{"id":28,"date":"2013-09-15T23:51:50","date_gmt":"2013-09-15T21:51:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=28"},"modified":"2025-11-06T17:18:28","modified_gmt":"2025-11-06T15:18:28","slug":"rosch-chodesch-neumond-und-monatsbeginn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/rosch-chodesch-neumond-und-monatsbeginn\/","title":{"rendered":"Rosch Chodesch &#8211; Neumond und Monatsbeginn"},"content":{"rendered":"\n<p>Am vierten Sch\u00f6pfungstag schuf Gott die Gestirne, aufda\u00df sie trennen sollen zwischen Tag und Nacht und zu Zeichen seien f\u00fcr Zeiten, Tage und Jahre. Indem wir die Zeit in gleiche, wiederkehrende Zeitabschnitte einteilen, wird sie f\u00fcr uns erfahrbar, &#8211; eine wichtige Grundlage f\u00fcr die bewusste Gestaltung unseres Lebens. Seit Jahrtausenden dienen uns hierf\u00fcr die Gestirne:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/kidlevu_01.gif?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"157\" height=\"160\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/kidlevu_01.gif?resize=157%2C160&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-31\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kiddusch Levanah in einem mittelalterlichen Minhag-Buch<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die <strong>Sonne<\/strong> in ihrer Stellung zu den Fixsternen zur Festlegung des Fr\u00fchlingszeitpunktes und somit des Jahresbeginnes gem\u00e4\u00df der Thorah; der <strong>Mond <\/strong>in seinem st\u00e4ndigen Werden und Vergehen zur Festlegung der Monate, die das Jahr unterteilen. <\/p>\n\n\n\n<p>Indem die Gestirne einander am Himmel abl\u00f6sen, geben sie uns den Tag- und Nacht-Rhythmus mit Stunden, Minuten, Sekunden einerseits und Wochen andererseits, der unser ganzes Leben bestimmt. Auch wenn wir wissen, dass die Mondmonate, die von Neumond zu Neumond dauern, k\u00fcrzer sind als die Sonnenmonate, die eine abstrakte Unterteilung des Jahres in 12 ann\u00e4hernd gleiche Teile darstellen, so sind uns die Mondmonate doch unmittelbarer erfahrbar und bilden im Judentum die Grundlage der Zeiteinteilung. Da von der genauen Bestimmung des Monatsbeginns auch die korrekte Festlegung der Festtage im Jahr abh\u00e4ngt, war die Bestimmung des Monatsanfangs (<em>Rosch ha Chodesch<\/em>) eine wichtige Aufgabe des \u00c4ltestenrats, des Sanhedrin (<em>Synhedrion<\/em>), im Alten Israel, der sich auf die Aussagen zweier Zeugen berief, die unabh\u00e4ngig voneinander den neuen Mond wahrgenommen hatten. Alsdann wurde die Heiligung des neuen Monats (<em>Qiddusch ha Chodesch<\/em>) verk\u00fcndet, die mit den hierf\u00fcr vorgesehenen Opfern und besonderen Ges\u00e4ngen im Tempel erfolgte. Von Hillel II (ha Nassi) wurde im Jahr 344 dZ. die direkte Bestimmung des Monatsanfangs ersetzt durch ein kompliziertes, jedoch sehr genaues Berechnungssystem, das den L\u00e4ngenunterschied des Mondjahres gegen\u00fcber dem Sonnenjahr ausgleicht, indem in einem 19 Jahre dauernden Zyklus zwischen 12 normale Jahre 7 Schaltjahre mit einem jeweils 15. Mondmonat eingef\u00fcgt werden, womit das Thorahgebot erf\u00fcllt werden kann Pessach immer in der Nacht des Fr\u00fchlingsvollmondes zu feiern. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Feier des Monatsanfangs geh\u00f6rt zu den 8 Festtagen, die uns mit der Thorah gegeben wurden, und war zur Zeit des Tempels ein arbeitsfreier Tag mit eigener Opferordnung. In nachbiblischer Zeit wurde zwar das Arbeitsverbot aufgehoben, so dass Rosch ha Chodesch heutzutage ein sogenannter Halbfeiertag ist, der festliche, einerseits besinnliche, andererseits freudige Charakter des Festtags blieb aber bis heute erhalten und wird durch die Besonderheiten der Liturgie betont. Im Zusammenhang mit der Monderneuerung unterscheiden wir vier liturgische Einheiten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Vorank\u00fcndigung und Segnung des neuen Monats (<em>Birkath haChodesch<\/em>)<\/li>\n\n\n\n<li><em><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/jom-kippur-katan\/\" data-type=\"post\" data-id=\"328\">Yom Kippur Qatan<\/a><\/em> am Vortag des Monatsbeginns<\/li>\n\n\n\n<li>Die Verk\u00fcndung und Feier des Monatsbeginns (<em>Qiddusch haChodesch<\/em>)<\/li>\n\n\n\n<li>Die Segnung des neuen Mondes (<em>Birkath haLevanah<\/em>)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Vorank\u00fcndigung eines in der n\u00e4chsten Woche liegenden Monatsbeginns erfolgt im vorangehenden Schabbath-Morgengottesdienst, nach der Thorahlesung, in Verbindung mit einem inst\u00e4ndigen Bittgebet, da\u00df Gott uns den kommenden Monat zum Guten und zum Segen erneuere, uns erl\u00f6se und uns aus der Verbannung wieder zur\u00fcckhole (<em>Birkath ha Chodesch<\/em>). Wie der Mond aus dem scheinbaren Nichts entsteht und zur vollen Sch\u00f6nheit w\u00e4chst um hernach wieder zum scheinbaren Nichts zu vergehen und dies immer wieder und wieder, so erlebte und erlebt Israel sich selbst in seiner Geschichte, eingebunden in ein immerwiederkehrendes Werden und Vergehen. Dies ist der Grund f\u00fcr die tiefe innere Beziehung, die Israel zum Mond hat\u00ab Aber wie jedes Vergehen mit Bangigkeit, Selbstpr\u00fcfung, Reue und Bu\u00dfe verbunden ist, so ruft jedes Neuerstehen Erleichterung und Jubel hervor. Diese beiden Komponenten sind auch mit <em>Rosch ha Chodesch<\/em> verbunden\u00bb So b\u00fcrgerte sich gegen Ende des 16. Jh. dZ. in vielen Gemeinden der Brauch ein, den Tag vor dem neuen Monatsanfang als <em>Yom Kippur Qatan<\/em>, als kleinen Vers\u00f6hnungstag, zu begehen, indem man fastet und in das Nachmittagsgebet eine bestimmte Ordnung von Bu\u00dfgebeten einf\u00fcgt, die der Liturgie des <em>Yom Kippur<\/em> entnommen sind, Die Weihe des neuen Monats am Neumondstag ist dagegen ein frohes Fest. Nach dem Achtzehnbittengebet im Morgengottesdienst wird das (um einige Psalmen gek\u00fcrzte) Hallel-Gebet gesagt, in dem es unter anderem hei\u00dft: \u00bbDiesen Tag hat der Ewige geschaffen; jubeln wir und freuen wir uns an ihm\u00ab In diesem Sinn werden auch alle Trauerbr\u00e4uche unterlassen, und es wird auch nicht gefastet. In das Achtzehnbittengebet des Morgengottesdienstes und in das Tischgebet wird als besondere Bitte ein Gebet eingef\u00fcgt, welches mit den Worten beginnt \u00bbUnser Gott und Gott unserer V\u00e4ter. Es steige empor \u2026 unser Gedenken \u2026vor Dir\u00ab, und das mit inst\u00e4ndiger Bitte um Erbarmen und Errettung endet. <\/p>\n\n\n\n<p>Da an Rosch ha Chodesch gearbeitet werden darf, werden zur Thorahlesung nur vier M\u00e4nner aufgerufen; auf die gesonderte Lesung des Maftir-Abschnitts und auf die Haftarah wird verzichtet. F\u00e4llt Rosch ha Chodesch dagegen auf einen <em>Schabbath<\/em> wird an diesem Tag nach der Lesung des Maftir-Abschnitts eine f\u00fcr den Neumondschabbath eigene <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/das-buch-der-haftarot-eine-deutsche-uebersetzung\/haftarah-am-schabbat-rosch-chodesch\/\" data-type=\"page\" data-id=\"2983\">Haftarah<\/a> vorgetragen (Jes. 66,1-24), in der es hei\u00dft \u00bbEs m\u00f6gen alle mit ihr (das ist Jerusalem) jubeln, die um sie trauerten!\u00ab \u2026 \u00bbUnd von Neumond zu Neumond, von Schabbath zu Schabbath wird kommen alles Fleisch um sich vor Mir zu verneigen,\u00ab <\/p>\n\n\n\n<p>Wie an anderen Feiertagen der Thorah trat das <em>Mussafgebet<\/em> an Rosch ha Chodesch an die Stelle des im Tempel einst durchgef\u00fchrten Zusatzopfers. Da an diesem Tag der Freude und der Hoffnung von N\u00f6ten und W\u00fcnschen des Alltags nicht gesprochen werden soll, wird im Mussafgebet anstelle des Achtzehnbittengebets ein Siebenbittengebet gesprochen, dessen Mittelteil einerseits den Neumondstag als &#8222;Zeit der S\u00fchne&#8220; anspricht, andererseits aber auch die Hoffnung Israels auf Erneuerung des Heiligtums als Zeichen neuen Heils und der Erl\u00f6sung zum Ausdruck bringt. Zum Ende des Gottesdienstes wird anstelle des Tagespsalms der Psalm 104 gesungen, in dessen 19. Vers es hei\u00dft: \u00bbDu hast den Mond gemacht als Ma\u00df f\u00fcr die Zeiten \u2026\u00ab <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine <em>Mitzwah<\/em>, eine heilige Verpflichtung, an diesem Tag die Mahlzeiten etwas \u00fcppiger und festlicher zu gestalten als an gew\u00f6hnlichen Tagen. Da der Neumond nicht immer genau auf einen Tag f\u00e4llt, gibt es Monate, an denen Rosch haChodesch 1 Tag, andere, an denen er 2 Tage lang dauert, wobei f\u00fcr die Monatsz\u00e4hlung der 2. Tag Rosch haChodesch als erster Tag des Monats gez\u00e4hlt wird. Es ergeben sich so ann\u00e4hernd abwechselnd \u00bbvolle\u00ab Monate mit 30 Tagen und \u00bbunvollst\u00e4ndige\u00ab mit nur 29 Tagen L\u00e4nge. (Bis auf Purim liegen alle \u00bbgro\u00dfen\u00ab Feste in den vollen Monaten.)<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der neue Monat nun begonnen hat, erwartet man in den ersten Tagen das Sichtbarwerden der zunehmenden Mondsichel. Man geht nach Einbruch der Dunkelheit ans Fenster oder hinaus und spricht, wenn man den neuen Mond erblickt, einen Segen \u00fcber ihn, <em>Birkath haLevanah<\/em>. In diesem Segen wird Gott gepriesen, der den Himmel und die Gestirne erschaffen hat und ihnen f\u00fcr alle Ewigkeiten ihre Zeiten und gesetzm\u00e4\u00dfigen Bahnen zugewiesen hat. Dem Mond gab er die Gabe sich zu erneuern. Es sei uns ein herrliches Zeichen in den Tagen, die kommen werden, gleich ihm uns zu erneuern und unseren Sch\u00f6pfer zu verherrlichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber Rosch Chodesch, den Neumond und den Beginn des j\u00fcdischen Monats.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-28","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rosch-chodesch"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/kidlevu_01.gif?fit=157%2C160&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=28"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10387,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/28\/revisions\/10387"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=28"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=28"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=28"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}