{"id":418,"date":"2013-12-07T23:46:18","date_gmt":"2013-12-07T21:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=418"},"modified":"2013-12-07T23:46:18","modified_gmt":"2013-12-07T21:46:18","slug":"krankheit-und-das-warum-des-leidens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/krankheit-und-das-warum-des-leidens\/","title":{"rendered":"Krankheit und das Warum des Leidens"},"content":{"rendered":"<p>Grunds\u00e4tzlich betont das Judentum das Leben: &#8222;Nicht die Toten loben Gott, und alle nicht, die sinken in Grabesstille&#8220; (Ps. 115,17) &#8222;Und wahret meiner Satzungen und meiner Vorschriften, die der Mensch tue, dass er lebe durch sie &#8230;&#8220; (Lev. 18,5). Laut Interpretation des Talmud bedeutet dies: der Mensch soll nicht an den Geboten zugrunde gehen.(Joma 85b), und alle Gesetze der Religion, au\u00dfer G\u00f6tzendienst, Unzucht und Mord (Sanhedrin74a) betreffend, haben keine G\u00fcltigkeit bei Lebensgefahr, auch nicht am Schabbat. &#8222;Unsere Meister lehrten: Man sei am Schabbat um Lebensrettung besorgt, und zwar, je eifriger, desto lobenswerter ist es &#8230;&#8220; (Joma 84b).<!--more--><\/p>\n<p>Trotzdem sind aber Sterben und Tod im Bewusstsein verankert: &#8222;Denn Staub bis du und zum Staube zur\u00fcck kehrst du&#8220; (Gen. 3,19) &#8222;.und zur\u00fcck kehrt der Staub zur Erde, so wie er gewesen, und der Geist kehrt zu Gott, der ihn gegeben&#8220; (Pred. 12,7). Der Tod selbst bedeutet an sich nichts schreckliches: &#8222;Gesegnet ist der, der in der Thora erzo-gen wurde, der mit der Thora sich abm\u00fcht und so handelt, da\u00df er seinem Sch\u00f6pfer wohl gef\u00e4llt. Und er ist mit einem guten Namen aufgewachsen und mit einem guten Namen davongegangen&#8220; (Berachot 17a). Schrecklich ist der Tod auch deshalb nicht, weil die Welt als &#8222;Vorzimmer&#8220; zu einer anderen Welt gilt, somit der Glaube an ein Weiterleben besteht.<\/p>\n<p>Im Judentum existieren verschiedene Auffassungen \u00fcber das, was nach dem Tod kommen wird:<\/p>\n<p>>Seele und K\u00f6rper sterben, aber eine leibliche Auferstehung erfolgt, wenn der Messias kommt (Dan 12,2\/Sanhedrin10,1)<\/p>\n<p>>die Seele verl\u00e4sst den K\u00f6rper und lebt unabh\u00e4ngig von ihm weiter (Unsterblichkeit der Seele; Prov. 12,28\/Schabbat 152b)&#8220;<\/p>\n<p>>Vermischung beider o. g. Ansichten.<\/p>\n<p><strong>Die Frage nach dem &#8222;Warum&#8220; des Leidens<\/strong><\/p>\n<p>Tragisch und damit vom Verst\u00e4ndnis her problematisch ist aber z. B. eine schwere Krankheit oder der Tod eines &#8222;unschuldigen&#8220; Kindes oder eines &#8222;gerechten&#8220; Menschen (durch Verkehrsunfall, Krebserkrankung usf.). Hier stellt sich nun die Frage nach dem Grund des Leidens. Man sollte sich dar\u00fcber im Klaren sein, da\u00df es nicht die &#8222;Patent-Antwort&#8220; gibt, sondern viele Erkl\u00e4rungen m\u00f6glich sind. Zwei Bedingungen m\u00fcssen allerdings erf\u00fcllt sein:<\/p>\n<p>1. Hilft die Antwort der\/dem Betroffenen?<\/p>\n<p>2. Ist sie innerhalb des Judentums zu finden?<\/p>\n<p>Denkbar w\u00e4ren folgende Antworten:<\/p>\n<p>Das Leid basiert auf dem Hintergrund von Lohn und Strafe (Ex. 20,5, Lev. 14,1-9). Wie verh\u00e4lt es sich dann aber mit dem Tod eines Kindes oder eines &#8222;Gerechten&#8220;?<\/p>\n<p>Die Ursache des Leidens liegt in einer Kollektivschuld, d. h. Generationen vorher zeigten Fehlverhalten. Ist es aber m\u00f6glich, da\u00df ein jetzt &#8222;Gerechter&#8220; mit bestraft wird, hei\u00dft es doch in Gen. 18,25: &#8222;Fern sei von dir, solches zu tun, zu t\u00f6ten den Gerechten mit dem Frevler. Fern sei es von dir. Der Richter der ganzen Erde sollte nicht \u00fcben Gerechtigkeit?&#8220;<\/p>\n<p>Das Leid soll den Stolz des Menschen brechen und seine Demut f\u00f6rdern. Ist Gott ein Lehrer, der Menschen f\u00fcr seine Zwecke instrumentalisiert?<\/p>\n<p>Das Leid geschieht, und nur Gott, nicht wir Menschen mit unserem begrenzten Verstand, kennt seine Bedeutung, welche sich erst sp\u00e4ter offenbaren wird, bzw. die kommende Welt bringt die ausgleichende Gerechtigkeit<\/p>\n<p>Das Leid ist ein normaler Bestandteil des Lebens, genauso wie das &#8222;Gute&#8220;, das &#8222;Sch\u00f6ne&#8220; im Leben. Dieser Erkl\u00e4rungsversuch unterscheidet sich von den o. g. dadurch, dass Gott zwar gegenw\u00e4rtig ist und mit leidet (Jes. 63,9) -Gott ist aber nicht mehr das verantwortliche Zentrum, von dem das Leid ausgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grunds\u00e4tzlich betont das Judentum das Leben: &#8222;Nicht die Toten loben Gott, und alle nicht, die sinken in Grabesstille&#8220; (Ps. 115,17) &#8222;Und wahret meiner Satzungen und meiner Vorschriften, die der Mensch tue, dass er lebe durch sie &#8230;&#8220; (Lev. 18,5). 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