{"id":3611,"date":"2018-10-03T00:37:36","date_gmt":"2018-10-02T22:37:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=3611"},"modified":"2023-04-18T08:28:14","modified_gmt":"2023-04-18T06:28:14","slug":"sittenlehre-%d7%94%d7%9c%d7%9b%d7%95%d7%aa-%d7%93%d7%a2%d7%95%d7%aa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/sittenlehre-%d7%94%d7%9c%d7%9b%d7%95%d7%aa-%d7%93%d7%a2%d7%95%d7%aa\/","title":{"rendered":"Sittenlehre \u2014 \u05d4\u05dc\u05db\u05d5\u05ea \u05d3\u05e2\u05d5\u05ea"},"content":{"rendered":"\n<p>[Diese \u00dcbersetzung von Leon Mandelstamm habe ich nach der unzensierten jeminitischen Ausgabe (\u05de\u05e4\u05e2\u05dc \u05de\u05e9\u05e0\u05d4 \u05ea\u05d5\u05e8\u05d4) durchgesehen, einige \u00c4nderungen hinzugef\u00fcgt und die Textstellen \u00fcbersetzt, die Mandelstamm \u00fcberging. \u2014 Igor Itkin]<br><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">AUFZ\u00c4HLUNG DER GEBOTE<\/h3>\n\n\n\n<p>Sie enth\u00e4lt elf Gesetze, n\u00e4mlich f\u00fcnf Gebote und sechs Verbote, als:<br>1) Gottes Wegen nachzustreben.<br>2) An Seine Bekenner sich zu halten.<br>3) Von der N\u00e4chstenliebe.<br>4) Von der Liebe gegen Proselyten.<br>5) Vermeidung des Bruderhasses.<br>6) Von der Zurechtweisung.<br>7) Niemanden zu besch\u00e4men.<br>8) Keinen Schwachen zu unterdr\u00fccken.<br>9) Nicht zu verleumden.<br>10) Keine Rache auszu\u00fcben.<br>11) Keine Feindschaft nachzutragen.<br>Welche s\u00e4mtlich in den folgenden Kapiteln erl\u00e4utert sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ERSTES KAPITEL \u2014 Der Mittelweg und der Gottesweg<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Die Menschen haben verschiedene, zum Teil einander ganz entgegengesetzte Neigungen. Mancher ist auffahrend und h\u00f6rt nie auf zu z\u00fcrnen, ein anderer dagegen ist gelassen, ohne Empfindsamkeit und z\u00fcrnt er so w\u00e4hrt es nicht lange, was aber auch nur selten, nach einer Reihe von Jahren geschieht. Dieser wiederum ist im hohen Grade hochm\u00fctig, dagegen Jener in eben demselben Ma\u00dfe dem\u00fctig; der Eine ist woll\u00fcstig und erm\u00fcdet nicht, dem Gel\u00fcste nachzugehen, w\u00e4hrend der Andere reines Herzens ist, und ihn nicht einmal gel\u00fcstet nach dem wenigen, dem K\u00f6rper unentbehrlichen Gen\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Mancher ist voller Habsucht, welcher er nie zu gen\u00fcgen vermag, selbst mit allen Sch\u00e4tzen der Welt nicht, denn es hei\u00dft \u00bbwer Sch\u00e4tze liebt, bekommt Sch\u00e4tze nicht zur Gen\u00fcge.\u00ab (Kohelet 5:9). Mancher dagegen hat ein zufriedenes Herz, l\u00e4sst sich mit Wenigem gen\u00fcgen, und strebt nicht einmal nach der Befriedigung der notwendigen Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Eine wieder peinigt sich durch Hunger, scharrt Alles zusammen, und nur mit \u00dcberwindung entschlie\u00dft er sich, eine Pruta (kleine M\u00fcnze) vom Ersparten zu vertun; dagegen verschwendet ein Anderer willk\u00fcrlich und absichtlich sein Verm\u00f6gen. Und so ist es auch mit den anderen Neigungen: Frohsinn und Tr\u00fcbsinn, Geiz und Freigebigkeit, Grausamkeit und Barmherzigkeit, Verzagtheit und Mut usw.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Zwischen je zwei, sich entgegengesetzten Neigungen gibt es Mittelwege, die wiederum verschieden sind. Die Neigungen sind dem Menschen entweder angeboren und als Anlagen in ihm vorhanden, wodurch er f\u00fcr die eine empf\u00e4nglicher als f\u00fcr die andere wird, oder es sind solche, die ihm nicht angeboren sind, sondern durch das Beispiel Anderer in ihm rege werden, entweder durch eigene Einbildung hervorgerufen, oder durch die Ansicht Anderer, dass eine Neigung wohl heilbringend sei, und es sich zieme, dieselbe sich anzueignen, weshalb er dieselbe so lange n\u00e4hrt, bis er sie seinem Hetzen eingepr\u00e4gt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Die Extreme der sich einander entgegengesetzten Neigungen sind kein gutes Vorbild zur Nacheiferung; deshalb will man weder bei ihnen verharren, noch sie sich aneignen, strebt aber Jemandes Natur nach einer derselben: ist er daf\u00fcr empf\u00e4nglich, oder hat sich dieselbe durch Gewohnheit zu eigen gemacht, \u2014 so soll er zum Guten umkehren und den Weg der Guten wandeln, welcher auch der gerade ist.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Der gerade Weg ist n\u00e4mlich die Mitte jeder menschlichen Neigung, diejenige, welche gleich weit von beiden Extremen entfernt, dem einen nicht n\u00e4her als dem andern ist. Die alten Weisen geboten deshalb dem Menschen, seine Neigungen immerfort zu erw\u00e4gen und zu ermessen und sie auf den Mittelweg hinzuleiten, damit seine Lebensweise ihn unverletzt erhalte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie das? H\u00fcte Dich ebenso vor Aufwallung und Zorn als vor der Empfindungslosigkeit eines Toten, halte dich in der Mitte und z\u00fcrne nur aus triftigen Gr\u00fcnden, die den Zorn rechtfertigen, damit ein solches Ereignis sich nicht wiederhole.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso strebe nur nach den notwendigen Gen\u00fcssen des K\u00f6rpers, die ihm unentbehrlich sind, denn es hei\u00dft: \u00bbDer Gerechte isst blo\u00df zu seiner Erhaltung\u00ab (Mischlei 13:25). Ferner strebe in deinem Gesch\u00e4fte nicht nach gr\u00f6\u00dferem Gewinn, als dir n\u00f6tig ist zum zeitlichen Lebensbedarfe, denn es hei\u00dft: \u00bbWenig Gut gen\u00fcgt dem Gerechtem\u00ab (Ps. 37:16). Deine Hand sei weder karg noch verschwenderisch, sondern gebe Almosen nach Verm\u00f6gen und leihe, wie sich&#8217;s geb\u00fchrt, dem D\u00fcrftigen. Sei nicht von ausgelassener Heiterkeit, auch nicht allzu traurig und tr\u00fcbe, sondern immer ruhig, heiter und freundlich und so in Allem.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der Weg der Weisen, und derjenige, welcher in seinen Neigungen die rechte Mitte h\u00e4lt, wird weise genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Wer aber streng auf sich achtet, und sich vom Mittelwege ab der einen oder der anderen guten Seite zuneigt, hei\u00dft fromm.<\/p>\n\n\n\n<p>Z.B. wer vom Hochmut ab sich zu dessen Gegens\u00e4tze hinneigt, und ganz der Demut hingibt, hei\u00dft fromm (Hasid); nur dies ist das Wesen der Fr\u00f6mmigkeit. Behauptet man die Mitte zwischen Hochmut und Demut, so ist man bescheiden, und wird Weise genannt, und dies ist der Weg der Weisheit. Und so verh\u00e4lt es sich mit allen anderen Neigungen. Die vorigen Frommen leiteten ihre Neigungen vom Mittelwege zu den Extremen, hier das eine, dort das andere erstrebend. Das ist aber mehr als verlangt wird, denn wir sind nur gehalten, auf jenen Mittelwegen zu wandeln, welche die guten und geraden Wege sind, und von denen es hei\u00dft: \u00bbDu sollst in Seinen Wegen wandeln.\u00ab (Deut. 28:9).<\/p>\n\n\n\n<p>6) Dieses Gebot hei\u00dft also: wie Er gn\u00e4dig, barmherzig, heilig hei\u00dft, so sei auch du gn\u00e4dig, barmherzig und heilig. Und so geben die Propheten Gott noch andere Beinamen; als: langm\u00fctig, g\u00fctig, gerecht, redlich, vollkommen, m\u00e4chtig, stark, und dergleichen, um damit dem Menschen die guten and geraden Wege anzudeuten, auf welchen er wandeln soll, um Gott so viel als m\u00f6glich \u00e4hnlich zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Doch auf welche Weise gew\u00f6hnt sich der Mensch an diese Neigungen, bis sie fest in seinem Herzen eingepr\u00e4gt werden? Er muss die denselben entsprechenden Handlungen zwei und drei Mal, und so immer fort, von Neuem wiederholen, bis sie ihm weder schwer fallen noch M\u00fche kosten, und bis endlich jene Neigungen seiner Seele sich fest einpr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und weil nun die Beinamen des Sch\u00f6pfers dieselben Benennungen haben, welche auch die Mittelwege bezeichnen, so wird der Weg, auf dem wir wandeln sollen, auch Gottesweg genannt. Dieses lehrte unser Vater Abraham seinen Nachkommen, wie es hei\u00dft: \u00bbdenn ihn habe ich ersehen, damit er befehle\u00ab usw. (Gen. 18:19).<\/p>\n\n\n\n<p>Und wer auf diesen Wegen wandelt, hat Heil und Segen zum Lohn, denn es hei\u00dft: \u00bbdamit der Ewige kommen lasse \u00fcber Abraham, was Er ihm verhie\u00dfen.\u00ab (ebenda).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ZWEITES KAPITEL \u2014 Anleitung zum guten Weg<\/h3>\n\n\n\n<p>1) K\u00f6rperliche Krankheiten bewirken, dass Bitteres s\u00fc\u00df, und S\u00fc\u00dfes bitter schmeckt; ja in gewissen Krankheiten verlangt und begehrt man sogar nach sonst ungenie\u00dfbaren Dingen, wie Erde und Kohlen, und verabscheut dagegen gute Speisen, wie Brot und Fleisch und alles Andere, je nach der, Art der Krankheit. So auch streben seelenkranke Menschen eifrig b\u00f6sen Neigungen nach, hassen den guten Weg und sind zu tr\u00e4ge, ihn zu wandeln, weil er ihnen je nach Verh\u00e4ltnis ihrer Seelen-Krankheit schwer f\u00e4llt. Solchen Menschen ruft Jesaia zu: \u00bbwehe denen, die das B\u00f6se gut nennen, und das Gute b\u00f6se, Finsternis machen zu Licht und Licht zu Finsternis, Bitteres zu S\u00fc\u00dfem und S\u00fc\u00dfes zu Bittrem.\u00ab (Jes. 5:20). Von ihnen hei\u00dft es ferner: \u00bbsie verlassen die geraden Wege, um zu wandeln auf denen der Finsternis.\u00ab \u2014 (Mischlei 2:13).<\/p>\n\n\n\n<p>Doch welche Mittel gibt es gegen die Krankheiten der Seele? Die Weisen sind Seelen\u00e4rzte, darum m\u00f6gen die Kranken zu ihnen gehen, und sich durch ihre Vortr\u00e4ge \u00fcber Sittenlehre zu dem rechten Wege zur\u00fcckf\u00fchren lassen. Diejenigen aber, die ihre b\u00f6sen Neigungen kennen, und dennoch kein Heil bei. den Weisen suchen, diese bezeichnet Salomon mit den Worten: \u00bbWeisheit und Zucht verachten Toren.\u00ab (Mischlei 1:7).<\/p>\n\n\n\n<p>2) Und wie bewirkt man die Heilung? Dem Zornigen rate man, selbst gegen Schl\u00e4ge und Schimpfworte unempfindlich zu sein, und diesen Weg so lange zu verfolgen, bis der Zorn mit der Wurzel aus seinem Herzen vertilgt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Hochm\u00fctigen \u2014 sich der Erniedrigung Preis zu geben, \u00fcberall den untersten Platz einzunehmen, in ver\u00e4chtlichen Lumpen einherzugehen, um sich dadurch zu dem\u00fctigen, und solcher Mittel mehr anzuwenden, bis der Hochmuth mit der Wurzel aus seinem Herzen verbannt ist, und er zum Mittleren, dem guten Wege zur\u00fcckkehrt, auf dem er dann forthin wandle, sein Leben lang.<\/p>\n\n\n\n<p>So behandle man alle \u00fcbrigen Neigungen. Neigte man sich zu sehr nach dem einen Extrem hin, so strebe man nach dessen Gegens\u00e4tze, und bleibe dabei so lange, bis man auf den guten, die Mitte der Neigungen bildenden Weg, wieder zur\u00fccktritt.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Es gibt Neigungen, bei denen es nicht erlaubt ist, die Mitte zu behaupten, sondern das Streben von dem einen Gegensatze zu dem andern hin notwendig wird; dahin geh\u00f6rt der Hochmut. Der Mensch, der nur bescheiden ist, befindet sich nicht auf dem guten Wege, denn er soll, dem\u00fctig und ergebenen Geistes sein; darum hei\u00dft es bei unserem Lehrer Moses: \u00bbSehr bescheiden\u00ab (Num. 12:3) nicht blo\u00df bescheiden. Und das Gebot der Weisen ist auch: \u00bbGib dich ganz, ganz der Demut hin\u00ab (Talmud, Awot) ferner sagen sie: \u00bbDer Hochm\u00fctige leugnet die Grundlage der Religion\u00ab (Talmud), denn es hei\u00dft: \u00bbM\u00f6ge dein Herz sich nicht erheben, \u2014 und vergessen den Ewigen, deinen Gott.\u00ab (Deut. 8:14); und \u00bbverbannt sei, wer auch nur einen kleinen Grad von Hochmut besitzt.\u00ab (Talmud).<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso ist der Zorn eine durchaus b\u00f6se Eigenschaft, und der Mensch tut wohl, sich lieber zu dessen Gegensatz zu wenden; er gew\u00f6hne sich n\u00e4mlich nicht zu z\u00fcrnen, selbst dann nicht, wenn. sein Zorn gerechtfertigt w\u00e4re. Und will er seinen Kindern oder Hausleuten Ehrfurcht einfl\u00f6ssen, oder hat er als Vorsteher \u00fcber seine Gemeinde zu z\u00fcrnen, um sie zum Guten zu lenken, so stelle er sich nur z\u00fcrnend, um sie zu ermahnen, bleibe aber bei sich gelassen, nachahmend einem Z\u00fcrnenden w\u00e4hrend des Zornes, ohne wirklich zu z\u00fcrnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weisen lehren: \u00bbEin Z\u00fcrnender ist einem G\u00f6tzendiener gleich\u00ab, (Talmud) und f\u00fcgen hinzu: \u00bbWenn ein Weiser z\u00fcrnt, so schwindet seine Weisheit, und wenn er ein Prophet,\u2014 seine Prophetengabe. Das Leben eines Zornigen ist kein Leben. Darum ist geboten, sich des Zornes zu enthalten, bis man dahin gelangt, selbst bei Dingen, die Zorn erregen k\u00f6nnen, gelassen zu bleiben. Das ist der gute Weg; der Weg der Gerechten aber ist: man schm\u00e4het sie, und sie schm\u00e4hen nicht wieder, sie h\u00f6ren den Hohn und erwidern ihn nicht, vollziehen ihre Pflichten aus Liebe, und ertragen geduldig ihre Leiden. Sie sind es, welche jener Vers nennt: \u00bbSeine Freunde sind wie der Aufgang der Sonne in ihrer Herrlichkeit.\u00ab (Richter 5:31).<\/p>\n\n\n\n<p>4) Der Mensch gew\u00f6hne sich zu schweigen, und wenn er spricht so betreffe es die Weisheit, oder solche Dinge, die des Lebens Bed\u00fcrfnisse erfordern. Man erz\u00e4hlt von Raw, dem Sch\u00fcler Rabbi des Heiligen, dass er sein Leben lang nichts Unn\u00fctzes gesprochen; es wird damit solches Gespr\u00e4ch wie das der meisten Menschen gemeint. Selbst \u00fcber k\u00f6rperliche Bed\u00fcrfnisse mache der Mensch nicht zu viel Worte, sondern denke an den Spruch der Weisen: \u00bbWer zu viel redet, verursacht S\u00fcnde\u00ab (Talmud, Awot) und \u00bbes ist dem K\u00f6rper Nichts zutr\u00e4glicher als Schweigen\u00ab (Ebendas.)<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst bei der Besch\u00e4ftigung mit der heiligen Schrift und den Wissenschaften, suche er in gedr\u00e4ngten Worten viel zu sagen. Auch dies gebieten die Weisen mit den Worten: \u00bbUnterrichte deinen Sch\u00fcler stets in gedr\u00e4ngter K\u00fcrze.\u00ab (Talmud) Viel Worte und wenig Sinn zeugen von Torheit, was auch die Worte sagen \u00bbDer Traum kommt mit vieler Gesch\u00e4ftigkeit, und die Stimme des Toren mit vielen Worten\u00ab (Kohelet 5:2).<\/p>\n\n\n\n<p>5) Das Schweigen ist ein Zaun um die Weisheit. Man eile deshalb nicht mit der Antwort, spreche nicht viel, und unterrichte seine Sch\u00fcler mit Ruhe und Gelassenheit, nicht mit schreiender Stimme, auch nicht mit langen Phrasen. Dies ist es, was Salomo meint: \u00bbDes Weisen Worte werden bei Ruhe geh\u00f6rt\u00ab (Kohelet 9:17).<\/p>\n\n\n\n<p>6) Der Mensch soll sich weder an Schmeichelworte, noch an verlockende Reden gew\u00f6hnen, nicht anders mit dem Munde sprechen als er im Herzen denkt; sein Inneres sei vielmehr wie sein \u00c4u\u00dferes; der Gedanke des Herzens sei das Wort des Mundes. Ferner soll er Niemanden t\u00e4uschen in seiner Meinung, selbst einen G\u00f6tzendiener nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>So soll man z. B. einem Heiden nicht Fleisch von gefallenem (nicht nach j\u00fcdischem Ritus geschlachtetem) Vieh, f\u00fcr Fleisch von geschlachtetem, einen Schuh vom Leder eines gefallenen Tieres, f\u00fcr den vom Leder eines geschlachteten verkaufen. Ebenso lade man seinen N\u00e4chsten nicht zu Gast, wenn man wei\u00df, dass er nicht essen wird, \u00fcberh\u00e4ufe ihn nicht mit Freundschaftsbezeugungen, wenn man wei\u00df, dass er sie nicht annehmen wird, \u00f6ffne kein Fass Wein unter dem Anscheine, so geschehe es zu Jemandes Ehre, wenn es doch ohnedies, Verkaufs halber ge\u00f6ffnet worden w\u00e4re, und dergleichen. Sogar das geringste Wort der Verlockung und der T\u00e4uschung sei vermieden; vielmehr spreche man aufrichtig, denke edel, und halte das Herz rein von allem Lug und Trug.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Der Mensch sei weder zu scherzhaft und sp\u00f6ttisch, noch traurig und tr\u00fcbe, sondern heiter. Denn nach, dem Spruche der Weisen: \u00bbverleiten Lachen und Leichtsinn den Menschen zur Unzucht\u00ab (Talmud, Awot); und darum geboten sie: eben so wenig ausgelassen im Scherze, als tr\u00fcbe und traurig zu sein; wohl aber Jedermann freundlich aufzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sei auch nicht habs\u00fcchtigen Gem\u00fcts und gierig nach Sch\u00e4tzen, noch tr\u00e4g und l\u00e4ssig zur Arbeit; bewahre dir vielmehr ein gen\u00fcgsames Gem\u00fct, und bem\u00fche dich weniger um Erwerb, als um die Lehre. Freue dich auch deines geringen Besitztums, sei nicht z\u00e4nkisch, neidisch, l\u00fcstern, ehrs\u00fcchtig \u00bbdenn Neid, Gel\u00fcste und Ehrsucht bringen den Menschen von der Welt\u00ab, (Talmud, Awot); so lehren die Weisen. Hieraus folgt: Strebe bei deinen Neigungen nach ihrer Mitte, und wandle auf dem durch dieselbe vorgezeichneten Wege, was auch Salomo meint: \u00bbErw\u00e4ge den Pfad, den dein Fu\u00df geht, so werden alle deine Wege sicher sein\u00ab. (Mischlei 4:26).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">DRITTES KAPITEL \u2014 Erkenne Ihn auf allen deinen Wegen<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Wollte nun Jemand die Einwendung machen: da Neid, Gel\u00fcste, Ehrsucht und dergleichen den Menschen auf schlechte Wege, und dann aus der Welt bringen, so sei es<br>vielleicht vorzuziehen, sich deren Gegens\u00e4tzen, zuzuwenden, kein Fleisch zu essen, keinen Wein zu trinken; dem Ehestande zu entsagen, keine anst\u00e4ndige Wohnung zu haben, kein anst\u00e4ndiges Kleid zu tragen, sondern im Sack und im groben Gew\u00e4nde, oder in \u00c4hnliches geh\u00fcllt einherzugehen, \u2014 so w\u00e4re auch dies ein schlechter Weg, den zu wandeln verboten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer ihn wandelt, wird S\u00fcnder genannt. Denn es hei\u00dft beim Nasir (Abgesonderten): \u00bbUnd er bewirke Ents\u00fcndigung, weil er ges\u00fcndigt gegen die Seele\u00ab. (Num 6:11). Dies deuten unsere Weisen also: \u00bbWenn schon der Nasir, der sich doch nur des Weines enthielt, einer S\u00fchne bedarf, um wie viel mehr Derjenige, der sich so viele Dinge versagt\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weisen gebieten daher, sich nur solche Dinge zu versagen, welche das Gesetz untersagt, nicht aber durch Gel\u00fcbde und Schw\u00fcre sich erlaubter Dinge zu enthalten. Denn sie sagen: \u00bbIst es nicht genug an den, durch das Gesetz verbotenen Dingen, dass du dir noch, andere verbietest?\u00ab (Talmud).<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso sind auch diejenigen, welche sich immerfort fasten, nicht auf gutem Wege, und die Weisen verbieten, sich durch Fasten zu peinigen. Hierauf beziehen sich auch die Worte Salomos: \u00bbSei nicht zu fromm und allzu nachgr\u00fcbelnd, denn warum willst du \u00fcberspannt werden?\u00ab (Kohelet 7:16).<\/p>\n\n\n\n<p>2) Der Mensch soll sein Herz und seine Handlungen lediglich darauf richten, Gott zu erkennen. Sein Sitzen, Stehen, Reden, Alles gehe darauf hin, z.B., wenn er Handel treibt oder Arbeit f\u00fcr Lohn verrichtet, so wolle er sich denen nicht unterziehen, um gerade Geld zusammen zu scharren, sondern um seinen Bed\u00fcrfnissen an Speise, Trank, Wohnung und Haushalt zu gen\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso habe Essen und Trinken nicht den Zweck des Vergn\u00fcgens allem, sondern er habe bei Essen und Trinken die Absicht K\u00f6rper und Glieder zu st\u00e4rken. Darum esse er auch nicht, wie Hund und Esel, Alles, wonach sein Gaumen gel\u00fcstet, sondern nur das dem K\u00f6rper Zutr\u00e4gliche, sei es s\u00fc\u00df oder bitter, und nicht das ihm Sch\u00e4dliche, ob es auch s\u00fc\u00df w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer z.B. vollbl\u00fctig, esse weder Fleisch noch Honig, noch trinke er Wein, wie Salomo gleichnisweise sagt: \u00bbZu viel Honig essen ist nicht gut\u00ab. (Mischlei 25:27); wohl aber trinke er Endivien-Wasser, wenn es auch bitter schmeckt. Er betrachte Essen und Trinken nur als Arzneimittel, um gesund und unversehrt dazustehen, da doch der Mensch ohne Essen und Trinken nicht fortleben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso habe man Geschlechtsverkehr nur um seinen K\u00f6rper und seinen Samen gesund zu erhalten. Deshalb soll er nicht jedes Mal, wenn es ihm danach gel\u00fcstet, Geschlechtsverkehr haben, sondern wenn er wei\u00df, dass er Samenerguss f\u00fcr medizinische Zwecke ben\u00f6tigt oder zur Zeugung.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Doch wer nach den Regeln der Gesundheit lebt, nur um K\u00f6rper und Glieder gesund zu erhalten und Kinder zu erzeugen, die seine Arbeit verrichten, und sich f\u00fcr seine Bed\u00fcrfnisse abm\u00fchen, der hat einen schlechten Weg erw\u00e4hlt; er erhalte vielmehr deshalb seinen K\u00f6rper unversehrt und stark, damit seine Seele umso empf\u00e4nglicher werde, Gott zu erkennen; denn bei Hunger, Krankheit und Schmerz ist es unm\u00f6glich, die Lehren der Weisheit zu erfassen und zu begreifen; auch denke er daran, einen Sohn zu erzeugen, der einst durch Weisheit und Gr\u00f6\u00dfe eine Zierde Israels werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer also auf diesen Wegen sein Leben lang wandelt, der h\u00f6rt nicht auf, Gott zu dienen, selbst dann nicht, wenn er sein Gesch\u00e4ft treibt, oder seine ehelichen Pflichten erf\u00fcllt. Denn ihn belebt stets der Gedanke, dass er nur darum seine Bed\u00fcrfnisse erschwingt, damit er sich unversehrt erhalte, und damit er Gott diene.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn er schl\u00e4ft, und dies nur in der Absicht tut, dass Seele und K\u00f6rper ruhen m\u00f6gen, damit er nicht krank und dadurch verhindert werde, Gott zu dienen, so ist auch dieser Schlaf ein Dienst Gottes gelobt sei Er. \u2014 Dahin zielet auch das Gebot unserer Weisen: \u00bbAlle deine Handlungen verrichte im Namen des Himmels\u00ab (Talmud \u2014 Awot). Das sagt auch der weise Salomo mit den Worten: \u00bbAuf allen deinen Wegen merke auf ihn, und er wird deine Pfade ebnen\u00ab (Mischlei 3:6)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VIERTES KAPITEL \u2014 Gesundheit des K\u00f6rpers<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Weil Erhaltung der k\u00f6rperlichen Gesundheit und St\u00e4rke, als ein Wandel auf Gottes Wegen gilt, indem es unm\u00f6glich ist in krankem Zustande Etwas von der Erkenntnis Gottes zu begreifen und zu verstehen, darum soll der Mensch die dem K\u00f6rper nachtheiligen Dinge meiden, dagegen diejenigen suchen, die ihn st\u00e4rken und kr\u00e4ftigen. Er merke sich daher Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p>Man esse nur dann \u2014 wann man hungert, und trinke nur dann \u2014 wann man durstet, man halte seine Notdurft auch nicht einen Augenblick auf, sondern gebe ihr nach, sobald es dr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Der Mensch stille nie ganz seinen Hunger, sondern lasse ungef\u00e4hr ein Viertel desselben unbefriedigt; er trinke kein Wasser w\u00e4hrend des Essens, h\u00f6chstens ein wenig mit Wein vermischt; ist die Verdauung vorgeschritten, dann trinke er Wasser, so viel n\u00f6tig, aber auch dann nicht zu viel, selbst wenn die Verdauung schon beendet ist. Er esse auch nicht eher, als bis er f\u00fchlt, dass er keine Notdurft habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der Mahlzeit gehe der Mensch so lange umher, bis der K\u00f6rper anf\u00e4ngt sich zu erw\u00e4rmen; entweder verrichte er eine Arbeit oder schaffe sich auf eine andere Art Bewegung. Im Allgemeinen sehe man darauf, alle Morgen den K\u00f6rper so lange in T\u00e4tigkeit zu setzen und anzustrengen, bis er sich erw\u00e4rmt, dann ruhe man ein wenig, bis man sich erholt und esse. Wer ein warmes Bad nach der Arbeit nimmt, tut wohl daran; nach demselben verweile man noch ein wenig, und esse dann.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Beim Essen sitze der Mensch immer ruhig auf seiner Stelle, oder neige sich nach der linken Seite. Bevor die Speise verdaut ist soll er weder einhergehen, noch reiten, noch arbeiten, noch seinen K\u00f6rper in Schwei\u00df bringen, noch lustwandeln; wer aber dennoch nach dem Essen umhergeht, oder sich anstrengt, zieht sich b\u00f6se und schwere Krankheiten zu.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Es ist hinreichend f\u00fcr den Menschen, wenn er von den vier und zwanzig Stunden des Tages den dritten Teil, also acht Stunden schl\u00e4ft; und zwar w\u00e4hle er diese so, dass sie mit der Nacht zugleich endigen, und von Anf\u00e4nge seines Schlafes, bis zum Sonnenaufgangs, acht Stunden ausmachen; vor Sonnenaufgang stehe er n\u00e4mlich von seinem Lager auf.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Der Mensch schlafe weder auf dem Gesichte, noch auf dem R\u00fccken, sondern auf der Seite; am Anf\u00e4nge der Nacht auf der linken, gegen Ende derselben auf der rechten. Er lege sich nicht unmittelbar nach dem Essen schlafen, warte vielmehr drei bis vier Stunden; und schlafe nicht bei Tage.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Abf\u00fchrende Speisen, wie: Weintrauben, Feigen, Maulbeeren, Birnen, Melonen, Gurken, K\u00fcrbis-Gattungen esse der Mensch vor der Mahlzeit, menge sie aber nicht unter die Speise, sondern warte ein wenig bis sie durch den Oberleib hindurch sind, und dann esse er seine Speise. Verstopfende Dinge, wie Granat\u00e4pfel, Quitten, \u00c4pfel und Honig\u00e4pfel (Apfelsinen), esse man w\u00e4hrend der Mahlzeit, jedoch nicht zu viel.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Wer bei einer Mahlzeit Gefl\u00fcgel und Fleisch essen will, der esse zuerst das Gefl\u00fcgel; will er Eier und Gefl\u00fcgel essen, so esse er zuerst die Eier; hat er Fleisch von Jungvieh und Rind-Fleisch, so esse er das Fleisch vom Jungvieh zuerst. Kurz! man lasse die leichteren Speisen immer den schwereren vorangehen.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Im Sommer esse man k\u00fchlende Speisen, nicht zu viel Gew\u00fcrz, wohl aber Essig; zur Zeit des Regens esse man erw\u00e4rmende Speisen, viel Gew\u00fcrz, ein wenig Senf, und Laser- (Asant) Kraut. Solcherweise verfahre man in kalten und warmen L\u00e4ndern, ihren Klima gem\u00e4\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Es gibt Speisen die \u00fcberaus nachtheilig sind, und der Mensch tut wohl daran, sich ihrer g\u00e4nzlich zu enthalten. Dahin geh\u00f6ren: eingesalzene, alte, gro\u00dfe Fische, alter salziger K\u00e4se, Schw\u00e4mme, Pilze, altes eingesalzenes Fleisch, Wein, der eben gekeltert ist, lang gestandene Speisen, die ihren Geruch verloren, wie \u00fcberhaupt \u00fcbelriechende und allzu bittere Speisen. Alles dies ist dem K\u00f6rper wie Gift.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt noch andere Speisen, die ebenfalls nachtheilig sind, doch nicht in dem Grade, wie die eben genannten; darum esse man nur selten und wenig von ihnen. Keineswegs gew\u00f6hne man sich, solche Speisen zur t\u00e4glichen Kost zu machen, oder sie auch nur neben anderen Speisen zu essen, wie z. B. gro\u00dfe Fische, K\u00e4se, Milch, die vierundzwanzig Stunden nach dem Melken gestanden, Fleisch von gro\u00dfem Rindviehe und B\u00f6cken, Bohnen, Linsen, Erbsen, Gerstenbrot, unges\u00e4uertes Brot, Kohl, Lauch, Zwiebel, Knoblauch, Senf, Rettich.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle diese Speisen sind sch\u00e4dlich und man tut wohl daran, davon nur \u00e4u\u00dferst wenig blo\u00df zur Regenzeit zu genie\u00dfen. Im Sommer aber genie\u00dfe man durchaus nichts davon. Bohnen und Erbsen esse man weder zur Sommer, noch zur Regenzeit, und K\u00fcrbisse nur des Sommers.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Dann gibt es Speisen, die auch nachtheilig sind, doch nicht so wie die genannten, wie z. B. Wasserv\u00f6gel, junge kleine Tauben, Datteln, mit \u00d6l gerostetes oder geknetetes Brot, feines Mehl, das so sehr durchgesiebt ist, dass auch keine Spur von Kleie darin ist, Fischlacke und scharfe Br\u00fche. Von allen diesen Speisen darf man nicht viel genie\u00dfen; und wer so weise ist, sein Gel\u00fcst zu bez\u00e4hmen, sich nicht von ihm hinrei\u00dfen zu lassen, sich ihrer ganz und gar enthalten und sie nur als Heilmittel zu benutzen, der hei\u00dft ein Held.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Man enthalte sich stets der Baumfr\u00fcchte, esse nicht viel von ihnen, selbst nicht wenn sie getrocknet, noch weniger frische nun gar unreif genossen, sind sie dem K\u00f6rper wie solche; auch Johannisbrot ist stets sch\u00e4dlich, wie \u00fcberhaupt alle sauren Fr\u00fcchte; man esse deshalb nur wenig davon im Sommer, und an warmen Orten. Feigen, Weintrauben und Mandeln sind immer zutr\u00e4glich, seien sie frisch oder getrocknet und esse man davon auch zur vollen Gen\u00fcge. Man mache sie aber darum nicht zur t\u00e4glichen Kost, wenngleich sie die besten aller Baumfr\u00fcchte sind.<\/p>\n\n\n\n<p>12) Honig und Wein sind Kindern sch\u00e4dlich, alten Leuten zutr\u00e4glich, besonders zur Regenzeit. Im Allgemeinen esse man des Sommers zwei Drittheile von dem, was man zur Regenzeit essen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Man sorge stets daf\u00fcr, dass man, wenn nicht ein wenig Diarrhoe, doch offenen Leib habe. Es ist dies eine Hauptregel der Heilkunst. Wenn der Stuhlgang ganz fehlt, oder nur mit M\u00fche erfolgt, sind schwere Krankheiten im Anzuge.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch welche Mittel gibt es gegen geringe Leibesverh\u00e4rtung? Ein junger Mann esse jeden Morgen stark in Salz Gekochtes, mit Oliven\u00f6l, gew\u00fcrzt und mit scharfer Br\u00fche, ohne Brot, und trinke in Gr\u00fcnkraut gekochtes Wasser, oder Kohl mit Oliven\u00f6l, scharfer Br\u00fche und Salz zubereitet. Ein alter Mann trinke alle Morgen Honig mit warmem Wasser gemischt, warte dann ungef\u00e4hr vier Stunden, und esse dann seine Mahlzeit; er tue das einen, zwei, oder vier Tage, wenn n\u00f6tig, \u00fcberhaupt so lange bis sein Leib wieder in Ordnung ist.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Noch eine andere Hauptregel f\u00fcr die Gesundheit des K\u00f6rpers ist: Arbeite, m\u00fche dich, iss m\u00e4\u00dfig und erhalte dir offenen Leib, so wird dich nicht nur keine Krankheit heimsuchen, sondern du wirst sogar an Kr\u00e4ften zunehmen, selbst beim Genuss unzutr\u00e4glicher Speisen.<\/p>\n\n\n\n<p>15) Wer hingegen tr\u00e4ge dasitzt und nicht arbeitet, seine Notdurft aufh\u00e4lt, oder an Verh\u00e4rtung leidet, der wird, mag er auch noch so zutr\u00e4gliche Speisen genie\u00dfen, und noch so sehr nach den Regeln der Gesundheit sich verhalten, sein Leben lang Schmerzen haben und seine Kr\u00e4fte schwinden sehen. \u00dcberm\u00e4\u00dfiges Essen ist jedem menschlichen K\u00f6rper t\u00f6dliches Gift, und die Hauptursache aller Krankheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten treffen den Menschen, weil er entweder ungesunde Speisen genie\u00dft, oder seinen Magen \u00fcberf\u00fcllt oder unm\u00e4\u00dfig, wenn auch von zutr\u00e4glichem Speisen isst. So sagt auch der weise Salomon: \u00bbWer Mund und Zunge h\u00fctet, wahret seine Seele vor Leiden\u00ab (Mischlei 21:23), d. h. wer seinen Mund vor sch\u00e4dlichen Speisen, oder \u00dcbers\u00e4ttigung und seine Zunge vor unn\u00fctzen Reden bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>16) In Betreff der B\u00e4der verfahre man also: Man nehme w\u00f6chentlich ein Bad, nicht unmittelbar nach dem Essen, auch nicht wenn man hungrig ist, sondern wenn man die Speisen zu verdauen anf\u00e4ngt. Man wasche den ganzen K\u00f6rper mit lauem Wasser, den Kopf allein mit w\u00e4rmerem, dann wasche man den K\u00f6rper mit lauwarmem und zuletzt mit kaltem Wasser, lasse jedoch den Kopf davon unber\u00fchrt. Zur Regenzeit bade man nicht in kaltem Wasser, und auch nicht so lange bis der ganze K\u00f6rper im Schwei\u00dfe, und erregt ist, bleibe nicht zu lange im Bade, sondern nachdem man geschwitzt hat, und durch und durch erregt worden, sp\u00fcle man sich ab, und gehe hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor und nach dem Bade pr\u00fcfe man sich, ob man nicht ein nat\u00fcrliches Bed\u00fcrfnis habe; wie man es auch vor und nach dem Essen, vor dem Geschlechtsverkehr und nach dem Geschlechtsverkehr, vor und nach einer m\u00fchsamen Arbeit, vor und nach dem Schlafe, \u00fcberhaupt zehnmal t\u00e4glich Thun soll.<\/p>\n\n\n\n<p>17) Hat man das Bad verlassen, so kleide man sich an, und bedecke den Kopf schon im Vorhause, damit ihn keine kalte Zugluft treffe, und achte hierauf selbst des Sommers. Dann verweile man, bis man sich erholt, ausgeruht und abgek\u00fchlt hat \u2014 esse erst alsdann. Kann man zwischen dem Bade und dem Essen ein wenig schlafen, so tut man wohl daran.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich nach dem Bade trinke man kein kaltes Wasser, und am wenigsten im Bade selbst; ist man aber durstig, und kann sich nicht beherrschen, so trinke man Wasser mit Wein oder Honig gemischt. Wer sich zur Regenzeit, wenn er sich nach dem Bade abgesp\u00fclt, mit \u00d6l einreibt, tut wohl daran.<\/p>\n\n\n\n<p>18) Man gew\u00f6hne sich nicht an allzu h\u00e4ufiges Aderlassen, tue es vielmehr nur, wenn es sehr n\u00f6tig ist; man lasse weder zur Sommer noch zur Regenzeit zur Ader, sondern in den Monaten Nissan (Fr\u00fchling) und Tischri (Herbst), und auch dann nur selten. Hat man das 50ste Jahr erreicht, so lasse man ganz davon ab. An dem Tage, wo man zur Ader gelassen, nehme man weder ein Bad, noch gehe man auf Reisen, auch tue man es nicht an dem Tage, an welchem man von einer Reise zur\u00fcckgekehrt. Am Tage des Aderlasses esse und trinke man weniger als gew\u00f6hnlich, ruhe etwas aus, m\u00fche sich nicht ab, und gehe auch nicht spazieren.<\/p>\n\n\n\n<p>19) Der Samen ist die Kraft des K\u00f6rpers, seine Lebenskraft und das Licht der Augen. Viel Samenerguss schw\u00e4cht den K\u00f6rper und verk\u00fcrzt das Leben, das sagte bereits Salomo: \u00bbGibt deine Kraft nicht den Frauen\u00ab (Mischlei 31:3).<\/p>\n\n\n\n<p>Wer nach Geschlechtsverkehr begierig ist, dem spring das Alter an, seine Kraft verbraucht, seine Augen werden schwach, fauler Geruch geht aus seinem Mund und von seinen Achseln hervor; sein Kopfhaar, seine Augenbrauen und seine Augenwimpern fallen aus, seine Barthaar, sein Achselhaar und seine Beinbehaarung vermehren sich; seine Z\u00e4hne fallen aus und viele Schmerzen, au\u00dfer diesen, treffen ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weisen \u00c4rzte sagten: einer von Tausend stirbt an anderen Krankheiten und Tausend sterben an \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Geschlechtsverkehr. Deshalb muss der Mensch sich vor dieser Sache in Acht nehmen, wenn er gesund leben m\u00f6chte. Er soll Geschlechtsverkehr haben, nur wenn sein K\u00f6rper gesund und stark ist. Wenn er viele unbeabsichtigte Erektionen hat, die auch bleiben w\u00e4hrend er an etwas Anderes denke, sein Unterleib schmerzt ihn, die Sehnen seiner Hoden sind gedehnt und sein Fleisch ist warm \u2014solch ein Menschen braucht Geschlechtsverkehr und das ist medizinisch ratsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Er soll kein Geschlechtsverkehr auf vollen oder leeren Magen haben, sondern erst wenn das Essen verdaut ist. Er untersuche seine \u00d6ffnungen vor und nach dem Verkehr. Er verkehre nicht stehend oder sitzend, nicht im Badehaus, auch nicht am Tage, wann er ins Badehaus geht, auch nicht am Tag des Aderlasses, nicht am Tage seiner Wegreise und seiner Ankunft und nicht davor oder danach.<\/p>\n\n\n\n<p>20) Wer auf diesen eben bezeichneten Wegen wandelt, dem verb\u00fcrge ich ein langes, gesundes Leben bis ins hohe Greisenalter und einen stets gesunden und unversehrten K\u00f6rper. Er wird keines Arztes bed\u00fcrfen, wenn er nicht etwa mit einem kranken K\u00f6rper geboren, oder von Jugend an auf schlechten Wegen zu wandeln gewohnt war, oder wenn Pest und Hungersnot die Welt heimsuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>21) Nach jenen Regeln hat sich jedoch nur der Gesunde zu richten; wer aber krank ist, wer an irgendeinem Gliede leidet, oder wer schon viele Jahre sich schlecht gef\u00fchrt, f\u00fcr alle diese Menschen gibt es andere, der jedesmaligen Krankheit angemessene Bestimmungen und Regeln, die in dem Werke \u00bbvon der Heilkunst\u00ab erl\u00e4utert sind. Ver\u00e4nderung in der Zirkulation des Blutes ist der Anfang einer Krankheit.<\/p>\n\n\n\n<p>22) \u00dcberall, wo kein Arzt ist, tut ein Kranker wie ein Gesunder wohl daran \u2014 die in diesem Kapitel gegebenen Vorschriften zu halten; denn eine jede von ihnen bringt doch zuletzt etwas Gutes.<\/p>\n\n\n\n<p>23) In einer Stadt, wo nicht folgende Dinge: Arzt, Chirurg, Badehaus, Wasser, gleichviel ob Fluss oder Quelle, Synagoge, Kinderlehrer, Schreiber, Armenpfleger und ein mit Schl\u00e4gen und Gef\u00e4ngnis bestrafendes Gericht vorgefunden werden, soll sich kein Weiser niederlassen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00dcNFTES KAPITEL \u2014 Benehmen des Weisen<\/h3>\n\n\n\n<p>1) So wie der Weise an seiner Weisheit und Einsicht erkannt wird, und sich dadurch vor dem \u00fcbrigen Volke auszeichnet, so sollen ihn auch seine Handlungen: Essen, Trinken, Verrichtung der Notdurft, Sprache, Gang, Kleidung, Unterhaltung und Gesch\u00e4fte als solchen auszeichnen. Alle diese Handlungen sollen geordnet und geregelt verrichtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie das? Ein Weiser soll kein Schlemmer sein, sondern blo\u00df dem K\u00f6rper zutr\u00e4gliche Speisen genie\u00dfen, davon aber nicht unm\u00e4\u00dfig; auch wolle er nicht seinen Magen \u00fcberf\u00fcllen, wie Manche, die sich so vollessen und trinken, dass ihnen der Leib zu bersten droht. Diese trifft der Spruch: \u00bbIch streue Kot auf euer Angesicht\u00ab (Malach. 2:3), welches unsere Weisen auf diejenigen Menschen anwenden, die blo\u00df dem Essen und Trinken sich ergeben, und alle ihre Tage zu Feiertagen machen, sprechend: \u00bbIss, trink, denn morgen k\u00f6nnen wir sterben\u00ab (Jes. 22:13).<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Mahlzeiten halten B\u00f6sewichter, und von ihnen spricht der Prophet mit Verachtung: \u00bbDenn alle Tische sind vollgespien vom Unflat, kein Platz ist mehr\u00ab (Jes. 28:8). Der Weise esse nur ein oder zwei Gerichte, genie\u00dfe davon zu seinem Lebensunterhalte, und lasse sich gen\u00fcgen. Ihn bezeichnet K\u00f6nig Salomo: \u00bbDer Gerechte isst blo\u00df zum Sattwerden\u00ab (Mischlei 13: 25).<\/p>\n\n\n\n<p>2) Der Weise verzehre die geringe, f\u00fcr ihn sich ziemende Mahlzeit in seinem Hause, an seinem Tische, nicht aber in irgendeinem Laden, oder auf dem Markte,\u2014 es sei denn, dass ihn die Notwendigkeit dazu zwinge, \u2014 damit es sich nicht die Verachtung seiner Mitmenschen zuziehe. Auch esse er nicht beim groben P\u00f6bel und an solchen Tischen, \u00bbdie vom Unflat vollgespien sind\u00ab. Er halte nirgends, selbst in Gesellschaft mit Weisen, zu viel Mahlzeiten, schmause nicht bei gro\u00dfen Versammlungen, und nehme nur an gesetzlich gebotenen Mahlzeiten, wie bei Verlobungen und Hochzeiten teil, und an diesen auch nur, wenn der Br\u00e4utigam ein Weiser und die Braut die Tochter eines Weisen ist. Die fr\u00fcheren Gerechten und Frommen a\u00dfen an keinem fremden Gastmahle.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Trinkt der Weise Wein, so geschehe es nur, um die Speisen in den Eingeweiden zu erweichen; berauscht er sich, so s\u00fcndigt er, und bringt sich um seine Achtung und Weisheit; berauscht er sich in Gegenwart vom groben P\u00f6bel, so entweiht er den Namen Gottes. Es ist verboten, am Mittage sogar ein wenig Wein zu trinken; wohl aber ist es w\u00e4hrend der Mahlzeit erlaubt, weil dann das Trinken nicht berauscht. Nach dem Mahle h\u00fcte man sich wohl vor Wein.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Obwohl die Frau einem Mann stets erlaubt ist, geb\u00fchrt es einem Weisen sich in Heiligkeit zu f\u00fchren. Er soll sich bei seiner Frau nicht wie ein Hahn st\u00e4ndig befinden, sondern von Schabbat Abend bis Schabbat Abend, wenn er Kraft hat. Er soll mit ihr nicht verkehren, weder zu Beginn der Nacht, w\u00e4hrend sein Magen voll ist, noch am Ende der Nacht, wenn er hungrig ist, sondern mitten in der Nacht, w\u00e4hrend der Verdauung der Speisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er soll nicht zu sehr leichtsinnig sein, noch soll er mit ihr unz\u00fcchtig reden, auch wenn sie unter sich sind. Denn es hei\u00dft: \u00bbDer dem Menschen seinen Plan kundtut\u00ab (Amos 4:13). Wie Weisen sagten, der Mensch muss Rechenschaft ablegen, sogar \u00fcber die kleinste Unterhaltung zwischen ihm und seiner Frau.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Verkehrs d\u00fcrfen beide nicht betrunken sein, noch lustlos und es darf keine Spannung zwischen ihnen herrschen. Sie darf nicht schlafen noch darf er sie gegen ihren Willen zwingen, sondern nach deren beiden Willen und in Freude. Er erz\u00e4hle ihr etwas und flirte mit ihr etwas, damit sie sich entspannen. Er verkehre mit ihr bescheiden und nicht unversch\u00e4mt und ziehe sich danach zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Wer so verf\u00e4hrt, hat nicht allein geheiligt seine Seele, sich gereinigt, und seine Neigungen geregelt, \u2014 sondern wenn er Kinder zeugt, so werden auch diese sch\u00f6n, keusch und empf\u00e4nglich f\u00fcr Weisheit und Fr\u00f6mmigkeit sein; wer aber nach der Weise der gro\u00dfen Menge, die im Finstern wandelt, lebt, der wird auch solche Kinder erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Die Weisen m\u00fcssen besondere Keuschheit beobachten, in jeder Hinsicht. Sie sollen sich nicht entw\u00fcrdigen, noch ihr Haupt oder ihren K\u00f6rper entbl\u00f6\u00dfen. Sogar zur Stunde seiner Notdurft soll man Keuschheit beobachten, man entkleide sich nicht bevor man sitzt und wische sich nicht mit der Rechten ab, man entferne sich von jedem Menschen und gehe in den Raum hinter den Raum und eine H\u00f6hle und der H\u00f6hle erleichtere sich dort. Man erleichtere sich hinter einem Zaun und entferne sich weit genug, sodass keiner ihn h\u00f6rt, wenn er nie\u00dft (Bl\u00e4hung). Muss man sich auf dem Felde erleichtern, entferne man sich, damit sein Freund seine Nacktheit nicht sehe. Beim Erleichtern spreche man nicht, auch wenn es notwendig ist. Man gew\u00f6hne sich im Allgemeinen am Morgen und Abend seine Notdurft zu verrichten, damit man nicht n\u00f6tig habe von der Gesellschaft sich zu entfernen.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Der Weise schreie und l\u00e4rme nicht, wenn er spricht, wie das Vieh und Wild, erhebe auch seine Stimme nicht allzu sehr, sondern rede sanft mit Jedermann. Spricht er aber mit Sanftmut, so gehe er darin nicht zu weit, damit seine Worte nicht den Anstrich wie die des Hochmuts haben. Man gr\u00fc\u00dfe Jedermann zuerst, um sich Aller Wohlgefallen zu erwerben. Er beurteile Jeden nach der besten Seite, erz\u00e4hle das Lob seines Nebenmenschen, nie aber dessen Schande, er liebe den Frieden und strebe ihm nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Er spreche, wenn er merkt, dass seine Worte fruchten und geh\u00f6rt werden, schweige aber, wenn dem nicht so ist. Doch wie das? Er suche Niemanden w\u00e4hrend des Z\u00fcrnens zu bes\u00e4nftigen, befrage nicht einen Gelobenden wegen seines Gel\u00fcbdes, so lange er noch nicht seine kalte \u00dcberlegung und Ruhe hat, spreche von keinem Trost, wenn die Leiche noch vor Augen liegt, weil der Leidtragende bis zur Beerdigung zu best\u00fcrzt ist; und \u00c4hnliches mehr. Er sei nicht Zuschauer, wenn der N\u00e4chste einen Fehltritt begeht, wende vielmehr das Auge davon ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Er \u00e4ndere das gegebene Wort nicht, weder erweitere er es, noch beschr\u00e4nke er es, Friedensstiftungen und \u00e4hnliche F\u00e4lle ausgenommen. Im Allgemeinen gew\u00f6hne man sich, nur weise Gespr\u00e4che, oder solche zu f\u00fchren, die eine Wohltat oder dergleichen bezwecken. Man unterhalte sich nicht mit einem Frauenzimmer auf \u00f6ffentlichem Markte; sogar nicht mit der eigenen Frau, oder Schwester oder Tochter.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Ein Weiser gehe nicht in steifer Haltung und mit gestrecktem Halse einher, wie es hei\u00dft: \u00bbSie gehen umher die H\u00e4lse gestreckt, und die Augen umherwerfend\u00ab (Jes. 3:16). Er gehe nicht wie die Weiber und hochm\u00fctigen, langsam, Schritt vor Schritt; wie es hei\u00dft: \u00bbSie gehen trippelnden Ganges und machen Geklirr mit ihren F\u00fc\u00dfen\u00ab (Ebenda).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber er laufe auch nicht auf der Stra\u00dfe wie ein Wahnsinniger, noch gehe er gekr\u00fcmmt, wie ein Verwachsener, sondern den Blick gesenkt wie beim Gebete, und auf der Stra\u00dfe wie ein besch\u00e4ftigter Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch aus dem Gange des Menschen l\u00e4sst sich&#8217;s erkennen, ob er ein kluger und bescheidener Mann, oder ein Tor und ein Narr sei, was auch der weise Salomo lehrt: \u00bbAuch im Gange, wenn der Dummkopf geht, mangelt ihm Verstand, und er sagt \u00fcberall: Er sei ein Dummkopf\u00ab (Kohelet 10:3), \u2014 er selbst verk\u00fcndet es Allen, dass er ein Dummkopf ist.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Das Gewand des Weisen sei anst\u00e4ndig und rein, und frei von Flecken, und dergleichen; er kleide sich nicht k\u00f6niglich in Gold und Purpur, noch bettelhaft; denn jene ziehen die Blicke, dieses zieht die Verachtung aller auf ihn; er kleide sich vielmehr anst\u00e4ndig und mittelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Haut soll nicht durch den Stoff durchscheinen, wie bei den feinen in \u00c4gypten gearbeiteten Leinen, noch sollen sich seine Kleider schleppen auf der Erde, wie die der Hochm\u00fctigen, sie reichen vielmehr nur bis an die Ferse, und die \u00c4rmel bis an die Fingerspitzen. Er lasse seinen Gebetmantel nicht weit hinabh\u00e4ngen, weil es hochm\u00fctig aussieht, mit Ausnahme des Schabbats, wenn er keinen zweiten hat. Im Sommer ziehe er keine allzugeflickten Schuhe an, wohl aber zur Regenzeit, wenn er arm ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Er gehe nicht duftend von wohlriechenden Salben auf der Stra\u00dfe, noch mit wohlriechenden Kleidern, noch tue er Wohlriechendes ins Haar. Geschieht es um Unreinigkeiten des K\u00f6rpers zu heben, so ist es erlaubt. Er gehe auch nachts nicht allein aus, es sei denn, dass er seiner Studien wegen immer zu einer bestimmten Stunde ausgehe. Alles dies tue der Weise, um jeden Verdacht zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Der Weise esse, trinke und ern\u00e4hre seine Familie nach seinem Verm\u00f6gen, verrichte seine Handlungen mit Berechnung, und lade sich keine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Last auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Weisen lehren man esse nur dann Fleisch, wenn man ganz besondere Lust dazu hat, wie es hei\u00dft: \u00bbWenn deine Seele Fleisch zu essen gel\u00fcstet\u00ab (Deut. 12:20). Dem Gesunden gen\u00fcge, alle Freitag Abend Fleisch zu essen. Wer aber so reich ist, dass er alle Tage Fleisch essen kann, m\u00f6ge es tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weisen gebieten uns: zu essen unter unseren Stand, uns zu kleiden nach demselben, und Frau und Kinder zu ehren \u00fcber denselben.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Der Vern\u00fcnftige w\u00e4hle sich vor allen Dingen ein Gesch\u00e4ft, das ihn ern\u00e4hre, danach schaffe er sich eine Wohnung, und heirate erst dann, wie es hei\u00dft: \u00bbWer ist der Mann, der einen Weinberg gepflanzt und ihn noch nicht gen\u00fctzt? Wer, der ein neues Haus baut, und es noch nicht einweihet? Wer, der sich einem Weibe verlobt, und es noch nicht heiratet (Deut. 20:5-7).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Dummen fangen mit der Heirat an, kaufen sich dann, wenn m\u00f6glich, ein Haus, und suchen zuletzt auf die letzten Tage einen Erwerb, oder Almosen. So hei\u00dft es auch unter den Fl\u00fcchen: \u00bbEin Weib wirst du nehmen, ein Haus bauen und einen Weinberg pflanzen (Deut. 28:30) welches bedeutet: Deine Handlungen werden verkehrt sein, damit du auf deinen Wegen kein Gl\u00fcck findest. Unter den Segnungen hei\u00dft es dagegen: \u00bbUnd David war gl\u00fccklich auf allen seinen Wegen, und der Ewige war mit ihm\u00ab (1 Sam. 18:14).<\/p>\n\n\n\n<p>12) Der Mensch soll nicht sein ganzes Verm\u00f6gen verschenken oder auf heilige Gegenst\u00e4nde verwenden, und dann seinen Nebenmenschen zur Last fallen. Er verkaufe auch kein Feld, um daf\u00fcr ein Haus zu kaufen, noch ver\u00e4u\u00dfere er ein Haus, um daf\u00fcr bewegliche G\u00fcter anzuschaffen, oder Handel zu treiben, wohl aber mag er bewegliche G\u00fcter verkaufen, um sich daf\u00fcr ein Feld zu kaufen. Im Allgemeinen merke man: Ein Jeder strebe sein Verm\u00f6gen zu sichern, Bleibendes f\u00fcr Verg\u00e4ngliches einzutauschen, nicht aber fl\u00fcchtigen Genuss um gro\u00dfe Opfer.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Der Handel und Wandel des J\u00fcngers der Weisen sei in Wahrheit und Redlichkeit, sein Ja sei Ja und sein Nein Nein; er sei streng, genau gegen sich selbst, schenke aber freigebig Andern, halte sich, um sein Wort p\u00fcnktlich zu erf\u00fcllen, beim Kauf und Verkauf auch in dem Falle f\u00fcr schuldig, wo er nach der Tora nichts schuldig ist, und wenn Andere ihm nach Recht schuldig sind, so m\u00f6ge er verzeihen und verzichten, leihen und mildt\u00e4tig spenden; er trete nie an das Handwerk seines N\u00e4chsten [um ihm Konkurrenz zu machen] und bedr\u00e4nge nie in seinem Leben einen Menschen; kurz er sei stets von den Verfolgten und nicht von den Verfolgern, von den Bedr\u00fcckten und nicht von den Bedr\u00fcckern. Von einem Menschen, der solche und \u00e4hnliche Taten \u00fcbt, sagt die Schrift: \u201eEr sprach zu mir: Mein Knecht bist Du, o Israel, an dem Ich mich verherrliche\u201c (Jes. 49:3).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">SECHSTES KAPITEL \u2014 Zwischenmenschliche Angelegenheiten<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Es liegt in der Natur des Menschen, sich bei seinen Neigungen und Handlungen nach denen der Bekannten und Freunde zu richten, und \u00fcberhaupt nach Landes-Sitte zu leben. Er geselle sich daher den Frommen bei, und pflege Umgang mit Weisen, damit er von ihnen ihre Handlungen lerne; dagegen fliehe man B\u00f6sewichter, und die im Finstern wandeln, um ihre Handlungsweise nicht abzulernen. Denn Salomo sagt: \u00bbWer mit Weisen umgeht, der wird weise. Wer sich zu Toren gesellt, zerschellt\u00ab (Mischlei 13:20). Wie auch K\u00f6nig David sagt: \u00bbHeil dem Manne, der dem Rat der B\u00f6sen nicht folgt\u00ab (Ps. 1:1).<\/p>\n\n\n\n<p>Wer daher in einem Lande lebt, dessen Sitten schlecht sind, und dessen Bewohner nicht auf dem rechten Wege wandeln, der wandre nach einem Orte aus, dessen Bewohner gerecht und fromm sind. Befinden sich aber alle St\u00e4dte, die er kennt, auf schlechter Bahn, wie leider in unseren Zeiten, oder ist er Krieges oder Krankheitshalber gehindert nach dem Lande mit guten Sitten zu gehen, so bleibe er f\u00fcr sich allein, wie es hei\u00dft: \u00bbEr sitzt einsam und schweigt\u00ab (Eicha 3:28). Sind aber die Einwohner so b\u00f6se und s\u00fcndhaft, dass sie ihm weder diese Einsamkeit noch den Aufenthalt im Lande g\u00f6nnen, es sei denn, er n\u00e4hme teil an ihrem Treiben, so fl\u00fcchte er in H\u00f6hlen, Geb\u00fcsche und W\u00fcsten, und lebe nicht nach Weise der S\u00fcnder, wie es hei\u00dft: \u00bbWer br\u00e4chte mich doch in die W\u00fcste, in das Nachtlager der Wanderer!\u00ab (Jer. 9:1).<\/p>\n\n\n\n<p>2) Es ist ein Gebot, den Weisen und ihren Sch\u00fclern anzuh\u00e4ngen und von ihren Handlungen, zu lernen, wie es hei\u00dft: \u00bbIhm (Gott) hange an\u00ab (Deut. 10:20). Aber wie kann der Mensch dem g\u00f6ttlichen Wesen anhangen? Die Weisen erkl\u00e4ren dies Gebot also: \u00bbFolge den Weisen und ihren Sch\u00fclern\u00ab (Talmud). Deshalb soll der Mensch streben, die Tochter eines Weisen zu heiraten und die seine, \u2014 einem Weisen zu geben, mit ihm zu essen und zu trinken, f\u00fcr ihn Gesch\u00e4fte zu treiben und jede m\u00f6gliche Verbindung mit ihm einzugehen, nach dem Spruche: \u00bbAn ihm sollt ihr hangen\u00ab (Deut. 11:22) und nach dem Gebote der Weisen: \u00bbBestreue dich mit dem Staube ihrer F\u00fc\u00dfe, und trinke durstig ihre Worte\u00ab (Awot).<\/p>\n\n\n\n<p>3) Es ist Israels Pflicht, jeden aus Israel wie sich selbst zu lieben, wie es hei\u00dft: \u00bbLiebe deinen N\u00e4chsten, wie dich selbst\u00ab (Lev. 19:18). Man verk\u00fcnde deshalb des N\u00e4chsten Lob, und schone sein Verm\u00f6gen und seine Ehre, wie die eigene; und wer seine Ehre auf die Schmach seiner Mitmenschen erbaut, hat keinen Teil an der k\u00fcnftigen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Zwei Gebote lehren die Liebe gegen den Fremdling (Ger), der sich unter Gottes Schutz begeben, n\u00e4mlich: das vom Nebenmenschen, und das vom Fremdlinge, von dem das Gesetz sagt: \u00bbIhr sollt den Fremdling lieben\u00ab (Deut. 10:19). Den Fremdling lieben ist so gut geboten, wie Gott lieben, von dem es auch blo\u00df hei\u00dft: \u00bbDu sollst den Ewigen, Deinen Gott, lieben.\u00ab Der Heilige selbst, gelobt sei Er, liebt den zu ihm herannahenden Fremden, wie es hei\u00dft: \u00bbUnd er liebt den Fremdling\u00ab (Deut. 10:18).<\/p>\n\n\n\n<p>5) Wer unter den Israeliten seinen N\u00e4chsten im Herzen hasst, \u00fcbertritt ein Verbot, denn es hei\u00dft: \u00bbDu sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen\u00ab (Lev. 19:17) Jedoch wird dies Vergehen nicht mit Gei\u00dfelhieben bestraft, weil es ohne \u00e4u\u00dfere Tat ist. Das Gesetz warnt hier nur vor Hass im Herzen. Wer seinen Mitmenschen schl\u00e4gt und ihm Schande antut, \u00fcbertritt nicht dieses Verbot, obgleich er andere Verbote \u00fcbertritt.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Vergeht sich Jemand gegen einen Anderen, so soll Dieser jenen nicht im Stillen hassen, wie es von B\u00f6sewichten hei\u00dft: \u00bbUnd Absalom redete nicht mit Ammon, weder B\u00f6ses noch Gutes, denn Absalom hasste den Ammon\u00ab (2. 13:22), \u2014 sondern es ist ihm geboten, sich mit ihm zu verst\u00e4ndigen, ihn fragend: warum hast Du mir so und so getan, und dich darin gegen mich vergangen? Denn es hei\u00dft: \u00bbDu sollst deinen N\u00e4chsten zur Rede stellen\u00ab (Lev. 19:17). Bereut nun jener dies, und bittet um Verzeihung, so verzeihe er ihm, und verhalte sich nicht unvers\u00f6hnlich, wie es hei\u00dft: \u00bbUnd Abraham betete zu Gott u. s. w.\u00ab (Gen. 20:17).<\/p>\n\n\n\n<p>7) Wer seinen Nebenmenschen fehlen, und auf schlechten Wegen wandeln sieht, ist verpflichtet, ihn zum Guten zur\u00fcckzuf\u00fchren, und ihn zu belehren, dass er durch seine b\u00f6sen Handlungen nur gegen sich selbst s\u00fcndigt, wie es hei\u00dft: \u00bbDu sollst deinen N\u00e4chsten zur Rede stellen\u00ab (Lev. 19:17).<\/p>\n\n\n\n<p>Wer seinen N\u00e4chsten in eigenen Angelegenheiten, oder weil er gegen Gott ges\u00fcndigt, zur Rede stellt, tue es unter vier Augen, er rede ihn gelassen und mit sanften Worten an, und mache ihm bemerkbar, dass er ihn ermahne zu seinem Besten, auf dass er der zuk\u00fcnftigen Welt teilhaftig werde. Findet er ihn f\u00fcr die Ermahnung empf\u00e4nglich, so ist&#8217;s gut, wo nicht, so ermahne er ihn ein zweites und ein drittes Mal, und fahre damit pflichtm\u00e4\u00dfig so lange fort, bis ihn der S\u00fcnder schl\u00e4gt, und ihm zuruft: \u00bbIch will nicht h\u00f6ren\u00ab. Wer dem Unrecht wehren kann, und ihm nicht wehrt, der wird selbst der S\u00fcnde teilhaftig, weil er ihm doch hatte wehren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Wer seinen N\u00e4chsten zurechtweist, rede ihm mit Sanftmut zu, ohne ihn zu besch\u00e4men, nach den Worten: \u00bbDu sollst auf ihn keine S\u00fcnde tragen\u00ab (ebenda), welche die Weisen also deuten: Du sollst Niemanden so zurechtweisen, dass er schamrot wird. Daher ist es jedem Israeliten verboten seinen N\u00e4chsten irgendwo, am allerwenigsten \u00f6ffentlich, zu besch\u00e4men.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl der, welcher seinen N\u00e4chsten schamrot macht, nicht gegei\u00dfelt wird, so begeht er doch eine gro\u00dfe S\u00fcnde, denn unsre Weisen sagen: \u00bbWer seinen N\u00e4chsten \u00f6ffentlich besch\u00e4mt, hat keinen Teil an der k\u00fcnftigen Welt\u00ab (Talmud). Man h\u00fcte sich deshalb seinen N\u00e4chten, wer er auch sei, \u00f6ffentlich zu besch\u00e4men, man nenne ihn nicht mit einem Beinamen, der ihn schamrot macht, noch erz\u00e4hle man in seiner Gegenwart, wovor er sich sch\u00e4men muss.<\/p>\n\n\n\n<p>So sei es bei zwischenmenschlichen Angelegenheiten; handelt es sich aber um ein Vergehen gegen Gott, das der S\u00fcnder nach einer Ermahnung unter vier Augen nicht bereut, so soll man ihn \u00f6ffentlich besch\u00e4men, seine S\u00fcnde verk\u00fcnden, ihn beleidigen, verachten und ihn, selbst in seinem Beisein verfluchen, bis er wieder zum Guten zur\u00fcckkehrt. Ganz so machten es die Propheten Israels.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Ist Jemand von seinem N\u00e4chsten beleidigt, und er will ihn dar\u00fcber nicht zur Rede stellen, weil der Beleidiger eine zu unbedeutende Person, oder geisteskrank war, vielmehr ihm in seinen Herzen verzeihen, ohne Hass und Ermahnung, so ist das besondere Fr\u00f6mmigkeit, insofern das Gesetz nur verlangt, dass kein innerer Hass da sei.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Der Mensch soll sich der Witwen und Waisen annehmen, weil ihre Seele gebeugt und ihr Geist gedr\u00fcckt ist; auch sogar auf Verm\u00f6gende, ja selbst auf die Witwen und Waisen eines F\u00fcrsten erstreckt sich diese Verpflichtung, denn es hei\u00dft: \u00bbKeine Wittwer oder Waise sollt ihr dr\u00fccken\u00ab (Ex. 22:21).<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie geht man mit ihnen um? Man spreche nur sanft mit ihnen, erweise ihnen Ehre, greife weder ihren K\u00f6rper mit Arbeit, noch ihr Herz mit harten Worten an, und schone ihr Verm\u00f6gen mehr als das eigene.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sie erz\u00fcrnt, kr\u00e4nkt, betr\u00fcbt, dr\u00fcckt, ihr Gut vergeudet \u2014 \u00fcbertritt ein Verbot, geschweige denn derjenige, der sie schl\u00e4gt, oder ihnen flucht. Wenngleich auf die \u00dcbertretung dieses Verbots keine Gei\u00dfelung steht, so bezeichnet die Schrift dennoch die Strafe, denn es hei\u00dft: \u00bbMein Zorn wird entbrennen, und Ich werde euch t\u00f6ten mit dem Schwerte\u00ab (Ex. 22:23).<\/p>\n\n\n\n<p>Der da sprach: \u00bbEs werde die Welt\u00ab hat mit ihnen einen Bund geschloffen und will sie erh\u00f6ren, so oft sie wegen Gewalt zu ihm schreien, denn es hei\u00dft: \u00bbWenn er zu mir schreit so erh\u00f6rt Ich ihn\u00ab (ebenda).<\/p>\n\n\n\n<p>Dies geschieht jedoch nur insofern, als man sie zu eigenem Vorteil beeintr\u00e4chtigt, h\u00e4lt sie aber der Vorgesetzte streng, um sie zum Studium des Gesetzes, zur Erlernung eines Handwerks, oder auf den rechten Weg zu f\u00fchren, so ist das erlaubt; aber auch dann behandle man sie nicht wie Jedermann, zeichne sie vielmehr aus, leite sie mit Sanftmut, Nachsicht und Achtung, denn es hei\u00dft: \u00bbDer Ewige wird ihren Streit f\u00fchren\u00ab (Mischlei 22:23), sei es eine vater- oder eine mutterlose Waise. Und wie lange werden sie als Waisen in dieser Hinsicht betrachtet? Bis sie keines Erwachsenen mehr zur St\u00fctze, Pflege, oder Belehrung bed\u00fcrfen, sondern, anderen Erwachsenen gleich, selbst f\u00fcr ihre Bed\u00fcrfnisse sorgen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">SIEBENTES KAPITEL \u2014 Verbote der Zunge<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Wer seinen N\u00e4chsten auskundschaftet, \u00fcbertritt ein Verbot, denn es hei\u00dft: \u00bbDu sollst nicht als Zungentr\u00e4ger herumgehen unter deinem Volke\u00ab (Lev. 19:16); und obgleich die \u00dcbertretung dieses Verbots nicht mit Gei\u00dfelung geahndet wird, so ist dieselbe doch nicht weniger strafbar, und kann Ursache des Todes vieler Israeliten werden; daher hei\u00dft es auch gleich nach jenem Spruche: \u00bbStehe nicht gegen das Blut deines N\u00e4chsten\u00ab (ebenda). Ein Beispiel daf\u00fcr gibt die Geschichte Doegs, des Edomiten (1 Sam. 19).<\/p>\n\n\n\n<p>2) Wer hei\u00dft ein Auskundschafter? Derjenige, welcher sich mit Neuigkeiten herumtr\u00e4gt, von Einem zum Anderen geht und erz\u00e4hlt: Der hat dies gesagt, und jener so gesprochen; ein solcher, wenn auch seine Mitteilungen wahr sind, richtet die Welt zu Grunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine noch weit gr\u00f6\u00dfere, ebenfalls in diesem Verbot mit inbegriffene S\u00fcnde ist die Verleumdung (laschon hara). Ein Verleumder ist ein solcher der, w\u00e4re es auch mit Grund, immer nur Sch\u00e4ndliches von seinem N\u00e4chsten erz\u00e4hlt; tut er es ohne Grund, so wird er ein Namensch\u00e4nder genannt, weil er den guten Namen seines N\u00e4chsten untergr\u00e4bt. Auf den Verleumder, der ruhig dasitzend erz\u00e4hlt: \u00bbDies hat er getan, so waren seine Eltern, jenes habe ich \u00fcber ihn geh\u00f6rt\u00ab und hiermit Sch\u00e4ndliches mittheilt, beziehen sich die Worte des Psalmisten: \u00bbDer Ewige rotte aus alle glatten Lippen und Zungen, die falsche Worte reden.\u00ab (Ps. 12:4).<\/p>\n\n\n\n<p>3) Die Weisen lehren: f\u00fcr drei S\u00fcnden wird der Mensch schon in dieser Welt bestraft, und verlustig der k\u00fcnftigen, n\u00e4mlich f\u00fcr G\u00f6tzendienst, Blutschande, Mord; Verleumdung jedoch wiegt schwerer als alle.<\/p>\n\n\n\n<p>Ferner lehren die Weisen: Ein Verleumder ist nicht besser, als der, welcher die Grundwahrheiten leugnet; denn es hei\u00dft: \u00bbMit unseren Zungen bringen wir es weit, sind unsere Lippen mit uns, wer will unser Herr sein?\u00ab (Ps. 12:5). Endlich lehren die Weisen: \u00bbDrei werden von der Verleumdung get\u00f6tet: Der sie spricht, der sie anh\u00f6rt, und den sie trifft (der Verleumdete). Wer sie aber anh\u00f6rt ist noch schuldiger, als der sie spricht (Talmud).<\/p>\n\n\n\n<p>4) Eine untergeordnete Art von Verleumdung ist es, wenn Jemand also spricht: Wer w\u00fcrde geglaubt haben, dass N. R. so sein w\u00fcrde, wie er jetzt ist\u00ab oder \u00bbschweigt von Jenem, ich mag nicht erz\u00e4hlen, was er beging, und was er war\u00ab, u. dgl. mehr. Und wer von dem Wohl seines N\u00e4chsten vor dessen Feinden spricht, geh\u00f6rt dieser Klasse von Verleumdern an, denn er wird Veranlassung, dass diese \u00dcbles von ihm reden. Hierauf beziehen sich die Worte Salomons: \u00bbWer seinen Freund mit Lob ausposaunet am fr\u00fchen Morgen, tut es zu seinem Fluche\u00ab (Mischlei 27:14). Denn sein Lobspruch bewirkt nur \u00dcbles.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem, der ohne b\u00f6se Absicht, nur in Scherz und Leichtsinn verleumdet, spricht der weise Salomo: Er gleicht dem, der zum Zeitvertreib Brandgescho\u00df, Pfeile und Tod absendet und spricht: \u00bbIch scherze ja nur\u00ab (Mischlei 26:18-19). Gleicherweise ist es verboten, mit Hinterlist zu verleumden, als wenn man in aller Unschuld spr\u00e4che und sich zu stellten als w\u00fcsste man nicht, dass es Verleumdung sei, und bei etwaiger Zurechtweisung zu erwidern: \u00bbIch wusste gar nicht, dass es Verleumdung sei, oder dass Jener dies und das getan.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>5) Erz\u00e4hlt man in Gegenwart seines N\u00e4chsten, oder hinter seinem R\u00fccken \u00dcbles oder Dinge, die weiterverbreitet, ihm an seiner Person oder an seinem Verm\u00f6gen schaden, oder Angst und Schrecken einjagen, so ist das Alles Verleumdung. Erz\u00e4hlt man dergleichen vor drei Personen, so wird es als allgemein bekannt angesehen. Wird es nun von Einem dieser drei weitererz\u00e4hlt, so ist es keine Verleumdung, er m\u00fcsste denn die Absicht haben, es weiter zu verbreiten und es mehr zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Du sollst nicht in der Nachbarschaft von solchen Verleumdern wohnen, geschweige dich zu ihnen gesellen, oder ihre Worte anh\u00f6ren. Ward doch das Strafgericht in der W\u00fcste \u00fcber unsere V\u00e4ter, lediglich wegen Verleumdung verh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Wer sich an seinen Mitmenschen r\u00e4cht, \u00dcbertritt ein Verbot, denn es hei\u00dft: \u00bbDu sollst dich nicht r\u00e4chen\u00ab (Lev. 19:18); und wiewohl darauf keine Gei\u00dfelung steht, so ist es doch eine sehr b\u00f6se Eigenschaft; denn der Mensch soll in irdischen Angelegenheiten \u00fcberhaupt nachsichtig verfahren, und mit der Vernunft jener Kenner \u00fcberlegen, dass dieselben eitel und nichtig sind, und der Rache nicht wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Was hei\u00dft Rache? Tritt Jemand zu seinem N\u00e4chsten mit der Bitte \u00bbleih mir deine Axt\u00ab und dieser antwortet: \u00bbIch leihe sie dir nicht\u00ab. Kommt aber selbst den andern Morgen, wo er eine Axt braucht, zu jenem, sich eine solche zu erbitten, und dieser antwortet dann: \u00bbIch gebe sie dir nicht, weil du mir die deinige verweigertest, als ich dich darum bat\u00ab; so ist das Rache. Dieses aber ist nicht recht, er erf\u00fclle vielmehr die Bitte, und tue nicht wie jener. Also verfahre man bei \u00c4hnlichem, wie auch David von seinen guten Sitten spricht: \u00bbWenn ich B\u00f6ses dem mir \u00fcbel Gesinnten erwiesen\u00ab u. s. w. (Ps. 7:5).<\/p>\n\n\n\n<p>8) Ebenso s\u00fcndigt der Israelit, der einem etwas nachsagt, denn es hei\u00dft: \u00bbDu sollst Nichts nachtragen den Kindern deines Volks\u00ab (Lev 19:18). Was hei\u00dft aber nachtragen? Ruben bittet Schimon, er m\u00f6ge ihm ein Haus vermieten oder einen Ochsen leihen, dieser aber schl\u00e4gt es ab, kommt aber nach einiger Zeit zu Ruben mit der Bitte, ihm Etwas zu leihen oder zu vermieten. Schl\u00e4gt nun jener es nicht ab, bemerkt \u00fcber dabei: Siehe, ich leihe dir, bin nicht so wie du, vergelte dir nicht mit Gleichem,\u2014 so \u00fcbertritt er das Verbot: nicht nachzutragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man tilge vielmehr jede Regung von Hass aus dem Herzen und trage Nichts nach, denn so lange man nachtr\u00e4gt, und an das erlittene Unrecht denkt, wird man leicht zur Rache verleitet; darum legt die Schrift so gro\u00dfe Bedeutung auf das Nachtagen, und verlangt, das Unrecht im Herzen mit g\u00e4nzlichem Vergessen auszul\u00f6schen. Das ist die rechte Weise, bei der die Wohlfahrt des Landes und der gegenseitige Verkehr der Menschen, am besten gedeihen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/mischne-tora\/\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"198\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/mischt.png?resize=200%2C198&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3324\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/mischt.png?w=200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/mischt.png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/mischt.png?resize=120%2C120&amp;ssl=1 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/figure><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/mischne-tora\/\">Eine \u00dcbersicht aller Kapitel der Mischne Torah (und der verf\u00fcgbaren \u00dcbersetzungen) findet man hier.<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sittenlehre \u2014 \u05d4\u05dc\u05db\u05d5\u05ea \u05d3\u05e2\u05d5\u05ea, enth\u00e4lt f\u00fcnf Gebote und sechs Verbote.<\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":3615,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,210,252],"tags":[151],"class_list":["post-3611","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-creative-commons","category-mischne-torah","tag-maimonides"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/2018-10-03-00_29_11-Greenshot-capture-form.jpg?fit=1162%2C758&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/32"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3611"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9489,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3611\/revisions\/9489"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3615"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}