{"id":414,"date":"2013-12-07T23:34:23","date_gmt":"2013-12-07T21:34:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=414"},"modified":"2013-12-07T23:34:23","modified_gmt":"2013-12-07T21:34:23","slug":"eine-legende-vom-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/eine-legende-vom-menschen\/","title":{"rendered":"Eine Legende vom Menschen"},"content":{"rendered":"<p><em>Nach dem Midrasch Tanchuma zum Ende des zweiten Buches Mose wiedergegeben.<\/em> <!--more--><\/p>\n<p>Es sagte Rabbi Jochanan: es hei\u00dft \u201eGott tut unerforschlich Gro\u00dfes und Wunder ohne Zahl\u201c (Hiob Kap. 9, Vers 10), das bedeutet, dass alle Seelen von Adam bis ans Ende der Welt in den sechs Sch\u00f6pfungstagen erschaffen worden sind, alle weilen sie im Garten Eden, und alle waren sie anwesend, als die Thora gegeben wurde, denn so steht es geschrieben: \u201emit denen die heute hier sind und mit denen die heute nicht hier sind, schlie\u00dfe ich diesen Bund.\u201c (5 B. M., Kap. 29, Vers 14). Und was bedeutet das: &#8222;Er tut unerforschlich Gro\u00dfes?&#8220; Das will schildern, wie Gro\u00dfes der Heilige, gelobt sei er, bei der Erschaffung des Kindes tut.<br \/>\nIn der Stunde, da einer seinem Weibe sich gesellt, winkt der Heilige, gelobt sei er, dem Engel, der \u00fcber die Empf\u00e4ngnis gesetzt ist, und sagt ihm: \u201ewisse, heute Nacht wird ein Mensch erschaffen aus des N. N. Samen, merk dir&#8217;s, und hab acht auf den Keim, und trage ihn behutsam in deiner Hand. Der Engel gehorcht, nimmt ihn und tr\u00e4gt ihn hin vor den, auf dessen Wort die Welt entstand, und spricht zu ihm: \u201eich habe getan, was du befohlen, was bestimmst du \u00fcber diesen Keim?\u201c Alsbald bestimmt der Heilige, gelobt sei er, was aus ihm werden soll, ob ein Mann oder ein Weib, ein Schw\u00e4chling oder ein Held, ein Armer oder ein Reicher, ein Kurzer oder ein Langer, ein H\u00e4sslicher oder ein Sch\u00f6ner, ein Dicker oder ein D\u00fcnner, und er bestimmt alle seine Schicksale&#8220; aber ob er ein Frommer oder ein B\u00f6sewicht werden soll, das bestimmt er nicht, denn das ist in des Menschen Hand allein gestellt. Und dann winkt der Heilige&#8220; gelobt sei er, dem Engel, der \u00fcber die Seelen gesetzt ist, und sagt ihm: \u201eBringe mir diese und diese Seele aus dem Garten Eden, so und so hei\u00dft sie, so und so sieht sie aus\u201c -denn alle Seelen, die einst auf die Welt kommen sollen, sind von Anfang an erschaffen, vom Tage, da die Welt entstand, bis an ihr Ende sind sie vorbestimmt f\u00fcr die Menschen. &#8211;<br \/>\nSofort geht der Engel und holt die Seele und bringt sie vor den Heiligen gelobt sei er, und sie verneigt sich und b\u00fcckt sich vor dem K\u00f6nig aller K\u00f6nige, dem Heiligen, gelobt sei er. In dieser Stunde sagt der Heilige, gelobt sei er, zu der Seele: \u201eGeh&#8216; ein in jenen Keim\u201c \u00f6ffnet die Seele ihren Mund und spricht: \u201eHerr der Welt, mir gen\u00fcgt die Welt, in der ich weilte seit dem Tage, da du mich erschaffen hast, warum willst du mich eingehen lassen in jenen unsauberen Keim, da ich doch rein und heilig bin und ein St\u00fcck deiner Herrlichkeit?\u201c<br \/>\nDa antwortet ihr der Heilige, gelobt sei er: \u201eDie Welt, in die ich dich einf\u00fchre, wird dir bald sch\u00f6ner sein, als die, in der du bisher geweilt, und von Anfang an habe ich dich erschaffen, um mit jenem Keim vereinigt zu werden.\u201c Und schon vereinigt sie Gott mit ihm. Danach nimmt sie der Engel und tut sie ein in den Mutterleib; man bestellt ihr zwei W\u00e4chter die aufpassen, dass sie nicht herausf\u00e4llt und ein Licht wird hinein getan, das ihr zu H\u00e4pten brennt, denn so hei\u00dft es: \u201eOh w\u00e4re ich noch wie in den ersten Monden, als Gott mich beh\u00fctete, als sein Licht mir zu H\u00e4upten leuchtete\u201c; mit Hilfe dieses Lichtes schaut sie von Anfang der Welt bis zum Ende. Dann nimmt sie der Engel von dort und f\u00fchrt sie nach dem Garten Eden und zeigt ihr dort die Frommen, wie sie in Herrlichkeit thronen, Kronen auf ihren H\u00e4uptern, und er fragt sie: \u201eWei\u00dft du, wer diese sind? Sagt die Seele: \u201eNein, mein Herr\u201c, und der Engel erkl\u00e4rt ihr: \u201eDie du hier siehst, sind einst wie du in einem Mutterleib gebildet worden, traten ans Licht der Welt und haben die Thora und die Gebote gehalten, deshalb sind sie solchen Gl\u00fcckes gew\u00fcrdigt worden, und wenn du einst Gottes Thora halten wirst, wirst du gleicher Herrlichkeit teilhaftig werden\u201c. Am Abend f\u00fchrt er sie nach Gehenna und zeigt ihr dort die Schlechten, wie die Engel des Verderbens sie mit feurigen Ruten schlagen, sie schreien: wehe, wehe, aber jene haben kein Erbarmen mit ihnen. Und der Engel fragt aufs neue: \u201eWei\u00dft du, wer diese sind?\u201c, sagt die Seele: \u201eNein, mein Herr\u201c. Und der Engel erkl\u00e4rt: \u201ediese in Glut Getauchten sind einst geschaffen worden wie du, traten ans Licht der Welt und haben die Thora und die Gebote nicht gehalten; deshalb sind sie in solche Schande gekommen, auch Du wirst in die Welt eintreten, sei fromm und nicht b\u00f6se, und du wirst des ewigen Lebens gew\u00fcrdigt sein.\u201c So f\u00fchrt der Engel die Seele herum vom Morgen bis zum Abend, zeigt ihr den Ort, wo ihr Leib einst sterben wird, und wo er begraben werden wird, dann tut er sie wieder in den Mutterleib, und der Heilige, gelobt sei er, setzt ihr T\u00fcr und Riegel.<br \/>\nNun ruht das Kind neun Monate im Mutterleibe, die drei ersten in der unteren Kammer, die zweiten in der mittleren Kammer und die letzten in der oberen Kammer. Kommt dann seine Zeit, einzutreten in die Welt, w\u00e4lzt es sich in einem Augenblick aus der oberen in die mittlere, aus der mittleren in die untere Kammer; von allem, was die Mutter isst und trinkt, isst und trinkt es zuerst und scheidet nichts aus; darum hei\u00dft es eben: \u201eGott tut unerforschlich Gro\u00dfes und Wunder ohne Zahl\u201c<br \/>\nSoll es nun hinabgehen in die Welt, so kommt derselbe Engel und sagt zu ihm: \u201egekommen ist deine Zeit hinauszugehen in die Welt\u201c; und es sagt darauf: \u201ewarum willst du mich hinausf\u00fchren in die Welt?\u201c Antwortet der Engel: \u201eWisse mein Kind, ohne deinen Willen wurdest du gebildet, ohne deinen Willen wirst du geboren, wider deinen Willen stirbst du einst und musst Rechenschaft ablegen vor dem K\u00f6nig aller K\u00f6nige, dem Heiligen, gelobt sei er.\u201c; Es str\u00e4ubt sich hinauszugehen, da gibt ihm der Engel einen Schlag, l\u00f6scht das Licht, das zu seinen H\u00e4upten brennt, und f\u00fchrt es, auch ohne seine Zustimmung, in die Welt hinaus. Sofort vergisst das Kind alles, was es gesehen und erfahren. Und warum weint das Kind bei seinem Austritt? Weil es einen Ort der Ruhe und der Weite verloren hat, und weil es die Welt vermisst, in der es war.<br \/>\nVon dieser Stunde ab ziehen im Wechsel sieben Welten \u00fcber den Menschen einher. In der ersten, bis er ein Jahr alt ist, ist er wie ein K\u00f6nig, alles fragt nach seinem Wohle, ist begierig ihn zu sehen, herzt und k\u00fcsst ihn. In der zweiten, wenn er zwei Jahre alt ist, macht&#8217;s ihm Behagen, mit den H\u00e4nden gleich einem Schweinchen im Schmutz herumzutappen. In der dritten springt er gleich einem L\u00e4mmlein lustig hin und her vor Vater und Mutter, und alle freuen sich an ihm. In der vierten, wenn er 18 Jahre alt ist und mannbar gleicht er dem stolzen Ross, br\u00fcstet sich mit seiner Kraft. In der f\u00fcnften, wenn er 40, ist ihm wie einem Lasttier gleichsam ein Sattel aufgelegt, er hat Frau und Kind und muss hierhin und dorthin rennen, um Brot zu schaffen. Und in der sechsten steigert sich das noch, er darf sich nicht sch\u00e4men und muss gegen den und jenen ank\u00e4mpfen, wie der Hund den ankl\u00e4fft, der ihm sein Brot fortnehmen will. In der siebenten ist er wieder zum Kinde geworden, das nach allem fragt, isst und trinkt und spielt, und so leise ist sein Schlaf, ein V\u00f6gelchen. kann ihn aufwecken.<br \/>\nKommt nun seine Zeit fortzugehen, kommt derselbe Engel wieder zu ihm und fragt ihn: \u201eKennst du mich?\u201c Er sagt: \u201eJa, warum kommst du gerade heute?&#8220; Sagt der Engel: \u201eUm dich aus der Welt herauszuf\u00fchren, deine Zeit ist da\u201c. Sofort f\u00e4ngt er an zu weinen und erhebt seine Stimme, dass sie von einem Ende der Welt bis zum anderem erschallt; aber niemand h\u00f6rt sie und erkennt sie, nur der Hahn allein (er ist das kl\u00fcgste Tier, weil er als erster den nahenden Anbruch des Tages ahnt). Darauf spricht der Mensch zum Engel: \u201eDu hast mich schon aus zwei Welten gef\u00fchrt und in diese hineingesetzt, jetzt lass mich auch hier.\u201c Da sagt der Engel zu ihm: \u201eHab&#8216; ich&#8217;s dir nicht gesagt? ohne deinen Willen wurdest du geboren, ohne deinen Willen lebst du, und wider deinen Willen musst du Rechenschaft ablegen vor dem Heiligen, gelobt sei er.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Midrasch Tanchuma zum Ende des zweiten Buches Mose wiedergegeben.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[10,15],"tags":[],"class_list":["post-414","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leben","category-krankheit-sterben-tod"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=414"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":415,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414\/revisions\/415"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}