{"id":316,"date":"2013-11-29T10:56:34","date_gmt":"2013-11-29T08:56:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=316"},"modified":"2013-11-29T10:57:04","modified_gmt":"2013-11-29T08:57:04","slug":"lag-baomer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/lag-baomer\/","title":{"rendered":"Lag baOmer"},"content":{"rendered":"<p>Im Idealfall z\u00e4hlen wir seit dem zweiten Sederabend \u201eOmer&#8220;. Mit dem \u201eOmerz\u00e4hlen\u201c, werden nach dem Abendgebet 49 Tage gez\u00e4hlt, an deren Ende, am 50.Tag das Schawuot-Fest steht. Der Begriff \u201eOmer\u201c meint eigentlich ein Ma\u00df f\u00fcr Getreide, das w\u00e4hrend dieses Zeitraumes an jedem Tag zum Tempel gebracht werden sollte. <!--more--><\/p>\n<p>Mit Bestehen des Tempels war diese Zeit ein Vorbereiten auf das Schawuot-Fest, mit durchaus freudigem Charakter. Man erlebte den Auszug aus \u00c4gypten nach, das Zur\u00fccklassen der Knechtschaft und schaute nach vorn, auf die Torahgebung. Doch nach Ende des Tempels bekam diese Zeit den Charakter einer Trauerzeit. Zun\u00e4chst einmal, weil es den Tempel zu dem das t\u00e4gliche Getreideopfer h\u00e4tte gebracht werden sollen, nicht mehr existierte und weil dies eine Zeit war, in der viele Katastrophen das j\u00fcdische Volk heimgesucht hatten. Es scheint, als sei die j\u00fcdische Geschichte keine lineare Abfolge von Ereignissen, sondern als drehe sich die Geschichte fortschreitend als Spirale; so dass sich bestimmte Ereignisse in anderer Form wiederholen, die Zeit jedoch voranschreitet. So wurde w\u00e4hrend der Omerzeit der Bar-Kochba-Aufstand niedergeschlagen, w\u00e4hrend der Omerzeit starben vierundzwanzigtausend Sch\u00fcler von Rabbi Akiwa, weil sie, wie der Talmud im Traktat Jebamot berichtet \u201eeinander keine Achtung entgegenbrachten\u201c und so wurde das Judentum pl\u00f6tzlich um zahlreiche wichtige Vermittler der j\u00fcdischen Lehre gebracht. Sp\u00e4ter, zur Zeit der Kreuzz\u00fcge, war die Omerzeit eine Zeit der blutigen antij\u00fcdischen Pogrome und Massaker. Aus dieser Zeit kennen wir heute zahlreiche Klagelieder, die vor allem am Fastentag des neunten Aw gesagt werden (Tischa beAw), aber auch das aschkenasische \u201eAw Harachamim \u2013 Vater der Barmherzigkeit\u201c, das kurz nach der Torahlesung an den Schabbatot w\u00e4hrend der Omerzeit gesagt wird. In diesem bewegenden Gebet wird der Ermordeten der Kreuzz\u00fcge gedacht, heute nat\u00fcrlich auch der Ermordeten anderer Pogrome oder Massaker. Auch der Aufstand im Warschauer Ghetto f\u00e4llt in diese Zeit. In dieser Zeit der Trauer gelten die Vorschriften f\u00fcr eine solche Zeit: Man heiratet nicht oder richtet sonstige Feste aus, orthodoxe Juden rasieren sich nicht und lassen sich nicht die Haare schneiden. In eben diese Zeit der leisen, ged\u00e4mpften Atmosph\u00e4re f\u00e4llt Lag baOmer \u2013 der 33. Tag des Omerz\u00e4hlens, der in diesem Jahr auf den 16. Mai f\u00e4llt. Ein Tag au\u00dfergew\u00f6hnlicher Freude, an dem die Trauerregeln nicht gelten. F\u00fcr sefardische Juden gilt das allerdings nicht, denn sie sind schon ab dem 34. Tag von den Trauervorschriften befreit! In der sefardischen Tradition wird angenommen, dass die Seuche unter den Sch\u00fclern Akiwas nur bis zum 34.Tag der Z\u00e4hlung anhielt. Die aschkenasische Tradition dagegen nimmt an, dass die Seuche am 33. Tag aussetzte und danach weiterw\u00fctete. Aber auch hier machte die findige aschkenasische Tradition aus 49 Trauertagen 33, denn an den Feiertagen und Schabbatot gelten ja keine Trauervorschriften. So fallen der sechste Tag Pessach, Isru Chag, die zwei Tage von Rosch Chodesch Ijjar, der Tag Rosch Chodesch Siwan und sechs Schabbatot weg.<\/p>\n<p>Doch Haareschneiden allein macht Lag BaOmer nat\u00fcrlich noch nicht zu einem fr\u00f6hlichen Fest. Heute werden in Israel vielerorts Lagerfeuer angez\u00fcndet, besonders um die Ortschaft Meron herum, in der Schimon bar Jochaj, im hebr\u00e4ischen abgek\u00fcrzt mit \u201eRaschbi\u201c, lehrte und verstarb. Schimon bar Jochaj war ein Sch\u00fcler des bereits genannten Rabbi Akiwas und einer der Weisen des Talmuds. Er lebte im 2. Jahrhundert, war ein Gegner Roms und verstarb an Lag BaOmer in Meron. Lag BaOmer ist also auch die \u201eJahrzeit\u201c Schimon bar Jochajs \u2013 es wird erz\u00e4hlt, er sei direkt in den Himmel aufgestiegen. Einer talmudischen Legende (Schabbat 33b) zufolge musste Schimon bar Jochaj sich 12 Jahre in einer H\u00f6hle verstecken, wurde dort mit Wasser versorgt und lernte ausschlie\u00dflich Torah. Nach Ablauf dieser zw\u00f6lf Jahre musste er weitere 12 Monate in der H\u00f6hle verbringen. Ihm wurde auch die Autorenschaft des \u201eSohar\u201c zugeschrieben, m\u00f6glicherweise der wahre Grund f\u00fcr seine Popularit\u00e4t. Wahrscheinlicher ist aber, dass Mosche ben Schemtow de Leon, der zwischen 1250 und 1305 lebte, das Buch verfasste und es dem \u201eRaschbi\u201c zuschrieb, um ihm mehr Autorit\u00e4t zu verleihen. Dies ist eine Interpretationshilfe f\u00fcr die vielen Feuer, die angez\u00fcndet werden. denn das von ihm im \u201eSohar\u201c offenbarte himmlische Licht sei nun f\u00fcr alle seine Sch\u00fcler entz\u00fcndet. Die Tora selbst wird ja nach K\u00f6nig Schlomoh mit Licht verglichen, hei\u00dft es doch: \u201eDenn eine Leuchte ist die Mitzvah, und die Tora ein Licht\u201c Spr\u00fcche 6:23. Auf der anderen Seite erinnern die Lagerfeuer auch an die Signalfeuer der Teilnehmer des Bar-Kochba-Aufstandes die f\u00fcr ein freies Israel und den Fortbestand des Judentums k\u00e4mpften. So ist es vielleicht heute schon fast an sich Anlass genug zur Freude, dass sich J\u00fcdinnen und Juden nach all den Katastrophen in der Geschichte und speziell auch in der Omerzeit, in einem freien Israel gemeinsam an ein Lagerfeuer setzen k\u00f6nnen um in hebr\u00e4ischer Sprache dar\u00fcber zu reden und zu singen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Idealfall z\u00e4hlen wir seit dem zweiten Sederabend \u201eOmer&#8220;. Mit dem \u201eOmerz\u00e4hlen\u201c, werden nach dem Abendgebet 49 Tage gez\u00e4hlt, an deren Ende, am 50.Tag das Schawuot-Fest steht. 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