{"id":4118,"date":"2019-01-07T23:24:31","date_gmt":"2019-01-07T21:24:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=4118"},"modified":"2023-04-18T08:46:15","modified_gmt":"2023-04-18T06:46:15","slug":"more-newuchim-buch-1-einfuehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-buch-1-einfuehrung\/","title":{"rendered":"More Newuchim \u2013 Buch 1 \u2013 Einf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00bbLehre mich den Weg, den ich gehen soll, denn zu Dir, Herr, erhebe ich meine Seele!\u00ab Psalm 143, 8<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEuch, ihr M\u00e4nner, rufe ich, mein Ruf ergeht an die Menschens\u00f6hne!\u00ab <br>Spr\u00fcche 8,4<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNeige dein Ohr, vernimm die <br>Worte der Weisen, und richte deinen Sinn darauf, mich zu verstehen!\u00ab Spr\u00fcche 22, 17<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Gegenstand dieser Abhandlung ist, die Bedeutung gewisser W\u00f6rter zu erl\u00e4utern, die in den B\u00fcchern der Prophetie vorkommen. Von diesen sind einige homonym((Dasselbe Wort kann in mehreren Bedeutungen gebraucht werden.)) , die aber die Unwissenden nur in einer ihrer homonymen Bedeutungen an\u00adwenden; andere wieder sind fig\u00fcrlich, die sie gleichfalls nur nach ihrer ersten Bedeutung verstehen, aus welcher sie \u00fcber\u00adtragen wurden, und noch andere zweifelhaft, die man bald als Synonyme, bald als Homonyme betrachtet. Es ist nun keineswegs die Tendenz dieses Werkes, alle diese der gro\u00dfen Menge verst\u00e4ndlich zu machen, so wie auch nicht denen, die Anf\u00e4nger im Studium sind, oder denen, die sich blo\u00df mit dem Studium der Gotteslehre, n\u00e4mlich mit ihrer traditionellen((Mit der Mischna (Wiederholung) einer im Anfang des dritten Jahrhunderts von Rabbi Jehuda ha Nassi redigierten Sammlung der m\u00fcndlich \u00fcberlieferten Religionsvorschriften. und der Gemara (Vollendung) einer Sammlung der Verhandlungen der in der Zeit nach dem Abschlu\u00df der Mischna wirkenden Gesetzeslehrer (Amoraer) \u00fcber die in der Mischna enthaltenen Gesetze. Die Gemara, bei welcher die jerusalemische von der babylonischen zu unter\u00adscheiden ist, fand gegen das Jahr 500 ihren Abschlu\u00df. Mischna und Gemara vereinigt bilden den Talmud (Lehre, Studium).)) Auslegung befassen; vielmehr ist der Gegenstand dieses Buches im ganzen und in allen seinen Teilen das Verst\u00e4ndnis der Tora nach der Wahrheit, und es hat zum Zwecke, dem\u00adjenigen eine Anleitung zu geben, welcher der Religion kundig und mit dem Gesetze vertraut ist, der an die Wahrheit der Tora glaubt und in seinem Glauben und Charakter untadelig ist, der aber Philosophie studiert hat und ihre Probleme kennt, und den die menschliche Vernunft angezogen hat, um ihn in ihrem Bereiche wohnen zu lassen. Ein solcher wird durch die w\u00f6rtliche Auffassung des Schriftwortes und dadurch, dass er, weil er nun einmal entweder aus eigener Einsicht oder durch Belehrung von anderer Seite immerfort an den w\u00f6rt\u00adlichen Bedeutungen dieser homonymen, metaphorischen und zweifelhaften W\u00f6rter festh\u00e4lt, in Unruhe versetzt und ver\u00adbleibt dar\u00fcber in Ungewissheit und Ratlosigkeit. Entweder folgt er seiner Vernunft und verwirft das, was er von dem Sinne dieser W\u00f6rter wei\u00df und dann denkt er, er habe die Grund\u00adlehren der Religion preisgegeben, oder er wird bei seiner Auffassung bleiben, die er bisher festgehalten hatte, und seiner Ver\u00adnunft nicht folgen, sie vielmehr hinter sich werfen und sich von ihr abkehren; dann wird er gewahr werden, dass er sich selbst einen Verlust und der Heiligen Schrift einen Nachteil zuge\u00adzogen hat. Er wird, wenn er bei diesen eingebildeten Meinun\u00adgen bleibt, ihretwegen in Furcht und in gedr\u00fcckter Gem\u00fcts\u00adverfassung sein und unaufh\u00f6rlich Herzeleid und arge Verlegen\u00adheit empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Buch hat aber auch noch eine zweite Aufgabe, n\u00e4m\u00adlich die sehr dunkeln Gleichnisse zu erkl\u00e4ren, die in den Prophetenb\u00fcchern vorkommen, ohne dass sie als Gleichnisse ausdr\u00fccklich bezeichnet werden, die aber die Unwissenden und diejenigen, denen es an \u00dcberlegung mangelt, nach ihrem Wort\u00adsinn auffassen, als h\u00e4tten sie keinen tieferen Inhalt. Be\u00adtrachtet nun diese Gleichnisse einer, der die Wahrheit kennt, und fasst sie w\u00f6rtlich auf, so wird er gleichfalls in arge Ver\u00adlegenheit geraten. Wenn wir ihm jedoch das Gleichnis erkl\u00e4ren, oder ihn darauf aufmerksam machen, dass es ein Gleichnis ist, so wird er dem entgehen und von dieser Ungewissheit befreit werden. Deshalb habe ich dieses Buch \u00bbF\u00fchrer der Un\u00adschl\u00fcssigen\u00ab genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich behaupte jedoch nicht, dass dieses Buch denen, die es verstehen, alle Zweifel bannen wird, wohl aber, dass es die wichtigsten zum gr\u00f6\u00dften Teile beseitigen wird. Der vern\u00fcnftige Leser wird auch weder verlangen noch erwarten, dass ich bei der Er\u00f6rterung irgend eines Gegenstandes diesen bis zu Ende ausf\u00fchre oder bei dem Versuche, den Gedanken eines Gleich\u00adnisses zu erkl\u00e4ren, alles ersch\u00f6pfend auseinandersetze, was in diesem Gleichnis gesagt worden ist. Das kann ein Verst\u00e4ndiger nicht einmal m\u00fcndlich dem gegen\u00fcber, mit dem er von Ange\u00adsicht zu Angesicht spricht, geschweige denn in einem von ihm verfassten Buch. Denn dieses w\u00e4re sonst die Zielscheibe der Angriffe jedes sich f\u00fcr weise haltenden Toren, der die Pfeile dagegen richtete, die abzuschnellen seine Unwissenheit ihn veranlasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon in unserem Werk \u00fcber den Talmud((N\u00e4mlich im Mischnakommentar und dem Mischne-Tora.)) erl\u00e4uterten wir manche Grunds\u00e4tze dieser Art und regten zum Denken \u00fcber viele derartige Gegenst\u00e4nde an. Wir erw\u00e4hnten dort, dass <a id=\"_idIndexMarker000\"><\/a><em>Ma&#8217;ase Bereschit<\/em>Die biblische Sch\u00f6pfungsgeschichte (Genesis 1), die mit dem Worte <em>Bereschit<\/em> (Im Anfang) beginnt, von den Rabbinen aber als die Er\u00f6rterung aller mit der Welterschaffung zusammenh\u00e4ngenden Fragen verstanden wird. die Naturwissenschaft, hingegen <a id=\"_idIndexMarker001\"><\/a><em>Ma&#8217;ase Merkawah<\/em>((Die Schilderung des Thronwagens der g\u00f6ttlichen Majest\u00e4t (Jechezkel Kapitel 1) der man, weil man ihren Sinn nicht verstand, tiefe Geheimnisse vermutete. Auch die Entstehung der Kabbala ist auf die Versuche zur\u00fcckzuf\u00fchren, diese schwierige Bibelstelle zu erkl\u00e4ren.)) die Metaphysik bedeute. Wir erkl\u00e4rten dort auch den Ausspruch unserer Lehrer: \u00bbMan unterrichte \u00fcber <em>Merkawah<\/em> sogar einen einzelnen Sch\u00fcler nur dann, wenn er ein Ge\u00adlehrter ist und die Sache aus eigener Einsieht versteht. In diesem Falle darf man ihm die Hauptsachen mitteilen\u00ab. Daher wirst du von mir nur die Hauptsachen fordern d\u00fcrfen, und auch diese sind in dem vorliegenden Werke nicht geordnet und nicht in logischer Folge gegeben, sondern zerstreut und mit anderen Gegenst\u00e4nden, die ich zu erkl\u00e4ren w\u00fcnschte, vermengt, weil es meine Absicht war, dass die Wahrheit zwar durch diese Erl\u00e4uterungen sichtbar werde, sich dann aber wieder der allgemeinen Kenntnis entziehe. Ich wollte nicht in ungeziemender Weise der Absicht Gottes zuwiderhandeln, die es so eingerichtet hat, dass die Wahrheiten, die sich insbe\u00adsondere auf die Erkenntnis Gottes beziehen, der gro\u00dfen Menge vorenthalten bleiben nach dem Spruch: \u00bbDas Geheimnis Gottes ist f\u00fcr die, die ihn f\u00fcrchten\u00ab [Ps. 25,14].<\/p>\n\n\n\n<p>Wisse jedoch, dass man auch gewisse Prinzipien der Natur\u00adwissenschaft nicht in der Weise allgemein bekannt machen darf, dass man sie so, wie sie an sich sind, ausdr\u00fccklich er\u00f6rtert. Du kennst ja den Ausspruch der Weisen: \u00bbMan trage <a id=\"_idIndexMarker003\"><\/a><em>Ma&#8217;ase Bereschit<\/em> nicht vor zwei J\u00fcngern vor\u00ab. Wenn nun jemand alle diese Dinge in einem Buch abhandelt, dann ist es so, als ob er sie Tausenden von Menschen gepredigt h\u00e4tte. Deshalb sind auch diese Dinge in den B\u00fcchern der Prophetie nur in Bildern dargestellt, und deshalb haben unsere Lehrer von ihnen nur in Gleichnissen und Allegorien gesprochen, indem sie sich hierin nach der Methode der Heiligen Schrift richteten, weil ja zwischen diesen Dingen und der Metaphysik ein inniger Zu\u00adsammenhang besteht. Auch sie geh\u00f6ren zu den Geheimnissen der theologischen Wissenschaft. Du darfst auch nicht glauben, dass diese wichtigen Geheimnisse irgend jemand von uns bis zu ihrem letzten Ende bekannt sind. Dem ist nicht so. Viel\u00admehr leuchtet uns nur manchmal die Wahrheit hervor, so dass wir meinen, es ist Tag; dann aber entziehen Materie und Lebensweise sie wieder unseren Blicken, so dass wir wieder in finsterer Nacht sind, fast wie zuvor. Wir gleichen dann einem, dem dann und wann ein Blitz aufleuchtet, w\u00e4hrend er in dich\u00adter, n\u00e4chtlicher Finsternis weilt. Es gibt aber nun Leute, denen der Blitz einmal nach dem andern mit geringer Unter\u00adbrechung aufleuchtet, so dass sie fast in einem best\u00e4ndigen, ununterbrochenen Licht weilen und ihnen die Nacht zum Tag wird. Dies ist die Stufe des gr\u00f6\u00dften der Propheten, zu dem Gott sprach: \u00bbDu aber bleibe hier bei mir!\u00ab [Deut. 5, 33], oder von dem gesagt wird, dass \u00bbdie Haut seines Antlitzes strahlte\u00ab [Exod. 34, 21]. Ferner gibt es solche, denen es nur ein einziges Mal in ihrer ganzen Nacht aufblitzt. Dies ist die Stufe derjenigen, von denen gesagt wird: \u00bbSie weissagten, fuhren aber nicht fort\u00ab [Num. 11, 25]. Es gibt andere, denen zwischen Blitz und Blitz l\u00e4ngere oder k\u00fcrzere Abst\u00e4nde sind, aber auch solche, die niemals zu der Stufe gelangen, dass ihre Finsternis je durch ein Licht erhellt w\u00fcrde, sondern h\u00f6chstens durch einen reinen und durchsichtigen K\u00f6rper, wie etwa Steine oder K\u00f6rper, die in finsterer Nacht leuchten, wenn auch ihr Licht nur schwach ist und uns gleichfalls nicht immer leuchtet, sondern leuchtet und verschwindet, wie die \u00bbsich ver\u00e4ndernde Flamme des Schwertes\u00ab [Gen. 3, 24]. Solcherart verschieden sind die Grade der Vollkommenen. Diejenigen aber, die \u00fcberhaupt kein Licht sehen, auch nicht Einen Tag, sondern in der Finsternis umhertappen, sind die\u00adjenigen, von denen gesagt wird: \u00bbSie erkennen und verstehen nichts, im Finstern wandeln sie\u00ab [Ps. 82, 5]. Ihnen bleibt die Wahrheit g\u00e4nzlich verborgen, ungeachtet der St\u00e4rke ihres Er\u00adscheinens, und von ihnen wird gesagt: \u00bbSie sehen das Licht nicht, welches hell am Firmament leuchtet\u00ab [Ijob 36, 21]. Und dies ist die gro\u00dfe Masse, mit welcher uns zu befassen in diesem Buch kein Anlass ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber einer der Vollkommenen je nach der Stufe seiner T\u00fcchtigkeit etwas von dem, was er mit Bezug auf diese Geheim\u00adnisse tats\u00e4chlich begriffen hat, m\u00fcndlich oder schriftlich einem andern erkl\u00e4ren will, so kann er das geringe Ma\u00df dessen, was er begriffen hat, nicht vollst\u00e4ndig und in logischer Folge dar\u00adlegen, wie er dies bei den anderen Wissenschaften getan h\u00e4tte, deren Studium allgemein zug\u00e4nglich ist. Vielmehr wird ihm, wenn er einen andern darin unterrichtet, dasselbe widerfahren wie zur Zeit, als er es im eigenen Studium f\u00fcr sich erwarb; n\u00e4mlich der Gegenstand wird, als w\u00e4re es seine Natur, bald hell sichtbar werden und bald sich wieder verh\u00fcllen, gleich\u00adviel ob er viel oder wenig davon wei\u00df. Deshalb durften die gro\u00dfen Metaphysiker und Theologen, die im Besitze der Wahr\u00adheit waren, wenn sie etwas davon lehren wollten, nur in Bildern und R\u00e4tseln davon reden und mussten zahlreiche Allegorien anwenden, in der Art und sogar in der Gattung verschieden, indem sie den Gedanken, den sie verst\u00e4ndlich zu machen w\u00fcnschten, bald an den Anfang, bald in die Mitte oder an das Ende des Gleichnisses setzten, wenn es kein Gleichnis gab, welches dem Gedanken, den sie im Sinne hatten, vom Anfang bis zum Ende entsprach. Deshalb wird auch der Gegen\u00adstand, den man zu lehren beabsichtigt, wenn er auch an und f\u00fcr sich nur Einer ist, verteilt und in zahlreichen Bildern an weit auseinanderliegenden Stellen dargelegt. Noch schwieriger ist es, wenn das eine Bild, wie es oft der Fall ist, ein Bild f\u00fcr viele Gegenst\u00e4nde sein und man dessen Anfang auf einen, das Ende aber auf den andern Gegenstand beziehen kann. Manchmal aber ist das ganze Gleichnis ein Bild f\u00fcr zwei ver\u00adwandte Gegenst\u00e4nde, die demselben Zweige der Wissen\u00adschaft angeh\u00f6ren, so dass derjenige, der dar\u00fcber ohne Gleich\u00adnisse und Bilder sprechen wollte, entweder zu dunkel oder zu fl\u00fcchtig davon sprechen m\u00fcsste, und das k\u00e4me ja dem gleich, als wenn er im Bild und Gleichnis spr\u00e4che. Es ist, als ob hierin die Gelehrten und Wissenden nicht minder durch den Willen Gottes als von ihren eigenen Anlagen geleitet w\u00fcrden. Du siehst ja, dass Gott, als er uns vervollkommnen und die Lage unserer Volksmenge durch seine praktischen Gebote ver\u00adbessern wollte, an den Eingang seines heiligen Buches die Sch\u00f6pfungsgeschichte, d. i., wie wir sagten, die Naturwissen\u00adschaft, gestellt hat, weil die praktischen Gebote doch nur nach Erlangung von Vernunfterkenntnissen erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen, deren erste die m\u00f6glichste Erkenntnis Gottes ist. Diese wird aber durch die Metaphysik erreicht, zu der man jedoch nur mittelst der Naturwissenschaft gelangt, die ihr benachbart ist und ihr, wie es jedem klar ist, der diese Studien betrieben hat, im Unterrichte vorangehen muss. Aber wegen der Erhaben\u00adheit und hohen Bedeutung des Gegenstandes, und weil unser K\u00f6nnen unzureichend ist, die Wichtigkeit dieser Dinge, wie sie an sich sind, zu erfassen, hat uns Gott diese schwierigen Dinge, die f\u00fcr die Metaphysik notwendig sind, in Bildern, R\u00e4tseln und sehr dunkeln Worten mitgeteilt nach dem Aus\u00adspruch unserer Lehrer: \u00bbDa es unm\u00f6glich ist, die Gr\u00f6\u00dfe des Sch\u00f6pfungswerkes einem Sterblichen zu verk\u00fcnden, hat die Heilige Schrift uns mit dunkeln Worten angedeutet: \u00bbIm An\u00adfange schuf Gott\u00ab usw. [Gen. 1, 1]. Sie machen dich also darauf aufmerksam, dass diese hier genannten Dinge tiefe Ge\u00adheimnisse sind. Du kennst ferner den Ausspruch Salomos: \u00bbferne ist das, was ist, und sehr tief verborgen, wer kann es finden?\u00ab [Pred. 7, 25]. Man bediente sich also, indem man von diesen Dingen sprach, der doppelsinnigen W\u00f6rter, damit die gro\u00dfe Menge, dem Ma\u00dfe ihrer Einsicht und der Schw\u00e4che ihres Vorstellungsverm\u00f6gens entsprechend, sie in dem einen, der Vollkommene und T\u00fcchtige hingegen in einem andern Sinne auffasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits im Mischnakommentar habe ich in Aussicht gestellt, in einem Buch \u00fcber die Prophetie und einem Buch der Ausglei\u00adchung gewisse schwierige Dinge in den B\u00fcchern der Prophetie zu erl\u00e4utern, und das letztere haben wir dazu bestimmt, alle dunkeln Midraschim((W\u00f6rtlich: Forschung. In den Verhandlungen, welche die Gesetzeslehrer der pal\u00e4stinischen und der babylonischen Schulen f\u00fchrten, handelt es sich vor\u00adwiegend um die Feststellung dessen, was f\u00fcr die praktische Religions\u00fcbung als Norm zu gelten habe. Diese Norm wird aus dem Bibelworte abgeleitet, welches mit dem \u00e4u\u00dfersten Aufwande folgerichtigen Denkens und scharfsinnigen Unterscheidens auf seine wahre Absicht durchforscht wird. Alles, was in diesen Verhandlungen auf die praktische Gesetzgebung Bezug hat, wird mit dem Ausdruck \u00bb<em>Halacha<\/em>\u00ab, Richtschnur bezeichnet. Dieser geistige Wettkampf wird jedoch manchmal, je nachdem der Gegenstand es zulie\u00df oder sogar dazu einlud, von anderen Er\u00f6rterungen unterbrochen, in denen ohne Beschluss und ohne gesetz\u00adliche Verbindlichkeit nur Meinungen ausgetauscht werden, welche Fragen der Moral oder der biblischen Geschichte betreffen. Dieser Meinungsaustausch hei\u00dft <em>Agada<\/em>. Ihren Gegenstand bilden Sprichw\u00f6rter, Sentenzen, Parabeln, Fabeln, lehrhafte Erz\u00e4hlungen, Volkssagen, die Vorstellungen \u00fcber Unsterblichkeit, Auf\u00aderstehung und Vergeltung (Eschatologie), das Verh\u00e4ltnis Israels zu den anderen Nationen und vieles andere, was \u00fcberhaupt nicht in den Rahmen der Lehre f\u00e4llt. Man nennt diese Er\u00f6rterungen auch <em>Midrasch<\/em>, ein Name, der von dem hebr\u00e4ischen Verb \u00bb<em>darasch<\/em>, suchen\u00ab abgeleitet ist, indem man sich die Aufgabe stellte, im Gottesworte noch tiefere Gedanken zu suchen und zu finden, als die aus dem einfachen Wortlaut ersichtlichen. Als in sp\u00e4terer Zeit unter dem Druck der \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse namentlich in Pal\u00e4stina der Sinn f\u00fcr das ernste Gesetzesstudium geschwunden war, wurde dem trostbed\u00fcrftigen Volke der Midrasch ein neuer Quell der Erbauung. Er wurde nun auch in die Synagoge eingef\u00fchrt und im Anschluss an die gelesene Perikope vorgetragen, zu deren Erl\u00e4uterung er diente. Diese Synagogenvortr\u00e4ge wurden sp\u00e4ter gesammelt und nach der Reihenfolge der Bibelstellen, auf welche sie sich bezogen, geordnet. Diese Sammlungen hei\u00dfen jetzt <em>Midraschim<\/em>. Die verbreitetste ist die unter dem Namen <em>Midrasch rabbah<\/em> bekannte, die den Pentateuch nebst den B\u00fcchern Hoheslied, Rut, Klagelieder, Kohelet und Esther umfasst, welche in der Synagoge gelesen werden, ferner Midrasch Tanchuma, Pirke di R. Eliezer, Jalkut und andere.)) aufzuhellen, deren Wortlaut sich dem Anschein nach weit von der auf dem Wege des Denkens hervorgegangenen Wahrheit entfernt, die aber alle doch nur Gleichnisse sind. Als ich jedoch vor Jahren damit begann und einen Teil davon niederschrieb, missfiel es mir, mich auf die Erkl\u00e4rung nach dieser Methode eingelassen zu haben, weil ich einsah, dass wir im Falle der Beibehaltung der bildlichen Dar\u00adstellung und bei dem Verbergen dessen, was verborgen werden soll, die bisherige Methode nicht verlie\u00dfen und nur ein Indi\u00adviduum derselben Art mit einem andern vertauschten. Falls ich aber alles, was einer Erl\u00e4uterung bedurfte, erl\u00e4utert h\u00e4tte, so w\u00e4re diese meine Bem\u00fchung bei der Menge \u00fcbel angebracht, obgleich ich nichts anderes beabsichtigte, als die Gedanken der Midraschim und den einfachen Wortsinn der Prophetie volks\u00adt\u00fcmlich zu erkl\u00e4ren. Ich sah aber auch ein, dass ein Unwissen\u00adder aus der Menge der Rabbinen, wenn er die Midraschim liest, darin keine Schwierigkeiten findet, weil der Unwissende und Unbesonnene, der jeder Erkenntnis von der Natur des Seienden bar ist, das Unm\u00f6gliche nicht f\u00fcr undenkbar h\u00e4lt. Wenn sie aber ein Vollkommener und Achtungsw\u00fcrdiger liest, so entgeht er einem von beiden nicht: entweder fasst er sie w\u00f6rtlich auf und denkt schlecht \u00fcber den Verfasser, den er f\u00fcr einen Unwissenden h\u00e4lt &#8211; er k\u00e4me jedoch in diesem Falle nicht in Widerspruch mit den Grundlehren der Heiligen Schrift &#8211; oder er legt ihnen einen tieferen Inhalt bei. Damit w\u00e4re er wohl gut davongekommen und h\u00e4tte \u00fcber den Verfasser eine g\u00fcnstige Meinung erlangt, gleichviel ob ihm der tiefere Sinn des Ausspruches klar geworden ist oder nicht. \u00dcbrigens werden der Begriff der Prophetie, ihre Abstufungen und die in ihren B\u00fcchern angewandten Bilder in diesem Buch nach irgend einer der Erkl\u00e4rungsmethoden erl\u00e4utert. Aus diesen Erw\u00e4gungen stand ich davon ab, jene beiden B\u00fccher, so wie sie gedacht waren, zu verfassen, und begn\u00fcgte mich in der Dar\u00adstellung der Grundlehren der Religion und der allgemeinen Wahrheiten mit kurzen Andeutungen und den einer Erkl\u00e4rung nahekommenden Ausf\u00fchrungen, welche ich in dem gro\u00dfen Werke <a id=\"_idIndexMarker004\"><\/a>Mischne-Tora gegeben habe.<\/p>\n\n\n\n<p>n diesem Buch aber rede ich, wie gesagt, mit einem der Philosophie Beflissenen, der die wahre Wissenschaft kennt und an die Worte der Schrift glaubt, der jedoch hinsichtlich der darin enthaltenen Ideen durch die w\u00f6rtliche Auffassung der dunkeln Worte und der Gleichnisse in Ratlosigkeit geraten ist. Allerdings werden in diesem Buch auch Kapitel vor\u00adkommen, wo von keinem homonymen Worte die Rede sein wird. Ein solches Kapitel wird aber entweder f\u00fcr ein anderes Kapitel grundlegend sein oder auf eine der Bedeutungen eines homonymen Wortes hindeuten, die ich an jener Stelle nicht ausf\u00fchrlich besprechen wollte, oder es wird eines der Bilder erl\u00e4utern oder betreffs einer anderen Stelle darauf aufmerk\u00adsam machen, dass sie fig\u00fcrlich zu verstehen ist, oder das Ka\u00adpitel wird schwierige Dinge enthalten, an die manche infolge der Mehrdeutigkeit der W\u00f6rter im Gegensatze zur Wahrheit glauben, weil sie das Bild mit dem dadurch Dargestellten oder das Dargestellte mit dem Bilde verwechselten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Erw\u00e4hnung der Gleichnisse schicke ich folgende Vorbemerkung voraus: Der Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis alles dessen, was die Propheten gesprochen haben, und zur Er\u00adkenntnis seiner Wahrheit ist das Verst\u00e4ndnis der Gleichnisse und ihrer Bedeutung sowie der Erkl\u00e4rung ihrer Worte. Du kennst ja das Schriftwort: \u00bbDurch die Propheten lasse ich Gleichnisse vortragen\u00ab [Hosea 12, 11], oder den Spruch: \u00bbGib ein R\u00e4tsel auf und dichte ein Gleichnis\u00ab [Jechezkel 17, 2], und du wei\u00dft, dass Jechezkel, weil die Propheten meist in Gleichnissen zu sprechen pflegten, das Wort gesagt hat: \u00bbSie sprechen von mir: Er erdichtet ja nur Gleichnisse\u00ab [ebenda 21, s]. Du kennst auch die Worte, mit denen Salomo sein Buch begonnen hat: \u00bbSpruch und Dichtung zu verstehen, die Worte der Weisen und ihre R\u00e4tsel\u00ab [Spr. 1, 6]. Dazu sagt der Midrasch: \u00bbEhe Salomo auftrat, glichen die Worte der Heiligen Schrift einem Brunnen, dessen Wasser sehr tief und kalt war, so dass niemand davon trinken konnte. Da kam ein kluger Mann, kn\u00fcpfte Seil an Seil und Eimer an Eimer, dann sch\u00f6pfte er und trank. So machte es Salomo. Er drang on einem Bilde zum andern, von einem Gedanken zum an\u00addern vor, bis er den klaren Sinn der Schrift erfasste\u00ab. Das ist das Wort der Weisen, aber glaube nicht, dass irgend einer, der zu den Vollkommenen in der Erkenntnis geh\u00f6rt, meinen wird, dass diese Worte der Heiligen Schrift, auf die hier hingedeutet wird und deren Verst\u00e4ndnis man durch die kluge Erfassung der Gedanken der Parabeln erlangt, die Vor\u00adschriften \u00fcber die Herstellung der <em>Laubh\u00fctte<\/em> oder den <em>Lulaw<\/em> oder das Gesetz \u00fcber die vier H\u00fcter u. dgl. betreffen, son\u00addern zweifellos geht die Absicht des Midrasch auf das Ver\u00adst\u00e4ndnis der tiefen und geheimen Gedanken der Heiligen Schrift. An derselben Stelle wird ferner gesagt: \u00bbUnsere Lehrer sagen: Wenn jemand eine gro\u00dfe M\u00fcnze oder einen Edelstein in seinem Hause verloren hat, und er z\u00fcndet f\u00fcr den Preis eines Hellers ein Licht an, so findet er den Edel\u00adstein. So ist das Gleichnis an sich nichts, aber durch das Gleichnis erblickst du die Worte der Heiligen Schrift\u00ab. Auch dies ist ein Wort der Weisen. Achte auf ihre Erkl\u00e4rung, dass der Sinn der Worte der Heiligen Schrift der Edelstein, der Wortlaut aller der Bilder aber nichts ist. Achte darauf, wie sie die verborgenen und durch den Wortlaut des Gleich\u00adnisses\u00b7 ausgedr\u00fcckten Gedanken mit einem kostbaren Stein vergleichen, der jemand in seinem Hause, und zwar in einem dunkeln Hause, in dem viele Ger\u00e4te sind, entfallen ist! Nun ist wohl der Edelstein in dem dunkeln Hause, er aber sieht ihn nicht und nimmt ihn nicht wahr, und es ist, als w\u00e4re dieser aus seinem Besitze gekommen, denn ihm war, ehe er, wie gesagt, das Licht anz\u00fcndet, sein Nutzen entzogen. Dem gleicht auch die Auffassung des Gedankens eines Gleichnisses.<\/p>\n\n\n\n<p>Der weise Dichter sagt ferner: \u00bbGoldenen \u00c4pfeln in silberner Fassung (<a id=\"_idIndexMarker005\"><\/a><em>Maskijot<\/em>) gleicht ein Wort, das in seinen verschie\u00addenen Bedeutungen gesprochen ist\u00ab [Spr. 25, 11]. Vernimm die Erkl\u00e4rung dieses Satzes! <a id=\"_idIndexMarker006\"><\/a><em>Maskijot<\/em> sind in Filigranarbeit ziselierte Figuren, die sehr feine \u00d6ffnungen haben wie die Arbeiten der Goldschmiede. Man nennt sie <a id=\"_idIndexMarker007\"><\/a><em>Maskijot<\/em>, weil sie der Sehkraft des Auges entgehen, wie im Targum das Wort<em> wajjaschkef<\/em>, (\u00bber sah\u00ab) durch <em>w&#8217;istechi<\/em> \u00fcbersetzt ist. Er sagt also, dass das Bild eines goldenen Apfels in silbernem Netzwerk mit sehr feinen L\u00fccken das in doppelsinniger Weise gesprochene Wort ist. Sieh nun, wie wunderbar dieser Spruch ist in der Gestalt eines wohl\u00adgelungenen Bildes! Er will damit sagen, dass das Wort zweierlei Bedeutungen hat, n\u00e4mlich eine oben aufliegende und eine verborgene. Notwendig muss der offenbare Sinn an G\u00fcte dem Silber gleichen, sein eigentlicher Inhalt aber noch wert\u00advoller sein, so dass er im Vergleich zu dem oberfl\u00e4chlichen Sinne sich wie das Gold zum Silber verh\u00e4lt. Notwendig muss aber auch in dem oberfl\u00e4chlichen Sinn etwas sein, was den Betrachtenden auf den eigentlichen Inhalt hinweist, wie dieser goldene Apfel, den man mit einem sehr feinen Silbergeflecht bedeckt hat, so dass derjenige, der ihn von weitem sieht oder nicht genau acht gibt, ihn f\u00fcr einen Silberapfel halten wird. Wenn ihn aber jemand mit scharfem Auge sorgf\u00e4ltig betrach\u00adtet, wird ihm der Inhalt deutlich, und er erkennt, dass er von Gold ist. So ist es auch mit den Gleichnissen der Propheten. Oberfl\u00e4chlich betrachtet enthalten sie Weisheit, die f\u00fcr viele Dinge n\u00fctzlich ist, unter anderem f\u00fcr die Vervollkommnung der menschlichen Gesellschaft, wie man aus dem Wortlaut des Buches der Spr\u00fcche und aus diesem \u00e4hnlichen B\u00fcchern ersehen kann; in ihrer Tiefe aber enthalten sie eine Wissen\u00adschaft, die dazu dient, die Wahrheit in ihrer eigentlichen Gestalt zur Geltung zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gleichnisse der Prophetie haben zweierlei Methoden. Die eine ist die, dass jedes Wort in dem Bild einen eigenen Gedanken enth\u00e4lt, die andere, dass das Gleichnis auf einen und denselben durch das Bild vorgestellten Gedanken hin\u00adweist. Dabei kommen viele Worte vor, von denen einige nichts zu dem durch das Bild Ausgedr\u00fcckten beitragen, sondern sie dienen zur Ausschm\u00fcckung oder zum logischen Aufbau der Rede, oder wohl gar um den durch das Bild ausgedr\u00fcckten Gedanken sorgf\u00e4ltiger zu verh\u00fcllen, obgleich die Worte so aufeinanderfolgen, wie es zu dem oberfl\u00e4chlichen Sinn des Gleichnisses passt. Beachte dies besonders!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gleichnis der ersten Art ist folgendes: \u00bbEine Leiter war aufgestellt auf die Erde, deren Spitze bis in den Himmel reichte\u00ab u. s. f. [Gen. 28, 12 ff]. \u00bbEine Leiter\u00ab deutet auf einen Gegenstand, \u00bbaufgestellt auf die Erde\u00ab auf einen zweiten, \u00bbihre Spitze reichte bis in den Himmel\u00ab auf einen dritten, \u00bbdie Engel Gottes\u00ab auf einen vierten, \u00bbstiegen auf\u00ab auf einen f\u00fcnften, \u00bbstiegen ab\u00ab auf einen sechsten und \u00bb\u00fcber ihr stand der Herr\u00ab auf einen siebenten. Es tr\u00e4gt also jedes in diesem Gleichnis vorkommende Wort zum Ganzen im Bild Dar\u00adgestellten etwas bei. Ein Gleichnis der zweiten Art unter den Gleichnissen der Prophetie ist hingegen das folgende:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch blickte durch das Fenster meines Hauses, schaute durch mein Fenstergitter. Da sah ich unter den Einf\u00e4ltigen, bemerkte ich unter den Toren einen unverst\u00e4ndigen Knaben. Er \u00fcberschritt die Stra\u00dfe an der Ecke, wo eine Buhlerin wohnte, ging den Weg zu ihrem Hause im Dunkel der Abendd\u00e4mmerung, in finsterer, sternloser Nacht. Da kam ihm ein Weib entgegen, wie eine Dirne angezogen, arglistigen Sinnes, ein Weib, das z\u00fcgellos umherschweift und nie zuhause weilt, sondern bald auf der Stra\u00dfe, bald auf den Pl\u00e4tzen an jeder Ecke lauert. Sie umarmte und k\u00fcsste ihn und sprach mit frechem Angesicht: Ein Freudenopfer hatte ich auf mich genommen, und heute habe ich mein Gel\u00f6bnis erf\u00fcllt. Darum bin ich Dir ent\u00adgegen gegangen, um dich aufzusuchen, und nun finde ich Dich. Mit Teppichen habe ich mir mein Bett bereitet, mit Tapeten von \u00e4gyptischem Garn. Ich habe meine Lagerst\u00e4tte mit Myrrhe, Aloe und Zimt besprengt. Komm, wir wollen uns der Liebe erfreuen bis zum Morgen, und an Liebkosen erg\u00f6tzen, denn mein Mann ist nicht zuhause\u00ab usw. \u00bbSeinen Geldbeutel hat er mitgenommen\u00ab usw. \u00bbUnd sie \u00fcberredete ihn durch ihre gro\u00dfe Zungenfertigkeit\u00ab usw. [Spr. 7,6-23].<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Gleichnis geht f\u00fcr uns als Hauptgedanke die Warnung hervor, sich den k\u00f6rperlichen Begierden und Ge\u00adn\u00fcssen nicht hinzugeben, und die Materie, die die Ursache aller dieser leiblichen Begierden ist, vergleicht der Dichter mit einer Buhldirne, die noch dazu eines Mannes Weib ist. Und auf dieses Gleichnis hat er sein ganzes Buch aufgebaut. In einzelnen Kapiteln des vorliegenden Werkes werde ich zeigen, wie weise der Vergleich der Materie mit dem ver\u00adheirateten Hurenweibe ist und wie der Dichter sein Buch mit dem Lobe eines Weibes beendet, das nicht buhlt, sondern sich mit der Instandhaltung des Hauses und der Pflege der Interessen seines Gatten begn\u00fcgt. Dass aber alle Hindernisse, die den Menschen von der Erreichung seiner letzten Voll\u00adkommenheit abhalten, sowie alle M\u00e4ngel und sittlichen Ver\u00adfehlungen, die dem Menschen zusto\u00dfen, ihm allein durch seine Materie widerfahren, werde ich in diesem Buch nachweisen. Die in dem ganzen Gleichnis enthaltene Lehre ist n\u00e4mlich die, dass der Mensch nicht seiner Tierheit allein, n\u00e4mlich seiner Materie, folgen darf, da die n\u00e4chste Materie des Menschen dieselbe ist, wie die aller Lebewesen. Nachdem ich Dir also dies erkl\u00e4rt und den verborgenen Gedanken des Gleichnisses Dir enth\u00fcllt habe, darfst Du nicht erwarten, alle Umst\u00e4nde des Bildes in dem Gegenstande zu finden, der in diesem Bilde dargestellt wurde. Du darfst nicht fragen, was sich in dem Satze birgt \u00bbIch habe ein Freudenopfer auf mich genommen\u00ab [ebenda 14], oder auf was f\u00fcr einen Gedanken die Worte hindeuten \u00bbmit Teppichen habe ich mir mein Bett bereitet\u00ab [ebenda 16], oder welchen Gedanken die Worte \u00bbdenn mein Mann ist nicht zuhause\u00ab [ebenda 19] dem Hauptgedanken beif\u00fcgen, und ebenso in betreff alles anderen, was in diesem St\u00fccke vorkommt. Alles dies ist nur eine Fortsetzung im Sinne der einfachen Bedeutung des Gleichnisses, denn alle die erw\u00e4hnten S\u00e4tze sind Gedanken der Buhlerinnen, und diese und \u00e4hnliche Worte bezeichnen die Art, wie die Buhlenden miteinander reden. Schenke diesen meinen Ausf\u00fchrungen besondere Aufmerk\u00adsamkeit, denn sie bilden ein wesentliches Fundament f\u00fcr das, was ich erl\u00e4utern will!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du also in einem der Kapitel dieses Buches die Er\u00adkl\u00e4rung eines Gleichnisses findest und ich dich darauf aufmerk\u00adsam gemacht habe, was im allgemeinen durch das Gleichnis ausgedr\u00fcckt werden sollte, darfst du nicht nach allen Teils\u00e4tzen forschen, die in dem Gleichnis vorkommen, und etwas ihnen Analoges in dem Verglichenen finden wollen, denn dies w\u00fcrde dich zu einem von zwei Dingen f\u00fchren: entweder wird es dich von dem eigentlichen Sinne des Gleichnisses ablenken oder dir die M\u00fche verursachen, Dinge zu erkl\u00e4ren, f\u00fcr die es keine Er\u00adkl\u00e4rung gibt und die auch nicht zur Erkl\u00e4rung bestimmt sind, und du gelangst durch diese Bem\u00fchung zu derartigen gewaltigen Sophistereien, wie sie heutzutage viele Sekten in Wort und Schrift \u00e4u\u00dfern, weil sie von dem Wunsche beseelt sind, in allen Ausspr\u00fcchen Gedanken zu finden, die der Sprecher nie hat aussprechen wollen. Vielmehr sei bei den meisten Gleich\u00adnissen darauf bedacht, den Hauptgedanken zu erfassen, der dadurch bekannt gemacht werden sollte, und es dir bei manchen Dingen gen\u00fcgen zu lassen, wenn du aus meinen Worten erkannt hast, dass dies ein Gleichnis sei, auch wenn ich es nicht weiter erkl\u00e4re, und dass du dich, sobald du wei\u00dft, dass es ein Gleichnis ist, auch dar\u00fcber im klaren befindest, wof\u00fcr es ein Gleichnis ist, so dass mein Ausspruch, es ist ein Gleichnis, gleichsam die Scheidewand zwischen dem Sehenden und dem Gesehenen entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anweisung f\u00fcr den Gebrauch dieses Buches: Wenn du alles besitzen willst, was die Kapitel dieses Buches enthalten, so dass dir nichts davon fehle, so musst du seine Kapitel aufein\u00adander beziehen. Es darf dir also nicht blo\u00df darum zu tun sein, dass du in jedem Kapitel seinen Hauptgedanken verstehest, sondern darum, den Sinn jedes Wortes zu erfassen, welches im Zusammenhang der Rede vorkommt, auch wenn es zum Inhalt des Kapitels nicht geh\u00f6rt. Denn in diesem Buch sind die Worte nicht willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt, sondern mit gro\u00dfer Genauig\u00adkeit und Pr\u00e4zision wie auch mit Bedachtnahme darauf, dass es bei einem Gegenstande, der Zweifel hervorruft, an einer Auf\u00adkl\u00e4rung nicht mangle. Es ist auch darin kein Wort an un\u00adgeh\u00f6riger Stelle vorgebracht, au\u00dfer um einen anderen Gedanken an seiner richtigen Stelle zu erl\u00e4utern. Du darfst es aber auch, wenn du es liest, nicht allzu sehr mit deinen Hintergedanken verfolgen, sonst w\u00fcrdest du mir schaden, ohne dir selbst zu n\u00fctzen. Vielmehr sollst du daraus das f\u00fcr dich Erforderliche lernen und stets darin studieren; dann wird es die bedeutend\u00adsten Zweifel l\u00f6sen, die sich in betreff der Religion jedem Denker aufdr\u00e4ngen. Bei Gott aber beschw\u00f6re ich jeden Leser dieses Buches, dass er auch nicht ein Wort aus diesem einem anderen auseinandersetze oder erkl\u00e4re, welches nicht auch schon von den namhaften und anerkannten Lehrern unseres Gesetzes, die vor mir waren, auseinandergesetzt oder erkl\u00e4rt ist. Was er aber darin verstanden hat in betreff eines Gegenstandes, den andere Lehrer au\u00dfer mir noch nicht besprochen haben, das m\u00f6ge er keinen anderen lehren. Er m\u00f6ge auch nicht vorwitzig und \u00fcber\u00adeilt meine Worte zu widerlegen suchen; denn m\u00f6glicherweise hat er sie anders verstanden, als ich sie sagen wollte; dann wird er zum Lohne daf\u00fcr, dass ich ihm n\u00fctzen wollte, mir schaden und Gutes mit B\u00f6sem vergelten. Vielmehr m\u00f6ge jeder, dem es in die Hand kommt, es aufmerksam lesen, und, wenn es ihm auch nur durch die L\u00f6sung eines einzigen Zweifels den Durst stillt, Gott danken und sich es an dem gen\u00fcgen lassen, was er verstanden hat. Findet er aber darin in keiner Hinsicht etwas, was ihm n\u00fctzen kann, so betrachte er es, als w\u00e4re es nicht vorhanden. Sieht er jedoch darin etwas, was nach seiner Ansicht sch\u00e4dlich ist, so versuche er es in wohlmeinendem Sinne zu erkl\u00e4ren und zu beurteilen, wenn er auch zu diesem Behufe eine weit hergeholte Erkl\u00e4rung suchen m\u00fcsste. Dies ist ja eine uns auferlegte Pflicht, die uns selbst hinsichtlich der unwissenden Menge geboten ist, um so mehr aber hinsichtlich unserer Bekannten und hinsichtlich der Kundigen unseres Ge\u00adsetzes, die ihrer Einsicht gem\u00e4\u00df uns durch die Wahrheit zu f\u00f6rdern beflissen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df wohl, dass jeder Anf\u00e4nger, auch wenn er von der Philosophie keine Kenntnis hat, von einigen Kapiteln dieses Buches Nutzen haben wird; hingegen wird der als Mensch Vollkommene und der Religion Kundige, der, wie ich sagte, in Ratlosigkeit befangen ist, aus allen seinen Kapiteln Nutzen empfangen und sich gewiss sehr daran erfreuen und erg\u00f6tzen. Hingegen werden diejenigen, die im Geiste verworren sind und deren Hirn von unwahren Ansichten und sophistischen Metho\u00adden verderbt ist, die sie jedoch f\u00fcr wahre Wissenschaft ebenso wie sich selbst f\u00fcr Philosophen halten, jedoch von dem, was in Wahrheit Wissenschaft zu nennen ist, absolut keine Kennt\u00adnis haben, vor vielen Kapiteln dieses Buches Abneigung haben. Sie werden auch sehr viele Einwendungen dagegen erheben, weil sie seine Gedanken nicht verstehen und weil auch darin die Nichtigkeit der falschen Lehren, die sie besitzen, aufgekl\u00e4rt wird, jenes Schlackensilbers, welches ihr Schatz und ihr zu ihrem Verderben bestimmtes Eigentum ist. Gott aber wei\u00df, dass ich mich stets gescheut habe, die Gegen\u00adst\u00e4nde zu er\u00f6rtern, die ich in diesem Buch niederschreibe, weil sie verborgene Dinge sind, \u00fcber die in diesen Zeiten des Exils au\u00dfer dem vorliegenden noch kein Werk von einem un\u00adserer Glaubensgenossen geschrieben worden ist. Wie darf also ich mich erk\u00fchnen, eine solche Neuerung einzuf\u00fchren? Ich st\u00fctze mich jedoch auf zwei Grunds\u00e4tze. Erstens darauf, dass unsere Weisen angesichts eines \u00e4hnlichen Gegenstandes zu sagen pflegen: \u00bbWenn es gilt, etwas f\u00fcr Gott zu tun, darf man auch das Gesetz unwirksam sein lassen\u00ab [Ps.&nbsp;119,126], und zweitens auf ihren Ausspruch: \u00bbAlles, was du tust, tue um Gottes willen!\u00ab. Darauf st\u00fctzte ich mich bei der Abfassung mancher Kapitel dieses Buches. Schlie\u00dflich jedoch bin ich der Mann, der, wenn der Gegenstand ihn dr\u00e4ngt, wenn der Weg ihm zu enge ist und er keinen anderen Ausweg wei\u00df, eine bewiesene Wahrheit zu lehren, als nur indem sie einem Auserw\u00e4hlten gef\u00e4llt, aber zehntausend Toren missf\u00e4llt, es vorzieht, sie diesem Einen mitzuteilen. Ich achte des Tadels der gro\u00dfen Menge nicht und will den einen Auserlesenen aus seiner Unentschieden\u00adheit, in die er versunken ist, herausrei\u00dfen und ihm den Aus\u00adweg aus seiner Ratlosigkeit zeigen, damit er vollkommen werde und gesunde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vorwort<\/h3>\n\n\n\n<p>Die kontr\u00e4ren oder kontradiktorischen Widerspr\u00fcche, die sich in irgend einer Schrift oder in irgend einem Werke vorfinden, beruhen auf einer der folgenden sieben Ursachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens: Wenn der Verfasser zu denjenigen geh\u00f6rt, die die Ausspr\u00fcche verschiedener Autoren sammeln, deren Meinungen voneinander abweichen, jedoch die Namen der Urheber dieser Ausspr\u00fcche wegl\u00e4sst, dann findet sich in dem Buch ein kontradiktorischer oder kontr\u00e4rer Widerspruch, da die eine Behauptung die An\u00adsicht des einen, die andere aber die Meinung eines andern Autors darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens: Wenn der Verfasser eine gewisse Meinung hat, von dieser aber sp\u00e4ter wieder abgekommen ist, dessen ungeachtet aber sein fr\u00fcherer Ausspruch zusammen mit dem sp\u00e4teren niedergeschrieben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens: Wenn die Aus\u00adspr\u00fcche nicht alle w\u00f6rtlich gemeint sind, sondern teils w\u00f6rtlich, teils fig\u00fcrlich mit einer tieferliegenden Bedeutung, oder auch, wenn beide einander ausschlie\u00dfende Behauptungen fig\u00fcrlich gemeint sind, jedoch, w\u00f6rtlich aufgefasst, einander ausschlie\u00dfen oder widerstreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Viertens: Wenn bei einem Satze eine Bedingung obwaltet, die an ihrer Stelle aus was immer f\u00fcr einem Grunde nicht ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt wurde, oder wenn zwei Subjekte verwechselt wurden, ohne dass das eine an seiner Stelle ausdr\u00fccklich bezeichnet wurde, dann erscheint in der Rede ein Widerspruch, obgleich er in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnftens: Oft muss f\u00fcr den Zweck des Unter\u00adrichts und zur Erleichterung des Verst\u00e4ndnisses ein dunkler und schwer vorstellbarer Gegenstand erw\u00e4hnt oder als Pr\u00e4misse benutzt werden, indem man durch ihn einen leichter vorstell\u00adbaren darstellt. Dieser m\u00fcsste eigentlich im Unterrichte dem ersterw\u00e4hnten Gegenstande vorausgehen, weil der Unterricht stets mit dem Leichten zu beginnen hat. Der Lehrer muss also das Verst\u00e4ndnis des ersterw\u00e4hnten Gegenstandes auf irgend eine ihm angemessen scheinende Art erleichtern, er darf ihn daher nur in den Umrissen darstellen und nicht genau auf die wahre Erkl\u00e4rung eingehen, sondern muss ihn mit dem Vor\u00adstellungsverm\u00f6gen des Sch\u00fclers in \u00dcbereinstimmung bringen, bis dieser das verstanden hat, was er ihm jetzt verst\u00e4ndlich machen will. Sp\u00e4ter aber wird auf die genaue Begriffsbestim\u00admung des schwierigen Gegenstandes eingegangen und die wahre Erkl\u00e4rung an der ihr zukommenden Stelle gegeben\u00ab. Sechstens: Wenn der Widerspruch dem Verfasser verborgen bleibt und erst nach vielen Pr\u00e4missen klar wird -je mehr Pr\u00e4missen aber ein Gegenstand zu seiner Darstellung braucht, desto ver\u00adborgener ist der Widerspruch -, wenn also dieser Widerspruch dem Verfasser entgangen ist und er glaubt, dass zwischen den beiden Behauptungen kein Widerspruch bestehe, das Denken jedoch, sobald jede dieser Behauptungen f\u00fcr sich genommen mit den richtigen Pr\u00e4missen verkn\u00fcpft und die n\u00f6tige Folge\u00adrung daraus gezogen, derselbe Vorgang aber auch bei allen diesen Folgerungen eingehalten wird, nach vielen Komplika\u00adtionen zu einem kontradiktorischen oder kontr\u00e4ren Widerspruch zwischen den zwei letzteren Folgerungen f\u00fchrt. Dergleichen entgeht manchmal den gelehrten Schriftstellern. Zeigen jedoch die beiden ersten Behauptungen den Widerspruch deutlich, oder hat der Verfasser, als er den zweiten Satz an einer anderen Stelle des Buches schrieb, nur den ersten vergessen, so bedeutet dies eine sehr gro\u00dfe Minderwertigkeit, und der betreffende Ver\u00adfasser wird dann \u00fcberhaupt nicht unter diejenigen gez\u00e4hlt, deren Worte einer Pr\u00fcfung w\u00fcrdig sind. Siebentens: Da bei sehr geheimnisvollen Gegenst\u00e4nden das Bed\u00fcrfnis obwaltet, manches zu verschweigen und manches zu offenbaren, so ge\u00adschieht es manchmal, dass man auf Grund des einen Aus\u00adspruches gem\u00e4\u00df einer dort aufgestellten Behauptung die Rede fortsetzen muss, an einer anderen Stelle auf Grund einer Be\u00adhauptung, welche die erste negiert. Die Laien d\u00fcrfen jedoch diesen Widerspruch in keiner Weise merken, und der Verfasser muss ihn planm\u00e4\u00dfig auf allen Seiten unkenntlich zu machen wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Widerstreit zwischen Mischna und Boraita ist von der ersten Art. Du findest oft den Ausspruch: \u00bbDer erste Satz ist mit dem zweiten unvereinbar\u00ab und die Antwort lautet dann: der erste Satz r\u00fchrt von Rabbi*, der zweite von Rabbi** her. Oft findest du auch den Ausspruch: \u00bbRabbi gefiel die An\u00adsicht des Rabbi* und er nahm sie schlechthin in den Wortlaut der Mischna auf\u00ab, oder \u00bbRabbi gefiel die Meinung des Rabbi* in betreff dieses und dieses Gegenstandes, und er gab sie schlecht\u00adhin in der Mischna wieder\u00ab. Unz\u00e4hlige Mal findest du auch die Worte: \u00bbVon wem ist der anonyme Text?\u00ab oder \u00bbVon wem r\u00fchrt die Mischna her?\u00ab und die Antwort lautet: \u00bbVon Rabbi*\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Kontradiktorische oder kontr\u00e4re Widerspr\u00fcche im Talmud sind von der ersten oder von der zweiten Art, und so findest du oft den Ausspruch: \u00bbIn diesem Punkte folgte er der Meinung des Rabbi*, in jenem der des Rabbi**, oder \u00bbIn einem Punkte stimmte er mit ihm \u00fcberein, in dem andern widersprach er ihm\u00ab, oder \u00bbEs sind zwei Amor\u00e4er, welche die Meinung des Rabbi * verschieden auffassten\u00ab. Alle diese Beispiele geh\u00f6ren zur ersten Art. Wenn sie hingegen an einer Stelle erl\u00e4uternd sagen: \u00bbRaba ist von dieser Meinung abgekommen\u00ab, und dabei untersucht wird, welcher von den beiden Ausspr\u00fcchen der sp\u00e4tere ist, so ist dies nach der zweiten Art. Ebenso in dem Satze: \u00bbR. Aschi sprach sich bei dem ersten Zyklus so, bei dem zweiten anders aus\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Kontradiktorische oder kontr\u00e4re Widerspr\u00fcche, die im Wort\u00adlaute mancher Stellen in den B\u00fcchern der Prophetie vorzu\u00adkommen scheinen, sind von der dritten und vierten Art, und um dieser willen habe ich diese ganze Einleitung geschrieben. Du kennst ja viele Ausspr\u00fcche der Weisen, in denen sie zwei Bibelstellen einander gegen\u00fcberstellen und ihren Widerspruch aufweisen, diesen aber dann l\u00f6sen, indem sie sagen, dass bei einem eine Bedingung fehle, oder dass die Subjekte verwechselt worden seien, z. B. der Satz: \u00bbO Salomo! Nicht genug, dass deine Worte denen deines Vaters David widersprechen, sie widersprechen sogar einander selbst.\u00ab Dies kommt h\u00e4ufig vor in den Worten unserer Lehrer. Das meiste aber, was unsere Lehrer dar\u00fcber gesprochen haben, betrifft jene prophetischen Ausspr\u00fcche, die mit den Rechtsvorschriften oder mit dem sitt\u00adlichen Lebenswandel zusammenh\u00e4ngen. Wir wollen jedoch haupts\u00e4chlich auf jene Ausspr\u00fcche der Tora aufmerksam machen, in denen, wenn man sie w\u00f6rtlich auffasst, ein schein\u00adbarer Widerspruch bez\u00fcglich der Meinungen und der Glaubens\u00adlehren vorhanden ist. Diese will ich zum Teil in mehreren Kapiteln dieses Buches besprechen, da wohl auch dies zu den Geheimnissen der Tora geh\u00f6rt. Findet man jedoch in den B\u00fcchern der Prophetie einen Widerspruch der siebenten Art, so ist da Nachdenken und Untersuchen am Platze; da darf man nicht nach Ermessen und Meinung ohne gr\u00fcndliche Unter\u00adsuchung entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Widerspr\u00fcche in den Worten der wahren Philosophen sind von der f\u00fcnften, Widerspr\u00fcche in den meisten B\u00fcchern der \u00fcbrigen, bisher nicht genannten Schriftsteller und Kommenta\u00adtoren von der sechsten Art. Auch in den Midraschim und den agadischen B\u00fcchern kommen aus dieser Ursache viele Wider\u00adspr\u00fcche vor, und deshalb lehrten unsere Weisen, dass man bei der Agada keine logischen Einwendungen geltend machen solle. Es finden sich in diesen aber auch Widerspr\u00fcche der siebenten Art. Die Widerspr\u00fcche, die in dem vorliegenden Buch vor\u00adkommen d\u00fcrften, werden von der f\u00fcnften oder von der siebenten Art sein. Nimm dies zur Kenntnis, urteile, ob es richtig ist, und sei stets dessen eingedenk, damit du nicht durch einzelne dieser Kapitel in Verwirrung geratest!<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesen Vorer\u00f6rterungen beginne ich mit der Anf\u00fchrung der W\u00f6rter, auf deren richtige Bedeutung an jeder Stelle, je nach dem Gegenstande, der dort besprochen wird, aufmerksam gemacht werden soll. Diese bilden den Schl\u00fcssel, mittelst dessen man zu jenen Orten gelangen kann, deren Pforten verschlossen sind. \u00d6ffnet man diese Pforten und kann man in diese Orte eintreten, dann wird dem Gem\u00fct Beruhigung, den Augen Befriedigung, dem Leibe Erholung von Arbeit und M\u00fche zuteil. \u00bb\u00d6ffnet die Pforten, damit ein gerechtes Volk einziehe, das den Glauben bewahrt!\u00ab [Jes. 26, 2].<\/p>\n\n\n\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-678cc482\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns alignfull has-1-columns has-desktop-equal-layout has-tablet-equal-layout has-mobile-collapsedRows-layout has-reverse-columns-mobile has-vertical-bottom ticss-c00aadba\"><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-overlay\"><\/div><div class=\"innerblocks-wrap\">\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column-4d412c51\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column\">\n<h2 id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\">More Newuchim<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#fefefe\">Der \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-primary\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-text-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\"><strong>Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"license\"><br><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" style=\"border-style: none;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/licensebuttons.net\/p\/zero\/1.0\/88x31.png?w=840&#038;ssl=1\" alt=\"CC0\"><br><\/a><br><br>To the extent possible under law,<br><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\" rel=\"dct:publisher\"><br>talmud.de<\/a><br>has waived all copyright and related or neighboring rights to<br>F\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen \u2013 More Newuchim.<br>This work is published from:<br><br>Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einf\u00fchrung aus dem \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab, dem More Newuchim, in deutscher \u00dcbersetzung.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4000,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[262],"tags":[117,151],"class_list":["post-4118","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fuehrer-der-unschluessigen","tag-creative-commons","tag-maimonides"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/mor_new_titelblatt.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4118"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9504,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4118\/revisions\/9504"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4000"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4118"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4118"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}