{"id":3893,"date":"2018-12-16T01:55:21","date_gmt":"2018-12-15T23:55:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=3893"},"modified":"2023-04-18T08:30:13","modified_gmt":"2023-04-18T06:30:13","slug":"gebet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/gebet\/","title":{"rendered":"Gesetze \u00fcber das Gebet und den Priestersegen \u2014 \u05ea\u05e4\u05d9\u05dc\u05d4 \u05d5\u05d1\u05e8\u05db\u05ea \u05db\u05d5\u05d4\u05e0\u05d9\u05dd"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"23\" height=\"150\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/kerze_klein.png?resize=23%2C150&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-4186\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><span style=\"font-size: small;\"><strong>\u05dc\u05e2\u05d9\u05dc\u05d5\u05d9 \u05e0\u05e9\u05de\u05ea \u05d9\u05d1\u05d2\u05e0\u05d9\u05d4 \u05d1\u05ea \u05e1\u05d9\u05de\u05d4 \u05e8\u05d3\u05d9\u05e0\u05e1\u05e7\u05d9<br>Zur Bef\u00f6rderung des Seelenheils von Eugenia bat Sima Radinsky geb. Radawell 12.01.1956 \u2014 17.12.2018. <\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Gesetze \u00fcber das Gebet und den Priestersegen,<br>enthaltend zwei Gebote:<br>1) dass man Gott jeden Tag durch Gebet diene,<br>2) dass die Kohanim, t\u00e4glich dem Volk Israel Segen erteilen,<br>deren Erl\u00e4uterung in nachfolgenden Kapiteln gegeben wird.<br><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ERSTES KAPITEL \u2014 Die Mizwa der Tora und die Anordnung der Weisen<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Es ist ein Gebot der Schrift, t\u00e4glich zu beten, indem es hei\u00dft: \u00bbIhr sollt dem Ewigen, Eurem Gott, dienen\u00ab (Ex. 23:25), welchen Ausspruch die Tradition, dahin erkl\u00e4rte, dass damit das Gebet gemeint sei; denn es hei\u00dft wiederum: \u00bbUnd Ihm von ganzen Herzen zu dienen\u00ab, woraus die Weisen den folgerechten Schluss ziehen: kein anderer Dienst wird mit dem Herzen vollzogen, als der Dienst des Gebets. Die Form desselben aber, wie auch die Zeit zum Beten, sind in der Lehre nicht bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Daher sind auch Frauen und Sklaven zum Beten verpflichtet; denn dies ist ein Gebot, welches nicht von der Zeit abh\u00e4ngt und die Verpflichtungen, welche es auferlegt, bestehen vielmehr darin, dass der Mensch t\u00e4glich flehen und beten solle; blo\u00df h\u00e4tte man zu beobachten \u2014 zuerst zum Ruhme des Heiligen, gelobt sei Er, Etwas zu sagen, dann seine Bed\u00fcrfnisse inbr\u00fcnstig zu erflehen und dann mit Lob und Dank den Ewigen zu preisen f\u00fcr alles Gute, das Er uns gespendet,\u2014ein Jeder nach seinen Kr\u00e4ften.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Wem nun die Gabe der Beredsamkeit eigen war, der pflegte sein Herz h\u00e4ufiger zu ergie\u00dfen; wem die Gewandtheit der Sprache abging, der sprach so gut er es vermochte und zu jeder ihm beliebigen Zeit. Ebenso verhielt es sich mit der Zahl der Gebete; Jeder betete so viel er konnte. Der Eine betete einmal t\u00e4glich, der andere wiederum mehrere Male; Alle pflegten aber mit nach dem heiligen Tempel hingewandtem Antlitz zu beten, wo sie sich auch befinden mochten. Dergestalt verfuhr man von unserem Lehrer Moses, \u2014 bis Esra.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Als zur Zeit des B\u00f6sewichts Nebukadnezar die Israeliten in die Gefangenschaft gef\u00fchrt wurden, da vermischten sie sich mit Persern, Griechen und anderen V\u00f6lkern; und die ihnen, in jenen heidnischen L\u00e4ndern, geborenen Kinder \u2014 sprachen keine reine Sprache mehr; so dass die Mundart eines Jeden ein Gemisch von W\u00f6rtern verschiedener Idiome war und wenn sie sich vernehmen lie\u00dfen, konnte sich keiner in einer Sprache fehlerfrei ausdr\u00fccken: wie es ausdr\u00fccklich hei\u00dft: \u00bbUnd die H\u00e4lfte ihrer Kinder sprach Aschdodisch, (Aram\u00e4isch) und verstand nicht Hebr\u00e4isch zu sprechen; und so ging es auch mit anderen Sprachen\u00ab (Nehemia 13:24).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn daher ein Solcher betete, so war seine Sprachkenntnisse nicht ausreichend, um in der heiligen Sprache seine W\u00fcnsche auszudr\u00fccken oder den Ewigen zu preisen, ohne in das Gebet verschiedene andere Sprachen einzumischen. Als Esra und seine Gerichtsversammlung dieses sahen, da erhoben sie sich und verfassten achtzehn Segnungsformeln, nach folgender Ordnung:<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten drei enthielten den Preis des Ewigen, die letzten drei hingegen Danksagungen, die mittleren aber \u2014 enthielten Bitten in Betreff aller derjenigen Gegenst\u00e4nde, welche unseren menschlichen Bed\u00fcrfnissen, so bei jedem Einzelnen, wie auch bei ganzen Gemeinden, als Grundlage dienen konnten, \u2014 damit sie geordnet seien im Munde Aller und man sie sich einpr\u00e4gen k\u00f6nne; so dass das Gebet des Sprachunkundigen, ein ebenso vollkommenes sein sollte, wie das Gebet des gewandtesten Redners. Auf diese Weise wurden auch alle andere Segnungs- und Gebetsformeln eingef\u00fchrt, die noch jetzt in ganz Israel angenommen sind; mit dem Zwecke n\u00e4mlich, dass der Inhalt aller Gebete im Munde des Unkundigen geordnet sei.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Hiermit wurde vorgeschrieben, dass die Zahl der Gebete der Zahl der Opfer entspreche; n\u00e4mlich zwei Gebete t\u00e4glich, f\u00fcr die zwei t\u00e4glichen Opfer; an den Tagen aber, wo au\u00dferdem noch ein Mussaf-(Zugabe) Opfer dargebracht wurde, f\u00fchrte man noch ein drittes Gebet ein, anstatt dieses Opfers. Das Gebet nun, welches das t\u00e4gliche Morgenopfer ersetzt, wird das Morgengebet (Schacharit) dasjenige, welches das Nachmittagsopfer ersetzt, wird das Mincha-Gebet und dasjenige, welches das Mussaf-Opfer ersetzt \u2014 das Mussaf-Gebet genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Ebenso bestimmte man noch, dass ein Jeder auch abends ein Gebet verrichte, indem auch die Glieder des t\u00e4glichen Mincha-Opfers noch im Laufe des ganzen Abends, am Feuer dampften, wie es hei\u00dft: \u00bbDies ist das Ganzopfer\u2026\u00ab (Lev. 6:2). Ebenso hei\u00dft es in den Psalmen: \u00bbabends, morgens und nachmittags, siehe ich und st\u00f6hne: und Er wird meine Stimme h\u00f6ren\u00ab, (Ps. 55:18). Das Abendgebet ist aber keineswegs so eine Pflicht, wie das Morgen- und Mincha-Gebet; doch ist es in ganz Israel,<br>durchg\u00e4ngig in allen Wohnpl\u00e4tzen des Volkes, Sitte geworden, abends zu beten, was man sp\u00e4terhin auch allgemein als Pflicht anerkannte.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Man hat auch noch ein Gebet, nach dem Mincha-Gebete, nahe vor Sonnenuntergang, eingef\u00fchrt; dasselbe findet aber blo\u00df am Fasttage statt, auf dass am Fasten mehr Gebetsergie\u00dfungen stattfinden m\u00f6chten. Dieses Gebet hei\u00dft das Schlussgebet, was auf die Stelle sich bezieht: \u00bbDie Pforten des Himmels schlie\u00dfen sich hinter der Sonne, die sich nun verbirgt\u00ab; da dieses Gebet, (wie bereits erw\u00e4hnt), nur nahe vor Sonnenuntergang stattfindet.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Demnach haben wir drei Alltags-Gebete, n\u00e4mlich das Abend-, Morgen- und Nachmittagsgebet; am Schabbat aber, wie auch an Fest- und Neumondstagen, deren viere: die drei Alltags-Gebete und das Mussaf-Gebet. Am Vers\u00f6hnungstage aber \u2014f\u00fcnfe, n\u00e4mlich: diese vier, \u2014 und das Schluss-Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Man darf keines von diesen Gebeten hinwegnehmen, wohl aber hinzuf\u00fcgen. Will der Mensch den ganzen Tag beten, so steht es ihm frei; alle Gebete, die er au\u00dferdem noch hinzuf\u00fcgt, werden angesehen, als bringe er freiwillige Opfer dar. Es ist aber dann n\u00f6tig, in jede der mittleren Segnungsformeln etwas ihr Entsprechendes einzuschalten. Hat man auch nur in eine der mittleren Segensformeln etwas Eigenes eingeschaltet, so ist damit hinreichend an den Tag gelegt, dass es blo\u00df ein freiwilliges und kein Pflichtgebet war. Von den ersten drei Segensformeln, wie von den letzten dreien, darf man nie eine weglassen, noch hinzusetzen, noch auch an denselben irgendeine \u00c4nderung treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Eine ganze Gemeinde darf kein freiwilliges Gebet beten, weil eine ganze Gemeinde auch kein freiwilliges Opfer darbringt. Ebenso darf eine einzelne Person nicht zwei Mussaf-Gebete beten, eines als Pflicht des Tages und eines als freiwilliges, da es nicht erlaubt war, freiwillige Mussaf-Opfer darzubringen. Es gab unter den Gaonim solche, die annehmen, dass es an Feier-und Schabbat-Tagen, nicht erlaubt sei, freiwillige Gebete zu beten: weil man an diesen Tagen keine freiwilligen Opfer darbringen durfte, sondern blo\u00df die auf die Feier des Tages bez\u00fcglichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ZWEITES KAPITEL \u2014 \u00c4nderungen und Zus\u00e4tze im Gebet<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Zur Zeit des Rabbi Gamliel nahmen die Gottesleugner \u00fcberhand, dr\u00e4ngten die Israeliten sehr und verleiteten sie, von Gott abtr\u00fcnnig zu werden. Da jener nun erkannte, dass dieser Umstand wichtiger sei, als alle Bed\u00fcrfnisse des Menschen, so beschloss er, im Verein mit seiner Gerichtsversammlung, noch eine Segensformel hinzuf\u00fcgen, die das Gebet zum Ewigen, um Vernichtung der Gottesleugner enthielt und welche Formel er auch in das gro\u00dfe Gebet einschaltete, damit auch sie im Munde Aller sei. Demzufolge betr\u00e4gt die Anzahl aller Segensformeln im Gebete\u2014neunzehn.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Beim t\u00e4glichen Gebete spricht Jedermann diese neunzehn Segensformeln nach der Ordnung, aber nur dann, wenn seine Gedanken geordnet sind und sein Sprachorgan dies mit Leichtigkeit bewerkstelligen kann. Wer aber besch\u00e4ftigt und zerstreut ist oder wessen Zunge nicht gel\u00e4ufig, der bete blo\u00df die ersten drei Segensformeln, dann eine als kurzen Inbegriff aller mittleren und dann die drei letzten: womit denn seine Pflicht \u2014 als erf\u00fcllt zu betrachten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Folgendes ist die Segensformel, welche unsere Weisen verfasst und als Inbegriff aller mittleren Gebetsformeln angeordnet haben. \u2014 O, Ewiger, unser Gott, Verleihe \u05d7\u05d1\u05d9\u05e0\u05e0\u05d5 uns die Erkenntnis, Deine Wege zu begreifen, lenke unsere Herzen zur Gottesfurcht, stehe uns bei als Verzeiher und Erl\u00f6ser, entferne von uns alle Schmerzen, segne unsere Felder, sammle die in den vier Erd-Enden Zerstreuten; die Irregeleiteten lasse wieder gelangen zu Deiner wahren Erkenntnis, \u00fcber die B\u00f6swilligen aber erhebe Deine z\u00fcchtigende Hand, erfreue die Frommen durch die Wiedererbauung Deiner Stadt, durch die Wiederherstellung Deines Tempels, durch das wiederaufbl\u00fchende Gl\u00fcck Deines Knechts David und durch das neue Ausleuchten Deines Gesalbten, des Sohnes Jischais! Erh\u00f6re uns bevor wir flehen, wie es hei\u00dft: \u00bbUnd bevor sie mich anrufen,\u2014 werde ich ihnen Geh\u00f6r geben; kaum haben sie gesprochen, so werde ich sie auch schon vernommen haben\u00ab (Jesaia 65:24); denn Du bist es, Der zu jeder Zeit gew\u00e4hrt; Erl\u00f6ser und Erretter von allen Drangsalen, gepriesen seiest Du, Ewiger, der Du Gebete erh\u00f6rest \u05d1\u05b8\u05bc\u05e8\u05d5\u05bc\u05da\u05b0 \u05d0\u05b7\u05ea\u05b8\u05bc\u05d4 \u05d9\u05d9, \u05e9\u05c1\u05d5\u05b9\u05de\u05b5\u05e2\u05b7 \u05ea\u05b0\u05bc\u05e4\u05b4\u05dc\u05b8\u05bc\u05d4.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Dies gilt jedoch blo\u00df im Sommer; im Winter aber bete man kein solches kurzes Gebet, (Hawinenu), weil man dann, beim Segen des Jahres, um Regen flehen muss (siehe Halacha 19). Derselbe Fall tritt auch ein am Schlusse des Schabbats und der Festtage, wo dieses kurze Gebet (Hawinenu) deshalb nicht gen\u00fcgt, weil man bei der Formel \u00bbDer Du in Gnaden Vernunft uns verleihest\u00ab, das Absonderungsgebet, (Hawdala), zu beten verpflichtet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>5) An Schabbatot und Festtagen finden, bei jedem der vier Gebete des Tages, sieben Segensformeln statt; n\u00e4mlich die ersten drei allt\u00e4glichen, die letzten drei und eine mittlere, welche sich auf die Bedeutung des Tages bezieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Schabbat schlie\u00dfe man die mittlere Formel mit: \u00bbDer Du den Schabbat heiligest \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d4\u05b7\u05e9\u05b7\u05bc\u05c1\u05d1\u05b8\u05bc\u05ea\u00ab, \u2014 an den Feiertagen mit: \u00bbDer Du heiligest<br>das Volk Israel und die Feiertage \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d5\u05b0\u05d4\u05b7\u05d6\u05b0\u05bc\u05de\u05b7\u05e0\u05b4\u05bc\u05d9\u05dd\u00ab. F\u00e4llt aber der Schabbat mit den Feiertagen zusammen, \u2014 so schlie\u00dfe man: \u00bbDer Du heiligest den Schabbat, Israel und die Feiertage \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d4\u05b7\u05e9\u05b7\u05bc\u05c1\u05d1\u05b8\u05bc\u05ea \u05d5\u05b0\u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d5\u05b0\u05d4\u05b7\u05d6\u05b0\u05bc\u05de\u05b7\u05e0\u05b4\u05bc\u05d9\u05dd\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Neujahrsfest schlie\u00dfe man: \u00bbDu K\u00f6nig der ganzen Erde, der du heiligest Israel und den Erinnerungstag \u05de\u05b6\u05dc\u05b6\u05da\u05b0 \u05e2\u05b7\u05dc \u05db\u05b8\u05bc\u05dc \u05d4\u05b8\u05d0\u05b8\u05e8\u05b6\u05e5, \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d5\u05b0\u05d9\u05d5\u05b9\u05dd \u05d4\u05b7\u05d6\u05b4\u05bc\u05db\u05b8\u05bc\u05e8\u05d5\u05b9\u05df\u00ab. F\u00e4llt der Neujahrstag mit dem Schabbat zusammen, so schlie\u00dfe man: \u00bbDu K\u00f6nig der ganzen Erde, der Du heiligest den Schabbat, Israel und den Erinnerungstag \u05de\u05b6\u05dc\u05b6\u05da\u05b0 \u05e2\u05b7\u05dc \u05db\u05b8\u05bc\u05dc \u05d4\u05b8\u05d0\u05b8\u05e8\u05b6\u05e5, \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d4\u05b7\u05e9\u05b7\u05bc\u05c1\u05d1\u05b8\u05bc\u05ea \u05d5\u05b0\u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d5\u05b0\u05d9\u05d5\u05b9\u05dd \u05d4\u05b7\u05d6\u05b4\u05bc\u05db\u05b8\u05bc\u05e8\u05d5\u05b9\u05df\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Dieses bezieht sich nur auf die Abend-, Morgen-und Nachmittags-Gebete. Das Zugabegebet (Mussaf) am Neujahrstage aber, besteht aus neun Segnungen, n\u00e4mlich: aus den drei ersten allt\u00e4glichen, drei letzten und au\u00dferdem noch drei mittleren. Die erste unter den drei mittleren Segensformeln betrifft die g\u00f6ttliche Weltbeherrschung \u05de\u05b7\u05dc\u05b0\u05db\u05bb\u05d9\u05d5\u05b9\u05ea, die zweite, \u2014 die Erinnerung oder die Vorsehung \u05d6\u05b4\u05db\u05b0\u05e8\u05d5\u05b9\u05e0\u05d5\u05b9\u05ea und die dritte \u2014 die Bedeutung des Schofarblasens \u05e9\u05c1\u05d5\u05b9\u05e4\u05b8\u05e8\u05d5\u05b9\u05ea. Der Schluss einer jeden dieser Gebetsformeln \u2014muss ihrem Inhalte entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Am Vers\u00f6hnungstage bete man, bei jedem der f\u00fcnf Gebete, sieben Formeln, n\u00e4mlich: die gew\u00f6hnlichen ersten drei, die letzten drei und eine mittlere, \u00fcber die Bedeutung des Tages. Alle diese mittleren Gebetsformeln schlie\u00dfe man mit den Worten: \u00bbK\u00f6nig der ganzen Erde, der Du heiligest Israel und den Vers\u00f6hnungstag \u05de\u05b6\u05dc\u05b6\u05da\u05b0 \u05e2\u05b7\u05dc \u05db\u05b8\u05bc\u05dc \u05d4\u05b8\u05d0\u05b8\u05e8\u05b6\u05e5, \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d5\u05b0\u05d9\u05d5\u05b9\u05dd \u05d4\u05b7\u05db\u05b4\u05bc\u05e4\u05bc\u05d5\u05bc\u05e8\u05b4\u05d9\u05dd\u00ab. F\u00e4llt dieser mit dem Schabbat zusammen, so schlie\u00dfe man alle mittleren Formeln mit den Worten: \u00bbDu K\u00f6nig der ganzen Erde, der Du heiligest den Schabbat, Israel und den Vers\u00f6hnungstag\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Dies gilt nun blo\u00df von allj\u00e4hrlichen Fasttagen, am Fasttage des Jubeljahres \u05d4\u05b7\u05d9\u05bc\u05d5\u05b9\u05d1\u05b5\u05dc aber, bete man im Mussaf-Gebete neun Formeln, wie man am Neujahrstage das Mussaf verrichtet und zwar ganz dieselben Formeln, nicht mehr und nicht weniger. Man darf dieselben aber nur dann beten, wenn das Jubeljahr gefeiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Bei jedem dieser Gebete sage man vor der ersten Segensformel: \u00bbGott, \u00f6ffne meine Lippen, auf dass mein Mund Dein Lob verk\u00fcnde \u05d9\u05d9 \u05e9\u05b0\u05c2\u05e4\u05b8\u05ea\u05b7\u05d9 \u05ea\u05b4\u05bc\u05e4\u05b0\u05ea\u05b8\u05bc\u05d7, \u05d5\u05bc\u05e4\u05b4\u05d9 \u05d9\u05b7\u05d2\u05b4\u05bc\u05d9\u05d3 \u05ea\u05b0\u05bc\u05d4\u05b4\u05dc\u05b8\u05bc\u05ea\u05b6\u05da\u05b8\u00ab; und am Schluss des Gebets sage man: \u00bbM\u00f6gen meine Worte Wohlgefallen finden \u05d9\u05b4\u05d4\u05b0\u05d9\u05d5\u05bc \u05dc\u05b0\u05e8\u05b8\u05e6\u05d5\u05b9\u05df \u05d0\u05b4\u05de\u05b0\u05e8\u05b5\u05d9 \u05e4\u05b4\u05d9 \u05d5\u05b0\u05d4\u05b6\u05d2\u05b0\u05d9\u05d5\u05b9\u05df \u05dc\u05b4\u05d1\u05b4\u05bc\u05d9 \u05dc\u05b0\u05e4\u05b8\u05e0\u05b6\u05d9\u05da\u05b8, \u05d9\u05d9 \u05e6\u05d5\u05bc\u05e8\u05b4\u05d9 \u05d5\u05b0\u05d2\u05b9\u05d0\u05b2\u05dc\u05b4\u05d9\u00ab u. s. w. Dann trete man r\u00fccklings zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>10) An Neumonden und an Zwischenfeiertagen \u05d7\u05d5\u05b9\u05dc \u05d4\u05b7\u05de\u05d5\u05b9\u05e2\u05b5\u05d3 bete man Abends, Morgens und Nachmittags neunzehn Segensformeln, wie an allen \u00fcbrigen Tagen; blo\u00df in der Formel \u00fcber Wiederherstellung des Gottesdienstes (Retzee) sage man: \u00bbUnser und unserer V\u00e4ter Gott, es m\u00f6ge aufsteigen und gelangen usw. Im Mussaf der Zwischenfeiertage bete man \u2014 wie an den Feiertagen selbst; am Neumondstage bete man sieben Segensformeln, die ersteren drei, die letzten drei und eine mittlere, \u00fcber die Bedeutung des Neumonds-Opfers und schlie\u00dfe mit: \u00bbDer Du heiligest Israel und den Neumond \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d5\u05b0\u05e8\u05b8\u05d0\u05e9\u05b5\u05c1\u05d9 \u05d7\u05b3\u05d3\u05b8\u05e9\u05b4\u05c1\u05d9\u05dd\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>11) F\u00e4llt der Schabbat mit einem Zwischenfeiertags oder mit dem Neumond zusammen, so bete man Abends, Morgens und Nachmittags sieben Segnungen, wie an gew\u00f6hnlichen Schabbattagen, blo\u00df in der Tempeldienstformel sage man: \u00bbEs m\u00f6ge aufsteigen und gelangen\u2026\u00ab. Im Mussaf-Gebet fange man, bei der mittleren Segensformel, mit der Bedeutung des Schabbats an, schlie\u00dfe ebenfalls mit der Bedeutung des Schabbats und in Mitte dieser Segnung erw\u00e4hne man die Heiligkeit des Tages; und schlie\u00dfe an Neumondstagen mit: \u00bbDer Du heiligest, den Schabbat, Israel und den Neumond \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d4\u05b7\u05e9\u05b7\u05bc\u05c1\u05d1\u05b8\u05bc\u05ea \u05d5\u05b0\u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d5\u05b0\u05e8\u05b8\u05d0\u05e9\u05b5\u05c1\u05d9 \u05d7\u05b3\u05d3\u05b8\u05e9\u05b4\u05c1\u05d9\u05dd\u00ab; an den Zwischenfeiertagen aber schlie\u00dfe man, wie an allen Feiertagen, die mit dem Schabbat zusammenfallen \u05de\u05b0\u05e7\u05b7\u05d3\u05b5\u05bc\u05e9\u05c1 \u05d4\u05b7\u05e9\u05b7\u05bc\u05c1\u05d1\u05b8\u05bc\u05ea \u05d5\u05b0\u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d5\u05b0\u05d4\u05b7\u05d6\u05b0\u05bc\u05de\u05b7\u05e0\u05b4\u05bc\u05d9\u05dd.<\/p>\n\n\n\n<p>12) F\u00e4llt ein Feiertag auf den Sonntag, so bete man in der Nacht vom Schabbat, zum Sonntag, bei der vierten Segensformel:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu Haft uns kund getan Deine gerechten Gesetze und uns gelehrt \u2014 die Gebote Deines Willens auszu\u00fcben, hast uns die Heiligkeit des Schabbats, die Ehrbarkeit des Feiertags und die Opferfreude der Wallfahrtszeit gegeben, hast einen Unterschied zwischen der Heiligkeit des Schabbats und zwischen der des Feiertags gemacht, den siebenten Tag von den sechs Werkeltagen abgesondert, uns Zeiten zur Freude und Feste zur Wonne gegeben, Ewiger, unser Gott usw.\u00ab Am Schlusse des Schabbats und am Schlusse der Feiertage des ganzen Jahres, schalte man das Absonderungsgebet (Abschieds-, Abscheidungs-Gebet, Hawdala) in die Formel: \u00bbDer Du gnadenreich \u05d0\u05b7\u05ea\u05b8\u05bc\u05d4 \u05d7\u05d5\u05b9\u05e0\u05b5\u05df usw.\u00ab ein, obgleich man au\u00dferdem beim Kelche dies Gebet verrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Am Einweihungs- (Chanukka)- und Purimfeste\u2014 f\u00fcge man zur Dankformel \u2014noch Worte \u00fcber die Wundertaten \u05e2\u05b7\u05dc \u05d4\u05b7\u05e0\u05b4\u05bc\u05e1\u05b4\u05bc\u05d9\u05dd, hinzu. F\u00e4llt dieses Fest mit dem Schabbat zusammen, so wiederhole man die Worte \u00fcber die Wundertaten im Mussaf-Gebete ebenso, wie in allen anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>14) An allen Fasttagen und w\u00e4re es auch nur ein Einzelner, der da fastet,\u2014hat man zu der Formel: \u00bbDer Du das Gebet erh\u00f6rest \u00ab noch die Worte \u00bbo antworte uns\u2026\u05e2\u05b2\u05e0\u05b5\u05e0\u05d5\u05bc \u05d9\u05d9 \u05d0\u05b1\u05dc\u05b9\u05d4\u05b5\u05d9\u05e0\u05d5\u05bc, \u05e2\u05b2\u05e0\u05b5\u05e0\u05d5\u05bc\u00ab, einzuschalten. Der Vorbeter hat daraus eine besondere Segnungsformel, zwischen den Formeln, \u00fcber die Erl\u00f6sung \u05d2\u05bc\u05d5\u05b9\u05d0\u05b5\u05dc und \u00fcber die Heiligung \u05e8\u05d5\u05b9\u05e4\u05b5\u05d0, zu machen. Er schlie\u00dfe dieselbe mit den Worten: \u00bbDer Du antwortest zur Zeit des Drangsals \u05d4\u05b8\u05e2\u05d5\u05b9\u05e0\u05b6\u05d4 \u05d1\u05b0\u05bc\u05e2\u05b5\u05ea \u05e6\u05b8\u05e8\u05b8\u05d4\u00ab. Demnach hat er also zwanzig Segnungsformeln zu beten. \u2014 Am neunten Tage des Monats Aw, (dem Zerst\u00f6rungstage von Jerusalem), hat man bei der Formel: \u00bbDer Du Jerusalem erbauest\u00ab hinzuzuf\u00fcgen: \u00bbEr<br>barme Dich Ewiger, unser Gott \u00fcber uns, wie \u00fcber Dein ganzes Volk Israel und \u00fcber Deine Stadt Jerusalem, die trauernde Burg \u05e8\u05b7\u05d7\u05b5\u05dd \u05d9\u05d9 \u05d0\u05b1\u05dc\u05b9\u05d4\u05b5\u05d9\u05e0\u05d5\u05bc \u05e2\u05b8\u05dc\u05b5\u05d9\u05e0\u05d5\u05bc, \u05d5\u05b0\u05e2\u05b7\u05dc \u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05e2\u05b7\u05de\u05b8\u05bc\u05da\u05b0, \u05d5\u05b0\u05e2\u05b7\u05dc \u05d9\u05b0\u05e8\u05d5\u05bc\u05e9\u05b8\u05c1\u05dc\u05b7\u05d9\u05b4\u05dd \u05e2\u05b4\u05d9\u05e8\u05b8\u05da\u05b0, \u05d4\u05b8\u05e2\u05b4\u05d9\u05e8 \u05d4\u05b8\u05d0\u05b2\u05d1\u05b5\u05dc\u05b8\u05d4, \u05d4\u05b7\u05d7\u05b2\u05e8\u05b5\u05d1\u05b8\u05d4, \u05d4\u05b7\u05e9\u05bc\u05c1\u05d5\u05b9\u05de\u05b5\u05de\u05b8\u05d4\u00ab u. s. w.<\/p>\n\n\n\n<p>15) Den ganzen Winter hindurch \u2014 hat man bei der zweiten Segensformel, zu sagen: \u00bbDer Du den Regen heruntersendest \u05de\u05d5\u05b9\u05e8\u05b4\u05d9\u05d3 \u05d4\u05b7\u05d2\u05b6\u05bc\u05e9\u05b6\u05c1\u05dd\u00ab, im Sommer aber \u00bbder Du den Tau herabschickst \u05de\u05d5\u05b9\u05e8\u05b4\u05d9\u05d3 \u05d4\u05b7\u05d8\u05b7\u05bc\u05dc\u00ab. Wann f\u00e4ngt man an \u00bbder Du den Regen Herunter sendest\u00ab zu sprechen? Antwort: Vom Mussaf-Gebet des letzten Tages des Laubh\u00fcttenfestes an, bis zum Morgengebet des ersten Tages des Pessachfestes. Aber mit dem Mussaf- Gebete des ersten Tages des Pessachfestes f\u00e4ngt man stattdessen an: \u00bbDer Du den Tau herunterschickest&#8230;\u00ab, zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>16) Vom siebenten Tage im Monate Cheschwan an, bete man noch um Regen bei der Segensformel \u00fcber das Gedeihen der Felder \u05d1\u05b4\u05e8\u05b0\u05db\u05b7\u05bc\u05ea \u05d4\u05b7\u05e9\u05b8\u05bc\u05c1\u05e0\u05b4\u05d9\u05dd und zwar, so lange man in der zweiten Gebetsformel des Regens Erw\u00e4hnung tut. Dies gilt aber blo\u00df im heiligen Lande, in Babylonien hingegen, so wie in Syrien und Aegypten, in den umliegenden Gegenden und drgl. L\u00e4ndern, fange mail erst am sechzigsten Tage, nach dem Eintritt des herbstlichen Jahresviertels an, um Regen zu beten.<\/p>\n\n\n\n<p>17) In Gegenden, die des Regens im Sommer bed\u00fcrftig sind, z. B. auf den Inseln in fernen Meeren, bete man um Regen, so oft man dessen ben\u00f6tigt ist und zwar in der Segensformel \u00bbder Du Gebete erh\u00f6rest\u00ab. An Orten, wo man jeden Festtag zwei Tage lang feiert, fange man erst beim Mussaf &#8211; Gebet des achten Tages des Laubh\u00fcttenfestes an: \u00bbDer Du den Regen heruntersendest \u05de\u05d5\u05b9\u05e8\u05b4\u05d9\u05d3 \u05d4\u05b7\u05d2\u05b6\u05bc\u05e9\u05b6\u05c1\u05dd\u00ab zu sagen, was man dann den ganzen Winter hindurch fortsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>18) Das ganze Jahr hindurch wird die dritte Segnungsformel mit: \u00bbDu heiliger Gott\u00ab beschlossen und die elfte\u2014 mit \u00bbK\u00f6nig, der Du Recht und Gerechtigkeit liebest.\u00ab An den 10 Tagen aber, vom Neujahrstage bis zum Schlusse des Vers\u00f6hnungstages, beschlie\u00dfe man die 3-te Segnungsformel mit \u00bbo Du heiliger K\u00f6nig\u00ab und die 11-te \u00bbDu K\u00f6nig der Gerechtigkeit.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>19) Es gibt Orte, wo es Sitte ist, an den genannten 10 Tagen in die erste Segensformel die Worte \u00bbgedenke unserer zum Leben \u05d6\u05b8\u05db\u05b0\u05e8\u05b5\u05e0\u05d5\u05bc \u05dc\u05b0\u05d7\u05b7\u05d9\u05b4\u05bc\u05d9\u05dd\u00ab, \u2014 in die zweite: \u00bbwer ist wie Du, o Vater der Barmherzigkeit \u05de\u05b4\u05d9 \u05db\u05b8\u05de\u05d5\u05b9\u05da\u05b8 \u05d0\u05b8\u05d1 \u05d4\u05b8\u05e8\u05b7\u05d7\u05b2\u05de\u05b8\u05df\u2026\u00ab und in die Dankesformel \u00bberinnere Dich Deines \u05d6\u05b0\u05db\u05b9\u05e8 \u05e8\u05b7\u05d7\u05b2\u05de\u05b6\u05d9\u05da\u05b8\u2026\u00ab einzuschalten. Auch f\u00fcgt man gew\u00f6hnlich zur letzten Segensformel die Worte hinzu \u00bbin das Buch des Lebens, \u05d5\u05bc\u05d1\u05b0\u05e1\u05b5\u05e4\u05b6\u05e8 \u05d7\u05b7\u05d9\u05b4\u05bc\u05d9\u05dd&#8230;\u00ab Ebenso gibt es Orte, wo man an den genannten 10 Tagen noch in die dritte Segensformel einschaltet \u00bbund also tue Deine Furcht auf alle Deine Gesch\u00f6pfe usw.\u00ab Aber am Neujahrs- und Vers\u00f6hnungstage, ist es schon zur allgemeinen Sitte geworden, zur dritten Segensformel die Worte \u00bbtue Deine Furcht \u05d5\u05bc\u05d1\u05b0\u05db\u05b5\u05df\u2026\u00ab, hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">DRITTES KAPITEL \u2014 Die Zeiten der Gebete<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Das Morgengebet beginne man mit Sonnenaufgang; die ganze Zeit aber, w\u00e4hrend welcher allein man es verrichten darf, dauert bis zu Ende der vierten Tagesstunde, also ein Drittel des ganzen Tages. Wenn man diese Zeit absichtlich oder in Folge eines Irrtums vers\u00e4umte und jenes Gebet erst in dem Zeitraume von der vierten Stunde, bis zu Mittag, verrichtete, so hat man zwar der Pflicht des Betens im Allgemeinen Gen\u00fcge geleistet, aber nicht des zeitm\u00e4\u00dfigen. So wie n\u00e4mlich das Gebet \u00fcberhaupt ein Gebot der Schrift ist, ebenso ist es auch eine durch die \u00dcberlieferung uns zu Teil gewordene Vorschrift, dasselbe zu der Zeit zu verrichten, welche unsere Weisen und Propheten daf\u00fcr bestimmten.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Wir haben bereits oben erw\u00e4hnt, dass das Mincha-Gebet dem t\u00e4glichen Nachhmittags-Opfer, der Zeit nach, entspreche; da aber dieses Opfer jeden Tag\u2014 drei\u00dfig Minuten nach der neunten Tagesstunde dargebracht wurde (2,5 Stunden vor Sonnenuntergang), \u2014 so bestimmte man auch, dass das Mincha-Gebet \u2014 drei\u00dfig Minuten nach der neunten Tagesstunde zu beginnen habe. Das Mincha Gebet um diese Zeit wird das kleine Mincha-Gebet \u05de\u05b4\u05e0\u05b0\u05d7\u05b8\u05d4 \u05e7\u05b0\u05d8\u05b7\u05e0\u05b8\u05bc\u05d4 genannt. Weil jedoch am Tage vor dem Pessachfeste, wenn derselbe auf einen Freitag f\u00e4llt, das t\u00e4gliche Mincha-Opfer drei\u00dfig Minuten nach der sechsten Tagesstunde dargebracht wird (30 Minuten nach Beginn der 2. Tagesh\u00e4lfte), so bestimmte man auch, dass, wenn Jemand das Mincha-Gebet drei\u00dfig Minuten nach der sechsten Tagesstunde beginnt, er seiner Pflicht gen\u00fcgt habe und dass um diese Zeit die Verpflichtung zum Mincha-Gebet eintrete. Das um diese Stunde verrichtete Gebet, hei\u00dft nun das gro\u00dfe Mincha-Gebet \u05de\u05b4\u05e0\u05b0\u05d7\u05b8\u05d4 \u05d2\u05b0\u05bc\u05d3\u05d5\u05b9\u05dc\u05b8\u05d4.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Mehrere M\u00e4nner pflegten zugleich, das gro\u00dfe und das kleine Mincha-Gebet, zu verrichten, so dass das eine von beiden, als freiwillige Darbringung galt. Einige von den Gaonim aber lehrten, dass man nur das gro\u00dfe Mincha-Gebet als freiwillige Darbringung betrachten d\u00fcrfe. Dies geht auch, schon daraus hervor, dass das gro\u00dfe Mincha-Gebet nur eines au\u00dferordentlichen Falles willen angeordnet wurde. Hat man jedoch das gro\u00dfe Mincha-Gebet der Pflichterf\u00fcllung wegen verrichtet, so darf man das kleine nur als eine freiwillige Darbringung betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Aus Obigem geht nun hervor, dass die Zeit des gro\u00dfen Mincha-Gebets von drei\u00dfig Minuten nach der sechsten, bis drei\u00dfig Minuten nach der neunten Tagesstunde sich ausdehne. Die Zeit des kleinen Mincha-Gebets hingegen \u2014 erstreckt sich von drei\u00dfig Minuten nach der neunten Tagesstunde bis einer Stunde und f\u00fcnfzehn Minuten bis zum Tagesende; jedoch kann man das Gebet auch bis zu Sonnenuntergang verrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Die Zeit des Mussaf-Gebets ist \u2014 vom Schluss des Morgengebets an, bis zur siebenten Tagesstunde. Wer dasselbe jedoch nach der siebenten Tagesstunde verrichtet, sogar wenn er die Zeit mutwilliger Weise vers\u00e4umt haben sollte, kommt desungeachtet seinen Verpflichtungen in Bezug auf dieses Gebet, hinreichend nach, weil dasselbe im Notfalle den ganzen Tag \u00fcber verrichtet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Die Zeit des Abend-Gebets erstreckt sich vom Beginne der Nacht, bis zur Morgenr\u00f6te \u05e2\u05b7\u05de\u05bc\u05d5\u05bc\u05d3 \u05d4\u05b7\u05e9\u05b7\u05bc\u05c1\u05d7\u05b7\u05e8. Die Zeit des Schlussgebets (\u05e0\u05b0\u05e2\u05b4\u05d9\u05dc\u05b8\u05d4 am Jom Kippur) wird durch den Umstand bedingt, dass dasselbe kurz vor Sonnenuntergang beendigt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Wer ein Gebet, vor der f\u00fcr dasselbe\u2014festgesetzten Zeit, verrichtet, erf\u00fcllt seine Pflicht dadurch nicht, sondern muss dasselbe noch einmal und zwar zur geh\u00f6rigen Zeit, beten. Wenn man jedoch in dringenden F\u00e4llen das Morgengebet gleich nach der Morgend\u00e4mmerung \u05e2\u05b7\u05de\u05bc\u05d5\u05bc\u05d3 \u05d4\u05b7\u05e9\u05b7\u05bc\u05c1\u05d7\u05b7\u05e8 betet, so ist das wohl als eine Erf\u00fcllung der Pflicht zu betrachten. Das Gebet der Schabbat-Nacht hingegen, kann man sogar am Freitag, vor Sonnenuntergang verrichten. Ebenfalls kann man das Gebet des Schabbat-Ausgangs noch am Schabbat verrichten, denn, da das Abendgebet \u00fcberhaupt eine freiwillige Darbringung ist, so braucht man es mit der daf\u00fcr bestimmten Zeit nicht so genau zu nehmen; blo\u00df hat man den Satz: \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab zur geh\u00f6rigen Zeit, n\u00e4mlich sobald die Sterne am Himmel erscheinen \u05e6\u05b5\u05d0\u05ea \u05d4\u05b7\u05db\u05bc\u05d5\u05b9\u05db\u05b8\u05d1\u05b4\u05d9\u05dd, zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Wer die zu einem Gebet bestimmte Zeit vors\u00e4tzlich verstreichen lie\u00df, der kann sein Vergehen durch kein Ersatzgebet \u05ea\u05b7\u05bc\u05e9\u05b0\u05c1\u05dc\u05d5\u05bc\u05de\u05b4\u05d9\u05df wiedergutmachen. Geschah es aber in Folge eines Versehens oder war man gezwungen und durch den Drang der Umst\u00e4nde gen\u00f6tigt, es zu unterlassen: so hole man es beim n\u00e4chstfolgenden Gebete nach und zwar so, dass man zuerst das f\u00fcr diese Zeit verordnete und dann erst das Ersatzgebet verrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Wenn z.B. Jemand irrt\u00fcmlicher Weise das Morgengebet nicht bis zur Mittagszeit verrichtet,\u2014 so halte er ein zwiefaches Mincha-Gebet, zuerst n\u00e4mlich das f\u00fcr die Nachmittagszeit und dann \u2014 das zum Ersatz f\u00fcr das Morgengebet bestimmte. Hat man aus Versehen das Mittagsgebet nicht vor Sonnenuntergang verrichtet, so bete man ein doppeltes Abendgebet und zwar das erste als Abendgebet und das andere\u2014als Ersatz f\u00fcr das Mincha-Gebet. Hat man endlich das Abendgebet bis zur Morgenr\u00f6te vers\u00e4umt, so verrichte man ein zwiefaches Morgengebet, das erste n\u00e4mlich f\u00fcr den Morgen und das andere als \u2014 Ersatz f\u00fcr das Abendgebet.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Hat man aber zwei auf einander folgende Gebete vers\u00e4umt, so ist nur das zweite zu ersetzen, z. B. wenn Jemand irrt\u00fcmlicher Weise, weder das Morgen-, noch das Mincha-Gebet verrichtete: so liegt ihm ob, ein zwiefaches Abendgebet zu halten, wovon das erstere, f\u00fcr den Abend und das zweite als Ersatz f\u00fcr das Mincha-Gebet gilt. Das vers\u00e4umte Morgengebet aber, kann nicht mehr nachgeholt werden, weil die f\u00fcr dasselbe bestimmte Zeit schon abgelaufen ist; und so verh\u00e4lt es sich auch mit den anderen Gebeten.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Kommen auf diese Weise das Mincha und das Mussaf-Gebet zusammen, so verrichte man zuerst das Mincha-Gebet und dann erst das Mussaf-Gebet. Jedoch gibt es Gelehrte, welche es nicht f\u00fcr angemessen halten, dass dieses von Seiten einer ganzen Gemeinde geschehe, damit man dadurch nicht zum Irrtum komme.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VIERTES KAPITEL \u2014 Hindernisse f\u00fcr das Gebet<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Das Gebet, obgleich durch die Zeit geboten, bedingt au\u00dferdem noch f\u00fcnf unumg\u00e4ngliche Erfordernisse. Die Reinigung der H\u00e4nde, die Bedeckung der Bl\u00f6\u00dfe \u05e2\u05b6\u05e8\u05b0\u05d5\u05b8\u05d4, die Reinigung des Ortes, wo das Gebet stattfindet, die Entfernung der zerstreuenden Gegenst\u00e4nde und die Inbrunst des Herzens.<\/p>\n\n\n\n<p>2) In Betreff der Reinigung der H\u00e4nde finden folgende Bestimmungen statt. Man benetzt die H\u00e4nde mit Wasser bis zum Gelenk und verrichtet alsbald das Gebet. Befindet sich aber Jemand, wenn die Zeit zum Beten eintritt, unterwegs und es ist kein Wasser vorhanden, so kommt es darauf an, ob zwischen ihm und dem Wasser blo\u00df eine Strecke von vier Mil , das sind achttausend Ellen (4 km), sich befindet, in welchem Falle er verpflichtet ist, bis zum Wasser zu gehen, dort die H\u00e4nde zu waschen und dann zu beten. Ist aber die Entfernung gr\u00f6\u00dfer, so findet blo\u00df die Verpflichtung statt, die H\u00e4nde mit Sp\u00e4nen, Sand oder an einem Balken abzuwischen, dann kann das Gebet stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Obige Verpflichtung tritt jedoch nur dann in Kraft, wenn das Wasser sich vor dem Gehenden befindet; ist es hinter ihm, so ist es nur dann verpflichtet umzukehren, wenn es bis zu einer Mil entfernt ist. Betr\u00e4gt die Entfernung mehr als eine Mil, so wischt man blo\u00df die H\u00e4nde rein, um beten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hingegen besteht die Verpflichtung zum blo\u00dfen Waschen der H\u00e4nde, nur bei den nicht am Morgen stattfindenden Gebeten. Beim Morgengebete hingegen, hat man Gesicht, H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe zu waschen, um beten zu k\u00f6nnen. Ist aber Jemand (beim Morgengebet) vom Wasser entfernt, so wischt es blo\u00df seine H\u00e4nde ab und betet danach.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Alle als unrein Erkl\u00e4rten haben auch blo\u00df ihre H\u00e4nde zu waschen (und m\u00fcssen nicht zur Mikwe), ebenso wie die Reinen und k\u00f6nnen alsdann ihr Gebet verrichten; denn das v\u00f6llige Untertauchen (in der Mikwe) obgleich es m\u00f6glicherweise ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnte, um die gesetzlich erkl\u00e4rte Unreinheit aufzuheben, ist beim Gebete nicht notwendig. Wir haben bereits erkl\u00e4rt (Schma 7:8), wer Samenerguss hatte \u05d1\u05b7\u05bc\u05e2\u05b7\u05dc \u05e7\u05b6\u05e8\u05b4\u05d9 darf keine Toraverse lesen darf bis er in der Mikwe untergetaucht ist, nach einer Verordnung von Ezra. Die Gerichtsversammlung nach Ezra hat die gleiche Bestimmung auf das Gebet erweitert. Nicht wegen Reinheit und Unreinheit, sondern damit die Gelehrten nicht wie H\u00e4hne bei ihren Frauen verweilen. Deshalb verordneten sie das Untertauchen nur f\u00fcr den, der Samenerguss hatte und nicht f\u00fcr andere Unreinheiten.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Deshalb sagten die Weisen zur Zeit dieser Verordnung, sogar der Samenfl\u00fcssige \u05d6\u05b8\u05d1, der einen Samenerguss sah und die Menstruierende \u05e0\u05b4\u05d3\u05b8\u05bc\u05d4, die Samen absondert (sie ist W\u00e4hrend des Verkehrs Nidda geworden und sondert den m\u00e4nnlichen Samen ab) \u2014 all diese ben\u00f6tigen die Reinigung durch Untertauchen f\u00fcr das Sagen des Schma und das Gebet, obwohl sie unrein sind (das Untertauchen reinigt sie nicht von ihrer Unreinheit). Ebenfalls ist dieses Untertauchen nicht wegen Reinheit, sondern der Verordnung \u05d2\u05b0\u05bc\u05d6\u05b5\u05e8\u05b8\u05d4, damit man nicht st\u00e4ndig bei den Frauen sei. Doch ist diese Verordnung ist aufgehoben worden, sie hat in Israel keine Verbreitung gefunden, weil das Volk keine Kraft hatte sie einzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Der verbreitete Brauch in Spanien und Babylon ist, wer einen Samenerguss hatte, bete solange nicht bis er seinen K\u00f6rper mit Wasser gewaschen hat, wegen: \u00bbmache dich bereit f\u00fcr die Begegnung mit deinem Gott, Israel! (Amos 4:12)\u00ab. Dies betrifft einen Gesunden oder Kranken, der Geschlechtsverkehr hatte, hingegen ist ein Kranker, der wegen seiner Krankheit Samenerguss hat, von der Waschung befreit. Ebenso der Zaw, der einen Samenerguss sah und die Nidda, die Samen absonderte, waschen sich und ihre H\u00e4nde und beten.<\/p>\n\n\n\n<p>7) In Betreff der Bedeckung der Bl\u00f6\u00dfe \u05e2\u05b6\u05e8\u05b0\u05d5\u05b8\u05d4 finden folgende Bestimmungen statt: Eigentlich muss au\u00dfer der beim Lesen des Satzes: \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab festgesetzten Bedeckung der Bl\u00f6\u00dfe, beim Gebet \u2014 auch noch die Brust bedeckt werden. Hat man jedoch die Brust nicht bedeckt oder war man gezwungen es zu unterlassen oder hat man Nichts, womit man sie bedecken k\u00f6nnte, so ist schon jene urspr\u00fcngliche Bl\u00f6\u00dfebedeckung hinreichend. Von vorn herein aber,\u2014darf man dies nicht tun.<\/p>\n\n\n\n<p>8) In Betreff der Reinlichkeit des Ortes, wo das Gebet stattfindet, ist folgendes festgesetzt. Man darf das Gebet nicht an einem unsauberen Orte, nicht in einem Badezimmer, nicht auf einer Toilette, nicht an einem Misthaufen usw. verrichten. In zweifelhaften F\u00e4llen muss man vor dem Gebet den Ort untersuchen. Im Allgemeinen aber, \u2014 muss man sich in dieser Hinsicht an die Bestimmungen, welche beim Lesen des Satzes: \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab getroffen wurden, auch beim Beten halten. Ebenso ist das Ma\u00df der Entfernung von unreinen Gegenst\u00e4nden, wie auch von Leichen und K\u00f6rperbl\u00f6\u00dfen ganz dasselbe, wie auch beim Lesen des Abschnitts: \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab (Schma 3:2).<\/p>\n\n\n\n<p>9) Wenn Jemand sein Gebet verrichtet und nachher an dem Platze, wo dasselbe stattfand etwas Unreines wahrnimmt, so muss er, weil er den Ort nicht vor dem Gebet untersuchte, dasselbe Gebet noch einmal an einem reinen Orte verrichten. Ist man aber im Gebete begriffen, w\u00e4hrend man das Unreine bemerkt, so ver\u00e4ndere man \u2014 wo m\u00f6glich \u2014 seine Stellung so, dass der unreine Gegenstand vier Ellen hinter dem Betenden bleibe; ist es aber nicht m\u00f6glich, so trete man in diese Entfernung seitw\u00e4rts und erst wenn auch dies nicht geht, breche man das Gebet ab. Die Gr\u00f6\u00dften unter unseren Weisen pflegten sogar nicht in einem solchen Hause zu beten, wo man Bier braute oder Fische einsalzte, so lange der chemische Prozess dauert, weil an solchen Orten ein \u00fcbler Geruch zu herrschen pflegt, obgleich der Ort rein bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>10) In Betreff der zerstreuenden Gegenst\u00e4nde ist Folgendes bestimmt. Wenn Jemand eine Notdurft versp\u00fcrt, darf er nicht beten und wenn er es dennoch tut, so ist sein Gebet verabscheut und er hat nachher von Neuem das Gebet zu verrichten. Wenn der Drang nun nicht heftig war (er kann 96 Minuten aushalten), hat er zwar nicht n\u00f6tig, ein zweites Gebet zu verrichten, jedoch darf Niemand sich von vorn herein anders zum Gebet anschicken, als bis er sich in aller Hinsicht gereinigt und alle zerstreuenden Gegenst\u00e4nde beseitigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Es gilt als sehr unanst\u00e4ndig, w\u00e4hrend des Gebetes wissentlich zu g\u00e4hnen, sich zu dehnen, zu niesen usw. Kommt aber Einem dies unwillk\u00fcrlich an, so bleibt es ohne Folgen. Wem sich, w\u00e4hrend der Gebers, der Speichel im Munde ansammelt, der entferne ihn mittelst eines Tuches oder eines Gewandes. Wem aber dies beunruhigend oder st\u00f6rend wird, der speie hinter sich, damit er sich w\u00e4hrend des Gebets nicht \u00e4rgere. Entlie\u00df er unwillk\u00fcrlich eine Bl\u00e4hung, so schweige er bis der Geruch verfliegt und kehre darauf zum Gebet zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>12) Wer w\u00e4hrend des Gebets Bl\u00e4hungen hat und sich nicht halten, gehen vier Ellen nach hinten, entlasse die Bl\u00e4hung, verharre bis der Geruch verflogen und sage darauf: Herr der Welt, du hast uns mit \u00d6ffnungen und H\u00f6hlungen erschaffen. Bekannt und offenbart vor dir ist unsere Scham, die Schande, wenn wir leben und das Gew\u00fcrm, wenn wir sterben.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Wem beim Gebete Urin seine Beine entlang tropft, warte bis das Wasser anh\u00e4lt und kehre zum Ort, wo er unterbrochen. Wartet er so lange es Dauert das Gebet zu vollenden, muss er von Anfang beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Wer vor dem Gebet Wasser l\u00e4sst, warte so lange es dauert vier Ellen zu gehen und bete dann. Und wer betet (und sein Gebet beendet), warte so lange es dauert vier Ellen zu gehen und lasse dann Wasser, damit die Worte des Gebetes aus seinem Mund weichen.<\/p>\n\n\n\n<p>15) In Betreff der Inbrunst des Herzens ist Folgendes bestimmt. Jedes Gebet, welches ohne Andacht stattfindet, ist nicht als Gebet zu betrachten. Hat Jemand sein Gebet ohne Andacht verrichtet, so muss er dasselbe nochmals and\u00e4chtig wiederholen. Findet Jemand, dass seine Gedanken verwirrt und sein Herz abgewendet ist, so ist es ihm verboten zu beten, bis sein Geist sich beruhigt. Daher darf Jemand, der von der Reise kommt und m\u00fcde oder leidend ist, nicht fr\u00fcher beten, als bis er sich beruhigt hat. Die Weisen sagten, man m\u00f6ge drei Tage anhalten, bis man v\u00f6llig gerastet und seinen Geist beruhigt habe und dann erst beten.<\/p>\n\n\n\n<p>16) Unter Andacht versteht man, dass der Betende alle fremden Gedanken aus seinem Herzen verbanne und sich als vor der Gottheit stehend, betrachte. Daher ist es n\u00f6tig, vor dem Anfang des Gebetes kurze Zeit niederzusitzen und das Herz f\u00fcr die Andacht zu stimmen, dann aber sanft und mit stehendem Tone, das Gebet zu sprechen. Keineswegs aber soll man das Gebet als eine Last betrachten, die man je eher desto lieber absch\u00fcttelt, \u2014 weshalb es auch n\u00f6tig ist, auch nach dem Gebete etwas niederzusitzen und dann erst sich zu entfernen. Die Frommen fr\u00fcherer Zeiten pflegten eine Stunde vor dem Gebete und eine Stunde nach dem Gebete zu verweilen, auch eine Stunde mit dem Gebete selbst zuzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>17) Ein Betrunkener darf nicht beten, weil bei ihm keine Andacht stattfinden kann. Tut er es dennoch, so ist sein Gebet verabscheuungsw\u00fcrdig und er hat es deshalb zu wiederholen, sobald er wieder n\u00fcchtern geworden. Wer blo\u00df einen kleinen Rausch hat, darf zwar eigentlich auch nicht beten, tat er es indes, so wird sein Gebet als solches betrachtet. Wen bezeichnet man als einen Betrunkenen? Antwort: Denjenigen, welcher nicht im Stande sein w\u00fcrde, vor einem K\u00f6nig zu sprechen, w\u00e4hrend Derjenige, welcher nur einen kleinen Rausch hat, dies wohl noch ohne Fehler bewirken k\u00f6nnte. Im Allgemeinen jedoch darf Niemand beten, der ein Viertel-Maa\u00df Wein getrunken, bevor nicht sein Rausch vor\u00fcber ist.<\/p>\n\n\n\n<p>18) Eben so wenig ist es gestattet, das Gebet beginnen: mitten im Gel\u00e4chter, bei leichtsinnigen Handlungen, unter frivolen Gespr\u00e4chen, unter Zanken oder bei Verdruss, sondern blo\u00df bei Worten der Tora. Selbst bei gerichtlichen Verhandlungen, wiewohl dieselben als zur Tora geh\u00f6rig angesehen werden, ist es verboten, das Gebet zu beginnen, da die Gedanken des Betenden, in solchem Falle, zu sehr mit der Streitfrage besch\u00e4ftigt sind. Es ist deshalb nur bei solchen Worten der Tora gestattet, das Gebet zu begingen, welche kein besonderes Nachdenken erfordern.<\/p>\n\n\n\n<p>19) Die blo\u00df f\u00fcr gewisse Tage im bestimmten Gebete, z. B. das Mussaf am Neumondstage und die Feiertagsgebete muss man zuvor durchgehen und dann erst verrichten, damit man w\u00e4hrend derselben sich nicht zu unterbrechen brauche.<\/p>\n\n\n\n<p>Befindet sich Jemand an einem Orte, wo seine Sicherheit gef\u00e4hrdet ist, z. B. wo wilde Tiere oder R\u00e4uber sich aufhalten und die Zeit des Gebetes nahet heran, so spreche er blo\u00df eine Segensformel, n\u00e4mlich: \u00bbDer Bed\u00fcrfnisse Deines Volkes Israel sind viele, sein Verstand aber ist zu ohnm\u00e4chtig: daher m\u00f6ge es Dein Wille sein, o Ewiger, unser Gott, einem Jeden unter uns zu seiner Nahrung zu verhelfen und jedem K\u00f6rper das ihm Fehlende zu geben. Es geschehe, was Dir wohlgef\u00e4llig ist. Gelobt seist Du, Ewiger, der Du das Gebet erh\u00f6rest!\u00ab Diese Segensformel kann man auch unterwegs gehend sprechen. Gestatten es die Umst\u00e4nde nur irgend, dabei stehen zu bleiben, so tue man es. Sobald man aber einen bewohnten (sicheren) Ort erreicht und sich wieder beruhigt hat, verrichte man das geh\u00f6rige, aus neunzehn Segensformeln bestehende Gebet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00dcNFTES KAPITEL \u2014 Die Art und Weise des Gebets<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Wiederum acht Dinge hat der Betende besonders zu ber\u00fccksichtigen und zu beobachten, deren Unterlassung jedoch, im Falle einer Entfernung, eines Zwanges oder eines Vergehens, nicht hinderlich sein w\u00fcrde; n\u00e4mlich: die aufrechte Stellung, die Richtung des Gesichts gegen den Tempel, die Haltung des K\u00f6rpers, die Anordnung der Kleider, die des Ortes, wo man betet, der Ton der Stimme, die Verbeugung und das Niederknien.<\/p>\n\n\n\n<p>2) In Betreff der aufrechten Stellung ist Folgendes festgesetzt. Man darf eigentlich das Gebet nicht anders als stehend verrichten. Befindet man sich auf einem Schiffe oder in einem Wagen, so stehe man beim Gebet auf, sobald dies irgend m\u00f6glich ist, wo nicht, so verrichte man das Gebet sitzend. Ein Kranker kann das Gebet sogar, auf einer Seite liegend, verrichten, darf aber \u00fcberhaupt nur dann beten, wenn er seine Gedanken zur Andacht zu stimmen im Stande ist. Ebenso ist ein Durstiger oder Hungriger zur Kategorie der Kranken zu rechnen, so dass beide nur dann zu beten verpflichtet sind, wenn sie ihre Gedanken zur Andacht stimmen k\u00f6nnen, wo nicht, so m\u00f6gen sie erst dann beten, wenn sie gegessen und getrunken haben. Ist Jemand im Reiten begriffen, so steige er beim Gebete nicht ab, wenn auch eine Person zur Hand sein sollte, welche das Tier unterdessen halten k\u00f6nnte; vielmehr verrichte man dann das Gebet sitzend, damit die Gedanken nicht gest\u00f6rt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Das Gesetz \u00fcber die Richtung gegen den Tempel befiehlt jedem, au\u00dferhalb Israels Befindlichen, sein Antlitz dorthin zu wenden, jedem Dortigen aber nach Jerusalem und wiederum jedem hier Wohnenden, nach dem Tempel, denen aber, die sich im Tempel selbst befinden, ihr Angesicht nach dem Allerheiligsten zu richten. Ein Blinder, ein der Weltgegenden Unkundiger oder ein zu Schiffe sich Befindender, erhebe sein Herz zu dem Herrn und bete.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Die Haltung des K\u00f6rpers beim Gebete verlangt, dass man die F\u00fc\u00dfe neben einander halte, die Augen Niederschlage, als blicke man zur Erde, das Herz nach oben richte, als st\u00e4nde man im Himmel, die rechte Hand auf die linke und auf sein Herz lege und wie ein Knecht vor seinem Herrn, voll Furcht, Achtung und Angst dastehe, nicht aber mit in die Seite eingestemmten H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Unter Ordnung der Kleider versteht man ihre Reinlichkeit und Gef\u00e4lligkeit, denn es hei\u00dft: \u00bbBeuget euch vor Gott in der Sch\u00f6nheit des Heiligtums\u00ab. W\u00e4hrend des Gebetes halte man keine Last, bete nicht mit entbl\u00f6\u00dftem Haupte oder barfu\u00df und zwar aller Orten, wo es Sitte ist, vor vornehmen Leuten nicht anders als in Schuhen zu stehen. Niemals aber halte man beim Beten weder Tefillin noch Gesetzrollen in der Hand, weil die dabei erforderliche Behutsamkeit die Andacht st\u00f6rt, noch Gef\u00e4\u00dfe oder Gold; wohl aber ist es erlaubt, beim Laubh\u00fcttenfeste den Palmenzweig in der<br>Hand zu halten, da diese Tagespflicht ist. Die Last auf dem Haupte, welche weniger als 4 Maa\u00df enth\u00e4lt, lasse man nach hinten herabfallen, die mehr, lege man zur Erde und bete dann. Sitte der Gelehrten und ihrer Sch\u00fcler ist es, im Tallit geh\u00fcllt zu beten.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Der Ort beim Beten sei eine Vertiefung und so, dass das Gesicht zur Wand gekehrt sei wie auch bei ge\u00f6ffnetem Fenster oder ge\u00f6ffneter T\u00fcr, die im Hause gen Jerusalem liegen; denn es hei\u00dft (Daniel 6,1): \u00bbUnd die Fenster waren gen Jerusalem hin ge\u00f6ffnet\u00ab. Man bestimme ferner immer einen Ort zum Gebete und halte dies weder in einer Ruine, noch hinter einer Synagoge, es sei denn, dass man in letzterem Falle das Gesicht nach derselben wende. Neben einem im Gebete Stehenden zu sitzen, ist ebenso wenig erlaubt, als bei ihm vorbeizugehen, es sei denn in einer Entfernung von vier Ellen.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Beim Gebete stehe man weder auf einer drei noch mehre Fu\u00df hohen Erh\u00f6hung, Balken, Brett oder Stuhl. Ein hohes Geb\u00e4ude von 4 Quadratellen im Umfang, \u2014 das bestimmendes Maa\u00df eines Hauses ist \u2014 darf als ein oberer Stock angesehen und zum Gebete benutzt werden; ebenso wenn es mit einer Umz\u00e4unung versehen ist, auch ohne 4 Quadratellen Umfang zu haben: weil dann die Absch\u00fcssigkeit nicht zu merken ist und die Erh\u00f6hung einen eigenen Bereich bildet.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Arbeiter, die sich auf der Spitze eines gew\u00f6hnlichen Baumes oder hoch an einer Wand zur Zeit des Gebetes befinden, sollen hinabsteigen, um zu beten und zur Arbeit zur\u00fcckkehren; ausgenommen ist der Oliven- und Feigenbaum, auf welchen, wegen des m\u00fchsamen Herab- und Hinaufsteigens, das Gebet erlaubt ist. Arbeiten sie blo\u00df f\u00fcr Kost, so beten sie dreimal t\u00e4glich, jedes Mal das volle Gebet von neunzehn Segensspr\u00fcchen; arbeiten sie aber um Lohn, so sprechen sie blo\u00df das kurze Gebet \u00bbHawinenu\u00ab. In beiden F\u00e4llen aber kommt es ihnen nicht zu, als Vorbeter aufzutreten oder den priesterlichen Segen mit der Hand zu erteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Die Tonhaltung in der Stimme verlangt, dass man weder schreie im Gebete, noch, dass man blo\u00df im Herzen bete; man spreche vielmehr die Worte zwar aus, aber leise, damit der Betende sie selbst h\u00f6re, keineswegs aber so laut, dass auch Andere seine Stimme h\u00f6ren. Dem Kranken oder dem, der nicht anders and\u00e4chtig sein kann, ist zwar lautes Beten erlaubt, jedoch nicht in der Gemeindeversammlung, damit er die Anderen nicht st\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Das Verbeugen \u05db\u05b0\u05bc\u05e8\u05b4\u05d9\u05e2\u05b8\u05d4 und betreffend muss der Betende in jedem Gebet f\u00fcnf sich verbeugen; n\u00e4mlich: bei Anfang und Ende des ersten Segenspruches und des Huldigungssegensspruches \u05d4\u05d5\u05b9\u05d3\u05b8\u05d9\u05b8\u05d4, wie auch beim Schlusse des Gebets, indem man drei Schritte r\u00fcckw\u00e4rtsgeht, den Friedensgru\u00df zuerst links und dann rechts gibt, zuletzt aber das Haupt mit einer Verbeugung erhebt. Die ersten vier Verbeugungen geschehen immer bei dem Worte \u00bbgelobt \u05d1\u05b8\u05e8\u05d5\u05bc\u05da\u05b0\u00ab, das Erheben des Hauptes beim Worte \u00bbGott\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies gilt f\u00fcr gew\u00f6hnliche Personen. Der Hohepriester verbeugt sich am Anfang und Ende jedes Segenspruches. Der K\u00f6nig bleibt vom ersten Segensspruche an gebeugt, bis zum Ende seines Gebetes.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Weshalb gibt man den Friedensgru\u00df zuerst zur linken? Weil diese des gegen\u00fcberstehenden Rechte ist. St\u00e4nde man nun vor dem K\u00f6nig, so m\u00fcsste man die Abschiedsverbeugung zuerst zur Rechten und dann zur Linken des K\u00f6nigs machen; die Verordnung der Weisen aber lautet dahin, sich beim Gebete, wie beim K\u00f6nige zu benehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>12) Bei jeder Verbeugung sollen alle Wirbel des R\u00fcckgrats hervorragen und dabei muss der K\u00f6rper einen Bogen darstellen. Beugt man sich wenig, wenn dieses mit Anstrengung verbunden ist, so dass der Betende dem sich ganz B\u00fcckenden gleich zu achten w\u00e4re, so ist auch dies hinreichend.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Das Knien \u05d4\u05b4\u05e9\u05b0\u05c1\u05ea\u05b7\u05bc\u05d7\u05b2\u05d5\u05b8\u05d9\u05b8\u05d4 wird wie folgt vollzogen: Nach dem Aufheben des Kopfes, bei der f\u00fcnften Verbeugung, setzt man sich hin und f\u00e4llt mit dem Gesichte zur Erde, worauf die beliebigen Bitten verrichtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall wo von Verbeugung \u05db\u05b0\u05bc\u05e8\u05b4\u05d9\u05e2\u05b8\u05d4 die Rede ist, versteht man darunter ein Beugen auf die Unterschenkel (man sitzt auf den Unterschenkeln und die Knie ber\u00fchren den Boden), wo von B\u00fccken \u05e7\u05b4\u05d3\u05b8\u05bc\u05d4 \u2014 Hinneigen des Gesichts zur Erde (man kniet nieder und ber\u00fchrt mit dem Gesicht die Erde), unter Niederknien \u05d4\u05b4\u05e9\u05b0\u05c1\u05ea\u05b7\u05bc\u05d7\u05b2\u05d5\u05b8\u05d9\u05b8\u05d4 aber\u2014das Ausbreiten der H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe in der Art, dass man mit dem ganzen Gesichte die Erde ber\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Hinsichtlich des Niederkniens \u05e0\u05b0\u05e4\u05b4\u05d9\u05dc\u05b7\u05ea \u05e4\u05b8\u05bc\u05e0\u05b4\u05d9\u05dd, nach dem Gebete, begn\u00fcgen sich einige mit einem blo\u00dfen B\u00fccken \u05e7\u05b4\u05d3\u05b8\u05bc\u05d4, andere hingegen knien v\u00f6llig nieder \u05d4\u05b4\u05e9\u05b0\u05c1\u05ea\u05b7\u05bc\u05d7\u05b2\u05d5\u05b8\u05d9\u05b8\u05d4. Dies auf Steinen, au\u00dferhalb des Tempels, zu tun\u2014ist verboten, wie wir in der Abhandlung \u00fcber den G\u00f6tzendienst bereits erkl\u00e4rt (6:6-7). Ein angesehener Mann darf nur dann aufs Gesicht fallen, wenn er sich bewusst ist, so fromm wie Joschua zu sein; sonst beuge er nur ein wenig sein Gesicht und ber\u00fchre nicht damit die Erde. Es steht frei, an einem Orte zu beten und am andern aufs Gesicht zu fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>15) Allgemeine Sitte ist es unter den Israeliten, dass man weder am Schabbat, noch an Feiertagen, noch an dem Neujahrs- oder, Neumondstagen, noch an Chanukka, Purimfeste, wie auch nicht am Minchagebet zum Vorabend des Schabbats und der Feiertage, noch in den Abendgebeten \u00fcberhaupt\u2014 auch nicht an gew\u00f6hnlichen Tagen\u2014auf das Gesicht falle. Doch gibt es manche, die beim Abendgebete wohl aufs Gesicht fallen. Blo\u00df am Vers\u00f6hnungstage allein tue es ein jeder und zwar bei jedem einzelnen Gebete, weil dieser ein Tag des Flehens, Betens und Fastens ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">SECHSTES KAPITEL \u2014 Vers\u00e4umnis des Gebets<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Es ist dem Israeliten verboten, hinter der Synagoge, w\u00e4hrend die Gemeinde ihr Gebet verrichtet, wegzugehen, den Fall etwa ausgenommen, da er eine Last tr\u00e4gt oder wenn die Synagoge von zwei Seiten T\u00fcren hat: weil man dann glauben k\u00f6nnte, dass der Vor\u00fcbergehende nicht weggeht, sondern von einer anderen Seite in die Synagoge zu treten w\u00fcnscht. Ebenso verh\u00e4lt es sich, wenn in der Stadt zwei Synagogen vorhanden sind: weil man dann glauben k\u00f6nnte, dass der an der einen Vor\u00fcbergehende\u2014sich nach der anderen Synagoge begeben wolle, die er gew\u00f6hnlich zu besuchen pflege. Ebenso darf derjenige, welcher die Tefillin angelegt hat, an einer Synagoge vor\u00fcbergehen, wenn auch jene Ausnahm-Bedingungen da nicht stattfinden: weil die Tefillin selbst gleichsam Zeugnis ablegt, dass man eher einer guten Tat nachgehe, als sich des Gebets entschlagen wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Wer das Gebet mit der Gemeinde verrichtet, dehne dasselbe nicht zu weit aus: was ihm aber freisteht, wenn er allein betet. Nach dem Gebet aber bleibt es einem Jeden \u00fcberlassen, sogar ein S\u00fcndenbekenntnis \u05d5\u05b4\u05d3\u05bc\u05d5\u05bc\u05d9 , wie am Vers\u00f6hnungstage, im Stillen abzuhalten. Ebenso darf man zu jedem der mittleren Segensspr\u00fcche Worte von entsprechendem Inhalte hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Dies kann man in folgender Weise bewirken. Wem Jemand erkrankte, der kann bei Gelegenheit des Segenspruchs f\u00fcr Kranken-Herstellung \u05d1\u05b4\u05e8\u05b0\u05db\u05b7\u05bc\u05ea \u05d7\u05d5\u05b9\u05dc\u05b4\u05d9\u05dd, je nach seiner F\u00e4higkeit, um Erbarmen f\u00fcr jenen Kranken flehen. Wem es an Nahrungsmitteln fehlt, der kann seine Bitten und W\u00fcnsche der Segens-Formel \u00fcber die j\u00e4hrliche Ernte \u05d1\u05b4\u05e8\u05b0\u05db\u05b7\u05bc\u05ea \u05d4\u05b7\u05e9\u05b8\u05bc\u05c1\u05e0\u05b4\u05d9\u05dd hinzuf\u00fcgen und so fort bei jedem von den mittleren Segensspr\u00fcchen. \u00dcberdies kann man bei dem Segensspruche: \u00bbDer Du das Gebet erh\u00f6rest \u05e9\u05c1\u05d5\u05b9\u05de\u05b5\u05e2\u05b7 \u05ea\u05b0\u05bc\u05e4\u05b4\u05dc\u05b8\u05bc\u05d4\u00ab um Gew\u00e4hrung s\u00e4mtlicher Bed\u00fcrfnisse bitten. Keineswegs aber ist es gestattet, dies bei den drei ersten oder bei den drei letzten Segensformeln zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Es ist dem Israeliten verboten nach Sonnenaufgang irgend Etwas zu genie\u00dfen oder eine Arbeit zu unternehmen, bevor er das Morgengebet verrichtet. Ebenso wenig ist es ihm alsdann gestattet zu seinem Genossen sich zu begeben, um denselben zu begr\u00fc\u00dfen, bevor er sein Morgengebet verrichtet. Auch soll man keine Reise antreten ohne vorher gebetet zu haben. Wohl aber steht es jedem frei, vor dem Mussaf wie auch vor dem Mincha-Gebet Etwas zu genie\u00dfen oder eine Arbeit zu unternehmen; jedoch ist es untersagt, sich kurz vor dem Mincha-Gebet zu einer vollen Mahlzeit niederzusetzen.<br>5) Sobald die Zeit des gro\u00dfen Mincha-Gebetes eintritt, begebe man sich nicht ins Bad, selbst wenn es nur geschehe, um sich in Schwei\u00df zu bringen, ohne vorher gebetet zu haben: denn man k\u00f6nnte in Ohnmacht fallen und auf diese Weise das Gebet vernachl\u00e4ssigen. Ferner darf man sich nicht zum Essen niedersetzen, w\u00e4re es auch nur ein blo\u00dfer Zubiss, weil man dadurch zu sehr abgelenkt werden k\u00f6nnte; ebenso ist es untersagt, um diese Zeit gerichtliche Verhandlungen vorzunehmen, selbst wenn der Urteilsspruch schon nahe bevorstehen sollte \u05d1\u05b4\u05bc\u05d2\u05b0\u05de\u05b7\u05e8 \u05d3\u05b4\u05bc\u05d9\u05df: weil das Urtheil m\u00f6glicher Weise noch umgesto\u00dfen, die Angelegenheit sonach verz\u00f6gert und das Gebet auf diese Weise vernachl\u00e4ssigt werden k\u00f6nnte. Ebenso setze man sich um diese Zeit bei einem Fris\u00f6r nicht nieder, ohne vorher gebetet zu haben, selbst dann nicht, wenn man sich nur einfach das Haar abscheren lassen wollte: weil zu besorgen steht, dass die Schere zerbrechen k\u00f6nnte (und es lange dauern w\u00fcrde sie zu reparieren). Ferner gehe man kurz vor dem Minchagebet nicht in seine Gerberei, ohne vorher gebetet zu haben, weil zu besorgen steht, dass man einen Fehler an der Arbeit bemerken, sich damit besch\u00e4ftigen und so vom Gebet abgehalten werden k\u00f6nnte. Hatte man aber bereits eins von diesen Gesch\u00e4ften angefangen, so unterbreche man sich nicht, sondern beschlie\u00dfe dasselbe und verrichte dann das Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Was wird nun als Anfang der Besch\u00e4ftigung betrachtet? Antwort: Beim Fris\u00f6r, das Umlegen des Fris\u00f6rumhangs; beim Baden, das Ablegen des zun\u00e4chst auf dem K\u00f6rper befindlichen Kleides; beim Gerben, das Umbinden des Schurzes, wie es bei den Handwerkern \u00fcblich ist; als Anfang des Essens aber \u2014 gilt bei den Bewohnern des Landes Israel das Waschen der H\u00e4nde und, bei den Babyloniern \u2014 Ablegen des G\u00fcrtels; endlich aber als Anfang einer Gerichtsverhandlung \u2014 die Umh\u00fcllung der Richter mit dem Tallit und ihr Niedersitzen. Hatten die Richter sich lange vorher niedergesetzt, so gilt als Anfang das Vorbringen der Klage von Seiten einer der streitenden Parteien.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Obgleich das Abendgebet ein freiwilliges ist, spreche doch Niemand, der von seinem Gesch\u00e4fte nach Hause zur\u00fcckkehrt: ich werde zuerst Etwas essen, ein wenig schlafen und dann beten; denn der Schlaf k\u00f6nnte ihn \u00fcberw\u00e4ltigen, so dass ihm die ganze Nacht dar\u00fcber verginge. Daher hat man vorher vielmehr das Abendgebet zu verrichten und soll dann erst essen, trinken oder schlafen. Vor dem Morgengebet aber es ist erlaubt sich scheren zu lassen und in das Bad zu gehen: denn die Weisen haben dieses Verbot nur mit Bezugnahme auf die Zeit vor dem Mincha Gebet ergehen lassen, weil zu dieser Zeit die meisten Menschen dorthin sich zu begeben pflegen. Am Morgen aber ist dies etwas ganz Ungew\u00f6hnliches, weshalb auch in dieser Beziehung keine Bestimmung getroffen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Wer mit dem Studium des Gesetzes besch\u00e4ftigt ist, w\u00e4hrend die Zeit des Gebets herannaht, unterbreche sein Studium und bete. War aber das Studium seine einzige Besch\u00e4ftigung, so dass er mehr keine andere Arbeit, als das Studium der Tora kennt und hatte er sich zur Zeit des Gebetes gerade ins Studium der Tora vertieft: so unterbreche er sie nicht, \u2014 indem das Studium der Tora viel wichtiger ist, als das Gebot zu beten. Derjenige, welcher sich mit Gemeindeangelegenheiten besch\u00e4ftigt, wird demjenigen gleichgeachtet, welcher sich mit dem Studium der Tora besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Der Betende unterbreche sein Gebot nur im Falle einer Lebensgefahr. Sogar wenn der K\u00f6nig von Israel ihn begr\u00fc\u00dft, antworte er nicht. Aber er antworte einem nichtj\u00fcdischen K\u00f6nig, denn vielleicht k\u00f6nnte ihn dieser t\u00f6ten. Wer w\u00e4hrend des Gebets einen nichtj\u00fcdischen K\u00f6nig oder einen gewaltt\u00e4tigen Menschen auf sich zukommen sieht, verk\u00fcrze sein Gebet. Wenn man sein Gebet nicht verk\u00fcrzen kann, dann breche man das Gebet ab. Sah Jemand Schlangen oder Skorpionen auf ihn zukommen, so kommt es darauf an, ob ihr Biss im Lande t\u00f6dlich zu wirken pflegt, in welchem Falle er das Gebet abbreche und hinwegeile. Sind sie aber dort nicht b\u00f6sartig, so unterbreche man das Gebet nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Frauen, Knechte und Minderj\u00e4hrige sind zum Gebet verpflichtet, wer aber den Abschnitt \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab nicht zu lesen n\u00f6tig hat, ist auch vom Gebet \u00fcberhaupt befreit. Auch sind Diejenigen, welche einen Toten begleiten, selbst wenn man ihrer zur Bestattung nicht bedarf, frei vom Gebet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">SIEBENTES KAPITEL \u2014 Die Ordnung des Segenspr\u00fcche und Gebete f\u00fcr den Einzelnen<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Als die Weisen diese Gebete anordneten, f\u00fchrten sie zugleich auch noch andere Segensspr\u00fcche ein, welche jeden Tag gesprochen werden m\u00fcssen. Wenn man sich n\u00e4mlich abends zu Bett begibt, sage man: \u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der Du Fesseln des Schlafes meinen Augen anlegst und sanften Schlummer auf meine Blicke niedersendest, zugleich aber auch das innere Auge erleuchtest. Es sei einst Wille vor Deinem Angesichte, o Ewiger, mein Gott, dass Du mich vor b\u00f6sen Gedanken, wie auch vor b\u00f6sen Zuf\u00e4llen errettest. M\u00f6chten mich weder b\u00f6se Tr\u00e4ume noch b\u00f6se Gedanken erschrecken, m\u00f6chte mein Ruhebett vor Dir unversehrt bleiben, erhebe mich wieder zum Leben und zum Frieden und erleuchte meine Augen, damit ich nicht den Todesschlaf schlafe. Gelobt seist Du, Ewiger, der Du das ganze Weltall mit Deiner Ehre erleuchtest.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>2) Darauf lese man den ersten Teil des Abschnitts \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab und \u00fcberlasse sich dann dem Schlafe. \u00dcberw\u00e4ltigt Jemand der Schlaf zu sehr, so lese er wenigstens den ersten Vers hiervon oder ein paar andere Verse des g\u00f6ttlichen Erbarmens und schlafe alsdann ein.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Beim Erwachen vom Schlafe spreche man, noch im Bette liegend, folgenden Segen: \u00bbmein Gott, die Seele, welche Du mir eingepflanzt, ist rein; Du hast sie erschaffen, gebildet und mir eingehaucht; Du erh\u00e4ltst sie in mir, Du wirst sie einst von mir nehmen, aber auch in sp\u00e4terer Zukunft mir wiedergeben. So lange jedoch die Seele in mir ist, bringe ich Dir meinen Dank dar, Ewiger, mein Gott, Herr alles Erschaffenen. Gelobt seist Du, Ewiger, der Du die Seelen den toten K\u00f6rpern wiedergibst.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>4) Sobald man den Hahn kr\u00e4hen h\u00f6rt, spricht man folgenden Segensspruch:<br>\u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der Du dem Hahn das Verm\u00f6gen gegeben, zu unterscheiden zwischen Tag und Nacht.\u00ab<br>Beim Ankleiden bete man folgenden Segensspruch:<br>\u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der Du die Nackten kleidest!\u00ab<br>Beim Anlegen der Kopfbedeckung spricht man:<br>\u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der Israel mit Herrlichkeit kr\u00f6nt.\u00ab<br>Wenn man mit der Hand \u00fcber die Augen f\u00e4hrt \u2014 sage man:<br>\u00bbDer Du die Blinden sehend machst.\u00ab<br>Setzt man sich aufs Bett, so spricht man:<br>\u00bbDer Du die Gefangenen befreiest.\u00ab<br>Wenn man sich mit den F\u00fc\u00dfen, aus dem Bett aussteigend, auf die Erde stellt:<br>\u00bbDer Du die Erde \u00fcber dem Wasser ausgedehnt hast.\u00ab<br>Wenn man steht:<br>\u00bbDer die Geb\u00fcckten aufrichtet.\u00ab<br>Beim H\u00e4ndewaschen:<br>\u00bbDer uns geheiligt durch seine Gebote und uns befohlen die H\u00e4nde zu waschen.\u00ab<br>Beim Waschen des Gesichts:<br>\u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der Du die Binde des Schlafes mir von den Augen genommen und die des Schlummers von meinen Blicken; es sei Dein Wille, Ewiger, mein Gott und meiner V\u00e4ter Gott, mich an Mizwot und nicht an S\u00fcnden zu gew\u00f6hnen; und lasse \u00fcber mir den guten aber keinen b\u00f6sen Trieb walten; st\u00e4rke mich vielmehr in Deinen Geboten und lasse mich Anteil nehmen an Deiner Tora; lasse mich Gunst, Gnade und Barmherzigkeit finden vor Deinen Augen, wie auch vor den Augen Aller, die mich sehen und schenke mir stets Deine Gnade. Gelobt seist Du, Ewiger, der Du Gnade \u00fcbest!\u00ab<br>5) Bevor man die Toilette betritt sage man jedes Mal:<br>\u00bbIhr geehrten, Heilige Diener des Allerh\u00f6chsten. Bewachet mich, bewachet mich bis ich hineingegangen und herausgekommen bin, denn dies ist die Art der Menschen.\u00ab<br>Nach der k\u00f6rperlichen Reinigung spricht man:<br>\u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der Du den Menschen in Weisheit erschaffen und in ihm \u00d6ffnungen und H\u00f6hlungen geschaffen hast, offene und geschlossene. Wenn eine von diesen sich \u00f6ffnen oder eine von jenen sich schlie\u00dfen w\u00fcrde, der Mensch sich sodann unm\u00f6glich erhalten k\u00f6nnte, sogar keine Stunde. Gepriesen seist Du, Ewiger, Heiler alles Fleisches und Wundert\u00e4ter\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>6) Beim Umlegen des Gurtes spricht man den Segensspruch:<br>\u00bbDer Du Israel mit St\u00e4rke umg\u00fcrtest.\u00ab<br>Beim Anziehen der Schuhe:<br>\u00bbDer Du mich mit allen Bed\u00fcrfnissen versorgest.\u00ab<br>Macht man sich auf dem Weg, so spricht man:<br>\u00bbDer Du die Schritte des Menschen lenkst.\u00ab<br>Und t\u00e4glich spricht man die Segensspr\u00fcche:<br>\u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, daf\u00fcr dass Du mich nicht als Nichtjuden geschaffen!\u00ab \u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, dass Du mich nicht als Frau geschaffen! \u00bbGelobt seist Du Ewiger unser Gott, K\u00f6nig der Welt, dass Du mich nicht als Sklaven geschaffen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>7) Diese 18 Segensspr\u00fcche haben keine bestimmte Ordnung, sondern sie werden je nach den Umst\u00e4nden und zwar nur auf bestimmte Veranlassung gesprochen, wenn man, z. B. nach dem Aufstehen den Gurt umlegt, spreche man den Segen: \u00bbDer Du Israel mit St\u00e4rke umg\u00fcrtest\u00ab; h\u00f6rt man den Hahn kr\u00e4hen, so spreche man den Segen: \u00bbDer Du dem Hahn das Verm\u00f6gen gegeben\u00ab usw. Ist die Veranlassung zu einem solchen Segensspruche nicht vorhanden, so wird derselbe auch nicht gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Schlief man z. B. angekleidet, so spreche man nicht beim Aufstehen:<br>\u00bbDer Du die Nackten kleidest.\u00ab<br>Geht man barfu\u00df, so spreche man nicht:<br>\u00bbDer Du mich mit allen Bed\u00fcrfnissen versorgest.\u00ab<br>Am Vers\u00f6hnungstage, am neunten des Monats Aw, wo das Waschen nicht stattfindet, spreche man ebenso wenig den Segensspruch vom Waschen der H\u00e4nde, wie auch nicht:<br>\u00bbDer Du die Binde des Schlafes von meinen Augen genommen.\u00ab<br>Hat man seine Notdurft noch nicht verrichtet, so spreche man nicht den Segen:<br>\u00bbDer Da den Menschen in Weisheit erschufst\u00ab usw. Und ebenso verh\u00e4lt sich&#8217;s mit allen diesen Segensspr\u00fcchen.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Es ist zwar in den meisten israelitischen St\u00e4dten Sitte, diese Segensspr\u00fcche hinter einander in der Synagoge herzusagen, ohne alle R\u00fccksicht darauf, ob eine Verpflichtung dazu vorhanden sei oder nicht; aber dies geschieht nur in Folge eines Irrtums und man tut nicht wohl daran, es nachzuahmen, vielmehr spreche man nur dann einen Segen, wenn die Verpflichtung dazu eintritt.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Steht Jemand fr\u00fch auf, um die Tora zu lesen, bevor er das: \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab gesprochen, so soll er, gleichviel ob es die geschriebene oder m\u00fcndliche war, zuerst die H\u00e4nde waschen, drei Segensspr\u00fcche sprechen und dann erst lesen, n\u00e4mlich, erstens: \u00bbDer uns geheiligt durch seine Gebote und uns befohlen, die Tora zu studieren, mache, o Ewiger, unser Gott, die Worte Deiner Lehre angenehm in unserem Munde, wie auch im Munde Deines ganzen Volkes Israel. M\u00f6gen wir, unsere Kinder und die Nachkommen Deines ganzen Volkes, stets Deinen Namen kennen und Deine Tora studieren, um ihrer selbst willen. Gelobt seist Du, Ewiger, der Du die Tora gibst\u00ab; \u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der uns aus allen V\u00f6lkern erkoren und uns seine Lehre gegeben. Gelobt seist Du, Ewiger, der Du die Tora gibst\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Jeder ist verpflichtet t\u00e4glich diese drei Segensspr\u00fcche zu beten und dann etwas aus der Tora zu lesen; bereits ist es allgemein angenommen, die Segensspr\u00fcche der Priester zu lesen; an manchen Orten liest man den Abschnitt:<br>\u00bbGebiete den Kindern Israel\u00ab, usw. (Paraschat Tamid)<br>Noch an andern Orten liest man Beides zusammen, aber auch Abschnitte und Abhandlungen aus der Mischna und aus den Beraitot.<\/p>\n\n\n\n<p>12) Denen spenden die Weisen besonders Lob, die jeden Tag die Psalmen, vom: \u00bbDas Lob Davids\u00ab an, bis zum Schluss der Psalmen lesen. Es ist aber schon l\u00e4ngst allgemeine Sitte, vor und nach diesen Psalmen noch andere Verse zu lesen, voran aber eine Segensformel zu schicken, welche mit den Worten: \u00bbGesegnet sei, Der da sprach \u05d1\u05b8\u05bc\u05e8\u05d5\u05bc\u05da\u05b0 \u05e9\u05b6\u05c1\u05d0\u05b8\u05de\u05b7\u05e8\u00ab anf\u00e4ngt und ebenso auch am Schluss eine andere Segensformel folgen zu lassen, welche mit den Worten: \u00bbEs werde gelobt \u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c1\u05ea\u05b7\u05bc\u05d1\u05b7\u05bc\u05d7\u00ab anf\u00e4ngt. Erst alsdann spricht man den Segen \u00fcber die Lesung des \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Es gibt St\u00e4dte, wo es gebr\u00e4uchlich ist, jeden Tag nach der Segensformel: \u00bbEs werde gelobt\u00ab, das Lied vom roten Meere \u05e9\u05b4\u05c1\u05d9\u05e8\u05b7\u05ea \u05d4\u05b7\u05d9\u05b8\u05bc\u05dd zu rezitieren und erst alsdann den Segen \u00fcber das \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab zu sprechen. An andern Orten wiederum ist es Sitte, das Lied: \u00bbVernehmet ihr Himmel \u05e9\u05b4\u05c1\u05d9\u05e8\u05b7\u05ea \u05d4\u05b7\u05d0\u05b2\u05d6\u05b4\u05d9\u05e0\u05d5\u05bc\u00ab zu lesen. Wiederum gibt es einzelne Personen, welche beide obengenannte Lieder zugleich rezitieren. Alles kommt hierbei nur auf den Gebrauch an.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Jeder Israelit ist verpflichtet, je hundert Segensspr\u00fcche innerhalb vierundzwanzig Stunden zu sprechen, n\u00e4mlich: die 23 in diesem Kapitel aufgef\u00fchrten (18 beim Aufwachen, 3 auf die Tora, 2 auf Psalmen), dann die der Lesung des \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab vorangehenden und nachfolgenden, welche, die vom Abend und die vom Morgen zusammengenommen, 7 ausmachen.<br>Beim Umh\u00fcllen mit dem Tallit spricht man den Segen: \u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig, der Welt, Der uns geheiligt durch Seine Gebote und uns befohlen Zizit umzulegen\u00ab.<br>Beim Anlegen der Tefillin spricht man: \u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, Der uns geheiligt durch Seine Gebote und uns befohlen Tefillin anzulegen\u00ab.<br>Dann folgen die drei t\u00e4glichen Gebete, von welchen jedes 18 Segensformeln enth\u00e4lt; also, die seither genannten zusammengenommen, 86 an der Zahl. Zu diesen kommen nun noch diejenigen, welche bei zwei t\u00e4glichen Mahlzeiten gesprochen werden hinzu und zwar 7 Spr\u00fcche bei jeder Mahlzeit, zusammen also 14, n\u00e4mlich: ein Segensspruch beim Waschen der H\u00e4nde, einer vor dem Essen, drei nach dem Essen und zwei \u00fcber das Wasser, vor und nach dem Trinken, folglich sind es 7 Segenspr\u00fcche.<\/p>\n\n\n\n<p>15) Zu unserer Zeit, wo auch die Segensformel wegen der H\u00e4retiker \u05d1\u05b4\u05bc\u05e8\u05b0\u05db\u05b7\u05bc\u05ea \u05d4\u05b7\u05de\u05b4\u05bc\u05d9\u05e0\u05b4\u05d9\u05dd ins Gebet aufgenommen worden und auch noch im Segen \u00fcber die Mahlzeit die vierte Formel \u00bbder Gute und Wohltuende\u00ab vorkommt, haben wir f\u00fcnf Segenspr\u00fcche mehr. An Schabbaten und Feiertagen, an welchen nur Gebete von 7 Segenspr\u00fcchen verrichtet werden oder auch an Wochentagen, die aber keine Gelegenheit darbieten, um Jemand zu den oben aufgez\u00e4hlten dreiundzwanzig Segensspr\u00fcchen zu verpflichten, z. B. wenn man eine Nacht nicht schl\u00e4ft oder den Gurt nicht losbindet u. dgl., muss man die Zahl der Hundert bei dem Genuss der Fr\u00fcchte erg\u00e4nzen.<\/p>\n\n\n\n<p>16) Dies kann geschehen, indem man Gem\u00fcse genie\u00dft, wo man das ganze Quantum in mehrere Teile teilt, um sie in kleinen Zwischenr\u00e4umen zu genie\u00dfen und auf diese Weise die Segensspr\u00fcche vor und nach dem Genuss wiederholen zu k\u00f6nnen, bis die Zahl von hundert voll ist.<\/p>\n\n\n\n<p>17) Die Ordnung der Gebete ist folgende: Des Morgens erhebe sich der Mensch fr\u00fchzeitig (vor Sonnenaufgang) und spreche die oben angef\u00fchrten Segensformeln, reitre dann die oben bezeichneten Psalmen, nebst den sie begleitenden zwei Segensspr\u00fcchen, halte hierauf die Lesung des \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab nebst den dazu geh\u00f6rigen Segnungen, \u00fcberspringe aber dabei die Heiligung \u05e7\u05b0\u05bc\u05d3\u05bb\u05e9\u05b8\u05bc\u05c1\u05d4 der ersten Segnung vor dem \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab, indem ein einzelner die Heiligung nicht sprechen darf. Indem man nun auf diese Weise mit: \u00bbDer Israel erl\u00f6st \u05d2\u05b8\u05bc\u05d0\u05b7\u05dc \u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc\u00ab diese Lesung beschlie\u00dft, erhebe man sich alsbald, um das Gebet unmittelbar auf die Erl\u00f6sung folgen zu lassen, weil dasselbe doch nur stehend verrichtet werden darf, wie oben erkl\u00e4rt worden. Nach Beendigung des Gebetes setze man sich, falle aufs Angesicht, bitte zu Gott, was Alles noch immer sitzend geschieht, erhebe dann das Haupt wieder bei fortgesetzten Bitten und lese den Psalm: \u00bbLob Davids \u05ea\u05b0\u05bc\u05d4\u05b4\u05dc\u05b8\u05bc\u05d4 \u05dc\u05b0\u05d3\u05b8\u05d5\u05b4\u05d3\u00ab, spreche dann je nach Verm\u00f6gen flehende Worte und gehe seinen Gesch\u00e4ften nach.<\/p>\n\n\n\n<p>18) Beim Minchagebet beginne man sitzend mit dem Psalm; \u00bbLob Davids\u00ab, dann stehe man auf, um das eigentliche Minchagebet zu verrichten, nach dessen Beendigung man wieder aufs Angesicht f\u00e4llt, Bitten an Gott richtet, das Haupt erhebt, unter fortgesetztem Flehen, je nach Kr\u00e4ften. Darauf kehre man zu seinen Gesch\u00e4ften zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Abendgebete fange man mit der Lesung des \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab an und zwar mit Hinzuf\u00fcgung der vorangehenden und nachfolgenden Segensspr\u00fcche, lasse das Gebet wieder unmittelbar auf die Erl\u00f6sung folgen, verrichte dasselbe stehend, setze sich aber nach dessen Beendigung ein wenig nieder und gehe erst alsdann hinweg. Wer nach dem Abendgebete flehende Worte spricht, ist besonders zu loben. Obgleich man nach den Worten: \u00bbDer Israel erl\u00f6set\u00ab noch die Segensformel: \u00bbLasse uns ruhen\u00ab spricht, so ist dies nicht als eine Unterbrechung zwischen der Erl\u00f6sung und dem Gebete zu betrachten, da beide blo\u00df als eine einzige lange Segnung gelten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ACHTES KAPITEL \u2014 Das Gemeinde-Gebet<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Das Gebet einer ganzen Gemeinde wird immer vom Sch\u00f6pfer erh\u00f6rt; der Heilige, gelobt sei Er, verachtet das Gebet der Menge nicht, wenn auch in derselben viele S\u00fcnder sind; daher ist es gut, wenn ein Jeder sich der Gemeinde anschl\u00f6sse, auf dass er nicht allein das Gebet verrichte, sondern, wenn es ihm nur m\u00f6glich ist, mit der Gemeinde. Stets aber gehe jeder Jude morgens und abends in die Synagoge, denn das Gebet wird blo\u00df in der Synagoge zu jeder Zeit erh\u00f6rt. Derjenige, welcher an seinem Orte eine Synagoge hat, aber dennoch nicht mit der Gemeinde sein Gebet verrichtet, hei\u00dft ein schlechter Nachbar.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Es ist die Pflicht eines jeden Juden in die Synagoge eilend zu gehen, denn es hei\u00dft: (Hos. 6:3) \u00abWir wollen uns beeilen, den Ewigen zu erkennen\u00ab. Beim Weggehen hingegen aus der Synagoge mache man keine befl\u00fcgelten Schritte, sondern man gehe langsam aus derselben. Wenn man in die Synagoge gekommen, schreite man in derselben so weit vor, als das Interwall zweier gegen\u00fcberstehenden T\u00fcren einnimmt und bete alsdann, da man die Vorschrift zu erf\u00fcllen hat: \u00bbZu h\u00fcten die Pfosten meiner T\u00fcren.\u00ab (Mischlei 8:34)<\/p>\n\n\n\n<p>3) Das Beth-Hamidrasch steht in geheiligter Beziehung der Synagoge voran; die gro\u00dfen Gelehrten pflegten nur an dem Orte, wo sie sich mit der Tora besch\u00e4ftigen, zu beten, obgleich an ihrem Wohnorte mehrere Synagogen waren. Jedoch hat jenes nur dann den Vorzug, wenn man in demselben das Gebet mit der Gemeinde zusammen verrichten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Das Gebet der Gemeinde wird auf folgende Weise abgehalten: Eine Person betet laut und die andern m\u00fcssen stillschweigend zuh\u00f6ren; dies geschieht aber nicht anders, als vor einer Versammlung von nicht weniger als zehn erwachsenen freien M\u00e4nnern, unter welchen der Vorbeter als Mitglied zu betrachten ist. Wenn einige von den Zehnen ihr Gebet schon vorhin verrichtet, sich also ihrer Pflicht entledigt haben, k\u00f6nnen sie doch als Erg\u00e4nzung zu der gesetzlichen Zahl der zehn mitgerechnet werden; jedoch nur in dem Falle, wenn die Meisten der zehn noch nicht gebetet haben (also 6 von 10) Man darf auch weder die Heiligung\u05e7\u05b0\u05bc\u05d3\u05bb\u05e9\u05b8\u05bc\u05c1\u05d4 sprechen, noch zur Tora-Lesung, bei Segensspr\u00fcchen vor und nach derselben, schreiten, wenn die Versammlung nicht aus zehn Individuen besteht; die Zahl muss ebenfalls bei der Lesung der Haftara aus den Propheten beobachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Ebenso darf man nur vor einer Gemeinde von wenigstens zehn Personen den Segensspruch: \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab \u00f6ffentlich hersagen, so dass ihn Alle h\u00f6ren und dann mit Amen einfallen k\u00f6nnen; diese Vortragart eben hei\u00dft: die Anstimmung des \u00bbH\u00f6re Israel \u05e4\u05bc\u05d5\u05b9\u05e8\u05b5\u05e1 \u05e2\u05b7\u05dc \u05e9\u05b0\u05c1\u05de\u05b7\u05e2\u00ab. Auch darf nicht die Weihung \u05e7\u05b7\u05d3\u05b4\u05bc\u05d9\u05e9\u05c1 vor weniger als zehn Personen gesprochen werden; ganz so haben die Kohanim, bei der Erteilung ihres Segens mit der Hand, auf die gesetzliche Anzahl der Gebetgemeinde zu sehen; sie selbst k\u00f6nnen auch mit in dieser Zahl begriffen sein, denn jede Versammlung von zehn Israeliten wird schon Gemeinde genannt, wie es hei\u00dft (Num. 14:27): \u00bbWie lange wird noch die so b\u00f6se Gemeinde\u00ab usw.; wo doch nur von zehn die Rede war, indem Josua und Kaleb von diesen ausgenommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Auch jede andere \u00f6ffentliche Heiligung darf nur vor einer solchen vollz\u00e4hligen Israeliten-Gemeinde vollzogen werden, denn es hei\u00dft (Lev. 22:32). \u00bbUnd ich werde geheiligt werden inmitten der Kinder Israel\u00ab. S\u00e4mtliche oben angef\u00fchrte, heilige Handlungen d\u00fcrfen, wenn einmal bei einer Versammlung von zehn m\u00e4nnlichen Individuen vorgenommen, von dem Rest vollendet werden, im Fall w\u00e4hrend der Verrichtung sich einige entfernt haben. \u2014 Diese Entfernung ist jedoch gegen das Gesetz.<\/p>\n\n\n\n<p>7) S\u00e4mtliche Mitglieder der Betgemeinde m\u00fcssen sich an einem und demselben Orte befinden, wie auch der Gemeinde-Vorbeter bei ihnen sein muss. Ist ein kleiner Hof von einer Seite nach einem gr\u00f6\u00dferen ganz ge\u00f6ffnet und befinden sich im gr\u00f6\u00dferen neun Mitglieder, im kleineren aber blo\u00df einer, so k\u00f6nnen sie beiderseits zu einander gezogen werden; waren aber neun M\u00e4nner im kleinen Hofe und Einer im gr\u00f6\u00dferen, so d\u00fcrfen sie nicht zur Vollzahl zusammengerechnet werden. Befand sich die Gemeinde im gr\u00f6\u00dferen und der Vorbeter im kleinem Hofe, so ist die Handlung gesetzlich; war die Gemeinde im kleineren und der Vorbeter im gr\u00f6\u00dferen, so haben sie sich ihrer Pflicht nicht entledigt; denn der Vorbeter wird als durch den Raum von ihnen abgeschieden und folglich nicht als zu ihnen geh\u00f6rig betrachtet, da der gro\u00dfe Hof an den kleineren gr\u00e4nzend, nach beiden Seiten hin Verl\u00e4ngerungen bildet, w\u00e4hrend im erstem Falle der Kleine nicht als getrennt vom gr\u00f6\u00dferen, sondern nur als eine Vertiefung desselben angesehen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Wenn der gro\u00dfe Hof schmutzig ist, so ist es verboten auch im kleineren zu beten oder das \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab zu lesen; ist aber blo\u00df der kleine schmutzig, so darf man im gr\u00f6\u00dferen beten oder das \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab sagen,\u2014da dieser als getrennt vom kleineren zu betrachten ist; au\u00dfer etwa \u2014 es dr\u00e4nge ein \u00fcbler Geruch vom kleineren Hof in den gr\u00f6\u00dferen.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Der Gemeinde-Vorbeter hilft gleichsam der Menge ihrer Pflicht nachkommen, n\u00e4mlich, wenn er betet und jene zuh\u00f6rend mit Amen nach jedem Segensspruch einf\u00e4llt, wird sie ebenfalls als mitbetend betrachtet; jedoch gilt dies nur f\u00fcr denjenigen, der nicht selbst zu beten versteht: wer es aber kann kommt seiner Pflicht nicht anders nach, als wenn er selbst betet.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Mit dem Gebete wird es jedoch nur an gew\u00f6hnlichen Tagen so strenge genommen, nicht aber am Neujahrs- und Vers\u00f6hnungstage im Jubeljahre, an welchen beiden Tagen der Gemeinde-Vorbeter sowohl f\u00fcr die Kundigen, als der Schrift Unkundigen betet; diese Ausnahmen finden statt, weil die Segensspr\u00fcche an diesen Tagen sehr lang sind und die meisten Schriftkundigen nicht im Stande w\u00e4ren, ihre Gedanken, so lange als der Vorbeter, zur Andacht zu stimmen. Es steht daher an diesen beiden Tagen sogar dem Schriftkundigen v\u00f6llig frei, sich auf den Vorbeter zu verlassen, da er, nach dem vorhergegangenen Satz, der Pflicht des Selbstbetens enthoben ist.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Man darf als Gemeinde-Vorbeter nur den, sowohl an Gelehrsamkeit, als durch Handlungen Vorz\u00fcglichsten, einsetzen. Besonders noch ist ein bejahrter Mann vorzuziehen; man muss.<br>sich aber bem\u00fchen als Gemeinde-Vorbeter einen Mann zu bestimmen, der eine angenehme Stimme hat und gut zu rezitieren versteht. Ein bartloser J\u00fcngling hingegen und mag er noch so gelehrt sein trete nie als Gemeinde-Vorbeter auf, weil dieses die Ehre der Gemeinde beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnte; aber man darf wohl das \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab anstimmen, sobald man das dreizehnte Lebensjahr erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>12) Ebenso wenig darf ein mit einem mangelhaften Sprachorgan Behafteter als Vorbeter fungieren, ein solcher, der etwa den Aleph wie Ain oder Ain wie Aleph ausspr\u00e4che oder \u00fcberhaupt die Buchstaben nicht deutlich und verst\u00e4ndlich hervorbringen k\u00f6nnte. Der Lehrer darf einen seiner Sch\u00fcler zum Vorbeter bestimmen; und dieser auch in seiner Gegenwart das Gebet verrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blinder darf sowohl das \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab vortragen, als auch als Gemeinde-Vorbeter eingesetzt werden. Derjenige aber, dem die Schultern entbl\u00f6\u00dft sind, darf zwar das \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab anstimmen, jedoch nicht eher als Vorbeter auftreten, als bis er dieselben bedeckt hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">NEUNTES KAPITEL \u2014 Die Ordnung es Gemeinde-Gebets<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Die Ordnung des Gemeinde-Gebetes ist: des Morgens sitze die ganze Gemeinde, der Vorbeter trete an die Bundeslade, so dass er sich in der Mitte der Versammlung befinde, beginne alsdann die Heiligung \u05e7\u05b7\u05d3\u05b4\u05bc\u05d9\u05e9\u05c1 zu sprechen, worauf die ganze Versammlung aus allen Kr\u00e4ften spricht: \u00bbAmen, der Name des Herrn sei gelobt ewig und immerdar\u00ab und am Schlusse der Heiligung spreche die ganze Versammlung abermals \u00bbAmen\u00ab. Der Vorbeter fahre fort: \u00bbPreiset Gott den Gepriesenen\u00ab, .worauf die Versammelten antworten: \u00bbGelobt sei Gott, der ewig und immerdar gelobt wird.\u00ab Dann bete er mit lauter Stimme das \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab, wobei nach jedem Segensspruche die Versammlung mit Amen einf\u00e4llt. Wer aus der Gemeinde zu loben und mit dem Vorleser zu beten versteht, der lese bis jener den Segensspruch: \u00bbDer Israel erl\u00f6set hat\u00ab spricht.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Darauf erheben sich alle Anwesenden und beten leise. Der des Gebetes Unkundige bleibe schweigend stehen, bis der Vorbeter mit den \u00dcbrigen leise das Gebet geendigt. Jeder dieser Betenden gehe dann drei Schritt r\u00fcckw\u00e4rts und bleibe an dem Orte, wo er hingelangt, stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Nachdem auch der Vorbeter drei Schritte r\u00fcckw\u00e4rtsgegangen und stehen geblieben, beginnt er von Neuem mit lauter Stimme die 18 Segensspr\u00fcche f\u00fcr diejenigen zu beten, die noch nicht gebetet, wobei alle Andern stehen, h\u00f6ren und nach jedem Segensspruche mit \u00bbAmen\u00ab antworten und zwar alle ohne Ausnahme, ganz gleich ob sie schon ihrer Pflicht nachgekommen oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Im dritten Segensspruche spricht der Vorbeter die Heiligkeit \u05e7\u05b0\u05d3\u05bb\u05e9\u05b8\u05bc\u05c1\u05d4, bei welchen Worten jeder seine fr\u00fchere Stelle einnehmen darf. Kommt der Vorbeter zu den Worten: \u00bbWir huldigen \u05de\u05d5\u05b9\u05d3\u05b4\u05d9\u05dd\u00ab und beugt sich, so verbeuge sich die ganze Versammlung ein wenig, wie sich ziemt und spreche: \u00bbWir huldigen Dir, Ewiger, unser Gott und Gott jedes Gesch\u00f6pfes, unser Sch\u00f6pfer und Sch\u00f6pfer alles Anfanges. Lob und Preis Deinem gro\u00dfen und heiligen Namen, dass Du uns geschaffen und erhalten. Also erhalte uns gn\u00e4dig fernerhin und bringe die Verbannten nach Deinem Heiligtum, um Deine Gesetze zu ehren und Dir mit Aufrichtigkeit zu dienen und Deinen Willen mit lauterem Herzen zu erf\u00fcllen, weshalb wir Dir huldigen\u00ab. Der da wiederholt: \u00bbWir huldigen, wir huldigen\u00ab, den bringe man zum Schweigen.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Hat der Vorbeter das ganze Gebet geendigt, so setze er sich, falle auf das Gesicht, neige sich ein wenig mit der ganzen Versammlung und bete auf dem Gesicht liegend mit derselben, erhebe dann das Haupt und bete sitzend ein wenig, mit lauter Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann stehe der Vorbeter allein auf und spreche zum zweiten Male die Heiligung, worauf die Versammlung wie fr\u00fcher antwortet. Darauf spricht jener stehend, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen sitzend mit ihm lesen: \u00bbUnd der Barmherzige\u00ab&#8230;, dann: \u00bbLob des David\u00ab, ferner: \u00bbUnd der Erl\u00f6ser wird kommen nach Zion\u00ab, \u00bbUnd ich dieses\u00ab, usw. \u00bbDu bist heilig\u00ab, ferner: \u00bbEiner rief dem Andern zu: Heilig, heilig, heilig\u00ab; dann endigt der Vorbeter: \u00bbDie Heiligkeit\u00ab und die Gemeinde antwortet: \u00bbHeilig, Heilig\u00ab drei Mal. Der Vorbeter liest dann wiederum die \u00bbHeiligkeit\u00ab in aram\u00e4ischer \u00dcbersetzung und spricht: \u00bbUnd der Geist hat mich erhoben\u00ab, was er gleichfalls in solcher \u00dcbersetzung liest, dann endlich: \u00bbGott wird bis in alle Ewigkeit thronen\u00ab was ebenfalls aram\u00e4isch gelesen wird, damit die Versammlung es verstehe.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Diese vor und nach der Heiligkeit gesprochenen Verse mit ihrer \u00dcbersetzung werden ,,Ordnung der Heiligkeit \u05e1\u05b5\u05d3\u05b6\u05e8 \u05d4\u05b7\u05d9\u05bc\u05d5\u05b9\u05dd\u00ab genannt. Endlich bete der Vorleser mit flehenden Worten die Verse der Erbarmung, spreche die Heiligung, worauf die ganze Versammlung wie oben antworte und auseinandergehe.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Wer beim Flehen spricht: \u00bbDer sich des Nestes der V\u00f6gel erbarmt, dass man nicht die M\u00fctter nebst den Jungen nehme oder dass man nicht ein Tier mit seinem Jungen an demselben Tage schlachte, Der erbarme sich unser\u00ab und dergleichen mehr, \u2014 den bringe man zum Schweigen. Denn diese Gebote sind nur Befehle, aber keineswegs Zeichen der Barmherzigkeit, denn w\u00e4ren diese Gebote aus Barmherzigkeit erlassen, so w\u00fcrde uns das Schlachten \u00fcberhaupt nicht erlaubt sein. Desgleichen gebe man Gott nicht zu viele Beiw\u00f6rter, wie z. B.: Gott der Gro\u00dfe, der Starke, der Furchtbare, der M\u00e4chtige, der Unersch\u00fctterliche, der Gewaltige, sondern nenne ihn wie Moses, \u2014 Friede sei mit ihm; denn Niemand vermag Gottes Lob zu ersch\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Beim Minchagebet lese der Vorbeter sitzend mit der Versammlung: \u00bbWohl denen, die in Deinem Hause wohnen\u00ab, \u00bbLob des David\u00ab usw., stehe dann auf und spreche die Heiligung \u05e7\u05b7\u05d3\u05b4\u05bc\u05d9\u05e9\u05c1, worauf die \u00dcbrigen sich ebenfalls erheben, wie gew\u00f6hnlich antworten und Alle zusammen leise beten. Alsdann bete der Vorbeter von Neuem mit lauter Stimme wie des Morgens, bis das Gebet beendigt, worauf alle aufs Gesicht fallen und stehen. Darauf erhebe er mit den Andern sein Haupt, stehe sitzend wie des Morgens, erhebe sich, spreche die Heiligung, worauf die Versammlung in gewohnter Weise antwortet und dann an ihre Gesch\u00e4fte geht.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Des Abends sitze die Gemeinde, nur der Vorbeter stehe und spreche: \u00bbEr der Barmherzige\u00ab u. s. w. \u00bbLobet Gott den Gelobten\u00ab, woraus Alle antworten: \u00bbGelobt sei Gott, der bis in alle Ewigkeit gelobt wird.\u00ab Dann spricht er das \u00bbH\u00f6re Israel\u00ab und die Heiligung; worauf Alle aufstehen und leise beten. Wenn sie geendigt, spricht er die Heiligung und sie gehen auseinander. Des Abends wiederholt der Vorbeter das Gebet nicht mit lauter Stimme, da zu demselben Niemand verpflichtet ist und er die Segensspr\u00fcche nicht unn\u00fctz sprechen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Am Schabbatabende lese der Vorbeter, nachdem er mit der Versammlung leise gebetet, das Gebet mit lauter Stimme, bete jedoch nicht sieben einzelne Segensspr\u00fcche, sondern einen aus denselben zusammengesetzten, wie folgt:<br>\u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, Gott unsrer Ahnen, Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs, gro\u00dfer, allm\u00e4chtiger und furchtbarer Gott, erhabener Gott, der durch seine Barmherzigkeit Himmel und Erde gegr\u00fcndet, durch sein Wort die Vorfahren gesegnet, durch seinen Spruch Tote erweckt, heiliger Gott, der seines Gleichen nicht hat, seinem Volke an seinem heiligen Schabbat Ruhe schenkt, an seinen Kindern Wohlgefallen findet in der ihnen gegebenen Ruhe, lasset uns Ihm mit Furcht und Angst dienen und seinen Namen preisen, jeden Tag und k\u00fcnftig aus der F\u00fclle des Segens, den Gott der Ehren, den Herrn des Friedens, den Heiliger des Schabbats und Segner des Siebenten, der die Ruhe bringt dem mit Gl\u00fcckseligkeit erf\u00fcllten Volke, zum Andenken der Sch\u00f6pfung. Unser Gott und Gott unserer Ahnen, habe Wohlgefallen an unserer Ruhe u. s. w. Gelobt seist Du, Ewiger, Heiliger des Schabbats\u00ab. Alsdann folgt die Heiligung und die Gemeinde gehe auseinander.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Die Weisen haben jene Ordnung f\u00fcr den Schabbat-Abend deshalb getroffen, weil am Abende des Schabbats die Meisten der Gemeinde nach der Synagoge, Einzelne aber sp\u00e4t kommen und im Falle des unbeendigten Gebetes allein in der Synagoge zur\u00fcckbleiben m\u00fcssen, dadurch aber in Gefahr geraten k\u00f6nnten; deswegen muss der Vorbeter sein Gebet wiederholen, damit das ganze Volk in der Synagoge bleibe, bis auch der Versp\u00e4tete sein Gebet verrichtet und mit den Andern zugleich fortgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>12) F\u00e4llt daher ein Feiertag, der Vers\u00f6hnungstag oder der Erste eines Monats, auf einen Schabbat, so soll der Vorbeter, zur Nacht im Segensspruche, dieser Feier nicht erw\u00e4hnen, sondern schlie\u00dfe blo\u00df mit dem Worten: \u00bbDer den Schabbat heiligt\u00ab, weil dieser Segensspruch keine Feiertagspflicht ist.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Am Schabbat und Feiertage spreche der Vorbeter, nach geendigtem Morgengebet, mit lauter Stimme die \u00bbHeiligung\u00ab, dann: \u00bbLob des Davids\u00ab, dann wieder die \u00bbHeiligung\u00ab, bete das Mussaf-Gebet erst leise, dann laut, wie des Morgens und spreche die Heiligung, worauf die Versammlung auseinandergeht. Er spreche also nicht die \u00bbHeiligkeit \u05e7\u05b0\u05d3\u05bb\u05e9\u05b8\u05bc\u05c1\u05d4\u00ab und das \u00bbFlehen \u05ea\u05b7\u05bc\u05d7\u05b2\u05e0\u05d5\u05bc\u05e0\u05b4\u05d9\u05dd\u00ab nach dem Morgengebete wie an den Wochentagen, wohl aber vor dem Minchagebet, so dass er liest: \u00bbLob des Davids\u00ab, \u00bbDie Ordnung des Tages \u05e1\u05b5\u05d3\u05b6\u05e8 \u05d4\u05b7\u05d9\u05bc\u05d5\u05b9\u05dd\u00ab, \u00bbWorte des Flehens\u00ab, \u00bbdie Heiligung\u00ab das Minchagebet, leise und laut, dann wieder die Heiligung.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Am Ersten jeden Monats und an den Zwischenfeiertagen \u05d7\u05d5\u05b9\u05dc \u05d4\u05b7\u05de\u05d5\u05b9\u05e2\u05b5\u05d3 sage man die Ordnung der Heiligkeit vor dem Mussaf; am Ende des Schabbats sage man die Ordnung des Tages auch nach dem Abendgebete und spreche dann die Heiligung, worauf man das Scheidegebet \u05d4\u05b7\u05d1\u05d3\u05b8\u05dc\u05b8\u05d4 verrichtet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ZEHNTES KAPITEL \u2014 Irrtum beim Gebet<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Wer ohne Inbrunst gebetet, muss das Gebet mit Andacht wiederholen; war er aber beim ersten Segensspruch and\u00e4chtig, so wird er von der Wiederholung befreit. Wer sich in einem der ersten drei Segensspr\u00fcche irrt, muss wieder von vorn anfangen; wer sich in einem der letzten drei Segensspr\u00fcche irrt, muss wieder vom Segen \u00fcber den Tempeldienst \u05e2\u05b2\u05d1\u05d5\u05b9\u05d3\u05b8\u05d4 beginnen; beging man den Irrtum in einer der mittleren Segensformeln, so hat man blo\u00df dieselbe Segensformel zu wiederholen und dann das Gebet nach der Ordnung fortzusetzen; ebenso verh\u00e4lt es sich, wenn der Gemeinde &#8211; Vorbeter bei der lauten Wiederholung des Gebetes sich irren sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Irrt sich aber der Gemeinde-Vorbeter beim stillen Gebet, so braucht er, nach meiner Ansicht, nicht das Gebet zu wiederholen, da dies die Gemeinde zu lange aufhalten d\u00fcrfte und er ohnehin das Gebet nachher laut beten muss; ereignet sich hier der Irrtum, so muss er ganz wie der Privatmann, das Gebet von vorn anfangen.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Hat sich der Gemeinde-Vorbeter geirrt und kommt er dadurch in eine solche Verwirrung, dass er nicht wei\u00df, von wo anzufangen (weil man fr\u00fcher Auswendig betete); und hat er in Folge dessen einige Zeit ganz stille gestanden, so muss ein Anderer seine Stelle einnehmen; ereignete sich der Irrtum in der die H\u00e4retiker betreffenden Segensformel \u05d1\u05b4\u05e8\u05b0\u05db\u05b7\u05bc\u05ea \u05d4\u05b7\u05de\u05b4\u05bc\u05d9\u05e0\u05b4\u05d9\u05dd, so warte man gar nicht, sondern stelle sogleich einen andern hin, aus Besorgnis, er k\u00f6nnte sich der H\u00e4resie angeschlossen haben; dies findet jedoch nur dann statt, wenn er die Segensformel noch nicht angefangen; hat er sie aber bereits begonnen, so ist man verpflichtet, eine Pause auf die Fortsetzung der Formel zu warten. Der Ersatz-Vorbeter darf im vorkommenden Falle sich nicht lange n\u00f6tigen lassen, seinen Vorg\u00e4nger zu ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Dieser Zweite hat sich nach Folgendem zu richten: Hat der Vorg\u00e4nger sich in einer der Mittleren Segensformeln geirrt, so f\u00e4ngt er von derselben Segensformel an; geschah der Irrtum in einer der drei ersten Segensformeln, so f\u00e4ngt der zweite das Gebet ganz von vorn an; irrte sich der erste Vorbeter in einer der letzten Segensformeln, so muss der Nachfolger von der Segensformel \u00fcber den Tempeldienst \u05e2\u05b2\u05d1\u05d5\u05b9\u05d3\u05b8\u05d4 anfangen.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Der da sagt: Ich will nicht vor die Bundeslade treten, weil ich bunte Kleider anhabe, darf dieses Gebet, selbst in wei\u00dfen Kleidern mehr vortragen; \u2014 sagt Jemand: Ich will nicht vortreten, weil ich Sandalen anhabe, so darf er es auch nicht ohne Schuhbedeckung tun.<\/p>\n\n\n\n<p>6) War Jemand in Zweifel, ob er schon gebetet oder nicht, so darf er das Gebet nur in dem Falle halten, wenn er es als freiwillige Gabe \u05e0\u05b0\u05d3\u05b8\u05d1\u05b8\u05d4 darbringt; denn wenn ein Privatmann auch den ganzen Tag freiwillige Gebete verrichten wollte, so ist es nicht gegen das Gesetz; wer aber w\u00e4hrend des Betens sich erinnert, dass er sein Gebet schon abgehalten, so muss er sogar in mitten der Segensformel abbrechen; geschah es aber beim Abendgebet, so breche er nicht ab, da dieses Gebet von vornherein blo\u00df als freiwillige Darbringung gehalten wird.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Wer irrt\u00fcmlicher Weise am Schabbat ein Wochengebet verrichtet, hat seine Pflicht nicht erf\u00fcllt; bemerkt er seinen Irrtum w\u00e4hrend des Gebets, so endige er die angefangene Segensformel und fange darauf das Schabbat-Gebet an. Dies hat seine Anwendung blo\u00df auf das Abend-, Morgen- und Minchagebet, im Mussaf hingegen muss er sogar inmitten der Segensformel abbrechen. Ebenso ist es, wenn Jemand das Wochengebet in der Meinung vollendet, es w\u00e4re ein Mussaf Gebet; er hat alsdann das Mussaf von Neuem zu halten, ganz gleich es sei am Schabbat, am Feiertage oder am Neumondstage.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Wer im Winter irrt\u00fcmlicher Weise weder den Spruch \u00abDer den Regen heruntersendet\u00ab, noch \u00bbder den Tau herunterschickt\u00ab spricht, muss das Gebet von vorn anfangen; tat er aber blo\u00df des Taues Erw\u00e4hnung, so bedarf es keiner Wiederholung. Wer hingegen im Sommer irrt\u00fcmlicher Weise spricht: \u00bbDer den Regen herunterschickt\u00ab, muss das Gebet wiederholen; verga\u00df man blo\u00df des Taues Erw\u00e4hnung zu tun, so n\u00f6tige man den Betenden nicht, das ganze Gebet zu wiederholen; da der Tau vom Himmel nicht vorenthalten wird und es deshalb keiner Anflehung bedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Wer in der Segensformel f\u00fcr die Jahresernte \u05d1\u05b4\u05e8\u05b0\u05db\u05b7\u05bc\u05ea \u05d4\u05b7\u05e9\u05b8\u05bc\u05c1\u05e0\u05b4\u05d9\u05dd vergessen um Regen zu flehen, tue das, wenn er sich dessen vor der Formel \u00bbErh\u00f6rer des Gebets \u05e9\u05c1\u05d5\u05b9\u05de\u05b5\u05e2\u05b7 \u05ea\u05b0\u05bc\u05e4\u05b4\u05dc\u05b8\u05bc\u05d4\u00ab erinnert, in dieser Formel selbst; erinnert er sich aber dessen erst nach dieser Formel, so fange er wieder vom Segensspruche f\u00fcr die Jahresernten an. Erinnert er sich dessen aber nicht eher, als nach Beendigung des ganzen Gebetes, so fange er dieses von vorn an und verrichte also noch einmal das Gebet.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Hat Jemand irrt\u00fcmlicher Weise die Formel: \u00bbEs m\u00f6ge aufsteigen und gelangen\u00ab usw. zu sagen vergessen, so ist in Betracht zu ziehen, ob er sich dessen vor Beendigung des Gebetes erinnert; in diesem Falle fange er von der Formel \u00fcber den Tempeldienst an und schalte jenes Gebet ein; wenn er aber sich dessen nach Beendigung des Gebetes erinnert, so muss er das ganze Gebet wiederholen. Hat aber Jemand die Gewohnheit nach dem Gebete Worte des Flehens zu sprechen und bemerkt er den Irrtum zwar schon nach dem Gebet, aber noch bevor er von der Gebetstelle gegangen, so hat er blo\u00df von der Formel \u00fcber den Tempeldienst wieder anzufangen.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Dieses Alles findet nur an den Zwischenfeiertagen oder am Morgen- oder Minchagebet des Neumondtages, seine Anwendung; hat man aber jene Formel am Abendgebet des Neumondstages zu sprechen unterlassen, so ist man nicht gehalten das Gebet zu wiederholen (Weil das Bet Din den Neumond nur am Tage heiligt).<\/p>\n\n\n\n<p>12) Jede Verpflichtung der Wiederholung des Gebetes f\u00fcr den Privatmann, trifft auch den Vorbeter der Gemeinde, sobald er sich w\u00e4hrend des lauten Gebetes geirrt. Er ist aber von der Wiederholung befreit, wenn er den Irrtum im Morgengebet am Neumondstage beging. Der Gemeinde-Vorbeter braucht alsdann nicht das Gebet von Neuem anzufangen, wenn er die Formel \u00bbes m\u00f6ge aufsteigen und gelangen\u00ab zu sagen vergessen und dessen sich erst nach Beendigung des Gebetes erinnert, da er dadurch die Gemeinde zu lange aufhalten w\u00fcrde und er doch noch des Neumonds im Mussaf Erw\u00e4hnung tun muss.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Beschloss Jemand in den zehn Tagen, von Neujahr bis zum Vers\u00f6hnungsfest, irrt\u00fcmlicherweise die dritte Segensformel mit den Worten \u00bbHeiliger Gott\u00ab, so muss er das Gebet von vorn anfangen. Endigte er irrt\u00fcmlicherweise die elfte Segensformel mit den Worten: \u00bbDu, Recht und Gerechtigkeit liebender K\u00f6nig\u00ab, so hat er nur dieselbe Segensformel zu wiederholen und sie mit den Worten, \u00bbDu K\u00f6nig der Gerechtigkeit\u00ab zu schlie\u00dfen, alsdann setzt er das Gebet nach der Ordnung fort; erinnert man sich aber des Fehlers erst nach dem Schlusse des ganzen Gebetes, sei es ein Privatmann oder der Gemeinde-Vorbeter, so fange man das Gebet von vorn an.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Hat Jemand irrt\u00fcmlicher Weise die Abschiedsworte (Hawdala) in der Formel: \u00bbDer Du uns Erkenntnis verleihest \u05d7\u05d5\u05b9\u05e0\u05b5\u05df \u05d4\u05b7\u05d3\u05b8\u05bc\u05e2\u05b7\u05ea\u00ab nicht gesprochen, so kann er das Gebet fortsetzen, ohne es zu wiederholen. Ebenso verh\u00e4lt es sich, wenn man die Worte: \u00bb\u00dcber die Wunder \u05e2\u05b7\u05dc \u05d4\u05b7\u05e0\u05b4\u05bc\u05e1\u05b4\u05bc\u05d9\u05dd\u00ab am Chanukka und Purimfest oder die Worte: \u00bbAntworte uns usw. \u05e2\u05b2\u05e0\u05b5\u05e0\u05d5\u05bc\u00ab, an einem Fasttage ausgelassen hat; man ist alsdann ebenfalls nicht gehalten, das Gebet zu wiederholen, gleichviel, es sei ein Privatmann oder der Gemeinde-Vorbeter. Hat man sich des Fehlers erinnert, bevor man von der Gebetsstelle gegangen, so spreche man die Worte: \u00bbAntworte uns, denn Du erh\u00f6rest das Gebet, erl\u00f6sest und errettest zu jeder Zeit des Drangsals und des Leidens; es m\u00f6gen Dir angenehm sein die Worte meines Mundes usw.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>15) Hat Jemand am Freitage das Minchagebet zu halten vergessen, so verrichte er ein doppeltes Abendgebet zum Schabbat, ebenso tue er dies in demselben Falle am Feiertage; hat Jemand das Minchagebet am Schabbat und Feiertage vergessen, so bete er zum Ersatz ein doppeltes Abendgebet am Ausgange dieser heiligen Tage; und zwar spreche er nur im ersten Abendgebete die Abschiedsformel (Hawdala), nicht aber im zweiten; hat er diese Abschiedsformel in beiden oder in keinem von beiden gesprochen, so hat er dennoch seiner Pflicht gen\u00fcgt. Wenn jedoch Jemand im ersten die Abschiedsw\u00f6rter nicht gesprochen, es aber im zweiten getan, so muss er noch ein drittes Abendgebet halten: weil das erste als Ersatz nicht gilt, da er es vor dem pflichtm\u00e4\u00dfigen Abendgebet gehalten. Diejenigen, welche zwei Gebete verrichten, selbst wenn es das Morgen-und das Mussafgebet sind, m\u00f6gen solche nicht ununterbrochen auf einander folgen lassen, sondern eine Pause zwischen beiden beobachten, auf dass sie ihre Gedanken sammeln k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>16) Es ist jedem Einzelnen aus einer, zum Gebete versammelten Gemeinde, verboten, sein Gebet allein vor allen \u00dcbrigen zu verrichten; wenn Jemand in die Synagoge tretend, die<br>Gemeinde schon im stillen Gebete antrifft, so kann er allein zu beten anfangen, wenn er noch mit seinem Gebet fertig werden kann bis der Gemeinde-Vorbeter die Heiligung (Keduscha) beginnt. Wird er sein Gebet nicht vor der Keduscha beenden k\u00f6nnen, so soll er warten, bis der Gemeinde-Vorbeter das laute Gebet anstimmt und spreche still mit ihm die Worte, bis jener zur Heiligung gelangt, antworte mit der Gemeinde und setze das Gebet allein fort. Hat Jemand sein Gebet fr\u00fcher als der Gemeinde-Vorbeter begonnen und letzterer die Heiligung angestimmt, so unterbreche er das Gebet nicht, um mit der Gemeinde die Heiligung zu sagen. Ebenso darf er nicht bei den Worten: \u00bbAmen, es sei der Name des Herrn gelobt usw.\u00ab sein Gebet unterbrechen, auch nicht denn in anderen Segensspr\u00fcchen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ELFTES KAPITEL \u2014 Die Synagoge<\/h3>\n\n\n\n<p>1) An jedem Orte, wo sich zehn Israeliten befinden, muss ein Haus bestimmt werden, in dem man zur Zeit das Gebet verrichten k\u00f6nne; eine solche St\u00e4tte hei\u00dft: Beth-Haknesset (Synagoge, Versammlungshaus). Die Gemeindeglieder k\u00f6nnen einander zwingen, Beitr\u00e4ge zum Aufbau einer Synagoge zu liefern und eine Gesetzesrolle samt den Propheten und Schriften zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Eine Synagoge muss nur auf der h\u00f6chst gelegenen Stelle einer Stadt erbaut werden, denn es hei\u00dft (Mischlei 1:21 ): \u00bbAn den erhabensten Stellen der ger\u00e4uschvollen Stra\u00dfen ruft sie.\u00ab<br>Auch muss das Geb\u00e4ude an H\u00f6he alle andern H\u00e4user der Stadt \u00fcbertreffen, denn es hei\u00dft, (Esra 9:9): \u00bbDas Haus unseres Gottes hoch zu erheben.\u00ab Die T\u00fcren der Synagoge m\u00fcssen nach Osten gewandt sein, denn es hei\u00dft: (Num. 3:38) \u00bbUnd die da ruhen vor dem Stiftszelt nach Osten\u00ab. In der Synagoge muss auch ein Heiligtum\u05d4\u05b5\u05d9\u05db\u05b8\u05dc errichtet werden, in welche die Gesetzrollen gestellt werden k\u00f6nnen.<br>Dieses Heiligtum muss sich auf der Seite der Synagoge befinden, wohin man in jeder Stadt das Gesicht zum Gebete richtet, so dass das Angesicht des Volkes w\u00e4hrend des Betens nach Erez Israel gewandt sei.<\/p>\n\n\n\n<p>3) In der Synagoge muss eine Erh\u00f6hung \u05d1\u05b4\u05bc\u05d9\u05de\u05b8\u05d4 errichtet werden, auf die sich der die Tora Vorlesende oder eine Predigt Haltende stellen kann, um sich auf diese Weise Allen vernehmbar zu machen. Bei der Errichtung des Kastens \u05ea\u05b5\u05bc\u05d1\u05b8\u05d4, wo sich die Tora befindet, stellt man ihn in die Mitte (der Wand)<br>auf. Die Hinterseite des Kastens zeigt in Richtung Heiligtum und die Vorderseite ist zum Volk gewandt.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Das Volk sitzt in der Synagoge in folgender Ordnung: die \u00c4ltesten sitzen mit dem Angesichte zur Gemeinde und mit dem R\u00fccken zur Wand des Heiligtums gewandt, die ganze Gemeinde aber sitzt reihenweise hinter einander, mit dem Angesichte zum Heiligtum, zu den \u00c4ltesten und zugleich zum Kasten. Der Gemeinde-Vorbeter steht beim Gebete vor dem Kasten (und nicht Bimah), mit dem Gesichte zum Heiligtum, so wie es die \u00dcbrigen tun.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Man muss die Synagoge und das Beth-Hamidrasch ehrsam halten, sie immer fegen und reinigen lassen. In Spanien und den \u00fcbrigen Abendl\u00e4ndern, sowie auch in Babylon und im gelobten Lande, ist es f\u00fcr ganz Israel Sitte, in den Synagogen Glasleuchter anzubringen und auch auf dem Boden Teppiche zum Sitzen zu haben; in den Synagogen der christlichen Staaten aber sitzt man auf St\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Man darf sich in den Synagogen oder dem Beth-Hamidrasch nicht leichtsinnig benehmen, wie z. B. Scherz, Spott und leeres Geschw\u00e4tz treiben, auch darf man daselbst weder essen, noch trinken, noch sich mit seinem Putz besch\u00e4ftigen, auch nicht schlendern oder gar im Sommer vor der Sonne und im Winter vor dem Regen Schutz suchen. Den Gelehrten nebst Sch\u00fclern ist es jedoch erlaubt, im Notfall im diesen heiligen St\u00e4tten zu essen und zu trinken.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Man darf in ihnen auch keine Rechnungen machen, au\u00dfer etwa, wenn sie gottgef\u00e4llige Handlungen betreffen, wie z. B. bei der Almosenkasse, bei der Einl\u00f6sung Gefangener und dergl. Ebenso wenig darf man in ihnen Leichenreden halten, au\u00dfer etwa, wenn ein allgemeiner Trauerfall vorkommt, wie z. B. wenn die gr\u00f6\u00dften Gelehrten der Stadt betrauert werden, bei welcher Gelegenheit die ganze Gemeinde sich zur Leichenrede versammelt.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Hat die Synagoge oder das Beth-Hamidrasch, zwei entgegengesetzte T\u00fcren, so bediene man sich deren nicht als Passage, um dadurch seinen Weg abzuk\u00fcrzen; es ist \u00fcberhaupt verboten, in diese geheiligten H\u00e4user zu treten, wenn es nicht einer gottgef\u00e4lligen Handlung wegen geschieht.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Wer in die Synagoge treten muss, um sein Kind oder seine Kameraden herauszurufen, lese vorerst Etwas beim Eintritt oder teile Jemand irgend Etwas aus der Lehre mit und rufe alsdann den Ben\u00f6tigten heraus, damit er nicht blo\u00df seiner eignen Bed\u00fcrfnisse wegen in die Synagoge gekommen sei. Versteht er aber nichts von der Lehre, so sage er vorher einem der lernenden Kinder: Lies mir den Vers vor, bei welchem du stehen geblieben oder er bleibe daselbst eine Weile unt\u00e4tig und gehe dann seinen Weg; denn schon das blo\u00dfe Verweilen in der Synagoge geh\u00f6rt zu den gottesgef\u00e4lligen Handlungen, indem es hei\u00dft, (PS. 84:5): \u00abHeil denen, die in Deinen H\u00e4usern sitzen usw.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>10) Wer aber des Gebetes oder des Lernens wegen ins Haus getreten ist, kann wohl durch die entgegengesetzte T\u00fcr hinausgehen, um sich den Weg k\u00fcrzer zu machen. Ist es schon Jemand erlaubt in die Synagoge zu treten, so kann er es auch mit dem Stocke, in Schuhen, im Mantel, ja selbst mit Staub auf den F\u00fc\u00dfen tun, es ist ihm sogar erlaubt in derselben auszuspeien, wenn es n\u00f6tig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Synagogen und Beth- Hamidrasch, die verfallen sind, behalten noch ihre Heiligkeit, denn es hei\u00dft, (Lev. 26:31). \u00bbUnd ich werde verw\u00fcsten eure Heiligt\u00fcmer\u00ab; also selbst nach der Verw\u00fcstung sind sie als Heiligt\u00fcmer zu betrachten. Und wie man ihnen Ehrfurcht zollen muss bei ihrem guten Zustande, ganz so muss man es auch nach ihrem Einsturz tun, ausgenommen etwa das Fegen und das Reinigen derselben mit Wasser. W\u00e4chst auf ihren Ruinen Gras, so rei\u00dfe man es aus, lasse es aber daselbst liegen, damit das Volk bei dessen Anblick ergriffen und dadurch zu ihrer Wiederherstellung angeregt werde.<\/p>\n\n\n\n<p>12) Man darf keine Synagoge abrei\u00dfen, um eine andere auf derselben Stelle oder auf einer andern zu bauen, sondern fr\u00fcher muss man die neue bauen und dann das alte Geb\u00e4ude niederrei\u00dfen; denn es k\u00f6nnte der Gemeinde das Ungl\u00fcck ereignen, den Wiederaufbau der Synagoge nicht ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen; sogar die einzelnen W\u00e4nde m\u00fcssen fr\u00fcher neben den alten neu aufgef\u00fchrt werden und dann d\u00fcrfen erst die alten abgerissen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Dies findet jedoch nur dann Statt, wenn das Fundament nicht schadhaft geworden und die W\u00e4nde nicht einzust\u00fcrzen drohen; ist aber das Fundament oder sind die W\u00e4nde so schadhaft, dass sie zusammenzufallen drohen, so darf man sie ohne Weiteres niederrei\u00dfen, in welchem Falle aber der neue Bau sogleich angefangen und Tag und Nacht fortgesetzt werden muss, denn es k\u00f6nnten missliche Zeitumst\u00e4nde kommen und den Synagogenbau verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Es ist erlaubt aus einer Synagoge ein Beth-Hamidrasch, aber nicht aus einem Beth-Hamidrasch eine Synagoge zu machen: indem die Heiligkeit des Beth-Hamidrasch gr\u00f6\u00dfer ist, als die der Synagoge und man Heiligt\u00fcmer nur verherrlichen, nicht aber erniedrigen darf. Auf diese Weise d\u00fcrfen Gemeinde-Mitglieder, die eine Synagoge verkaufen, f\u00fcr den Erl\u00f6s derselben einen Kasten \u05ea\u05b5\u05bc\u05d1\u05b8\u05d4 anschaffen; haben sie aber einen Kasten verkauft, so d\u00fcrfen sie f\u00fcr dieses Geld H\u00fcllen oder Futterale f\u00fcr die Gesetzesrolle machen lassen; ver\u00e4u\u00dfern sie die H\u00fcllen oder Futterale der Gesetzesrollen, so d\u00fcrfen sie daf\u00fcr einzelne B\u00fccher aus dem Pentateuch kaufen; wollen sie diese verkaufen, so m\u00fcssen sie f\u00fcr deren Erl\u00f6s eine Gesetzesrolle anschaffen; wenn aber eine Gesetzesrolle ver\u00e4u\u00dfert wird, so darf statt deren nur eine andere neue angeschafft werden, denn es gibt keine h\u00f6here Heiligkeit, als die der Gesetzesrolle; ebenso verh\u00e4lt es sich mit ihrem Zubeh\u00f6r.<\/p>\n\n\n\n<p>15) Ganz so ist es, wenn die Gemeinde Geld gesammelt, um ein Beth-Hamidrasch oder eine Synagoge zu bauen oder daf\u00fcr ein Kasten, eine H\u00fclle, ein Futteral oder eine Gesetzesrolle zu kaufen und sich dann eines andern besinnt, so darf sie dann ihren Entschluss nur in steigender Beziehung zur Heiligkeit, nicht aber in herabsteigender ver\u00e4ndern. Hat man dasjenige, wozu das Geld bestimmt war, zu Stande gebracht, so kann man mit dem nachgebliebenen Gelde machen, was man will. Das Zubeh\u00f6r der Synagoge wird gleich, wie die Synagoge selbst betrachtet; der Vorhang der Bundeslade \u05d0\u05b8\u05e8\u05d5\u05b9\u05df, worin sich die Gesetzesrollen befinden, sind so heilig, als die H\u00fcllen selbst. Hat man jedoch bei ihrer Weihung Bedingungen gemacht, so ist diesen nachzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>16) Wenn, wie fr\u00fcher angef\u00fchrt wurde, es erlaubt ist, eine Synagoge zu verkaufen, so hat dies blo\u00df auf Synagogen in D\u00f6rfern Bezug; solche Beth\u00e4user sind auch blo\u00df f\u00fcr die Dorfbewohner selbst erbaut, also gleichsam zum eigenen Bedarf bestimmt; sie d\u00fcrfen daher mit blo\u00dfer Zustimmung aller Gemeinde-Mitglieder verkauft werden; eine Stadt-Synagoge aber, bei deren Erbauung man das ganze j\u00fcdische Volk vor Augen hatte und in der jeder Fremde betet, ist gleichsam als das Eigentum des ganzen Israels zu betrachten und darf nie verkauft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>17) Wenn Dorfbewohner ihre Synagoge verkaufen wollen, um f\u00fcr deren Erl\u00f6s entweder eine andere zu erbauen oder eine Bundeslade oder Gesetzesrolle anzuschaffen, so m\u00fcssen sie mit dem K\u00e4ufer die Abmachung treffen, dass er aus ihr weder ein Bad, noch eine Gerberei, noch ein Tauchbadehaus, noch eine W\u00e4scherei mache; haben jedoch die sieben Vorsteher der Stadt, mit Autorisation der ganzen Gemeinde, die Synagoge mit der ausdr\u00fccklichen Bedingung verkauft, dass der K\u00e4ufer aus ihr eine der oben genannten Anstalten machen darf, so steht es ihm frei, das zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>18) Ebenso ist es, wenn die sieben Vorsteher der Stadt, mit Autorisation der Gemeinde die Bestimmung treffen, den Rest des Gemeindegeldes zu nicht geheiligten Zwecken zu gebrauchen, wo das Geld auch, als eine solche Bestimmung habend, betrachtet wird; nachdem also, so viel n\u00f6tig war, von diesen Geldern zum Bau einer neuen Synagoge oder zum Ankauf einer Bundeslade, einer H\u00fclle, eines Futterals oder einzelner B\u00fccher aus dem Pentateuch oder einer Gesetzesrolle genommen<br>wird, darf man mit dem nach dem Ankauf gebliebenen Rest, gem\u00e4\u00df getroffener \u00dcbereinkunft, machen was man will.<\/p>\n\n\n\n<p>19) Hat die ganze Gemeinde oder der gr\u00f6\u00dfte Teil derselben, einen Mann zum Bevollm\u00e4chtigten gew\u00e4hlt, so hat Alles, was er getan, volle G\u00fcltigkeit; er darf allein die Synagoge verkaufen, verschenken oder nach seinem Gutd\u00fcnken und seiner Einsicht in Bedingungen eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p>20) Ganz wie es der Gemeinde erlaubt ist, eine Synagoge zu verkaufen, so k\u00f6nnen sie dieselbe auch verschenken; denn h\u00e4tte die Gemeinde dadurch keinen Nutzen, so t\u00e4te sie es wohl nicht. Man darf aber eine Synagoge weder vermieten, noch verpf\u00e4nden. Werden Synagogen niedergerissen, um sie neu aufzubauen, so darf man zwar die Ziegelsteine, das Holz und die Erde, verkaufen, vertauschen oder verschenken, aber nicht verleihen; denn deren Heiligkeit wird nur durch den gleichen Wert an Geld oder durch einen andern, dem Verkauf gleichkommenden Vorteil aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>21) Der Marktplatz einer Stadt hat, obgleich das Volk an Festtagen und allgemeinen Versammlungen, wenn die Synagoge die gro\u00dfe Menge nicht fassen kann, daselbst ihr Gebet verrichtet, doch keine Heiligkei, denn dieses ist nur etwas Zuf\u00e4lliges und der Ort nicht zum Gebet geweiht. Ebenso haben einfache H\u00e4user oder H\u00f6fe, wo das Volk sich manchmal zum Gebet versammelt, keine Weihe, da sie nicht zum Gebete bestimmt sind; in ihnen wurde gebetet, gleich wie Jedermann sein Gebet zu Hause verrichtet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ZW\u00d6LFTES KAPITEL \u2014 Toralesung und Haftara<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Unser Lehrer Moses verordnete dem Volke Israel, jeden Schabbat, Montag und Donnerstag, morgens die Tora zu lesen, auf dass sie nicht drei Tage verlebten, ohne das Gesetz geh\u00f6rt zu haben. Esra setzte noch die Verordnung hinzu, der Faullenzer wegen auch zum Minchagebet am Schabbat die Tora zu lesen; es ist auch seine Vorschrift, dass am Montag und Donnerstag drei verschiedene Menschen aus der Tora und zwar nicht weniger als zehn Verse, vorlesen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Folgende sind die Tage, wann vor der Gemeinde die Vorlesung aus der Tora abgehalten wird: am Feier-, Neumonds- und Festtage, am Chanukka und Purim und am Montage und Donnerstage jeder Woche; Parallelst\u00fccke aus den Propheten liest man blo\u00df an den Schabbaten, Feiertagen und am neunten Aw.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Man darf aus der Tora \u00f6ffentlich nicht anders vorlesen, als in Gegenwart von wenigstens zehn erwachsenen freien M\u00e4nnern und zwar nicht weniger als zehn Verse. Ein Vers, welcher anf\u00e4ngt: \u00bbUnd er sprach\u00ab wird auch mitgerechnet. Der Lesenden d\u00fcrfen nicht weniger als drei sein. Man darf in einem Abschnitt (\u05e1\u05ea\u05d5\u05de\u05d4 \u05d0\u05d5 \u05e4\u05ea\u05d5\u05d7\u05d4) nicht weniger als drei Verse vor dem Schlusse (einer Parascha) anfangen; ebenfalls darf man nicht weniger als drei Verse vor dem Schlusse des Abschnitts aufh\u00f6ren; jeder Lesende wiederum darf nicht weniger als drei Verse lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Ereignet sich&#8217;s, dass drei Personen nur zehn Verse lesen, so lesen zwei von ihnen zu drei und einer vier; sei nun der, welcher die vier liest, der erste, letzte oder mittlere. Diese Aufteilung ist lobenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Ein jeder der Lesenden rollt die Tora auseinander, blickt auf die Stelle, die er lesen soll und spricht dann: \u00bbLobet den Ewigen, den Gepriesenen;\u00ab worauf, das Volk antwortet: \u00bbGelobt sei der Ewige, der Gepriesene in Ewigkeit immerdar.\u00ab Dann spricht der Lesende wieder: \u00bbGepriesen seist Du Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, Der Du uns vor allen V\u00f6lkern erkoren, und uns die Tora gegeben, gelobt seist Du, Ewiger, Der Du uns die Tora verliehen;\u00ab worauf das ganze Volk mit Amen antwortet. Nach diesem Segensspruche liest er, wieviel es ihm zukommt, rollt die Gesetzesrolle zusammen und spricht wieder: \u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, Der uns seine Tora, die Lehre der Wahrheit gegeben und ewiges Leben in uns gepflanzt; gelobt seist Du, Ewiger, Geber der Tora.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>6) Der Vortragende darf nicht vorher zu lesen anfangen, als bis der Amens-Ruf der Gemeinde verhallt ist. Macht er im Lesen einen Fehler, sei es auch in der Aussprache eines Buchstaben, so wird er so lange unterbrochen, bis er ihn richtig macht. Zwei d\u00fcrfen nicht auf einmal vorlesen, sondern blo\u00df der dazu Bestimmte. Blieb dieser in der Mitte stecken, so ersetze ihn ein Anderer, der von der Stelle zu lesen anf\u00e4ngt, wo der fr\u00fchere angefangen und spreche dann den letzten Segensspruch (aber nicht den ersten).<\/p>\n\n\n\n<p>7) Der Vortragende darf nicht vorher lesen, bis ihn der Achtbarste der Gemeinde zu lesen aufgefordert; sogar der Vorbeter der Gemeinde \u05d7\u05b7\u05d6\u05b7\u05bc\u05df oder der Vorsteher der Synagoge, darf nicht fr\u00fcher lesen, als bis es ihm die Gemeinde oder der Vornehmste zu tun erlaubt hat. W\u00e4hrend des Lesens muss noch Jemand neben dem Vortragenden stehen, ganz wie es der Schulaufseher \u05d7\u05b7\u05d6\u05b7\u05bc\u05df neben den Lesenden tut.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Der Vortragende kann auch von einer Stelle zur andern \u00fcberspringen, wie z. B. von dem Abschnitt \u00bbNach dem Tode\u00ab bis zum \u00bbNur am zehnten\u00ab, welches sich in dem Abschnitt \u00bbsprich zu den Kohanim\u00ab befindet (d.i. die Lesung des Hohepriesters am Jom Kippur). Keineswegs darf er aber etwas auswendig vortragen, ja es ist sogar verboten, ein einziges Wort auszusprechen, wenn es nicht aus der Schrift abgelesen wird. Bei dem \u00dcberspringen verweile er nicht l\u00e4nger, als der \u00dcbersetzer \u05ea\u05bb\u05bc\u05e8\u05b0\u05d2\u05b0\u05bc\u05de\u05b8\u05df Zeit braucht, um die Erkl\u00e4rung des Verses zu beendigen.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Sobald der Vortragende die Tora zu lesen angefangen, ist es verboten zu sprechen, selbst \u00fcber Halachot zu verhandeln. Es ist vielmehr Pflicht, dass Alle anh\u00f6ren, schweigen und ihr Herz dem Vortrage zuwenden; denn es hei\u00dft: (Nechemia 8:3) \u00bbUnd die Ohren des ganzen Volkes waren zum Buche der Tora.\u00ab Es ist ebenfalls verboten, w\u00e4hrend des Vortrages die Synagoge zu verlassen, was jedoch zur Zeit des Abwechselns der Vortragenden erlaubt ist. Wer sich aber immerw\u00e4hrend mit der Tora besch\u00e4ftigt und das Studium der Lehre gleichsam zu seinem Beruf gemacht, der darf auch w\u00e4hrend des Vortrages sein Studium der Gesetze fortsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Seit Esras Zeiten ist es Sitte, dass ein \u00dcbersetzer \u05ea\u05bb\u05bc\u05e8\u05b0\u05d2\u05b0\u05bc\u05de\u05b8\u05df dem Volke das aus der Tora Vorgetragene erkl\u00e4re, damit es den Inhalt der Vorlesung verstehe. Der Vortragende liest also Vers, h\u00e4lt ein, bis der \u00dcbersetzer den Vers erkl\u00e4rt und setzt dann zu lesen fort usw. Der Vortragende darf dem \u00dcbersetzer nicht mehr als einen Vers auf einmal lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Der Vorlesende darf seine Stimme nicht h\u00f6her erheben als der \u00dcbersetzer, ebenfalls darf der \u00dcbersetzer nicht lauter sprechen als der Vortragende. Der \u00dcbersetzer darf seine Erkl\u00e4rung nicht eher anfangen, als bis der Vortragende seinen Vers beendigt; eben so wenig darf der Vortragende einen neuen Vers beginnen, bevor nicht die Erkl\u00e4rung des \u00dcbersetzers geendigt ist. Der \u00dcbersetzer darf sich weder an eine S\u00e4ule, noch an einen Pfosten lehnen, sondern muss in Ehrfurcht und Andacht dastehen; auch darf seine \u00dcbersetzung nicht aus einem Buche, sondern auswendig gemacht werden. Der Vortragende darf dem \u00dcbersetzer auch nicht helfen, damit man nicht etwa glaube, dass sich in der Tora eine \u00dcbersetzung bef\u00e4nde. Der minder Geachtete kann den Vortrag eines gr\u00f6\u00dferen Mannes \u00fcbersetzen; es w\u00e4re aber keine Ehre f\u00fcr den Gro\u00dfen, wenn er der \u00dcbersetzer des kleineren w\u00e4re. Auch d\u00fcrfen nicht zwei \u00dcbersetzer auf einmal fungieren, sondern der Eine trage vor und der Andere \u00fcbersetze.<\/p>\n\n\n\n<p>12) Aber nicht alle Verse werden \u00f6ffentlich \u00fcbersetzt; so darf der Vorfall des Reuben (Gen. 35:22), der Segen der Kohanim (Num. 6:24-26) und beim Vortrag des Vorfalls mit dem goldenen Kalbe,\u2014 vom Vers: \u00bbUnd Moses sprach zu Ahron\u00ab, bis zum Verse: \u00bbMoses sah das Volk\u00ab (Ex. 32:21-25), endlich noch der Vers: \u00bbUnd Gott plagte das Volk\u00ab (Ex. 32:35) blo\u00df gelesen, aber nicht \u00fcbersetzt werden. Ebenso wird beim Vorfall des Amnon die Stelle \u00bbAmnon, der Sohn David&#8217;s\u00ab (2. Sam. 13:1) laut gelesen, aber nicht \u00fcbersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Derjenige, der die Haftara aus den Propheten liest, muss zuerst aus der Tora, wenn auch blo\u00df drei Verse, aus dem schon von seinem Vorg\u00e4nger Gelesenen, vortragen. Auch darf er nicht fr\u00fcher die Haftara aus den Propheten anfangen, als bis die Gesetzesrolle zusammengerollt wurde; die Haftara muss wenigstens ein und zwanzig Verse enthalten; sollte der Abschnitt weniger Verse haben, so ist es doch nicht n\u00f6tig die Zahl durch Verse aus dem folgenden zu ersetzen. Ebenso verh\u00e4lt es sich, wenn der eine zehn Verse gelesen und der \u00dcbersetzer sie erkl\u00e4rt; es ist dies schon hinreichend, selbst wenn der Abschnitt nicht geendigt ist. Aus den Propheten kann auch einer vor zwei \u00dcbersetzern lesen. Es ist ebenfalls erlaubt einen Abschnitt zu \u00fcberspringen aber nicht<br>von einem Propheten zum andern \u00fcberzugehen, was jedoch bei den kleinen zw\u00f6lf Propheten der Fall sein kann; aber keineswegs darf man von dem Schlusse des Buches zum Anfange \u00fcberspringe. Wer solche Spr\u00fcnge macht, darf auch nicht l\u00e4ngere Pausen machen, als der \u00dcbersetzer Zeit hat seine Erkl\u00e4rung zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Der aus einem Propheten Vorlesende kann auch drei Verse auf einmal dem \u00dcbersetzer vortragen, dieser kann sie auch alle drei nach einander \u00fcbersetzen. Sind jedoch die drei Verse aus drei verschiedenen Abschnitten, so lese er sie dem \u00dcbersetzer nur einzeln vor.<\/p>\n\n\n\n<p>15) Derjenige, welcher Haftara zu lesen hat, spricht zuerst den Segensspruch: \u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der da erw\u00e4hlt die Propheten\u00ab. Nach der Lesung spricht er vier Segensformeln: \u00bbDer Gott, der bew\u00e4hrt ist in allen Seinen Worten \u05d4\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05d4\u05b7\u05e0\u05b6\u05bc\u05d0\u05b1\u05de\u05b8\u05df \u05d1\u05b0\u05bc\u05db\u05b8\u05dc \u05d3\u05b0\u05bc\u05d1\u05b8\u05e8\u05b8\u05d9\u05d5\u00ab; die zweite mit den Worten: \u00bbDer da Jerusalem erbaut \u05d1\u05bc\u05d5\u05b9\u05e0\u05b5\u05d4 \u05d9\u05b0\u05e8\u05d5\u05bc\u05e9\u05b8\u05c1\u05dc\u05b7\u05d9\u05b4\u05dd\u00ab; die dritte mit: \u00bbSchild Davids \u05de\u05b8\u05d2\u05b5\u05df \u05d3\u05b8\u05bc\u05d5\u05b4\u05d3 \u00ab; die vierte mit dem Inhalt der Tagesheiligung, ganz wie im Gebete. F\u00e4llt der Neumond auf den Schabbat, so erw\u00e4hnt der aus den Propheten Vorlesende in diesem Segensspruche auch der Neumondsfeier, ganz wie er es im Gebete tut.<\/p>\n\n\n\n<p>16) Die Zahl der Vorlesenden ist f\u00fcr den Schabbatmorgen sieben, f\u00fcr den Vers\u00f6hnungstag sechs, f\u00fcr die Feiertage f\u00fcnf; man darf diese nicht vermindern, wohl aber vergr\u00f6\u00dfern. F\u00fcr Neumonds- und Zwischenfeiertage \u05d7\u05d5\u05b9\u05dc \u05d4\u05b7\u05de\u05d5\u05b9\u05e2\u05b5\u05d3 vier, am Schabbat und Vers\u00f6hnungstage zum Minchagebet, am Montag und Donnerstag des ganzen Jahres, am Chanuka und Purim Morgens, wie<br>auch an den Fasttagen Morgens und zum Minchagebet, \u2014 ist die Zahl drei, nicht weniger und nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>17) Eine Frau darf der Gemeinde nicht vorlesen, weil dies die Ehre der Gemeinde schm\u00e4lern w\u00fcrde; ein Unm\u00fcndiger, der vorzulesen versteht und auch wei\u00df, wem der Segensspruch gilt, kann zur Zahl der Vorlesenden gezogen werden. Ebenso kann der Vorleser der Haftara zur Zahl gerechnet werden, da er doch auch aus der Tora lesen muss; hat aber der Vorbeter zwischen dem die Tora Beschlie\u00dfenden und dem aus den Propheten Vorlesenden, durch Kaddisch den Vortrag unterbrochen, so wird letzterer nicht zur Zahl gezogen. Ist in der Gemeinde nur Einer, der vorzulesen versteht, so tritt er vor, liest, geht zur\u00fcck herunter, kommt dann wieder herauf usw., bis er die Zahl der Vorlesenden der Tagespflicht gem\u00e4\u00df ausf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>18) Bei jeder der genannten Vorlesungen muss vorher ein Kohen, dann ein Levit, dann erst ein Israelit zur Lesung vorgerufen werden. Es ist jetzt allgemein Sitte, dass sogar ein unwissender Kohen beim Vortrag den Vorzug vor einem gro\u00dfen Gelehrten habe, der blo\u00df Israelit ist. In anderen F\u00e4llen wird dieser Vorzug dem Gelehrtesten erteilt; andererseits wieder wird der Letzte, der die Gesetzesrolle zusammenrollt, gleichsam wie alle zusammengenommen belohnt; daher ist es Sitte, dass die Lesung des Schlusses im Abschnitte, von einem Gro\u00dfen der Gemeinde bewerkstelligt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>19) Ist kein Kohen gegenw\u00e4rtig, so ersetzt ihn ein Israelit, nach ihm aber darf kein Levit lesen. Ist kein Levit gegenw\u00e4rtig, liest der erste Kohen auch die zweite Stelle anstatt des Leviten. Aber noch ein Kohen darf nach dem ersten Kohen nicht auf mehr lesen, weil man denken k\u00f6nnte, der erste sei unzul\u00e4ssig gewesen und man habe daher einen andern aufgerufen. Ebenso wenig d\u00fcrfen zwei Leviten nacheinander die Tora vorlesen, weil man glauben k\u00f6nnte, einer von ihnen sei unzul\u00e4ssig gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>20) Die Vorlesung aus der Tora beim Gebet geschieht in folgender Ordnung: Findet an dem Tage ein Mussafgebet statt, so spricht der Vorbeter nach dem Schlusse des Morgengebetes das Kaddisch nimmt eine Gesetzesrolle heraus, ruft die gesetzliche Anzahl Gemeindemitglieder nach einander auf, welche aus der Tora vorlesen. Nach Beendigung der Lesung wird die Gesetzesrolle an ihre Stelle gebracht, das Kaddisch gesprochen und darauf das Mussaf abgehalten. An den Tagen aber, wo Haftara gelesen wird und zugleich auch das Mussaf stattfindet (also nicht an Chol Hamoed und Rosch Chodesch, ist es Sitte Kaddisch zu sprechen, bevor der aus den Propheten Vorlesende vortritt; an vielen Orten aber ist es gebr\u00e4uchlich, Kaddisch nach der Beendigung der Haftara zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>21) Zum Minchagebet am Schabbate und Vers\u00f6hnungstage beschlie\u00dft der Gemeindevorbeter zuerst den Psalm: \u00bbLob David&#8217;s\u00ab und das zur Ordnung des Tages geh\u00f6rige Kapitel \u05e1\u05b5\u05d3\u05b6\u05e8 \u05d4\u05b7\u05d9\u05bc\u05d5\u05b9\u05dd, spricht dann Kaddisch und nimmt die Torarolle hervor; darauf treten die Vorlesenden auf und lesen; alsdann wird die Torarolle zur\u00fcck an ihre Stelle gebracht, Kaddisch gesprochen und das Minchagebet abgehalten. Ebenso liest man an Fasttagen zum Minchagebet aus der Tora, spricht dann Kaddisch und Verrichtet das Minchagebet. An Feiertagen aber ist es nicht Sitte zum Minchagebet die Tora zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>22) An einem Tage, an dem kein Mussafgebet stattfindet, spricht man Kaddisch nach Beendigung des Morgengebetes, nimmt die Gesetzesrolle heraus, liest daraus vor und bringt sie an ihre Stelle zur\u00fcck, spricht Kaddisch. Darauf tr\u00e4gt man den Psalm \u00bbLob Davids\u00ab und das Kapitel zur Ordnung des Tages vor, ganz so wie es an gew\u00f6hnlichen Tagen geschieht und spricht zum Schlu\u00df nochmals Kaddisch, worauf auch das Volk auseinandergeht.<\/p>\n\n\n\n<p>23) Man darf in Synagogen nicht aus einzelnen B\u00e4nden des Pentateuchs vorlesen (ob gedruckt oder geschrieben), weil dies nicht zur Ehre der Gemeinde gereiche. Auch darf man die Torarolle nicht Angesichts der Gemeinde rollen, weil dies der Gemeinde zu l\u00e4stig fiele, indem sie stehend warten m\u00fcsste bis man die geh\u00f6rige Stelle aufgefunden. Deshalb muss man, wenn zwei verschiedene Stellen aus der Tora gelesen werden sollen, auch zwei verschiedene Gesetzesrollen hervorholen. Hingegen darf ein Vorlesender nicht einen und denselben Abschnitt, aus zwei verschiedenen Rollen ablesen, weil man dann denken k\u00f6nnte, die erste Gesetzesrolle sei unbrauchbar geworden und man habe in der zweiten vorgelesen.<\/p>\n\n\n\n<p>24) Man muss die Gesetzesrolle von au\u00dfen nach Innen zusammenrollen, bei der Befestigung aber geschieht es in der Richtung von innen nach au\u00dfen zu; auch muss die Tora gegen die Naht zusammengerollt werden, damit, im Falle sie rei\u00dft, das Pergament nicht platze. Wenn man die Gesetzesrolle nach der Vorlesung herausnimmt, um sie in ein anderes Haus zur Verwahrung zu bringen, so darf die Gemeinde nicht vor der Gesetzesrolle die Synagoge verlassen, sondern sie muss dieselbe in ehrerbietigem Nachfolgen bis zur Stelle, wo sie in Verwahrung gebracht werden soll, begleiten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">DREIZEHNTES KAPITEL \u2014 Die Toralesung im Verlauf des Jahres<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Es ist \u00fcberall bei den Israeliten Gebrauch, in jedem Jahre die Tora durchzugehen. Man beginnt am Schabbat nach dem Laubh\u00fcttenfest und liest den Wochenabschnitt: \u00bbAm Anfange\u00ab; am zweiten Schabbat: \u00bbDies sind die Begebenheiten des Noach\u00ab, am dritten: \u00bbUnd Gott sprach zu Abraham: Gehe von dannen\u00ab und so fort, bis man am Laubh\u00fcttenfest die ganze Tora geendigt. An einigen Orten liest man auch drei Jahre an der Tora, was jedoch nicht allgemein angenommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Esra verordnete vor dem Wochenfeste die im Leviticus, vor Neujahr aber die im Deuteronomium enthaltenen Fl\u00fcche zu lesen. Allgemein jedoch ist es angenommen, vor dem Wochenfeste: \u00bbIn der W\u00fcste Sinai\u00ab, nach den neunten Aw: \u00bbUnd ich flehte\u00ab, vor Neujahr: \u00bbIhr steht\u00ab und vor Pessach: \u00bbGebiete dem Ahron\u00ab in einem gew\u00f6hnlichen Jahre zu lesen; um nun w\u00e4hrend eines Jahres die ganze Tora zu beendigen und die Abschnitte zur festgesetzten Zeit zu lesen, gibt es Schabbate, an deren Morgen man zwei Abschnitte liest, z. B. \u00bbDie Frau, welche empf\u00e4ngt\u00ab, mit: \u00bbUnd dies sei das Gesetz des Auss\u00e4tzigen\u00ab oder \u00bbWenn in meinen Gesetzen\u00ab, mit: \u00bbAm Berge Sinai\u00ab u. dgl.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Wo man am Morgen des Schabbats aufgeh\u00f6rt, liest man zur Mincha, am Montage, Donnerstage und n\u00e4chsten Schabbat weiter. Man liest, z. B. den ersten Schabbatmorgen: \u00bbUnd am Anf\u00e4nge\u00ab und zur Mincha: \u00bbDieses sind die Begebenheiten des Noach\u00ab, zehn oder mehre Verse, welche auch am n\u00e4chsten Montage und Donerstage wiederholt werden; am n\u00e4chsten Schabbat aber wird Dasselbe ebenfalls wiederholt und der Abschnitt zugleich zu Ende gelesen. So liest man das ganze Jahr und beschlie\u00dft an jedem einzelnen Schabbat mit einem, dem Gelesenen entsprechenden, Propheten.<\/p>\n\n\n\n<p>4) An den Monatsfesten liest der Erste drei Verse des Abschnitts: \u00bbGebiete\u00ab (Num. 28:1), der Zweite wiederholt den gelesenen dritten Vers und liest die beiden ihm folgenden, damit noch drei Verse f\u00fcr den dritten Leser \u00fcbrig bleiben, welche dieser liest, so wie auch: \u00bbUnd am Schabbat\u00ab; der vierte liest: \u00bbUnd an den Ersten eurer Monate\u00ab; f\u00e4llt der erste Tag eines Monates auf einen Schabbat, so nehme man zwei Gesetzesrollen hervor und lese aus der ersten die Ordnung dieses Schabbats und aus der andern die Erg\u00e4nzung: \u00bbUnd an den Ersten eurer Monate.\u00ab Der Beschlie\u00dfende tr\u00e4gt darauf den Inhalt des Monats vor und als Haftara aus dem Propheten: \u00bbUnd es sei an jeglichem Monate, dem Monate nach.\u00ab (Jes. 66:23). Am ersten des Monats Aw, der ein Schabbat ist, lese man als Haftara aus den Propheten: \u00bbEure Monatsfeste und Feiertage hasset mein Gem\u00fcth\u00ab (Jes. 1:14). Ist der erste eines Monats ein Sonntag, so lese man am vorhergehenden Schabbat, als Haftara aus den Propheten: \u00bbUnd Jonathan sagte zu ihm: Morgen ist der Monat\u00ab (1 Sam. 20:18).<\/p>\n\n\n\n<p>5) Der in der Tora Lesende beginne und ende mit etwas Angenehmem, aber im Abschnitte: \u00bbVernehmet\u00ab lese der Erste bis: \u00bbDenket der Tage der Urzeit\u00ab, der Zweite von hier bis: \u00bbUnd er erhebet ihn\u00ab, der Dritte fahre fort bis: \u00bbUnd Gott sah und ergrimmte\u00ab, der Vierte bis: \u00bbWenn sie weise w\u00e4ren\u00ab, der F\u00fcnfte bis: \u00bbDenn ich erhebe zum Himmel meine Hand\u00ab, der Sechste endlich bis zu Ende des Gesanges. Hier breche man ab, damit die Moral dieser Verse das Volk zur Bu\u00dfe anrege.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Die letzten acht Verse der Tora d\u00fcrfen in der Synagoge, vor weniger als zehn Personen, von dem gelesen werden, obgleich sie der \u00fcbrigen Tora, welche Moses nach dem Munde des Herrn verk\u00fcndete, ihrem Inhalte nach nicht nachstehen; denn, weil sie von der Zeit nach dem Tode des Moses handeln, so haben sie dadurch eine andere Bedeutung erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Die im Leviticus enthaltenen Fl\u00fcche d\u00fcrfen nicht unterbrochen werden; darum lese sie Einer, beginnend mit dem vorangehenden und schlie\u00dfend mit den nachfolgenden Versen. Die Fl\u00fcche des Deuteronomiums d\u00fcrfen unterbrochen werden, doch ist es \u00fcblich, es nicht zu tun, sondern sie von Einem lesen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>8) An Feiertagen und am Jom Kippur unterbreche man die gew\u00f6hnliche Ordnung des Lesens, indem man von der Bedeutung dieser Tage, nicht aber nach der Schabbatsordnung liest; denn es ist eine Verordnung Moses, am Feiertage \u00fcber seine Bedeutung zu lesen, zu predigen und nachzudenken. Am Pessachfest lese man den im Leviticus enthaltenen Abschnitt \u00fcber die Feiertage und zwar ist es Gebrauch am ersten Pessachtage zu lesen: \u00bbZiehet und nehmet euch\u00ab und aus den Propheten mit der Pessachfeier zu \u00bbGilgal\u00ab zu schlie\u00dfen, am zweiten lese man: \u00bbOchs und Schaaf\u00ab und schlie\u00dfe mit der Pessachfeier \u00bbdes K\u00f6nigs Joschiahu\u00ab, am dritten: \u00bbHeilig sei mir jeder Erstgeborene\u00ab, am vierten: \u00bbWenn du Geld leihst\u00ab, am f\u00fcnften: \u00bbHaue dir usw.\u00ab, am sechsten: \u00bbUnd die Israeliten sollen das Pessachopfer zu seiner Zeit bereiten\u00ab, am letzten: \u00bbUnd als Pharao schickte\u00ab, bis zu Ende des Liedes, n\u00e4mlich bis: \u00bbDenn ich bin der Ewige, der dich heilet\u00ab und schlie\u00dfe aus den Propheten mit: \u00bbUnd David sprach\u00ab (2 Sam. 22:1) und am achten Tage endlich: \u00bbJeder Erstgeborene\u00ab und schlie\u00dfe aus den Propheten mit: \u00bbNah ist der Tag\u00ab (Jes. 10:32).<\/p>\n\n\n\n<p>9) Zu Schawuot lese man den Abschnitt: \u00bbDer sieben Wochen\u00ab und zwar nach dem Gebrauche am ersten Schawuottage: \u00bbAm dritten Monate\u00ab und schlie\u00dfe aus den Propheten mit der Vision vom \u00bbThrone\u00ab (Jechesekiel), am zweiten aber, aus dem Abschnitte \u00fcber dir Feiertage: \u00bbJeder Erstgeborene\u00ab und schlie\u00dfe aus den Propheten mit einer Stelle aus Habakuk.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Zu Rosch haSchana lese man: \u00bbIm siebenten Monate, am ersten Tage des Monats\u00ab. \u00dcblich ist&#8217;s am ersten Tage zu lesen: \u00bbUnd Gott dachte der Sarah\u00ab und aus den Propheten zu schlie\u00dfen mit: \u00bbUnd es war ein Mann aus den H\u00f6hen\u00ab, am zweiten aber: \u00bbUnd Gott pr\u00fcfte den Abraham\u00ab und aus den Propheten zu schlie\u00dfen mit: \u00bbIst Ephraim mir ein teurer Sohn.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>11) Am Jom Kippur morgens liest man den Abschnitt \u00bbNach dem Tode\u00ab (Lev. 16) und die Parallelstelle: \u00bbSo spricht der Hohe und Erhabene.\u00ab (Jes. 57:15) Zum Minchagebet liest man \u00fcber die Blutschande, aus dem Abschnitte \u00bbNach dem Tode\u00ab, damit ein Jeder, der sich in irgendeinem der angef\u00fchrten F\u00e4lle getroffen f\u00fchlt, sich seiner Tat erinnere, sich sch\u00e4me und sie auch b\u00fc\u00dfend bereue; der dritte Aufgerufene liest ebenfalls daraus und tr\u00e4gt dann als Parallelstelle den Propheten Jona vor.<\/p>\n\n\n\n<p>12) An den beiden ersten Tagen des Laubh\u00fcttenfestes liest man aus dem Abschnitte \u00fcber die Feiertage, welches wie folgt anf\u00e4ngt: \u00bbEin Ochs oder ein Schaaf oder eine Ziege\u00ab; als Haftara wird am ersten Tage gelesen: \u00bbDa kommt ein Tag des Ewigen\u00ab (Sacharia 14), am zweiten Tage: \u00bbUnd sie versammelten sich zum K\u00f6nige Salomo\u00ab (2 K\u00f6n. 8:2). Am letzten Tage liest man aus der Tora die Stelle: \u00bbJeder Erstgeborene\u00ab (Deut. 15:19) und als Haftara: \u00bbUnd es war als Salomo beendigte\u00ab (1 K\u00f6n. 8:54); den Morgen darauf lieft man aus der Tora den Abschnitt: \u00bbUnd dieses ist der Segen\u00ab und als Haftara: \u00bbUnd Salomo stand auf\u00ab (1. K\u00f6n. 8:22). Viele nehmen als Haftara: \u00bbUnd es war nach dem Tode Moses\u00ab (Josua 1). An den \u00fcbrigen Tagen des Laubh\u00fcttenfestes lieft man \u00fcber die Opfer dieses Festes.<\/p>\n\n\n\n<p>13) Und zwar wie folgt: An jedem der Zwischenfeiertage liest man zwei Abschnitte, n\u00e4mlich am dritten Tage, als dem ersten der Zwischenfeiertage liest der Kohen: \u00bbUnd am zweiten Tage\u00ab (Num. 29:17-19), worauf der Levi von den Versen: \u00bbUnd am dritten Tage\u00ab anf\u00e4ngt. Alsdann liest der Israelit: \u00bbUnd an dem dritten Tage\u00ab Der Vierte wiederholt dann die Verse: \u00bbUnd am zweiten Tage\u00ab, \u00bbUnd am dritten Tage\u00ab. Am vierten Tage wie am zweiten der Zwischenfeiertage, liest man die Verse: \u00bbUnd am dritten Tage\u00ab, \u00bbUnd am vierten Tage\u00ab und so weiter jeden Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>14) An jedem der Feiertage, wie auch am Jom Kippur und an allen sieben Tagen des Pessachfestes, nimmt man morgens zwei Gesetzesrollen hervor, sonach in der ersten die oben angef\u00fchrten Abschnitte gelesen werden und in der zweiten \u2014 \u00fcber die Opferdarbringung desselben Tages, aus dem 4. Buche. Derselbe, welcher, \u00fcber die Opfer liest, hat auch die Parallelstelle aus den Propheten zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>15) An allen Tagen, so oft zwei oder drei Gesetzesrollen hervorgeholt werden, muss man, wenn sie nicht einzeln hervorgenommen werden, nach jedesmaliger Zur\u00fcckbringung einer Gesetzesrolle Kaddisch sprechen und dann erst die folgende hervorholen; ebenso muss man Kaddisch bei<br>der Zur\u00fcckstellung sprechen; \u00fcbrigens haben wie schon angef\u00fchrt, wie die allgemeine, angenommene Sitte vorschreibt, dass Kaddisch immer, nachdem der Letzte gelesen, gesprochen werden muss, wonach die Haftara aus den Propheten vorgetragen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>16) F\u00e4llt ein Schabbat auf die Zwischenfeiertage, sei es am Pessach oder Laubh\u00fcttenfeste, so lese man an diesem Schabbat den Abschnitt: \u00bbSieh, Du sprichst zu mir\u00ab (Ex. 34:12) und als Haftara am Pessach \u00fcber die vertrockneten Gebeine (Hes. 37): und wenn der Schabbat auf den Feiertag selbst f\u00e4llt \u00bbAn dem Tage der Ankunft Gog&#8217;s\u00ab (Hes. 38:18).<\/p>\n\n\n\n<p>17) Am ersten Tage von Chanukka liest man vom Anfange des Segens der Kohanim, bis zum Schlusse des am ersten Tage Opfernden (Num. 6:22-7:17), am zweiten Tage \u00fcber das Opfer des zweiten Stammesf\u00fcrsten (ebenda.) und so fort bis zum achten Tage. Am achten liest man bis zum Schlusse der Opferbeschreibung, wie auch der ganzen Sidra. Am Schabbat von Chanukka wird als Haftara, \u00fcber die Lichter, im Propheten Zacharias, gelesen. Fielen zwei Schabbate auf das Channukafest, so liest man diese Stelle am ersten Schabbat, am zweiten aber, \u00fcber die Lichter des K\u00f6nig Salomo. Derjenige, welcher aus der Tora \u00fcber die Einweihung des Stiftszeltes liest, liest auch die Haftara aus dem Propheten; am Purimfeste zum Morgengebete liest man: \u00bbUnd es kam Amalek\u00ab (Ex. 17:8).<\/p>\n\n\n\n<p>18) Am neunten Aw liest man zum Morgengebete: \u00bbWenn Du Kinder erzeugst\u00ab (Deut. 4:25) und als Haftara: \u00bbVersammeln, versammeln werde Ich sie, spricht der Ewige\u00ab (Jer.8:13 ); zum Minchagebet tr\u00e4gt man: \u00bbUnd Moses flehte\u00ab vor (Ex. 32:11), ganz wie an den \u00fcbrigen Fasttagen. An den Fasttagen hingegen, die wir sonst noch wegen der traurigen historischen Ereignisse unserer Vorfahren abhalten, liest man zum Morgen- und Minchagebet dasselbe und zwar der erste vom Verse: \u00bbUnd Moses flehte\u00ab, vier Verse; der zweite und der dritte von: \u00bbHaue dir aus\u00ab bis: \u00bbWas ich mit dir mache.\u00ab An den Fasttagen aber, welche die Gemeinde sich selbst anordnet, etwa wegen Gottesplagen, z. B. im Falle einer Hungersnot oder Pest und dergleichen, liest man die Segensspr\u00fcche und Fl\u00fcche, damit das Volk Bu\u00dfe tue und mit zerknirschtem Herzen dastehend, anh\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p>19) Es ist allgemeine Volksitte, dass man an den drei Schabbaten vor dem neunten Aw, als Parallelstellen aus den Propheten Strafpredigten liest, n\u00e4mlich am ersten. \u00bbDie Worte Jeremias (Jer. 1:1); am zweiten: \u00bbDie Vision Jesaias (Jes. 1:1) am dritten: \u00bbWie wurde unkeusch die treu bew\u00e4hrte Stadt\u00ab (Jes. 1:21). Am Schabbat nach dem neunten Aw: \u00bbTr\u00f6stet, tr\u00f6stet mein Volk\u00ab (Jes. 40:1). In unserer Gegend ist es angenommene Sitte, an den Schabbaten vom neunten Aw an, bis zum Neujahr immer die Trostworte Jesaias als Haftara und am Schabbat zwischen dem Neujahrs- und Vers\u00f6hnungstage den Abschnitt: \u00bbKehre wieder Israel\u00ab (Hos. 14:2) zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>20) F\u00e4llt der Neumondstag des Adar auf einen Schabbat, so lese man den Abschnitt \u00fcber die halbe Scheckel-Gabe und als Parallelstelle \u00fcber Jehojada den Kohen (2. K\u00f6n. 12:3). F\u00e4llt dieser Neumondstag auf einen Wochentag, wenn auch am Freitage, so liest man jenen Abschnitt am Schabbat vorher. Am darauffolgenden Schabbat liest man: \u00bbGedenke\u00ab (Deut. 25:17) und als Parallelstelle: \u00bbIch habe dessen gedacht, was dir Amalek getan\u00ab, (1. Sam. 15:2).<br>Als darauffolgender Schabbat wird derjenige verstanden, in dessen Woche das Purimfest f\u00e4llt und sollte dieses selbst am Freitage sein. An dem dritten Schabbat liest man \u00fcber die rote Kuh und als Parallelstelle: \u00bbUnd Ich werde euch besprengen\u00ab (Hes. 36:25). Als dritten Schabbat versteht man den, dem vierten unmittelbar vorangehenden; am vierten aber liest man: \u00bbDieser Monat\u00ab (Ex. 12:2) und als Parallelstelle: \u00bbAm ersten Tage des Monats\u00ab (Hes. 45:18); als vierter Schabbat ist nur derjenige anzunehmen, auf dessen Woche der Neumondstag des Nissan f\u00e4llt und sollte es auch der Freitag sein.<\/p>\n\n\n\n<p>21) Folglich ist zu schlie\u00dfen, dass manches Mal ein Zwischen-Schabbat zwischen dem ersten und zweiten oder dem zweiten und dritten stattfinden m\u00fcsse, oft aber auch zwei solcher Zwischen-Schabbate, zwischen diesen dreien; zwischen dem dritten und vierten hingegen kommt nie ein Zwischen-Schabbat vor.<\/p>\n\n\n\n<p>22) Ein jeder von diesen vier Abschnitten wird in einer zweiten Gesetzesrolle, nachdem der ordnungsm\u00e4\u00dfige Abschnitt (die Sidra) in der ersten Gesetzesrolle gelesen wurde \u2014 rezitiert; fiel auch der Neumondstag des Adar auf diesen Schabbat und war gerade die bestimmte Sidra: \u00bbUnd Du sollst gebieten\u00ab (Ex. 27:20), so lesen Sechs vom Verse: \u00bbUnd du sollst gebieten\u00ab an, bis: \u00bbUnd du sollst ein kupfernes Becken machen;\u00ab dann liest der Siebente wiederum vom Verse: \u00bbWenn du z\u00e4hlst\u00ab bis: \u00bbUnd Du sollst ein Becken machen\u00ab; war aber als Sidra f\u00fcr diesen Schabbat der Abschnitt: \u00bbWenn du z\u00e4hlst\u00ab selbst, so lesen Sechs diesen Abschnitt zu Ende und dann f\u00e4ngt der Siebente in einer zweiten Rolle wieder vom ersten Verse an und liest bis zum: \u00bbUnd du sollst ein kupfernes Becken machen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>23) F\u00e4llt der Neumondstag des Adar auf einen Schabbat, so hole man drei Gesetzesrollen hervor, lese in der ersten die bestimmte Sidra, in der zweiten den Abschnitt \u00fcber den Neumond, in der dritten: \u00bbWenn du z\u00e4hlst\u00ab. Ebenso werden, wenn der Neumondstag des Nissan auf den Schabbat f\u00e4llt, drei Rollen hervorgeholt, wo dann in der ersten die bestimmte Sidra, in der zweiten \u00fcber den Neumond und in der dritten der Abschnitt : \u00bbDieser Monat\u00ab (Ex. 12:2) gelesen werden.<br>24) F\u00e4llt der Neumondstag des Teweth auf einen Schabbat, so hole man ebenfalls drei Rollen hervor, lese in der ersten die bestimmte Sidra, in der zweiten \u00fcber den Neumond und in der dritten \u00fcber die Einweihung des Stiftzeltes; fiel er aber auf einen Wochentag, so lesen drei den Inhalt des Neumonds und ein vierter den Inhalt der Einweihnug.<\/p>\n\n\n\n<p>25) Wenn auch Jemand in der Gemeinde \u00f6ffentlich die ganze Tora lesen h\u00f6rt, so ist es doch Pflicht, dass er auch f\u00fcr sich jede Woche, die f\u00fcr dessen Schabbat bestimmte Sidra lese und zwar zwei Mal den Hebr\u00e4isch und einmal den aram\u00e4ischen Text (Targum Onkelos); die Verse aber, auf welche keine aram\u00e4ische \u00dcbersetzung vorhanden ist (siehe oben 12:12), wiederhole man drei Mal, bevor er diesen Abschnitt zusammen mit der Gemeinde liest.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VIERZEHNTES KAPITEL \u2014 Der Priestersegen<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Am Morgen-, Mussaf und Neilah erheben die Kohanim ihre H\u00e4nde zum Segen \u05e0\u05b0\u05e9\u05b4\u05c2\u05d9\u05d0\u05b7\u05ea \u05db\u05b7\u05bc\u05e4\u05b7\u05bc\u05d9\u05b4\u05dd. Zu dem Minchagebet aber findet kein H\u00e4ndeerheben statt, weil zu dieser Stunde alle schon gegessen haben, weshalb zu bef\u00fcrchten ist, der Kohen h\u00e4tte Wein getrunken, da doch ein Berauschter den Segen nicht sprechen darf. Sogar an einem Fasttage ist das H\u00e4ndeerheben zur Mincha untersagt, aus Besorgnis der Verwechslung eines solchen Tages mit einem gew\u00f6hnlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>2) Dies jedoch hat nur auf einen solchen Fasttag Bezug, an welchem zugleich Mincha und Neilah stattfinden, wie z. B. am Jom Kippur und am Gemeinden-Fasttage. An einem gew\u00f6hnlichen Fasttage aber, an dem kein Neilah stattfindet, darf auch das H\u00e4ndeerheben stattfinden wie z. B. am neunten Aw, am siebenzehnten Tamus, an welchen das Minchagebet nahe vor Sonnenuntergang abgehalten wird und dies demnach mehr dem Neilah gleicht, keinesweges also mit einem allt\u00e4glichen Minchagebet verwechselt werden kann. Hat jedoch ein Kohen, ungeachtet der Sitte, Podium \u05d3\u05bc\u05d5\u05bc\u05db\u05b8\u05df, zum H\u00e4ndeerheben am Minchagebet des Vers\u00f6hnungstages, bestiegen, so vollziehe er den Segen. Soweit doch bekannt ist, dass er nicht berauscht ist; ihn aber unverrichteter Dinge wieder herabsteigen zu lassen, ist nicht erlaubt, weil man dies dahin auslegen k\u00f6nnte, dass er unzul\u00e4ssig \u05e4\u05b8\u05bc\u05e1\u05d5\u05bc\u05dc sei.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Das H\u00e4ndeerheben geschieht in folgender Ordnung: Sobald der Vorbeter zur Segensformel \u00fcber den Tempeldienst \u05e2\u05b2\u05d1\u05d5\u05b9\u05d3\u05b8\u05d4 gelangt und das Wort \u00bbHabe Wohlgefallen \u05e8\u05b0\u05e6\u05b5\u05d4\u00ab ausspricht, verlassen alle in der Synagoge sich befindenden Kohanim ihre Pl\u00e4tze und besteigen das Podium, bleiben da mit dem Angesichte gegen das Heiligtum gerichtet, mit dem R\u00fccken zum Volke und mit in die Handfl\u00e4che gebogenen Fingern stehen, bis der Gemeinde-Vorbeter die Dankformel \u05d4\u05d5\u05b9\u05d3\u05b8\u05d9\u05b8\u05d4 beendigt, alsdann wenden sie ihr Gesicht gegen das Volk, dehnen ihre Finger, erheben die H\u00e4nde bis an die Schultern und fangen mit dem: \u00bbEs mag dich segnen \u05d9\u05b0\u05d1\u05b8\u05e8\u05b6\u05db\u05b0\u05da\u05b8 \u00ab an. Sonach der Vorbeter ihnen den Segen Wort f\u00fcr Wort vorsagt und sie es wiederholen; denn es hei\u00dft: \u00bbSage ihnen\u00ab, \u2014 also \u2014 bis man ihnen vorsagt. Haben sie den ersten Vers beendigt, so f\u00e4llt das Volk mit Amen ein;<br>dann f\u00e4ngt der Gemeinde-Vorbeter an, ihnen den zweiten Vers, Wort f\u00fcr Wort, vorzusagen, welches sie auch so wiederholen, bis der zweite Vers beendigt ist und das Volk wieder mit einem Amen antwortet; ebenso ist&#8217;s beim dritten Verse.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Wenn die Kohanim die drei Verse beendigt haben, setzt der Gemeinde-Vorbeter den letzten Segensspruch des Gebetes fort, n\u00e4mlich: \u00bbTue Frieden \u05e9\u05b4\u05c2\u05d9\u05dd \u05e9\u05b8\u05c1\u05dc\u05d5\u05b9\u05dd\u00ab, wobei die Kohanim ihr Gesicht wieder zum Heiligtum wenden, ihre Finger wieder zusammenziehen, auch so bis zum Schluss dieser Segensformel verweilen und dann erst zu ihrer Stelle zur\u00fcckgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Der Vorbeter darf nicht fr\u00fcher den Kohanim vorsagen, als bis das Amen der Gemeinde verhallt; ebenso d\u00fcrfen die Kohanim nicht fr\u00fcher den Segen beginnen, als bis das Wort des Vorsagenden verhallt; ebenso darf die Gemeinde nicht fr\u00fcher mit dem Amen einfallen, als bis der Segen vom Munde der Kohanim ausgesprochen ist. Wiederum d\u00fcrfen die Kohanim nicht den zweiten Segen anfangen, bis das Amen der Gemeinde verhallt. Der Gemeinde-Vorbeter darf nicht mit den \u00dcbrigen das Amen nach dem Segen der Kohanim sprechen, damit dies ihn nicht zerstreue und ihn vergessen machen k\u00f6nnte, welchen Vers er den Kohanim vorzusagen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Die Kohanim d\u00fcrfen ihr Gesicht nicht fr\u00fcher von der Gemeinde abwenden, als bis der Vorbeter die Formel: \u00abTue Frieden\u00ab begonnen; so d\u00fcrfen sie auch das Podium nicht eher verlassen, als bis jener diese Formel beendigt, auch ihre Finger nicht einziehen, bevor sie das Gesicht von der Gemeinde abgewendet. Es ist ebenfalls eine Verordnung von Rabban Jochanan ben Sakai, dass die Priester zum Segen mit H\u00e4ndeerhebung nicht in Schuhen kommen, sondern barfu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>7) W\u00e4hrend die Kohanim den Segen erteilen, d\u00fcrfen sie nicht auf das Volk sehen, noch irgend ihre Gedanken zerstreuen, sondern m\u00fcssen mit zur Erde gesenkten Augen, als wenn sie mit dem Gebete besch\u00e4ftigt waren, dastehen. Auch darf Niemand aus dem Volke die Kohanim w\u00e4hrend des Segens ansehen, damit diese dadurch nicht zerstreut werden, sondern hat die Gemeinde mit Andacht den Segen anzuh\u00f6ren. Das Volk richte also zwar das Gesicht zu den Kohanim, sehe sie aber nicht an.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Ist es nur ein einziger Kohen, der den Segen erteilt, so spricht er zuerst die vorangehende Lobpreisung Gottes, worauf der Gemeindevorbeter ihm Wort f\u00fcr Wort vorsagt, wie wir&#8217;s bereits erkl\u00e4rt haben. Wenn ihrer zwei oder mehrere sind, so sagen sie die Lobpreisung nicht fr\u00fcher, als bis ihnen der Vorbeter das Wort: \u00bbKohanim\u00ab! zuruft; darauf antworten sie und fangen an den Segen zu erteilen, indem sie Wort f\u00fcr Wort dem Vorbeter nachsagen.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Wie geschieht die Segenserteilung im Tempel? Die Kohanim kommen, nachdem der Diensthaltende das bestimmte Morgenopfer gebracht, zum Segen hervor, wozu sie die H\u00e4nde mit ausgedehnten Fingern in die H\u00f6he \u00fcber das Haupt erheben. Hiervon ist der Hohepriester ausgenommen, der seine H\u00e4nde nicht \u00fcber die Stirnbinde \u05e6\u05b4\u05bc\u05d9\u05e5 erheben darf. Der Vorsagende rezitiert ihnen den Segen, Wort f\u00fcr Wort, wie es \u00fcberall geschieht, bis sie alle drei Verse beendigt, \u2014 das Volk aber antwortet nicht mit Amen bei jedem Vers, da dieser Segen im Tempel nur einen Segensspruch bildet; \u2014nach dem Schlusse dieses Segens jedoch ruft das Volk aus: \u00bbGepriesen seist Du, Ewiger Gott, Gott Israels, von Ewigkeit in Ewigkeit \u05d1\u05b8\u05bc\u05e8\u05d5\u05bc\u05da\u05b0 \u05d9\u05d9 \u05d0\u05b1\u05dc\u05b9\u05d4\u05b5\u05d9 \u05d9\u05b4\u05e9\u05b0\u05c2\u05e8\u05b8\u05d0\u05b5\u05dc \u05de\u05b4\u05df \u05d4\u05b8\u05e2\u05d5\u05b9\u05dc\u05b8\u05dd \u05d5\u05b0\u05e2\u05b7\u05d3 \u05d4\u05b8\u05e2\u05d5\u05b9\u05dc\u05b8\u05dd\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>10) Daselbst spricht man auch den Namen Gottes ganz so aus, wie er geschrieben wird; er besteht n\u00e4mlich aus den Buchstaben J, H, W. u. H; dies ist eben der ausf\u00fchrliche Name \u05e9\u05b5\u05bc\u05c1\u05dd \u05d4\u05b7\u05de\u05b0\u05bc\u05e4\u05b9\u05e8\u05b8\u05e9\u05c1, von dem \u00fcberall die Rede ist. Au\u00dferhalb des Tempels wird Gott nach einem Attribut benannt, n\u00e4mlich durch Adonai. Dies geschieht, weil man den Gottesnamen, wie er geschrieben ist, nur im Tempel allein aussprechen darf. Seit dem Tode Simons, des Frommen, haben die Kohanim, sogar auch im Tempel aufgeh\u00f6rt, mit dem ausf\u00fchrlichen Namen den Segen zu sprechen. Dies geschieht, damit nicht etwa ein unw\u00fcrdiger und unachtbarer Mensch ihn auszusprechen lerne. Die ersten Weisen pflegten diesen Namen nur in ihrer Schule den w\u00fcrdigen Sch\u00fclern und Kindern zu lehren und zwar nur einmal in sieben Jahren, um dadurch die Gr\u00f6\u00dfe des geehrten und gef\u00fcrchteten Namens zu vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Der Segen der Kohanim wird \u00fcberall nur in der heiligen Sprache erteilt, denn es hei\u00dft: \u00bbSo sollt Ihr die Kinder Israels segnen\u00ab; was nun durch die Tradition unsers Lehrers Moses, Friede sei mit ihm, so erkl\u00e4rt wurde: \u00bbso sollt ihr segnen\u00ab \u2014 stehend; \u00bbso sollt ihr segnen\u00ab \u2014 mit H\u00e4ndeerhebung; \u00bbso sollt ihr segnen\u00ab\u2014in heiliger Sprache; \u00bbso sollt ihr segnen\u00ab\u2014Antlitz gegen Antlitz; \u00bbso sollt ihr segnen\u00ab\u2014mit hoher Stimme; \u00bbso sollt ihr segnen\u00ab\u2014mit dem ausf\u00fchrlichen Namen Gottes, letzteres aber nur im Tempel, wie bereits erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>12) Die Kohanim d\u00fcrfen nirgends eine Zugabe des Segens zu den drei Versen machen, wie z. B. \u00bbDer Ewige, der Gott eurer V\u00e4ter, m\u00f6ge euch noch tausendmal so gro\u00df machen usw.\u00ab und zwar weder mit lauter, noch mit leiser Stimme; denn es hei\u00dft: \u00bbIhr sollt nicht zulegen zur Sache usw.\u00ab. W\u00e4hrend der Priester zum Segenerteilen sich aufmacht, spricht er, indem er zu gehen anf\u00e4ngt: \u00bbEs m\u00f6ge ein Wille von Dir sein, Ewiger, unser Gott, dass dieser Segen, den Du uns geboten dem Volke Israel zu erteilen, ein vollkommener sei und es sei darin weder Trug, noch S\u00fcnde, von jetzt, bis in Ewigkeit\u00ab; \u2014 bevor er das Gesicht zum Volke umwendet, um den Segen zu sprechen, sage er: \u00bbGelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, K\u00f6nig der Welt, der uns geheiligt durch die Weihung Ahrons und uns geboten, sein Volk Israel in Liebe zu segnen.\u00ab Darauf wendet er sich zur Gemeinde und f\u00e4ngt den Segen an. Nachdem er sich, nach dem Schlusse des Segens, wieder von der Gemeinde abgewendet, spricht er: \u00bbWir haben getan, was Du uns befohlen, tue Du uns jetzt, was Du uns versprochen, blicke hernieder von der Wohnst\u00e4tte Deines Heiligtums im Himmel und segne Dein Volk Israel.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>13) Das Umwenden der Kohanim zur Gemeinde, um sie zu segnen und auch das Abwenden von der Gemeinde nach dem Segen, geschehe nur rechts um; auch seien alle Wendungen, die ein Mensch je macht, nur rechts um.<\/p>\n\n\n\n<p>14) Im Tempel erteilen die Kohanim einmal des Tages den Segen und zwar besteigen sie nach dem best\u00e4ndigen Morgenopfer die Stufen der Halle und verrichten den Segen, wie wir oben erkl\u00e4rt. An andern Orten aber kann man ihn nach jedem Gebet erteilen, ausgenommen hiervon ist das Minchagebet. Man gebe sich \u00fcberall M\u00fche, dass der Vorsagende ein gew\u00f6hnlicher Israelit sei, denn es hei\u00dft: \u00bbSage ihnen\u00ab, folglich muss der Vorsagende nicht ihr Mitglied sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00dcNZEHNTES KAPITEL \u2014 Bedingungen und was dem Segen hinderlich ist<\/h3>\n\n\n\n<p>1) Sechs Dinge sind auf das H\u00e4ndeerheben \u05e0\u05b0\u05e9\u05b4\u05c2\u05d9\u05d0\u05d5\u05bc\u05ea \u05db\u05b7\u05bc\u05e4\u05b7\u05bc\u05d9\u05b4\u05dd hinderlich: 1) die Sprache, 2) k\u00f6rperliche Gebrechen \u05de\u05d5\u05bc\u05de\u05b4\u05d9\u05df, 5) S\u00fcndenhaftigkeit \u05e2\u05b2\u05d1\u05b5\u05e8\u05b8\u05d4, 4) das Alter, 5) der Wein, 6) Unreinheit der H\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Sprache betrifft, so d\u00fcrfen Kohanim, die ein mangelhaftes Sprachorgan haben, wie z. B., wenn sie Buchstaben nicht geh\u00f6rig aussprechen k\u00f6nnen und etwa ein Aleph wie Ayin oder Ayin wie Aleph oder Sziboleth statt Schiboleth sprechen, zum Segen und H\u00e4ndeerheben nicht zugelassen werden. Ebenfalls werden von der Segnung Kohanim ausgeschlossen, die eine schwere Mundart und Zungenbewegung haben, deren Aussprache also unverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>2) K\u00f6rperliche Gebrechen sind hinderlich; wenn ein Kohen im Gesichte oder an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen Fehler hat z. B. wenn er krumme oder steife Finger oder Flechten auf den H\u00e4nden hat; \u2014 dies Alles zieht die Augen des Volkes auf sich. Ebenso sind zur H\u00e4ndeerhebung solche nicht zul\u00e4ssig, die w\u00e4hrend des Sprechens Speichel aus dem Munde lassen oder die auf ein Auge blind sind. Waren aber die Personen mit den hier aufgez\u00e4hlten Gebrechen in der Stadt bekannt, so dass man an ihr \u00c4u\u00dferes gewohnt ist, so d\u00fcrfen sie den Segen erteilen, da man sie nicht auffallend finden wird. Zu den Unzul\u00e4ssigen sind noch solche zu z\u00e4hlen, deren H\u00e4nde buntscheckig oder von Farben durchfressen sind \u05d0\u05b4\u05e1\u05b8\u05d8\u05b4\u05e1; waren aber die meisten Stadtbewohner mit Farben-Arbeiten besch\u00e4ftigt, so sind solche Fehler nicht in Betracht zu ziehen, da sie dann nicht die Aufmerksamkeit der Gemeinde auf sich ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>3) Unter S\u00fcndhaftigkeit in diesem Falle ist zu verstehen, wenn je ein Kohen einen Mord begangen; obgleich er Bu\u00dfe getan, darf er Niemals die H\u00e4nde zum Segen erheben, denn es hei\u00dft: \u00bbEure H\u00e4nde sind voll Blut und wenn ihr eure H\u00e4nde ausbreitet usw.\u00ab (Jes. 1:15). Ein Kohen, der irgendeinmal G\u00f6tzen gedient, sei es aus Zwang oder Versehen, darf Niemals die H\u00e4nde zum Segen erheben, denn es hei\u00dft: \u00bbDie Priester der G\u00f6tzenalt\u00e4re m\u00f6gen nicht aussteigen\u00ab; die Segenserteilung aber ist ganz gleich, wie der Opferdienst im Tempel, denn es hei\u00dft: \u00bbIhm zu dienen und in seinem Namen zu segnen\u00ab. Ebenso darf ein Priester, der wegen G\u00f6tzendienst ein Gesetz \u00fcbertreten hat, nie die H\u00e4nde zum Segen erheben, auch wenn er nachher daf\u00fcr Bu\u00dfe getan. \u2014 Alle \u00fcbrigen S\u00fcnden sind nicht hinderlich.<\/p>\n\n\n\n<p>4) Das Alter ist insofern ein Hindernisse, dass der noch bartlose junge Kohen nicht segne. \u2014 Wein entfernt einen Kohen vom Segensspruch: Wenn er ein Quart \u05e8\u05b0\u05d1\u05b4\u05d9\u05e2\u05b4\u05d9\u05ea Wein auf einmal getrunken, so muss man warten, bis er verfl\u00fcchtet ist. Dies Gesetz gilt, weil die Segenserteilung dem Opferdienste ganz gleich ist. Trank er aber ein Quart Wein in zwei Malen oder tat Wasser darein, so ist es zul\u00e4ssig; hat er aber mehr als ein Quart getrunken, der Wein mag auch gemischt gewesen oder auch in mehreren Prisen genommen sein, so darf er doch nicht fr\u00fcher den Segen erteilen, als bis sein Rausch weg ist. Unter Quart verstehen wir zwei Quadratfinger \u05d0\u05b6\u05e6\u05b0\u05d1\u05b8\u05bc\u05e2\u05b7\u05d9\u05b4\u05dd auf zwei und 1\/2 und 1\/5 Finger H\u00f6he, mit dem Daumen gemessen (75 cm3). In der ganzen Tora, wo von dem Fingerma\u00df die Rede ist, versteht man nur den Daumen darunter, was man \u05d1\u05b9\u05bc\u05d4\u05b6\u05df \u05d4\u05b7\u05d9\u05b8\u05bc\u05d3 nennt.<\/p>\n\n\n\n<p>5) Unreinheit der H\u00e4nde hei\u00dft hier so viel, dass der Kohen, ohne die H\u00e4nde gewaschen zu haben, sie nicht zum Segen erheben darf, sondern er reinige sie bis zum Gelenke, ganz wie man sich zum Opferdienst heiligen muss und spreche erst dann den Segen. Denn es hei\u00dft: \u00bbErhebt die H\u00e4nde in Heiligkeit und segnet den Ewigen\u00ab. Ein Entweihter \u05d7\u05b8\u05dc\u05b8\u05dc darf die H\u00e4nde nicht zum Segen erheben, weil er in der Priesterschaft nicht fungiert.<\/p>\n\n\n\n<p>6) Hat ein Kohen keins von diesen Hindernissen, so erhebe er die H\u00e4nde zum Segen, er mag auch weder gelehrt noch fromm sein, m\u00f6ge sein N\u00e4chster ihm sogar \u00dcbles Nachreden oder er m\u00f6ge sonst in Gesch\u00e4ften nicht redlich sein, so ist dies ihm nicht hinderlich. Denn jedem Kohen ist es von der Schrift her geboten, den Segen zu erteilen. Nun ist es doch jedenfalls verboten, einen S\u00fcnder zu bereden, noch eine S\u00fcnde zu begehen, indem er die Erf\u00fcllung der Gebote, (z.B. in Hinsicht des Segens), unterlie\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>7) Du musst aber nicht glauben, dass der Segen eines ordin\u00e4ren Menschen nichts helfen kann! \u2014 Die Erf\u00fcllung des Segens h\u00e4ngt ja nicht vom Kohen ab, sondern vom Heiligen, gelobt sei Er; denn es hei\u00dft: \u00bbSie m\u00f6gen meinen Namen auf die Kinder Israel tun,\u2014 und Ich werde sie segnen\u00ab, also der Kohen erf\u00fcllt blo\u00df die ihm auferlegte Pflicht. Der Heilige aber, gelobt sei Dessen Name, segnet in Seiner Gnade das Volk Israel nach Seinem Willen.<\/p>\n\n\n\n<p>8) Das Volk, welches sich im R\u00fccken der Kohanim befindet, ist nicht im Segen eingeschlossen, wohl aber diejenigen, welche sich an den Seiten befinden. Ist eine Scheidewand zwischen den Kohanim und dem Gesegneten und w\u00e4re sie auch eine eiserne, so sind diese mit inbegriffen, wenn ihr Gesicht nur zu den Kohanim gekehrt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>9) Das H\u00e4ndeerheben findet in Gegenwart von Zehn statt, die Kohanim selbst werden auch mitgerechnet. Wenn in einer Synagoge sich nur Kohanim befinden, so erheben Alle die H\u00e4nde zum Segen, indem sie sowohl ihre Br\u00fcder im Norden, als im S\u00fcden in Gedanken haben; die Frauen und Kinder antworten mit Amen. Bleiben da aber, au\u00dfer den Segnenden, noch zehn weitere Kohanim \u00fcbrig, so sprechen die zehn Amen und die andern den Segen (und besteigen nicht das Podium).<\/p>\n\n\n\n<p>10) War in einer Gemeinde kein anderer Kohen, au\u00dfer dem Vorbeter selbst, so darf er zum Segen die H\u00e4nde nicht erheben. Ist er aber \u00fcberzeugt, dass er den Segen erteilen und darauf zum Gebete ohne Irrtum wiederkehren kann, so ist solches ihm gestattet. Ist aber in der Gemeinde gar kein Kohen, so spreche der Vorbeter vor der Segensformel \u00bbTue Friede\u00ab, die Worte: unser Gott und Gott unsrer V\u00e4ter, segne uns mit dem dreifachen Segen, der geschrieben steht in der Tora, durch Deinen Knecht Moses und ausgesprochen ist vom Munde Ahrons und seiner Kinder, der Priester Deines heiligen Volkes, wie es auch hei\u00dft: \u00bbEs segne dich der Ewige und beh\u00fcte dich, es erleuchte der Ewige dir Sein Angesicht und habe f\u00fcr dich Gnade, es erhebe der Ewige Sein Angesicht \u00fcber dich und tue dir Frieden; und sie sollen Meinen Namen auf die Kinder Israel tun und Ich werde sie segnen\u00ab. Das Volk aber antwortet nicht mit Amen, sondern er setzt die Formel: \u00bbTue Friede\u00ab ohne Weiteres fort.<\/p>\n\n\n\n<p>11) Wenn ein Kohen der in einer Synagoge die H\u00e4nde zum Segen schon erhoben hat, nach einer anderen Synagoge kommt und die Gemeinde im Gebete noch nicht zum Segen der Kohanim gelangt ist, so erhebe er auch da die H\u00e4nde und segne sie, wenn dies sogar mehrere Mal im Tage geschehen sollte. Ein Kohen, der seinen Platz, als der Vorbeter schon den Segen \u00bbEs sei dir zum Wohlgefallen \u00ab \u05e8\u05b0\u05e6\u05b5\u05d4 angefangen, nicht verlassen hat, um zum Segenerteilen zu gehen, darf in diesem Gebete nicht auf das Podium steigen. Hat er sich aber zu gehen angeschickt und ist er zum Podium erst nach jener dem Segen f\u00fcr den Tempeldienst \u05e2\u05b2\u05d1\u05d5\u05b9\u05d3\u05b8\u05d4 gelangt, so besteige er es immerhin und spreche den Segen.<br>12) Ein Kohen, der nicht den Segen erteilt, ist, obgleich er gegen ein Gebot der Schrift gefehlt, doch als ein solcher zu betrachten, der drei Gebote \u00fcbertreten hat, denn es hei\u00dft: \u00bbSo sollt ihr segnen die Kinder Israels\u00ab (Num. 6:23), \u00bbSie m\u00f6gen zu ihnen sprechen\u00ab (ebenda), \u00bbUnd sie sollen einen Namen tun.\u00ab (6:27). Ein Kohen, der nicht segnet, wird auch nicht gesegnet; ein Kohen, der da segnet, wird auch selbst gesegnet, denn es hei\u00dft: \u00bbIch werde segnen deine Segner\u00ab (Gen. 12:3).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/mischne-tora\/\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"198\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/mischt.png?resize=200%2C198&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-3324\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/mischt.png?w=200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/mischt.png?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/mischt.png?resize=120%2C120&amp;ssl=1 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><\/figure><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/mischne-tora\/\">Eine \u00dcbersicht aller Kapitel der Mischne Torah (und der verf\u00fcgbaren \u00dcbersetzungen) findet man hier.<\/a><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesetze \u00fcber das Gebet und den Priestersegen, enthaltend zwei Gebote: 1) dass man Gott jeden Tag durch Gebet diene, 2) dass die Kohanim, t\u00e4glich dem Volk Israel Segen erteilen, deren Erl\u00e4uterung in nachfolgenden Kapiteln gegeben wird. <\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":3847,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,210,101,252],"tags":[151],"class_list":["post-3893","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-creative-commons","category-deutsche-torah","category-mischne-torah","tag-maimonides"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/hilchot_teffilah.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3893","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/32"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3893"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3893\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9494,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3893\/revisions\/9494"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3847"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3893"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3893"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3893"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}