{"id":422,"date":"2013-12-07T23:49:31","date_gmt":"2013-12-07T21:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=422"},"modified":"2013-12-07T23:49:31","modified_gmt":"2013-12-07T21:49:31","slug":"was-wir-noch-fuer-den-kranken-tun-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/was-wir-noch-fuer-den-kranken-tun-koennen\/","title":{"rendered":"Was wir noch f\u00fcr den Kranken tun k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Der Kranke m\u00f6ge doch gesund werden. Nat\u00fcrlich w\u00fcnschen wir ihm dies. Daf\u00fcr sch\u00f6pfen wir alle M\u00f6glichkeiten aus, d. h. wir verlassen uns weder ausschlie\u00dflich auf das Gebet, noch nur auf die Medizin, den Arzt und seine Kenntnisse. Lt. Midrasch schweben Gnade und Herrlichkeit G-ttes \u00fcber dem Kopfende; G-tt verl\u00e4sst den Kranken nie.<!--more--> So sollten auch wir dem Kranken beistehen, indem wir aus Achtung vor dem Leben eine entsprechende Haltung am Krankenbett einnehmen, indem wir den Kranken nicht unn\u00f6tig beunruhigen (z. B. ihm alle Sorgen mitteilen) und ihm immer wieder Hoffnung machen.<\/p>\n<p>Hilfreich kann hier das Lesen bzw. Beten aus dem Buch der Psalmen sein. Vielleicht wird in der Synagoge auch ein Familienmitglied des Erkrankten aufgerufen, der bei der Thorarolle ein Ge-bet sprechen kann. Meist ist dies mit einer Spende f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke verbunden. Oder manch andere versp\u00fcren das Bed\u00fcrfnis, in kleinen Zusammenk\u00fcnften f\u00fcr die Genesung zu be-ten. Verschlechtert sich der Zustand des Kranken und man ist hierin der Ansicht, da\u00df das &#8222;To-desurteil&#8220; schon gef\u00e4llt ist, dann zeigt der Talmud anhand von vier verschiedenen Bibelstellen die M\u00f6glichkeit auf, nun das Urteil zu revidieren:<\/p>\n<p>1. Wohlt\u00e4tigkeit\/Gerechtigkeit: &#8222;Es frommen nicht ungerechte Sch\u00e4tze, aber Gerechtigkeit rettet vom Tode&#8220; (Spr. 10,2).<br \/>\n2. Gebet: &#8222;Und sie schrieen zum Ewigen in ihrer Not, aus ihren Bedr\u00e4ngnissen rettete er sie&#8220; (Ps. 107,6\/13\/19\/28).<br \/>\n3. Namens\u00e4nderung: &#8222;Ferner sprach G-tt zu Abraham: Dein Weib Sarai, nicht nenne ihren Namen Sarai, sondern Sarah sei ihr Name. Und ich werde sie segnen und gebe dir auch von ihr einen Sohn ..&#8220; (1. Mose17,15-16).<br \/>\n4. \u00c4nderung des Lebenswandels: &#8222;Und da G-tt ihre Werke sah dass sie umgekehrt waren von ihrem b\u00f6sen Wandel, da bedachte sich G-tt wegen des \u00dcbels, das er geredet hat-te, ihnen zu tun, und tat es nicht&#8220; (Jona 3,10).<\/p>\n<p>Auf diese Weise k\u00f6nnte die Seele des Schwererkrankten aus der Hand des Todesengels &#8222;ma-lach ha-mawet&#8220;, erl\u00f6st werden (1+2), welcher sich &#8211; so die Vorstellung &#8211; am Fu\u00df des Bettes befindet und dessen Aufgabe darin besteht, die Seele des Toten zu G-tt zu bringen. Weiterhin k\u00f6nnen auch Reue und Umkehr (3+4) helfen. Um genau dies anzuzeigen, betet man vor dem ge\u00f6ffneten Thoraschrank f\u00fcr den Kranken und gibt seinen neuen zus\u00e4tzlichen Namen bekannt. Wenn der Betroffenen noch 30 Tage danach lebt, beh\u00e4lt er diesen Namen, welcher anschlie\u00dfend verwendet wird f\u00fcr den Aufruf zur Thoralesung und sogar f\u00fcr Urkunden. Der dann Genesene kann auch seinen Dank \u00f6ffentlich zum Ausdruck zu bringen; im Anschluss an die Thora-lesung spricht er folgende Segensspruchformel:<\/p>\n<p>Gepriesen seist Du, Ewiger, unser G-tt, Du regierst die Welt. Du erweist denen Gutes, die es nicht verdient haben. Du hast mir G\u00fcte erwiesen&#8220;.<\/p>\n<p>Daraufhin antwortet die Gemeinde mit: &#8222;G-tt hat dir alles erdenklich Gute erwiesen. M\u00f6ge er dir weiterhin Gutes erweisen&#8220;(dt. \u00dcbersetzung in Seder ha-tefillot). Der Betroffene dankt G-tt, denn ihm hat er die Heilung zu verdanken.<\/p>\n<p>Dieser Glaube spiegelt sich auch wieder in dem Gebet, welches in Krankheit gesprochen wird:<\/p>\n<blockquote><p>GEBET IN KRANKHEIT<\/p>\n<p>G-tt, in meiner Krankheit wende ich mich an dich, denn ich bin dein Gesch\u00f6pf. Deine St\u00e4rke und dein Mut sind in meinem Geist und deine heilenden Kr\u00e4fte sind in meinem K\u00f6rper. M\u00f6ge es dein Wille sein, mich wieder gesund werden zu lassen.<\/p>\n<p>In meiner Krankheit habe ich gelernt, was wichtig ist und was nicht. Ich wei\u00df, wie abh\u00e4n-gig ich von dir bin. Mein eigenes Leid und meine \u00c4ngste waren meine Lehrer. Gib, dass ich dieses wertvolle Wissen nicht vergesse, wenn ich wieder gesund bin.<\/p>\n<p>Tr\u00f6ste mich G-tt, und birg mich in deiner Liebe. &#8222;Heile mich, G-tt, dann bin ich geheilt. Hilf mir, dann ist mir geholfen&#8220;.<\/p>\n<p>Gepriesen seist du, Ewiger, unser G-tt. Du heilst die Kranken.<\/p>\n<p>(a.a.O.568)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dort hei\u00dft es. &#8222;Tr\u00f6ste mich, G-tt, &#8230; Heile mich, G-tt, &#8230; Du heilst die Kranken&#8220;. Dass G-tt den Kranken nicht verl\u00e4sst, zeigt die letzte Strophe des &#8222;Adon olam&#8220;. Sie ist auch enthalten im &#8222;Gebet in sehr schwerer Krankheit&#8220; (a.a.O., S. 570): &#8222;Mein Geist birgt sich in deiner Hand, &#8230; du bist bei mir.&#8220; In kleiner Abwandlung finden sich diese Worte auch in dem Gebet, dass man f\u00fcr Sterbende sprechen k\u00f6nnte (a.a.O., S. 571): &#8222;Ihre\/Seine Seele birgt sich in deiner Hand Und auch ihr\/sein Leib birgt sich in dir. Ich f\u00fcrchte mich nicht, denn bist bei ihr\/ihm.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kranke m\u00f6ge doch gesund werden. Nat\u00fcrlich w\u00fcnschen wir ihm dies. Daf\u00fcr sch\u00f6pfen wir alle M\u00f6glichkeiten aus, d. h. wir verlassen uns weder ausschlie\u00dflich auf das Gebet, noch nur auf die Medizin, den Arzt und seine Kenntnisse. Lt. 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