums Anfassen, Bewegen oder Aufheben von Schnee geht. Rabbiner Mosche Feinstein (1895\u20131986) hat in seiner Responsensammlung <em>Igrot Mosche<\/em> ((Orach Chajim 5,22)) einen Unterschied gemacht zwischen Schnee, der bereits liegt, und Schnee, der erst am Schabbat gefallen ist. Dieser d\u00fcrfe am Schabbat nicht bewegt werden. Diesen Unterschied wiederum kennt Rabbiner Jisrael Meir Kagan (1838\u20131933) in seiner Mischna Brura nicht ((338,30)). Dem Umgang mit diesem Schabbes-Schnee st\u00fcnde also nichts im Wege. Lediglich das absichtliche Verwandeln von Schnee in Wasser sei keine T\u00e4tigkeit, die man am Schabbat unternehmen d\u00fcrfe, so hei\u00dft es jedenfalls im Schulchan Aruch ((320,9)).<\/p>\n<p>Wir sehen, f\u00fcr viele T\u00e4tigkeiten, die mit Schnee zu tun haben und am Schabbat stattfinden, gibt es vollkommen verschiedene Sichtweisen. So verbieten einige rabbinische Entscheider das Formen von Schneeb\u00e4llen, andere, wie Rabbiner Mosche Stern (1914\u20131997), erlauben es ((Be\u2019er Mosche 6,30)). Rabbiner Schlomoh Auerbach (1910\u20131995) ist zwar dagegen, er ist sich aber einig mit Rabbiner Stern, wenn es um einen Schneemann am Schabbat geht: Egal wo und aus welchem Schnee d\u00fcrfte dieser nicht gebaut werden. Denn er besteht aus mehreren Bestandteilen, die zusammengebaut werden m\u00fcssen. Dieses sei \u00bbbauen\u00ab, und das ist am Schabbat nat\u00fcrlich nicht erlaubt.<\/p>\n<p>Der Halachah ist nichts fremd, wie wir jetzt sehen werden &#8211; denn was ist mit der Herstellung von <em>gelbem Schnee<\/em>? Sie wissen schon.<br \/>\nIst ebenfalls erlaubt, wenn es keinerlei andere Optionen gibt und es wirklich sehr sehr eilig ist. Das sagt jedenfalls der Schulchan Aruch ((Orach Chajim 320,14)).<\/p>\n<p>Vielleicht ist der Schabbat der einzige Tag der Woche, an dem wir den Schnee genie\u00dfen k\u00f6nnen. An allen anderen Tagen hindert er uns eher daran, den engen Tagesplan einzuhalten.<\/p>\n<h2>Literaturhinweis<\/h2>\n<p>Die umfangreichste Sammlung von Halachot zum Thema Schnee stammt von J. Meiselmann:<\/p>\n<ul>\n<li>J. Meiselman, <em>Ha-Noten Scheleg<\/em>, Be-Injanei ha-Scheleg weha-Kerach be-Halacha, Holon, 2001<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schnee ist f\u00fcr Kinder faszinierend, f\u00fcr Pendler meist extrem \u00e4rgerlich, f\u00fcr Wintersportler eine traumhafte Kulisse. 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