{"id":3786,"date":"2018-11-02T11:39:07","date_gmt":"2018-11-02T09:39:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=3786"},"modified":"2024-05-08T10:19:34","modified_gmt":"2024-05-08T08:19:34","slug":"kitzur-schulchan-aruch-kapitel-34-vorschriften-fuer-die-mildtaetigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/kitzur-schulchan-aruch-kapitel-34-vorschriften-fuer-die-mildtaetigkeit\/","title":{"rendered":"Kitzur Schulchan Aruch &#8211; Kapitel 34 &#8211; Vorschriften f\u00fcr die Mildt&auml;tigkeit"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"100\" height=\"140\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Shlomo_Ganzfried.jpg?resize=100%2C140&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3056\"\/><\/figure><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><em>Die \u00dcbersetzung des Kitzur Schulchan Aruch von Schlomoh Ganzfried auf talmud.de<\/em> <br><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"25\" height=\"15\" class=\"wp-image-3543\" style=\"width: 25px;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/hand_talmudde_klein.png?resize=25%2C15&#038;ssl=1\" alt=\"\"><strong> <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/der-kitzur-schulchan-aruch\/\">Inhaltsverzeichnis<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Kapitel 34. Die Vorschriften f\u00fcr die Mildt\u00e4tigkeit<\/h1>\n\n\n\n<p><em>Enth\u00e4lt 16 Paragraphen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a71<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist ein Gebot, den Armen Jisraels Almosen zu geben; so hei\u00dft es (Dewarim: 15,8): \u00d6ffnen sollst du deine Hand; und ferner steht (Wajikra: 25,36): Dass dein Bruder neben dir lebe! Wenn jemand sieht, wie ein Armer bittet, und entzieht ihm sein Auge und gibt ihm kein Almosen, \u00fcbertritt er ein Verbot; denn es hei\u00dft (Dewarim: 15.7): La\u00df dein Herz nicht hart sein und verschlie\u00dfe deine Hand nicht vor deinem d\u00fcrftigen Bruder. Mildt\u00e4tigkeit ist ein Zeichen der Nachkommenschaft unseres Vaters Awraham; so steht (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-torah-eine-deutsche-uebersetzung\/die-torah-wajera\/#1919\">Bereschit: 19,19<\/a>), denn Ich habe ihn erw\u00e4hlt, auf dass er seinen Kindern gebiete,\u2026 Mildt\u00e4tigkeit zu \u00fcben. Und der Thron Jisraels ist auf nichts anderes gegr\u00fcndet und die Lehre der Wahrheit ruht auf nichts anderem als auf Mildt\u00e4tigkeit; so sagt die Schrift. (Jeschajahu: 54,15): Auf Milde wirst du gegr\u00fcndet sein. Gr\u00f6\u00dfer ist, wer Mildt\u00e4tigkeit \u00fcbt, als derjenige, der alle Opfer darbringt, wie es hei\u00dft (Mischle 21,3): Mildt\u00e4tigkeit und Recht zu \u00fcben, wird vom Ewigen dem Opfer vorgezogen. Und Jisrael wird nur um der Mildt\u00e4tigkeit willen erl\u00f6st; so steht (Jeschajahu: 1,27): Zion wird nur des Rechtes willen erl\u00f6st und seine Heimkehrenden wegen der Milde. Ein Mensch wird niemals durch Mildt\u00e4tigkeit arm, und durch Almosengehen entsteht nichts B\u00f6ses und kein Schaden; so hei\u00dft es (Jeschajahu: 32.17): Das Werk der Milde wird Frieden sein! Wer barmherzig ist, findet (im Himmel) Erbarmen; so sagt die heilige Schrift (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-torah-eine-deutsche-uebersetzung\/die-torah-reeh\/#Kapitel_13\">Dewarim: 13,18<\/a>): Er gibt dir Erbarmen und erbarmt sich \u00fcber dich und vermehrt dich! Wer aber grausam ist, gibt Anlass, an seiner reinen Abstammung zu zweifeln. Der Heilige, gelobt sei Er, ist dem Wehklagen der Armen nahe, so steht (Ijow 34,28): Das Weheklagen der Armen vernimmt Er! Darum muss man sich vor ihrer Anklage h\u00fcten; denn mit ihnen ist ein Bund geschlossen, wie es hei\u00dft (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-torah-eine-deutsche-uebersetzung\/die-torah-mischpatim\/#Kapitel_22\">Schemot: 22,26<\/a>): Und es wird sein, wenn er zu mir ruft, erh\u00f6re ich, weil ich gn\u00e4dig bin. Im [Talmud] Jeruschalmi sagen unsere Weisen seligen Angedenkens: Eine T\u00fcr, die f\u00fcr den Armen nicht ge\u00f6ffnet wird, tut sich dem Arzt auf. Der Mensch beherzige, dass er selbst jederzeit den Heiligen, gelobt sei Er, um seine Ern\u00e4hrung bittet, und wie er selbst fleht, der Heilige, gelobt sei Er, m\u00f6ge sein Seufzen und sein Gebet erh\u00f6ren, so achte auch er auf die Bitte der Armen. Auch nehme sich der Mensch zu Herzen, dass es ein Rad ist, das sich in der Welt dreht und schlie\u00dflich er oder sein Sohn oder sein Enkel in die Lage kommen kann, Almosen annehmen zu m\u00fcssen; und es komme nicht in sein Herz, zu sprechen: wie sollte ich mein Verm\u00f6gen vermindern, um es Armen zu geben! Denn der Mensch muss wissen, dass das Verm\u00f6gen nicht sein Eigentum, sondern nur anvertrautes Gut ist, um damit den Willen dessen zu vollziehen, der es ihm anvertraut hat; und das ist des Menschen Anteil von all seiner M\u00fche in dieser Welt, wie es hei\u00dft (Jeschajahu 58,8): Deine Mildt\u00e4tigkeit wird vor dir hergehen; die Mildt\u00e4tigkeit h\u00e4lt b\u00f6se Verh\u00e4ngnisse fern und verl\u00e4ngert das Leben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a72<\/h2>\n\n\n\n<p>Jeder ist verpflichtet, soweit seine Hand dazu imstande ist, Almosen zu geben, selbst ein Armer, der von Almosen lebt. Wenn er zum Beispiel selbst etwas Verm\u00f6gen hat, mit dem er aber keine Gesch\u00e4fte macht, so dass ihm erlaubt ist, Almosen anzunehmen, da er nicht soviel Kapital hat, um sich mit dem Gewinn zu ern\u00e4hren, da er aber immerhin Gelegenheit hat, sich zu erhalten, muss er auch Almosen geben von dem, was man ihm gibt. Wenn er auch nur eine Kleinigkeit geben kann, halte er sich doch nicht davon zur\u00fcck; denn das Wenige von ihm wird ihm gleich dem Vielen des Reichen angerechnet. So haben unsere Weisen seligen Angedenkens gesprochen: Es steht beim Ganzopfer von Vieh (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-torah-eine-deutsche-uebersetzung\/die-torah-wajikra\/#Kapitel_1\">Wajikra 1,13<\/a>) \u00bbeine Feuergabe zum lieblichen Duft\u00ab, ebenso beim Ganzopfer von Gefl\u00fcgel (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-torah-eine-deutsche-uebersetzung\/die-torah-wajikra\/#Kapitel_1\">dort V. 17<\/a>) \u00bbeine Feuergabe zum lieblichen Duft\u00ab und auch beim Mehlopfer (<a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/die-torah-eine-deutsche-uebersetzung\/die-torah-wajikra\/#Kapitel_2\">dort 2,2<\/a>) \u00bbeine Feuergabe zum lieblichen Duft\u00ab, um dir zu sagen: Dasselbe wie derjenige, der viel gibt, ist derjenige, der nur wenig geben kann, nur weihe er dabei sein Herz seinem Vater im Himmel. Wer aber nur gen\u00fcgend zum (\u00dcber)Leben hat, braucht kein Almosen zu geben, weil die Erhaltung seiner selbst derjenigen aller anderen vorangeht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a73<\/h2>\n\n\n\n<p>Wieviel soll man einem Armen geben? Dem Mangel entsprechend, den er leidet. Einem Armen also, der nur im Geheimen annimmt, m\u00fcssen die Leute seiner Stadt alles geben, was er braucht, wie er es gew\u00f6hnt war, bevor er arm wurde. Aber einem Armen, der von T\u00fcr zu T\u00fcr geht, gibt man eine kleine Gabe, seiner W\u00fcrdigkeit entsprechend; doch wenigstens gebe man ihm in jeder Stadt Brot und Speise, f\u00fcr zwei Mahlzeiten reichend, und eine Nachtherberge. Man ern\u00e4hre und bekleide die Armen anderer V\u00f6lker mit den Armen Jisraels um des Friedens willen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a74<\/h2>\n\n\n\n<p>Wieviel gebe ein Mensch im ersten Jahre (nach seiner Verheiratung) Almosen? Den Zehnten vom Kapital. Von da an und weiter gebe er den Zehnten vom Gewinn, der ihm jedes Jahr au\u00dfer dem Verbrauch seines Hauses \u00fcbrig bleibt. Das ist die Eigenschaft eines Mittelm\u00e4\u00dfigen; in besonders sch\u00f6ner Weise erf\u00fcllt man das Gebot, wenn man im ersten Jahr ein F\u00fcnftel vom Kapital abgibt und dann in jedem Jahr ein F\u00fcnftel vom Gewinn; man verschenke aber nicht mehr als ein F\u00fcnftel, um nicht selbst dann die Menschen in Anspruch nehmen zu m\u00fcssen. Aber nur alle Tage seines Lebens, f\u00fcr die Zeit seines Todes jedoch kann der Mensch bis zu einem Drittel seines Verm\u00f6gens f\u00fcr die Wohlt\u00e4tigkeit bestimmen. Man verwende von seinem Zehnten nicht f\u00fcr ein frommes Werk, wie zum Beispiel f\u00fcr Lichter in der Synagoge oder andere fromme Werke, sondern gebe ihn den Armen. Wenn man Gelegenheit hat, ein frommes Werk zu vollbringen, Gevatter bei einer Beschneidung zu sein oder ein armes Brautpaar unter die Chuppa zu f\u00fchren und dergl. oder j\u00fcdische B\u00fccher zu kaufen, um darin zu lernen und sie anderen zu leihen, da\u00df sie darin lernen; wenn man sonst nicht dazu imstande w\u00e4re und das fromme Werk mit seinem eigenen Verm\u00f6gen nicht vollbringen w\u00fcrde, kann man es mit dem Zehnten machen. Wenn man j\u00fcdische B\u00fccher mit Geld vom Zehnten kauft, mu\u00df man darauf achten, da\u00df man sie anderen leiht; au\u00dfer, wenn sie der K\u00e4ufer selbst braucht, dann kommt er zuerst. Auch achte man darauf, darauf zu schreiben, da\u00df sie von Zehntengeld herkommen, damit nicht seine Kinder nach ihm sie sich aneignen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a75<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer sich Verdienste erwerben will, bezwinge seinen b\u00f6sen Trieb und \u00f6ffne weit seine Hand, und alles, was f\u00fcr einen heiligen Zweck bestimmt ist, werde aus Gutem und Sch\u00f6nem hergestellt. Wenn jemand einen Raum zum beten \u200ebaut, sei er sch\u00f6ner als sein Wohnhaus; gibt er einem Hungrigen zu essen, gebe er ihm vom Guten und Wohlschmeckenden auf seinem Tisch; bekleidet er einen Entbl\u00f6\u00dften, bedecke er ihn mit einem sch\u00f6nen seiner Kleider; weiht er etwas einem heiligen Zweck, weihe er von dem Vorz\u00fcglichen seiner G\u00fcter; so hei\u00dft es (Wajikra 3,16): Alles Beste f\u00fcr den Ewigen!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a76<\/h2>\n\n\n\n<p>Was jemand f\u00fcr seine gro\u00dfen S\u00f6hne oder T\u00f6chter, zu deren Ern\u00e4hrung er rechtlich nicht mehr verpflichtet ist, (die \u00fcber sechs Jahre alt sind) gibt, um die S\u00f6hne Thora lernen zu lassen und die T\u00f6chter fromm zu erziehen, ebenso, was jemand seinem Vater an Geschenken gibt, (wenn er ihn nur mit seinem Almosengeld ern\u00e4hren kann) und diese sind darauf angewiesen, so geh\u00f6rt dies zur Wohlt\u00e4tigkeit (zum Zehnten). Und nicht das allein, sondern er muss sie sogar anderen vorziehen, selbst, wenn es nicht gerade sein Sohn oder sein Vater ist, sondern ein anderer Verwandte, so geht er jedem anderen Menschen voran. Die Armen seines Hauses kommen vor den Armen seiner Stadt und die Armen seiner Stadt vor den Armen einer anderen Stadt, so hei\u00dft es (Dewarim: 15,11): Deinem Bruder, deinem Armen und deinem D\u00fcrftigen in deinem Lande. Der Vorsteher der Armenkasse aber, der die Almosen verteilt, muss sich in acht nehmen, dass er nicht seinen Verwandten mehr als anderen Armen gibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a77<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer einem Armen Almosen mit b\u00f6ser Miene im Gesicht und zur Erde gewandtem Antlitz gibt, auch wenn er ihm tausend Goldst\u00fccke gibt, so hat er sein Verdienst zunichte gemacht und verloren und das Verbot \u00fcbertreten (Dewarim 15,10): Dein Herz sei nicht b\u00f6se \u2026 Sondern man muss ihm mit freundlicher Miene im Gesicht und mit Freude geben und mit ihm \u00fcber sein Leid traurig sein, wie Ijow gesprochen (30,25): Habe ich nicht geweint mit dem, den ein harter Tag getroffen, hat sich meine Seele nicht betr\u00fcbt mit dem D\u00fcrftigen! Man spreche tr\u00f6stende und aufrichtende Worte zu ihm, wie es hei\u00dft (Ijow 29,13): Das Herz der Witwe machte ich froh.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a78<\/h2>\n\n\n\n<p>Man darf einen bittenden Armen nicht leer abweisen; selbst wenn du ihm nur eine getrocknete Frucht gibst; so hei\u00dft es (Tehillim 74,21): Dass der Arme nicht besch\u00e4mt umkehre! Wenn du nichts bei dir hast, was du ihm geben kannst, so bes\u00e4nftige ihn mit Worten. Man darf einen Armen nicht schelten oder schreiend die Stimme gegen ihn erheben, weil sein Herz zerknirscht und gedem\u00fctigt ist; und siehe, die Schrift sagt (Tehillim 51,19): Ein zerbrochenes und niedergebeugtes Herz, O G-tt, verachtest Du nicht! Wehe dem, der einen Armen besch\u00e4mt; sondern man sei ihm wie ein Vater sowohl an Erbarmen als auch an sanften Worten, wie es hei\u00dft (Ijow 29.16): Ein Vater war ich den D\u00fcrftigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a79<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Wohlt\u00e4tigkeit geh\u00f6rt zum Kapitel der Gel\u00fcbde (siehe weiter Kap. 67,3); wenn jemand darum sagt: Siehe, mir liege ob, einen Sela als Almosen zu geben; oder: Siehe, dieser Sela sei zu einem Almosen bestimmt, muss er ihn sogleich den Armen geben; und wenn er z\u00f6gert\u201a \u00fcbertritt er das Verbot (Dewarim 23,22): Du sollst nicht z\u00f6gern; da er ihn gleich geben kann. Wenn keine Armen ihm zur Verf\u00fcgung stehen, sondere er das Geld ab und lege es weg, bis er Arme findet. Wenn er in der Synagoge Almosen, die man den H\u00e4nden des Vorstehers \u00fcbergibt, gelobt hat, \u00fcbertritt er das Verbot erst, wenn der Vorsteher von ihm einfordert; dann \u00fcbertritt er es sofort; au\u00dfer, wenn er wei\u00df, dass der Vorsteher zur Zeit das Geld nicht braucht und es bei sich liegen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a710<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn jemand gesprochen hat: Ich will dem und dem einen Sela als Almosen geben! \u2013 so \u00fcbertritt er das Verbot nicht, bis jener Arme kommt.<br>Es kann jeder Geld f\u00fcr Almosen absondern, dass es bei ihm liege, um es allm\u00e4hlich zu verteilen, wie es ihm gut erscheint.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a711<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer andere beeinflusst, dass sie Almosen geben, und sie dazu veranlasst, dessen Lohn ist gr\u00f6\u00dfer als der Lohn dessen, der gibt; so hei\u00dft es (Jeschajahu 32,17): Das Werk (die Veranlassung) der Wohlt\u00e4tigkeit wird Frieden sein. Und von den Vorstehern der Armenkasse und dergl., die Almosen erheben, sagt die Schrift (Daniel: 12,3): Die die Gemeinde zur Fr\u00f6mmigkeit f\u00fchren, werden gleich Sternen strahlen. Wenn die Armen einen Vorsteher der Armenkasse (ohne Grund) l\u00e4stern, achte er nicht darauf; denn dadurch wird sein Verdienst noch gr\u00f6\u00dfer sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a712<\/h2>\n\n\n\n<p>Die h\u00f6chste Stufe, \u00fcber die nichts geht unter den Stufen der Wohlt\u00e4tigkeit, ist, wenn jemand die Hand eines verarmenden Israeliten, dessen Unterhalt wankt, st\u00fctzt, bevor er ganz verarmt ist, indem er ihm eine w\u00fcrdige Gabe in ehrenvoller Weise \u00fcbergibt oder ihm Geld leiht oder mit ihm gemeinsame Gesch\u00e4fte macht oder ihm irgendeinen Handel oder Arbeit verschafft, um ihn zu st\u00fctzen, dass er nicht die Menschen in Anspruch zu nehmen braucht; darauf hei\u00dft es (Wajikra 25,35): St\u00fctze ihn, das hei\u00dft, halte ihn fest, dass er nicht falle!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a713<\/h2>\n\n\n\n<p>Man achte darauf, Almosen so geheim wie m\u00f6glich zu geben. Wenn man sie in der Weise geben kann, dass man selbst nicht wei\u00df, wem man sie gibt, und auch der Arme nicht wei\u00df, von wem er sie empfangen hat, so ist das sehr gut. Jedenfalls r\u00fchme sich der Mensch nicht ob der Almosen, die er gibt. Wenn man aber einen Gegenstand der Wohlt\u00e4tigkeit weiht, darf man seinen Namen darauf schreiben, damit er ihm zum Andenken gereiche; es ist sogar recht, so zu tun.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a714<\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders muss man einen armen Torahgelehrten ber\u00fccksichtigen, ihm seiner W\u00fcrde entsprechend zu geben; wenn er nicht annehmen will, bem\u00fche man sich, f\u00fcr ihn Gesch\u00e4fte zu machen, indem man ihm Ware billig verkauft oder ihm seine Ware f\u00fcr einen h\u00f6heren Preis abkauft; wenn er versteht, sich mit Handel zu besch\u00e4ftigen, leihe man ihm Geld, dass er damit Gesch\u00e4fte machen kann. Unsere Lehrer sel. And. haben gesagt (Pessachim 53b): Wer einem Torahgelehrten Ware zur Verf\u00fcgung stellt, wird einst das Gl\u00fcck haben, in der himmlischen Jeschiwa sitzen zu d\u00fcrfen. Ferner haben sie gesagt (Berachot 34b): Alle Propheten haben nur f\u00fcr den prophezeit\u201a der f\u00fcr einen Toragelehrten Gesch\u00e4fte macht und seine Tochter mit einem Toragelehrten verheiratet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a715<\/h2>\n\n\n\n<p>Jederzeit halte sich der Mensch dem Almosennehmen fern und qu\u00e4le sich lieber m\u00fchevoll durch, um nicht die Menschen in Anspruch nehmen zu m\u00fcssen; so haben unsere Lehrer sel. And. geboten (Schabbat 118a): F\u00e4hre dich lieber am Schabbat (in Kleidung und Kost) nicht besser als an Wochentagen, nur nimm Menschen nicht in Anspruch. Selbst ein angesehener Gelehrter, der arm geworden, ergreife lieber ein Handwerk, sogar ein verachtetes Handwerk, und nehme die Menschen nicht in Anspruch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00a716<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer nicht n\u00f6tig hat, Almosen zu nehmen, und die Menschen betr\u00fcgt und doch nimmt, stirbt nicht, ohne auf die Menschen angewiesen gewesen zu sein. Wer wiederum n\u00f6tig h\u00e4tte, zu nehmen, und nicht leben kann, ohne zu nehmen, zum Beispiel ein Greis oder ein Kranker oder ein von Schmerzen Heimgesuchten und hoff\u00e4rtig ist und nicht nimmt, der vergie\u00dft Blut und verschuldet sein Leben, und von seinem Schmerz hat er nur Vergehungen und S\u00fcnden. Wer aber nehmen m\u00fcsste und sich qu\u00e4lt, sich knapp ern\u00e4hrt und ein entbehrungsreiches Leben f\u00fchrt, um der Gemeinde nicht zur Last zu fallen, stirbt nicht, ehe er andere ern\u00e4hrt hat, und von ihm sagt der Schriftvers (Jirmijahu 17,7): Gesegnet der Mann, der auf den Ewigen vertraut\u2026.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kitzur Schulchan Aruch &#8211; Kapitel 34 (Vorschriften f\u00fcr die Mildt\u00e4tigkeit) in deutscher \u00dcbersetzung<\/p>\n","protected":false},"author":22,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[210,133],"tags":[],"class_list":["post-3786","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-creative-commons","category-kitzur-schulchan-aruch"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/22"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3786"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3786\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9982,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3786\/revisions\/9982"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}