{"id":3728,"date":"2018-10-16T08:59:57","date_gmt":"2018-10-16T06:59:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=3728"},"modified":"2018-12-13T10:41:56","modified_gmt":"2018-12-13T08:41:56","slug":"mischnah-awot-kapitel-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/mischnah-awot-kapitel-3\/","title":{"rendered":"Mischna Awot \u00bb Kapitel 3"},"content":{"rendered":"<p>Der Text der Mischna(h) Awot (Kapitel 3) in deutscher \u00dcbersetzung<\/p>\n\n<h2>1<\/h2>\n<p>Akabja, Mahalaleels Sohn, sagte:<br \/>\nMerk auf drei Dinge<br \/>\nund du f\u00e4llst nicht in S\u00fcnde!<br \/>\nBeherzige, woher du kommst,<br \/>\nwohin du gehst<br \/>\nund wem du Rechenschaft geben mu\u00dft!<br \/>\nWoher kamst du?<br \/>\nVon einer \u00fcbelriechenden Fl\u00fcssigkeit.<br \/>\nWohin gehst du?<br \/>\nAn den Ort des Staubes und Gew\u00fcrmes.<br \/>\nWem mu\u00dft du Rechenschaft ablegen?<br \/>\nDem K\u00f6nig, dem K\u00f6nig der K\u00f6nige. Gelobt sei er!<\/p>\n<h3>Kommentar<\/h3>\n<p>von Rabbiner Dr. Marcus Lehmann<br \/>\nIn der ersten Mischna des zweiten Buches unsrer Masechta haben wir einen \u00e4hnlichen Ausspruch: Rabbi pflegte zu sagen: \u00bbBetrachte drei Dinge und du kommst nicht in die H\u00e4nde der S\u00fcnde: erkenne, was \u00fcber dir ist: ein sehendes Auge und h\u00f6rendes Ohr,und alle deine Werke werden in einem Buche verzeichnet.\u00ab Wenn wir die drei Dinge Rabbis mitdenen Akabias vergleichen, so wird sich ergeben, dass die drei Dinge Rabbis nur eine n\u00e4here Ausf\u00fchrung des von Akabia angegebenen, dritten Dinges sind, n\u00e4mlich der einstigen Rechenschaftsablage vor dem Richter des Weltalls. Akabia hingegen macht uns auch auf Dinge aufmerksam, die geeignet sind, uns in kr\u00e4ftigster Weise von jenen h\u00e4sslichen Eigenschaften zur\u00fcckzuhalten, die meistens der Ursprung aller S\u00fcnden sind: vom Stolz, von der Genusssucht, von der Habsucht.<br \/>\n\u2014 T\u00f6richter Mensch, der du dich stolz \u00fcber deine Mitmenschen erhebst, der du in deiner Eitelkeit dein geringes Denken, Wollen und K\u00f6nnen auf einen eingebildeten Thron erhebst, erinnere dich an deine geringe und unbedeutende Herkunft. Aus einer Tippah bist du gebildet, die gar leicht in F\u00e4ulnis \u00fcbergehen und zum Ekel h\u00e4tte werden k\u00f6nnen (vgl. Bartinora). Worauf also willst du stolz sein? Gleichen Ursprung haben der m\u00e4chtigste K\u00f6nig und der geringste Bettler, der F\u00fcrst der Wissenschaft und der unwissende Tagel\u00f6hner, der Reiche, der \u00fcber Millionen gebietet, und der \u00c4rmste, dem ein St\u00fcckchen Brot fehlt, um seinen Hunger zu stillen. Wenn du dich deines Ursprungs erinnerst, o Mensch, so wird der Stolz dir vergehen und die Eitelkeit dir entschwinden.<\/p>\n<h2>2<\/h2>\n<p>Rabbi Chanina, der Priestervorsteher, sagte:<br \/>\nBet f\u00fcr das Wohl der Obrigkeit!<br \/>\nG\u00e4b\u2019s keine Furcht vor ihr,<br \/>\nso verschl\u00e4nge einer den andern.<\/p>\n<p>Rabbi Chanina, Teradions Sohn, sagte:<br \/>\nSitzen zwei beisammen<br \/>\nund reden sie nicht \u00fcber das Gesetz,<br \/>\ndann ist es wahrlich ein Zusammensitzen von Sp\u00f6ttern.<br \/>\nEs hei\u00dft in der Schrift (Ps 1, 1, 2):<br \/>\n\u00bbIn der Versammlung der Sp\u00f6tter sitzt er nicht.\u00ab<\/p>\n<p>Aber sitzen zwei beisammen<br \/>\nund befassen sich mit dem Gesetz,<br \/>\ndann ist die Gottesgnadengegenwart bei ihnen.<br \/>\nEs hei\u00dft in der Schrift (Mal 3, 16):<br \/>\n\u00bbDann sagen die Gottesf\u00fcrchtigen zueinander:<br \/>\nGott h\u00f6rt und vernimmt es.\u00ab<\/p>\n<p>Ich finde hier nur Zweierlei.<br \/>\nSitzt einer da und forscht im Gesetz,<br \/>\nrechnet ihm dies der Heilige an.<br \/>\nEs hei\u00dft ja (Klagel. 3, 28):<br \/>\n\u00bbEr sitzt einsam da und schweigt;<br \/>\ndenn Er legt\u2019s ihm auf.\u00ab<\/p>\n<h3>Kommentar<\/h3>\n<p>von Rabbiner Dr. Marcus Lehmann<br \/>\n<strong>Rabbi Chanina<\/strong><br \/>\nAuch der hier genannte Weise lebte zu der Zeit, als der heilige Tempel noch stand. Er hatte eine hohe Stelle inne und kam im Range gleich nach dem Hohenpriester. F\u00fcr den Fall, dass dem Hohepriester am Vers\u00f6hnungstag ein Unfall zustie\u00df, war der Vorsteher der Priester, bestimmt, ihn zu ersetzen (Joma 39 a). Er war ein Genosse des Rabban Jochanan ben Sakkai und \u00fcberlebte, wie dieser, die Zerst\u00f6rung des heiligen Tempels. Er starb den M\u00e4rtyrertod am 25. Tage des Monats Siwan, an demselben Tage, an welchem Rabbon Schimeon ben Gamliel der \u00c4ltere und Rabbi Jischmael, der Hohepriester, zum Tode gef\u00fchrt wurden (Orach Chajim 580). Doch scheint die Hinrichtung Rabbi Chaninas wohl an demselben Tag und Monat, doch nicht in demselben Jahre wie die der beiden andern Weisen stattgefunden zu haben, da sich aus mehreren Talmudstellen ergibt, dass wie bereits erw\u00e4hnt, Rabbi Chanina die Zerst\u00f6rung des heiligen Tempels \u00fcberlebt hat. (Vgl. Joma 21b, wo er bezeugt: Ich habe die Flamme auf dem Altare im heiligen Tempel gesehen. Mit Recht folgert man daraus, dass damals der heilige Tempel schon zerst\u00f6rt war. Vgl. auch Pessachim 14a, Joma 8a.)<\/p>\n<p>Es ist  eine gro\u00dfe Lehre, die Rabbi Chanina  uns hier gibt. Sie belehrt uns nicht  allein in Bezug auf unser Verhalten  dem Staate Gegenuber, in dessen  Mitte wir leben; der Ausspruch des  Weisen wirft auch ein helles Licht auf  den Begriff des Staates \u00fcberhaupt.  Einer der gr\u00f6\u00dften Denker der neuern  Zeit, der ber\u00fchmte Philosoph Hegel,  hat die Frage aufgeworfen, was wohl  fr\u00fcher sei, das einzelne Individuum,  das gemeinsam mit Millionen anderer  den Staat bildet, oder der Staat selbst.  So seltsam diese Frage erscheint, so  hat sie doch ihre vollkommene  Berechtigung, und von ihrer  Beantwortung hang3n der Begriff und  die Bestimmung des Wesens des  Staates ab. Wenn die einzelnen  Individuen das Urspr\u00fcngliche sind, so  besteht der Staat nur in der  Vereinigung vieler Individuen zu  einem nur lose zusammenhangenden  Ganzen. Dem ist jedoch nicht so. Der  Staat muss als ein organisches Wesen  betrachtet werden, und in jedem  Organismus ist nicht der Teil fr\u00fcher  da, sondern das Ganze, wenn auch  nicht tatsachlich, so doch jedenfalls  der Idee nach. Wir wollen das an  einem Beispiel deutlich machen. Beim  Menschen z. B. ist nicht der kleine  Finger fr\u00fcher da als der Mensch, wohl  aber ist der Begriff des Menschen  fr\u00fcher da als die einzelnen Teile des  ins Dasein tretenden Menschen. \u2014  Aus dieser Auseinandersetzung ergibt  sich, dass der Staat eine g\u00f6ttliche  Einrichtung ist, dass das Wesen des  Staates von Gott in die menschliche  Natur gelegt ist, dass die Menschen in  geordneten Staaten zusammen leben  und die staatlichen Organe  bestimmen, die die gesellschaftliche  Ordnung handhaben. Als der  j\u00fcdische Staat zerst\u00f6rt und die Juden  in die babylonische Gefangenschaft  gef\u00fchrt wurden, da richtete der in  Jerusalem zur\u00fcckgebliebene Prophet  Jirmia ein Sendschreiben an die  Verbannten, also lautend: \u00bbSo hat  gesprochen der Ewige Zebaoth, der  Gott Israels zu all den Verbannten, die  ich von Jerusalem nach Babel habe  hinwegf\u00fchren lassen: Bauet Hauser  und bewohnet sie; pflanzet Garten und  genie\u00dfet ihre Frucht. Nehmet Frauen  und zeuget S\u00f6hne und T\u00f6chter, und  nehmet euren S\u00f6hnen Frauen, und  euren T\u00f6chter gebet M\u00e4nnern, damit  sie S\u00f6hne und T\u00f6chter geb\u00e4ren und  damit ihr euch dort vermehret und  nicht vermindert. Und f\u00f6rdert das  Wohl des Staates, wohin ich euch  verwiesen habe, und betet f\u00fcr ihn  zum Ewigen, denn in seinem Wohle  wird auch euch wohl sein\u00ab (Jirm. 29,  4\u2014 7).  Der Prophet verlangt nicht nur von  den in Babel ans\u00e4ssigen Israeliten, dass  sie das Wohl ihres neuen  Heimatlandes f\u00f6rdern, sondern dass  sie auch f\u00fcr es zu Gott beten sollen,  und dementsprechend lehrt Rabbi  Chanina: \u00bbBete best\u00e4ndig f\u00fcr das  Wohl der Regierung .\u00ab  Den Schlusssatz im Prophetenworte  aber dr\u00fcckt der Weise drastisch aus:  \u00bbDenn w\u00e4re nicht die Furcht vor der  Regierung, so w\u00fcrde einer den andern  lebendig verschlingen.\u00ab Gerade der  Fromme, Gute und Edle bedarf des  Schutzes der Regierung mehr als jeder   andere. Er will nur, was gut und recht  ist; er vermeidet es peinlich,  irgendjemandem unrecht zu tun oder  die Rechte seines Nebenmenschen zu  verkleinern oder von dessen Eigentum  sich etwas anzueignen. Rettungslos  w\u00e4re er den Ranken, den  Gewaltt\u00e4tigkeiten, der Niedertracht  seiner b\u00f6sen Mitmenschen verfallen,  wenn der Staat ihn nicht vor  Vergewaltigung sch\u00fctzte. Daher sagt  der Weise nicht \u05d4\u05ea\u05e4\u05dc\u05dc\u00ab Bete\u00ab,   \u00bbbest\u00e4ndig Bete \u00bb\u05d4\u05b1\u05d5\u05d9 \u05de\u05b4 \u05ea\u05b0\u05c2 \u05e4\u05b7 \u05dc\u05b5 \u05dc sondern  f\u00fcr das Wohl der Regierung.  Nun gibt es aber Regierungen, die  dem Ideale des Staates nur sehr wenig  entsprechen, Regierungen, die die  Willk\u00fcr an die Stelle des Gesetzes  treten lassen, die einzelne Klassen der  Staatsb\u00fcrger auf Kosten der andern  bevorzugen, Regierungen, deren  ausf\u00fchrende Organe der Korruption  und der Bestechung zuganglich sind.  Soll der Jude auch solcher Regierung  gegen\u00fcber ein getreuer B\u00fcrger, ein  ergebener Untertan sein? Gerade eine  solche Regierung war es, unter der  Rabbi Chanina lebte. Er und seine  Zeitgenossen seufzten unter der  Gewaltherrschaft des r\u00f6mischen  Reiches, dessen Imperatoren  Tyrannen, dessen Prokonsuln, die in  den eroberten Provinzen herrschten,  mit allen Mitteln sich zu bereichern  bestrebt waren; und dennoch lehrt der  Weise: Bete best\u00e4ndig f\u00fcr das Wohl  der Regierung, denn eine schlechte,  parteiische, willk\u00fcrliche Regierung ist  noch tausendmal besser als die  Anarchie, als der Zustand, in welchem  die Gewalt nicht gehandhabt wird;  denn da w\u00fcrde ein Krieg aller gegen  alle ausbrechen, da w\u00fcrden die B\u00f6sen  und Schlechten, die Arbeitsscheuen  und Genusss\u00fcchtigen die Oberhand  bekommen, da w\u00fcrde gleichsam  \u00bbeiner den andern lebendig  verschlingen.\u00ab Zum schlimmsten  Raubtier wird der Mensch, wenn die  in ihm schlummernde Bestie entfesselt  wird. \u00bbDa werden Weiber zu Hy\u00e4nen  und treiben mit Entsetzen Spott.\u00ab Der  L\u00f6we und der Tiger t\u00f6ten erst ihre  Beute und verzehren sie dann; der zur  Bestie gewordene Mensch m\u00f6chte aber  seinen Mitmenschen lebendig  verschlingen. L\u00f6we und Tiger fallen  nicht Ihresgleichen an, um sie zu  morden und zu verzehren; aber die  der Zucht entratenen Menschen  m\u00f6chten einer den andern lebendig  verschlingen. \u2014 Die Geschichte  berichtet uns zahlreiche Tatsachen, die  die Worte unsres Rabbi best\u00e4tigen:  die Bauernkriege, die gro\u00dfe  franz\u00f6sische Revolution, die Tage der  Pariser Kommune haben furchtbare,  entsetzliche Erscheinungen  hervorgebracht.  Aus den oben angef\u00fchrten Worten des  Propheten Jirmijahu und aus der  Lehre des Rabbi Chanina ist die  religi\u00f6se Pflicht gefolgert worden, in  der Synagoge beim \u00f6ffentlichen  Gottesdienste f\u00fcr das Wohl der zu  Recht bestehenden Regierung zu  beten, und das geschieht in der Tat in  allen Synagogen der Diaspora.  In ihm wird f\u00fcr das Wohl des  Landesf\u00fcrsten und seiner Regierung  oder in Frankreich, in der Schweiz  usw. f\u00fcr das Wohl der bestehenden  Regierung gebetet. Das geschah auch  zu den Zeiten, als unsre V\u00e4ter  gedr\u00fcckt, geknechtet und misshandelt     wurden; um wie viel mehr geschieht  es jetzt in hei\u00dfer Andacht f\u00fcr das  Wohl der edlen Herrscher, der  herrlichen Rechtsstaaten, da jeder  Staatsb\u00fcrger, ohne Unterschied der  Religion und des Standes, unter dem  Schutze guter und weiser Gesetze  ruhig und sicher zu leben vermag! Wir  suchen nicht allein das Wohl des  Staates, dem wir angeh\u00f6ren, mit allen  unsern Kr\u00e4ften zu f\u00f6rdern, wir beten  auch best\u00e4ndig zum Allg\u00fctigen f\u00fcr das  Heil und das Gl\u00fcck des Vaterlandes  und f\u00fcr das Wohl derjenigen, die der  allweise Gott zu Lenkern des Staates  eingesetzt hat. <\/p>\n<p><strong>Ich wei\u00df darum von zweien<\/strong><br \/>\nR. Lehmann<br \/>\nDie Bewahrheitung  dieses Ausspruches hat Rabbi  Chananja ben Theradion mit der  Hingabe seines Lebens best\u00e4tigt.  Zur Zeit der Hadrianischen  Verfolgung, nach der Zerst\u00f6rung von  Bethar, wurde das Studium in der  Gotteslehre verboten und die  \u00dcbertretung mit der Todesstrafe  bedroht. Trotzdem lie\u00df der Weise sich  nicht zur\u00fcckhalten, versammelte seine  Sch\u00fcler um sich und belehrte sie in der  Lehre unsres Gottes. Wohl warnte ihn  Rabbi Jose ben Kisma, er aber  beachtete diese Warnung nicht, und  die R\u00f6mer verfuhren mit der  entsetzlichsten Grausamkeit gegen  ihn. Nicht allein er, sondern auch die  Seinen sollten seinen Ungehorsam  b\u00fc\u00dfen. Seine j\u00fcngere, noch ledige  Tochter sollte der Schande  preisgegeben, seine Gemahlin  umgebracht und er selbst unter  schrecklichen Qualen hingerichtet  werden. In eine Sefer Torah  eingewickelt, wurde er auf den  Scheiterhaufen geschleppt, damit er  zugleich mit der Torah ein Raub der  Flamme werde. Um seine Todesqual  zu verl\u00e4ngern, hatte man nasse Wolle  auf sein Herz gelegt. Von Mitleid  erfasst, riet ihm der Henker, die nasse  Wolle zu entfernen. Rabbi Chananja  aber weigerte sich, seinen Tod selbst  zu beschleunigen. Da verk\u00fcrzte ihm  der Henker die Todespein und st\u00fcrzte  sich dann, um der ihm drohenden  Strafe zu entgehen, selbst in die  Flammen. \u2014 Der Gemahl der \u00e4lteren  Tochter des M\u00e4rtyrers, der ber\u00fchmte  Rabbi Meir, rettete mit Lebensgefahr  seine Schw\u00e4gerin aus dem Hause der  Schande. Als er das junge M\u00e4dchen  befreit hatte, verfolgten ihn die R\u00f6mer  mit ihren schrecklichen Fanghunden,  die ihn auch einholten; aber es geschah  ein Wunder, und die Hunde taten ihm  nichts. Daher betet noch heute der  Jude, der von Hunden angefallen  wird: \u00bbAllm\u00e4chtiger, der du einst  Meir von den Hunden errettet hast,  erh\u00f6re auch mich!\u00ab (Vgl. Awodah  zarah 18a.)<\/p>\n<h2>3<\/h2>\n<p>Rabbi Schimon sprach:<br \/>\nWenn drei, die an Einem Tische sitzen,<br \/>\nnicht von dem Inhalt des Gesetzes reden,<br \/>\ndann ist es, als ob sie von Totenopfern \u00e4\u00dfen.<br \/>\nEs hei\u00dft ja (Jes 28, 8):<br \/>\n\u00bbAlle Tische sind ja voll von Gespei und Unflat ohne Gott.\u00ab<br \/>\nAber, wenn drei, die an Einem Tische essen,<br \/>\n\u00fcber den Gesetzesinhalt reden,<br \/>\ndann ist es, als ob sie vom Tische Gottes \u00e4\u00dfen.<br \/>\nEs hei\u00dft (Ez 41, 22):<br \/>\n\u00bbEr sprach zu mir:<br \/>\nDas ist der Tisch, der vor dem Herrn steht.\u00ab<\/p>\n<h3>Kommentar<\/h3>\n<p><strong>drei<\/strong><br \/>\nSamson Raphael Hirsch<br \/>\nSanhedrin 3a: Es wird eine eine so verbreitete Gesetzeskunde in unserem<br \/>\nVolke vorausgesetzt, dass je drei f\u00fcr bef\u00e4higt erkannt werden, als ein Richterkollegium in Sachen des Mein und Dein zu fungieren, weil unter ihnen gewiss einer ist, der gelernt hat, was Rechtens ist. Wenn daher drei an einem Tisch essen, ist voraussichtlich mindestens einer von ihnen nicht ganz ohne Kenntnis der g\u00f6ttlichen Lehr und wenn gleichwohl kein geistiges, der Torah entstammendes Wort ihr Mahl gew\u00fcrzt, so war ihr Mahl kein menschenw\u00fcrdiges, dem sittlich Geistigen angeh\u00f6riges, so erscheint ihr Essen als genie\u00dfende Sinnlichkeit, in welcher das Reinmenschliche nicht lebendig geworden ist.<\/p>\n<p><strong>Totenopfer<\/strong><br \/>\nSamson Raphael Hirsch<br \/>\nDas sind Opferm\u00e4hler, welche den heidnischen G\u00f6tzen verg\u00f6tterter<br \/>\nUnfreiheit geweiht waren, als welche in der zitierten Stelle (Psalm 106,28) namentlich dem Peor, dem Gotte der entarteten Schamlosigkeit, geweihten Opferm\u00e4hler bezeichnet waren.<\/p>\n<h2>4<\/h2>\n<p>Rabbi Chanina, Chachinais Sohn, sprach:<br \/>\nWer bei Nacht aufsteht,<br \/>\nwer allein reist<br \/>\nund wer sein Herz zum Eitlen wendet,<br \/>\nist schuld an seinem Untergang.<\/p>\n<h2>5<\/h2>\n<p>Rabbi Nechunja, des Hakkana Sohn, sprach:<br \/>\nJedem, der das Joch der Torah tr\u00e4gt<br \/>\nnehmen sie das Joch des K\u00f6nigtums<br \/>\nund das Joch der weltlichen Sorgen.<br \/>\nWer sich vom Joch des Gesetzes losmacht,<br \/>\nmu\u00df das Joch des K\u00f6nigtums<br \/>\nund der weltlichen Sorgen tragen.<\/p>\n<h3>Kommentar<\/h3>\n<p>\u00bbWer aber das Joch der Torah von sich abwirft.\u00ab Jeder Israelit ist schon durch seine<br \/>\nGeburt dazu verpflichtet, das Joch der Gotteslehre zu tragen, wie unsre Voreltern am Berge Sinai f\u00fcr sich und alle ihre Nachkommen es beschworen haben. Wer jedoch durch die tr\u00fcben Verh\u00e4ltnisse, in denen er lebt, nicht dazu gelangt dem Torahstudium sich hinzugeben, von dem kann man nicht sagen, dass er das Joch der Torah abwirft, denn nicht der Mutwille des eigenen Herzens hat ihn dahin gebracht, sondern der Druck der Verh\u00e4ltnisse. Wer aber in der gl\u00fccklichen Lage ist, frei von Sorgen und K\u00fcmmernissen, seine Zeit der Erforschung der Gotteslehre widmen zu k\u00f6nnen, sich aber dennoch der Besch\u00e4ftigung mit eitlen und unn\u00fctzen Dingen hingibt, der wirft mutwillig das Joch der Torah ab. Zur Strafe daf\u00fcr werden ihm Sorgen und Kummernisse aufgelegt \u2014 sei es von Seiten des staatlichen Druckes oder sei es durch Tr\u00fcbung seiner pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<h2>6<\/h2>\n<p>Rabbi Chalaphta aus Kephar Chananja sagte:<br \/>\nBei zehn, die dasitzen und sich mit dem Gesetz besch\u00e4ftigen,<br \/>\nist mitten darin die Gottesgnadengegenwart.<br \/>\nEs hei\u00dft ja (Ps 82, 1):<br \/>\n\u00bbGott steht in der Versammlung der G\u00f6tter.\u00ab<br \/>\nAber auch von f\u00fcnf hei\u00dft es (Ps 82, 1):<br \/>\n\u00bbInmitten von G\u00f6ttern richtet er.\u00ab<br \/>\nAber auch von drei hei\u00dft es (Am 9, 6):<br \/>\n\u00bbEr gr\u00fcndete auf Erden sein Gew\u00f6lbe.\u00ab<br \/>\nAber auch von zwei hei\u00dft es (Mal 3, 16):<br \/>\n\u00bbDann sprechen die Gottesf\u00fcrchtigen zueinander:<br \/>\nGott h\u00f6rt und vernimmt es.\u00ab<br \/>\nAber auch von Einem hei\u00dft es (Ex 20, 24):<br \/>\n\u00bb\u00dcberall, wo ich meinen Namen preisen lasse,<br \/>\nkomme ich zu dir und segne dich.\u00ab<\/p>\n<h2>7<\/h2>\n<p>Rabbi Eleazar, Judas Sohn aus Bartota, sprach:<br \/>\nGib ihm von dem Seinigen!<br \/>\nDenn du und das Deinige ist sein.<br \/>\nSo sagte Er auch durch David (1 Chr 29, 14):<br \/>\n\u00bbVon dir kommt alles<br \/>\nund aus deiner Hand geben wir es dir.\u00ab<\/p>\n<p>Rabbi Jakob sagte:<br \/>\nWer spazierengeht und das Gesetz wiederholt,<br \/>\naber das Studium unterbricht und sagt:<br \/>\n\u00bbWie sch\u00f6n ist dieser Baum!<br \/>\nWie sch\u00f6n dieses Feld!\u00ab<br \/>\ndem rechnet man es an,<br \/>\nals h\u00e4tte er seine Seele befleckt.<\/p>\n<h2>8<\/h2>\n<p>Rabbi Dostai, des Rabbi Jannai Sohn,<br \/>\nsagte im Namen des Rabbi Meir:<br \/>\nWer etwas von seinem Studium vergi\u00dft,<br \/>\ndem rechnet man es an,<br \/>\nals h\u00e4tte er seine Seele befleckt.<br \/>\nEs hei\u00dft ja (Dt 4, 9):<br \/>\n\u00bbNun h\u00fcte dich und bewahre recht deine Seele,<br \/>\ndamit du nichts von dem, was deine Augen sahen, vergissest!\u00ab<br \/>\nEs w\u00e4re m\u00f6glich, da\u00df es auch gilt,<br \/>\nwenn ihm sein Studium zu schwer war.<br \/>\nAber es liegt eine Lehre in der Schriftstelle (Dt 4, 9):<br \/>\n\u00bbDa\u00df sie nicht aus deinem Herzen weichen, solange du lebst.\u00ab<br \/>\nFolglich verschuldet er sich nicht,<br \/>\nals bis er sich hinsetzt und sie aus seinem Sinne schwinden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<h2>9<\/h2>\n<p>Rabbi Chanina, Dosas Sohn, sagt:<br \/>\nJeder, dessen S\u00fcndenfurcht der Wissenschaft vorangeht,<br \/>\nbesitzt eine dauerhafte Wissenschaft,<br \/>\nund keiner, dessen Wissenschaft der S\u00fcndenfurcht vorangeht,<br \/>\nhat eine dauerhafte Wissenschaft.<\/p>\n<h2>10<\/h2>\n<p>Derselbe sagte auch:<br \/>\nWessen Werke mehr sind als sein Wissen,<br \/>\ndessen Wissen hat Bestand.<br \/>\nWessen Wissen aber seine Werke \u00fcbertrifft,<br \/>\ndessen Wissen hat keinen Bestand.<\/p>\n<p>Derselbe sagte auch:<br \/>\nWer den Geist der Mitmenschen erfreut,<br \/>\nan dem hat auch der Geist Gottes seine Freude;<br \/>\nwer aber den Geist der Mitmenschen nicht erfreut,<br \/>\nan dem hat auch Gottes Geist keine Freude.<\/p>\n<p>Rabbi Dosa, des Harkinas Sohn, sprach:<br \/>\nMorgenschlaf,<br \/>\nMittagswein,<br \/>\nKindergeschw\u00e4tz<br \/>\nund Sitzen in den Versammlungsh\u00e4usern der Unwissenden<br \/>\nbringen den Menschen aus der Welt.<\/p>\n<h2>11<\/h2>\n<p>Rabbi Eleazar aus Modein sagte:<br \/>\nWer das Heilige entheiligt,<br \/>\ndie Festtage verachtet,<br \/>\nseinen N\u00e4chsten \u00f6ffentlich besch\u00e4mt,<br \/>\nden Bund unseres Vaters Abraham bricht<br \/>\nund das Gesetz frech behandelt,<br \/>\nh\u00e4tte er auch gute Werke getan,<br \/>\nder hat keinen Teil an der k\u00fcnftigen Welt.<\/p>\n<h2>12<\/h2>\n<p>Rabbi Ismael sagte:<br \/>\nSei dienstfertig<br \/>\nund nachgiebig bei erzwungenem Dienst<br \/>\nund empfang alle Menschen mit Freude!<\/p>\n<h2>13<\/h2>\n<p>Rabbi Akiba sagte:<br \/>\nLachen und Leichtsinn f\u00fchren zur Unzucht.<br \/>\nDerselbe sagte:<br \/>\nDie \u00dcberlieferung ist ein Zaun um das Gesetz;<br \/>\ndie Gel\u00fcbde sind ein Zaun um die Enthaltsamkeit;<br \/>\nder Zaun um die Weisheit ist Schweigsamkeit.<\/p>\n<h2>14<\/h2>\n<p>Derselbe sprach:<br \/>\nLiebe ward dem Menschen zuteil,<br \/>\nweil er nach dem Bild erschaffen ward.<br \/>\nGr\u00f6\u00dfere Liebe ward ihm dadurch zuteil,<br \/>\nda\u00df er wu\u00dfte, er sei nach dem Bild erschaffen.<br \/>\nEs hei\u00dft ja (Gen 9, 6):<br \/>\n\u00bbNach dem Bilde Gottes machte er den Menschen.\u00ab<br \/>\nLiebe empfing Israel,<br \/>\nweil sie Kinder Gottes genannt wurden.<br \/>\nNoch gr\u00f6\u00dfere Liebe ward ihn dadurch zuteil,<br \/>\nda\u00df sie wu\u00dften, sie hie\u00dfen Gottes Kinder.<br \/>\nEs hei\u00dft ja (Dt 14, 1):<br \/>\n\u00bbKinder seid ihr dem Herrn, eurem Gott.\u00ab<br \/>\nLiebe empfing Israel dadurch,<br \/>\nda\u00df Er ihnen ein Geschenk gab,<br \/>\nwodurch die Welt erschaffen ward.<br \/>\nNoch gr\u00f6\u00dfere Liebe ward dadurch ihnen zuteil,<br \/>\nda\u00df sie wu\u00dften,<br \/>\nEr habe ihnen ein Geschenk gegeben,<br \/>\nwodurch die Welt erschaffen ward.<br \/>\nEs hei\u00dft ja (Spr 4, 3):<br \/>\n\u00bbIch gab euch eine gute Lehre;<br \/>\nverlasset nicht mein Gesetz!\u00ab<\/p>\n<h2>15<\/h2>\n<p>Alles ist vorhergesehen;<br \/>\ndoch ist Freiheit gegeben.<br \/>\nNach G\u00fcte wird die Welt gerichtet<br \/>\nund nicht nach der Menge der Werke.<\/p>\n<h2>16<\/h2>\n<p>Derselbe sagte:<br \/>\nAlles ist geliehen,<br \/>\nund das Netz ist \u00fcber alle Lebenden ausgebreitet.<br \/>\nDer Kramladen steht offen,<br \/>\nder Kr\u00e4mer verlauft auf Kredit,<br \/>\ndie Schreibtafel ist ge\u00f6ffnet,<br \/>\nund die Hand schreibt auf;<br \/>\nwer borgen will, kommt und borgt.<br \/>\nDie Schuld eintreiben, gehen best\u00e4ndig, t\u00e4glich, umher<br \/>\nund fordern von den Leuten die Schuld ein,<br \/>\nbald mit, bald ohne ihr Wissen.<br \/>\nZu allem haben sie ihren Grund.<br \/>\nDas Gericht ist aber ein gerechtes Gericht.<br \/>\nAlle sind ja zur Mahlzeit bestimmt.<\/p>\n<h2>17<\/h2>\n<p>Rabbi Eleazar, Azarjas Sohn, sagte:<br \/>\nWo kein Gesetz ist,<br \/>\nda ist keine gute Sitte;<br \/>\nwo keine gute Sitte,<br \/>\nda ist kein Gesetz.<br \/>\nWo keine Weisheit,<br \/>\nda ist keine Furcht;<br \/>\nwo keine Furcht,<br \/>\nda ist keine Weisheit.<br \/>\nWo kein Wissen,<br \/>\nda ist kein Verstand;<br \/>\nwo kein Verstand,<br \/>\nda ist auch kein Wissen.<br \/>\nWo kein Mehl ist,<br \/>\nda ist kein Gesetz;<br \/>\nwo kein Gesetz,<br \/>\nda ist kein Mehl.<\/p>\n<p>Derselbe pflegte zu sagen:<br \/>\nWem gleicht der,<br \/>\ndessen Weisheit gr\u00f6\u00dfer ist als seine Werke?<br \/>\nEinem Baum mit vielen Zweigen,<br \/>\naber wenig Wurzeln;<br \/>\nkommt ein Sturm,<br \/>\nso entwurzelt er ihn und wirft ihn um.<br \/>\nWem aber gleicht der,<br \/>\ndessen Werke mehr sind als seine Weisheit?<br \/>\nEinem Baum mit wenig Zweigen,<br \/>\naber viel Wurzeln.<br \/>\nKommen selbst alle St\u00fcrme der Welt und sto\u00dfen auf ihn,<br \/>\nsie k\u00f6nnen ihn nicht von seinem Platze r\u00fccken, so hei\u00dft es:<br \/>\nEr wird einem Baum gleichen, gepflanzt am Wasser, der am Strom seine Wurzeln ausstreckt, er merkt nicht, wenn die Hitze kommt und sein Laub bleibt gr\u00fcn,<br \/>\nim Jahr der D\u00fcrre sorgt er nicht und h\u00f6rt nicht auf, Fr\u00fcchte zu bringen.<\/p>\n<h2>18<\/h2>\n<p>Rabbi Eleazar Chisma sagte:<br \/>\n<em>Kinin<\/em> \u00bbTaubenopfer\u00ab und <em>Niddah<\/em> \u00bbMenstruation\u00ab sind wesentliche Satzungen.<br \/>\nAstronomie und Geometrie sind der Nachtisch f\u00fcr die Weisheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Text der Mischnah Awot (Kapitel 3) in deutscher 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