{"id":286,"date":"2013-11-29T10:00:01","date_gmt":"2013-11-29T08:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=286"},"modified":"2025-11-06T17:23:39","modified_gmt":"2025-11-06T15:23:39","slug":"pessach-das-fest-des-neuen-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pessach-das-fest-des-neuen-menschen\/","title":{"rendered":"Pessach &#8211; das Fest des neuen Menschen"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDenn sieh, der Winter ist vergangen,<br>der Regen hat aufgeh\u00f6rt, ist vor\u00fcber,<br>Blumen zeigen sich am Boden,<br>die Zeit des Singens ist gekommen,<br>der Ruf der Turteltaube ert\u00f6nt in unserm Lande.&#8220;<br> ,,So steh auf meine Freundin,<br> meine Sch\u00f6ne, und komm!&#8220;<br> ,,La\u00df mich sehen deine Gestalt,<br> la\u00df mich h\u00f6ren deine Stimme!<br> Denn s\u00fc\u00df ist deine Stimme<br> und deine Gestalt sch\u00f6n.&#8220;<br> ,,Wohin ging dein Liebster,<br> Sch\u00f6nste unter den Frauen?<br> Wohin wandte dein Liebster sich,<br> da\u00df wir mit dir ihn suchen?&#8220;<br> ,,Ich geh\u00f6re meinem Liebsten,<br> und mein Liebster geh\u00f6rt mir,<br> der in den Lilien weidet.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mit diesen Worten dr\u00fcckt das Hohe Lied Schlomohs (Salomos), das Lied der Lieder, das wir an Pessach lesen, das ganze Pessach- Geschehen aus:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren damals noch eine unbedeutende, gestaltlose Menschenmasse, ohne Bewu\u00dftsein. Wir waren arm, waren Fremde in der Fremde. Man hatte uns zur unerw\u00fcnschten Person erkl\u00e4rt, hatte uns erniedrigt und zu rechtlosen Sklaven gemacht und war dabei, uns systematisch auszurotten. Unser einziges Verm\u00f6gen war das Verdienst unserer Urv\u00e4ter und Urm\u00fctter, das wir als Verm\u00e4chtnis in uns bewahrt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da holte uns G\u2019tt aus den Orten der Vernichtung heraus, gegen den Willen unserer Peiniger, mit gro\u00dfen Zeichen und starker Macht. In der Nacht, als Er sie schlug, errettete er uns zum Leben. In Eile zogen wir aus, nahmen mit, was jene uns zu geben vermochten, lie\u00dfen das Land unseres Auszugs verarmt zur\u00fcck. Durch die Wasser des Meeres f\u00fchrte Er uns hindurch, da waren wir zu freien Menschen geworden, &#8211; vor unseren Augen versank in den Fluten unser altes Dasein. Wir waren noch ungeformt und urspr\u00fcnglich; der Teig, von dem wir uns ern\u00e4hrten, war noch nicht zu Sauerteig geworden. Wir hatten noch kein Verst\u00e4ndnis, keine Weitsicht, waren furchtsam, kleinm\u00fctig, schwach. Aber wir waren bereit Ihm zu folgen, der uns gerufen hatte. Der uns liebt und in Treue auf uns wartet bis wir im Stande sind, als Seine Partnerin vor Ihm zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nie sollen wir vergessen, wer wir waren und woher wir kamen und wer uns zu dem gemacht hat, was wir sind<\/p>\n\n\n\n<p>Immer aufs Neue sollen wir es nacherleben, alle Tage unseres Lebens, und unseren Kindern davon berichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir reinigen unser Haus und uns selber, entfernen alles, was uns zur Gewohnheit und bequem geworden ist und uns an unseren bisherigen Zustand bindet, das Ges\u00e4uerte. Wir l\u00e4utern uns im lebenden Wasser des Tauchbads (<em><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/was-ist-eine-mikwe\/\" data-type=\"post\" data-id=\"5953\">Miqweh<\/a><\/em>) und kleiden uns in neue wei\u00dfe Gew\u00e4nder. Und zu Beginn der Fr\u00fchlingsvollmond-Nacht, in der Nacht zum 15. Nissan, finden wir uns zusammen, bereit zum Aufbruch, wie die Thorah es uns auftr\u00e4gt: ,,geg\u00fcrtet, mit den Wanderschuhen an den F\u00fc\u00dfen und dem Wanderstab in der Hand&#8220; dieses Gef\u00fchl sollte uns an diesem Abend erf\u00fcllen!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/mazzot_mantua_1560.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"612\" height=\"225\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/mazzot_mantua_1560.png?resize=612%2C225&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-672\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/mazzot_mantua_1560.png?w=612&amp;ssl=1 612w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/mazzot_mantua_1560.png?resize=300%2C110&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 612px) 100vw, 612px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Backen von Mazzot &#8211; aus der Pessach-Haggadah von Mantua (1560)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Wir setzen uns zusammen um nachzuvollziehen, was G\u2019tt an uns vollbracht hat. Auf einem Teller liegen die Zeichen der Sklaverei Das Salzwasser unserer Tr\u00e4nen, der bei\u00dfend-scharfe Meerrettich f\u00fcr die erlebte Bitternis (Maror), die herbe Frucht der Erde (Karpas), zu der wir herabgedr\u00fcckt waren, der lehmfarbene, weingetr\u00e4nkte Nussbrei (<em>Charosseth<\/em>) f\u00fcr die Ziegel, die wir herzu-stellen gezwungen worden waren. Daneben liegen auf dem Teller die Zeichen der Errettung zu neuem Leben: Das Kn\u00f6chlein des Lammes, durch dessen Opferung wir in der Todesnacht ausgel\u00f6st wurden, und das Ei, das Zeichen des ewigen Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Tasche liegen \u00fcbereinander drei unges\u00e4uerte Brote (<em>Mazzoth<\/em>), die den dreigliedrigen Leib ganz Israels (<em>Kohen<\/em>, <em>Lewi<\/em>, <em>Israel<\/em>) verk\u00f6rpern. Dazu geh\u00f6rt der Wein f\u00fcr den Kelch des Heiles, von dem wir in dieser Nacht vier mal trinken, ein Sinnbild f\u00fcr die stufenweise Errettung Israels. Ein besonderer Weinkelch steht bereit f\u00fcr den Propheten <em>Eliyahu<\/em> (Elias), den Vorboten des Maschiach (Messias), den wir in der Hoffnung auf die endg\u00fcltige Erl\u00f6sung in dieser Nacht einladen. Wir sitzen bequem angelehnt, wie nur Freie es k\u00f6nnen. Nach Entz\u00fcnden der Lichter und Heiligung der Versammlung (<em>Kiddusch<\/em>) versetzen wir uns zun\u00e4chst noch einmal zur\u00fcck in den Zustand des Sklaventums und laden alle, die mitkommen wollen, ein mit uns zu kommen auf den Weg in die Freiheit. Danach fragt das j\u00fcngste der anwesenden Kinder, was diese Nacht denn von allen anderen N\u00e4chten unterscheidet. Die Antwort darauf beginnt mit den Werten, die f\u00fcr all das bisher gesagte stehen: \u201eSklaven waren wir einst dem Pharao in \u00c4gypten, da f\u00fchrte uns der Ewige, unser G\u2019tt, von dort heraus mit starker Hand und aus-gestrecktem Arm.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Wir erz\u00e4hlen die Befreiungsgeschichte so, dass sowohl das kleine Kind als auch der Gelehrte die Errettung nacherleben k\u00f6nnen. Zugleich essen wir in festgelegter Ordnung (Seder) die genannten Speisen, um so den Weg auch k\u00f6rperlich zu erleben. Danach folgt die Festmahlzeit, die mit dem Tischgebet und Lobpreisungen abgeschlossen wird. Sieben Tage lang feiern wir die Errettung und erleben unser neues Dasein indem wir nichts Ges\u00e4uertes essen. Sieben mal sieben Tage z\u00e4hlen wir vom Tag der Befreiung, &#8211; wir z\u00e4hlen diese Tage nach dem Ma\u00df Gerste (Omer), das zur Zeit des Tempels in diesen Tagen t\u00e4glich in das Heiligtum gebracht wurde bis zu dem Tag, an dem G\u2019tt uns an den Sinai f\u00fchrte, uns die Thora zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da wir uns meist eingestehen m\u00fcssen, dass wir zwar errettet, aber doch noch nicht ganz erl\u00f6st sind, so w\u00fcnschen wir uns \u00bbDas kommende Jahr in Jerusalem!\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das Pessachfest als Fest des neuen Menschen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[50],"tags":[122],"class_list":["post-286","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-pessach","tag-pessach"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=286"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10389,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286\/revisions\/10389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}