{"id":412,"date":"2013-12-05T12:05:05","date_gmt":"2013-12-05T10:05:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=412"},"modified":"2013-12-05T12:05:05","modified_gmt":"2013-12-05T10:05:05","slug":"pidyon-ha-bechor-die-ausloesung-des-erstgeborenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/pidyon-ha-bechor-die-ausloesung-des-erstgeborenen\/","title":{"rendered":"Pidyon ha Bechor &#8211; Die Ausl\u00f6sung des Erstgeborenen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>    &#8222;Heilige Mir alles Erstgeborene. Was bei den Kindern Israels den Mutterscho\u00df er\u00f6ffnet, bei Mensch oder Vieh, das geh\u00f6rt Mir.&#8220; (2. BM. 13:2)<\/p>\n<p>    &#8222;Alles Erstgeborene des Menschen aber, von deinen S\u00f6hnen, musst du ausl\u00f6sen.&#8220; ( 2. BM. 13,13)<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Warum beansprucht G-tt das Erstgeborene f\u00fcr Sich, und warum speziell das m\u00e4nnliche? Ist es wichtiger als das Zweit- , Dritt- oder Viertgeborene, wichtiger als das weibliche, oder gar besser?<\/p>\n<p>Genau das nicht , &#8211; die Besonderheit liegt nicht in der Person des Erstgeborenen, sondern im emotionalen Zugang seiner Eltern. Alles Erste in unserem Leben pr\u00e4gt sich uns als besonders bedeutungsvoll ein, &#8211; der erste Schultag, die erste eigene Armbanduhr, das erste eigene Auto. Es war eigentlich gar nicht besonders; es war ein Gebrauchtwagen, schon bejahrt, schon recht reparaturanf\u00e4llig, hielt sich dann auch nicht sehr lange. Aber von ihm haben wir ein Foto gemacht, von den sp\u00e4teren, den viel besseren, dann nicht mehr. Das erste Kind ist f\u00fcr uns das Ende der Kinderlosigkeit. Wir sind so gespannt darauf; wissen noch gar nicht wie das ist Kinder zu haben.<\/p>\n<p>Mit dem ersten Kind beginnt ein neuer Abschnitt in unserem Leben. Wir projizieren all unsere Vorstellungen, W\u00fcnsche, Erwartungen auf dieses erste Kind. Ihm wollen wir geben, was wir zu geben haben, es soll vollenden, was wir begonnen haben, es soll verwirklichen, was wir nicht vermocht haben. Es interessiert uns nicht, ob das Kind von all dem eventuell erdr\u00fcckt oder zumindest bedr\u00fcckt werden k\u00f6nnte, dadurch auf seinem Lebensweg dann vielleicht nicht so ungezwungen sein kann wie ein Sp\u00e4ter-geborener, dem wir, dann schon viel lockerer, eher zugestehen zu sein wie er sein m\u00f6chte. In alten Zeiten und noch bis in die j\u00fcngste Vergangenheit war es zudem \u00fcblich dem \u00c4ltesten, und eben dem Sohn, den Familienvorstand und das Familienerbe zu \u00fcbertragen, &#8211; er erbte den Hof, den Betrieb, er blieb den Eltern als Altersversorger erhalten. Die T\u00f6chter heirateten in andere Familien. Die j\u00fcngeren S\u00f6hne mussten sich etwas eigenes aufbauen. Diese gesellschaftlichen Strukturen werden erst in j\u00fcngster Zeit in Frage gestellt und beginnen sich zu \u00e4ndern. G-ttgewollt sind diese Strukturen m\u00f6glicherweise nicht. Die Heilige Schrift ist voll von Beispielen, in denen nicht der Erstgeborene bevorzugt wird (vgl. auch Kain &#8211; Abel; Esau &#8211; Jakob; Ruben &#8211; Juda; Menasche &#8211; Efraim).<\/p>\n<p>Jeder Mensch ist eine Pers\u00f6nlichkeit f\u00fcr sich, hat eine eigene Lebensaufgabe und sollte nach seinem K\u00f6nnen und seiner Leistung beurteilt werden. Um unseren Kindern gleiche Chancen geben zu k\u00f6nnen, um sie f\u00fcr ihr Leben frei lassen zu k\u00f6nnen, um nicht einen von ihnen, wenigstens den Ersten, an uns zu fesseln und f\u00fcr unsere Interessen zu missbrauchen, &#8211; deswegen verlangt ihn G-tt von uns. Indem wir ihn weggeben m\u00fcssen, indem wir anerkennen m\u00fcssen, dass er uns gar nicht geh\u00f6rt, lernen wir ihn freizulassen. Aber G-tt will nicht, dass wir ihn zum Opfer t\u00f6ten, so wie Er es auch nicht bei Isaak wollte, den Er ausl\u00f6sen lie\u00df (1.B.M. 22,1-19). G-tt gab uns die M\u00f6glichkeit das Kind auszul\u00f6sen, durch ein Opfer an seiner Statt.<\/p>\n<blockquote><p>Alles, was zuerst aus dem Mutterschosse kommt, bei allen Wesen, die man zu HaSchem bringt, sei es Mensch oder Vieh, soll Dir geh\u00f6ren; jedoch das Erstgeborene vom Menschen, das musst Du ausl\u00f6sen&#8230;  &#8211; 4.Buch Mosche 18, 15-16<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Ausl\u00f6sung ist freilich erst m\u00f6glich, wenn wir das Kind zuvor abgegeben haben. Wir erhalten dann das Kind zur\u00fcck, aber unser Verh\u00e4ltnis zu ihm kann nun ein anderes sein. Und deshalb ist dieser Vorgang auch in unserer Zeit von Bedeutung.<\/p>\n<p>Das Thema Erstgeburt hat aber noch eine ganz andere Dimension, die das Verh\u00e4ltnis zwischen G-tt und dem Volk Israel betrifft.<\/p>\n<p>G-tt hatte die Nachkommen Jakobs, das ist Israels, in \u00c4gypten zu einem Volk werden lassen. Dieses Volk Israel bezeichnet G-tt als Seinen erstgeborenen Sohn, den freizugeben Er von \u00c4gypten verlangte, anderenfalls Er dessen erstgeborenen Sohn t\u00f6ten w\u00fcrde. Pharao, der Herrscher \u00fcber \u00c4gypten, der G-tt nicht kannte, hatte aber die Vernichtung Israels beschlossen. Da streckte G-tt Seine Hand gegen \u00c4gypten aus und t\u00f6tete dessen Erstgeborene. In der Nacht, als dies geschah, w\u00e4re auch das Volk Israel vom Todesengel heimgesucht worden, wenn nicht G-tt seine Errettung als Ganzes beschlossen und seine Ausl\u00f6sung durch das Pessach-Lamm verf\u00fcgt h\u00e4tte, dessen Blut an die Haust\u00fcrpfosten der Israeliten gestrichen wurde und so den Todesengel zum \u00dcberspringen (&#8222;Pessach&#8220;) ihrer H\u00e4user brachte. Noch in dieser Nacht erkl\u00e4rte G-tt alles Erstgeborene als Sein Eigentum, das Ihm geweiht sei und damit dem Menschen nicht zur Verf\u00fcgung steht . Dies gilt f\u00fcr Menschen, f\u00fcr Tiere, f\u00fcr die Erstlingsfr\u00fcchte der B\u00e4ume (im vierten Jahr des Fruchttragens) und der Erde. In dieser Nacht f\u00fchrte G-tt das Volk Israel aus dem Scho\u00df \u00c4gyptens heraus, als Sein Erstling , ein neu geborenes Volk, das Er sich als Sein Eigentum, Seinen Knecht, Sein Werkzeug, Seinen Partner in Seinem Plan f\u00fcr das Heil der Menschheit auserw\u00e4hlt hatte. G-tt hat dem Volk Israel eine gro\u00dfe Aufgabe zugedacht :<\/p>\n<p>    Wenn ihr nun auf Meine Stimme h\u00f6ret und Meinen Bund haltet, so sollt ihr Mir ein Kleinod unter allen V\u00f6lkern sein &#8230; Ihr sollt Mir ein Reich von Priestern, ein Heiliges Volk sein. &#8211; 2.Buch Mosche 19, 5-6<\/p>\n<p>Die Erstgeborenen Israels selbst sollten urspr\u00fcnglich dem Volk als Priester auf diesem Weg vorausgehen . Aber das Volk war dieser Aufgabe noch nicht gewachsen, war \u00fcberfordert. Es geschah die f\u00fcrchtbare Verfehlung mit dem goldenen Kalb, bei der von den zw\u00f6lf St\u00e4mmen Israels nur der Stamm Lewi sich f\u00fcr die Sache G-ttes eingesetzt hatte. So l\u00f6ste G-tt die Erstgeborenen Israels Mann f\u00fcr Mann durch die Lewiten aus, wobei Er bestimmte, dass die \u00fcberz\u00e4hligen Erstgeborenen Israels, die durch die Lewiten nicht ausgel\u00f6st werden konnten, von da an und f\u00fcr alle Zeiten nach Beendigung ihres ersten Lebensmonats durch f\u00fcnf Schekel (sp\u00e4ter Sela&#8217;im genannt), nach dem Schekelgewicht des Heiligtums, ausgel\u00f6st werden m\u00fcssen. G-tt nahm die Lewiten als Ausl\u00f6sungs-Opfergabe Israels als Sein Eigentum an, die f\u00fcr ihren Dienst im Heiligtum daraufhin in einer feierlichen Zeremonie geweiht wurden. Aus dem Stamm Lewi schlie\u00dflich w\u00e4hlte G-tt Aaron und dessen Nachkommen aus, denen Er das Priesteramt auf Dauer \u00fcbertrug   und denen Er die Erstlingsgaben Israels und das Ausl\u00f6sungsgeld f\u00fcr die erstgeborenen S\u00f6hne zueignete. In all den vielen Jahrhunderten seither hat das Volk Israel weiterhin viele Verfehlungen begangen. Der Tempel wurde zerst\u00f6rt. Der priesterliche Opferg-ttesdienst hat aufgeh\u00f6rt. Aber das Volk hat den Bund mit G-tt doch bewahrt, hat f\u00fcr den Bund gek\u00e4mpft und gelitten, hat f\u00fcr das Wort G-ttes Zeugnis abgelegt und hat Seinen Namen geheiligt. Es ist reifer geworden und hat die Aufgabe G-ttes angenommen, ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk zu werden, auch wenn dies als Ziel noch nicht erreicht ist. Die einzigen Aufgaben, die die Nachkommen Aarons, die Kohanim (Kohen = Priester; Mehrzahl: Kohanim) in unserer Zeit noch haben, sind das Sprechen des Priestersegens vor der Gemeinde im Zusatzgebet der Feiertage  und die Ausl\u00f6sung der erstgeborenen S\u00f6hne, &#8222;Pidyon haBechor&#8220; (Ausl\u00f6sung des Erstgeborenen) oder meist einfach auch nur &#8222;Pidyon haBen&#8220; (Ausl\u00f6sung des Sohnes) genannt.<\/p>\n<p>Das Ritual der Ausl\u00f6sung ist einfach. Ausgel\u00f6st werden muss ab dem 31. Lebenstag das erste lebende Kind einer Frau, wenn es m\u00e4nnlich ist und auf nat\u00fcrlichem Weg geboren wurde, unabh\u00e4ngig vom Tag der Beschneidung. Diese Pflicht besteht nur f\u00fcr Israeliten, die nicht dem Stamm Lewi angeh\u00f6ren. Die Ausl\u00f6sung kann nur durch einen Kohen erfolgen, zu dem der Vater (oder dessen Vertreter) verpflichtet ist das Kind zu bringen. Da der Ausl\u00f6sung des Erstgeborenen eine Opferhandlung, n\u00e4mlich die Darbringung des Kindes, vorangeht, wird diese eingeleitet mit einer Waschung der H\u00e4nde, dann einem Speiseopfer in Form von Brot und Salz. Danach legt der Vater seinen Erstgeborenen vor den Kohen und spricht die Worte: Meine Frau gebar mir dieses m\u00e4nnliche Kind, das ihren Scho\u00df er\u00f6ffnet hat. Der Kohen fragt den Vater daraufhin: Was willst du lieber haben, diesen deinen erstgeborenen Sohn oder die f\u00fcnf Sela&#8217;im, die du f\u00fcr seine Ausl\u00f6sung zu geben verpflichtet bist? Der Vater erwidert: Meinen erstgeborenen Sohn m\u00f6chte ich lieber. Und hiermit gebe ich dir f\u00fcnf Sela&#8217;im f\u00fcr seine Ausl\u00f6sung. Nach dem Sprechen zweier Segensspr\u00fcche gibt der Vater dem Kohen das Geld im Gegenwert von mindestens 100g reinem Silber und erh\u00e4lt von diesem daf\u00fcr sein Kind zur\u00fcck mit den Worten: Dein Sohn ist ausgel\u00f6st.   Die Segnung des Kindes durch den Kohen und eine Festmahlzeit zu Ehren dieses denkw\u00fcrdigen Augenblicks beenden die Zeremonie.<\/p>\n<p>Nunmehr ist der Erstgeborene ein Kind wie alle anderen. Wir sollen es lieb haben und erziehen wie alle anderen, die G-tt uns geschenkt hat. Es hat neben den anderen Kindern keinerlei Vorrechte und besonderen Verpflichtungen den Eltern gegen\u00fcber, kann, freigelassen, seinen Lebensweg und seine Lebensaufgabe unbeschwert aufnehmen. Nur eine einzige Verpflichtung beh\u00e4lt es: Die Pflicht zu Fasten am Tag vor Pessach, aus Respekt vor den Erstgeborenen \u00c4gyptens, die in jener Nacht get\u00f6tet wurden, w\u00e4hrend Israel von G-tt ausgel\u00f6st und errettet wurde. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Heilige Mir alles Erstgeborene. Was bei den Kindern Israels den Mutterscho\u00df er\u00f6ffnet, bei Mensch oder Vieh, das geh\u00f6rt Mir.&#8220; (2. BM. 13:2) &#8222;Alles Erstgeborene des Menschen aber, von deinen S\u00f6hnen, musst du ausl\u00f6sen.&#8220; ( 2. 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