{"id":416,"date":"2013-12-07T23:40:13","date_gmt":"2013-12-07T21:40:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=416"},"modified":"2013-12-07T23:40:13","modified_gmt":"2013-12-07T21:40:13","slug":"der-tod-eines-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/der-tod-eines-menschen\/","title":{"rendered":"Der Tod eines Menschen"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Ende des Lebens und die damit verbundenen Riten F\u00fcrsorge f\u00fcr unsere Verstorbenen<\/em> <!--more--><\/p>\n<p>Wenn die Regungen des Lebens erloschen sind, die einen menschlichen K\u00f6rper zum Menschen machen, dann liegt der leblose K\u00f6rper vor uns, jetzt ein Toter. Aber noch zeigt sein Leib uns G\u2019ttes Ebenbild; G\u2019tt wohnte in diesem Leib. Deshalb begegnen wir einem Verstorbenen mit Ehrerbietung, auch wenn uns der Tote nicht bekannt ist. Der Tote kann sich nicht mehr wehren. Wir sind verpflichtet ihm die Ebenbildlichkeit zu bewahren, &#8211; das ist nicht zuletzt seine Sch\u00f6nheit -, solange er auf der Erde unseren Augen preisgegeben ist, unangetastet, unverletzt, ungesch\u00e4ndet, und ihn der Erde zur\u00fcckzugeben bevor er die Ebenbildlichkeit verliert.<\/p>\n<p>Auch wenn wir wissen, da\u00df alles Weiche am K\u00f6rper sich in der Erde aufl\u00f6st, und schlie\u00dflich nur die Knochen \u00fcbrig bleiben, so achten wir doch mit besonderer Sorgfalt darauf, da\u00df der Leib des Verstorbenen unversehrt bleibt: Er ist die sichtbare Entsprechung der geistigen Gestalt des Verstorbenen. Nach unserer \u00dcberzeugung w\u00fcrde sie bei einer Verletzung des Leibes mit verletzt werden. Denn wir Juden glauben daran, da\u00df wir beim Kommen des Maschiach (Messias) in dieser Gestalt wieder auferstehen werden. Und deshalb werden j\u00fcdische Gr\u00e4ber auch nicht nach einer bestimmten Zeit aufgehoben &#8211; die Toten d\u00fcrfen darin unangetastet ruhen bis zu jener fernen Zeit.<\/p>\n<p>Da\u00df der tote K\u00f6rper sich von selbst in der Erde aufl\u00f6st und au Erde wird, widerspricht dieser Vorstellung nicht. Ja, er soll zu Erde wieder werden d\u00fcrfen, wir wollen es nicht verhindern, weshalb im Judentum jegliche Konservierung des toten K\u00f6rpers abgelehnt wird, und sei es auch nur durch einen zu stabilen Sarg. Dieser Proze\u00df soll allerdings auch nicht gewaltsam, z.B. durch Verbrennug herbeigef\u00fchrt werden. Bewahrt werden soll die geistige Gestalt des Verstorbenen, derer wir gedenken. Ein Bewahren des toten K\u00f6rpers aber ist unerw\u00fcnscht, jeglicher Kult um den toten K\u00f6rper wird verabscheut. Das Grab soll wurdig, aber einfach und schlicht sein. Ein Unterschied zwischen reich und arm soll nicht mehr bestehen. Grabschmuck ist deshalb nicht \u00fcblich.<\/p>\n<p> Die Ehrfurcht gebietet uns, den Leib des Verstorbenen zu versorgen bevor er beerdigt wird, ihn also nicht in dem oft unsch\u00f6nen Zustand zu belassen, in dem er sich beim Erl\u00f6schen des Lebens befindet, ihm die menschliche Sch\u00f6nheit zur\u00fcckzugeben. Diese Pflicht haben wir alle, unabh\u00e4ngig von unserem Verh\u00e4ltnis zu dem Verstorbenen<\/p>\n<p>Wir lassen ihn nicht mit starren offenen Augen daliegen, schlie\u00dfen ihm die Lider. Den herabfallenden Unterkiefer binden wir hoch, so da\u00df der Mund verschlossen ist. Wir strecken den Leichnam aus, da\u00df er w\u00fcrdig daliegt, und legen ihn auf den k\u00fchlen Boden um Verwesungsvorg\u00e4nge vor der Beerdigung zu verz\u00f6gern. Wir bedecken den entkleideten Leichnam mit einem wei\u00dfen Tuch, aufda\u00df er, der wehrlose., nicht entbl\u00f6\u00dft daliege. Eine Kerze wird am Kopfende angez\u00fcndet. Diese Kerze, ewiges Licht f\u00fcr den Toten, bleibt mindestens 50 Tage, bei Eltern 12 Monate, brennen und wird danach erneut bei jedem Jahrzeittag entz\u00fcndet. Der Verstorbene wird nicht allein gelassen, man wacht bei ihm, wechselt sich dabei ab.<\/p>\n<p>In jeder intakten j\u00fcdischen Gemeinde gibt es eine Einrichtung, die Chevra Kaddischa, heilige Gemeinschaft, genannt wird: M\u00e4nner und Frauen, die sich ehrenamtlich bereit erkl\u00e4ren, die Betreuung von Schwerkranken, Sterbenden und die F\u00fcrsorge f\u00fcr die Verstorbenen und die Hinterbliebenen durchzuf\u00fchren. Die Chevra Kaddischa hilft den Angeh\u00f6rigen bei allen Formalit\u00e4ten, bei den Vorbereitungen f\u00fcr die Beerdigung und in der Trauerwoche. Die Chevra Kaddischa \u00fcbernimmt den Leichnam.<\/p>\n<p>Der Tote soll nicht in unsauberem und unreinem Zustand der Erde zur\u00fcckgegeben werden. Bei der alsbald vorgenommenen Totenwaschung wird der Leichnam mit Wasser zun\u00e4chst ges\u00e4ubert, und anschlie\u00dfend der Verstorbene rituell gereinigt (Taharah), wobei er immer bedeckt bleibt. Danach wird er in die Totenkleider (Tachrichim) geh\u00fcllt, die aus einfachem Leinen gen\u00e4ht sind: bei m\u00e4nnlichen Verstorbenen: M\u00fctze, Hemd (Kittel, den man schon zu Lebzeiten an Yom Kippur und auch beim Pessachmahl tr\u00e4gt), lose, G\u00fcrtel, Socken; bei weiblichen: Haube, Kleid, G\u00fcrtel, Str\u00fcmpfe. Danach wird der Tote in den schmucklosen Sarg aus rohen Holzbrettern gelegt, in Israel auch nur in ein Tuch geh\u00fcllt. Der m\u00e4nnliche Tote wird von dem Talith bedeckt, den er zu Lebzeiten trug und bei dem die Knoten der Tzitzith gel\u00f6st werden um ihn unbrauchbar zu machen. Wenn vorhanden legt man ein S\u00e4ckchen mit Erde aus dem Lande Israel unter den Kopf des Verstorbenen um die Verbindung mit dem Verhei\u00dfenen Land wenigstens symbolisch herzustellen.<\/p>\n<p>Nun wird der Tote zum j\u00fcdischen Friedhof gebracht, zun\u00e4chst zum Andachtsraum, wohin ihn zu begleiten als Liebestat gilt. Als Zeichen der Trauer rei\u00dfen die Angeh\u00f6rigen ihre Kleidung an einer Stelle etwas ein. Einer der den Verstorbenen besonders gut kannte, h\u00e4lt nun die Abschiedsansprache (Hesped) , in der des Versorbenen zum Guten gedacht wird. Danach wird der Sarg zum Grab getragen. Der Weg dorthin wird 3-mal unterbrochen indem Psalm 91 (,,Wer im Schutz des H\u00f6chsten wohnt &#8230;,,) gesprochen wird. Das Grab ist erst am Tag des Begr\u00e4bnisses geschaufelt worden. Der Tote wird ins Grab hinabgelassen und von jedem der Anwesenden mit 3 Schaufeln Erde bedeckt, &#8211; der wesentlichste Liebesdienst, der ihm noch erwiesen werden kann. Der Grabh\u00fcgel wird nicht mit Blumen oder Kr\u00e4nzen bedeckt. Der n\u00e4chste Verwandte des Verstorbenen, in der Regel der Sohn, spricht nun in der Gemeinschaft der Anwesenden das Kaddisch-Gebet, die gro\u00dfe Lobpreisung G\u2019ttes, mit dem der Mensch den Willen G\u2019ttes annimmt und seinen teuren Verstorbenen G\u2019ttes Obhut anvertraut. Das erste Kaddisch-Gebet, das am Grab gesagt wird, hat einen etwas anderen Text als das normale Kaddisch-Gebet, das von nun an in der Gemeinschaft t\u00e4glich in Form des ,,Kaddisch der Trauernden&#8220; (Kaddisch Yathom; ohne Abschnitt Thithkabbal) 11 Monate lang und danach erneut bei jedem Jahrzeittag gesagt wird.<\/p>\n<p>Nach Abschlu\u00df der Beerdigung wendet man sich an die Hinterbliebener mit Trostworten. Es ist wichtig ihnen in ihrem Schmerz und ihrer durch den Verlust entstandenen Ratlosigkeit beizustehen und sie nicht allein zu lassen. Sie m\u00fcssen wieder aufgerichtet und f\u00fcr das Leben zur\u00fcckgewonnen werden.<\/p>\n<p>Die Trennungslinie zwischen dem Tod und dem Leben wird markiert durch das Waschen der H\u00e4nde beim Verlassen des Friedhofs.Gegen Ende des Trauerjahres wird der Gedenkstein am Kopf des Grabes aufgestellt oder als Grabplatte daraufgelegt und in einer Feier enth\u00fcllt. F\u00fcr den Text auf dem Grabstein gibt es traditionelle Formen. Das Grab wird nicht bepflanzt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/chajms\/78457858\/\" title=\"Jewish cemetery Hattingen von Chajm bei Flickr\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/farm1.staticflickr.com\/43\/78457858_2500851715.jpg?resize=500%2C375\" width=\"500\" height=\"375\" alt=\"Jewish cemetery Hattingen\"><\/a><\/p>\n<p>Der Jahrzeittag des Todes oder der Beerdigung wird feierlich begangen, das Kaddisch-Gebet erneut gesprochen und der Hymnus ,,El male rachamim&#8220; (\u2018G\u2019tt, voll des Erbarmens\u2019) gesungen. Seit alters her ist es im Judentum Brauch das Andenken eines verehrten Verstorbenen zu mehren indem man seinen Gedenkstein erh\u00f6ht durch das Auflegen eines Steinchens.<\/p>\n<p>Nach der R\u00fcckkehr ins Trauerhaus bereitet man f\u00fcr die Hinterbliebenen ein einfaches Mahl um sie zu st\u00e4rken. Nicht die Trauerg\u00e4ste werden bewirtet, es wird kein \u201eLeichenschmaus\u201d abgehalten.<\/p>\n<p>Am Tag der Beerdigung beginnt die siebent\u00e4gige Trauerwoche, in der die Trauernden zu Hause bleiben um sich ihren Gef\u00fchlen ungest\u00f6rt hingeben zu k\u00f6nnen. Sie werden von hilfreichen und teilnahmsvollen Mitgliedern der Gemeinschaft besucht und werden von der Chevra Kaddischa betreut. Eine 30-t\u00e4gige (f\u00fcr Vater und Mutter 12-monatige) Trauerzeit schlie\u00dft sich an (gerechnet ab der Beerdigung). Erst nach diesen 30 Tagen wird erstmals das Grab besucht, &#8211; dies um jeglichem Totenkult vorzubeugen. Totenwoche und Trauerzeit werden durch den Schabbath unterbrochen, durch einen Yom Tov (Feiertag) werden sie beendet.<\/p>\n<p>Gegen Ende des Trauerjahres wird der Gedenkstein am Kopf des Grabes aufgestellt oder als Grabplatte daraufgelegt und in einer Feier enth\u00fcllt. F\u00fcr den Text auf dem Grabstein gibt es traditionelle Formen. Das Grab wird nicht bepflanzt.<\/p>\n<p>Der Jahrzeittag des Todes oder der Beerdigung wird feierlich begangen, das Kaddisch-Gebet erneut gesprochen und der Hymnus ,,El male rachamim&#8220; (\u2018G\u2019tt, voll des Erbarmens\u2019) gesungen. Seit alters her ist es im Judentum Brauch das Andenken eines verehrten Verstorbenen zu mehren indem man seinen Gedenkstein erh\u00f6ht durch das Auflegen eines Steinchens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ende des Lebens und die damit verbundenen Riten F\u00fcrsorge f\u00fcr unsere Verstorbenen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-416","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-krankheit-sterben-tod"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=416"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":417,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/416\/revisions\/417"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}