{"id":4128,"date":"2019-01-08T11:41:08","date_gmt":"2019-01-08T09:41:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=4128"},"modified":"2023-04-18T08:47:40","modified_gmt":"2023-04-18T06:47:40","slug":"more-newuchim-buch-1-kapitel-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-buch-1-kapitel-2\/","title":{"rendered":"More Newuchim \u2013 Buch 1 \u2013 Kapitel 2"},"content":{"rendered":"\n<p>Aus dem \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab, dem <em>More Newuchim<\/em>, in der \u00fcberarbeiteten deutschen \u00dcbersetzung von Dr. Adolf Weiss.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweites Kapitel<\/strong> L\u00f6sung des Einwandes eines Fragestellers, der sich aus den Worten ergibt, die sich auf diejenigen beziehen, die vom Baume der Erkenntnis essen w\u00fcrden: \u00bbIhr werdet wie Gott sein, indem ihr das Gute und das B\u00f6se erkennt\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gelehrter warf vor Jahren mir gegen\u00fcber folgende wichtige Frage auf, die ernste Beachtung verdient, ebenso wie unsere Antwort, welche die Frage l\u00f6st. Bevor ich jedoch die Frage und ihre L\u00f6sung vorbringe, will ich sagen, dass jeder Kenner des Hebr\u00e4ischen wei\u00df, dass das Wort <em>Elohim <\/em>homonym f\u00fcr Gott, f\u00fcr die Engel und f\u00fcr die Richter, welche die Staaten regieren, angewendet wird. Schon der Proselyt Onkelos hat dargelegt, und seine Darlegung ist auch die Wahr\u00adheit, n\u00e4mlich dass die Worte: \u00bbIhr werdet wie <em>Elohim<\/em> sein, indem ihr das Gute und das B\u00f6se erkennet\u00ab [Gen. 3, 5], die letzterw\u00e4hnte Bedeutung ausdr\u00fccken wollen. Er \u00fcbersetzt: \u00bbIhr werdet wie F\u00fcrsten sein\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich also die mehr\u00adfache Bedeutung des Wortes <em>Elohim<\/em> zugrunde gelegt habe, will ich nunmehr die Frage vorbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fragesteller sagt: Aus dem einfachen Wortlaut der Schrift scheint hervorzugehen, dass die urspr\u00fcngliche Absicht des Sch\u00f6pfers hinsichtlich des Menschen die gewesen sei, dass er wie alle anderen Lebewesen sei, ohne Vernunft und Denk\u00adverm\u00f6gen und nicht zwischen Gutem und B\u00f6sem unterscheide. Als er aber ungehorsam war, brachte ihm dieser sein Ungehor\u00adsam diese gro\u00dfe, dem Menschen ausschlie\u00dflich zukommende Vollkommenheit als Lohn, n\u00e4mlich, dass ihm die in uns vor\u00adhandene Erkenntnis zuteil wurde, welche das vornehmste der in uns existierenden Dinge ist und die unser Wesen ausmacht. Es wundert mich nun, dass die Strafe f\u00fcr seinen Ungehorsam darin bestand, dass ihm eine Vollkommenheit verliehen wurde, die er fr\u00fcher nicht besa\u00df, n\u00e4mlich die Vernunft. Dies ist aber nicht anders, als wenn jemand sagte, dass irgend ein Mensch, weil er ges\u00fcndigt und besonders schwere Frevel begangen hat, in ein besseres Gesch\u00f6pf verwandelt, n\u00e4mlich als Stern in den Himmel versetzt wurde. Dies war der Sinn der Frage, wenn sie auch nicht w\u00f6rtlich so lautete.<\/p>\n\n\n\n<p>Vernimm nun die Gedankenfolge unserer Antwort!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sagten: Du bist ein Mensch, der mit primitiven Vorstellungen und mit Vorurteilen studiert, und meinst, ein Buch, welches dazu dient, die fr\u00fchesten und sp\u00e4testen Generationen zu leiten, in solcher Weise zu verstehen, wenn du es in manchen Mu\u00dfestunden durchliesest, die Trinkgelage und Beischlaf dir \u00fcbrig lassen, wie man ein Geschichtsbuch oder irgend eine beliebige Dichtung durchliest. Besinne dich und erw\u00e4ge, dass es sich nicht so verh\u00e4lt, wie du in deinem oberfl\u00e4chlichen Denken dir vorstellst! Es verh\u00e4lt sich vielmehr, wie dir, wenn du diese Sache sorgf\u00e4ltig betrachtest, klar werden wird, damit so, dass die Vernunft, die der Sch\u00f6pfer dem Menschen durch die Emanation hat zustr\u00f6men lassen und die seine h\u00f6chste Vollkommenheit ausmacht, ihm schon vor seinem S\u00fcndenfalle zuteil ge\u00adworden ist und dass er nur um ihrer willen ein Ebenbild und ein Gleichnis Gottes genannt wurde. Um ihrer willen redete Gott mit ihm und gab ihm ein Gebot, wie die Tora sagt: \u00bbGott der Herr befahl\u00ab [Gen. 2, 16], das Gebot erging aber nicht an die Tiere und an die vernunftlosen Wesen. Durch seine Vernunft unterscheidet der Mensch zwischen Wahrem und Unwahrem, und diese war in ihm in seinem vollkommenen und untadeligem Zustande vorhanden. In der Tat werden H\u00e4sslichkeit oder Sch\u00f6nheit nur von Dingen ausgesagt, die dem Werturteile unterliegen, nicht aber von den intellektuellen Dingen. Man sagt nicht: Es ist sch\u00f6n, dass der Himmel kugel\u00adf\u00f6rmig ist, oder es ist h\u00e4sslich, dass die Erde flach ist, sondern man sagt, es ist wahr oder es ist falsch. So sagt man auch in unserer Sprache in Beziehung auf das Richtige oder Undenk\u00adbare, es ist wahr (<em>emet<\/em>) oder falsch (<em>scheker<\/em>), hin\u00adgegen in Beziehung auf das Sch\u00f6ne oder H\u00e4ssliche, es ist gut (<em>tow<\/em>) oder schlecht (<em>ra<\/em>). Durch die Vernunft unter\u00adscheidet also der Mensch das Wahre vom Unwahren, und dies gilt von allen Gedankendingen. Als aber der Mensch in seinem vollkommenen und tadellosen Zustande war und er seine Denk\u00adf\u00e4higkeit und sein Erkenntnisverm\u00f6gen besa\u00df, um derentwillen von ihm gesagt wird : \u00bbDu lie\u00dfest wenig ihm von Gottheit mangeln\u00ab [Ps. 8, 6], besa\u00df er nicht die F\u00e4higkeit, die dem Wert\u00adurteil unterliegenden Dinge auf irgendeine Art zu gebrauchen oder zu begreifen; so dass selbst das H\u00e4sslichste unter diesen, die Entbl\u00f6\u00dfung der Scham, ihm nicht h\u00e4sslich erschien und er seine H\u00e4sslichkeit nicht begriff. Als er aber ungehor\u00adsam war und zu den Gel\u00fcsten seiner Fantasie und zu den sinnlichen Gen\u00fcssen hinneigte, wie die Tora sagt: \u00bbDie Frucht des Baumes war gut zu essen und war eine Augenweide\u00ab [Gen. 3, 6], wurde er damit bestraft, dass ihm die Vernunft\u00aderkenntnis entzogen wurde, und infolgedessen war er un\u00adgehorsam gegen ein Gebot, das ihm um seiner Vernunft willen gegeben worden war, und so erlangte er die F\u00e4higkeit, die Wertdinge zu begreifen, und ergab sich der Aus\u00fcbung der h\u00e4\u00df\u00adlichen oder sch\u00f6nen Handlungen. Da erst lernte er w\u00fcrdigen, was ihm verloren gegangen und ihm entzogen worden und in welche Lage er geraten war. Deshalb wird gesagt: \u00bbIhr werdet wie <em>Elohim<\/em> sein, indem ihr Gutes und B\u00f6ses erkennet\u00ab. Es wird aber nicht gesagt: \u00bbindem ihr Wahres und falsches erennet\u00ab oder \u00bbbegreift\u00ab. Bei dem Unbedingten gibt es ja Oberhaupt kein Gutes oder B\u00f6ses, sondern nur Wahres oder Falsches.<\/p>\n\n\n\n<p>Achte auch darauf, dass die Tora sagt: \u00bbEs wurden ihnen beiden die Augen ge\u00f6ffnet, und sie erkannten, dass sie nackt seien\u00ab [Gen. 3, 7]; sie sagt aber nicht: \u00bbEs wurden ihnen die Augen ge\u00f6ffnet und sie sahen\u00ab. Vielmehr sahen sie nachher dasselbe, was sie vorher gesehen hatten, und es war keine H\u00fclle um seine Augen, die jetzt beseitigt wurde, sondern es entstand jetzt in ihm ein neuer Zustand, indem er etwas als h\u00e4sslich er\u00adkannte, was ihm fr\u00fcher nicht h\u00e4sslich erschienen war. Das Wort <em>fakach<\/em>, (die Augen \u00f6ffnen) wird niemals von dem entstehenden sinnlichen Sehen, sondern nur in der Bedeutung des Offenbarwerdens einer Erkenntnis gebraucht, z.B. \u00bbGott \u00f6ffnete (<em>wajjifkach<\/em>) ihre Augen\u00ab [Gen. 21, 19]; \u00bbdann werden die Augen der Blinden sich \u00f6ffnen\u00ab (<em>tippa\u00adkachna<\/em>) [Jes. 35,&nbsp;5]; \u00bbMan \u00f6ffnet (<em>fakoach<\/em>) ihnen die Ohren und sie h\u00f6ren nicht\u00ab [ebenda&nbsp;42,&nbsp;20], was ebenso viel hei\u00dft als: \u00bbSie haben Augen, um zu sehen, und sehen nicht\u00ab [Jechezkel 12, 1].<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber die Tora in Beziehung auf Adam sagt: \u00bbEr ver\u00e4nderte sein Angesicht und du triebst ihn hinweg\u00ab&nbsp;[Jjob&nbsp;14,&nbsp;20], so ist dies folgenderma\u00dfen zu verstehen und zu erkl\u00e4ren: Weil er die Richtung seines Antlitzes \u00e4nderte, wurde er hin\u00adweggetrieben. Das Wort <em>panim<\/em> (Antlitz) ist n\u00e4mlich von <em>pana<\/em>, (sich wenden) abgeleitet, weil der Mensch mit seinem Angesicht dem Dinge sich zuwendet, das er besitzen will. Deshalb sagt die Tora: Als er die Richtung seines Antlitzes \u00e4nderte und einem Dinge zustrebte, hinsichtlich dessen ihm schon fr\u00fcher verboten war, ihm zuzustreben, wurde er aus dem Garten Eden vertrieben. Diese Strafe entspricht auch der S\u00fcnde \u00bbMa\u00df f\u00fcr Ma\u00df\u00ab. Er hatte die Erlaubnis, die k\u00f6stlichste Nahrung zu genie\u00dfen und ihrem Genusse sich mit Seelenruhe und Sorglosigkeit hinzugeben; als aber, wie wir sagten, seine Begierde so m\u00e4chtig in ihm geworden, dass er den eingebildeten Gen\u00fcssen nachjagte und das genoss, dessen Genuss ihm ver\u00adboten war, wurde ihm alles entzogen, und er musste die un\u00adw\u00fcrdigste Nahrung genie\u00dfen, die ihm fr\u00fcher als solche un\u00adgeeignet erschienen war, und dies erst, indem er sie mit viel Arbeit und M\u00fchseligkeit erlangte nach dem Worte der Schrift: \u00bbDomen und Disteln wird sie dir wachsen lassen\u00ab [Gen. 3,1s]; \u00bbIm Schwei\u00dfe deines Angesichtes\u00ab usw. [ebenda 19]. Und die H. Schrift sagt ausdr\u00fccklich: \u00bbGott, der Herr, vertrieb ihn aus dem Garten Eden, damit er die Erde bebaue, von der er ge\u00adnommen worden\u00ab [ebenda 25]. Gott machte ihn hinsichtlich seiner Nahrung und vieler seiner Zust\u00e4nde den Tieren gleich, wie die Tora sagt: \u00bbDu sollst das Kraut des Feldes essen\u00ab [ebenda 18]. Und diesen Gedanken darlegend sagt die Tora: \u00bbDer Mensch darf in seiner Herrlichkeit nicht f\u00fcr die Dauer bleiben, er gleicht den stummen Tieren\u00ab [Ps. 49, 13].<\/p>\n\n\n\n<p>Gepriesen sei der, der einen Willen besitzt, dessen letztes Ziel und dessen Weisheit von uns nicht begriffen wird.<\/p>\n\n\n\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-678cc482\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns alignfull has-1-columns has-desktop-equal-layout has-tablet-equal-layout has-mobile-collapsedRows-layout has-reverse-columns-mobile has-vertical-bottom ticss-c00aadba\"><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-overlay\"><\/div><div class=\"innerblocks-wrap\">\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column-4d412c51\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column\">\n<h2 id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\">More Newuchim<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#fefefe\">Der \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-1 wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-primary\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-text-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\"><strong>Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.de\" rel=\"license\"><br><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" style=\"border-style: none;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/licensebuttons.net\/p\/zero\/1.0\/88x31.png?w=840&#038;ssl=1\" alt=\"CC0\"><br><\/a><br><br>To the extent possible under law,<br><a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\" rel=\"dct:publisher\"><br>talmud.de<\/a><br>has waived all copyright and related or neighboring rights to<br>F\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen \u2013 More Newuchim.<br>This work is published from:<br><br>Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 2 aus dem \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab, dem More Newuchim, in deutscher \u00dcbersetzung. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4000,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[262],"tags":[117,151],"class_list":["post-4128","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fuehrer-der-unschluessigen","tag-creative-commons","tag-maimonides"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/mor_new_titelblatt.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4128"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4128\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9506,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4128\/revisions\/9506"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4000"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}