{"id":4107,"date":"2019-01-08T11:46:16","date_gmt":"2019-01-08T09:46:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=4107"},"modified":"2023-04-18T08:47:19","modified_gmt":"2023-04-18T06:47:19","slug":"more-newuchim-buch-1-kapitel-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-buch-1-kapitel-1\/","title":{"rendered":"More Newuchim \u2013 Buch 1 \u2013 Kapitel 1"},"content":{"rendered":"\n<p>Aus dem \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab, dem <em>More Newuchim<\/em>, in der \u00fcberarbeiteten deutschen \u00dcbersetzung von Dr. Adolf Weiss.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstes Kapitel.<\/strong> Erkl\u00e4rung der Worte <em>zelem<\/em> und <em>d&#8217;mut<\/em>, welche die Bedenken beseitigen soll, die sich aus den Worten ergeben: \u00bbGott hat den Menschen in seinem Ebenbilde erschaffen\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Seit jeher glauben manche, dass das Wort <em>zelem<\/em>, (Bild) in der hebr\u00e4ischen Sprache auf die Figur und Gestalt eines Dinges hinweise. Dies f\u00fchrte dahin, dass sie infolge des Ausspruches der Heiligen Schrift \u00bbWir wollen einen Menschen machen nach unserem Bilde (<em>b\u2018zalmenu<\/em>), in \u00c4hnlichkeit mit uns (<em>kid\u2018mu tenu<\/em>)\u00ab <span>[Gen. 1, 26]<\/span>, sich Gott absolut als k\u00f6rperliches Wesen vorstellten. Sie glaubten also, dass Gott die Form eines Menschen habe, d. h. seine Figur und Gestalt. Daraus folgte f\u00fcr sie unabweisbar, dass Gott ein k\u00f6rperliches Wesen sei; sie glaubten daran und meinten, dass sie die <span>Tora<\/span>((Dr. Adolf Weiss hat dieses Wort stets mit \u00bbHeilige Schrift\u00ab (oder\u00abH. Schrift\u00ab) \u00fcbertragen. Im hebr\u00e4ischen Text von Samuel ibn Tibbon ist jedoch an diesen Stellen immer von \u00bbTora\u00ab die Rede. Dementsprechend wurde dies hier wieder im urspr\u00fcnglichen Sinn \u00fcbertragen.)) verleugnen w\u00fcrden, wenn sie sich von diesem Glauben lossagten. Auch meinten sie, dass sie Gott als nichtexistierend setzten, wenn er nicht ein K\u00f6rper w\u00e4re wie sie, mit Angesicht und H\u00e4nden, \u00e4hnlich den ihrigen in Figur und Gestalt, allerdings nach ihrer Meinung gr\u00f6\u00dfer und durchsichtiger, dessen Materie auch nicht aus Fleisch und Blut bestehe. Dies hielten sie f\u00fcr die vollkommenste Vorstellung der Erhabenheit Gottes. Du wirst indessen die Beweise f\u00fcr alles dieses, n\u00e4mlich f\u00fcr das, was notwendig \u00fcber die Unk\u00f6rperlichkeit Gottes und \u00fcber die Feststellung seiner Einheit, die nur bei der Negation der K\u00f6rperlichkeit wahr sein kann, gesagt werden muss, in diesem Buch kennen lernen. Hingegen bemerken wir, dass wir hier lediglich die Worte <em>zelem<\/em>, (Bild) und <em>d\u2018mut<\/em>, (\u00c4hnlichkeit) erl\u00e4utern wollen. Ich sage also, dass zur volkst\u00fcmlichen Bezeichnung der Form, welche die Figur und Gestalt eines Dinges ist, in der hebr\u00e4ischen Sprache ausschlie\u00dflich das Wort <em>toar<\/em> (Gestalt) gebraucht wird. So sagt die Heilige Schrift: \u00bbSch\u00f6n von Gestalt (<em>toar<\/em>) und sch\u00f6n von Angesicht\u00ab <span>[Gen. 39, 6]<\/span>;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWie war seine Gestalt (<em>toaro<\/em>)?\u00ab <span>[1. Sam. 28, 14]<\/span>; \u00bbGleich der Gestalt (<em>ketoar<\/em>) der K\u00f6nigss\u00f6hne\u00ab <span>[Richter 8, 18]<\/span>. Es wird auch gebraucht von der Form, die durch die Kunst hergestellt wird, z. B.: \u00bbEr formt es <em>jetoarehu<\/em> mit dem Griffel und gestaltet es mit dem Zirkel\u00ab <span>[Jes. 44, 13]<\/span>. Dies aber ist eine Bezeichnung, die niemals, das sei ferne, auf Gott angewandt wird. Hingegen bezieht sich das Wort <em>zelem<\/em> auf die nat\u00fcrliche Form, d. h. auf dasjenige, was das Wesen eines Dinges ausmacht und wodurch es das ist, was es ist. Diese macht das wahre Wesen eines Dinges aus, weil es durch sie dieses Seiende ist, dessen Begriff nur im Menschen vorhanden ist, dasjenige, um dessen willen der Begriff \u00bbMensch\u00ab existiert, n\u00e4mlich die Vernunfterkenntnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wegen dieser Vernunfterkenntnis wird vom Menschen gesagt: \u00bbIm Ebenbilde (<em>b\u2018zelem<\/em>) Gottes schuf er ihn\u00ab <span>[Gen. 1, 27]<\/span>.<\/p>\n\n\n\n<p>Und in diesem Sinne ist auch der Ausspruch gemeint: \u00bbDu verachtest ihr Bild (<em>zalmam<\/em>)\u00ab <span>[Ps. 73, 20]<\/span>. Denn die Verachtung kann sich ja nur auf die Seele beziehen, welche die die Art bildende Form ist, nicht aber auf die Beschaffenheit und Figur der Gliedma\u00dfen. Ebenso behaupte ich, dass, wenn man die G\u00f6tzenbilder <em>z\u2018lamim<\/em> nennt, dies seinen Grund darin hat, weil das, was man von ihnen verlangt, nicht aber ihre Figur und Gestalt die in ihnen gedachte Bedeutung ist. Dies gilt auch von dem Ausspruch \u00bbdie Bilder (zalme) eurer Geschw\u00fclste\u00ab <span>[I. Sam. 6, 11]<\/span>, denn das, was man mit ihnen wollte, war die Abwendung der Beulenplage, nicht aber ihre Gestalt. Sollten aber die Bilder der Geschw\u00fcre und die G\u00f6tzenbilder aus keinem anderen Grunde als wegen ihrer Figur und Gestalt <em>z\u2018lamim<\/em> genannt werden k\u00f6nnen, dann ist das Wort <em>zelem<\/em> entweder homonym oder zweideutig.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann sowohl auf die die Art bildende, als auch auf die k\u00fcnstliche Form ebenso wie auf das ihr \u00c4hnliche der Beschaffenheit und Gestalt der nat\u00fcrlichen K\u00f6rper angewendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann aber ist das, was man mit dem Satz ausdr\u00fccken wollte: \u00bbWir wollen einen Menschen machen nach unserem Ebenbilde\u00ab <span>[Gen. 1, 26]<\/span> die die Art bildende Form, n\u00e4mlich die Vernunfterkenntnis, nicht aber die Gestalt und Figur. Jetzt haben wir also den Unterschied zwischen <em>zelem<\/em> und toar und die Bedeutung von <em>zelem<\/em> erkl\u00e4rt. Das Wort <em>d&#8217;mut<\/em>, (\u00c4hnlichkeit) aber ist ein von<em> dama<\/em>, (\u00e4hnlich sein) abgeleitetes Wort und es bedeutet ebenfalls eine \u00c4hnlichkeit in irgendeiner Hinsicht, z. B. \u00bbIch gleiche (<em>damiti<\/em>) dem Pelikan der W\u00fcste\u00ab <span>[Ps.\u00a0102,\u00a07]<\/span>. Dies bedeutet nicht, dass der Dichter einem Pelikan in Bezug auf seine Fl\u00fcgel und sein Gefieder \u00e4hnlich sei, sondern dass seine Traurigkeit der des Pelikans gleiche. \u00bbKein Baum im Garten Gottes glich (<em>dama<\/em>) ihm an Sch\u00f6nheit\u00ab <span>[Jechezkel\u00a031,\u00a08]<\/span>. Hier bezieht sich der Vergleich auf die Sch\u00f6nheit. \u00bbIhr Gift ist \u00e4hnlich <em>d&#8217;mut <\/em>dem Schlangengift\u00ab <span>[Ps.\u00a058,\u00a05]<\/span>, oder \u00bbEr gleicht (<em>dimjon<\/em>) einem L\u00f6wen\u00ab <span>[Ps.\u00a017,\u00a012]<\/span>. Dies alles bedeutet \u00c4hnlichkeiten in einer gewissen Hinsicht, nicht in der Gestalt und Figur. So bedeutet \u00bbDas Bild (<em>d&#8217;mut<\/em>) des Thrones\u00ab <span>[Jechezkel 1, 26]<\/span> eine \u00c4hnlichkeit im Begriffe der Hoheit und Erhabenheit, nicht aber hinsichtlich seiner Quadratur, seiner Dicke und der L\u00e4nge seiner F\u00fc\u00dfe, wie manche sich die Bedeutung vorstellen. Ebenso \u00bbdas Bild (<em>d&#8217;mut<\/em>) der Chajot\u00ab (Tiergestalten) <span>[ebenda 1, 1a]<\/span>. Da nun der Mensch eine besondere Eigent\u00fcmlichkeit besitzt, die in ihm sehr merkw\u00fcrdig ist, weil sie bei keinem unter der Mondsph\u00e4re existierenden Dinge vorkommt, n\u00e4mlich die Ver\u00adnunfterkenntnis, die sich keines Sinnes bedient und nicht eine T\u00e4tigkeit des K\u00f6rpers, eines Gliedes oder eines K\u00f6rperteiles ist, hat die <span>Tora<\/span> diese mit der Vernunft des Sch\u00f6pfers verglichen, die nicht durch ein Werkzeug sich offenbart. Es ist zwar in Wahrheit keine \u00c4hnlichkeit, scheint aber den Anf\u00e4ngern im Denken eine \u00c4hnlichkeit zu sein. Wir sagen nun vom Menschen wegen dieses Umstandes, n\u00e4mlich wegen der g\u00f6ttlichen Vernunft, die ihm anhaftet, dass er im Bilde Gottes und in der \u00c4hnlichkeit mit Gott geschaffen ist, nicht aber weil Gott ein K\u00f6rper mit Gestalt ist.<\/p>\n\n\n\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-678cc482\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns alignfull has-1-columns has-desktop-equal-layout has-tablet-equal-layout has-mobile-collapsedRows-layout has-reverse-columns-mobile has-vertical-bottom ticss-c00aadba\"><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-overlay\"><\/div><div class=\"innerblocks-wrap\">\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column-4d412c51\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column\">\n<h2 id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\">More Newuchim<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#fefefe\">Der \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-primary\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-text-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\"><strong>Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>\n  <a rel=\"license\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\"><br>\n    <img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/licensebuttons.net\/p\/zero\/1.0\/88x31.png?w=840&#038;ssl=1\" style=\"border-style: none;\" alt=\"CC0\"><br>\n  <\/a><br>\n  <br>\n  To the extent possible under law,<br>\n  <a rel=\"dct:publisher\" href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\"><br>\n    <span property=\"dct:title\">talmud.de<\/span><\/a><br>\n  has waived all copyright and related or neighboring rights to<br>\n  <span property=\"dct:title\">F\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen \u2013 More Newuchim<\/span>.<br>\nThis work is published from:<br>\n<span property=\"vcard:Country\" datatype=\"dct:ISO3166\" content=\"DE\" about=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\"><br>\n  Deutschland<\/span>.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 1 aus dem \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab, dem More Newuchim, in deutscher \u00dcbersetzung. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4000,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[262],"tags":[117],"class_list":["post-4107","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fuehrer-der-unschluessigen","tag-creative-commons"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/mor_new_titelblatt.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4107"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4107\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9505,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4107\/revisions\/9505"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4000"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}