{"id":322,"date":"2023-05-16T14:48:57","date_gmt":"2023-05-16T12:48:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=322"},"modified":"2025-06-26T13:32:43","modified_gmt":"2025-06-26T11:32:43","slug":"schawuot-hochzeit-des-volkes-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/schawuot-hochzeit-des-volkes-israel\/","title":{"rendered":"Schawuot &#8211; Hochzeit des Volkes Israel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Schawuot ist nicht nur das \u00bbFest der Erstlingsfr\u00fcchte\u00ab wie es in der Torah genannt wird, sondern auch das \u00bbFest der Torah-Gebung\u00ab &#8211; <em>Mattan Torah<\/em> -, denn an Schawuot wurde die Torah von G\u2019tt durch Mosche an das Volk gegeben. Die Israeliten vollendeten nun die physische Freiheit von Pessach durch die geistige von Schawuot &#8211; die Torah wird ohne Bedingungen angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Volk erh\u00e4lt die Torah am Berg Sinai, der in Schemot Rabba \u00bbein Berg mit vielen Gipfeln\u00ab genannt wird &#8211; <em>Har gavnunim<\/em> &#8211; da das Wort <em>gavnunim<\/em> an das Wort \u00bb<em>gevina<\/em>\u00ab (K\u00e4se) erinnert, ist es Brauch geworden, an Schawuot vorwiegend Milchspeisen zu essen, andere sagen, die milchigen Speisen stehen als Symbol f\u00fcr die Torah, so wie es im Kommentar zu Schir haSchirim <em>Schir haScharim Rabah<\/em> (1.2:3) heisst : \u00bbSo rein wie die Milch ist, so wahr sind die Worte der Torah\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>An Schawuot wird \u00bb<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/tanach\/megillat-ruth\/\">Megillat Ruth<\/a>\u00ab gelesen, das Buch Ruth, in dem \u00fcber die Nichtisraelitin Ruth erz\u00e4hlt wird. Am Ende der Geschichte heiratet Ruth den Israeliten Boas. Eine Ehe aus deren Nachkommenschaft K\u00f6nig David entstammt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits wird im Buch Ruth die Geschichte von Boas und Ruth als Grundlage f\u00fcr den Stammbaum Davids erz\u00e4hlt, andererseits wird hier auf den dauerhaften Bund hingewiesen, den G\u2019tt mit Israel am Berg Sinai schlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies erkl\u00e4rt dann auch, warum das Buch Ruth an Schawuot vorgetragen wird, n\u00e4mlich wegen der Symbolik des dauerhaften Bundes, nicht nur weil das Schawuot Fest die Zeit ist, zu der die Geschichte von Ruth und Boas stattfindet, wie oft erkl\u00e4rt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nig David, der Nachfahre von Ruth und Boas, wird auch an Schawuot geboren und er ist ebenfalls an diesem Tag gestorben. Einige orthodoxe Gemeinden sprechen deshalb an Schawuot Tehillim, die Psalmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lernen in der Nacht vor Schawuot<\/h2>\n\n\n\n<p>Wieder h\u00e4ufiger begegnet man dem \u00bbTikkun Leil Schawuot\u00ab.<br>\nMan k\u00f6nnte \u00bbTikkun\u00ab von dem hebr\u00e4ischen Verb \u00bb<em>letaken<\/em>\u00ab herleiten, was \u00bbreparieren\u00ab oder \u00bbwiederherstellen\u00ab bedeutet. Dieser Begriff bezieht sich sowohl auf die Nacht vor bzw. von Schawuot, als auch auf die Textsammlung, die in der Nacht gelernt werden kann, meist bis kurz vor das Morgengebet.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine beliebte Erkl\u00e4rung f\u00fcr diesen Brauch ist ein Verweis auf den Midrasch <em>Schir HaSchirim Rabba<\/em> (1,57). Demnach wollten die Israeliten nicht unausgeschlafen am Sinai erscheinen und gingen deshalb besonders zeitig schlafen. Sie ruhten aber so gut, dass sie verschliefen und Mosche sie wecken musste.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie alt ist aber dieser Brauch? <br>Die fr\u00fcheste Erw\u00e4hnung des Brauchs finden wir im <em>Sohar<\/em> (Wajikra 23). Die Frommen w\u00fcrden in der Nacht wach bleiben und lernen, wie etwa Schimon bar Jochaj. Begr\u00fcndet wird dies damit, dass die Braut sich bereit mache, dem Br\u00e4utigam am Morgen zu begegnen \u2013 die Hochzeit des Volkes Israel.<br> Darauf jedenfalls bezieht sich Rabbiner Avraham Gombiner (1637\u20131683) in \u00bbMagen Awraham\u00ab, seinem Kommentar zum <em>Orach Chajim<\/em> des Schulchan Aruch. Gombiner kennt den Brauch und schreibt, dass es zu seiner Zeit Gelehrte gab, die in der Nacht wach blieben und Tora lernten (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/schulchan-aruch-orach-chajim-abschnitt-494-ordnung-der-gebete-an-schawuot\/\" data-type=\"post\" data-id=\"8696\">Orach Chajim 494<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Zeit sp\u00e4ter schreibt der aus Prag stammende Rabbiner Jaakow Reischer (1661\u20131733) in seinem Schulchan-Aruch-Kommentar \u00bb<em>Chok Jaakow<\/em>\u00ab, der Brauch sei nicht nur unter Gelehrten \u00fcblich, sondern die ganze Bev\u00f6lkerung pflege ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>Rabbi Jisrael Meir Kagan (1838\u20131933) bezieht sich in seiner \u00bb<em>Mischna Berura<\/em>\u00ab (ein weiterer Kommentar zum Schulchan Aruch) auf den<em> Arizal<\/em>, Rabbiner Jitzchak Luria (1534\u20131572), einen der einflussreichsten Kabbalisten aus Safed, und behauptet, es sei besonders verdienstvoll, in dieser Nacht wach zu bleiben und Tora zu lernen. Das sch\u00fctze den Lernenden in der Zeit bis zum kommenden Schawuot vor schlechten Einfl\u00fcssen (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/schulchan-aruch-orach-chajim-abschnitt-494-ordnung-der-gebete-an-schawuot\/\" data-type=\"post\" data-id=\"8696\">Orach Chajim 494,1<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann also mit Sicherheit angenommen werden, dass auch dieser Brauch, wie etwa <em>Kabbalat Schabbat<\/em>, auf die Kabbalisten von Safed zur\u00fcckgeht und von dort aus seinen Weg in die j\u00fcdischen Gemeinden Europas fand. Das erkl\u00e4rt auch, warum eine Zusammenstellung (<em>Tikkun<\/em>) der zu lernenden Texte erst recht sp\u00e4t erschien und sich nicht wirklich vollst\u00e4ndig durchgesetzt hat. Es gibt zwar Sammlungen mit der Bezeichnung \u00bb<em>Tikkun Leil Schawuot<\/em>\u00ab, die vermutlich auf den Prager Rabbiner Jeschajahu Horowitz (1565\u20131630) zur\u00fcckgehen und sp\u00e4ter mit Hinweisen versehen worden sind, sie seien besonders \u00bbauthentisch\u00ab oder stammten aus \u00e4lteren Zeiten. Sie enthalten Abschnitte aus Tanach und Talmud \u2013 eine Art Querschnitt aus den j\u00fcdischen Texten. Der bereits erw\u00e4hnte Rabbiner Jaakow Reischer schreibt aber in seinem \u00bb<em>Chok Jaakow<\/em>\u00ab (494), er finde keinen Gefallen an diesen Sammlungen, sie seien \u00bbetwas f\u00fcr Menschen, die nicht zu lernen wissen\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann sich an diesen Querschnitt halten, oder jede Gemeinde oder Gruppe entscheidet selbst, was sie lernen will und kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schawuot ist nicht nur das \u00bbFest der Erstlingsfr\u00fcchte\u00ab wie es in der Torah genannt wird, sondern auch das \u00bbFest der Torah-Gebung\u00ab &#8211; Mattan Torah -, denn an Schawuot wurde die Torah von G-tt durch Mosche an das Volk gegeben. 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