{"id":508,"date":"2013-12-11T23:16:09","date_gmt":"2013-12-11T21:16:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/?p=508"},"modified":"2025-07-03T13:28:34","modified_gmt":"2025-07-03T11:28:34","slug":"ueber-die-beziehung-des-talmuds-zum-judentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/ueber-die-beziehung-des-talmuds-zum-judentum\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Beziehung des Talmuds zum Judentum"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ein Text aus dem Jahre 1884, der den Talmud gegen\u00fcber antisemitischen Vorw\u00fcrfen verteidigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n\n\n\n<p>Von befreundeter Seite bin ich um eine kurze, gemeinfassliche Darstellung der Beziehung des Talmuds zum Judentum und zu der sozialen Stellung seiner Bekenner ersucht worden. Das Jahrhundert, dem man gew\u00f6hnt war die Palme erleuchteter Humanit\u00e4t und allgemeiner Rechtsachtung zu reichen, scheint leider nicht zur R\u00fcste gehen zu wollen, ohne dem aufrichtigen Menschenfreund den bittern Schmerz gr\u00fcndlicher Entt\u00e4uschung gebracht zu, haben. Wahrheiten, die man l\u00e4ngst in das Geistesinventar der Menschheit eingeb\u00fcrgert glaubte, sind wieder in Frage gestellt, und begraben geglaubte Vorurteile feiern mit Schrecken erregenden Folgen ihre Auferstehung. Vor Allem leiden die Juden unter diesem R\u00fcckschritt der Erkenntnis und Gesittung. Die, wie man meinte, l\u00e4ngst gel\u00f6ste, so genannte \u00bbJudenfrage\u00ab, suchen judenfeindliche Bem\u00fchungen noch erst wieder Regierungen und R\u00e4ten als Gegenstand von Erw\u00e4gungen und Beschlie\u00dfungen zu empfehlen, und die Gestattung, die auch den Juden zukommende Aegide unantastbarer Rechtsgleichheit wieder in Zweifel zu stellen, lassen die niedrigen Leidenschaften unheilvollen Hasses und feindseliger Missgunst in der Brust von Bev\u00f6lkerungen wieder Nahrung gewinnen, die l\u00e4ngst gew\u00f6hnt waren, in dem Juden einen gleichberechtigten Mitb\u00fcrger zu achten, dessen redlicher Flei\u00df und gemeinn\u00fctzige Arbeitsamkeit, sowie immer zu spenden bereite menschenfreundliche Wohlt\u00e4tigkeit, ihm von selbst Anerkennung und Wohlwollen seiner Landesgenossen erworben hatten.<br>\nVon je aber war der Talmud der Leidensgef\u00e4hrte des Juden, und das Vorurteil, dem der Jude erlag, traf immer auch in erster Linie den Talmud, ja kenntnislose Voreingenommenheit war immer vorschnell bereit, die angebliche Gemeinsch\u00e4dlichkeit, deren man das Verhalten des Juden anklagen zu k\u00f6nnen vermeinte, auf den Talmud, als dessen Urheber zur\u00fcckzuf\u00fchren, so dass selbst sonst wohlwollende Kreise, denen eine Berichtigung ihrer Ansichten auf einem ihnen fern liegenden Gebiete nicht zug\u00e4nglich war, und die in dem Talmud nur eine nicht urw\u00fcchsige Beif\u00fcgung zum Judentum erblickten, der Meinung Raum geben konnten, eine Lossagung vom Talmud w\u00e4re sowohl im Interesse der Judenheit, als der \u00fcbrigen Staatsgenossen, in deren Mitte die Juden leben, allen Ernstes zu w\u00fcnschen, und die allm\u00e4hlige Entfremdung j\u00fcdischer Zeitgenossen vom Talmud als ein wirklicher Fortschritt der Gegenwart beif\u00e4llig zu begr\u00fc\u00dfen.<br>\nDiese, von den Erfahrungen der j\u00fcngsten Zeit, getragenen Erw\u00e4gungen, gaben zu dem mir zugekommenen Ersuchen Veranlassung, in gemeinfasslicher Darstellung die Beziehung des Talmuds zum Judentum und zu der sozialen Stellung der Juden darzulegen und durch m\u00f6glichst wortgetreue Ausz\u00fcge aus den talmudischen Schriften auch jedem nichtj\u00fcdischen unbefangenen Leser, die Bildung eines richtigen Selbsturteils \u00fcber den Einfluss des Talmuds auf seine Bekenner zu erm\u00f6glichen.<br>\nIch habe mich der L\u00f6sung dieser Aufgabe gerne unterzogen und hoffe mit den folgenden Bl\u00e4ttern dem Zwecke nach besten Kr\u00e4ften entsprochen zu haben. Wo sich mir die Gelegenheit darbot, habe ich mit Vorliebe solche S\u00e4tze ausgezogen, die mit ihrem Wortlaut in dem j\u00fcdischen Volksbewusstsein heimisch geworden und dadurch den unmittelbarsten Einfluss auf die Gestaltung j\u00fcdischer Gesinnung und Grunds\u00e4tze ge\u00fcbt haben.<br>\nSo m\u00f6gen denn diese anspruchslosen Bl\u00e4tter allen Denen sich als Quelle besserer Erkenntnis darbieten, die gerne Vorurteil gegen Wahrheit austauschen, m\u00f6gen sie insbesondere von allen Denen einer Einsicht und Kenntnisnahme gew\u00fcrdigt werden, die verm\u00f6ge ihrer Stellung und Wirksamkeit berufen sind, auf die Geschicke j\u00fcdischer Staatsgenossen einen Einfluss zu \u00fcben, und m\u00f6ge die Zeit nicht allzu ferne liegen, die in allen Anliegen menschengesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse, durch Erkenntnis des Wahren und Huldigung des Rechten die W\u00fcnsche allgemeinster Wohlfahrt zu hoffnungsreicher Erf\u00fcllung bringen wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber die Beziehung des Talmuds zum Judentum und zu der sozialen Stellung seiner Bekenner.<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt wohl kaum ein anderes Schriftwerk, das die geistige, sittliche und soziale Entwicklung einer ganzen Nation von der fr\u00fchesten Zeit ihres geschichtlichen Daseins bis hinein in die lebendige Gegenwart Jahrhunderte lang also gestaltet und getragen, wie der Talmud. Lange vor dem, gegen den Anfang des dritten Jahrhunderts der \u00fcblichen Zeitrechnung, fallenden Beginn seiner schriftlichen Abfassung war sein Inhalt als m\u00fcndliche \u00dcberlieferung und Lehre in den Geistern und Gem\u00fctern der Nation wirksam, wie dies noch die Schriften eines Josephus und Philo, ja auch die christlichen Bekenntnisschriften beurkunden. Es ist n\u00e4mlich der Talmud nichts als die protokollarische Aufnahme der in der Nation durch \u00dcberlieferung vorhandenen Erkl\u00e4rungen, Erl\u00e4uterungen, Pr\u00e4zisierungen und Ausf\u00fchrungen des in dem schriftlichen Wort der Bibel in pr\u00e4gnanter K\u00fcrze gegebenen Gesetzes. Der Kern dieser \u00dcberlieferungen reicht bis auf Moses hinauf, der sie mit dem schriftlich fixierten Gottesworte zugleich als gleich g\u00f6ttlichen Ursprungs f\u00fcr die Ausf\u00fchrung der Gotteslehre seinem Volke \u00fcbergab und sie in den vierzig Jahren der Wanderschaft durch die W\u00fcste seiner Erkenntnis einpr\u00e4gte. Diese m\u00fcndlichen Erl\u00e4uterungen waren von vorn herein bei der schriftlichen Abfassung des Gotteswortes vorausgesetzt, das zu seiner Ausf\u00fchrung unumg\u00e4nglich der n\u00e4heren Erl\u00e4uterung bedarf, ja, einem aufmerksamen Leser der Bibel zeigt sich die Tatsache, dass alle Gesetze zuerst m\u00fcndlich gelehrt und das ganze Gesetz somit bereits dem Volke ausf\u00fchrlich bekannt war, als ihm Moses dasselbe vor seinem Scheiden in schriftlicher Abfassung \u00fcbergab. Bedarf doch schon das einfache Lesen der Bibel in ihrer Urschrift der m\u00fcndlichen \u00dcberlieferung. Noch heute sind unsere Thorarollen ohne Vokale, Akzente und Versabteilungen, die alle drei erweislich aus viel sp\u00e4terer Zeit stammen, und ebenfalls nur die m\u00fcndlich \u00fcberlieferte Leseweise durch Schriftzeichen festzuhalten bestimmt wurden. Das einfache Lesen der Bibelschrift beruht daher auf \u00dcberlieferung, \u00dcberlieferung derselben Geschlechter und M\u00e4nner, die auch die im Talmud enthaltenen Erl\u00e4uterungen \u00fcberlieferten, und wenn die christliche Kirche in all ihren Konfessionen auch die j\u00fcdische Bibel des alten Testamentes als Glaubens-Urkunde verehrt, so steht sie schon mit ihrem einfachen Bibelwort auf Grund talmudischer \u00dcberlieferung. Eine Tatsache, auf welche schon Hillel einen Heiden, der von ihm die Aufnahme in die j\u00fcdische Gemeinschaft durch Anerkennung des schriftlichen, aber mit Ausschluss des m\u00fcndlichen Gesetzes verlangte, verwies, indem er ihm zum Bewusstsein brachte, wie er selbst zum blo\u00dfen Lesen des schriftlichen Gesetzes der m\u00fcndlichen \u00dcberlieferung vertrauen m\u00fcsste. Bedarf doch auch das schriftliche Bibelwort f\u00fcr die praktische Ausf\u00fchrung des darin niedergelegten g\u00f6ttlichen Gesetzes so sehr einer m\u00fcndlichen Erl\u00e4uterung und setzt dieselbe so sehr voraus, dass selbst im Laufe der Zeit entstandene j\u00fcdische Sekten, die die \u00dcberlieferung des Talmuds verwarfen, sich gen\u00f6tigt sahen, sich eine eigene \u00dcberlieferung zu schaffen. Alle diese Sekten, wie sie im Laufe der Zeit entstanden, sind, bis auf den kleinen Bruchteil der noch vorhandenen Karaiten, wieder von der Bildfl\u00e4che der Zeit verschwunden. Das einzige welthistorische Judentum, das seinen gottgewiesenen Gang in der Mitte der V\u00f6lker, alle Jahrhunderte der Geschichte hindurch bis in die lebendige Gegenwart vollbracht hat und vollbringt, ist das talmudische, das von den \u00dcberlieferungen des Talmuds getragene, gepflegte und erhaltene Judentum. Au\u00dfer diesen bis zu Moses hinaufreichenden \u00dcberlieferungen, enth\u00e4lt der Talmud noch urteilende und belehrende Ausspr\u00fcche, Entscheidungen und Darstellungen sp\u00e4terer Gesetzeslehrer und Weisen, die als Folgerungen, Anwendungen oder Erl\u00e4uterungen aus jenen \u00dcberlieferungen flie\u00dfen und ihnen sich anschlie\u00dfen und gleich ihnen mit Verpflichtungskraft bekleidet sind, den sogenannten halachischen Teil, oder es sind individuelle Ansichten, Spr\u00fcche, Parabeln etc., die eine solche bindende Autorit\u00e4t nicht beanspruchen, der sogenannte agadirsche Teil. Es besteht aber der Talmud aus zwei Werken. Das \u00e4ltere, die Mischna, enth\u00e4lt die m\u00fcndlich vorhandenen \u00dcberlieferungen in S\u00e4tzen von pr\u00e4gnant gefasster K\u00fcrze, deren Erl\u00e4uterungen ebenfalls nur m\u00fcndlich verblieben. Etwa 250 Jahre sp\u00e4ter wurden auch diese schriftlich in einem Werke niedergelegt, das die Gemara hei\u00dft. Diese Gemara, ein b\u00e4nderreiches Werk, ist seiner Form nach wohl ein Unikum in der Literatur. Es sind die fast stenographisch aufgenommenen Diskussionen, wie sie in den Lehrh\u00e4usern verhandelt wurden. Sie enthalten daher auch entgegengesetzte Meinungen, aus welchen f\u00fcr die Praxis nur die sich schlie\u00dflich ergebenden Resultate Geltung haben, wie sie in den Codices systematisch zusammengestellt sind.<br>\nAus diesen fl\u00fcchtigen Skizzen l\u00e4sst sich wohl schon erkennen, wie der Talmud nicht etwa eine dem Judentum hinzugef\u00fcgte Beigabe ist, die man entfernen k\u00f6nnte ohne das Wesen des Judentums zu ber\u00fchren, wie vielmehr der Talmud die einzige Quelle ist, aus welcher das Judentum geflossen, der Grund ist, auf welchem das Judentum besteht und die Lebensseele ist, welche das Judentum gestaltet und erh\u00e4lt. In der Tat, das Judentum, wie es in der welthistorischen Erscheinung des j\u00fcdischen Volkes verk\u00f6rpert ist, und wie es in geistigen und sittlichen F\u00e4higkeiten und Tugenden zu Tage tritt, die ihm selbst seine Feinde nicht abzustreiten wagen, ist durch und durch ein Produkt der talmudischen Lehre und der von ihr geleiteten und gepflegten Erziehung und Bildung: Das bewusstvolle Wandeln durch allen Wechsel der Zeiten und der Geschicke, das geduldige und vertrauensmutige Ausharren in den herbsten, pr\u00fcfungsvollsten Leiden, die opferfreudige Kraft der \u00dcberzeugungstreue, die sich wohl niederwerfen, aber nicht brechen, beugen, aber nicht knicken, hinschlachten, aber nicht zum Abfall verleiten l\u00e4sst; das Pflichtgef\u00fchl, das Gehorsam und Treue f\u00fcr F\u00fcrst und Obrigkeit, Wohlwollen und Wohltun f\u00fcr Mitbev\u00f6lkerungen bereit h\u00e4lt und bet\u00e4tigt, ohne R\u00fccksicht auf das gr\u00f6\u00dfere oder geringere Ma\u00df von Wohlwollen, Gerechtigkeit und Menschlichkeit oder deren Gegenteil, dessen es sich selber in Mitte der Bev\u00f6lkerungen zu erfreuen hat, also, dass das j\u00fcdische Volk von je Misshandlungen und Ausschreitungen erduldet, ohne sich selber zu r\u00e4chenden Ausschreitungen hinrei\u00dfen zu lassen, und bei allen Staaten ersch\u00fctternden Ereignissen immer mit Festigkeit und Treue auf Seite der Obrigkeit gestanden; das geistige Interesse und die geistige Begabung, die von je die Glieder des j\u00fcdischen Volkes kennzeichneten, und ohne Anteil an staatlicher F\u00fcrsorge, ja unter nichtachtender staatlicher Verk\u00fcmmerung, im eigenen Kreise und aus eigener Mitte eine solche hingebende Pflege und Nahrung gefunden, dass, als ihm aus der aufgezwungenen Zur\u00fcckgezogenheit, unter der Gunst der Neuzeit in das Licht der \u00d6ffentlichkeit hinzuzutreten verg\u00f6nnt war, es unerwartet in vollendeter geistiger Ebenb\u00fcrtigkeit den anderen Staatsgenossen zur Seite stand; die pers\u00f6nlichen Tugenden der M\u00e4\u00dfigkeit, des Flei\u00dfes, der Wohlt\u00e4tigkeit, der Sparsamkeit und gleichzeitig der Freigebigkeit, wo es Zwecken der Humanit\u00e4t, der \u00f6ffentlichen Wohlfahrt und Bildung gilt; die Tugenden der Sittlichkeit, die denn doch noch heute in der Liste der groben Verbrechen gegen Leben, Keuschheit und Eigentum, j\u00fcdische Namen zu den Seltenheiten z\u00e4hlen l\u00e4sst; die Tugenden des Familienlebens, das gl\u00fcckliche Verh\u00e4ltnisse der Ehe, der Eltern zu den Kindern, der Kinder zu den Eltern und der Geschwister unter einander; das Gemeindeleben, das immer auf bereitwillige Opferfreudigkeit seiner Glieder wie auf uneigenn\u00fctzige Hingebungstreue seiner Verwalter rechnen konnte; alle diese Durchschnitts-Eigent\u00fcmlichkeiten des j\u00fcdischen Charakters, die demselben gewiss nicht zu Unehre gereichen, und die so sehr zu Tage treten, dass selbst Feinde der j\u00fcdischen Nation nicht umhin k\u00f6nnen, sie ihr zuzugestehen, hat lediglich der Talmud geschaffen, so sehr, dass seitdem die Neuzeit sich mehr und minder dem Talmud entfremdet hat, dies auch bereits in der Abnahme einiger dieser Eigent\u00fcmlichkeiten zu bemerken ist. Ist es ja auch der Talmud, der durch seine liturgischen Sch\u00f6pfungen und Gew\u00f6hnungen das ganze gew\u00f6hnliche Leben des Juden zu einer fortgesetzten Mahnung und Erziehung zur Gottesfurcht zu machen verstanden hat, und bei jedem Genusse, bei jedem wahrgenommenen Naturvorgang, bei jedem heitern oder tr\u00fcben Erlebnis den Juden zu Gott aufblicken l\u00e4sst, dessen Walten er im Natur- und Geschickesleben zu sehen und zu verehren gew\u00f6hnt worden. Ja, die ganze Lehre von der Unk\u00f6rperlichkeit und Unsterblichkeit der Seele, die Lehre von dem jenseitigen Leben und der einstigen gerechten Vergeltung des hienieden pflichttreu oder pflichtvergessen vollendeten Lebens, Lehren, die eine so wesentliche St\u00fctze der religi\u00f6sen Gewissenhaftigkeit und der ausharrenden Pflichttreue bilden, sind in dem schriftlichen Bibelwort nur angedeutet und waren der m\u00fcndlichen \u00dcberlieferung des Talmuds vorbehalten.<br>\nUnd wenn nun dem gegen\u00fcber von Feinden der Judenheit und von Gegnern des Judentums die Behauptung von der Gemeinsch\u00e4dlichkeit des Talmuds verbreitet wird und selbst bei Wohlwollenden Eingang findet, die nicht in der Lage sind, sich eine \u00dcberzeugung von der Wahrheit oder Unwahrheit solcher Behauptungen zu schaffen, wenn namentlich behauptet wird, es leiste der Talmud der List und Verschlagenheit Vorschub, gestatte Betrug, Beraubung und Unrechtfertigkeit jeder Art im Verkehr mit Nichtjuden, mache den Juden arbeitsscheu, sei ein Feind der Arbeit, des Handwerks, der Landwirtschaft, und sei schuld daran, dass der Jude so \u00fcberwiegend vom Handel lebt: so ist doch von allem diesem \u2013 nachweisbar \u2013 nur das gerade Gegenteil die volle Wahrheit, und alle diese Behauptungen sind in ihrem Ursprunge nichts als Ausgeburten des Hasses, des Wahnes, der Unkenntnis, des unbewussten Missverst\u00e4ndnisses oder der absichtsvollen Entstellung.<br>\nIn einer Zeit, in welcher die sogenannte Judenfrage vielerorts wieder in den Vordergrund der Besprechungen getreten, kann, bei der unleugbar innigen Verbindung, in welcher das ganze geistige und sittliche Einzel- und Verkehrsleben des Juden zu dem Talmud steht, gewiss nicht gleichg\u00fcltig sein, welche Meinung vom Talmud in den Anschauungen aller Derjenigen vorwaltet, die durch Intelligenz und Stellung berufen sind, auf die in den Bev\u00f6lkerungen zu pflegenden Gesinnungen f\u00fcr Wahrheit und Recht und die dadurch so sehr bedingten Geschicke der Bekenner des Judentums Einfluss zu \u00fcben, d\u00fcrfte es mindestens w\u00fcnschenswert erscheinen, den vorangeschickten Hinweis auf die hohe N\u00fctzlichkeit des Talmuds als alleiniger Quelle des wirklichen wahrhaftigen Judentums, so wie im Gegensatz zu der behaupteten Gemeinsch\u00e4dlichkeit des Talmuds, vielmehr dessen, die allgemeine Wohlfahrt und das Wohlverhalten der Juden im hohen Grade f\u00f6rdernden und sichernden Lehren durch wortgetreue Ausz\u00fcge aus dem Talmud und den auf denselben sich gr\u00fcndenden, die Praxis entscheidenden Codices zu belegen.<br>\nWir beginnen aber mit dem zuletzt Erw\u00e4hnten, mit Widerlegung der falschen Beschuldigungen des Talmuds und dem Nachweis des faktischen Gegenteils derselben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rechtschaffenheit.<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn du, lehrt der Talmud, einst jenseits vor Gott zur Rechenschaft gezogen werden wirst, wird die erste an dich gerichtete Frage sein: warst du gewissenhaft im Handel und Wandel? (Schabbat 31a.) Dein Ja sei Ja, dein Nein sei Nein. Nie sei das, was du denkst, in Widerspruch zu dem, was du sprichst. W\u00e4re selbst ein Gesch\u00e4ft deinerseits noch. WI nicht juridisch perfekt geworden, so wisse, dass, der einst das Geschlecht der S\u00fcndflut und das Geschlecht des Turmbaus mit Strafe traf, der wird auch Den mit Strafe treffen, der bei seinem Worte nicht bleibt. Auch vom blo\u00df gesprochenen Worte abweichen, ist ein Mangel an Gewissenhaftigkeit. (Baba Mezia 49a.) Ja, gelobt wird, wer auch seinem blasen Gedanken treu bleibt, wie einer der Weisen des Talmuds, dem ein K\u00e4ufer ein Angebot auf einen Verkaufsgegenstand machte, w\u00e4hrend er, der Verk\u00e4ufer mit Anderem besch\u00e4ftigt, ihm nichts erwidern konnte, der K\u00e4ufer daher in der Meinung, er habe ihm zu wenig geboten, sein Angebot erh\u00f6hte, nachdem er seine Besch\u00e4ftigung beendigt hatte, dem K\u00e4ufer die Sache f\u00fcr das erste, niedrige Angebot, lie\u00df, weil, wie er sagte, er schon im Gedanken sein erstes Angebot anzunehmen entschlossen gewesen war. (Makkoth 24a.) Verboten ist es, irgendeinen Menschen, gleichg\u00fcltig ob Jude oder Nichtjude beim Kauf oder Verkauf zu betr\u00fcgen, ihn auch nur mit Worten zu t\u00e4uschen, oder ihm einen an dem Verkaufsgegenstand bewussten Fehler zu verschweigen. Ebenso darf man der Ware kein t\u00e4uschendes Ansehen geben oder deren Werth durch Mischung verringern. (Maimon. Vom Verkauf K. 18.) Jeder, auch der kleinste Diebstahl, Raub, oder Vorenthalten dessen, was dem Andern geb\u00fchrt, ist verboten, gleichg\u00fcltig, ob dies einen Juden oder Nichtjuden oder einem G\u00f6tzen dienenden Heiden betrifft. Man darf auch Nichts zum Scherz oder in der Absicht es wieder zu geben oder es wieder zu erstatten, stehlen. Auch die blo\u00df zeitweilige Benutzung eines Gegenstandes ohne Wissen des Eigent\u00fcmers ist Raub. (Maimon. Vom Diebstahl und vom Raub K. 1. Baba Bathra 88a. Mezia 43b.) Man darf Nichts kaufen, was voraussetzlich gestohlen ist, und darf von keinem Menschen Etwas kaufen, der in begr\u00fcndetem Verdacht des Diebstahls steht.(B. Kama 118b.) Sind Jemandem beim Gastmahl oder im Trauerhause Kleider vertauscht worden, so darf er die ihm Gewordenen nicht gebrauchen. (Bathra 46a.) Staatsseitig geforderte Steuern und Z\u00f6lle hintergehen, ist nicht weniger als Raub.(B. Kama 113a. Maimon. Vom Raub K. 5, 11.) Selbst ein St\u00fcckchen Stroh von einem Strohb\u00fcndel, ein Zweigst\u00fcckchen von einer Hecke zum Zahnstocher abzubrechen wird nicht gebilligt; denn, wird hinzugef\u00fcgt, w\u00fcrde Jeder das tun, w\u00fcrde bald der Eine seines B\u00fcndels, der Andere seiner Hecke verlustig gehen.(Ch. M. 359, 1.) Manches, was an sich nicht unter den Begriff des Diebstahls und Raubes fiele, untersagen rabbinische Anordnungen um, nach ihrem Grundsatze, Alles zu meiden, was dem Unrecht \u00e4hnlich ist oder zu ihm f\u00fchren k\u00f6nnte, ein Grundsatz, den sie \u00fcber das ganze Gebiet des religi\u00f6sen Gesetzes durchgef\u00fchrt und durch den Satz veranschaulicht: dem Nasir\u00e4er, der sich den Genuss des Weines und der Trauben abgelobt hat, ruft man zu, mache einen Umweg und meide selbst die N\u00e4he von Weinbergen. (Chulin 44b. Schabbat 13a. Pessachim 40b und sonst.) Solche vom Unrecht fern haltende Anordnungen hie\u00dfen daher Gesetzumz\u00e4unungen. Aus diesem Grunde haben sie mehrere Arten von Spielen und Wetten untersagt, (den professionsm\u00e4\u00dfigen Spieler erkl\u00e4rten sie unf\u00e4hig zum Zeugen), lehrten Tauben nicht in solcher N\u00e4he zu andern auffliegen zu lassen, dass dadurch fremde Tauben in seinen Schlag gebracht werden k\u00f6nnten etc. (Sanhedrin 24b.) Der Talmud kennt auch nicht nur einen G\u00fcter-Diebstahl, sondern auch einen Meinungs- und Gesinnungs-Diebstahl, (Chulin 84a. b.) dass n\u00e4mlich Einer den Andern veranlasst, ihm eine bessere Meinung und Gesinnung zuzuwenden, als er in Wahrheit durch sein Verfahren verdient, selbst wenn dem Andern dadurch gar kein Nachtheil erw\u00e4chst. Ausdr\u00fccklich hei\u00dft es da auch: man darf keines Menschen Meinung und Gesinnung stehlen, sei es auch eines Nichtjuden, und wird dabei als Beispiel darauf hingewiesen, wie Einer der Lehrer des Talmuds seinem Diener einen ernsten Verweis erteilte, weil dieser dem F\u00e4hrmann, einem Nichtjuden, ein terefa, d.i. f\u00fcr den Juden religionsgesetzlich durch einen Fehler unbrauchbar gewordenes Huhn, als ein koscheres, d.i. auch f\u00fcr den Juden brauchbar, gegeben hatte, obgleich der Fehler f\u00fcr den nichtj\u00fcdischen F\u00e4hrmann ganz gleichg\u00fcltig und das Huhn f\u00fcr ihn v\u00f6llig brauchbar war. Dahin geh\u00f6rt denn auch jede unverdiente captatio benevolentiae, z.B. zudringliche Einladungen, oder \u00dcberh\u00e4ufung mit Geschenken, wo man wei\u00df, dass sie doch nicht angenommen werden, etc.<br>\nGanz besonderer Nachdruck wird auf die gewissenhafte Erf\u00fcllung der 3. B. M. 20, 35. 36 und 5. B. M. 25, 14-16 gebotene Gerechtigkeit in Gewicht und Ma\u00df gelegt, und werden (B. Bathra 88a-90b. Maimon. Diebstahl K. 7 u. 8.) die eingehendsten und ausf\u00fchrlichsten Vorschriften erteilt, wie man die jederzeitige Richtigkeit der Gewichte und Masse zu erhalten und wie man jedem Irrtum im W\u00e4gen, Messen und Rechnen vorzubeugen habe. Schwerer, warnt das talmudische Wort, (B. Bathra 88a. Maimon. Diebstahl 7,12) ist die Straff\u00e4lligkeit bei Ma\u00df- und Gewichtsvers\u00fcndigungen selbst als die Straff\u00e4lligkeit bei geschlechtlichen S\u00fcnden; diese sind Vers\u00fcndigungen gegen Gott allein, jene aber auch gegen den Nebenmenschen; diese k\u00f6nnen durch aufrichtige Busse ges\u00fchnt werden, bei jenen aber ist vollkommene Busse in der Regel unm\u00f6glich, da diese eine Zur\u00fcckgabe des mit Unrecht Gewonnenen erfordern w\u00fcrde, man aber in der Regel gar nicht wei\u00df, Wen und wie viel man durch unrichtiges W\u00e4gen und Messen verk\u00fcrzt hat. Ausdr\u00fccklich hei\u00dft es auch hier wiederholt: (Das. 8.) es ist gleichg\u00fcltig ob man es mit einem Juden oder einem g\u00f6tzendienenden Nichtjuden zu tun hat, wer den Anderen im Messen und W\u00e4ger verk\u00fcrzt, \u00fcbertritt ein Verbot und hat es zu ersetzen, und ebenso darf er auch im Rechnen einen Nichtjuden nicht t\u00e4uschen, wer der gleichen tut, von dem hei\u00dft es (3. B. M. 25,  (Arachin 22a.): von Gott deinem Gotte ist verabscheut wer dergleichen ver\u00fcbt, wer nur irgend ein Unrecht begeht.<br>\nSehr ausf\u00fchrlich ist der Talmud \u00fcber die gewissenhafte Erf\u00fcllung eingegangener Verpflichtungen als Schuldner, H\u00fcter, Lohnarbeiter etc. und heben wir auch aus diesem, reichen Material ein Paar charakteristische S\u00e4tze hervor. Das Bezahlen eingegangener Schulden ist nicht nur eine Rechtsschuld, sondern eine religi\u00f6se Pflicht, (Arachin 22a.) und wird Unp\u00fcnktlichkeit bei vorhandener Zahlungsf\u00e4higkeit ernst getadelt. (B. Mezia 111a.) Wer hundert Gulden geborgt und zahlt sie guldenweise, Zahlung ist es, aber ungehalten darf sein Gl\u00e4ubiger sein. (B. Mezia 77b.) Geliehenes Geld hat man vorsichtig und in einer Weise zu verwenden, dass damit die Schuld dem Gl\u00e4ubiger nicht verloren gehe. Das deinem N\u00e4chsten zu erhaltende Verm\u00f6gen soll dir so teuer sein wie das Deine. (Maimon. Darlehen 1, 3. Aboth 2, 17.) Anvertrautes Gut darf auch nicht vor\u00fcbergehend in Gebrauch genommen werden, ist es geschehen, so hat es Konsequenzen wie Raub.(B. Mezia 43a. b.) Unter Umst\u00e4nden hat es solche Folgen schon bei nur begonnener und nicht ausgef\u00fchrter Benutzung.(Das.) Ebenso wie der Dienstherr den bei ihm Arbeitenden in Nichts verk\u00fcrzen darf, so muss auch ein Lohnarbeiter seine volle Kraft und Zeit im Dienst des Arbeitgebers verwenden. Er darf nicht Nachts arbeiten und sich Tags verdingen, auch nicht sich die n\u00f6tige Nahrung entziehen und sie seinen Kindern zukommen lassen, weil er sich damit die dem Arbeitgeber vermietete Kraft schw\u00e4cht und seine Leistung verringert. Er muss auch die von seinem Dienstherrn gemietete Zeit voll ausnutzen und sie nicht durch wiederholtes M\u00fc\u00dfigbleiben vergeuden, (Maimon. Lohnarbeit. End. Ch. M. 337, 19. 20.) ja, er darf nicht einmal seine Arbeit unterbrechen um vor einem Vor\u00fcbergehenden aufzustehen, dem er sonst Ehrerbietungsbezeugung schuldig ist. (J. D. 244, 5.) Nahrungsweise .Einen hohen Wert legt der Talmud auf eine selbst\u00e4ndige Existenz, die keiner mildt\u00e4tigen Unterst\u00fctzung bedarf, und lehrt mit Nachdruck dieses Ziel auf jede m\u00f6gliche redliche Weise anzustreben und sich zu dessen Erreichung keiner Arbeit und keiner Leistung zu sch\u00e4men, lieber sich die gr\u00f6\u00dften Entbehrungen aufzulegen, um nur der Menschenhilfe entbehren zu k\u00f6nnen. Hoch in Ehren stand im talmudischen Kreise die Arbeit. Sein Grundsatz war: Gro\u00df ist die Arbeit, denn sie ehrt den Mann. (Nedarim 49b.) Einem gefallenen Tiere, hei\u00dft es, ziehe auf der Strasse das Fell ab und verdiene dir Etwas, und sage nicht, ich bin ein Priester, bin ein gro\u00dfer Mann, es schickt sich nicht f\u00fcr mich!(Pessachim 113a.) Lebe am Schabbat wie am Werktage, nur brauche nicht Menschenhilfe anzusprechen. (Das. 112a.) Verdinge dich selbst zu einer dir sonst widerstehenden Arbeit und bleibe unabh\u00e4ngig von Menschenhilfe.(B. Bathra 110a.) Die Weisen des Talmuds achteten ihre Wissenschaft zu hoch, um sie, wie sie sich ausdr\u00fcckten, \u00bbzu einem Spaten zu machen um damit zu graben\u00ab, (Aboth 4, 7.) sie lehrten ihre Wissenschaft unentgeltlich und ern\u00e4hrten sich gr\u00f6\u00dftenteils von Arbeit, Handwerk, Ackerbau oder einfachem Handel. Wie wir diese Nahrungszweige unter ihnen selbst vertreten finden, so lehrten sie auch allgemein: (Kiduschin 30b.) Wie der Vater verpflichtet ist, seinen Sohn im religi\u00f6sen Gesetze zu unterrichten, so ist er auch verpflichtet ihn ein Handwerk lernen zu lassen. Nach Einer Auffassung w\u00e4re jeder ordentliche Erwerb dem Handwerk gleich, nach Anderer w\u00e4re jedenfalls auch ein Handwerk zu erlernen, selbst wenn der Sohn ein anderes Gesch\u00e4ft treiben sollte; denn nur ein Handwerk gew\u00e4hre immer eine Existenz. (Das.) Immer lehre man seinen Sohn ein solches Gewerbe, das m\u00f6glichst rein von Versuchung zum Unrecht ist und ihm auch noch irgendwelche Mu\u00dfe l\u00e4sst, auch seiner geistigen Bildung zu leben. (Das. 82a.) Er lehre ihn auch nicht ein solches Gewerbe, das ihn in Ber\u00fchrung mit Frauenzimmern bringt. Insbesondere wird das Handwerk gesch\u00e4tzt. Alle Handwerke bleiben in der Welt, gl\u00fccklich, wem ein gutes Handwerk zu Teil geworden. (Das.) Sieben Jahre mag Hungersnot sein, die T\u00fcre eines Handwerkers wei\u00df sie nicht zu finden. (Sanhedrin 29a.) Liebe die Arbeit und wolle nicht hoch gestellt sein. (Aboth 2, 10.) Der Gottesf\u00fcrchtige, der von seiner H\u00e4nde Arbeit lebt, hat es doppelt gut, er ist gl\u00fccklich in diesem und in jenem Leben. (Berachot 8a.) In hoher Achtung stand auch der Ackerbau. Wohl zog Mancher das Gesch\u00e4ft vor, und Einer der Rabbiner ging an einem Ackerfeld vor\u00fcber, dessen volle \u00c4hren wie gr\u00fcssend und winkend die K\u00f6pfe bewegten, und sagte er scherzend: winket nur immer, mit einem Gesch\u00e4ft sich befassen ist doch besser als mit euch. (Jebamoth 63a.) Aber das allgemeine Urteil lautete doch anders. Jeder Mensch, wird gelehrt, der keinen Acker hat, ist kein Mensch, denn es hei\u00dft: Die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. S\u00e4e dir selbst deine Frucht und kaufe sie nicht, kommen dir auch beide gleich teuer, das Selbstges\u00e4te ist gesegneter. (Das.) Wenn es in der Strafverk\u00fcndung (5. B. M. 28,  (Jore Dea 265, 3. Schabbat 31a.) hei\u00dft: \u00bbDein Leben wird dir in unsicherer Ferne schweben\u00ab, so gilt das von dem, der sich seinen Kornbedarf von Jahr zu Jahr kauft, \u00bbdu wirst Tags und Nachts in Sorge sein\u00ab, gilt von dem, der seinen Kornbedarf von Woche zu Woche kauft, endlich: \u00bbdu wirst keinen Glauben an dein Leben haben\u00ab, das ist der, der sich auf den Brodverk\u00e4ufer verl\u00e4sst.(Menachoth 103b.) Wer seinen Acker bestellt, w\u00f6rtlich: wer seinem Acker \u00bbdient\u00ab, hei\u00dft es (Prov. 12,  (Sanhedrin 24b.), wird des Brotes satt, nur wenn der Mensch sich wie ein Knecht mit seinem Acker besch\u00e4ftigt, wird er sich an Brod s\u00e4ttigen, sonst nicht.(Sanhedrin 58b.) Aus allen diesen S\u00e4tzen leuchtet hervor, wie sehr es im Talmud gew\u00fcnscht und empfohlen wird, dass Jeder seinen eigenen Acker besitze und bestelle und sich seinen Fruchtbedarf in eigener Landwirtschaft erziele, und wird es nach den damaligen Bodenverh\u00e4ltnissen als ein gesegneter Besitzstand bezeichnet, der zu je einem Drittel aus Getreide- \u00d6l- und Weinbau besteht. (B. Mezia 107a.) Als, hei\u00dft es in M. Rabba zu 1. B. M. 12, 1, Gott den Abraham zur Wanderschaft nach einem Lande berief, das ihm und seinen Nachkommen zu eigen werden sollte, und er in Mesopotamien die Menschen essen und trinken und m\u00fc\u00dfige Kurzweil treiben sah, sagte er: gebe Gott, dass in diesem Lande nicht mein Anteil werde. Als er aber zu den tyrischen Aufg\u00e4ngen an der Grenze von Pal\u00e4stina kam und sah dort die Menschen mit J\u00e4ten besch\u00e4ftigt zur Zeit des J\u00e4tens und mit Ackern zur Zeit des Ackerns, sagte er: gebe Gott, dass in diesem Lande mein Anteil werde. Darauf sprach Gott: deinen Nachkommen gebe ich dieses Land. Wie sich in diesen Worten die Erkenntnis ausspricht, dass auch f\u00fcr die sittliche Entwicklung der eine regelm\u00e4\u00dfige T\u00e4tigkeit beanspruchende Ackerbau am vorteilhaftesten ist, so setzt ja auch das ganze j\u00fcdische Religionsgesetz in allererster Linie den Ackerbau voraus, wie ja auch alle j\u00fcdischen Feste in Zusammenhang mit der Feldarbeit und dem Ackerbau stehen. Der wegen seiner geistigen Bildung gefeierte Stamm Jissachar war Ackerbauer und, \u00bbJeder unter seinem Weinstock und Feigenbaum\u00ab (Micha 4, 4.) ist das j\u00fcdische Ideal gl\u00fccklicher Nationalwohlfahrt. Und dies blieb auch nachdem das j\u00fcdische Volk aus dem eigenen Lande vertrieben in fremden Landen wohnte. Ein Blick in den umfangreichen Traktat Seraim, der von den religionsgesetzlichen Vorschriften hinsichtlich des Ackerbaus handelt, so wie in die dem Zivilrecht angeh\u00f6rigen Traktate Baba Kama, Mezia und Bathra, welche gelegentlich Angelegenheiten der Landwirtschaft besprechen, zeigt, welche umfassende Detailkenntnis von der eigent\u00fcmlichen Beschaffenheit der verschiedenen Arten, von der einer jeden zukommenden besonderen Pflanzung und Wartung nach Beschaffenheit und Lage des Bodens etc., \u00fcberhaupt welche eingehende Kenntnis von, den Erfordernissen einer rationellen Feld- und Baumkultur die Weisen des Talmuds hatten, eine Kenntnis, die sich nur im ernsten Selbstbetrieb der Landwirtschaft erwerben l\u00e4sst, und beweist, wie sie die oben mitgeteilten \u00c4u\u00dferungen \u00fcber den Werth des Ackerbaus auch in eigener Praxis bet\u00e4tigten. Waren sie doch so sehr f\u00fcr ihre Ern\u00e4hrung auf die Landwirtschaft hingewiesen, dass ein Meister der rabbinischen Lehre sich veranlasst sah, seine zahlreichen H\u00f6rer zu bitten, in Fr\u00fchjahrs- und Herbstzeit nicht seinen H\u00f6rsaal zu besuchen, damit sie sich w\u00e4hrend dieser Zeit ausschlie\u00dflich mit ihrer Landwirtschaft besch\u00e4ftigen m\u00f6chten um nicht das ganze Jahr von Nahrungssorgen gequ\u00e4lt zu werden. (Berachot 35b.) Wohl wurde in talmudischer Zeit auch Handel und Industrie gepflegt, sind doch beide ebenso wie der Ackerbau unentbehrlich, und ein Bauer selbst bedarf namentlich des Handels. Wo soll er mit seinen Fr\u00fcchten bleiben, wenn der Kaufmann ihm nicht die Produkte seiner Arbeit abnimmt, um sie anderw\u00e4rts zu verwerten, eine Zusammenh\u00f6rigkeit, die schon das Bibelwort in der br\u00fcderlichen, sich gegenseitig erg\u00e4nzenden Verbindung des Ackerbauenden und Bildung freundlichen Stammes Jissachar und des Handelstammes Sebulun (5. B. M. 33, 18.) vergegenw\u00e4rtigt. Jedoch waren die Weisen des Talmuds einem zu weitl\u00e4ufigen Handelsgesch\u00e4fte und einer zu gro\u00dfen Hingebung an den Handel nicht hold. An dem \u00fcberseeisch eingehenden Groschen, meinten sie, sei kein Segen. (Pesachim 50b.) Und w\u00e4hrend der Ackerbau nach beendigtem Tagewerk und in der Winterszeit auch einige Mu\u00dfe zur Weiterbildung gew\u00e4hrt, sprachen sie die Erfahrung aus, dass bei Gesch\u00e4fts- und Handelsleuten die Weiterbildung meistens zum Stillstand kommt, (Eruwin 55a.) dass, wer zu viel Gesch\u00e4ftsmann ist, kein Weiser wird, (Aboth 2, 6.) mahnten daher: beschr\u00e4nke dich im Gesch\u00e4ft und gewinne Zeit f\u00fcr geistige Weiterbildung, (Aboth 4, 12.) nur bei beschr\u00e4nktem Gesch\u00e4ftsbetrieb l\u00e4sst sich auch Wissenschaft erwerben. (Aboth 6,6) Wir haben schon bemerkt, dass sie ihre Wissenschaft nicht als Erwerbsquelle gebrauchten, und Jeder daher noch einen Nahrungszweig pflegen musste, sie daher auch erinnerten: Sch\u00f6n ist Gesetzesstudium mit Pflege eines Nahrungszweiges, Gesetzesstudium, das mit keiner Arbeit verbunden ist, hat keine Dauer. (Aboth 2, 2.)<br>\nDie bisherigen Mitteilungen aus dem Talmud, die noch leicht wenn es sein m\u00fcsste, vermehrt werden k\u00f6nnten, zeigen wohl zur Gen\u00fcge, wie irrig die Meinung ist, als sei der Talmud ein Feind der Arbeit, insbesondere abhold dem Ackerbau. Wenn der Jude in den sp\u00e4teren Jahrhunderten seines Aufenthaltes in den europ\u00e4ischen Landen dem Ackerbau entfremdet wurde und sich mehr mit Handel besch\u00e4ftigte, so ist daran nicht der Talmud, auch nicht etwa Unlust oder Ungeschick des Juden zum Ackerbau, sondern lediglich die Ungunst der Staaten und V\u00f6lker schuld, die ihm ja den Erwerb von Grund und Boden nicht gestatteten oder mit unendlichen Beschr\u00e4nkungen erschwerten. Und auch ohnehin, so lange der Jude sich nicht der entschiedenen Rechtsgleichheit und des gleichen Rechtsschutzes wie alle andern Staatsgenossen erfreute, so lange er gew\u00e4rtig sein musste, durch Beamtenwillk\u00fcr oder entfesselte Leidenschaft fanatisierter Bev\u00f6lkerungen von Haus und Hof vertrieben zu werden, konnte er sich nicht dem Landbau widmen, der wie kein anderer Nahrungszweig sonst eines v\u00f6llig gesicherten Rechtsstandes bedarf, musste er sich nach dem Erwerb solcher G\u00fcter und solcher F\u00e4higkeiten umsehen, die er \u00fcberall mit hinfl\u00fcchten und \u00fcberall f\u00fcr seinen und der Seinigen Unterhalt verwerten konnte. Man mache den Juden frei und gleich und gebe ihm Zeit sich in einen Beruf hinein zu leben, mit dem man &#8211; wenn uns nicht Alles t\u00e4uscht &#8211; eigentlich von Jugend an in Gew\u00f6hnung und \u00dcbung vertraut sein muss, und es wird der Jude in angestammter Liebe zu einem Nahrungszweig zur\u00fcckkehren, der in seiner urspr\u00fcnglichen Bestimmung mitbegriffen war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Verhalten zu den Regierungen und Mitbev\u00f6lkerungen.<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit drei Eiden sandte Gott Israel ins Exil, hei\u00dft es im Talmud, er lie\u00df Israel schw\u00f6ren, dass sie nie eigenm\u00e4chtig die R\u00fcckkehr zum gelobten Lande zu erzwingen versuchen, sondern geduldig ausharren sollten, bis Gott sie wieder zur\u00fcckf\u00fchren werde. Er lie\u00df Israel schw\u00f6ren, dass sie sich nie gegen die Staaten, die sie aufgenommen, emp\u00f6ren sollten. Und er beschwor die V\u00f6lker, dass sie Israel nicht \u00fcber die Ma\u00dfen dr\u00fccken sollten. (Kethuboth 111a.) Seinen beiden Eiden ist das j\u00fcdische Volk in all den Jahrhunderten seines langen Exils gerecht geworden, nie hat es einen gewaltsamen Versuch zur R\u00fcckkehr gemacht, und nie und nirgends hat es sich gegen die Regierungen emp\u00f6rt, in deren Land es Aufnahme gefunden. Derselbe Talmud, der die Zuversicht auf die einstige Wiederkehr in das Land der V\u00e4ter, den Wiederaufbau des Tempels und die dann vollkommene Erf\u00fcllung des g\u00f6ttlichen Gesetzes auf dem diesem Gesetze ureigenen Boden des gelobten Landes, Hand in Hand mit dem Anbruch des den ewigen Frieden bringenden, Gottesreiches auf Erden durch Sammlung aller Menschen zur Erkenntnis Gottes, des Einzig Einen, und zur Verehrung desselben durch ein Leben der Pflichttreue in Gerechtigkeit und Liebe, derselbe Talmud, der diese Zuversicht und diese Hoffnungen als wesentlichen Bestandteil der j\u00fcdischen \u00dcberzeugungen in unser t\u00e4gliches Gebet einf\u00fcgte, derselbe Talmud macht jeden eigenm\u00e4chtigen Versuch zur Erlangung dieser R\u00fcckkehr zum ver- brecherischen Auflehnen gegen den g\u00f6ttlichen Willen, verpflichtet vielmehr seine Bekenner, den Eintritt dieser Verhei\u00dfungen ausschlie\u00dflich dem von Gott zu ergehenden Ruf unserer Wiedersammlung zu \u00fcberlassen, bis dahin geduldig auszuharren im Lande ihrer Verweisung, es wie ihr Vaterland zu lieben, sein Wohl zu f\u00f6rdern, und F\u00fcrst, Obrigkeit und Mitbewohnern gegen\u00fcber alle Pflichten treuer Untertanen und B\u00fcrger zu erf\u00fcllen, wie dies Jeremias 29, 1-7 dem babylonischen Staate gegen\u00fcber ausgesprochen ist. In Folge dessen haben denn auch die Juden sich \u00fcberall und immer als die treuesten und gehorsamsten Untertanen bew\u00e4hrt. \u00bbDas Recht der Regierung ist Recht\u00ab, lautet der kurze Satz, den der Talmud f\u00fcr unser Verhalten als Norm aussprach, d.h. was eine Regierung f\u00fcr ihr Land als geltendes Recht bestimmt, das hat f\u00fcr uns unverbr\u00fcchliche Geltung und muss gewissenhaft von uns beobachtet werden. (B. Kama 113a.) Nach diesem Grundsatz lehrt, wie wir bereits bemerkt, der Talmud, dass staatsseitig geforderte Z\u00f6lle und Steuern umgehen, durchaus als Diebstahl zu betrachten ist, und ausdr\u00fccklich wird dabei im Rechtscodex Ch. M. 369, 6 bemerkt, dass dieses selbst hinsichtlich solcher Steuern der Fall sei, die der Staat nur von Juden fordert. Das Land, wird dieser Grundsatz von R. Nissim (Nedarim 28a) erl\u00e4utert, ist Eigentum des Landesherrn, und ist dem Juden die Erlaubnis zur Niederlassung im Lande nur unter der Bedingung erteilt, dass von ihm die Landesgesetze gewissenhaft beobachtet werden. Nie lasse die der Regierung schuldige Ehrfurcht au\u00dfer Augen. (Sebachim 102a.) Es gibt nichts Machtherrliches auf Erden als einen K\u00f6nig. (Gittin 56a.) Ein vom K\u00f6nig beauftragter Diener ist wie der K\u00f6nig. (B. Kama 113b.) Eine Regierung macht ihr Wort zur Tat, sagt sie, sie wolle Berge von der Stelle r\u00fccken, so tut sie es und nimmt ihr Wort nicht zur\u00fcck. (B. Bathra 3b.) Bete f\u00fcr das Wohl der Regierung, denn w\u00e4re nicht ihre gef\u00fcrchtete Macht, es w\u00fcrde sich die Gesellschaft in einen Krieg Aller gegen Alle aufl\u00f6sen. (Aboth 3, 2.) Jede Obrigkeit, auch den einfachsten Beamten hast du als vom Himmel gef\u00fcgt zu achten, denn er hat in dem ihm angewiesenen Kreis das Recht und die Ordnung zu handhaben. (Berachot 58a.) So ist denn auch in unserer synagogalen Liturgie das Gebet f\u00fcr F\u00fcrst und Obrigkeit enthalten, und beim Anblick eines K\u00f6nigs lehrt der Talmud die Brachah sprechen: Gepriesen sei Gott, der sterblichen Menschen von seiner Herrlichkeit mitgeteilt. (Das.)<br>\nWir haben schon unter dem Titel Rechtschaffenheit gezeigt, wie nach der ausdr\u00fccklichen Lehre des Talmuds die Pflichten der Rechtschaffenheit gegen jeden Menschen ausnahmslos, auch gegen Heiden und G\u00f6tzendiener geboten sind und jedes Abweichen vom Rechten, jedes gegen irgend welchen Menschen ge\u00fcbte Unrecht im Kauf und Verkauf, jeder Betrug und jede T\u00e4uschung in Messen, W\u00e4gen, Rechnen, Z\u00e4hlen. etc. von Gott verabscheut wird. Aber nicht nur alle Pflichten der Gerechtigkeit, auch aus dem sozialen Zusammenleben flie\u00dfende Menschlichkeit lehrt der Talmud, selbst gegen Heiden und G\u00f6tzendiener \u00fcben, lehrt ihre Arme unterst\u00fctzen, ihre Kranken pflegen, ihre Leichen bestatten, (Gittin 61a.) ihren Greisen mit ehrerbietiger Hilfe entgegenkommen, (Kiduschin 33a.) ihren in menschlicher Wissenschaft hervorragenden Weisen mit der zu Gott aufblickenden. Brachah begegnen, der von seiner Weisheit sterblichen Menschen gegeben. (Berachot 55a.) Alles dies selbst gegen zu Heiden und G\u00f6tzendienern z\u00e4hlende Menschen. Nichtj\u00fcdische Menschen aber, die den von der Bibel gelehrten Gott des Himmels und der Erde erkennen und sich zur Erf\u00fcllung aller allgemeinen menschlichen Pflichten, wie des Verbotes des Mordes, des Diebstahls, der Unkeuschheit etc. verpflichtet bekennen, die stehen nach der Lehre des Talmuds hinsichtlich der Pflichten von Mensch zu Mensch dem Juden v\u00f6llig gleich und haben den Anspruch nicht nur auf alle Pflichten der Gerechtigkeit, sondern auch auf den Erweis t\u00e4tiger Menschenliebe. (Maimon. Melachim 10, 12.) \u00dcberhaupt sind wohl die Weisen des Talmuds die einzigen Lehrer einer Religion, die nicht sagen: au\u00dfer unserm Bekenntnis kein Heil! Sie vielmehr lehren: die Gerechten aller V\u00f6lker haben Anteil an der ewigen Seligkeit. (Sanhedrin 105a.) Die mosaischen Gesetze sind dem Talmud zufolge nur Israel zur ewigen Verpflichtung erteilt, alle \u00fcbrigen Menschen aber sind vollkommene Gerechte vor Gott, wenn sie nur die allgemeinen, so genannten sieben noachidischen Pflichten gewissenhaft beobachten. Daher zu 3. B. M. 18, 5 die talmudischen S\u00e4tze: Selbst ein Nichtjude, der das ihm erteilte g\u00f6ttliche Gesetz erf\u00fcllt, steht dem Hohenpriester gleich, denn es hei\u00dft, welche der Mensch erf\u00fcllt und Leben durch sie gewinnt. Ebenso (Jesaja 26,  Baba Mezia 49a.): \u00d6ffnet die Pforten, dass Priester und Israel eingehen, hei\u00dft es nicht, sondern: dass ein gerechtes, die Treue bewahrendes Volk eingehe. Ferner (Psalm 118,  (B. Mezia 43a. b.): Dies ist die Pforte zu Gott, Priester, Leviten und Israel hei\u00dft es nicht, sondern: Gerechte gehen in sie ein. So auch (Psalm 33,  (Schabbat 31a.): Jauchzet Priester, Leviten und Israel hei\u00dft es nicht, sondern: Jauchzet Gerechte in Gott. Endlich (Psalm 125,  (Maimon. Vom Verkauf K. 18.): Tue Gutes, Gott, den Priestern, Leviten und Israel hei\u00dft es nicht, sondern: Tue Gutes, Gott, den Guten! Aus allem diesem folgt, dass selbst ein Nichtjude, der das ihm erteilte Gesetz erf\u00fcllt, dem Hohenpriester gleichsteht. (Sifra zu 3. B. M. 18, 5.) Diese S\u00e4tze gew\u00e4hrleisten Leben, Gottesn\u00e4he, Gl\u00fcckseligkeit und Heil jedem Menschen, der die ihm obliegenden Pflichten in treuer Gewissenhaftigkeit vor Gott erf\u00fcllt. Spricht doch ein talmudischer Weiser geradezu: Himmel und Erde rufe ich zu Zeugen, es sei Nichtjude oder Jude, Mann oder Frau, Knecht oder Magd, je nach seinen Werken ruht heiliger Geist auf ihm. (Tana debe Elia zu Richter 4, 4.)<br>\nAuf Grund und im Geiste dieser talmudischen Lehren haben denn auch die Gesetzeslehrer aller Zeiten ihre Br\u00fcder das Verhalten gelehrt, das ihre j\u00fcdische Pflicht von ihnen in Beziehung zu den Regierungen und Bev\u00f6lkerungen fordert, unter deren Schutz und in deren Mitte sie leben, haben sie insbesondere mit Ernst und Nachdruck darauf hingewiesen, wie die Bev\u00f6lkerungen, in deren Mitte sie leben, wie sie auch sonst von den j\u00fcdischen Anschauungen und Lebensweisen sich unterscheiden m\u00f6gen, doch auch die j\u00fcdische Bibel des alten Testaments als ein Buch g\u00f6ttlicher Offenbarung verehren und in ihrer Glaubens- und Pflichtenlehre den von der Bibel gelehrten Gott des Himmels und der Erde und seine in diesem und jenem Leben waltende Vorsehung bekennen, der sie zur Erf\u00fcllung der allgemeinen menschlichen Pflichten verpflichtet, sie daher von den heidnischen und g\u00f6tzendienenden V\u00f6lkern der talmudischen Zeit, hinsichtlich deren der Talmud wohl alle Rechtspflichten, die Erf\u00fcllung t\u00e4tiger Menschenliebe aber nur in beschr\u00e4nktem Ma\u00dfe gebietet, sich v\u00f6llig unterscheiden, vielmehr zu denen nichtj\u00fcdischen Menschen z\u00e4hlen, die auch hinsichtlich des, Erweises t\u00e4tiger Menschenliebe der Talmud dem Juden v\u00f6llig gleichstellt. Sie weisen mit Ernst und Nachdruck darauf hin, wie uns noch ganz besonders die Pflicht der Dankbarkeit gegen die F\u00fcrsten und V\u00f6lker obliegt, die uns Aufnahme und Schutz gew\u00e4hren, da doch selbst vom \u00c4gypter, in dessen Lande wir die dr\u00fcckendste Sklaverei erduldet, die heil. Schrift (5. B. M. 23,  (B. Kama 113a. Maimon. Vom Raub K. 5, 11.) gebietet: hege keine Unfreundlichkeit gegen den \u00c4gypter, denn Aufenthalt fandest du in seinem Lande. In einer unserer Gegenwart nahen Zeit, Ende des vorigen Jahrhunderts, haben namentlich hochgefeierte Rabbinen wie R. JECHESKEEL LANDAU, R. ELEASAR FLESKELES und R. JAKOB EMDEN in verschiedenen Schriften dieses Thema eingehend behandelt. Dieser Letztere in seinem Kommentar zu, Aboth IV. 11 hob ganz besonders hervor, wie<br>\n\u00bbChristen und Mohammedaner von uns als ein Mittel zur einstigen Verwirklichung der allgemeinen Gottes Erkenntnis auf Erden zu betrachten sind. W\u00e4hrend die V\u00f6lker vor ihnen G\u00f6tzen dienten, Gottes Dasein leugneten, also weder Gottes Macht noch eine Vergeltung anerkannten, diente das Bestehen der Christen und Mohammedaner dazu unter den V\u00f6lkern das Gottesbewusstsein zu verbreiten und in den fernsten L\u00e4ndern der Erkenntnis Eingang zu verschaffen, dass es einen Gott gibt, der die Welt beherrscht, der belohnt und bestraft, und an Menschen seine Offenbarungen ergehen lie\u00df. Einsichtsvolle christliche Gelehrte haben aber nicht blo\u00df der schriftlichen Offenbarung im Kreise der V\u00f6lker Anerkennung verschafft, sondern auch der der M\u00fcndlichkeit \u00fcbergebenen Gottesoffenbarung zum Schutze gedient. Denn als ruchlose, dem Gottesgesetze feindliche Personen aus unserer Mitte die Absicht hatten, den Talmud abzuschaffen und zu vertilgen, haben sich aus ihrer Mitte F\u00fcrsprecher zur Abwehr dieser Bestrebungen erhoben etc.\u00ab<br>\nDass das j\u00fcdische Volk diese Verpflichtung des Talmuds auf Treue und Gehorsam f\u00fcr Obrigkeit, auf Gerechtigkeit und Menschenliebe f\u00fcr alle Mitbev\u00f6lkerungen im gro\u00dfen Ganzen gewissenhaft und freudig erf\u00fcllt hat, kann nur eine die Wahrheit geflissentlich verkennende Feindseligkeit in Abrede stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir glauben durch die vorstehenden wortgetreuen Ausz\u00fcge aus den talmudischen Schriften den Ungrund der von Manchen gehegten Meinung von dem gemeinsch\u00e4dlichen Einfluss des Talmuds auf das soziale Verhalten und das Verkehrsleben der Juden dargetan, und vielmehr gezeigt zu haben, welche in hohem Grade die allgemeine Wohlfahrt f\u00f6rdernden Grunds\u00e4tze der Rechtschaffenheit, der Betriebsamkeit und der Loyalit\u00e4t der Talmud auf dem Boden religi\u00f6ser Gewissenhaftigkeit in der Brust seiner Bekenner zu pflegen versteht.<br>\nWir haben dem vorangehend die Erkl\u00e4rung ge\u00e4u\u00dfert, dass auch \u00dcberhaupt die selbst von seinen Gegnern zugestandenen l\u00f6blichen Eigent\u00fcmlichkeiten des j\u00fcdischen Nationalcharakters durch und durch als ein Erzeugnis der talmudischen Lehren und der unter ihrem Einfluss sich vollziehenden Erziehung und Bildung zu betrachten sind.<br>\nWir m\u00f6chten auch dies durch einige Ausz\u00fcge aus den talmudischen Schriften belegen und damit dem Beurteiler das Bild von der talmudischen Lehre einigerma\u00dfen vervollst\u00e4ndigen, beschr\u00e4nken uns aber auf nur wenige S\u00e4tze aus dem reichen Schatz der talmudischen Weisheit von der Bildung des Charakters, der Gesinnung und der Lebensgrunds\u00e4tze der Einzelpers\u00f6nlichkeit, der Ehe und des Familienlebens, der Wohlt\u00e4tigkeit und der Menschenliebe und des Gemeindelebens.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geistes- und Charakter-Bildung, Gesinnung und Lebensanschauung.<\/h2>\n\n\n\n<p>In h\u00f6chsten Ehren steht den Weisen des Talmuds die Bildung des Geistes. Die durch Schrift und \u00dcberlieferung gegebene Wissenschaft ist ihnen nicht das Vorrecht eines besonderen Standes, sondern die Nationalwissenschaft, zu deren Aneignung und Pflege jeder ihrer S\u00f6hne, welchem sonstigen Beruf er auch obliegen mag, berufen ist. Und weil diese Wissenschaft nicht das \u00fcbersinnlich Jenseitige, sondern die reale diesseitige Welt mit ihren geschichtlichen Entwicklungen in der Vergangenheit, ihren religi\u00f6sen, sittlichen und sozialen Aufgaben in der Gegenwart des Einzel- und Gesamtlebens und ihren Zielen in der Zukunft zum Gegenstande hat, so ist sie einerseits eine t\u00fcchtige Schule f\u00fcr logische Auffassung und Beurteilung der Dinge, Zust\u00e4nde und Verh\u00e4ltnisse, und ist andererseits so universaler Natur, dass sie sich gerne mit allen andern Wissenschaften befreundet, welche die Erkenntnis der realen Zust\u00e4nde und Verh\u00e4ltnisse in Natur und Geschichte anstreben. Dass der Knabe zur Kenntnis dieser Wissenschaft, zu selbst\u00e4ndiger Hausesgr\u00fcndung und zu tugendhaften Werken heranbl\u00fchen m\u00f6ge, das ist der Wunsch, den Freunde und Genossen einem Vater bei der Geburt eines Sohnes ausdr\u00fccken, und wenn nach dem bereits zitierten Ausspruch des Talmuds bei unserm einstigen jenseitigen Erscheinen vor Gottes Richterstuhl, die Frage nach der von uns gepflegten Rechtschaffenheit in Handel und Wandel die erste sein wird, so wird nach dem Talmud die zweite sein: Bist du nicht ganz und gar in&#8217;s Gesch\u00e4ftsleben aufgegangen und hast dir t\u00e4glich eine bestimmte Zeit f\u00fcr deine geistige Fortbildung in der Wissenschaft offen gehalten? (Jore Dea 265, 3. Schabbat 31a.) Die Bitte um Erkenntnis, Einsicht und Verst\u00e4ndigkeit bildet das erste Anliegen in dem dreimal t\u00e4glichen Gebete der j\u00fcdischen Liturgie: (Berachoth 33a.) Wer es verabs\u00e4umt sich die richtige Erkenntnis zu erwerben, macht sich fast des Anspruchs auf Erbarmen verlustig. Ein Mensch aber, der die rechte Erkenntnis und Einsicht besitzt, ist ein Baustein zum Heiligtum. (Das.) Wem es an rechter Kenntnis und Einsicht fehlt, der ist der wahre Arme. (Nedarim 41a.) Sie sch\u00e4tzen aber nur eine gerade Geistesrichtung, keine, die, wie sie sich ausdr\u00fccken, einen Elefanten durch ein Nadel\u00f6hr zw\u00e4ngen will, und z\u00e4hlen eine ganze Reihe verkehrter Geistesbildungsarten auf, die sie ernstlich tadeln. (B. Mezia 38b.)<br>\nAllein alles Wissen, alle Wissenschaft haben nur Werth, wenn sie im Dienst eines gottesf\u00fcrchtigen Lebens verwertet werden sollen. Gottesfurcht ist der wahre Bau des Lebens, Wissenschaft nur die Pforte dazu. Wehe dem, der kein Haus hat und sich eine T\u00fcre zum Hause zimmert! Ja, Gottesfurcht ist der, den rechten Eingang zur Wissenschaft bedingende Schl\u00fcssel. Wer aber Wissenschaft ohne Gottesfurcht hat, gleicht dem, der wohl die inneren Schl\u00fcssel, aber nicht den \u00c4u\u00dferen hat, wie will der hinein? (Schabbat 31a. b.)<br>\nGottesf\u00fcrchtig wird aber ein Mensch nur durch sich selbst. Wenn ein Mensch ins Dasein treten soll, tritt sein Engel vor Gottes Thron mit der Frage: dieser Menschenkeim, was soll ihm werden, soll er stark oder schwach, klug oder einf\u00e4ltig, reich oder arm, ob er aber gut oder schlecht werden soll, fragt er nicht; denn Alles stammt aus Gottes H\u00e4nden, nur nicht die Gottesfurcht. (Nidda 16b.) Unabl\u00e4ssig achte auf deinen Charakter und w\u00e4ge jeden Schritt ab, den du tust. (Sota 5b.) Bessere dich einen Tag vor deinem Tode, und da du nicht wei\u00dft, wann dieser eintritt, so denke jeder Tag sei vielleicht dein letzter, und dein ganzes Leben sei ein Leben fortschreitender Besserung. (Schabbat 153a.) Jederzeit halte deine Gew\u00e4nder rein und h\u00fcte dich vor dem kleinsten Flecken, denn du wei\u00dft nicht, wie bald du vor deinen Sch\u00f6pfer geladen wirst. (Das.) Diese Welt gleicht dem Vorzimmer zur jenseitigen. Bereite dich im Vorzimmer, dass du w\u00fcrdig zur Audienz erscheinest. (Aboth IV, 21.) Dein Vorbild aber sei dein Sch\u00f6pfer, wie Er barmherzig und gn\u00e4dig, langm\u00fctig, reich an Liebe und Wahrheit ist, wie Er Nackte kleidet, Kranke pflegt, Trauernde tr\u00f6stet, so strebe du Ihm nach in gleichen Tugenden und gleichem Liebeswirken; denn es ist dir gesagt, wandle Ihm nach, wandle in seinen Wegen, werde Ihm \u00e4hnlich! (Schabbat 133b. Sota 14a.) Ist doch deine Seele, ihrem Wesen nach, Gottes Ebenbild, ist rein, sehend und unsichtbar wie Gott, f\u00fcllt den K\u00f6rper, ihre Welt, so aus, wie Gott die ganze Welt erf\u00fcllt und ist dabei so unfindbar wie Gott, richtet, tr\u00e4gt und \u00dcberdauert den K\u00f6rper wie Gott seine Welt, ist einzig im K\u00f6rper wie Gott einzig in seiner Welt. (Jalkut zu Ps. 103.)<br>\nDer angeerbte Grundzug des j\u00fcdischen Charakters ist: Barmherzigkeit. Der Jude, der nicht barmherzig ist gegen Alles, was Gott geschaffen; der ist kein echter Jude. (Beza 32b.) Wer sich seiner Mitgesch\u00f6pfe erbarmt, des erbarmt man sich vom Himmel, wer aber sich seiner Mitgesch\u00f6pfe nicht erbarmt, der hat auf kein Erbarmen von oben zu rechnen. (Schabbat 151b.) Von dem gefeiertsten Meister der Lehre, dem Verfasser der Mischna, erz\u00e4hlt der Talmud, ein Kalb, das zum Schlachten gef\u00fchrt werden sollte, fl\u00fcchtete sich einst zu ihm und barg den Kopf weinend in seinen Mantel. \u00bbGeh&#8217;\u00ab, sagte er, \u00bbdazu bist du geschaffen\u00ab. Darauf sagte man oben: weil er kein Erbarmen gezeigt, seien lange anhaltende Schmerzen \u00fcber ihn verh\u00e4ngt. Eines Tages wollte seine Magd junge Wiesel, die sie im Hause zusammen- gefegt hatte, ertr\u00e4nken. \u00bbLasst sie\u00ab, sagte er, \u00bbsein Erbarmen erstreckt sich auf alle seine Werke\u00ab, hei\u00dft es von Gott. Darauf sagte man oben, weil er Erbarmen gezeigt, werde ihm Erbarmen erwiesen, und die Schmerzen h\u00f6rten auf. (B. Mezia 85a.)<br>\nDer Talmud lehrt die Pflicht, weise mit dem Seinen hauszuhalten, indem Niemand berechtigt ist das Seine zwecklos zu vergeuden; gleichzeitig lehrt er aber die Pflicht jederzeit mit offener Hand zur Unterst\u00fctzung wohlt\u00e4tiger und humaner Zwecke bereit zu sein. Wer, lehrt derselbe, auch nur zu viel \u00d6l unn\u00fctzerweise verbrennt, \u00fcbertritt das 5. B. M. 20, 20 ausgesprochene Verbot: vernichte Nichts!, indem das Verbot einen Fruchtbaum zu f\u00e4llen, auf Vernichtung und zwecklose Verwendung alles Nutzbaren auszudehnen ist. (Schabbat 67b.) Ebenso aber auch lehrt er, ein Zehntel eines jeden j\u00e4hrlichen Gewinnes zur Verwendung f\u00fcr wohlt\u00e4tige Zwecke auszuscheiden und bereit zu halten, eine Bestimmung, deren gewissenhafte Erf\u00fcllung das werkt\u00e4tige Wohltun in einer so segensreichen Weise im j\u00fcdischen Kreise zur \u00dcbung gebracht hat, so sehr, dass man sich veranlasst sah, die Freigebigkeit auf h\u00f6chstens ein F\u00fcnftel des j\u00e4hrlichen Gewinnes zu beschr\u00e4nken, damit Keiner sich in die Lage bringe, selbst der Unterst\u00fctzung zu bed\u00fcrfen. (Kethubot 67b.) Unersch\u00f6pflich sind die Weisen in Belehrungen \u00fcber die Pflicht der Wohlt\u00e4tigkeit, geben die eingehendsten Lehren \u00fcber die richtige Art und Weise des Wohltuns in privater wie in Gemeindewohlt\u00e4tigkeit, (Daselbst und sonst.) und warnen mit den ernstesten Vorstellungen Jeden, der sich der gewissenhaften Erf\u00fcllung dieser Pflicht entziehen wollte. (Daselbst 68a. B. Bathra 9. 10.) Von anderer Seite lehren sie, sich die \u00e4u\u00dfersten Beschr\u00e4nkungen aufzulegen, um nur der Unterst\u00fctzung nicht zu bed\u00fcrfen. Diese Einhaltung aber bis zur Gef\u00e4hrdung seiner und der Seinigen Gesundheit zu f\u00fchren, hei\u00dft sich vers\u00fcndigen. Wer hingegen der Unterst\u00fctzung nicht bedarf und sie doch annimmt, der geht nicht aus der Welt, ohne wirklich unterst\u00fctzungsbed\u00fcrftig zu werden. Wer jedoch Unterst\u00fctzung nehmen d\u00fcrfte und sie nicht annimmt, der wird in seinem Alter nicht die Welt verlassen, ohne selbst Wohlt\u00e4ter der Armen geworden zu sein. (Peah, Ende.)<br>\nH\u00f6her als Almosenspende stellt aber der Talmud der Verarmung durch Geschenke, Darlehen und Gesch\u00e4fts-Unterst\u00fctzung vorzubeugen, (Schabbat 63a.) h\u00f6her als das wohlt\u00e4tige Geldspenden die hilfreiche Liebes-Tat, die dem hilfsbed\u00fcrftigen Armen, Kranken, Leidenden, Verlassenen helfend, pflegend, tr\u00f6stend, aufrichtend, st\u00fctzend, ratend, leitend, tatkr\u00e4ftig beispringt (Suka 49b.) und auch Andere zum Wohltun veranlasst. (B. Bathra 9a.) Vor allem aber wird aufs eindringlichste ans Herz geredet, dem Armen und Ungl\u00fccklichen freundlich mit teilnehmender Liebe zu begegnen, ihn es f\u00fchlen zu lassen,. dass man ihn nicht verachtet, dass man ihn bemitleidet, dass man in ihm das Gotteskind, den Bruder nicht verkennt, dass man es aufrichtig bedauert, ihm nicht in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstabe helfen zu k\u00f6nnen. Wer dem Armen sein Brod bricht, wird mit den Jesaja 58, 7-9 ausgesprochenen Segnungen gesegnet. Wer ihn aber dabei zugleich mit Worten tr\u00f6stet, ihm, wie es dort hei\u00dft, nicht nur Brod, sondern seine Seele, sein Inneres mit hinausgibt; der erwirbt auch noch die dort ferner V. 10-12 ausgesprochenen elf Segnungen. (Daselbst b.) Gibst du dem Armen mit unfreundlichem Gesichte, so nimmt deine Miene, was deine Hand gibt. (Semag, Geb. 162.)<br>\n\u00dcberhaupt wird uns ein besonders r\u00fccksichtsvolles, liebreiches Benehmen gegen Ungl\u00fcckliche, Fremde, Witwen und Waisen, insbesondere Frauen ans Herz gelegt, wir werden erinnert, wie empfindlich ihr Gem\u00fcht f\u00fcr jede raue Behandlung, f\u00fcr jedes raue Wort, wie leicht sie sich gekr\u00e4nkt f\u00fchlen, werden an das Gotteswort erinnert: wenn er zu mir aufschreit, so h\u00f6re ich sicher sein Geschrei (2. B. M. 22, 22.). Wenn alle Himmelspforten geschlossen sind, die Tr\u00e4ne, die ein gekr\u00e4nktes Gem\u00fct weint, findet immer Eingang. (B. Mezia 59a, b.)<br>\nAber nicht nur im Umgang mit Ungl\u00fccklichen, vor Beleidigung, Kr\u00e4nkung, Beschimpfung und Besch\u00e4mung eines jeden Menschen warnen sie wiederholt mit ernstestem Nachdruck. Schwerer ist die Kr\u00e4nkung mit Worten, als die Kr\u00e4nkung an Verm\u00f6gen. Dieses l\u00e4sst sich wieder gut machen, jenes nicht. Wer, sagen sie unter Anderem, seinen N\u00e4chsten \u00f6ffentlich besch\u00e4mt, wer ihn mit herabw\u00fcrdigendem Beinamen nennt, hat es schwer im jenseitigen Leben zu b\u00fcssen. (B. Mezia 59a, b. Maimon. Deoth VI, 10.)<br>\nMit den schw\u00e4rzesten Farben schildern sie, mit der schwersten Verantwortung vor Gott bedrohen sie das Verbrechen der \u00bbB\u00f6srede\u00ab, darunter begreifen sie jedes das Heil, den Frieden, die Ehre des N\u00e4chsten sch\u00e4digende Wort, selbst wenn es auf Wahrheit beruht, geschweige denn die auf L\u00fcgen beruhende Verleumdung. Geheimnis ausplaudern, die privaten Angelegenheiten des N\u00e4chsten herumtragendes Geschw\u00e4tz, rechnen sie ebenfalls hierher und warnen davor, selbst Gutes von dem N\u00e4chsten in solcher Gesellschaft zu erz\u00e4hlen, wo zu bef\u00fcrchten steht, ein Anderer werde sofort Veranlassung nehmen, zur Ausgleichung Schlechtes von ihm mitzuteilen. (Arachin 15. 16.) Die Ehre deines N\u00e4chsten sei dir so teuer wie die Deinige, Wer, hei\u00dft es, seine Ehre in der Herabw\u00fcrdigung des N\u00e4chsten sucht, verscherzt seinen Anteil am k\u00fcnftigen Leben. (Aboth 2, 15. Maimon. Deoth 6, 3.)<br>\nUnabl\u00e4ssig aber ist die talmudische Lehre bem\u00fcht, uns die Aneignung und Pflege derjenigen Charaktertugenden und Gesinnungen anzuempfehlen, die die Erf\u00fcllung der. sozialen Pflichten erleichtern und erzeugen, so wie mit nachdr\u00fccklichstem Ernst vor dem Aneignen und Hegen der entgegen gesetzten Charakter- und Gesinnungs-Eigent\u00fcmlichkeiten zu warnen, welche ein pflichtgem\u00e4\u00dfes soziales Verhalten erschweren und untergraben. Stolz, Zorn, Streitsucht, Heftigkeit, Rechthaberei, Keckheit, Widerspenstigkeit, Hartn\u00e4ckigkeit, Frechheit, Schmeichelei, L\u00fcgenhaftigkeit, Argwohn, Ehrsucht, Habsucht, Begierde, Geiz, Neid, Unvers\u00f6hnlichkeit, Groll, Undankbarkeit, Schadenfreude, Tr\u00fcbsinn, Leichtsinn, Hass, Ungeselligkeit etc. sind Charakterfehler und Untugenden, vor denen die talmudische Sittenlehre ihren ernstesten Warnruf erhebt. Wogegen sie Bescheidenheit und Demut, Gelassenheit, Geduld und Langmut, Vers\u00f6hnlichkeit, Friedfertigkeit, Nachgiebigkeit, Anst\u00e4ndigkeit, Freundlichkeit und Leutseligkeit, Wahrhaftigkeit und Geradheit, Milde, Gen\u00fcgsamkeit und Enthaltsamkeit, Selbstbeherrschung, Freigebigkeit, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Mitfreude, Heiterkeit, Ernst, Verschwiegenheit, Liebe, Wahrheit und Treue, Gem\u00fctsruhe etc. mit eindringenden Vorstellungen anpreist und empfiehlt.<br>\nWir verzeichnen einige S\u00e4tze ihrer Sittenlehre, um die Art und Weise ihrer Belehrungen zu veranschaulichen. Wie G\u00f6tzendienst ist Hochmut von Gott verabscheut und ist Gottesleugnung gleich. Vom Hochm\u00fctigen spricht Gott, wir beide k\u00f6nnen nicht zusammen in der Welt wohnen. Wer mit hochm\u00fctig gerecktem Halse einhergeht, der verdr\u00e4ngt gleichsam die Gottesgegenwart von der Erde in ihre H\u00f6he zur\u00fcck. Als Gott sich offenbaren wollte, lie\u00df er die hohen Berge und die hohen B\u00e4ume und stieg zum bescheidenen Sinai-Gipfel und zum Dornstrauch hernieder. So entfernt sich Gott von dem Hochm\u00fctigen und weilt bei dem Bescheidenen. (Sota 4b, 5a. Berachoth 43a.)<br>\nDer Zornw\u00fcige steht unter der Herrschaft einer Macht, die dem Menscheninnern fremd bleiben sollte, von der es hei\u00dft: du sollst keinen fremden Gott in deinem Innern haben. (Schabbat 105b.) \u00c4rgere dich nicht, so s\u00fcndigst du nicht, ganz so wie du dich nicht berauschen. darfst, damit du nicht zur S\u00fcnde kommst. (Berachoth 30.) Im Zorn ist der Mensch allen zum Gehinnom f\u00fchrenden \u00dcbeln ausgesetzt, achtet selbst Gottes nicht, vergisst was er gelernt hat und wird unverst\u00e4ndig. (Nedarim 22b.) Nutzen schafft der \u00c4rger gar nicht. Der \u00c4rgerliche hat nichts als seinen \u00c4rger, (Kiduschin 41a.) und sein Leben ist kein Leben. (Pessachim 113b.) Den liebt Gott: wer nicht in Zorn ger\u00e4t, wer sich nicht berauscht, und wer nicht auf sein Recht besteht. (Das.) Die sich kr\u00e4nken lassen und nicht wieder kr\u00e4nken, die Beleidigung h\u00f6ren und nicht erwidern, aus Liebe zu Gott Alles \u00fcben und sich dessen freuen, was sie zu dulden haben, von ihnen hei\u00dft es: die Ihn lieben sind wie die aus Wolken in ihrer Kraft hervortretende Sonne. (Schabbat 88b.) Sei schwer zu erz\u00fcrnen und leicht zu bes\u00e4nftigen. (Aboth V, 14.) Wer \u00dcber das gegen ihn ge\u00fcbte Unrecht hin\u00fcbergeht, dem geht man \u00fcber das von ihm ge\u00fcbte Unrecht hin\u00fcber. Dem verzeiht Gott, der selber verzeiht. (R. Haschana 17a.) Ziehe dir erst selber die Stoppelfasern vom Kleide ehe du sie von deines N\u00e4chsten auflesest. Erst mache dich selber sauber ehe du den N\u00e4chsten s\u00e4uberst. (B. Bathra 60a.) H\u00fcte dich, dass wenn du zum N\u00e4chsten sprichst: nimm dir den Span aus dem Auge, er dir nicht sagen k\u00f6nne, nimm du den Balken aus dem Deinigen. (B. Bathra 15b.) Sei nachgiebig wie das Rohr und nicht ungef\u00fcgig wie die Zeder. Der Sturm, der die Zeder bricht, verschont das Rohr weil es nachgegeben. (Thaanith 20a.) Streit gleicht einem Deich durchbrechenden Strom, hemmt man ihn nicht sogleich im Anfang, so eilt er unaufhaltsam weiter. Heil dem, der nicht antwortet, hundert \u00dcbeln entgeht er. (Sanhedrin 7a.) Willst du wissen, woran man den sittlichen Adel eines Menschen erkennt? Daran, dass er der Erste ist, der im Streite schweigt. (Kiduschin 71b.)<br>\nBeurteile einen jeden Menschen nach der guten Seite. (Aboth 1, 6.) Urteile \u00fcber keinen Menschen bis du dich einmal in gleicher Lage befunden. (Das. 2, 5.) Nicht gleichg\u00fcltig sei dir das Urteil deiner Mitmenschen. Wie der Mensch vor Gott rein stehen soll, so soll er auch seine Handlungsweise vor Menschen gerechtfertigt erscheinen lassen und keinen falschen Schein auf sich laden. (Schekalim 6a.)<br>\nHabe kein \u00bbb\u00f6ses Auge\u00ab, das dem N\u00e4chsten Gutes missg\u00f6nnt, vielmehr habe ein \u00bbgutes Auge\u00ab, das freundlich auf das Aufbl\u00fchen deines N\u00e4chsten blickt und sich freut mit seiner Freude. (Aboth 2, 13. 14.) Neid, Gel\u00fcste und Ehrsucht bringen den Menschen um seine Welt. (Das. 4, 18.) Sei nicht neidisch, den Namen, der dir zukommt, erh\u00e4ltst du, die Stellung, die dir geb\u00fchrt, wird dir, und kein Mensch r\u00fchrt an das, was dem andern bestimmt ist. (Joma 38b.) Sei zufrieden mit dem dir beschiedenen Teil, der Zufriedene ist reich (Aboth 4, 1.) und nicht Jedem wird der Sitz an zwei Tischen zu teil (dem materiellen und geistigen, dem diesseitigen und jenseitigen). (Berachoth 5b.) W\u00fcnsche dir keinen Schuh, der f\u00fcr deinen Fu\u00df zu gro\u00df ist. (Kiduschin 49a.)<br>\nNicht Betr\u00fcbnis und nicht Lustigkeit ist die Stimmung, in der du gedeihst und vor deinem Gott zu stehen vermagst, wohl aber die Heiterkeit, der heitere Sinn, der durch treue Pflichterf\u00fcllung gewonnen wird. (Berachoth 31a.) Seufzen bricht die halbe, ja die ganze Kraft des Menschen. (Das. 58b.) Scherzhaftigkeit und Leichtsinn bahnen den Weg zur S\u00fcnde. (Aboth 3, 17.) Wer nicht schuldbewusst ist, f\u00fcrchtet nicht. Furcht zieht das Leid herbei. Immer halte der Mensch daran fest: Alles, was Gott tut, ist zum Guten. (Berachoth 60a, b.) Das aber ist ein l\u00e4sterlicher Trost, dem Trauernden zu sagen: was kann man dagegen machen?! (B. Kama 38a.) Deine Pflicht tue und gr\u00fcble nicht, in Gottes Geheimnis kannst du nicht eindringen. (Berachoth 10a.) Siehst du Leiden \u00fcber dich kommen, pr\u00fcfe deine Handlungen. Findest du bei solcher Pr\u00fcfung nichts, so sch\u00f6pfe erst noch einmal genaue Kenntnis deiner Aufgabe aus der g\u00f6ttlichen Pflichtenlehre. Findest du auch dann keine Schuld, magst du sie als Leiden betrachten, die die v\u00e4terlich erziehende Liebe Gottes \u00fcber den Menschen verh\u00e4ngt, um ihn durch Pr\u00fcfung und L\u00e4uterung zu immer gr\u00f6\u00dferer Vollendung zu f\u00fchren. (Berachoth 5a.) Immer tue der Mensch das Seine und verlasse sich nicht auf ein Wunder. (Kiduschin 39b.) Nimmer aber gebe er die Hoffnung auf, und f\u00fchlte er selbst schon ein scharfes Schwert an seinem Halse liegen, unterlasse er nicht zu Gott zu beten. (Berachoth 10a.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die h\u00f6chste Vers\u00fcndigung, welche die Lehre des Talmuds kennt, bezeichnet sie als \u00bbEntweihung des g\u00f6ttlichen Namens\u00ab. Sie begreift darunter eine solche Handlungsweise, die nicht nur selbst das Pflichtgebot au\u00dfer Augen l\u00e4sst, sondern dadurch Veranlassung gibt, dass auch bei Andern die \u00fcber Alles hoch und heilig zu haltende, durch eine gewissenhafte Erf\u00fcllung seiner Pflichtgebote zu bezeugende Verehrung Gottes herabgesetzt wird, und \u00bbder Name Gottes bei ihnen seine Kraft verliert\u00ab. Nach talmudischer Lehre hat jeder Mensch nicht nur f\u00fcr sich das g\u00f6ttliche Gesetz gewissenhaft zu erf\u00fcllen, sondern auch die gottesf\u00fcrchtige Gewissenhaftigkeit seiner Br\u00fcder geh\u00f6rt mit zu seiner Obliegenheit, er hat, wie und wo er kann, durch Wort und Beispiel seine mitlebenden Genossen von S\u00fcnden zur\u00fcckzuhalten und zur Pflichttreue zu bewegen, er tr\u00e4gt schwere Verantwortung, wo er ein Unrecht hat verh\u00fcten k\u00f6nnen und es aus Gleichg\u00fcltigkeit nicht getan, die schwerste aber, wenn er selbst durch sein Beispiel beigetragen, dass seine mitlebenden Genossen die Gott schuldigende Pflichttreue hinter den R\u00fccken geworfen. (Schabbat 55a.) Wenn, lautet die talmudische Lehre, wenn gesagt ist: \u00bbdu sollst den Herrn deinen Gott lieben\u00ab, so ist darin zugleich die Forderung begriffen, dass dem Namen Gottes durch dich im Menschenkreise Liebe gewonnen werde. Wenn Einer das schriftliche und m\u00fcndliche Gesetz lernt, im lebendigen Umgang mit Weisen sich bildet und dann anst\u00e4ndig ist in seinen Reden mit Menschen, sein Nehmen und Geben sch\u00f6n im Verkehre, sein Handel und Wandel rechtschaffen, was sagen dann die Menschen von ihm? Heil dem, der das Gesetz gelernt, Heil dessen Vater, der ihn das Gesetz gelehrt, Heil dessen Lehrer, der ihn das Gesetz gelehrt. Wehe den Menschen, die das Gesetz nicht lernen, seht ihr nicht Den, der das Gesetz gelernt, wie sch\u00f6n sind seine Wege, wie richtig seine Handlungen, von ihm hei\u00dft es (Jesaja 49,  (Makkoth 24a.): mein Knecht bist du, Jisrael, dessen ich mich r\u00fchme. Wenn aber ein Mensch das schriftliche und m\u00fcndliche Gesetz lernt, aber sein Reden mit Menschen ist nicht anst\u00e4ndig, sein Geben und Nehmen im Verkehr nicht sch\u00f6n, sein Handel und Wandel nicht rechtschaffen, was sagen dann die Menschen von ihm: Wehe dem, der das Gesetz gelernt, wehe dem Vater, der ihn das Gesetz gelehrt, wehe dem Lehrer, der ihn das Gesetz gelehrt, Heil den Menschen, die das Gesetz nicht gelernt, dieser Mensch, der das Gesetz gelernt, wie h\u00e4sslich sind seine Handlungen, wie verkehrt seine Wege! Von ihm sagt die Schrift (Ezechiel 36,  (B. Mezia 43a. b.): man sagt von ihnen: Gottes Volk sind sie, und seinen Boden haben sie verlassen. (Joma 86a nach En Jakob.)<br>\nDer Begriff dieser Vers\u00fcndigung aber ist relativ, je h\u00f6her Einer in der Achtung seiner Mitmenschen steht, je mehr seine Handlungsweise zum Muster f\u00fcr die Andern sein soll, um so strenger ist die Anforderung an die Sittenreinheit seines Wandels, um so leichter kann er zu dieser schwersten Vers\u00fcndigung kommen, um so mehr muss er selbst jeden Schein von Unrecht meiden und darf sich selbst Das nicht erlauben, was einem Andern gestattet w\u00e4re. So wird an das j\u00fcdische Volk, das nun einmal erw\u00e4hlt ist, um die Lehre von Gott und der Menschenpflicht gegen Gott durch die Welt zu tragen, eine h\u00f6here Anforderung gestellt, als an die \u00dcbrige Menschheit, an die Priester eine h\u00f6here als an das Volk, an die Lehrer, an Jeden, bei welchem Vertrautheit mit der Lehre, somit Kenntnis dessen vorausgesetzt wird, was nach g\u00f6ttlichem Willen Recht und Unrecht ist, eine h\u00f6here als an die andern Glieder des Volkes. (Joma 66a.) Immer ist es bei solcher Beurteilung stehende Formel: \u00bbein geachteter und beachteter Mann ist etwas Anderes\u00ab. (B. Mezia 33a. Schabbat 51a, 142b. Moed Katan 11b und sonst.)<br>\nInsbesondere wird das j\u00fcdische Volk wiederholt an diese seine besondere Verpflichtung im Verkehr mit Nichtjuden gemahnt und erinnert, Nichtjuden gegen\u00fcber sich noch aus h\u00f6herem Grunde der strengsten Rechtschaffenheit zu beflei\u00dfen. Ein Unrecht gegen einen j\u00fcdischen Genossen ver\u00fcbt, sei \u00dcbertretung eines einfachen Verbots. Einem Nichtjuden gegen\u00fcber sei es zugleich auch die h\u00f6chste Vers\u00fcndigung der \u00bbEntweihung des g\u00f6ttlichen Namens\u00ab, dessen Heiligung vielmehr Bestimmung Israels sei und Mitzweck seiner Zerstreuung in Mitten der V\u00f6lker. (Semag, Thl. 1, 2. 152. Thl. 2, 74.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Familie.<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn es etwas gibt, wor\u00fcber ein kl\u00e4gliches Vorurteil verbreitet ist, so ist es die Stellung der Frauen im j\u00fcdischen Altertum. Die herabw\u00fcrdigende Meinung, die man sich von der Stellung der Frau unter den V\u00f6lkern des Orients gebildet hatte, \u00fcbertrug man, ohne Weiteres auch auf die Frauen des j\u00fcdischen Alterthums, ohne zu bedenken, wie denn doch die j\u00fcdischen Anschauungen und die j\u00fcdischen Sitten sich unter einem ganz anderen Einfluss, unter dem Einfluss der Lehre und eines Gesetzes gebildet hatten, von welchen bei den \u00fcbrigen V\u00f6lkern keine Ahnung zu finden war. Faktum ist es, dass wohl kein Schrifttum irgend eines nationalen Menschenkreises zu finden ist, in welchem dem Werth der Frauen und der Bedeutung ihrer Wirksamkeit in h\u00f6herem Grade Gerechtigkeit widerfahren wird, in welchem das wackere Weib inniger gew\u00fcrdigt und gepriesen und ihm eine zartere, ehrendere, r\u00fccksichtsvollere, liebendere Behandlung an Seiten des Mannes zugesichert wird, als in den Schriften des talmudischen Altertums. Wir verzeichnen auch hier\u00fcber einige S\u00e4tze.<br>\nDas weibliche Geschlecht hat Gott mit einer gr\u00f6\u00dferen geistigen Begabung bedacht, darum erlangt es seine geistige Reife fr\u00fcher als das m\u00e4nnliche. (Nida 46b.) Bei nationalen Kalamit\u00e4ten, wie w\u00e4hrend der \u00c4gyptischen Sklaverei, waren es die Frauen, die Muth und Besonnenheit nicht verloren, tr\u00f6stend und aufrichtend den M\u00e4nnern zur Seite standen  und durch ihr Verdienst die endliche Erl\u00f6sung herbeif\u00fchrten. (Sota 11b.) Ebenso bei den gr\u00f6\u00dften nationalen Vers\u00fcndigungen, bei dem goldenen Kalbe und den Kundschaftern (2. B. M. 32. 4. B. M.  (B. Bathra 88a-90b. Maimon. Diebstahl K. 7 u. 8.), waren es die Frauen, die sich nicht mit in die Verirrungen der M\u00e4nner hineinrei\u00dfen lie\u00dfen, die, wie der Ausdruck lautet, aufrecht hielten, was die M\u00e4nner niederrissen. (Rabboth z. 4. B. M. 27, 1.) Das den Frauen von Gott Zugesicherte ist daher noch gr\u00f6\u00dfer als das den M\u00e4nnern Verhei\u00dfene, und zwar wegen ihres erziehlichen Einflusses auf die geistig-sittliche Heranbildung der Kinder und Fortbildung der M\u00e4nner. (Berachoth 17a.) Das Haus, das ist die Frau. (Joma 2a.) Reich ist, wer eine wackere Frau hat. (Schabbat 25b.) Wer keine Frau hat, dem fehlt Alles, (Nedarim 41a.) er hat keine Freude, keinen Segen, nichts Gutes, keine Wissenschaft, kein Behagen, keinen Frieden. (Jebamoth 62b.) Wer keine Frau hat, ist kein ganzer Mensch. (Das. 63a.) Wem seine Frau stirbt, dem wird die Welt dunkel, dessen Schritte werden k\u00fcrzer (es fehlt ihm die Freundin, aus deren Billigung und Beifall er Zuversicht in seine Unternehmen sch\u00f6pfte), dessen Vorhaben werden hinf\u00e4llig (es fehlt ihm die Beraterin, die ihn mit ihrer Einsicht unterst\u00fctzte. (Sanhedrin 22a.) Keinem stirbt ein Mann so ab wie der Frau, und Keinem stirbt eine Frau so ab wie dem Manne. (Das. b.)<br>\nDiesen Anschauungen gem\u00e4\u00df ist denn auch die Behandlung und die Stellung, die die talmudische Lehre f\u00fcr die Frauen in Anspruch nimmt. Wer seine Frau liebt wie sich selbst und sie ehrt mehr als sich, seine S\u00f6hne und T\u00f6chter im rechten Wege erzieht und sie jung verheirathet, von dem sagt die Schrift (Hiob 5,  (Nedarim 49b.): du wei\u00dft, dass deinem Zelte Frieden ist. (Jebamoth 62b.) Jeder schone die Ehre seiner Frau, denn nur durch die Frau wohnt Segen im Hause. Ehret eure Frauen, dann werdet ihr zu Wohlstand kommen. Ist deine Frau klein, so beuge dich nieder und h\u00f6re was sie dir sagt. Sei nie schroff gegen deine Frau und musst du ihr einmal entgegentreten, so n\u00e4here immer die Rechte an, w\u00e4hrend die Linke zur\u00fcckweist. H\u00fcte dich vor Kr\u00e4nkung deiner Frau, ihre Tr\u00e4ne ist leicht geweckt und ihrer Kr\u00e4nkung nahe. (B. Mezia 59a. Sanhedrin 22a.) Nie sei der Mann ein gef\u00fcrchteter Tyrann in seinem Hause, wer sich \u00fcberm\u00e4\u00dfig gef\u00fcrchtet macht, veranlasst leicht gro\u00dfe Verbrechen. Was du deinen Hausleuten zu sagen hast, sage ihnen in Ruhe. (Gittin 6b, 7a.) Wie aber die talmudische Lehre den Mann gegen die Frau verpflichtet, so spricht sie auch die Pflicht der Frau dem Manne gegen\u00fcber aus. (Kiduschin 31a.) Liebe, Verschwisterung, Friede und Freundschaft sollen nach dem vom Talmud in unsern Hochzeitssegnungen niedergelegten Ausspruch zwischen Mann und Frau in der Ehe walten. (Kethuboth 8a.) Sind Mann und Frau das, was sie sein sollen, so wie sie sein sollen, so wohnt Gott bei ihnen. (Sota 17a.)<br>\nDas talmudische Eherecht ist von der tiefsten Weisheit, von der klarsten Einsicht in die menschliche Natur im allgemeinen, in die Eigent\u00fcmlichkeiten der Geschlechter, in die mannigfachen Verh\u00e4ltnisse des Ehe- und Familienlebens, wie von der umsichtigsten und vorsichtigsten Erw\u00e4gung alles Dessen getragen, was einem gl\u00fccklichen Gatten- und Familienleben f\u00f6rderlich oder hinderlich sein k\u00f6nnte, und spricht sich dies namentlich in den rabbinischen, die von den Rabbinen getroffenen Rechtssatzungen aus. Auch in diesem Eherecht bekundet sich die zarteste R\u00fccksicht f\u00fcr Frauen und T\u00f6chter. Wir heben beispielsweise nur zwei Bestimmungen hervor. Die Eine lautet: die Frau steigt mit dem Manne hinauf, aber nicht hinab, (Kethuboth 61a u. s.) d. h. wo die rechtlichen Anspr\u00fcche der Frau hinsichtlich ihrer Lebensgew\u00f6hnungen und Leistungen zur Entscheidung stehen, da sind \u2014 wenn nicht von Vorhinein darauf verzichtet worden \u2014 wenn die Gewohnheiten ihres elterlichen Hauses und Familienkreises die h\u00f6hern sind, diese ma\u00dfgebend. Und ferner, beispielsweise, wenn das vom Vater nachgelassene Verm\u00f6gen nicht ausreicht um S\u00f6hne und T\u00f6chter zu versorgen, so hat man die T\u00f6chter zu ern\u00e4hren, die S\u00f6hne aber der anzusprechenden Mildt\u00e4tigkeit zu \u00fcberweisen. (Das. 108b.) \u00dcberhaupt geht bei allen Unterst\u00fctzungsfragen z.B. aus Wohlt\u00e4tigkeits-Kassen, das weibliche Geschlecht dem m\u00e4nnlichen vor, immer gilt der Grundsatz, dass das weibliche mehr vor etwa besch\u00e4mender Erniedrigung zu sch\u00fctzen sei, (Kethuboth 67a, b.) und geh\u00f6rt die Ausstattung unbemittelter M\u00e4dchen zu den gepriesensten Zwecken j\u00fcdischer Wohlt\u00e4tigkeit. (Jore Dea 249, 15.)<br>\nDas Gebot: ehre Vater und Mutter findet in der talmudischen Lehre die eingehendste Erl\u00e4uterung und einen weit reichenden Inhalt. Wir verzeichnen auch hier nur einige wenige S\u00e4tze. Nicht auf die Pflicht der Dankbarkeit gr\u00fcndet sich dieses Gebot, dass die Pflicht der Kinder etwa durch das Ma\u00df dessen bedingt w\u00e4re, was die Eltern den Kindern geleistet, und etwa ganz aufh\u00f6ren k\u00f6nnte, wo die Eltern etwa aus Unverm\u00f6gen wenig oder gar nichts f\u00fcr die Kinder getan, oder wenn schlie\u00dflich die Kinder so gl\u00fccklich waren die Wohlt\u00e4ter der Eltern zu werden. Nicht die Pflicht der Dankbarkeit, das Gebot Gottes ist der Boden der Eltern-Ehre, Gottes, der f\u00fcr Eltern eine der Ihm zu zollenden nahe kommende Ehrerbietung und Ehrfurcht fordert, und in der den Eltern zugewandten Ehre seine Verehrung erblicken will. (Kiduschin 30b.) Den unverbr\u00fcchlichsten Gehorsam fordert diese Pflicht, der nur seine Grenze an dem Gott schuldigen Gehorsam findet, wenn etwa Eltern etwas von Kindern forderten, was dem g\u00f6ttlichen Gebote zuwider w\u00e4re. (B. Mezia 32a.) Und das ehrfurchtsvollste Benehmen, das nie widerspricht, unaufgefordert nicht einmal best\u00e4tigt, \u00fcberhaupt nichts darein spricht, wenn die Eltern reden, das sich nie ein unehrerbietiges Wort gegen Eltern oder \u00fcber Eltern erlaubt, das sich zu beherrschen wei\u00df, wenn selbst die Eltern dem Kinde das gr\u00f6\u00dfte Unrecht, den gr\u00f6\u00dften Schaden, die gr\u00f6\u00dfte unverdiente \u00f6ffentliche Beschimpfung zuf\u00fcgten etc. Einer der talmudischen Weisen brachte bei Besprechung dieser Pflicht im Lehrhause sich zum Beispiel, dass er seiner alten Mutter bei deren ins Bettsteigen und Aufstehen immer mit seinem R\u00fccken als Fu\u00dfschemel diene. \u00bbHat sie dir\u00ab, erwiderten seine Kollegen, \u00bbschon einmal einen vollen Geldbeutel in deiner Gegenwart ins Wasser geworfen, und du hast ehrerbietig geschwiegen?!\u00ab (Kiduschin 31b.) Und diese den Eltern schuldige Pflicht des Gehorsams der Ehrfurcht und Ehrerbietung ist nicht auf die Zeit der Kindheit, der Jugend beschr\u00e4nkt, selbst dem Manne, dem Greisen bleibt diese Pflicht unver\u00e4ndert und wird selbst durch der Eltern Tod nicht aufgehoben. (Das.) Andererseits werden Eltern erinnert, den Kindern die Erf\u00fcllung dieser Pflicht nicht zu erschweren und namentlich erwachsene Kinder nicht zur Vers\u00fcndigung zu reizen. (Moed Katan 17a.) Auch f\u00fcr \u00e4ltere Br\u00fcder, Stiefeltern und Schwiegereltern wird im Anschluss an die Pflicht der Eltern-Ehre ein ehrerbietiges Benehmen in Anspruch genommen. (Kethuboth 103a.)<br>\nDem Vater liegt die Pflicht ob, seine Kinder durch Erziehung und Unterricht die f\u00fcr ihr religi\u00f6ses und b\u00fcrgerliches Leben erforderlichen Kenntnisse, F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten erwerben zu lassen, und ihnen nach Kr\u00e4ften zu einer eigenen selbst\u00e4ndigen Hausesgr\u00fcndung zu verhelfen. (Kiduschin 29. 30. Jebamoth 62b. Kethuboth 50a.) Mit ernster Warnung werden Eltern erinnert, keinen Unterschied zwischen ihren Kindern zu machen und Keinem einen Vorzug zuzuwenden und werden auf die verh\u00e4ngnisvollen Folgen hingewiesen, welche die geringe seidene Verbr\u00e4mung an Josefs Gewand hatte, mit welcher der Vater ihn vor seinen Br\u00fcdern auszeichnete. (Schabbat 10b.) Und nie sollen Eltern schroff gegen ihre Kinder sein, auch dem Kinde gegen\u00fcber soll die Rechte immer ann\u00e4hern, wenn die Linke gen\u00f6tigt ist zur\u00fcckzuweisen. (Sanhedrin 107b.)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Gemeinde.<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Einzelne ist schwach und sterblich, schon hienieden unsterblich und stark ist nach dem Ausdruck des Talmuds nur die Gesamtheit, (Themura 15. Jalkut Amos9. Sebachim 88b. Und sonst.) darum sind die h\u00f6chsten geistigen und sittlichen G\u00fcter nicht dem Einzelnen, sondern der Gesamtheit zu tragen und zu vertreten \u00fcbergeben, und Jeder ist verpflichtet sich dem Gemeinwesen seines Wohnortes anzuschlie\u00dfen und dessen Obliegenheiten und Aufgaben nach besten Kr\u00e4ften mit Verm\u00f6gen und T\u00e4tigkeit gr\u00fcnden, erhalten und f\u00f6rdern zu helfen. (Aboth 2, 5. B. Bathra 7-11.) Insbesondere geh\u00f6rt die Gr\u00fcndung und Unterhaltung aller zu Erf\u00fcllung der religi\u00f6sen Pflichten, des Unterrichts und der Wohlt\u00e4tigkeit erforderlichen Anstalten zu den ersten Obliegenheiten eines jeden j\u00fcdischen Gemeinwesens, (Thosifta das. B. Bathra 21a. Das. 8b.) und eine umsichtige, uneigenn\u00fctzige, gewissenhafte, t\u00e4tige Besch\u00e4ftigung mit den Angelegenheiten der Gemeinde, z\u00e4hlt zu den h\u00f6chsten j\u00fcdischen Pflichten. Alle, die sich mit dem Gemeinwesen besch\u00e4ftigen, sollen es in reinster, uneigenn\u00fctzigster Weise zur Erf\u00fcllung g\u00f6ttlichen Willens tun, dann steht ihnen das Verdienst der Vordern bei, und ihr eigenes gerechtes Wirken bleibt f\u00fcr ewig. (Aboth 2, 2.)<br>\nDerselbe Geist aber, der die j\u00fcdische Gesamtheit eines Ortes zu einem religi\u00f6sen Gemeinwesen gestaltet, das die Aufgaben und Zwecke der \u00bbLehre, des Gottesdienstes und der Wohlth\u00e4tigkeit\u00ab (Aboth 1.) mit vereinigten Kr\u00e4ften anstrebt, hat auch in gr\u00f6\u00dferen Gemeinden innerhalb des gr\u00f6\u00dferen Verbandes zu kleineren, freien Vereinigungen, \u00bbChebroth\u00ab, gef\u00fchrt, welche dem gr\u00f6\u00dferen Gemeinwesen in seinen Leistungen f\u00fcr religi\u00f6se und humane Zwecke vertretend und erg\u00e4nzend zur Seite stehen. Dieses Streben der Vereinigung f\u00fcr religi\u00f6se und humane Zwecke ist im talmudischen Judentum uralt und hat von je die hingebendste Pflege gefunden. (Moed Katan 27b. Sucka 51b. Berachoth 63b. Chagiga 9b.) So gab und gibt es Talmud-Thora-Vereine f\u00fcr den religi\u00f6sen Unterricht der Kinder der Unbemittelten oder f\u00fcr die gemeinschaftliche Selbstpflege des Thorastudiums, Zedaka- und Gemilutchassadim-Vereine f\u00fcr die mannigfaltigsten Zwecke der Wohlt\u00e4tigkeit, der Krankenpflege, der Leichenbestattung etc. In gr\u00f6\u00dferen Gemeinden hatten oft die verschiedenen Arbeiter- und Gewerbsklassen ihre besonderen Vereinigungen zu gemeinschaftlicher Pflege des Gottesdienstes, der Lehre und der gegenseitigen Unterst\u00fctzung, Vereinigungen, die nach vollendeter Tagesarbeit statt des Wirtshausbesuches Gelegenheit zum Gottesdienst und zu moralischer und religi\u00f6ser Belehrung boten, und haben alle diese, mit opferfreudiger Hingebung, lediglich religi\u00f6sen und humanen Zwecken zugewandten Vereinigungen die j\u00fcdischen Kreise unter den traurigsten Zeitverh\u00e4ltnissen vor der Verkommenheit eines Proletariats bewahrt und bis in die untersten Schichten den Sinn f\u00fcr geistiges und sittliches Interesse wach gehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Text aus dem Jahre 1884, der den Talmud gegen\u00fcber antisemitischen Vorw\u00fcrfen verteidigt.<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-508","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-talmud"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=508"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/508\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10192,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/508\/revisions\/10192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.talmud.de\/tlmd\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}