{"id":4718,"date":"2019-06-27T12:55:45","date_gmt":"2019-06-27T10:55:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=4718"},"modified":"2023-04-18T08:50:07","modified_gmt":"2023-04-18T06:50:07","slug":"more-newuchim-buch-1-kapitel-50-kapitel-53","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-buch-1-kapitel-50-kapitel-53\/","title":{"rendered":"More Newuchim \u2013 Buch 1 \u2013 Kapitel 50 \u2013 Kapitel 53"},"content":{"rendered":"\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a id=\"_idTextAnchor010\"><\/a>F\u00fcnfzigstes Kapitel<\/h2>\n\n\n\n<p>Wisse, lieber Leser, dass der Glaube nicht etwas ist, was man blo\u00df mit dem Munde auszusprechen hat, sondern was man sich in der Seele vorstellt, indem man davon \u00fcberzeugt ist, dass es so sei, wie man es sich vorstellt. Wenn es dir hinsichtlich der wahren oder nach deiner Meinung f\u00fcr wahr gehaltenen Glaubenslehren gen\u00fcgt, sie blo\u00df m\u00fcndlich herzusagen, ohne dir sie vorzustellen und daran zu glauben, geschweige denn nach ihrer Wahrheit zu forschen, so ist dies sehr leicht; wie du ja viele Gedankenlose finden kannst, die an Glaubenslehren fest\u00adhalten, deren Sinn sie in keinerlei Weise erfasst haben. Wenn dich aber dein Geist bef\u00e4higt, zu dieser obersten Stufe, n\u00e4mlich der Stufe der Forschung, aufzusteigen, und du es als wahr er-kennst, dass Gott Einer ist, n\u00e4mlich die wahre Einheit, so dass du einsiehst, es gebe in ihm schlechterdings keine Zusammen\u00adsetzung, und es sei auch bei ihm an keine Art von Teilbarkeit zu denken, dann wirst du erkennen m\u00fcssen, dass Gott in keiner Weise und in keinem Sinne ein Wesensattribut zukommt, und a\u00df es ebenso unm\u00f6glich ist, dass er ein Wesensattribut besitze, wie es unm\u00f6glich ist, dass er ein K\u00f6rper sei. Wer aber glaubt, dass er Einer sei, dessen ungeachtet aber zahlreiche Eigenschaften besitze, der nennt ihn zwar mit seinem Worte Einen, h\u00e4lt ihn aber in seinem Denken f\u00fcr eine Vielheit, wie die Christen, welche sagen, Gott sei Einer, umfasse aber drei Personen, diese drei seien jedoch Einer. Dasselbe sagt nun derjenige, der be\u00adhauptet, dass Gott Einer sei, aber viele Attribute besitze, dass jedoch er und seine Eigenschaften eine Einheit bilden, wiewohl er zugleich an die Unk\u00f6rperlichkeit Gottes und an dessen voll\u00adkommene Einheit glaubt. Es kommt ja bei unserem Denken und Untersuchen nicht darauf an, was wir sagen, sondern darauf, wovon wir \u00fcberzeugt sind. Es gibt auch keinen Glauben, dem nicht eine Vorstellung vorhergeht; denn der Glaube besteht\u00addarin, dass man hinsichtlich dessen, was man sich vorstellt, fUr wahr h\u00e4lt, es sei au\u00dferhalb des Denkens (in Wirklichkeit) so, wie man es sich im Denken vorstellt. Wenn nun mit diesem Glauben die Gewissheit verbunden ist, dass das Gegenteil des Geglaubten in keiner Weise m\u00f6glich ist, wenn im Denken kein Raum zur Widerlegung dieses Glaubens vorhanden ist und man sich die M\u00f6glichkeit des Gegenteils nicht vorstellen kann, dann ist es ein wahrer Glaube. Und nur wenn du deine Leiden\u00adschaften und Gewohnheiten ablegen kannst, dich im Besitze der reinen Vernunft befindest und auf das aufmerksam achtest, was ich in den folgenden Kapiteln \u00fcber die Undenkbarkeit der Attribute zu sagen gedenke, dann wird das, was ich gesagt habe, als unbedingt wahr erscheinen, und dann wirst du einer derjenigen sein, die die Einheit Gottes denken, nicht aber einer von denen, die sie mit dem Munde bekennen und sich keinen Sinn in diesem Begriffe vorstellen, und die zu jener Klasse ge\u00adh\u00f6ren, von denen der Tanach sagt: \u00bbNahe bist du ihrem Munde, aber fern von ihrem Innern\u00ab [Jirm. 12, 2]. Der Mensch aber soll zu denen geh\u00f6ren, die die Wahrheit denken und be\u00adgreifen, auch wenn sie sie nicht aussprechen d\u00fcrfen, wie es den Frommen befohlen wurde. Ihnen wurde gesagt: \u00bbErw\u00e4gt es in eurem Herzen auf eurer Lagerst\u00e4tte und schweiget !\u00ab [Ps. 4, 5].<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a id=\"_idTextAnchor011\"><\/a>Einundf\u00fcnfzigstes Kapitel<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Sein gibt es viele an sich klare und offenkundige Tatsachen teils Gemein begriffe, teils Sinneswahrnehmungen, teils diesen nahekommende, so dass der Mensch, selbst wenn er in seinem nat\u00fcrlichen Zustande belassen bliebe, f\u00fcr sie keines Beweises bed\u00fcrfte, wie das Dasein der Bewegung, die Tatsachen der Willensfreiheit des Menschen, das offensichtliche Werden und Vergehen oder die sinnlich wahrnehmbaren nat\u00fcrlichen Eigen\u00adschaften der Dinge, wie die W\u00e4rme des Feuers und die K\u00e4lte des Wassers und zahlreiche diesen \u00e4hnliche Dinge. Als aber befremdliche Meinungen aufkamen, sei es von solchen, die in Irrtum verfallen waren, oder von solchen, die diese absichtlich zu einem fernliegenden Zwecke geltend machten, indem die\u00adjenigen, die diesen Meinungen folgten, der Natur der Dinge widerstritten, das sinnlich Wahrnehmbare leugneten oder will\u00adk\u00fcrlich glaubhaft zu machen suchten, dass etwas Nichtseiendes wirklich vorhanden sei, wurden die M\u00e4nner der Wissenschaft gen\u00f6tigt, jene offenkundigen Dinge festzustellen und das Dasein dieser, die nur als Wahngebilde existieren, zu widerlegen. So sehen wir, dass Aristoteles das Dasein der Bewegung erweisen musste, weil es geleugnet wurde, und einen Beweis f\u00fcr die Un\u00addenkbarkeit des Atoms erbringen musste, weil man dessen Vor\u00adhandensein behauptet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zu dieser Gattung geh\u00f6rt auch die Lehre, dass Gott keine Wesenseigenschaften zugesprochen werden d\u00fcrfen. Es ist n\u00e4mlich unmittelbar einleuchtend, dass die Eigenschaft nicht das Wesen des Dinges ist, welches mit dieser Eigenschaft dar\u00adgestellt wird, sondern ein zu seinem Wesen hinzukommendes Ding, somit ein Akzidens (Zustand). W\u00e4re n\u00e4mlich die Eigenschaft das Wesen des mit ihr Dargestellten, dann w\u00e4re sie nur eine Tautologie, etwa wie wenn man sagte: \u00bbDer Mensch ist ein Mensch\u00ab, oder eine Worterkl\u00e4rung, wie wenn man sagte: \u00bbDer Mensch ist das vern\u00fcnftige Lebewesen\u00ab; denn \u00bbLebewesen\u00ab und \u00bbVern\u00fcnftigsein\u00ab machen den Begriff und das wahre Wesen des Menschen aus. Es gibt da kein Drittes au\u00dfer Leben und Vernunft, welches das Wesen des Menschen ausmacht, und dieser wird durch nichts als durch Leben und Vernunft dargestellt. Somit ist die Bedeutung dieses Attributes nichts als eine Worterkl\u00e4rung, nicht anders, als wenn man sagte, das Ding, welches Mensch genannt wird, ist das Ding, welches aus Leben und Vernunft zusammengesetzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also klar, dass das Attribut unbedingt nur eines von zwei Dingen sein kann. Entweder ist es das Wesen des damit Dargestellten, dann ist es eine blo\u00dfe Namenserkl\u00e4rung &#8211; wenn wir eine solche in Beziehung auf Gott als unzul\u00e4ssig bezeichnen, geschieht dies allerdings nicht aus diesem Gesichtspunkte, sondern, wie weiterhin er\u00f6rtert werden wird, aus einem anderen &#8211; oder die Eigenschaft ist nicht das mit ihr Darge\u00adstellte, sondern etwas zu ihm Hinzukommendes; dann f\u00fchrt dies dahin, dass diese Eigenschaft nur eine zuf\u00e4llige Bestimmung zu jenem Wesen sein muss. Denn wenn man selbst den Ausdruck \u00bbzuf\u00e4llige Bestimmung\u00ab (Akzidens) von den Eigenschaften Gottes nicht gebraucht, so wird doch auch mit der Nicht\u00adanwendung dieses Ausdrucks dessen Begriff nicht aufgehoben; denn alles, was zum Wesen eines Dinges hinzukommt, ist eine Bestimmung des Dinges, welche aber seine Wesenheit nicht zur Vollendung bringt, und dies eben ist die Bedeutung des Wortes \u00bbAkzidens\u00ab. Dazu kommt aber noch, dass notwendig, wenn es viele Eigenschaften Gottes g\u00e4be, daraus folgen m\u00fcsste, dass es viele ewige Dinge gibt. Es gibt aber \u00fcberhaupt keinen Glauben an die Einheit Gottes au\u00dfer dem Glauben an ein einziges, einfaches Wesen, bei dem keine Zusammensetzung und keine Vielheit von Bestimmungen denkbar ist, sondern nur Einen Begriff, welchen du, du magst ihn von welcher Seite immer betrachten oder von welchem Gesichtspunkte immer pr\u00fcfen, nur als Einen befindest, der in keiner Weise und aus keinem Grunde in zwei Begriffe geteilt werden kann, und bei welchem es weder au\u00dferhalb noch innerhalb des Denkens eine Vielheit geben kann, wie in diesem Buch bewiesen werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist nun unsere Er\u00f6rterung zu gewissen Forschem ge\u00adlangt, welche sagen, die Eigenschaften Gottes seien nicht sein Wesen, aber auch nicht etwas von seinem Wesen Verschie\u00addenes. Dies ist ebenso, wie wenn andere sagen, die Begriffe, n\u00e4mlich die Allgemeinbegriffe, seien weder seiend, noch nicht\u00adseiend, oder wenn noch andere sagen, dass die einfache Substanz zwar nicht in einem Raume sei, aber dennoch eine Lage einnehme, oder dass dem Menschen zwar schlechterdings keine Handlung zustehe, dennoch aber ein Verdienst. Dies sind jedoch Dinge, die man nur sagen kann, die allerdings in den Worten, nicht aber in den \u00dcberzeugungen vorhanden sein, geschweige denn ein Dasein au\u00dferhalb des Denkens haben k\u00f6nnen. Aber wie du wei\u00dft und wie jeder wei\u00df, der sich nicht selbst t\u00e4uschen will, halten diese Leute an diesen Behauptungen fest, indem derjenige, der sie behauptet, beflissen ist, sie durch eine F\u00fclle von Worten und durch sophistische Beispiele auf\u00adrechtzuerhalten und ihre Wahrheit durch Geschrei und Schm\u00e4hungen und mittelst vielerlei Methoden, die aus Pole\u00admik, Dialektik und Sophisterei zusammengesetzt sind, zu bekr\u00e4ftigen. Wenn aber derjenige, der sie ausgesprochen hat und sie durch diese Methoden geltend gemacht hat, bei sich selbst auf seinen Glauben zur\u00fcckkommt, so wird er darin nichts finden als Verworrenheit und Unzul\u00e4nglichkeit des Ver\u00adstandes, weil er bestrebt war, das Dasein eines nichtseienden Dinges zu behaupten und ein Mittelding zwischen zwei Gegen\u00ads\u00e4tzen zu erschaffen, zwischen denen es durchaus kein Mittel\u00adding geben kann. Gibt es denn ein Mittelding zwischen Seiendem und Nichtseiende oder zwischen der Identit\u00e4t und der Nicht\u00adidentit\u00e4t zweier Dinge? Zu diesen Irrt\u00fcmern mussten aber jene notwendig deshalb gelangen, weil sie, wie wir sagten, an Fantasievorstellungen festhalten, und weil dasjenige, was man sich immer von allen existierenden K\u00f6rpern vorstellt, irgendeine Substanz ist, deren jede notwendig gewisse Eigenschaften be\u00adsitzen muss, und niemals eine k\u00f6rperliche Substanz ohne Attri\u00adbut zu finden ist. Und dieser Analogie folgend glaubten sie, dass Gott in dieser Weise aus einer Vielheit verschiedenartiger Dinge zusammengesetzt sei, aus seinem Wesen und zahlreichen zum Wesen hinzukommenden, Dingen. Einige aber gingen, der Analogie folgend, so weit, dass sie ihn f\u00fcr einen K\u00f6rper hielten, der Attribute besitze; andere hingegen, die nicht bis zu diesem Tiefstand gelangten, verneinten wohl die K\u00f6rper\u00adlichkeit, lie\u00dfen aber doch die Attribute bestehen. Zu alledem aber f\u00fchrte sie nur das hartn\u00e4ckige Festhalten an der w\u00f6rt\u00adlichen Auslegung der Tora, wie ich in den Kapiteln zeigen werde, die \u00fcber diesen Gegenstand handeln.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a id=\"_idTextAnchor012\"><\/a>Zweiundf\u00fcnfzigstes Kapitel<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei jedem Dinge, welchem eine Eigenschaft zugesprochen und von welchem gesagt wird, dass es so oder so beschaffen sei, muss diese Eigenschaft unbedingt einer der folgenden f\u00fcnf Gruppen angeh\u00f6ren. Die erste Gruppe bilden jene Urteile, in denen von dem Dinge seine Definition ausgesagt wird, z. B. von dem Menschen, er sei das vern\u00fcnftige Lebewesen. Und ein derartiges Attribut, welches das Was des Dinges und sein wahres Wesen bezeichnet, ist, wie wir gezeigt haben, nichts als eine Namenserkl\u00e4rung. Diese Art von Attributen aber kann nach der Meinung jedes Menschen von Gott nicht ausgesagt werden, weil es f\u00fcr Gott keine vorhergehenden Ursachen gibt, die sein Dasein verursachen und durch die er bestimmt werden k\u00f6nnte. Und deshalb ist es bei jedem einzelnen der Forscher, die das erw\u00e4gen, was sie sagen, allgemein anerkannt, dass Gott nicht definiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite Gruppe bilden diejenigen Ausspr\u00fcche, in denen das Ding durch einen Teil seiner Begriffsmerkmale dargestellt wird, wie z. B. der Mensch durch das Leben oder durch die Vernunft. Dies bedeutet, dass dieses Attribut dem Dinge als ein notwendiges zuerkannt wird. Wenn wir n\u00e4mlich sagen: Jeder Mensch ist ein vern\u00fcnftiges Wesen, so bedeutet dies tats\u00e4chlich, dass jeder, bei welchem Menschentum vorhanden ist, auch Vernunft haben muss. Aber auch diese Art von Attributen kann nach der Meinung aller Menschen von Gott nicht ausgesagt werden, weil sein Wesen, wenn ihm ein teilweises Was zuk\u00e4me, ein zusammengesetztes sein m\u00fcsste. Diese Gruppe von Attributen ist also in Bezug auf Gott ebenso undenkbar wie die vorerw\u00e4hnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte Gruppe ist diejenige, bei welcher ein Ding durch etwas dargestellt wird, was nicht zu seinem wahren Wesen und zu seiner Substanz geh\u00f6rt, in der Weise, dass diese Eigenschaft nicht zu denjenigen geh\u00f6rt, durch welche das Wesen des Dinges erst vollst\u00e4ndig und zum Bestande gebracht wird, dieses vielmehr nur irgendeine Qualit\u00e4t an dem Dinge ist. Die Qualit\u00e4t aber, wenn sie auch oberster Gattungsbegriff ist, ist nichts als eine akzidentielle Bestimmung. W\u00e4re aber in Gott eine Eigenschaft dieser Gruppe vorhanden, dann w\u00e4re Gott ja wechselnden Zust\u00e4nden unterworfen. Dies gen\u00fcgt, um zu zeigen, dass das in Bezug auf das Wesen und die Substanz Gottes nicht ausgesagt werden kann, n\u00e4mlich dass Gott Qua\u00adlit\u00e4ten besitze. Aber merkw\u00fcrdig ist es, dass es Leute gibt, welche behaupten, dass Gott Eigenschaften zukommen, die aber in Abrede stellen, dass er mit etwas verglichen oder qualifiziert werden k\u00f6nne. Wenn sie aber sagen: er kann nicht qualifiziert werden, so bedeutet dies doch nichts anderes, als dass er keine Qualit\u00e4ten besitze. Jede Eigenschaft aber, welche einer Sub\u00adstanz positiv als wesentlich beigelegt wird, ist entweder eine solche, die diese Substanz zum Bestande bringt, und dann ist sie mit dieser Substanz identisch, oder sie ist nur eine Qualit\u00e4t dieser Substanz. Es gibt nun, wie du wei\u00dft, vier Arten von Qualit\u00e4ten. Ich will dir also in der Gestalt von Eigenschaften f\u00fcr jede dieser Arten ein Beispiel anf\u00fchren, so dass es dir klar werden wird, dass das Vorhandensein dieser Art von Eigen\u00adschaften in Gott unm\u00f6glich ist. Erstes Beispiel: Wenn du einen Menschen durch irgendeine seiner nat\u00fcrlichen, geistigen oder sittlichen Beschaffenheiten oder durch Anlagen darstellst, die ihm zukommen, insofern er eine Seele hat, wie wenn du von ihm sagst: der Betreffende ist ein Schreiner oder ein sitten\u00adstrenger Mann oder er ist krank. Dabei macht es keinen Unter\u00adschied, ob du sagst, der Betreffende ist ein Schreiner, oder ob du sagst, er ist ein Gelehrter oder ein Arzt; denn alle diese Be\u00adzeichnungen bedeuten einen Zustand der Seele. Ebenso macht es keinen Unterschied, ob du sagst, der Betreffende sei sitten\u00adstreng, oder ob du sagst, er sei barmherzig; denn jede Kunst und jede Wissenschaft und jede bleibende Charaktereigenschaft ist ein Zustand der Seele. Dies aber ist durchaus offenkundig f\u00fcr jeden, der sich auch nur ein wenig mit der Logik besch\u00e4ftigt hat. Zweites Beispiel: Wenn du das Ding durch eine nat\u00fcr\u00adliche Kraft darstellst, die es besitzt oder nicht besitzt, wie wenn du sagst, es sei weich oaer hart. Es ist in diesem Falle kein Unterschied, ob du sagst, etwas sei hart oder weich, oder ob du sagst, es sei stark oder schwach. Es sind dies alles physische Beschaffenheiten. Drittes Beispiel: Wenn du einen Mensehen durch eine in ihm bewirkte Qualit\u00e4t darstellst oder durch Affekte, wie wenn du sagst, der Betreffende sei aufgebracht oder zornig oder erschrocken oder barmherzig, insofern diese Eigenschaften nicht dauernde geworden sind. Und von dieser Gattung sind auch die Eigenschaften, wenn du das Ding nach seiner Farbe darstellst oder nach seinem Geschmack oder Geruch, oder wenn du von ihm sagst, es sei warm oder kalt, trocken oder feucht. Viertes Beispiel: Wenn du ein Ding durch etwas beschreibst, was ihm vom Gesichtspunkte der Quantit\u00e4t zukommt, insofern es eine Quantit\u00e4t ist, wie wenn du sagst, das Ding sei lang oder kurz, krumm oder gerade und dergleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtest du nun alle diese und die ihnen \u00e4hnlichen Eigenschaften, so wirst du bemerken, dass sie alle in Beziehung auf Gott nicht ausgesagt werden k\u00f6nnen. Denn Gott besitzt keine Quantit\u00e4t, und es kann ihm keine Eigenschaft zukommen, die eine Quantit\u00e4t als solche in sich schlie\u00dft. Er kann auch keine Einwirkung erleiden, als dass ihm die Eigenschaft des Affektes zukommen k\u00f6nnte. Er besitzt ferner keine F\u00e4higkeiten, als dass ihm eine Kraft und dergleichen zukommen k\u00f6nnte. Er besitzt auch keine Seele, als dass er einen Seelenzustand haben und ihm F\u00e4higkeiten oder Anlagen zukommen k\u00f6nnten wie Demut, Scham und dergleichen und auch nichts von dem, was dem Beseelten zukommt, insofern es eine Seele hat, n\u00e4mlich Gesundheit oder Krankheit. Es ist dir also klar, dass bei Gott keine Eigenschaft vorhanden sein kann, die zur obersten Kategorie der Qualit\u00e4t geh\u00f6rt. Es ist somit bereits bewiesen, dass diese drei Gruppen von Aussagen in Beziehung auf Gott nicht anwendbar sind, und zwar diejenigen, die das Wesen oder einen Teil des Wesens oder eine gewisse in dem Wesen vor\u00adhandene Qualit\u00e4t bezeichnen; denn sie alle bezeichnen eine Zusammensetzung, von der wir zu beweisen gedenken, dass sie in Beziehung auf Gott nicht ausgesagt werden kann. Des\u00adhalb sagen wir von Gott, dass er eine vollkommene Einheit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vierte Gruppe der Eigenschaften ist die, durch welche ein Ding in seiner Beziehung zu einem anderen Dinge darge\u00adstellt wird, indem man es zu einer bestimmten Zeit, zu einem bestimmten Ort oder zu irgend einem Einzelding in Beziehung bringt, wie wenn du z. B. Ruben bezeichnest als den Vater des A, oder als Genossen des B, oder als denjenigen, der an dem und dem Ort gewohnt oder in der und der Zeit gelebt habe. Diese Art von Eigenschaften bedingt allerdings nicht eine Vielheit oder eine Ver\u00e4nderung im Wesen des damit Dargestellten. Denn dieser Ruben, der auf die oben angegebene Art bezeichnet wurde, kann zugleich der Genosse Simons, der Vater Henochs, der Herr Levis, der Freund Judas sein, und in einem Hause da und da wohnen und im Jahre so und so viel geboren sein. Diese Beziehungsverh\u00e4ltnisse machen aber sein Wesen nicht aus und sind auch nicht wie die Qualit\u00e4ten etwas in seinem Wesen. Es k\u00f6nnte somit auf den ersten Blick scheinen, dass es begr\u00fcndet sei, Gott. mit Eigenschaften dieser Art zu be\u00adzeichnen. Allein wenn man sich um die Wahrheit bem\u00fcht und sorgf\u00e4ltig nachdenkt, wird es klar, dass dies unm\u00f6glich ist. In der Tat gibt es keine Beziehung zwischen Gott und der Zeit oder zwischen Gott und dem Raume. Dies ist auch einleuch\u00adtend. Denn die Zeit ist ein mit der Bewegung verbundenes Akzidens, insofern man bei ihr ein Vorher oder Nachher wahrnehmen kann und sie gez\u00e4hlt werden kann, wie an den f\u00fcr diesen Gegenstand vorbehaltenen Stellen dargelegt werden wird. Die Bewegung aber geh\u00f6rt zu den Begriffsmerkmalen der K\u00f6rper. Gott aber ist kein K\u00f6rper, und es gibt keine Be\u00adziehung zwischen ihm und der Zeit. Und ebenso besteht keine Beziehung zwischen Gott und dem Raume. Allerdings aber ist eine Gelegenheit zu untersuchen und zu forschen, ob es zwischen Gott und einem der von ihm geschaffenen Dinge, die zu den Substanzen geh\u00f6ren, irgendeine Art von wirklicher Beziehung geben kann, in der Weise, dass man Gott durch sie darstellen k\u00f6nnte. Dass es aber ein wahres gegenseitiges Verh\u00e4ltnis zwischen Gott und einem der von ihm er\u00adschaffenen Dinge nicht geben kann, ist auch den Anf\u00e4ngern im Denken klar. Denn die Eigent\u00fcmlichkeit zweier im Gegen\u00adseitigkeitsverh\u00e4ltnisse stehenden Dinge ist die, dass sie mit\u00adeinander gleichwertig vertauscht werden k\u00f6nnen. Nun aber kommt Gott, wie wir zeigen werden, ein notwendiges, allen Wesen au\u00dfer ihm jedoch nur ein m\u00f6gliches Sein zu. Somit kann es eine gegenseitige Beziehung zwischen Gott und ihnen nicht geben H). Dass aber irgendeine Beziehung zwischen ihm und ihnen bestehe, halten manche f\u00fcr m\u00f6glich. Es ist aber dennoch nicht m\u00f6glich. Ist es doch unm\u00f6glich, sich ein Verh\u00e4ltnis zwischen Vernunft und Farbe vorzustellen, obgleich sie beide unserer Ansicht nach von einem und demselben Sein umfasst werden. Wie kann man sich also eine Beziehung vorstellen zwischen zwei Dingen, zwischen denen es schlechterdings kein Ding gibt, welches das eine mit dem andern in irgendeiner Weise umfassen k\u00f6nnte? Denn der Ausdruck \u00bbDasein\u00ab kann nach unserer Ansicht, wenn er zugleich von Gott und von irgendetwas au\u00dfer ihm gebraucht wird, doch nur in durchaus homonymer Weise angewendet werden. Ist dem aber so, so gibt es in Wahrheit durchaus keine Beziehung zwischen Gott und irgendeinen der von ihm erschaffenen Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn eine Beziehung kann in der Tat notwendig immer nur zwischen zwei Dingen bestehen, die einer Art im engsten Sinn angeh\u00f6ren; tats\u00e4chlich aber besteht, wenn sie nur derselben Gattung unterstehen, zwischen ihnen keine Beziehung. Deshalb kann man ja auch nicht sagen: Dieses Rot ist st\u00e4rker wie dieses Gr\u00fcn, oder es ist schw\u00e4cher oder gleich stark als dieses Gr\u00fcn, obgleich beides unter denselben Gattungsbegriff f\u00e4llt, n\u00e4mlich unter den der Farbe. Vollends aber, wenn zwei Dinge zwei verschiedenen Gattungen angeh\u00f6ren, besteht zweifellos zwischen ihnen in keiner Hinsicht eine Beziehung, selbst nicht f\u00fcr das einfache Denken des gew\u00f6hnlichen Men\u00adschenverstandes, wenn sie auch unter einen und denselben obersten Begriff fallen. So z. B. wird kein Mensch dar\u00fcber im Zweifel sein, dass es keine Beziehung gibt zwischen hundert Ellen und der Sch\u00e4rfe des Pfeffers; denn das eine geh\u00f6rt in die Kategorie der Qualit\u00e4t, das andere in die der Quantit\u00e4t. Ebenso gibt es auch keine Beziehung zwischen Weisheit und S\u00fc\u00dfigkeit oder zwischen Bescheidenheit und Bitterkeit, ob\u00adgleich alle diese zur obersten Kategorie der Qualit\u00e4t geh\u00f6ren. Wie k\u00f6nnte nun wohl eine Beziehung bestehen zwischen Gott und irgendeinem der von ihm erschaffenen Dinge bei dem weiten Abstande der wahren Natur ihres Seins, der ein so gro\u00dfer ist, dass es neben ihm keinen weiteren geben kann? Best\u00fcnde aber zwischen ihnen eine Beziehung, so h\u00e4tte dies notwendig zur Folge, dass Gott das Akzidens der Beziehung zuk\u00e4me; und wenn dies auch nicht ein Akzidens in seinem Wesen bedeutet, so ist es doch immerhin im allgemeinen in\u00b7 irgendeiner Hinsicht ein Akzidens. Man kann also in Wahrheit, wenn man Gott eine Eigenschaft positiv beilegt, und w\u00e4re es auch nur eine solche von Seiten der Beziehung, dem nicht entgehen, dass man von Gott etwas Unzul\u00e4ssiges aussagt. Allerdings ist diese Gruppe von Attributen noch die angemessenste unter allen, und man muss es nicht allzu strenge nehmen, wenn Gott mit einer solchen dargestellt wird, weil die Bezeichnung Gottes mit einer solchen nicht zur Folge hat, dass man eine Vielheit von ewigen Dingen annehmen muss, und weil sie auch nicht eine Ver\u00e4nderung im Wesen Gottes bedingt, die dadurch bewirkt wird, dass sich die auf Gott bezogenen Dinge \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcnfte Gruppe der bejahenden Eigenschaften ist die, bei welcher das Ding durch seine Wirkung bezeichnet wird. Mit dem Ausdrucke \u00bbdurch seine Wirkung\u00ab meine ich jedoch nicht eine in ihm vorhandene F\u00e4higkeit zu einer Kunst, wie bei den Ausdr\u00fccken \u00bbSchreiner\u00ab oder \u00bbSchmied\u00ab, denn diese ge\u00adh\u00f6ren, wie wir sagten, zur Art der Qualit\u00e4t; sondern ich meine damit die von ihm vollbrachte Wirkung, wie wenn man z. B. sagt: Ruben ist es, der diese T\u00fcr gemacht, diese Mauer gebaut oder dieses Kleid gewebt hat. Die Eigenschaften dieser Art haben mit dem Wesen des Dinges, welches mit ihnen in Beziehung gebracht wird, nichts zu schaffen, und deshalb ist es zul\u00e4ssig, sie von Gott auszusagen, nachdem du wei\u00dft, dass alle diese verschiedenartigen Wirkungen, wie gezeigt wer\u00adden soll, nicht notwendig bedingen, dass sie durch mannigfache Zust\u00e4nde im Wesen des Bewirkenden hervorgebracht werden m\u00fcssen, dass vielmehr alle die verschiedenartigen Werke Gottes nur durch sein Wesen, nicht aber, wie wir zeigen wollen, durch ein zu seinem Wesen hinzukommendes Ding vollbracht werden. Somit wird aus dem in diesem Kapitel Vorgebrachten klar werden, dass Gott von jedem Gesichtspunkte eine Einheit ist, dass es in ihm keine Vielheit gibt, und nichts, was zu seinem Wesen hinzugef\u00fcgt werden k\u00f6nnte, dass die vielen, so ver\u00adschiedenartigen Attribute, die sich in Beziehung auf Gott in den B\u00fcchern der Heiligen Schrift vorfinden, vom Gesichtspunkte seiner vielfachen Wirkungen, nicht aber wegen einer Vielfach\u00adheit in seinem Wesen von ihm ausgesagt werden, und dass einige von ihnen, wie wir zeigten, dazu dienen, ihn in dem, was wir f\u00fcr Vollkommenheit halten, als vollkommen darzustellen. Allerdings ob es m\u00f6glich ist, dass dies Eine und einfache Wesen, in welchem keine Vielheit ist, verschiedenartige Werke voll\u00adbringen kann, soll sp\u00e4ter durch Beispiele klar gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a id=\"_idTextAnchor013\"><\/a>Dreiundf\u00fcnfzigstes Kapitel<\/h2>\n\n\n\n<p>Diejenigen, welche an das Dasein der Eigenschaften Gottes glauben, sind zu diesem Glauben durch etwas veranla\u00dft worden, was dem \u00e4hnlich ist, welches die Anh\u00e4nger der K\u00f6rperlichkeit Gottes bestimmt hat, an diese zu glauben. Wer an die K\u00f6rper\u00adlichkeit Gottes glaubt, den hat nicht die Forschung seines Ver\u00adstandes dazu gebracht, sondern der Umstand, dass er der w\u00f6rt\u00adlichen Auffassung des Schriftwortes folgte. Und so verh\u00e4lt es sich auch mit den Eigenschaften Gottes. Da es in den Propheten\u00adb\u00fcchern und sogar in den B\u00fcchern des Pentateuchs vorkommt, dass die Propheten Gott mit Eigenschaften darstellen, nahmen diese Leute solche Stellen in w\u00f6rtlicher Bedeutung und gelangten so zu dem Glauben, dass Gott Eigenschaften besitze. Sie hielten ihn also gewisserma\u00dfen f\u00fcr ein \u00fcber der K\u00f6rperlichkeit erha\u00adbenes Wesen, nicht aber f\u00fcr ein solches, welches \u00fcber die Zu\u00adst\u00e4nde des K\u00f6rperlichen erhaben ist, n\u00e4mlich \u00fcber die Akzidenzien, d. i. die Beschaffenheiten der Seele, welche ja durchaus Qualit\u00e4ten sind. Du wirst auch bemerken, dass jede Eigen\u00adschaft, von welcher die Anh\u00e4nger der Eigenschaften annehmen, dass sie zum Wesen Gottes geh\u00f6ren, ihrer wirklichen Bedeutung nach Qualit\u00e4ten sind, wenn auch die Propheten dies nicht aus\u00addr\u00fccklich sagen, \u00e4hnlich wie sie es in betreff der Zust\u00e4nde jedes beseelten, lebenden K\u00f6rpers zu tun pflegen. F\u00fcr all dieses aber gilt der Grundsatz: Die heilige Schrift spricht nach der Aus\u00addrucksweise der Menschen. Allerdings hat man bei allen diesen Eigenschaften im Sinne, Gott eine Vollkommenheit beizulegen, nicht aber eben denselben Zustand, der f\u00fcr die beseelten er\u00adschaffenen Dinge als Vollkommenheit gilt. Viele dieser Eigen\u00adschaften aber sind Bezeichnungen seiner verschiedenartigen Wirkungen. Aber wenn auch die Wirkungen Gottes mannig\u00adfaltig sind, m\u00fcssen deshalb nicht notwendig mannigfache Eigenschaften in Gott wirklich vorhanden sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will dir nun hier ein Beispiel aus den bei uns vorhandenen Dingen anf\u00fchren, n\u00e4mlich ein Beispiel daf\u00fcr, dass das Bewir\u00adkende wohl nur Eines ist, dass aber von ihm, wenn es auch nicht ein mit Willen begabtes ist, verschiedene Wirkungen not\u00adwendig verursacht werden, und dies musste um so mehr der Fall sein, wenn es ein mit seinem Willen Wirkendes ist. Dieses Beispiel ist das Feuer, welches manche Dinge zerschmelzen, andere gerinnen macht, welches sowohl kocht als auch ver\u00adbrennt, manche Dinge wei\u00df und manche andere wieder schwarz macht. Wenn nun jemand vom Feuer aussagen w\u00fcrde, es sei das, welches wei\u00df macht, welches schw\u00e4rzt, welches verbrennt, kocht, welches gerinnen und schmelzen macht, so sagte er wohl die Wahrheit; aber jeder, welcher die Natur des Feuers nicht kennt, k\u00f6nnte glauben, dass im Feuer sechs verschiedene Dinge enthalten sind, ein Ding, wodurch es schw\u00e4rzt, ein zweites, wodurch\u00ab es wei\u00df macht, ein drittes, wodurch es kocht, ein viertes, wodurch es verbrennt, ein f\u00fcnftes, wodurch es schmelzt, und ein sechstes, wodurch es h\u00e4rtet, weil ja diese Wirkungen alle einander entgegengesetzt sind, und keine von ihnen den n\u00e4mlichen Begriff wie die anderen hat. Wer aber die Natur des Feuers kennt, der wei\u00df, dass es alle diese Wirkungen nur durch eine einzige wirkende Qualit\u00e4t hervorbringt, n\u00e4mlich durch seine W\u00e4rme. Wenn dies nun schon der Fall ist bei dem, was die Natur vollbringt, um wieviel mehr muss dies gelten von dem mit seinem Willen Wirkenden, und insbesondere von Gott, der \u00fcber jede Schilderung erhaben ist? Wie k\u00f6nnen wir also, weil wir in uns selbst Beziehungen von verschiedener Be\u00addeutung erkennen &#8211; denn der Begriff der Weisheit in uns ist nicht identisch mit dem der Macht, dieser wiederum nicht identisch mit dem des Wissens -, wie k\u00f6nnen wir also daraus schlie\u00dfen, dass in Gott verschiedene zu seinem Wesen geh\u00f6rende Begriffe vorhanden sind, so dass er eine Eigenschaft bes\u00e4\u00dfe, verm\u00f6ge welcher er erkennt, eine andere, verm\u00f6ge welcher er will, und eine dritte, verm\u00f6ge welcher er Macht aus\u00fcbt? Denn dies ist ja die Bedeutung der Eigenschaften, die man von ihm aussagt. Einige sagen dies sogar ausdr\u00fccklich und z\u00e4hlen die Eigenschaften auf, die zum Wesen Gottes hinzu\u00adkommen; andere hingegen sagen es wohl nicht ausdr\u00fccklich, sagen aber doch deutlich, dass sie daran glauben, wenn sie es auch nicht mit verst\u00e4ndlichen Worten ausdr\u00fccken. So z. B. sagen einige: Gott ist seinem Wesen nach allm\u00e4chtig, seinem Wesen nach weise, er lebt und will seinem Wesen nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will aber auch ein Beispiel geben von dem im Menschen vorhandenen rationellen Verm\u00f6gen, welches doch nur eine einzige Kraft ist und bei welchem es keine Vielheit gibt, mittelst dessen aber dennoch der Mensch alle Wissenschaften und K\u00fcnste erlernen, mittelst dessen er, obwohl es das n\u00e4mliche ist, n\u00e4hen, s\u00e4gen, weben und bauen wie auch Geometrie erlernen und einen Staat regieren kann. Und alle diese verschieden\u00adartigen Wirkungen sind notwendig verursacht von einer ein\u00adzigen und einfachen Kraft, bei der es keine Vielheit gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese verschiedenen Wirkungen sind \u00fcberaus zahlreich, so dass sie kaum gez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen, n\u00e4mlich die Wir\u00adkungen, welche das rationelle Verm\u00f6gen hervorbringt. Und somit ist es auch in Beziehung auf Gott nicht undenkbar, dass alle diese mannigfachen Wirkungen von dem einzigen und ein\u00adfachen Wesen herr\u00fchren k\u00f6nnen, in welchem es durchaus keine Vielheit und kein zu ihm Hinzukommendes geben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit sind alle Eigenschaften Gottes, die in den g\u00f6ttlichen B\u00fcchern vorkommen, Darstellungen seiner Wirksamkeit, nicht aber Attribute seines Wesens, oder sie bezeichnen seine absolute Vollkommenheit. Diese Attribute, die in der Tora vorkommen, bedeuten aber nicht, dass Gott ein Wesen be\u00adsitze, welches aus verschiedenen Dingen zusammengesetzt ist. Denn dadurch, dass die Anh\u00e4nger der Attribute das Wort \u00bbZusammensetzung\u00ab nicht zulassen, wird doch sein Begriff nicht aufgehoben, wenn sie eine Substanz annehmen, welche Attribute hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur ist hier eine Stelle, die den Zweifel verursacht, der sie zu diesem Irrtum gef\u00fchrt hat. Diese will ich dir jetzt deutlich machen. Diejenigen n\u00e4mlich, welche an die Attribute glauben, glauben an diese nicht wegen der vielen Wirkungen Gottes, sondern sie bekennen der Wahrheit gem\u00e4\u00df, dass das Eine Wesen mannigfache Wirkungen vollbringen kann. Sie sagen aber, dass die zum Wesen Gottes geh\u00f6renden Eigenschaften sich nicht auf seine Wirkungen beziehen k\u00f6nnen; denn es sei un\u00addenkbar, zu glauben, dass Gott sich selbst erschaffen habe. Sie sind aber in betreff dieser Eigenschaften, die sie Wesens\u00adeigenschaften nennen, miteinander uneinig, n\u00e4mlich in betreff ihrer Zahl, denn sie richten sich hierin jeder nach irgendeiner Schriftstelle. Ich will dir nun diejenigen Eigenschaften an\u00adf\u00fchren, in betreff deren sie alle \u00fcbereinstimmen, von denen sie aber glauben, dass sie sich aus dem Denken ergeben und dass sie sich bei ihrer Annahme nicht nach den Worten eines Propheten richten. Es sind folgende vier: Er lebt, er ist allm\u00e4chtig, er ist allweise und er will. Sie sagen ferner: Es ist undenkbar, dass auch nur das Geringste von diesen verschiedenen Dingen und Vollkommenheiten in Gott nicht vorhanden sei, ebenso wie es unm\u00f6glich ist, dass diese zu seinen Wirkungen geh\u00f6ren. Dies also ist ihre deutlich ausgesprochene Ansicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Du musst aber wissen, dass der Begriff der Weisheit in Gott mit dem des Lebens identisch ist, da jeder, der sich selbst kennt, vorausgesetzt, dass wir unter Weisheit Erkenntnis un\u00adserer selbst verstehen, zugleich mittelst eines und desselben Dinges lebendig und weise ist, da ohne Zweifel das erkennende Wesen selbst auch das erkannte ist\u00ab). Denn unserer Ansicht nach ist Gott nicht aus zwei Dingen zusammengesetzt, aus einem Dinge, welches denkt, und einem anderen, welches nicht denkt, wie der Mensch, welcher aus einer denkenden Seele und einem nicht denkenden K\u00f6rper zusammengesetzt ist. Wenn wir also mit dem Worte \u00bbweise\u00ab meinen, dass er sich selbst kennt, so m\u00fcssen Weisheit und Leben in ihm ein und das\u00adselbe Ding sein. Jene haben aber nicht diese Bedeutung im Sinne, sondern die, dass er seine Gesch\u00f6pfe kennt. Ebenso verh\u00e4lt es sich zweifellos mit der Macht und dem Willen Gottes; denn keines von diesen ist in Gott in Hinsicht auf sein Wesen vorhanden, da er nicht \u00fcber sich selbst m\u00e4chtig ist und nicht von ihm ausgesagt werden kann, dass er sich selbst wolle &#8211; dies w\u00e4re ja etwas, was sich kein Mensch vorstellen kann; viel\u00admehr denkt man diese Eigenschaften tats\u00e4chlich vom Gesichts\u00adpunkte verschiedener Beziehungen zwischen Gott und seinen Gesch\u00f6pfen, n\u00e4mlich, dass er allm\u00e4chtig ist, in dem Sinne, dass er das erschaffen kann, was er erschaffen hat, und dass er will, in dem Sinne, dass er das Seiende so ins Dasein rief, wie er es ins Dasein gerufen, und dass er das kennt, was er ins Dasein gerufen hat. Es ist dir also klar, dass auch diese Eigenschaften nicht in Hinsicht auf sein Wesen, sondern in Hinsicht auf die Gesch\u00f6pfe von ihm ausgesagt werden k\u00f6nnen. Und deshalb m\u00fcssen wir, die Gemeinschaft derer, die Gott in Wahrheit als Einzigen bekennen, sagen, dass wir ebenso wenig, als wir von Gott behaupten k\u00f6nnen, es sei etwas zu seinem Wesen Hinzukommendes, mittelst dessen er die Himmel, ein anderes, mittelst dessen er die Elemente, und ein drittes, mittelst dessen er die stofflosen Vernunftwesen erschaffen hat, von ihm aussagen k\u00f6nnen, es sei etwas zu seinem Wesen Hinzukommendes, verm\u00f6ge dessen er m\u00e4chtig ist, ein anderes, verm\u00f6ge dessen er will, und ein drittes, verm\u00f6ge dessen er die von ihm er\u00adschaffenen Dinge kennt; vielmehr ist sein Wesen ein einziges, einfaches, zu welchem durch aus nichts hinzukommt, und dieses Wesen hat alles Er\u00adschaffene hervor gebracht und kennt es, aber keines\u00adwegs durch etwas, was zu ihm hinzugekommen ist. Es ist auch zwischen diesen verschiedenen Eigenschaften kein Unterschied, ob sie seine Wirkungen oder die Beziehungen zwischen ihm und den von ihm verursachten Dingen betreffen, da gem\u00e4\u00df dem, was wir vom Wesen der Beziehung gesagt haben, die Beziehungen Gottes zu den von ihm geschaffenen Dingen nur im Denken der Menschen vorhanden sind. Dies ist es, was man von den in den Prophetenb\u00fcchern angef\u00fchrten Eigenschaften Gottes notwendig zu glauben hat, oder man muss glauben, dass manche von ihnen Attribute sind, mit denen die Propheten auf seine Vollkommenheit hinweisen, entsprechend dem, was wir als Vollkommenheit betrachten, wie wir noch dar\u00adzulegen gedenken.<\/p>\n\n\n\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-678cc482\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns alignfull has-1-columns has-desktop-equal-layout has-tablet-equal-layout has-mobile-collapsedRows-layout has-reverse-columns-mobile has-vertical-bottom ticss-c00aadba\"><div class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-columns-overlay\"><\/div><div class=\"innerblocks-wrap\">\n<div id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column-4d412c51\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-column\">\n<h2 id=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\" class=\"wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading wp-block-themeisle-blocks-advanced-heading-fb3c7a39\">More Newuchim<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-text-color\" style=\"color:#fefefe\">Der \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-content-justification-center is-layout-flex wp-container-core-buttons-is-layout-16018d1d wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-primary\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-text-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/more-newuchim-fuehrer-der-unschluessigen\/\"><strong>Inhaltsverzeichnis<\/strong><\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/i.creativecommons.org\/p\/zero\/1.0\/88x31.png?w=840\" alt=\"CC0\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/\" rel=\"license\"><br><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 50 bis 53 aus dem \u00bbF\u00fchrer der Unschl\u00fcssigen\u00ab, dem More Newuchim, in deutscher \u00dcbersetzung. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4000,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[262],"tags":[151],"class_list":["post-4718","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-fuehrer-der-unschluessigen","tag-maimonides"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/mor_new_titelblatt.jpg?fit=1200%2C800&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4718","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4718"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4718\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9511,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4718\/revisions\/9511"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4000"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}