{"id":506,"date":"2013-12-11T23:09:05","date_gmt":"2013-12-11T21:09:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=506"},"modified":"2020-08-06T10:53:28","modified_gmt":"2020-08-06T08:53:28","slug":"haeufige-fragen-zum-talmud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/haeufige-fragen-zum-talmud\/","title":{"rendered":"H\u00e4ufige Fragen zum Talmud"},"content":{"rendered":"\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Steht das im Talmud? Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte&#8230; ?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Google verzeichnet 12000 deutschsprachige Treffer zu diesem Thema, aber keine einzige gibt die genaue Stelle an. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bei der englischen Version. Es liegt also nahe: Es steht gar nicht im Talmud! H\u00f6rt sich zwar irgendwie nach Pirkej Avot an, steht aber nicht drin. Irgendjemand hat irgendwann angefangen, dieses Zitat mit der Quellenangabe \u201eTalmud\u201d oder \u201eAus dem Talmud\u201d zu verwenden und schon war es in der Welt.<br>Hier sei erw\u00e4hnt, dass diese Angabe genauso pr\u00e4zise ist als schriebe man: \u201eAus der Bibel\u201d. Kaum eine Lebensberatungsseite, die dieses Zitat nicht benutzt. Kurz: Es ist \u00fcberall und inflation\u00e4r &#8211; nur: es steht nicht im Talmud, sondern stammt vom englischen Schriftsteller Charles Reade. In der englischsprachigen Literatur wurde das Original \u00bbWe sow a thought and reap an act; We sow an act and reap a habit; We sow a habit and reap a character; We sow a character and reap a destiny.\u00ab einem chinesischen Sprichwort zugeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo steht: \u201eWer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet h\u00e4tte\u201d?<\/h2>\n\n\n\n<p>\u201eWer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet h\u00e4tte\u201d &#8211; seit dem Spielfilm Schindlers Liste geh\u00f6rt dieser Satz zu den vielzitierten aus dem Talmud. Er steht im babylonischen Talmud Traktat Sanhedrin 37a<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welchen Wahrheitsgehalt haben die Schriften von Israel Shahak?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer das Buch (und alle B\u00fccher von Shahak) kennt, die posthum erschienen sind, wird wissen, das es kein Buch \u00fcber den tats\u00e4chlichen Talmud ist oder die tats\u00e4chliche j\u00fcdische Religion.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich ein wenig mit der Person besch\u00e4ftigt (google etc.) wird schnell lernen, dass man hier keine wissenschaftliche Abhandlung \u00fcber den Talmud erwarten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Talmud ist integraler Bestandteil j\u00fcdischer Lehre, j\u00fcdischen Lebens und j\u00fcdischen Tuns und kein Werk von\/f\u00fcr Fundamentalisten irgendwelcher Art. Wer sich tats\u00e4chlich mit dem Talmud besch\u00e4ftigt hat wird merken, dass man \u00fcber das Werk selber das nicht leisten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig zu erw\u00e4hnen ist vielleicht, dass der tats\u00e4chliche Jisrael Schahak, also der Chemie-Professor von der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t, der offenbar tats\u00e4chlich ein Kritiker der israelischen Politik war, mit dem Autoren der B\u00fccher \u00fcber das Judentum, den Talmud und den angeblichen Rassismus im Talmud nichts zu tun hat. Der tats\u00e4chliche Israel Shahak ist verstorben und kann sich dementsprechend nicht wehren, wenn B\u00fccher unter seinem Namen ver\u00f6ffentlicht werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wahr? \u201eDie G\u00fcter der Nichtjuden gleichen der W\u00fcste, sie sind ein herrenloses Gut und jeder, der zuerst von ihnen Besitz nimmt, erwirbt sie.\u201d<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Stellenangabe werden oft \u00bbChoschen hamischpath 156\u00ab, \u00bbChoschen hamischpath 271\u00ab und Baba bathra 54b angegeben.<br>Choschen haMischpat, ist ein Teil des Schulchan Aruch, einer Gesetzessammlung die nicht zum Talmud geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Quellenangabe Choschen Hamischpath mit den Nummern 156 und 271, wie sie so h\u00e4ufig zitiert wird stammt urspr\u00fcnglich aus dem Buch \u201eDer Talmud in nichtj\u00fcdischer Beleuchtung\u201d, Autor ist der ungarische Antisemiten Baron Luzsenszky, herausgegeben in Budapest 1931.<br>Eine ausf\u00fchrliche Darstellung von <a href=\"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/talmud-bawli-baba-batra-54\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Baba Batra 54b findet man hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>In gleicher Zitatesammlung erscheint meist auch:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Beraubung eines Jisra\u00e9liten ist nicht erlaubt, die Beraubung eines Nichtjuden ist erlaubt, denn es steht geschrieben (Lev 19,13): ,Du sollst deinem Bruder nicht Unrecht tun. Aber diese Worte, sagt Jehuda, haben auf den Goj keinen Bezug, indem er nicht dein Bruder ist.&#8216; \u201d (Baba mezia 61a)&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Samen der Nichtjuden ist Viehsamen. (Jabmuth 94 b)\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zitate entstammen ebenfalls oben genanntem Buch und sind im Talmud nicht zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"25\" height=\"15\" class=\"wp-image-3543\" style=\"width: 25px;\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/hand_talmudde_klein.png?resize=25%2C15&#038;ssl=1\" alt=\"\"> Siehe auch diesen Artikel <a href=\"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/gefaelschte-talmudzitate\/\">\u00bbGef\u00e4lschte Talmudzitate\u00ab von Rabbiner Esra Munk<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im Talmud soll stehen: Ein M\u00e4dchen von drei Jahren und einem Tag ist zum Beischlaf geeignet.\u201c (Jabmuth 57b, Jabmuth 60a, Aboda zara 37a)<\/h2>\n\n\n\n<p>Entsprechende Zitate kursieren seit langem im Internet und sind recht robust. Fakt ist, dass das Zitat bez\u00fcglich der Dreij\u00e4hrigen in einer Diskussion in Ketuvot 11b auftaucht und nicht etwa in Jewamot, wie man h\u00e4ufig liest. Zudem, ist das \u00bbZitat\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>1. als Bestandteil einer l\u00e4ngeren Diskssion \u00fcber Ehevertr\u00e4ge und nicht jede Meinungs\u00e4u\u00dferung eines Rabbiners im Talmud ist zugleich Halachah, j\u00fcdisches Recht (man muss stets die gesamte Diskussion beachten) und<\/p>\n\n\n\n<p>2. bezieht sich die talmudische Diskussion auf die Mitgift f\u00fcr Jungfrauen und Nicht-Jungfrauen. Sie hat nichts damit zu tun, dass Handlungen erlaubt sind oder nicht. Ob sie verboten sind oder nicht. Tats\u00e4chlich hei\u00dft es in Jewamot 33b:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u05e4\u05d9\u05ea\u05d5\u05d9 \u05e7\u05d8\u05e0\u05d4 \u05d0\u05d5\u05e0\u05e1 \u05e0\u05d9\u05e0\u05d4\u05d5<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbJemand, der ein minderj\u00e4hriges M\u00e4dchen verf\u00fchrt, wird als jemand betrachtet, der sie vergewaltigt hat.\u00abZu au\u00dferehelichen Beziehungen, die off-limits im Judentum und Talmud sind, hei\u00dft es bei Maimonides (Mischne Torah, Hilchot Ischut 1,4) etwa:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbEs ist ein Gebot der Torah, dass jemand, der z\u00fcgellose Beziehungen zu einer Frau unterh\u00e4lt und sie nicht verheiratet sind, die Strafe der Auspeitschung verdient hat.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Fragen zum Talmud, die immer wieder gestellt werden. Etwa: Steht das im Talmud? 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